Schlagwort-Archiv: Grundel

Sicyopus rubicundus

4. April 2018

Aus Indonesien haben wir wieder einmal eine Sendung der wunderschönen Sicyopus-Grundeln erhalten. Diese sind – trotz äußerlicher Ähnlichkeit – keine Aufwuchsfresser, wie Stiphodon oder Sicyopterus, sondern Kleintierfesser, die deutlich größere Futterbrocken jagen. Dazu zählen auch kleine Fische und Garnelen bis zu einem Zentimeter Länge, obwohl die Grundeln selbst nur maximal 5-6 cm lang werden und sehr schlank gebaut sind.

Bezüglich der Artbestimmung gab es reichlich Konfusion, wir sprachen die (anfangs völlig farblosen) Tiere zunächst als Sicyopus zosterophorum (Bleeker 1856) an; dann haben sich die Männchen aber ausgefärbt und wir dachten, dass es sich um die mit S. zosterophorum eng verwandte und ebenso hübsche Art S. exillisquamulus Watson & Kottelat 1994 handelt – nun ja, jedenfalls fast. Denn in der wissenschaftlichen Literatur wird S. exillisquamulus mit S. auxilimentus Watson & Kottelat 1994 synonymisiert. 

Wie uns Laurent Tyty schließlich unter Berufung auf die aktuellste wissenschaftliche Literatur zu Sicyopus (Keith et al., 2015) freundlicherweise mitteilte, handelt es sich bei unseren Importen tatsächlich offenbar um die Art Sicyopus rubicundus Keith, Hadiaty, Busson & Hubert, 2014; S. auxillimentus (neben S. exallisquamulus synonymisieren Keith et al. auch noch S. cebuensis Chen & Shao, 1998 mit dieser Art) hat im Gegensatz zu S. rubicundus keine orangefarbenen Lippen.

Wir hatten S. rubicundus schon früher (2006) unter der Bezeichnung Sicyopus sp. Red importieren können. Die Art unterscheidet sich von S. zosterophorus durch das Fehlen eines schwarzen Balkens unter dem Auge, die orangefarbenen Lippen und das Fehlen von deutlichen, senkrechten Streifen am Körper. Die Färbung von S. rubicundus ist zudem eher orange, die von S. zosterophorum eher rot. Weibchen beider Arten sind weitgehend farblos.

Sicyopus sind Bewohner von Bächen und lieben klares, strömendes Wasser, Sandboden und Versteckmöglichkeiten. Zwar laichen Sicyopus regelmäßig im Aquarium ab – es sind Höhlenbrüter – aber die winzigen Larven müssen sich im Meer entwickeln; bislang sind keine erfolgreichen Aufzuchten bekannt geworden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 456183 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Keith, P., C. Lord & K. Maeda (2015): Indo-Pacific Sicydiine gobies. Biodiversity, life traits and conservation. Société Française d’Ichtyologie, Paris. 1-256.

Odonteleotris macrodon

23. März 2018

Aus Thailand erhielten wir vergangene Woche fünf rund 15 cm lange Exemplare dieser urigen Schläfergrundel. Unser erster Gedanke war: Oxyreleotris urophthalmus. Die Gattung Oxyeleotris ist in Thailand mit zwei einander sehr ähnlichen Arten vertreten, ebenfalls sehr ähnlich ist auch Bostrychus sinensis. Alle drei werden ca. 20 cm lang und haben einen Augenfleck am oberen Ende des Schwanzstiels. Smith (1945) gibt den bis heute besten Schlüssel, um die drei Arten zu unterscheiden. Demnach hat Bostrichyus sinensis winzige Schuppen, etwa 140 in der Längsreihe und im Gegensatz zu Oxyeleotris feine in Bändern angeordnete Zähnchen; Oxyeleotris haben hingegen richtige Fangzähne. O. siamensis hat rund 90 Schuppen in der Längsreihe (etwa 40 Rückenschuppen vor der ersten Rückenflosse), ein kleine Bartel auf beiden Seirten des Oberkiefers und eine unbeschuppte Schnauzenpartie. O. urophthalmus hat 70-75 Schuppen in der Längsreihe (etwa 30 Rückenschuppen vor der ersten Rückenflosse), keine Barteln und eine beschuppte Schnauzenpartie.

Unsere Tiere haben Fangzähne, keine Barteln,  – diese Angaben ausgezählt an Fotos – ca. 75 Schuppen in der Längsreihe, ca. 20 predorsale Schuppen, keine erkennbaren Schuppen an der Schnauze. Das alles passt nicht so richtig, auch wenn es zugegebenermaßen schwierig ist, bei den lebenden Tieren die recht kleinen Schuppen, die unter einer dicken Schleimhautschicht liegen, auszuzählen. 

Darum fingen wir mit den Bestimmungsversuchen nochmal von vorn an und stießen auf Odonteleotris macrodon, eine sehr weit in Indien, Malaysia und Indonesien verbreiteten Art, die ebenfalls einen Ocellus hat. Auch hier passen die von uns ermittelten Werte nicht so ganz (diese Art hat rund 90 Schuppen in der Längsreihe), aber alles andere passt viel besser als zu Oxyeleotris.

Somit kommt also Odonteleotris macrodon wohl auch in Thailand vor, was nicht weiter verwunderlich ist, aber bislang nach der wissenschaftlichen Literatur nicht bekannt war.

Odonteleotris macrodon ist eine Brackwasser-Art, die weit in das Süßwassert eindringt. Sie wird rund 30 cm lang und ist ein Raubfisch. Die Entwicklung der Larven erfolgt, so weit bekannt, im Meer.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 414745 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachygobius sabanus Thailand

20. März 2017

Aus Thailand haben diese sehr hübsche Goldringelgrundel erhalten. Die Bestimmung von Goldringelgrundeln ist immer noch in vielen Fällen eine sehr kniffelige Angelegenheit und gelingt oft nur mit vielen Fragezeichen. Brachygobius sabanus wurde ursprünglich von Borneo (Sabah) beschrieben, unsere Tiere stammen aber aus Thailand. Die der Erstbeschreibung von B. sabanus beigefügte Abbildung stimmt aber sehr gut mit unseren Tieren überein.

B. sabanus wird nur etwa 2,5 cm lang und ist individuell recht variabel gefärbt. Die Tiere leben in reinem Süßwasser. Was uns besonders freut: sie laichten sogar in unserer Anlage ab! Zunächst dachten wir, der Laich wäre verpilzt, weil er recht schnell weiß wurde. Doch als nach zwei Tagen der „verpilzte“ Laich immer noch da war und energisch vom Papa verteidigt wurde, schauten wir nochmal genauer hin. Da waren die Augen der Embryonen schon deutlich zu erkennen! Was wir für verpilzten Laich gehalten hatten, war in Wirklichkeit der weiße Dottersack. Leider schlüpften die Larven ausgerechnet am Wochenende nachts, als keiner in der Anlage war. Jedoch dürfte die Aufzucht von B. sabanus ohne allzu große Schwierigkeiten möglich sein.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 407252 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer