Archiv für den Autor: Frank Schäfer

Pristobrycon careospinus ( = Serrasalmus careospinus)

6. Februar 2026

Im Jahr 1992 beschrieben W. L. Fink und A. Machado-Allison zwei Piranha-Arten der Gattung Pristobrycon aus Flüssen des Rio-Atabapo-Einzuges (Venezuela): P. careospinus und P. maculipinnis. Die beiden Arten unterscheiden sich farblich. Während P. maculipinnis kleine Punkte am Körper und Flecken in den senkrechten Flossen zeigt, sind die Flossen bei P. careospinus ohne Zeichnung und die Flecken am Körper groß. Leider lagen den Wissenschaftlern nur wenige Exemplare vor. Von P. maculipinnis hatten sie sechs Exemplare, von P. careospinus sogar nur eines. Das ist angesichts der bekannt großen farblichen Variabilität von Piranhas und der ebenfalls berühmt-berüchtigten Farbwechsel dieser Fische, die sie während ihres Wachstums durchlaufen (wissenschaftlich nennt man das ontogenetische Farbwechsel) natürlich problematisch. 

Im Jahr 2006 tauchten erstmals farblich sehr beeindruckende Piranhas aus Venezuela im Zierfischmarkt auf. Sie wurden damals als Pristobrycon maculipinnis bestimmt, wobei es als wahrscheinlich angesehen wurde, dass P. maculipinnis und P. careospinus die gleiche Spezies darstellen würden.

Nun gelang uns endlich wieder der Import dieser wunderschönen Piranhas, diesmal von vier Exemplaren. Inzwischen halten wir die 2006 importierten und auch die jetzt wieder eingeführten Pristobrycon für Angehörige der Art P. careospinus und denken, dass die frühere Annahme, P. careospinus und P. maculipinnis seien identisch, ein Irrtum war.

Der Unterschied zwischen Pristobrycon und anderen Piranha-Gattungen ist äußerlich nicht erkennbar. Es handelt sich dabei um ein Knochenmerkmal, nämlich das Gaumendach (in wissenschaftlichen Publikationen als Palatin oder Ectopterygoid bezeichnet). Dieses ist bei typischen Serrasalmus-Arten bezahnt, bei Pygocentrus-Arten glatt und unbezahnt und bei Pristobrycon-Arten rau und unbezahnt. Neuere molekularbiologische Untersuchungen sehen P. careospinus nicht mehr in der Gattung Pristobrycon, sondern ordnen sie bei Serrasalmus ein. Dann heißt die Art folglich Serrasalmus careospinus.

Über das Verhalten dieser Art ist so gut wie nichts bekannt. In der Natur tritt sie offenbar meist einzeln auf. Im Aquarium sind Piranhas häufig notorische Flossenbeißer, was eine dauerhafte Einzelhaltung nötig machen kann. Andererseits hat Oliver Lucanus (mündl. Mitt.) zumindest eine zeitlang eine Gruppe der wunderschönen Art, die wir hier vorstellen, unter der Bezeichnung P. maculipinnis gemeinsam gepflegt. Insgesamt werden die Vertreter der Gattung Pristobrycon (im herkömmlichen Sinne) nur äußerst selten im Aquarium gepflegt, was schade ist, denn alle Arten bleiben gewöhnlich unter 20 cm Totallänge und sind teils sehr attraktiv gefärbt. Detaillierte Pflegeberichte fehlen in der aquaristischen Literatur, von Zuchtberichten ganz zu schweigen. 

Die Bilder zeigen Exemplare des Importes von 2006 und eine Collage der vier gerade bei uns angekommenen Tiere, die sich naturgemäß noch von den Strapazen des Transportes erholen müssen, aber offensichtlich kerngesund sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 283285 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml

Hyphessobrycon amapaensis

6. Februar 2026

Zu den begehrtesten Kleinsalmlern zählte einst der Dreibandsalmler, Hyphessobrycon heterorhabdus. Als die Salmler groß in Mode waren – in den 1950er bis 1970er Jahren – wurde diese Art als „Problemfisch“ eingeordnet, denn ohne Tricks und Kniffe pflanzte er sich nicht fort. Die reine Haltung ohne Zuchtabsichten war jedoch auch bei dieser Art völlig problemlos. Heute kennen wir einen ganzen Komplex von Dreibandsalmler-Arten und ihre Bestimmung ist alles andere als einfach. Wahrscheinlich waren die damals gepflegten Tiere gar keine H. heterorhabdus. Nähere Informationen hierzu finden sich hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-heterorhabdus/

Aber eine sehr eng verwandte Art dieses Dreibandsalmlers ist jedoch ziemlich leicht zu bestimmen: Hyphessobrycon amapaensis, der Amapa-Dreibandsalmler. Diese Art wurde während einer Zierfischexpedition von Bitter und Hessfeld in Brasilien gefangen und mitgebracht, was damals (1997) noch legal möglich war. Ein Jahr später erfolgte die wissenschaftliche Beschreibung als neue Art durch Zarske und Gery. Der Fundort war ein Savannenbach an der B156 im Bundesstaat Amapa. Das Wasser dort war klar, leicht bräunlich, leicht sauer (pH 5,8 bis 6,3), sehr weich (sowohl KH wie auch GH unter 1° dH, Leitwert 9-13 µS/cm) und rund 25-27°C warm. Der interessanteste Beifisch war Hyphessobrycon takasei (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-takasei/).

Das Erkennungszeichen von Hyphessobrycon amapaensis liegt im schwarzen Anteil des Längsbandes. Das Längsband besteht bei allen Dreibandsalmlern im engeren Sinne aus drei unterschiedlich gefärbten, parallel verlaufenden Bändern, einem roten, einem hellen und einem schwarzen. Das schwarze Band von Hyphessobrycon amapaensis ist im Gegensatz zu allen anderen Dreibandsalmlern unmittelbar hinter dem Kiemendeckel bis Ende der Brustflossen stark verbreitert und verläuft außerdem bis in die Schwanzflosse hinein. Das oberste Band ist korallenrot und viel klarer als bei anderen Dreibandsalmlern. Zur sicheren Bestimmung muss man sich etwas Zeit lassen. In Abhängigkeit von der Stimmung kann jeder Fisch die Körperzellen, die das schwarze Pigment enthalten, stark zusammenziehen – dann wird der Fisch hell, die schwarze Zeichnung fast unsichtbar – oder ausdehnen. So wird der sehr rasche Farbwechsel, den so viele Fische zeigen, erst möglich. Bei erschreckten Hyphessobrycon amapaensis ist das schwarze Längsband oft nicht gut zu erkennen.

Hyphessobrycon amapaensis hat sich von allen Dreibandsalmlern als einzige Art einen festen Platz im Hobby erobert. Er steht fast ganzjährig in guter Qualität als Nachzucht in verschiedenen Größen zur Verfügung, obwohl seine Zucht auch heutzutage noch einen erfahrenen Salmlerzüchter erfordert. Wildfänge kommen nur sehr sporadisch auf den Markt. Die Bilder zeigen Nachzuchtexemplare der Größenklasse md-lg. Es handelt sich um einen idealen Fisch für gut gepflegte Gesellschaftsaquarien. Zur optimalen Ausfärbung ist weiches, leicht saures Wasser günstig, die Anpassungsfähigkeit der Fische ist jedoch hoch und praktisch jedes Leitungswasser zur Pflege geeignet. Die Art ist völlig friedlich gegen Artgenossen und artfremden Fischen, die Pflege sollte im Schwarm erfolgen. Die Maximallänge beträgt etwa 4 cm. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben, je nach Größe und Ursprung, Code 259452 (Nachzucht sm-md), 259453 (Nachzucht md-lg), 259454 (Nachzucht lg), 259463 (wild lg) und 259464 (wild xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Danio frankei

6. Februar 2026

Wir stellen immer wieder mal fest, dass ausgerechnet von den Fischarten, die am allerhäufigsten im Handel zu finden sind, auf unserer Homepage noch keine Einträge vorhanden sind. Das liegt natürlich daran, dass ständig so viele neue, spannende Arten vorzustellen sind, aber zugegeben: auch das vermeintlich Alte hat noch viel Spannendes zu bieten! 

Danio frankei erschien 1962 quasi aus dem Nichts auf dem Zierfischmarkt und wurde von Hermann Meinken anhand von Aquarienexemplaren als neue Art beschrieben. Seither wird in der aquaristischen und auch der wissenschaftlichen Literatur bis zum heutigen Tage intensiv (und letztendlich ergebnislos) darüber spekuliert, ob es sich bei D. frankei nur um eine Mutation von D. rerio, dem Zebrabärbling, handelt, oder ob es eine eigenständige Art ist. Fest stehen eigentlich nur zwei Dinge: Erstens: D. rerio und D. frankei lassen sich leicht kreuzen, die Mischlinge sind uneingeschränkt fruchtbar. Zweitens: es wurden noch nie Danio frankei in der Natur nachgewiesen. Über den Artstatus von D. frankei sagen beide Fakten nichts aus. Bei etlichen Lebendgebärenden Zahnkarpfen ist es möglich, Mischlinge zu erzüchten, auch hier gibt es keine Einschränkung in der Fruchtbarkeit. Trotzdem würde ja niemand ernsthaft daran zweifeln, dass Platy und Schwertträger verschiedene Arten sind. Und bei vielen anderen Arten war die natürliche Herkunft jahrzehntelang unbekannt. Berühmte Beispiele sind die Odessabarbe (Pethia padamya) und der Schwarze Makropode (Macropodus spechti). Von der Aquarium-Prachtbarbe (Pethia conchonius), deren Aussehen seit der Ersteinfuhr im Jahr 1903 sehr gut dokumentiert ist, ist bis heute ebenfalls das Wildvorkommen unbekannt. Wildfang-Prachtbarben aus Bengalen (von dort wurde die Art beschrieben) sehen völlig anders aus. Wenn Danio frankei eine natürlich vorkommende Art ist, so ist ihr Vorkommen im Nordosten Indiens zu vermuten, eine Gegend, in der viele Gebiete bis heute unzugänglich sind.

Obwohl Danio frankei (Leopardbärbling) und D. rerio (Zebrabärbling) so oft miteinander gekreuzt wurden, dass es reinblütige Tiere wohl kaum noch gibt, ist der Phänotyp* des Leopardbärblings bis heute – also über 70 Jahre seit seiner Ankunft im Hobby – unverändert geblieben. Es gibt zwar Zuchtformen – goldene, schleierflossige, gentechnisch veränderte (Glowfish) etc. – aber der Urtyp ist immer noch existent. Er unterscheidet sich vom Zebrabärbling nicht nur dadurch, dass er Punkte statt Längsbinden am Körper trägt (die dafür zuständigen Gene sind übrigens indentifiziert), sondern auch durch eine intensiv goldglänzende Körperfarbe. Ganz kleine, 5 mm lange Leopardbärblinge sehen wie goldene Neonfischchen aus. Diese Färbung hat ein Zebrabärbling niemals. Bis das Gegenteil bewiesen wurde, sollte man darum davon ausgehen, dass B. frankei eine gültige Art ist.

Im Aquarium sind Leopardbärblinge die reine Freude. Es sind völlig anspruchslose, absolut friedliche Schwarmfische, die mit jedem Trinkwasser als Lebensraum zufrieden sind und jedes übliche Zierfischfutter passender Größe will fressen. Die Wassertemperatur kann zwischen 16 und 30°C liegen, dauerhaft warme Haltung verkürzt die Lebenserwartung, dauerhaft kühle Pflege lässt die Farben verblassen. Am besten gönnt man den Tieren also einen gewissen jahrezeitlichen Rhythmus, wie der in den Subtropen Indiens – der Urheimat des Zebrabärblings und wohl auch des Leopardbärblings – anzutreffen ist.

Für unsere Kunden: Danio frankei hat – je nach Größe – Code 407602 (md) bis 407604 (xlg) in der Wildform, 407611 (sm) bis 407615 (sh) als Schleierflosser, 407623 (md-lg) als Goldform, 407634 (lg-xlg) und 407635 (sh) als schleierflossige Goldform auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

*Als Phänotyp bezeichnet man in der Biologie das äußere Aussehen, ohne Rücksicht auf die genetische Identität. Das Gegenteil davon bezeichnet man als Genotyp.

Text & Photos: Frank Schäfer

Andinoacara rivulatus „Silbersaum“

6. Februar 2026

Die prächtigen großwüchsigen Andinoacara-Arten waren bis vor relativ kurzer Zeit in der Gattung Aequidens untergebracht. Insgesamt umfasst die Gattung Andinoacara acht anerkannte Arten. Davon bilden drei großwüchsige Arten – A. blombergi, A. rivulatus und A. stalsbergi – einen Arten-Komplex. Diese drei Arten kann man darum relativ leicht miteinander verwechseln. Am einfachsten ist es mit der Goldsaum-Variante von A. rivulatus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/andinoacara-rivulatus/), denn nur diese Form hat innerhalb des Komplexes gelb-orange Flossensäume. A. stalsbergi hat silberweiße Flossensäume und wird darum auch als „Silbersaum-Buntbarsch“ bezeichnet. Das ist insofern irreführend, als dass dies nicht der entscheidende Artunterschied ist, weil beide andere Arten ebenfalls silberweiße Säume aufweisen können. Vielmehr muss man sich zur Bestimmung die Schuppen anschauen. Bei A. stalsbergi ist das Zentrum der Schuppen hell (leuchtend grünblau im Leben), die Schuppenränder dunkel. Bei den beiden anderen Arten ist es genau umgekehrt. Der Schwanzflossensaum männliche A. rivulatus der Silbersaum-Variante ist deutlich breiter als bei den beiden anderen Arten. So kann auch diese Form gut erkannt werden. 

Andinoacara rivulatus ist entlang der Pazifikseite von Peru und Ecuador relativ weit verbreitet. So wundert es nicht sehr, dass die Art verschiedene Farbvarianten ausgebildet hat. Wir haben die „Silbersaum-Variante“ von A. rivulatus als deutsche Nachzuchten im Stock. Die „Goldsaum-Variante“ wird dagegen vorwiegend von asiatischen Zuchtbetrieben angeboten.

Alle drei genannten Andinoacara-Arten können deutlich über 20 cm groß werden, sich also zu richtigen Brocken entwickeln. Werden sie in zu kleinen Aquarien gehalten, ist das ein Problem, denn dann werden sie zu „Green Terrors“, also „Grünen Schrecken“, wie sie im englischen Sprachgebrauch heißen. Eventuelle Mitbewohner haben dann nichts zu lachen. In ausreichend großen Aquarien sind sie hingegen eher ruhige Großbuntbarsche. Die Geschlechtsreife setzt schon viel früher, mit etwa 8 cm Länge ein. Andinoacara sind Offenbrüter mit Elternfamilie. Bezüglich der Wasserzusammensetzung sind sie anspruchslos, jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe. Die Wassertemperatur kann zwischen 20 und 26°C liegen, zur Zucht auch etwas wärmer. Während der Brutvorbereitung werden diese Fische innenarchitektonisch aktiv. Am besten bepflanzt man ihr Aquarium deshalb mit großen, getopften Pflanzen, die unter der Tätigkeit der Fische nicht so leiden müssen. Die Geschlechter lassen sich ganz gut am Schwanzflossensaum unterscheiden, der bei den Weibchen viel schmaler ist. Aber es gilt auch hier die alte Regel der Cichlidenpflege: während dominante Männchen immer leicht zu erkenn sind (in diesem Fall: breiter Schwanzflossensaum und Stirnbuckel) tarnen sich unterdrückte Männchen gerne farblich und körperlich als Weibchen. Wer also züchten möchte, sollte sich einen Trupp jüngerer Tiere anschaffen, aus dem sich gewöhnlich von selbst harmonisierende Pärchen finden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 610012 (4-6 cm), 610013 (6-8 cm) und 610014 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis sp. aff. evelynae ( = Corydoras sp. aff. evelynae)

30. Januar 2026

In der Aquarienkunde gibt es immer wieder Fische, die von Legenden umrankt sind. Dazu zählt unbedingt Hoplisoma evelynae, eine bereits 1963 anhand von einem einzigen Exemplar beschrieben wurde, das von Axelrod im Gebiet des oberen Rio Solimoes (so heißt der Amazonas oberhalb seines Zusammenflusses mit dem Rio Negro) gesammelt wurde. Aus irgendwelchen unbekannten Gründen gelangt diese Art nur selten in die Hände der Zierfischfänger. Mit der Zeit entwickelte sich ein regelrechter Hype um dieses Tier, das im Wesentlichen wie ein Stromlinienpanzerwels (Hoplisoma granti, im Hobby allgemein als Corydoras arcuatus bezeichnet) mit unterbrochener Rückenlinie, zwei parallel verlaufenen Streifen über den Flanken und einer gestreiften Schwanzflosse aussieht.

Eine Panzerwels-Art mit exakt diesem Zeichnungsmuster, aber der Kopfform eines Brochis der Clade 4 (das sind die spitzköpfigen Panzerwelse), konnten wir jetzt in kleiner Stückzahl aus Kolumbien importieren. Wir hatten schon früher Bilder dieser Art gesehen, die aus dem Amazonas-Einzug in Kolumbien stammt und über Leticia verschickt wird. Aber importieren konnten wir sie bislang nicht. Soweit wir wissen, hat dieser Fisch bislang keine C- oder CW-Nummer erhalten (C98 und CW13 sind ähnlich, stellen aber unserer Meinung nach andere Arten dar). Rundschnäuzige Tiere – also Hoplisoma – mit einer sehr ähnlichen Färbung haben die C-Nummer 90 erhalten. Vom „echten“ H. evelynae unterscheidet sich C90 durch einen prominenten schwarzen Sattelfleck direkt am Ansatz der Rückenflosse.

Unsere Tiere sind mit etwa 6 cm Gesamtlänge wohl geschlechtsreif, aber noch nicht völlig ausgewachsen. Ein Photo eines Tiere in Show-Size bei Armando Ortega-Lara (2016) zeigt noch viel deutlicher als unsere Exemplare die spezielle Kopfform, die so überaus typisch für Brochis der Clade 4 ist.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 229573 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Ortega-Lara, A. (2016): Guía visual de los principales peces ornamentales continentales de Colombia. SERIE RECURSOS PESQUEROS DE COLOMBIA – AUNAP. Santiago de Cali, Colombia.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sewellia patella

30. Januar 2026

Die Vertreter der Gattung Sewellia werden umgangssprachlich auch als „Prachtflossensauger“ bezeichnet, da ihre Zeichnung häufig sehr kontrastreich ist. Es gibt aber auch schlicht gefärbte Arten, wie die zuletzt wissenschaftliche beschriebene Spezies, S. pudens Kottelat, 2025. Es sind insgesamt 15 Sewellia-Arten benannt worden, doch wie viele davon auch gültig sind, ist wegen teilweise sehr unzureichender Qualität mancher Beschreibungen schwer zu sagen.

Kein Zweifel besteht aber über die Gültigkeit von Sewellia patella. Man kennt die Art bislang aus den Einzügen des Ba (Da Rang) River und des Sesan River, beide in Zentral Vietnam (Provinzen Gia Lia und Kon Tum). Diese Art ist der bekannten S. lineolata (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/sewellia-lineolata/, dort auch alle relevanten Pflege- und Zuchthinweise) auf den ersten Blick recht ähnlich, aber durch die Färbung deutlich unterschieden. S. lineolata, S. marmorata und S. pterolineata, die allesamt beim flüchtigen Hinsehen mit S. patella verwechselt werden könnten, haben ein schwarzes Band entlang der Außenseite der Brustflossen, das bei S. patella vollständig fehlt.

Ganz sicher kann man sein, wenn man die Tiere von unten betrachtet. Als einzige „gesicherte“ Sewellia-Art (S. analis, eine der fragwürdigen Arten, soll dieses Merkmal auch zeigen) hat S. patella zwei halbkreisförmige Fortsätze an der Afterflosse, deren Sinn oder Funktion unbekannt sind. Vermutlich stehen sie aber im Zusammenhang mit der Fortpflanzung bzw. dem Verhalten der Geschlechter zueinander, da diese Fortsätze bei Männchen und Weibchen unterschiedlich geformt sind. Ein weiterer Geschlechtsunterschied besteht in lappenartigen Fortsätzen auf der Oberfläche der Bauchflossen, die allerdings bei lebenden Tieren schwer zu erkennen sind. Diese Fortsätze sind bei den Männchen größer als bei den Weibchen.

In der Erstbeschreibung liefern die Autoren Freyhof und Serov auch wertvolle Hinweise zum natürlichen Lebensraum. Nach ihren Beobachtungen bevorzugt S. patella stärker strömende Gewässerteile als z.B. S. lineolata. Die Strömungsgeschwindigkeit im Habitat von S. patella betrug zwischen 0,6 und mehr als 1 m/s. Das sollte man zumindest bei der Eingewöhnung der Tiere berücksichtigen. Ansonsten gilt nach unseren bisherigen Erfahrungen alles, was man auch bei der Pflege von S. lineolata beachten sollte. Da die Art bisher nur einem kleinen Gebiet bekannt ist und die Bestände dort stark rückläufig sind, gilt sie als gefährdet. Es ist darum wünschenswert, eine stabile Aquarienpopulation aus Nachzuchten aufzubauen. Die bislang dokumentierte Maximallänge von S. patella beträgt 49 mm (Standardlänge ohne Schwanzflosse).

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 455113 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ctenopoma acutirostre

30. Januar 2026

Zu den schönsten afrikanischen Labyrinthfischen gehört der bis zu etwa 15-20 cm lang werdende Leopardenbuschfisch, Ctenopoma acutirostre. Seine Heimat ist der Kongo und für die Aquaristik werden die Tiere üblicherweise im Stanley Pool gesammelt. Dort leben sie tagsüber unter den schwimmenden Wiesen der Wasserhyazinthen (Eichhornia crassipes). Gelegentlich erfolgen aber Importe auch aus dem zentralen Kongogebiet (Lac Mai Ndombe) oder aus Kamerun. Die Art ist offenbar im gesamten Einzug des Kongo verbreitet. In der Dämmerung ziehen sie auf Raub aus. Sie lassen sich wie tote Fische durch das Wasser treiben und imitieren dabei mit ihrem Fleckenmuster einen verwesenden Fischkadaver. Das lockt kleine Fische an, die sich als Aasfresser betätigen wollen und nun ihrerseits als Nahrung für den Leopardenbuschfisch dienen.

Bezüglich der Nachzucht hat sich der Leopardenbuschfisch in Privathand als unzugänglich erwiesen. Zwar sind die Tiere untereinander vollkommen friedlich, man kann auch leicht die Geschlechter unterscheiden (die geschlechtsreifen Männchen haben Dornenfelder hinter den Augen und auf den Flanken, die dazu dienen, das Weibchen während der Paarungsumschlingung festzuhalten). Dennoch kam es bislang immer nur zu Zufallsvermehrungen im Aquarium, gezielte Zuchtansätze scheiterten. Sicher ist dabei zu berücksichtigen, dass die Hauptaktivitätszeit dieser Tiere in der Nacht liegt, auch die Paarungen nachts stattfinden und der Eiersegen dann morgens meist schon als Zusatzleckerei Verwendung gefunden hat, aber das erklärt den bisherigen Misserfolg von Aquarianern bei der Zucht nur teilweise.

In Südostasien gelingt jedoch seit Jahren die planmäßige Zucht der wunderschönen Fische und so können wir regelmäßig entzückende Leopardenbabies anbieten. Wie ihre Eltern beherrschen sie schon die angeborene Jagdtechnik durch sich-totstellen. Zur Ernährung braucht man aber glücklicherweise keine Fische. Sowohl junge wie auch erwachsene Leopardbuschfische sind leicht an Frostfutter (Mückenlarven etc.) zu gewöhnen und fressen nach der Eingewöhnung auch gerne Granulate und andere Trockenfuttermittel. 

Gegenüber Fischen, die etwa die halbe Körperlänge der Leopardbuschfische haben und somit als Futter nicht mehr in Frage kommen, sind C. acutirostre vollkommen friedlich, so dass sie auch gut in Gesellschaftsaquarien gepflegt werden können. Allerdings darf die Gesellschaft nicht aus hektischen Fischen bestehen, denn Leopardbuschfische mögen es ruhig und dämmerig.

Es gibt kaum zwei Leopardbuschfische mit dem exakt gleichen Muster. Die Nachzuchttiere haben allerdings alle das bekannte Leopardenmuster. Bei Wildfängen treten jedoch die absonderlichsten Farbvarianten auf, von völlig einfarbig braun bis hin zu senkrecht gestreift. Das führte in der Vergangennheit schon zu Verwechslungen mit dem ebenfalls aus dem Kongo stammenden Ctenopoma ocellatum. Ein weiteres Phänomen, das bislang nur bei Wildfängen beobachtet wurde, ist das Auftreten ungewöhnlicher Körpergrundfarben, wie orange oder (sehr selten) sogar violett. Diese Farben verschwinfen aber mit der Zeit im Aquarium und nach spätestens einigen Monaten sehen diese Fische aus, wie fast alle anderen C. acutirostre: beige Körpergrundfarbe mit schokoladenfarbenen Flecken. Leopardbuschfische sind langlebig, 10-15 Jahre im Aquarium sind völlig normal, anekdotenhaft hat man auch schon von doppelt so alten Tieren gehört.

Zur Pflege gibt es nicht viel zu sagen. Die Wasserwerte sind völlig unerheblich, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 30°C liegen. Zur Fütterung und Vergesellschaftung wurde schon alles gesagt, ebenso zur Beckeneinrichtung. Man bedenke lediglich, dass sich Labyrinthfische erkälten können, wenn sie zur Luftaufnahme an die Wasseroberfläche kommen. Also im Winter, wenn man lüftet, aufpassen, dass der Luftraum über dem Aquarium nicht zu stark auskühlt. Aber das gilt ja für alle Labyrinthfische.

Für unsere Kunden: die Nachzuchten haben, je nach Größe, Code 115011 (3 cm) bis 115015 (6-8 cm), die Wildfänge 115001 (3-4 cm) bis 115005 (14-16 cm). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Geophagus cf. camopiensis „Araguari“

30. Januar 2026

Der brasilianische Bundesstaat Amapá liegt im äußersten Nordosten Brasiliens am Atlantik. Zoogeografisch ist er deshalb besonders interessant, weil in seinen Flüssen – etwa dem großen Fluss-System des Rio Araguari – teils Fischarten vorkommen, die ansonsten nur im angrenzenden Französisch Guyana im Rio Oyapock vorkommen; wegen des hohen Preisniveaus in Französisch Guyana sind Zierfischexporte von dort kaum möglich: die Tiere sind einfach zu teuer.

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Darum freuen wir uns sehr, zumindest zwei der begehrten Oyapock-Fischarten aus brasilianischen Amapá-Populationen (Rio Araguari-Einzug) anbieten zu können: Retroculus septentrionalis (dazu vielleicht später ein Post, wenn die Tiere besser eingewöhnt und entsprechend attraktiver gefärbt sind) und Geophagus cf. camopiensis. 

Geophagus-Experten, mit denen wir stets in Korrespondenz stehen, sind sich ziemlich sicher, dass es sich dabei um Geophagus camopiensis handelt, eine Art, die bereits 1903 von Pellegrin aus dem Rio Camopi, einem nördlichen Zufluss der Rio Oyapock in Fr. Guyana beschrieben worden war. Aufsammlungen von Aquarianern in Französisch Guyana machten es möglich, dass wir wissen, wie diese Art aussieht. Auffällig ist vor allem ein sehr großer Flankenfleck. Die Amapá-Geophagus, die wir jetzt importieren konnten, wurden unter der irrigen Bestimmung „Geophagus proximus“ geschickt. Der Exporteur ließ sich offenbar durch den großen Flankenfleck erwachsener Tiere täuschen. G. proximus ist bekanntlich die Geophagus-Art mit dem größten Flankenfleck von allen. Bei der Amapá-Population von G. cf. camopiensis ist der Flankenfleck etwas kleiner und oft (nicht immer!) sehr rechteckig. Da es sich nicht völlig ausschließen lässt, dass es sich bei unseren Tieren um eine extrem ähnliche, aber eben doch andere Art handelt, schreiben wir den Artnamen mit cf. ( das bedeutet „vergleiche mit“). Wir nehmen an, dass Geophagus cf. camopiensis „Araguari“ mit dem 1988 erstmals importierten G. sp. „Araguari“ identisch ist.

Es gibt übrigens in Amapá noch mindestens eine weitere Geopagus-Art, die wir erstmals 2013 importieren konnten. Dabei handelte es sich zweifellos um eine Form aus dem G.-altifrons-Formenkreis mit sehr kleinem Flankenfleck. 

Geophagus cf. camopiensis „Araguari“ ist ein farbenfroher, gut haltbarer Erdfresser. Man sollte die Wassertemperaturen eher im oberen Bereich halten (26-28°C, zur Zucht 30-32°C), ansonsten sind die Fische gut anpassungsfähig. Es wird nach Art der Offenbrüter abgelaicht, die Jungen nach dem Schlupf aber im Maul weiter bebrütet. Beide Elterntiere beteiligen sich an der Maulbrutpflege. Es handelt sich also – auf fachchinesisch gesagt – um biparentale, larvophile Maulbrüter. Die Maximallänge dieser Tiere beträgt 18-20 cm. In der Natur sind sie – ähnlich wie andere Geophagus – oft in Gruppen anzutreffen. Es sind also vergleichsweise friedfertige Großcichliden, wobei man stets bedenken muss, dass das Verhalten von Buntbarschen stark von der Beckengröße und -einrichtung beeinflusst wird. Wie bei allen Geophagus-Arten ist eine große Fläche mit Sand zum Durchkauen auf Dauer lebensnotwendig, Zum Ablaichen sind einige größere, flache Steine vorzusehen.

Herzlichen Dank an Andreas Jekel für die Diskussion und die Bilder erwachsener Tiere!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 675322 (6-8 cm) und 675323 (8-10 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Fotos: Frank Schäfer & Andreas Jekel

Parailia pellucida

30. Januar 2026

Der Afrikanische Glaswels, Parailia pellucida, ist ein herrlicher Aquarienfisch, aber seltsamerweise im breiten Hobby nahezu unbekannt. Dabei ist diese Art fast immer erhältlich. Wir importieren sie regelmäßig aus Nigeria. 

Der Afrikanische Glaswels ist nicht näher mit den asiatischen Glaswelsen (am häufigsten im Aquarium: Kryptopterus vitreolus, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/kryptopterus-vitreolus/) verwandt. Dieser gehört zu den Echten Welsen (Siluridae), ist also ein Vetter des einheimischen Wallers, während die Afrikanischen Glaswelse zu der Familie Schilbeidae gehören. Das ähnliche Aussehen und Verhalten beider Gruppen von Glaswelsen beruhen also nicht auf Verwandtschaft, sondern auf ähnlichen Lebensbedingungen, genau wie bei Fledermäusen und Vögeln, die ja auch nicht  näher miteinander verwandt sind, nur weil sie beide Flügel haben.

Äußerlich unterscheidet sich P. pellucida von Kryptopterus durch den Besitz einer Fettflosse und durch die acht langen Barteln (zwei bei Kryptopterus). Die Maximallänge des Afrikanischen Glaswelses wird nur rund 15 cm angegeben, doch sind Exemplare über 8 cm Länge außerordentlich selten. Die Gattung Parailia umfasst übrigens fünf Arten, jedoch sind nur P. pellucida regelmäßig und gelegentlich P. congica (aus dem Kongo, sonst sehr ähnlich zu P. pellucida) im Handel. P. pellucida ist in der Natur außerordentlich häufig. Die Art stellt ein wichtiges Glied in der Nahrungskette für größere Fischarten dar, wird wegen ihres oft massenhaften Auftretens aber auch (in Form von Suppe oder Soße) direkt verwertet. Die großen Schulen umfassen meist Tiere sehr unterschiedlicher Größe, oft auch gemischt mit anderen Arten (z.B. Pareutropius buffei). Auch bei uns sind oft kleine P. buffei als Beifang in den Importen enthaltem

Afrikanische Glaswelse sind absolut friedliche Planktonfresser, die immer im Trupp gemeinsam mit ihresgleichen gepflegt werden sollten. Die Fische lieben gut bepflanzte, deckungsreiche Aquarien mit nicht zu greller Beleuchtung und lassen sich leicht mit allen üblichen Futtermitteln ernähren. Afrikanische Glaswelse sind völlig anspruchslos bezüglich Wasserhärte und pH-Wert, jedes Trinkwasser eignet sich auch zur Pflege dieser Welse. Im Gegensatz zu ihren besser bekannten asiatischen Vettern sind die Afrikanischen Glaswelse tagsüber stets gut sichtbar im Aquarium unterwegs, jedenfalls wenn das Aquarium nicht allzu grell beleuchtet wird. Die Asiaten stehen dagegen lieber in Deckung und warten auf die Dämmerung.

Gezielt gezüchtet wurden die Tiere wohl noch nie; die Männchen färben sich während der Balz oft sehr dunkel ein und balzen im Aquarium regelmäßig. Es gibt einen Bericht aus dem Jahr 1977, wonach ohne besonders Zutun plötzlich acht Jungtiere im Aquarium auftauchten, die sich zunächst im Wurzelbereich von Javafarn (Micropterus) aufhielten. Es wäre also bei Bedarf wohl kein ernsthaftes Problem, diese Fische für die Aquaristik nachzuzüchten. Allerdings besteht dafür derzeit keine Notwendigkeit und aus ökologischen Gründen ist der nachhaltige Wildfang (wie er hier absolut gegeben ist) vorzuziehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 155904 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Betta macrostoma

23. Januar 2026

Betta macrostoma ist mit Sicherheit einer der schönsten Kampffische – und einer der empfindlichsten. Man kennt kaum eine zweite Fischart, die derart empfänglich für bakterielle Infektionen ist, wie diese. Viele Züchter wissen sich nicht anders zu helfen, als ihre Becken permanent über UV-Filter laufen zu lassen. Ein kleiner Tipp: Lehm im Wasser aufgelöst „fängt“ ebenfalls zuverlässig Bakterien ein.

Wir haben diese kostbaren Fische normalerweise nicht im Stock, nur gelegentlich bieten wir einige wenige Paare an. Jetzt haben wir aber einmal eine Anzahl noch nicht ausgewachsener Tiere  von 5-6 cm Länge im Angebot; die maximal erreichbare Größe liegt bei etwa 8 cm. Die Geschlechter lassen sich in der Größe von 5-6 cm noch nicht mit Sicherheit unterscheiden, dafür ist die Anpassungsfähigkeit an veränderte Bedingungen bei diesen noch nicht geschlechtsreifen Tieren erheblich besser. Gewöhnlich haben die Weibchen in diesem Alter eine kontrastreichere Bindenzeichnung und das Kopfprofil ist zierlicher. Aber wenn die Fische gefangen werden und der Situation entsprechend farblich verblassen sind solch subtile Merkmale meist nicht erkennbar. Geschlechtsreife Männchen erkennt man leicht an einen dunklen Fleck in der Rückenflosse, der bei Weibchen stets fehlt.

Bei der Pflege von Betta macrostoma sind einige Punkte zu beachten. Erstens sind es exzellenze Springer. In der Natur (die Art kommt endemisch auf Borneo vor, wo sie im Sultanat Brunei gefunden wird) leben sie kleinen Bächen und haben dort oft kleine Wasserfälle zu überwinden. Außerdem sind Fluginsekten ein wichtiger Bestandteil ihrer Nahrung. Die Betta springen gut und gezielt nach diesem Futter. Wegen der Empfindlichkeit gegenüber Bakterien sollte das Wasser Huminsauer (pH 5,5-6) sein, das lässt sich in weichem Wasser am besten realisieren; in solchem Wasser funktioniert die Denitrifikation oft nur schlecht, der Nitritwert muss darum unbedingt im Auge behalten werden! Den sauren pH-Wert mögen die meisten schädlichen Bakterien nicht (leider gilt das auch für die nützlichen Filterbakterien), den Fischen wäre das sonst egal. Wurmfutter (Tubifex etc.) ist für B. macrostoma tabu. Das führt zu Darmerkrankungen. Statt dessen soll das Futter ballaststoffreich sein. Insekten und Krebstiere sind ein ideales Futter, die Tiere akzeptieren auch Trockenfutter, das sollte aber nicht die alleinige Nahrung darstellen. Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 28°C liegen. Auch wenn die Fische es nicht unbedingt brauchen: eine dichte Bepflanzung mit möglichst raschwüchsigen Wasserpflanzen ist sehr erwünscht, sie halten die Wasserqualität auf hohem Niveau, weil sie zum einen bakterizid wirkende Stoffe ans Wasser abgeben und zum anderen das von den Fischen abgegebene Ammonium zu großen Teilen verarbeiten. Dadurch wird die oft schwache biologsche Filterleistung in saurem Wasser bis zu einem gewissen Grad kompensiert.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – ja nach Größe – Code 384000 (sm) bis 384004 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Giuris margaritacea (G. aporocephalus)

23. Januar 2026

Wenn man diese Schläfergrundel aus dem indo-west-pazifischen Raum, wo sie sehr weit verbreitet ist, zum ersten Mal sieht, denkt man unwillkürlich an eine zu groß geratene australische Tüpfelgrundel (Mogurnda). Der wesentliche Unterschied zwischen Giuris und Mogurnda liegt – aquaristisch gesehen – darin, dass sich die winzigen Larven von Giuris im Meer entwickeln, die deutlich größeren von Mogurnda hingegen im Süßwasser. 

In der Literatur wird Giuris margaritacea als euryhaliner Fisch beschrieben, der gleichermaßen gut in Süß-, Brack- oder Meerwasser leben kann. Aber zumindest die farbenprächtige Population aus Indonesien, die wir gerade importieren konnten, ist wohl eher ein Süßwasserfisch.

Die extrem weite Verbreitung der Art von der ostafrikanischen Küste, der indonesischen Inselwelt, den Philippinen, der westlichen australischen Küste und entlang der Küste Südostasiens steht in seltsamem Widerspruch zu der Seltenheit dieser wirklich prachtvollen Fische im Hobby. Dabei scheint G. margaritacea sogar ein recht verträgliches Tier zu sein. Zumindest im Fotobecken hat sich das Pärchen (das Weibchen erkennt man an der deutlich kleineren und kürzeren ersten Rückenflosse; die Farbunterschiede sind eher stimmungsbedingt) ausgezeichnet vertragen. Aquarienbeobachtungen deuten übrigens darauf hin, dass diese bis zu 40 cm lange Grundel sich hauptsächlich von Insekten ernährt und kein Fischfresser ist, wie z. B. die Marmorgrundel (Oxyeleotris marmorata). Dennoch sollte man bei der Vergesellschaftung vorsichtig sein, alle Fische, die ins Maul passen, sind gefährdet.

Wir konnten jetzt einige 15-20 cm lange, ganz prächtige Exemplare dieser Grundel, die in der älteren Aquarienliteratur auch als Ophieleotris aporos (Manilagrundel) bezeichnet wird, importieren.

NACHTRAG: In einer Revision der Giuris-Arten (Keith, P. and M. I. Mennesson (2020): Review of Giuris (Teleostei: Eleotridae) from Indo-Pacific islands, with description of three new species. Cybium v. 44 (no. 4): 331-349) wurde die Art G. aporocephalus (Macleay, 1884), die jahrzehntelang als Synonym zu G. margaritacea gesehen wurde, wieder für gültig erklärt. Die von uns als G. margaritacea angeboteten Tiere gehören demnach der Art G. aporocephalus an. Abgesehen von dem Namen gilt alles oben Gesagte für beide Arten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 418124 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Dimidiochromis compressiceps

23. Januar 2026

Der Messerbuntbarsch Dimidiochromis compressiceps (früher: Haplochromis c.) gehört zu den ungewöhnlichsten Buntbarscharten des Malawisees. Es handelt sich um einen Raubfisch, bei dem die Männchen bis zu 25 cm, die Weibchen bis zu 20 cm Länge erreichen können. Irrtümlich wurde die Art 1966 als spezialisierter Augenfresser angesehen. Dieses Verhalten konnte jedoch im See niemals nachgewiesen werden. Dort ernähren sich diese Fische ab einer Länge von etwa 4 cm vorwiegend von kleineren Fischen, die am Stück verschlungen werden. Der außerordentlich stark seitlich zusammengedrückte Körper macht den Räuber, wenn er – den Kopf leicht nach unten geneigt – zwischen Vallisnerien steht, nahezu unsichtbar. Im Gegensatz zu den meisten anderen Raubfischen kann Dimidiochromis compressiceps aufgrund seines schmalen Kopfprofils den Beutefisch mit beiden Augen gleichzeitig anpeilen.

Dimidiochromis compressiceps hat eine nahezu seeweite Verbreitung und kommt zudem im Abfluss des Malawisees, dem Shire River und dessen seeartiger Erweiterung, dem Malombesee, vor. Die Tiere sehen überall gleich aus, nur bei der Insel Chizumulu im Malawisee gibt es Tiere, die statt der silbernen Grundfärbung eine gelbliche Grundfärbung haben.

Raubfische sind gewöhnlich wenig territorial und gegenüber Artgenossen und anderen Fischen, die als Nahrung nicht in Frage kommen, relativ friedlich. Da bildet D. compressiceps keine Ausnahme. Gewöhnlich wird sich nur ein Männchen in einer Gruppe dieser Buntbarsche blau ausfärben und eine Brutrevier gründen. Ein solches Brutrevier besteht aus einer Sandgrube, die am liebsten im Vorzugslebensraum, also Vallisnerien-Beständen, angelegt wird. Vallisnerien sind – das nur zur Erinnerung – Unterwasserpflanzen mit langen und schmalen, bandförmigen Blättern, die überall auf der Welt in geeigneten Lebensräumen große Unterwasserwiesen bilden. In dieses Nest kommen laichbereite Weibchen der Umgebung. Nach dem Ablaichen überlassen die Männchen, wie bei Haplochromis-Verwandten üblich, dem Weibchen allein die weitere Maulbrutpflege. Nicht brütende Männchen sehen farblich wie Weibchen aus und werden von brütenden Männchen auch so behandelt. Geschlechtsreif wird die Art in Längen um 8 cm (Männchen) und 6 cm (Weibchen). Ab Eintritt der Geschlechtsreife kann man die Geschlechter recht zuverlässig an der Form der Afterflosse unterscheiden, die bei Männchen deutlich größer ist und zudem auch Eiflecken aufweist. Männchen wachsen schneller als Weibchen, in einer Gruppe gleichalter Tiere sind daher die größeren gewöhnlich die Männchen.

Im Aquarium sind Pflege und Zucht problemlos. Das Aquarium sollte freilich angesichts der möglichen Endgröße nicht zu klein sein. Zur Gesellschaft wählt man keine hektischen Felsenbuntbarsche (Mbunas), sondern andere ruhige Haplochromis-Verwandte, wie Nimbochromis, Cyrtocara und dergleichen. Der pH-Wert sollte dauerhaft nicht unter 7,5 fallen, was am leichten in härterem Wasser zu realisieren ist. Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 28°C liegen. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter, auch Flockenfutter, aber nahrhafte Bissen (z.B. Cichlid Sticks, kräftiges Frostfutter etc.) sollten die Hauptnahrung bilden. Zur Einrichtung pflanzt man eine Vallisnerien-Wiese, der Bodengrund sollte zumindest teilweise eine Sandfläche sein. Steine oder Wurzeln sollte man nur sehr sparsam einsetzen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 520230 (3 cm) bis 320235 (11-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Megalechis thoracata (früher: Hoplosternum thoracatum)

23. Januar 2026

Der Schwielenwels Megalechis thoracata – vielen auch noch unter dem alten Namen Hoplosternum thoracatum bekannt – ist einer der ältesten Aquarienfische. Er hat eigentlich nur einen Nachteil, er wird nämlich mit ca. 15 cm (manchmal auch noch mehr) Länge ziemlich groß. Trotz der Größe hat er aber ein kleines Maul und so werden die „Kampfwürste“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, trotzdem gerne in Gesellschaftsaquarien mit etwas größeren und robusten Fischen gepflegt.

Die Zucht ist sehr interessant, denn Megalechis-Männchen bauen ein Schaumnest, ganz ähnlich zu dem der Labyrinthfische, unter einem schwimmenden Gegenstand (Züchter benutzen besonders gerne den Deckel von Kaffeedosen, aber die dürften den Schwielenwelsen in der Natur eher selten zur Verfügung stehen). Das Männchen bewacht das Nest mit den Eiern sehr gut und springt dem neugierigen Aquarianer sogar ins Gesicht, wenn der sich dem Nest zu sehr nähert.

Wir haben häufiger Nachzuchten einer besonders hübschen, sehr kontrastreich gezeichneten Variante im Stock. Die Tiere sind trotz ihrer geringen Größe – 5-6 cm – bereits sexuell differenziert (laichreife Männchen haben stark vergrößerte Brustflossenstacheln und die Knochenplatten, die die Brust bedecken, sind viel größer als die entsprechenden Knochenplatten der Weibchen) und bei den Weibchen kann man den orangefarbenen Laich durch die Bauchseiten schimmern sehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 259301 (2-3 cm) bis 259306 (11-13 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Inpaichthys luizae

16. Januar 2026

Ein hübscher neuer Salmler ist Inpaichthys luizae, eine Art, die erst im Januar 2025 formell beschrieben wurde. Ihr Vorkommen liegt in Gebieten, die für Wissenschaftler und kommerzielle Fischer kaum zugänglich sind, weil sie in Privatbesitz sind. Man weiß immerhin, dass diese Fundorte Zuflüsse des Rio dos Peixes in Brasilien sind, der wiederum ein Zufluss des Rio Juruena ist. Das gesamte Gebiet zählt zum Einzug des Rio Tapajós.

Im Hobby wurde dieser Fisch erstmals Ende 2023 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt bezeichnete man ihn als Inpaichthys sp. „Black Arrow“, also „Schwarzer Pfeil“. Wie bei so manchen Neuheiten kamen zunächst nur sehr wenige Exempare zu vergleichsweise sehr hohen Preisen auf den Markt; es wurden niedrige dreistellige Euro-Beträge pro Exemplar gefordert. Allerdings zeigte sich rasch, dass diese Art ebenso produktiv und problemlos zu züchten ist wie sein allgemein bekannter Vetter Inpaichthys kerri, der Königssalmler. Zur Zeit (Januar 2026) sind die Tiere immer noch nicht billig, aber auch nicht unbezahlbar. Wir beziehen sie als Nachzucht aus Ostasien.

Die Geschlechter der niedlichen Tiere, die nach der wissenschaftlichen Beschreibung etwa 4 cm Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) erreichen, sind aufgrund der stärkeren Rotfärbung des Flossen bei den Männchen recht gut zu unterscheiden. Diese Farbe entwickeln bereits halbwüchsige Tiere gut erkennbar. Es ist zu vermuten, dass Aquarienexemplare 1-2 cm größer werden als die Wildfänge, ein Phänomen, dass auf die sehr viel bessere Nahrungsversorgung von Aquarienfischen und natürlich das erheblich höhere Alter, das Fische im Aquarium im Vergleich zu freilebenden Exemplaren erreichen, zurückzuführen ist.

Bislang haben sich die Tiere bei uns als absolut typische Kleinsalmler erwiesen, die sich bezüglich der aquaristischen Anforderungen nicht vom Königssalmler, Inpaichthys kerri, unterscheiden. Ein ganz interessantes Phänomen bei I. luizae ist die Tatsache, dass die meisten Exemplare zwar eine Fettflosse (Adipose) haben, manche aber auch nicht. Das Fehlen einer Fettflosse ist bei Salmlern sehr ungewöhnlich; seinerzeit war das Vorhandensein einer Fettflosse einer der Gründe, die Gattung Inpaichthys überhaupt aufzustellen, denn ansonsten ist sie der Gattung Nematobrycon (Kaisersalmler) sehr ähnlich. Bei allen Nematobrycon fehlt immer und ausnahmslos die Fettflosse. Es gibt aber auch bei I. luizae Exemplare ohne Adipose, sie sind nur in der Minderzahl.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 264792 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text % Photos: Frank Schäfer

Neolamprologus callipterus

16. Januar 2026

Die Schneckenbuntbarsche des Tanganjikasees erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Ihr drollig wirkendes Brutpflegeverhalten, bei dem sie in leeren Schneckenhäusern den Laich und die Jungbrut bewachen, fasziniert immer wieder. Besonders interessant ist es, wenn man eine ganze Kolonie dieser Fische beobachtet, wie sie quasi eine Schneckenhausstadt bewohnt. Bei den meisten Schneckenbuntbarschen sind Männchen und Weibchen ähnlich klein, wodurch es beiden möglich ist, in das Schneckenhaus zu kriechen.

Bei Neolamprologus callipterus ist das anders. Hier werden die Männchen mit gut 15 cm Gesamtlänge dreimal so groß wie die Weibchen. Selbst sehr große Schneckenhäuser (in der Photosession verwendeten wir ein leeres Haus der asiatischen Pila ampullacea, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/31-krebse-garnelen-krabben-muscheln-schnecken/pila-ampullacea/, mit gut 6 cm Durchmesser) können von voll erwachsenen Männchen von N. callipterus nicht mehr aktiv bezogen werden. Jüngere Tiere – im Bild sind die Männchen rund 8 cm, die Weibchen 4-5 cm lang – tun das aber durchaus noch; in der Natur gibt es so große Schneckenhäuser aber nicht.

Dort tragen die Männchen von N. callipterus leere Schneckenhäuser zu großen Wohnanlagen zusammen. Nur Männchen mit möglichst vielen Schneckenhäusern haben eine Chance, dass Weibchen bei ihnen einziehen. Zur Befruchtung der im Inneren der Schneckenhäuser abgelegten Eier muss das Männchen sein Hinterteil so nahe wie möglich an die Schneckenhausmündung bringen, wo es seine Milch abgibt. Die Spermien gelangen durch Bewegungen des Weibchens ins Innere des Hauses und befruchten dort den Laich.

Die Pflege von N. callipterus ist leicht. Leitungswasser ist in den meisten Gegenden bestens geeignet. Der pH-Wert sollte dauerhaft nicht unter 7,5 sinken. Die Wassertemperatur kann bei 24-28°C liegen. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter, wobei die großen Männchen gerne auch mal größere Brocken zu sich nehmen. Als Schneckenhäuser eignen sich Weinbergschneckenhäuser gut, die es für wenig Geld in Feinkostgeschäften zu kaufen gibt. Die besten Bebachtungsmöglichkeiten ergeben sich, wenn ein möglichst großflächiges Aquarium mit Sandboden ausgestattet wird. Dort hinein verstreut man 20-30 Schneckenhäuser. Nun kann man wunderbar den Bau der „Schneckenhausstadt“ durch das Männchen beobachten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 543201 (2-3 cm) bis 543203 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sturisoma nigrirostrum

16. Januar 2026

Die Gattungen Sturisoma (15 wissenschaftlich beschriebene und akzeptierte Arten, östlich der Anden = cis-andin) und Sturisomatichthys (13 wissenschaftlich beschriebene und akzeptierte Arten, westlich der Anden = trans-andin) werden auf deutsch als Störwelse bezeichnet.

Sturisoma nigrirostrum aus Peru wird mehr oder weniger regelmäßig importiert wird. Man erkennt die Art ganz gut an der pech­schwarzen Unterseite des “Schnabels”, ein Merkmal, das auch zum wissenschaftlichen Artnamen führte. Typusfundort der Art ist Contamana, Río Ucayali, Peru. Eine weitere, ähnliche Art, ebenfalls mit schwarzer Rostrum-Unterseite aus Peru ist die erst 2018 neu beschriebene Art Sturisoma graffini aus der Madre de Dios-Region. Da aus verschiedenen Gründen Fische aus dieser Region erheblich teurer sind als solche aus dem Ucayali, kommt S. graffini kaum in den Zierfischhandel.

Aus ungeklärten Gründen sind unter den Importen von Sturisoma nigrirostrum manchmal Tiere vertreten, bei denen das Rostrum nach oben aufgebogen ist. Ingo Seidel (pers. Mitt.) fing beide Formen – also solche mit normaler Nase und hochnäsige Tiere – zusammen am gleichen Fundort in Peru. Es handelt sich um eine Laune der Natur, deren Sinn völlig unklar ist. 

Die Pflege von Sturisoma und Sturisomatichthys bereitet für gewöhnlich keine größeren Schwierigkeiten. Jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich dafür. Die relativ groß werdenden Tiere (20-25 cm) schätzen Strömung und sauberes Wasser, weshalb für eine leistungsstarke Filterung gesorgt werden muss und regelmäßige, großzügige Teilwasserwechsel Pflicht sind. Gefressen werden alle üblichen Futtermittel für Zierfische, besonders gut eignen sich Futtertabletten und ähnliche Darreichungsformen. Zusätzlich muss immer pflanzliche Kost angeboten werden (Gemüsescheiben, zerquetschte Tiefkühlerbsen, Salate, Löwenzahnblätter etc.). Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 28°C liegen.

Es lassen sich – soweit das bislang versucht wurde – alle Sturisoma-Arten im Aquarium nachzüchten. Jedenfalls lai­chen sie willig ab. Als Offenbrüter laichen sie sogar oft an der Frontscheibe des Aqua­ri­ums, wo das Männchen, erkennbar an einem “Backenbart” aus Odontoden, der dem Tier zur Fortpflanzungszeit wächst, die Eier be­treut. Meist gelingt es recht problemlos, die Jungfische zum Schlupf zu bringen und die ersten ein bis zwei Wochen ist die Aufzucht auch nicht schwierig. Doch dann kommt es bei vielen Züchtern zu massiven Verlusten. Diejenigen, denen die Aufzucht gelingt, machen ein großes Geheimnis aus ihren Methoden, so dass die Ursache des Miss­erfolgs der Scheiternden bislang immer noch nicht ganz geklärt ist.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 294853 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. C3 ( = Corydoras sp. C3)

16. Januar 2026

Hoplisoma sp. C3 (früher wurde die Art in der Sammelgattung Corydoras untergebracht) ist ein sehr schöner Panzerwels, speziell halbwüchsige Exemplare, weil sie in diesem Alter sehr oft sie hohe Rückenflossen entwickeln. Das ist jedoch ein vorübergehendes Phänomen, das manchmal auch bei Hoplisoma metae beobachtet werden kann. Erst voll erwachsene Männchen von C3 – die Tiere werden ungefähr 5-6 cm lang –  entwickeln wieder solch lang ausgezogene Flossen. H. sp. C3 werden aus Kolumbien und Venezuela importiert und stammen aus dem Rio Meta-Einzug. Verschickt werden sie entweder als „Corydoras deckeri“ oder auch als „C. bondi“. Lieferungen von „Corydoras bondi“ (das ist eine andere Art, die nur in den Guyana-Ländern vorkommt) oder „Corydoras deckeri“ (das ist ein Fantasiename, der wissenschaftlich klingt, aber nicht wissenschaftlich ist) sind immer eine Wundertüte. Manchmal sind es Hoplisoma axelrodi, manchmal H. loxozonus und manchmal die wissenschaftlich noch unbeschriebene Art C3. 

Alle drei genannten Arten sind sehr variantenreich. Es erscheint darum fraglich, ob es sich überhaupt um drei verschiedene Arten handelt (außer der Färbung typischer Exemplare gibt es nämlich keine bekannten Unterschiede) oder doch vielleicht eher um einen Artenschwarm gelegentlich miteinander hybridisierender Formen, die sich nicht recht in unser Konzept von „Arten“ einordnen lassen.

C3 ist typischerweise grundsätzlich wie Hoplisoma loxozonus gefärbt, allerdings verläuft die schwarze, waagerechte Binde wie bei H. axelrodi in der Körpermitte und nicht, wie bei H. loxozonus, entlang des Rückens. Manche der Farbvarianten von C3 sehen allerdings so völlig anders aus, dass man meinen könnte, unterschiedliche Arten vor sich zu haben, wären nicht alle diese Farbvarianten durch Zwischenstufen miteinander verbunden. Es ist ganz interessant, dass gewöhnlich etwa 80% -90% eines solchen Hoplisoma-Importes farblich einer der drei genannten Hauptformen entspricht (also H. axelrodi, H. loxozonus und H. sp. C3) und der Rest aus teils deutlich abweichenden Varianten. Was aber nicht oder so gut wie nicht vorkommt, ist, dass z.B. zwischen H. axelrodi die beiden anderen Arten gefunden werden oder als Beifang zu den anderen Arten H. axelrodi. Das spricht dafür, dass die drei Hauptformen in der Natur normalerweise räumlich getrennt voneinander vorkommen. 

Abgesehen von der problematischen Bestimmung bzw. Artabgrenzung ist C3 ein leicht pflegbarer Panzerwels, der keinerlei besondere Ansprüche stellt und sich auch gut nachzüchten lässt. Bei der Zucht ist man gut beraten, die Männchen anhand der Bauchflossenform (größer und spitz ausgezogen bei den Männchen, kleiner und abgerundet bei den Weibchen) auszuwählen. Die lang ausgezogenen Rückenflossenmembranen sind nämlich nur bei einigen Tieren vorhanden, nicht bei allen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 223601 (sm) bis 223604 (md-lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Polycentropsis abbreviata

16. Januar 2026

Polycentropsis abbreviata bedeutet übersetzt „der kurze Polycentrus-Ähnliche“. Tatsächlich sieht der Afrikanische Vielstachler seinem südamerikanischen Verwandten Polycentrus schomburgkii sehr ähnlich. Beide Arten sind Zeugen des früheren riesigen Urkontinents Gondwana. Gondwana bestand aus den heutigen Kontinenten Südamerika, Afrika, Indien, Australien und der Antarktis. Südamerika trennte sich vor rund 100 Millionen Jahren von Afrika. Der Vorfahr der kleinen Vielstachler – beide Arten, der Afrikanische und der Südamerikanische,  werden nur etwa 8 cm lang – existierte also schon zu dieser Zeit und muss den heutigen Vielstachlern ziemlich ähnlich gewesen sein. Der heute noch existierende P. abbreviata kommt aus dem westlichen Afrika, von Benin bis Gabun. Wir importieren ihn aus Nigeria.

Im englischen Sprachgebrauch werden die Vielstachler auch als „Blattfische“ bezeichnet. Gut getarnt als welkes Blatt treiben die Fische durch das Wasser und erbeuten mit ihrem riesigen, vorstülpbaren Maul kleine Fische und Garnelen. Beeindruckend ist das Farbwechselvermögen. In wenigen Sekunden kann sich ein marmoriertes Exemplar hellbeige oder auch fast schwarz einfärben. Bereits junge Vielstachler beherrschen diese Kunst. 1-2 cm lange Exemplare haben ein abweichendes, sehr kontrastreiche Schwarz-Weiß-Muster. Diese Farbgebung findet man auch bei verschiedenen Labyrinthfischen in ganz jungen Stadien, etwa Ctenopoma weeksii, Sphaerichthys osphromenoides oder Ctenops nobilis. Der Sinn dieser Färbung ist noch nicht erforscht.

Die Brutpflege des Afrikanischen Vielstachlers ist ebenfalls bemerkenswert. Unter einem breiten Blatt baut das Männchen ein Blasennest, ähnlich dem der Labyrinthfische, nur aus groben Luftperlen bestehend. Hier laichen die Tiere ab. Das Männchen allen bewacht die Eier und die ausgeschlüpfte Brut. Mit dem Freischwimmen der Jungtiere endet die Brutpflege. Leider kann man die Geschlechter äußerlich kaum unterscheiden. Weibchen bleiben etwas kleiner und haben einen kürzeren Kopf.

Leider wird der Afrikanische Vielstachler nur sehr selten angeboten. Er benötigt Lebendfutter: Weiße Mückenlarven, große Wasserflöhe, kleine Regenwürmer, Tubifex und kleine Futterfische. Wer diese Ansprüche erfüllen kann und will, findet in dem Afrikanischen Vielstachler ein faszinierendes Studienobjekt. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 162004 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Diskus wild Oriximiná

9. Januar 2026

Oriximiná liegt am Rio Trombetas in brasilianischen Bundestaat Pará. Von dort erhalten wir fantastische Blaue Diskus in herrlichen Farben. Zur leidigen Artenfrage bei Diskus siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/der-wissenschaftliche-artname-von-diskusbuntbarschen-eine-offene-frage/

Grundsätzlich sind Blaue Diskus farblich sehr variabel („polychromatisch“), auch solche Tiere, die vom gleichen Fundort stammen. Darum sind die bei uns auf der Stockliste separat geführten „Oriximina Super Color“, „Oriximina Royal Blue“, „Oriximina Red“ und „Oriximina Cross“ allesamt Angehörige der gleichen Population, die lediglich aufgrund bestimmter Farbeigenschaften mehr der weniger sortiert werden. 

Aktuell haben wir wieder wunderschöne Oriximiná-Diskus im Stock, die Bilder zeigen eine kleine Auswahl dieser Tiere der Selektion „Super Color“; die Aufnahmen wurden frisch für diesen Post erstellt und sind keine Archivbilder. Leider gibt es ausgerechnet jetzt, wo die alljährliche Diskus-Saison (die eigentliche Diskus-Saison beginnt in etwa im Oktober und endet im April) voll Fahrt aufnehmen sollte, große Lieferschwierigkeiten aus Brasilien. Das hat diesmal nichts mit Klimawandel, Umweltsverschmutzung oder gar Überfischung zu tun, sondern liegt an menschlichen Unzulänglichkeiten. Selbstverständlich unterliegt der Zierfischexport aus Brasilien – wie überall auf der Welt – strengen Kontrollen und Auflagen. Das ist in Ordnung so und sichert die Nachhaltigkeit dieses ökologisch sinnvollen, umweltfreundlichen Extraktivismus. Wenn aber an einer Schlüsselstelle eine personelle Fehlbesetzung geschieht, hat das weitreichende Auswirkungen. Darum sind aktuell leider nur verhältnismäßig wenige Wildfangdiskus aus Brasilien lieferbar.

Für unsere Kunden: die gezeigten Tiere „Oriximina Super Color“ haben Code 731065 (12-15 cm) auf unserer Stockliste; die Codenummern für andere Größen beginnen bei 731064 (8-12 cm) und enden bei 731066 (14-17 cm, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/wunderschone_grose_diskus_aus_oriximina_eingetroffen__de/). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. Nur in begrenzter Stückzahl lieferbar!

Text & Photos: Frank Schäfer

Melanotaenia nigrans

9. Januar 2026

Im Jahr 1982 veröffentlichte Gerald R. Allen zusammen mit Norbert J. Cross eine erste moderne vollständige Übersicht über die bis dahin bekannten Regenbogenfische. Allen hatte zu diesem Zeitpunkt seit 1978 bereits 12 neue Arten beschrieben. Als er damit begann, die Regenbogenfische systematisch zu untersuchen, waren insgesamt nur 19 Melanotaenia-Arten zwischen 1843 und 1978 beschrieben worden, also in einem Zeitraum 135 Jahren. 1982 waren aus Australien 8 Arten, aus S-Neuguinea 14 und aus N-Neuguinea 5 Melanotaenia-Arten bekannt, also 27 Arten insgesamt. Heute sind 89 Arten allgemein akzeptiert! Das ist eine Verdreifachung der Artenzahl in weniger als 45 Jahren und ein Ende ist nicht wirklich abzusehen. Nahezu jede Expedition nach Neu-Guinea  bringt noch neue Formen. Die allererste je beschriebene Art war Melanotaenia nigrans, die 1843 als Atherina nigrans beschrieben wurde. Schaut man in die ältere Aquarienliteratur bis in die frühen 1980er Jahre, so liest man dort, dass M. nigrans als allererste australische Zierfischart 1927 importiert wurde. 

Es dürfte angesichts der oben aufgeführten Zahlen nicht verwundern: diese Bestimmung der damaligen Fische war falsch. Es handelte sich dabei in Wirklichkeit um die ähnliche Art M. duboulayi. Die ersten echten Importe von M. nigrans erfolgten erst um 1976. Melanotaenia nigrans kommt aus Nordaustralien, wo er unregelmäßig verbreitet ist: von der Kimberley-Region in Westaustralien über den nördlichen Teil des Northern Territory bis zur Cape York Peninsula im Norden von Queensland, einschließlich einer Reihe von vorgelagerten Inseln wie Groote Eylandt im Golf von Carpentaria und einigen Inseln in der Torres-Straße. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, die Art käme auch auf Neuguinea vor, doch wurde sie dort nie wissenschaftlich nachgewiesen. Da aus Australien keine Exporte erfolgen, sind alle Tiere im Handel Nachzuchtexemplare. Auf den Philippinen soll die Art eingebürgert vorkommen.

Gewöhnlich wird dieser schlanke Regenbogenfisch rund 7 cm lang, doch können alte Aquarienexemplare durchaus Längen um 12 cm erreichen. Wie so viele Regenbogenfische ist auch diese Art farblich sehr variabel. Ihre schlanke Körperform und ihr ungewöhnlich starker Schwarmzusammenhalt macht sie zu einem schönen Kontrastfisch zu anderen Regenbogenfischarten. In der Natur kommt die Art zusammen mit M. trifasciata, M. australis und M. inornata vor.

Bezüglich der Wasserwerte und der Ernährung stellt M. nigrans keine besonderen Ansprüche. In der Natur findet man sie in eher weichem Wasser (maximal 135 µS/cm) und pH-Werten zwischen 5 und 8 bei Temperaturen zwischen 19 und 35°C. Es besteht also eine generell hohe Anpassungsfähigkeit, was jedoch nicht dazu verleiten sollte, die Tiere plötzlichen Milieuwechseln auszusetzen. Das vertragen sie überhaupt nicht! Generell ist die Art nach unseren Erfahrungen nicht ganz unempfindlich und eher dem fortgeschrittenen Liebhaber zu empfehlen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 428352 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Schistura pridii

9. Januar 2026

Eine der kleinsten und auf jeden Fall eine der hübschesten Schmerlen Thailands haben wir in ganz kleiner Stückzahl erhalten: Schistura pridii. Die niedlichen schwarz-weißen Zwerge werden nur 3-4,5 cm lang. Soweit bislang bekannt kommt diese erst im Jahr 2003 wissenschaftlich beschriebene Art nur in flachen, schnellfließenden Waldbächen von 30 – 100 cm Tiefe und steinig-gerölligem Boden im Einzug des oberen Mae Teng-Flusses in der Provinz Chiang Mai vor.

Wegen des begrenzten Vorkommensgebietes werden nur wenige Exemplare jährlich gefangen, um die Population nicht zu gefährden. Glücklicherweise liegt ein großer Teil der bekannten Vorkommen in einem Naturschutzgebiet (dem Doi Chiang Dao Wildlife Sanctuary). Für enagierte Aquarianer ist es eine schöne Herausforderung, sich mit der Zucht der netten Fische zu befassen. Wir kennen keinen Zuchtbericht, es ist aber davon auszugehen, dass die Zucht ähnlich wie bei Flossensaugern (Sewellia) vor sich geht. 

Das Wasser im natürlichen Lebensraum hat eine hohe Strömungsgeschwindigkeit, ist kühl (18-24°C), relativ hart und leicht alkalisch. Der Bodengrund sollte entsprechend der hohen Strömungsgeschwindigkeit aus nicht zu feinem Kies bestehen; hohl liegende etwas größere Steine dienen als Ruhe- und Versteckmöglichkeit. Bezüglich des Futters ist die Art nicht wählerisch. Geschlechtsunterschiede sind nur geringfügig ausgeprägt und bestehen im Wesentlichen in der etwas größeren Leibesfülle des Weibchens. Die Tiere sind untereinander gesellig und ziemlich friedlich, sieht man von kleinen, harmlosen Rangeleien einmal ab. Aus dem Gesagten geht klar hervor, dass Schistura pridii eine Objekt für erfahrene Pfleger mit Zuchtambitionen sein sollte.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 454982 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brienomyrus brachyistius

9. Januar 2026

Aus Nigeria erhielten wir eine Nilhecht-Art, die wir seit Jahren nicht mehr zu Gesicht bekamen: Brienomyrus brachyistius. Diese vergleichsweise kleine Art, als Maximallänge wird mit 17,5 cm angegeben, gewöhnlich bleibt sie jedoch mit 10-12 cm deutlich kleiner, ist ein enger Verwandter der vergleichsweise häufig importierten Art B. niger (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/brienomyrus_niger_de/)

Die verspielten, intelligenten Fische sind sehr lebhaft und fallen weniger durch ihre Färbung, als durch ihr ungewöhnliches, lustig anmutendes Verhalten auf. Alle Nilhechte gehören zu den schwach elektrischen Fischarten. Sie besitzen ein elektrisches Organ im Schwanzstiel; es ist so schwach, dass man die elektrischen Entladungen nicht spüren kann. Dieses nutzen sie um – ähnlich wie Fledermäuse mit Ultraschall – ihre Umgebung zu scannen, aber auch, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Tatsächlich haben Nilhechte eine im Tierreich fast einzigartige Art von „Sprache“ entwickelt (nur die Neuwelt-Messeraale machen ähnliches). Diese ist artspezifisch. Mit speziellen Elektroden, die elektrische Entladungen aufnehmen und in eine grafische Abbildung umwandeln (so wie bei einem EKG), kann man in Afrika (Nilhechte sind eine exklusiv afrikanische Familie mit aktuell (2025) 22 Gattungen und 236 Arten) die in einem Gewässer vorkommenden Arten bestimmen, ohne ein Netz ins Wasser tauchen. Auf diese Art und Weise wurden sogar schon neue Arten entdeckt!

Es gibt unter unseren Tieren etwas größere, schlankere, Fische, die wir für Männchen halten, und etwas gedrungener wirkende Tiere, die vermutlich Weibchen sind. Über die Fortpflanzungsbiologie dieser Nilhechte ist nichts bekannt. Im Aquarium fressen die Tiere problemlos jede Sorte von Lebend-, Frost- und Trockenfutter, die ins Maul passt. Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege bedeutungslos, die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Gegenüber artfremden Fischen zeigen sich die Tiere friedlich; Pflanzen werden nicht beschädigt. Die Fische sind überwiegend dämmerungsaktiv und darum sollte man für zahlreiche Tagesverstecke und dichten Pflanzenwuchs sorgen, der den Tieren tagsüber Deckung gibt.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 103502 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & photos: Frank Schäfer

Nannostomus rubrocaudatus

9. Januar 2026

Im Jahr 2002 wurde ein im männlichen Geschlecht tiefroter Zwergziersalmler aus Peru unter den Bezeichnungen Nannostomus marginatus „Purple“ oder N. marginatus „Rot“ importiert. Axel Zarske von den Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden, Museum für Tierkunde hat diese Art 2009 formell als Nannostomus rubrocaudatus beschrieben. Die der wissenschaftlichen Beschreibung zugrunde liegenden Typusexemplare hatten wir aus Peru importiert.

Auf den ersten Blick ähnelt die neue Art etwas dem schon etwas länger bekannten N. mortenthaleri (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannostomus-mortenthaleri/), lässt sich aber dennoch leicht von dieser Art unterscheiden. N. mortenthaleri hat z.B. immer einen weißen Bauch. Weitere Artmerkmale sind in der wissenschaftlichen Beschreibung aufgeführt. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung ist kostenlos unter https://www.senckenberg.de/wp-content/uploads/2019/08/02_vertebrate_zoology_59-1_zarske.pdf als Download erhältlich.

Nannostomus rubrocaudatus weist keine sehr deutlichen Geschlechtsunterschiede auf. Die Intensität der Rotfärbung schwankt stark stimmungsabhängig. Weibchen färben sich allerdings nie so rot wie die Männchen. Tricky ist vor allem, dass in der Rangordnung niedrig stehende Männchen stark verblassen können und sich farblich als Weibchen tarnen; sicher lassen sich die Weibchen nur an den anders geformten Afterflossen erkennen.

Die Maximalgröße der Art liegt bei etwa 3-3,5 cm, die Pflege ist ohne besondere Schwierigkeiten, allerdings darf man diese Art nicht in kleinen Aquarien pflegen, denn die Männchen tragen ihre Rivalenkämpfe mit einiger Heftigkeit aus und das unterlegene Exemplar braucht Platz, um ausweichen zu können. Ist das nicht gegeben, kann es durchaus zu Beschädigungen kommen.

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Peru, Dep. Loreto. Hier wird die Art bei dem Dorf Saramirisa am Maranon (das ist der obere Amazonas) zwischen den Zuflüssen Rio Morona und Rio Santiago für den Export gesammelt. Der relativ hohe Preis für die Fische erklärt sich darin, dass die Tiere in der Natur zwischen dichtem Astwerk leben und hier mühsam einzeln herausgeklaubt werden müssen. Massenfänge wie bei anderen Nannostomus, wo sich leicht tausende von Exemplaren mit einem Netzzug fangen lassen, sind bei N. rubrocaudatus nicht möglich.

Für unsere Kunden: Nannostomus rubrocaudatus hat – je nach Größe –  Code 272261 (sm) bis 272265 (lg-xlg) für Wildfänge und 272272 für Nachzuchtexemplare auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii „Black Tiger“

19. Dezember 2025

Marmorierte Schwertträger auf rotem Grund zu züchten, ist eine Herausforderung. Beim „Black Tiger“ ist es gelungen. Bei jedem „Black Tiger“ ist die Körperfleckung individuell verschieden. Bislang wurden diese Schwertträger fast ausschließlich mit weißlicher Körpergrundfärbung angeboten (dann bezeichnet man sie als Marmor oder Marble). Viele der schwarzen Schuppen haben einen blauen Schimmer (in Züchterkreisen nennt man das „Spiegel“), was bei seitlich einfallendem Licht prächtig glänzt und glitzert. Im Alter nimmt die Schwarzfärbung dieser Schwertträger immer mehr zu. Es sind wunderschöne Tiere, die uns zuerst (2019) ein deutscher Züchter liefern konnte, jetzt erhalten wir sie aus Sri Lanka. 

Angesichts der aktuellen Unwetterkatastrophe auf Sri Lanka hoffen wir, das die Zuchten keinen allzu großen Schaden genommen haben. Auf Sri Lanka haben viele Familien einen unverzichtbaren Nebenverdienst, indem sie hinter dem Haus in eigens dafür angelegten Teichen die von den Zuchtbetrieben angelieferte Jungbrut zu verkaufsfähigen Fischen aufziehen. Durch diese extensive Aufzuchtmethode sind die Tiere besonders gesund. Leider ist diese Form der Zierfischaufzucht aber auch besonders anfällig für Wetterkapriolen. Einige Platy- und Guppy-Varianten sind schon ausgefallen. Aber noch können wir „Black Tiger“-Schwertträger in guter Stückzahl anbieten. Jetzt gezielt nach Lebendgebärenden aus Sri Lanka zu fragen hilft den betroffenen Familien sehr!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 420409 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Danio tinwini

19. Dezember 2025

Die kleinste zur Zeit bekannte Danio-Art aus der nahen Verwandtschaft des Zebrabärblings (Danio rerio) hat Aquarium Glaser jetzt wieder einmal aus Burma erhalten. Danio tinwini wurde erstmals im Jahr 2005 – damals noch als Danio sp. „Panther“ –  importiert. Die 2009 wissenschaftlich beschriebene Art wird nur rund 2-3 cm lang und eignet sich wunderbar als Schwarmfisch für kleinere Aquarien. 

Die ursprüngliche Heimat dieser Tiere liegt, wie gesagt, in Burma. Dort werden sie im Bundesstaat Kachin, also ganz im Norden, im Grenzgebiet zu China gefunden. Es handelt sich also um subtropische Fische, die man nicht dauerhaft zu warm pflegen sollte, sonst werden die Tiere krankheitsanfällig. 

Daraus ergibt sich der Temperaturbereich: 15-27°C, je nach Jahreszeit. Die Wasserwerte sind ansonsten nebensächlich (jedes Trinkwasser ist zur Pflege und Zucht geeignet), gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe. Danio tinwini ist absolut friedlich, Pflanzen werden nicht beschädigt. 

Für unsere Kunden: Die Art hat die Codenummer 413692. Bitte beachten Sie, dass wir ausschliefllich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma coppenamense (früher: Corydoras coppenamensis)

19. Dezember 2025

Auf dem Guiana-Schild Südamerikas – das ist eine sehr alte geologische Formation, die große Teile Venezuelas, Guyana, Französisch Guiana, Suriname und Teile Brasiliens und Kolumbiens umfasst – gibt es eine Gruppe kleiner, sehr eng miteinander verwandter Panzerwels-Arten, die sich so ähnlich sehen, dass sie zeitweise als Synonyme zueinander aufgefasst wurden: Hoplisoma bondi, H. coppenamense und H. sipaliwini. 

Der wohl attraktivste der drei ist H. coppenamense, der ursprünglich (1970) als Unterart zu dem aus Venezuela beschriebenen H. bondi beschrieben wurde. Die meisten Ichthyologen folgen heutzutage dem schon immer etwas diffusen Unterart-Konzept nicht mehr. Sie argumentieren: entweder ist ein Fisch bezüglich seiner Identität klar erkennbar, dann ist es auch eine Art, oder eben nicht und dann braucht man auch keinen Unterartnamen. Das ist zwar etwas vereinfacht dargestellt, trifft aber den Kern der Sache. Immerhin: es gibt, so weit man weiß, keine Mischformen (so genannte Intergrades) zwischen H. bondi und H. coppenamense. Darum ist die Aufspaltung in zwei Arten wohl gerechtfertigt.

Farblich unterscheiden sich die beiden dennoch nur wenig. Die Zeichnung von H. coppenamense ist klarer, weniger verwaschen; vor allem die Punktzeichnung im Kopfbereich tritt deutlich hervor (nur undeutlich bei H. bondi). Zudem ist H. coppenamense etwas langgestreckter und rundköpfiger als H. bondi. H. sipaliwini sieht H. coppenamense sehr ähnlich, hat jedoch einen dunklen Streifen, der vom Ansatz der Rückenflosse schräg nach vorn bis zum Kiemendeckel verläuft (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sipaliwini/). Es ist recht wichtig, die Unterschiede zu kennen, denn aus den Guyana-Ländern erfolgen schon seit vielen Jahren keine kommerziellen Exporte mehr und selbst den aus Venezuela stammenden C. bondi hatten wir zuletzt im Jahr 2009 im Stock. Wir sind also auf Aquariennachzuchten angewiesen und die müssen unbedingt artrein gehalten werden.

Die Pflege aller drei Arten ist einfach und typisch für Panzerwelse. Weder bezüglich des Wassers noch in Hinsicht auf die Ernährung stellen diese 4,5 bis 5 cm langen Tiere irgendwelche speziellen Ansprüche. Auch die Zucht gelingt recht gut, ist aber nicht sonderlich produktiv. Da sich nur Hobby-Züchter mit der Vermehrung der Tiere befassen, werden sie wohl auf absehbare Zeit eine Top-Rarität auf dem Zierfischmarkt bleiben.

Für unsere Kunden: die Nachzuchten von H. coppenamense, die wir zur Zeit anbieten können, haben Code 226302 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml

Yasuhikotakia modesta

19. Dezember 2025

Wir haben aus Thailand eine wunderschöne Farbvariante der Blauen Prachtschmerle (Yasuhikotakia modesta, früher Botia modesta) erhalten. Diese Art ist bekannt dafür, zahlreiche Farbvarianten auszubilden.

Oft sind die Fische blau mit roten Flossen (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/yasuhikotakia-modesta-2-2/, dort auch viele weitere Informationen zu der Art), aber es gibt sie auch in grüner Färbung, manchmal auch bleifarben. Und die Flossenfärbung variiert, je nach Population, zwischen fahlgelb und leuchtend rot. Die Tigerzeichnung ist ein noch ungeklärtes Phänomen. Sie wird meist als Jugendzeichnung interpretiert, denn oft verlieren die Fische sie im Alter, aber es gibt auch Individuen, die sie zeitlebens behalten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 404002 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Garra sp. Sunset-Goldscale

15. Dezember 2025

Die Gattung Garra ist ungeheuer artenreich und unübersichtlich. Gegenwärtig (Dezember 2025) werden 277 Artnamen mit Garra in Verbindung gebracht, von denen 171 allgemein als gültig angesehen werden. Das Verbreitungsgebiet ist riesig und erstreckt sich über Teile Afrikas und große Teile Asiens; man findet sie im Prinzip überall, wo es im Winter nicht zu kalt wird. In der vorerst letzten Gesamt-Revision der asiatischen Arten aus dem Jahr 1964 unterschied Menon nur 37 Arten! In Afrika ist die Gattung mit mindestens 24 Arten vertreten. In Asien reicht die Verbreitung von der Türkei (Garra caudomaculata, G. culiciphaga, G. kemali, G. klatti, G. menderescensis, G. orontesi, G. rezai, G. rufa, G. turcica, G. variabilis) über die arabische Halbinsel, den Iran und Irak und über den Himalaya nach Osten bis in die Tropen. Auch Höhlen und Oasen werden besiedelt. Besonders artenreich ist die Gattung in Gebirgen zu finden. Aus dem Gesagten geht wohl hinreichend hervor, dass die Gattung Garra derzeit sehr unübersichtlich ist.

Aus Indien (genauere Angaben fehlen) haben wir erneut eine prachtvolle Garra-Art erhalten, die als Garra sp. Sunset-Goldscale gehandelt wird. Das auffälligste Merkmal sind die großen, bei jedem Individuum anders angeordneten, glänzenden Schuppen auf den Flanken. Je nach Lichteinfall schimmern sie hellblau, rot-orange oder golden. Die voll erwachsenen Männchen (das fotografierte Exemplar ist ca. 9,5 cm lang und das größte Tier, das wir bisher zu Gesicht bekamen) haben einen eindrucksvollen Stirnfortsatz (wissenschaftlich Proboscis genannt) und Schnauzen-Tuberkel. Die Form dieser Proboscis ist artspezifisch. Es wurden in jüngster Zeit so viele neue Garra-Arten aus Indien beschrieben, dass eine exakte Artbestimmung nicht mit vertretbarem Arbeitsaufwand möglich ist, zumal ja nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine wissenschaftlich noch gar nicht erfasste Spezies handelt. Unsere Tiere ähneln am meisten der Art Garra gotyla, doch sind genauere, langwierige Untersuchungen nötig, um hier Klarheit zu erhalten. Auf jeden Fall sind diese Algenfresser Tiere, die nicht nur nützlich, sondern auch attraktiv und interessant sind!

Die aquaristischen Eckdaten lauten: klares, wenig belastetes Wasser, pH und Härte im Prinzip nebensächlich, aber der pH-Wert sollte dauerhaft nicht unter 6 sinken, Temperatur eher im niedrigen Bereich (20-24°C, zur Zucht eventuell 2°C mehr). Sehr friedlich, gesellig (Gruppenhaltung von 6 oder mehr Exemplaren angeraten), Pflanzen werden nicht beschädigt, aber geputzt. Aufwuchsfresser (Algen und Kleinstlebewesen), darum nicht zu nährstoffreich aber ballaststoffhaltig füttern. Trockenfutter wird problemlos akzeptiert, dazu die üblichen Frost- und Lebendfuttersorten als Zusatzkost. Nur die Männchen mit Proboscis. Zuchtberichte sind uns nicht bekannt, doch haben sich bislang alle Garra-Arten, bei denen die Zucht versucht wurde, als Kieslaicher ohne Brutpflege herausgestellt.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 416442 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Trigonostigma heteromorpha wild

11. Dezember 2025

Die Keilfleckbarbe, Trigonostigma heteromorpha (früher Rasbora h.), gehört zu den allerwichtigsten Aquarienfischen überhaupt. Aufgrund dessen wird sie nahezu ausschließlich als Nachzucht gehandelt, denn die Verfügbarkeit von Wildfängen ist wegen jahreszeitlicher Bedingungen (in der Regenzeit sind die natürlichen Vorkommensgebiete oft monatelang nicht zugänglich) sehr schwankend.

In den vergangenen ca. 25 Jahren hatten wir weniger als 10 Importe von Wildfängen echter Trigonostigma heteromorpha; selbst diese Zahl könnte noch zu hoch gegriffen sein, da bis 2020 nicht zwischen T. heteromorpha und der sehr ähnlichen, aus Thailand stammenden T. truncata (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/trigonostigma-truncata/) unterschieden wurde. Darum freut es uns nun besonders, dass uns ein solcher Import nun wieder einmal gelungen ist. Die Tiere, die wir gerade anbieten und die auch für die Bilder dieses Posts Modell standen, stammen von der Sumatra vorgelagerten Insel Bintan und dort aus der Umgebung der Stadt Tanjung Pinang.

Optisch unterscheiden sich die Wildfänge kaum den Nachzuchtfischen (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/trigonostigma-heteromorpha/). Letztere werden seit etwa 1925 erfolgreich gezüchtet. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass seither wieder Wildfänge in die Aquarienstämme eingekreuzt wurden. In professionellen Zuchtbetrieben von Zierfischen vermeidet man grundsätzlich jede Einkreuzung anderer Stämme. Ein Berufszüchter muss schließlich jeden Monat seine Kosten erwirtschaften und möglichst auch noch Geld verdienen. Dazu müssen die Zuchttiere bezüglich des Ablaichtermins, der Schlupfrate, des optimalen Aufzuchtfutters, der Wachstumsgeschwindigkeit, der Empfänglichkeit für Erkrankungen etc. genau berechenbar sein. Sind sie das nicht, so wird aus der Berufzucht ein existenzgefährendes Glücksspiel. Da sich aber nun einmal jede Population einer Tierart – und sei es auch nur minimal – von anderen Populationen unterscheidet, erklärt sich die Zurückhaltung der Berufszüchter (die aus bitterer Erfahrung so handeln) zwanglos. Die von Laien viel gefürchtete Inzucht hat bei den meisten Zierfischen keine negativen Auswirkungen.

Die nun importierten Wildfänge sind für ambitionierte Aquarianer mit Forscherdrang (aber auch Berufs-Fischmenschen) so etwas wie ein heiliger Gral, denn sie ermöglichen die vergleichende Untersuchung des Verhaltens mit den seit über 100 Jahren gezüchteten (das sind über 200 Generationen!) Artgenossen. Vor dem Hintergrund des katastrophalen weltweiten Artensterbens, das wir gerade erleben, ist die Erhaltungszucht im Aquarium meist die einzige Option, um gefährdete Kleinfisch-Spezies vor dem endgültigen Verschwinden zu retten. Dabei sind die Erkenntnisse, wie sie die Keilfleckbarbe liefert, von unschätzbarem Wert. In der Natur gilt die Art übrigens derzeit als nicht gefährdet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 452533 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Corydoras amapaensis

11. Dezember 2025

Nach langer Zeit konnten wir wieder einmal einige Exemplare dieses nur sehr selten angebotenen Langschnäuzer-Panzerwelses importieren. Das Verbreitungsgebiet dieser außergewöhnlichen Art liegt in den Einzügen der Flüsse Oyapock und Amapari im Bundesstaat Amapá von Brasilien und in Französisch Guiana.

Die Tiere sind farblich sehr variabel. Die Geschlechter lassen sich am besten an der Form der Brustflossenstacheln unterscheiden, die beim Männchen verdickt und borstig sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 221754 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Barbonymus schwanefeldii

11. Dezember 2025

Eine der großwüchsigsten unter den für die Pflege im Aquarium importierten asiatischen Barben ist Barbonymus schwanefeldii. Früher kannte man sie als Barbus. Diese ursprünglich auf Borneo, in Malaysia und Thailand heimische Art wird bis zu 35 cm lang. Die Rotfärbung der Schwanzflosse ist wundervoll und findet sich in dieser Intensität bei kaum einem anderen Fisch. Aufgrund ihrer Größe wird B. schwanefeldii in ihrer Heimat selbstverständlich auch gegessen und ich Farmen als Speisefisch gezüchtet. Durch Besatzmaßnahmen zu Speisezwecken gehört sie inzwischen zu den invasiven Arten in verschiedenen Teilen der Welt.

Die Gattung Barbonymus wurde erst 1999 aufgestellt, Gattungstypus ist B. schwanefeldii. Es gibt neun Arten in der Gattung, doch wird nur eine weitere Art außer B. schwanefeldii gelegentlich importiert: B. altus. Diese Art ist so ähnlich zu B. schwanefeldii, dass im Handel kaum jemals zwischen B. schwanefeldii und B. altus unterschieden wird. Der einzige Unterschied zwischen ihnen liegt in der Färbung. B. schwanefeldii hat in jedem Alter gut sichtbare schwarze Streifen an der Ober- und der Unterkante der Schwanzflosse, die bei B. altus entweder gänzlich fehlen oder höchstens angedeutet sichtbar sind. Außerdem befindet sich an der Spitze der Rückenflosse bei B. schwanefeldii ein runder schwarzer Punkt, der bei B.  altus fehlt. Es werden aber auch in der Natur immer wieder einmal Exemplare gefunden, die sich nicht eindeutig der einen oder der anderen Art zuordnen lassen. Von B. schwanefeldii gibt es auch Zuchtformen. Eine als „Gold“ bezeichnete gelbliche und eine Albino-Zuchtform. Letztere könnte allerdings auch eine Zuchtfirm von B. altus sein, denn die Albinos werden gelegentlich als Aquariennachzuchten angeboten. Da B. altus scheinbar etwas kleiner als B. schwanefeldii bleibt, braucht sie wahrscheinlich keine ganz so großen Aquarien und ist entsprechend einfacher im Aquarium zu züchten.

Beide Arten werden international auch als „Tinfoil Barb“ bezeichnet, also als „Aluminiumfolien-Barbe“, was sich auf den starken Silberglanz der Schuppen bezieht. Dabei wirkt B. altus etwas gelblicher, weshalb sie manchmal als „Golden Tinfoil Barb“ angeboten wird. Im Deutschen nennt man beide „Brassenbarbe“, in Anlehnung an den einheimischen Brassen (Abramis brama), einen ähnlich hochrückigen Karpfenfisch. B. schwanefeldii wurde übrigens in der wissenschaftlichen Erstbeschreibung versehentlich als B. schwanenfeldii benannt. Da Einigkeit darüber besteht, dass es sich um ein Versehen handelt – die Art wurde 1854 zu Ehren von Herrn H. W. Schwanefeld benannt – sollte man die Schreibweise ohne „n“ benutzen.

Bezüglich der Pflege kann man bei beiden Barbonymus nicht viel falsch machen. Es sind großwüchsige Allesfresser, die auch zarte Pflanzen verputzen und mit jedem Trinkwasser zufrieden sind. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Es sind friedliche, gesellige Tiere, die allerdings Platz brauchen, damit sie sich ausschwimmen und auswachsen können.

In Süd-Thailand gibt es übrigens einen kleinen Fluss in der Nähe einer Grotte, in der der früher einmal ein heiliger Mann lebte. Dadurch wird der Fluss in der Umgebung der Höhle ebenfalls als heilig angesehen und die darin lebenden Fische nicht gefangen und gegessen. Dort kann man in kristallklarem Wasser prachtvolle B. schwanefeldii bewundern, die von frommen Menschen gefüttert werden und ohne jede Scheu nahe der Oberfläche umherschwimmen. 

Für unsere Kunden: meist unterscheiden wir nicht zwischen Barbonymus altus und B. schwanefeldii und bieten alle als B. schwanefeldii an. Je nach Größe haben sie Code 371401 (3-4 cm) bis 371407 (20-25 cm) auf unserer Stockliste. Die gelbliche Zuchtform Gold hat Code 371502, Albinos 371552 (3-5 cm) und 371553 (6-8 cm). In den Fällen, wo wir B. altus separat anbieten, haben B. altus von 10-12 cm Länge Code 371405 auf unserer Stockliste, die mit 5-7 cm Code 371403. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer, HHach/pixabay und Erwin Schraml

Petitella bleheri „PLATIN“

11. Dezember 2025

So genannte Goldtetras gibt es bei sehr vielen Salmlerarten in Südamerika. Meist sind nur einige wenige Tiere aus einem Schwarm von dem Phänomen betroffen, bei dem erheblich stärker als sonst üblich der für den glänzenden silber- oder goldfarbenen Glitzereffekt der Fischschuppen verantwortliche Stoff Guanin ausgeschüttet wird. Im Detail erklären wir das hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-saizi-hyphessobrycon-eos-kolumbianischer-goldtetra/ Aus den geschilderten Gründen lässt sich der Goldglanz nicht in Zuchtstämmen fixieren. Die Nachkommen alles Goldtetras sehen wie die Stammform aus.

Ausgerechnet bei einem Salmler, bei dem unter Wildfängen so gut wie nie Goldtetras zu finden sind, gelang jedoch die genetische Fixierung des Goldglanzes. Die Züchter nennen diesen attraktiv sildberglänzenden Fisch „Diamant“, im Handel wird er gewöhnlich als „Platin“ bezeichnet. Der Edelmetallglanz dieses Rotkopftetras – rein technisch gesehen handelt es sich um Petitella bleheri – beruht auf einer zufälligen genetischen Veränderung, nicht auf Parasitenbefall. Zur Unterscheidung der drei Rotkopfsalmler und zu allgemeinen Pflegehinweisen, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/petitella-rotkopfsalmler/

Für unsere Kunden: die Tiere finden Sie auf unserer Stockliste als „Hemigrammus rhodostomus Platin“ mit der Codenummer 257362 (md) und 257363 (md-lg). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ctenopoma kingsleyae

5. Dezember 2025

Der Schwanzfleck-Buschfisch (Ctenopoma kingsleyae) stammt aus bewaldeten Gebieten im westlichen Afrika. Er gehörte zu den ersten aus Afrika für die Aquaristik exportierten Labyrinthfischen. Bereits 1912 kamen die ersten Exemplare aus dem Bereich des unteren Niger nach Deutschland. Die ruhige, friedliche Art wurde damals seltsamerweise als sehr bissig und unverträglich geschildert, eine Beobachtung, die später nie wieder gemacht wurde. Mit fast 20 cm maximaler Länge (gewöhnlich 12-15 cm) gehört C. kingsleyae zu den größten Labyrinthfischen Afrikas.

Der für den deutschen Gebrauchsnamen verantwortliche Schwanzwurzelfleck wird von mehreren Art gezeigt. Er kann stimmungsabhängig stark verblassen oder sogar weiß aussehen – normalerweise ist er schwarz. Bei Jungtieren bis ca. 5 cm Länge ist der Schwanzwurzelfleck golden umrandet. Arttypisch für C. kingsleyae ist der große silberfarbene Fleck direkt unter dem Auge, der bei allen ansonsten ähnlichen Arten fehlt.

In Bezug auf das Fortpflanzungsverhalten zählt Ctenopoma kingsleyae zu den ursprünglichen Labyrinthfischen. Brutpflege betreibt diese Art nicht. Die Eier sind durch Öleinlagerungen schwimmfähig und werden nach dem Ablaichen sich selbst überlassen. Die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich nur wenig. Geschlechtsreife C. kingsleyae (ab ca. 8 cm Gesamtlänge) besitzen hinter dem Auge und auf dem Schwanzstiel Dornenfelder, die dem Männchen helfen, während der Paarung das Weibchen U-förmig zu umschlingen und zur Ablaichposition auf den Rücken zu drehen. Das Dornenfeld hinter dem Auge ist oft nur schwer zu sehen, während das Dornenfeld auf dem Schwanzstiel unmittelbar vor dem Schwanzwurzelfleck schwach rötlich erscheint und darum auch mit bloßem Auge oft eine Geschlechtserkennung möglich macht.

Wenngleich Ctenopoma kingsleyae auf den ersten Blick wenig attraktiv erscheinen mag, so sind die ruhig im Aquarium dahinziehenden Tiere mit ihren silberweißen Flossensäumen  doch ein wunderbarer Kontrastfisch zu bunten Salmlern, Barben oder Buntbarschen. Ganz kleine Fische (2-3 cm) und Garnelen werden als Futter angesehen, ansonsten werden Mitbewohner, seien sie tierisch oder  pflanzlich, gewöhnlich völlig ignoriert. Auch untereinander sind die Tiere, unabhängig vom Geschlecht, sehr friedlich.

Die chemische Wasserzusammensetzung ist ohne Belang, jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Die Temperatur kann sich im Bereich zwischen 20 und 30°C bewegen. Zur Stimulation der Zucht, die man am besten im Winter versucht, muss eine Trockenperiode simuliert werden. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe, egal ob trocken, gefrostet oder lebend. Eine besondere Freude kann man den Tieren mit Landinsekten (dicke Fliegen, Heuschrecken etc.) machen, die man auf die Wasseroberfläche wirft. Das ist die absolute Lieblingsnahrung der Buschfische.

Für unsere Kunden: die Tiere haben, je nach Größe, Code 117502 (4-6 cm) bis 117504 (9-11 cm) als Wildfänge und 117511 (3-4 cm) bis 117514 (8-12 cm als Nachzuchten. Die fotografierten Tiere sind große Nachzuchtexemplare (117514). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nannostomus mortenthaleri

5. Dezember 2025

Nannostomus mortenthaleri aus Peru (Einzug des Rio Nany in der Provinz Loreto) war im Jahr 2000 die schönste aquaristische Neuentdeckung überhaupt. Der enge Verwandte des Zwergziersalmlers, N. marginatus, bleibt klein – ca. 4 cm – und ist im männlichen Geschlecht geradezu atemberaubend schön gefärbt. Jedenfalls manchmal. Denn abgesehen von anatomischen Details zeigt N. mortenthaleri ein deutlich von den meisten Nannostomus-Arten abweichendes Verhalten. Unter Artgenossen bildet N. mortenthaleri eine ausgesprochene Rang- oder Hackordnung aus.

Dominante Männchen zeigen ein intensives Rot zwischen den dunklen Längsbinden. Im Rang niedrig stehende Männchen verblassen und nehmen Weibchenfärbung an. Umgekehrt können dominante Weibchen einen ordentlichen Rotanteil entwickeln. N. mortenthaleri ähnelt in seinem Verhalten also eher einem kleinen Malawibuntbarsch (Mbuna) als einem Ziersalmler. Man sollte die Art darum auch unbedingt im größeren Trupp pflegen, da sich sonst, genau wie bei den Mbunas, ein Tyrann enwickeln kann, der u. U. alle Artgenossen so stark unterdrückt, dass es sogar zu Todesfällen kommen kann. Für die Pflege im Gemeinschaftsaquarium ist die Geschlechterzusammensetzung unerheblich.

Bei allen Ziersalmlern hat sich die Form der Afterflosse als verlässlichstes Geschlechtsmerkmal herausgestellt. Leider sind die Unterschiede ausgerechnet bei N. mortenthaleri sehr schwach ausgeprägt. Die Afterflosse erwachsener Männchen ist an der Vorderkante stets leicht konvex, beim Weibchen hingegen gerade abgeschnitten. Darüber hinaus fehlt bei den Weibchen der helle Streifen an der Basis der Rückenflosse. Am sichersten sind die Geschlechter aber am Verhalten zu unterscheiden. Wir raten zur Anschaffung eines Trupps von 10-20 Exemplaren, die in einem größeren, sehr stark struktuierten (viele Wurzeln und dichte Bepflanzung) Aquarium gepflegt werden sollten. Hier werden die Tiere sicher auch ablaichen (sie sind Freilaicher über feinfiedrigen Pflanzen). Zwar kommt im Gemeinschaftsbecken kaum Nachwuchs hoch, da die erwachsenen Tiere arg kannibalisch sind, aber man weiß zumindest, ob wirklich Weibchen im Trupp vorhanden sind und kann sie auch zum Zuchtansatz gezielt herausfangen.

Bei der Pflege sind N. mortenthaleri relativ problemlos. Die anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserparameter ist gut, wenn auch weiches und leicht saures Wasser den natürlichen Verhältnissen am besten entspricht. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe. Gegenüber artfremden Fischen sind N. mortenthaleri gewöhnlich friedlich, lediglich bei sehr eng verwandten Nannostomus-Arten mit ähnlichem Körperbau und ähnlicher Färbung sollte man vorsichtig sein.

Für unsere Kunden: N. mortenthaleri hat Code 272253 (md) – 272257 (xlg), je nach Größe. Nachzuchten haben Code 272259 auf unserer Stockliste.

Text & Photos: Frank Schäfer

Carassius auratus Oranda Panda

5. Dezember 2025

Schwarz-weiße Goldfische werden in Züchterkreisen als „elsternfarbig“ bezeichnet, Tiere mit Teleskop-Augen als „Demekin“ und die einfach doppelte Schwanzflosse als „Schmetterlingsschwanz“. Ein Oranda ist hingegen, züchterisch gesprochen, ein Goldfisch mit Haube. Demnach sind die niedlichen Pandas, die wir endlich wieder einmal importieren konnten, elsternfarbige Schmetterlingsschwänze. Da klingt „Oranda Panda“ aber griffiger, finden Sie nicht auch? Es gibt nun einmal einen Unterschied zwischen der fachlichen Züchtersprache und der Verkaufsbezeichnung. Früher wurden die „Oranda Panda“ hauptsächlich als Demekin geliefert. Das entspricht dem mitteleuropäischen Geschmack allerdings kaum noch, weshalb die Züchter in Asien jetzt für diesen Markt auch Tiere mit normal entwickelten Augen züchten.

Oranda Panda sind generell nicht leicht zu züchten, da sie nicht reinerbig sind. Goldfische haben ein riesiges Genom und für die Ausprägung der Rassemerkmale (Schleierflossen, Teleskopaugen, Haube etc., aber auch die Farbe) sind in der Regel gleich mehrere Allele zuständig. In ein und derselben Brut einer bestimmten Zuchtform gibt es darum immer eine große Bandbreite. Wenn sehr einheitlich aussehende Goldfische im Handel sind, beruht das immer auf sorgfältiger Auslese und Sortierung und nicht auf genetischen Grundlagen. Grundsätzlich ist jedes Tier individuell also etwas unterschiedlich gezeichnet und es gibt auch Exemplare, denen der weiße Anteil fast völlig fehlt und umgekehrt solche, die nur vereinzelt schwarze Sprenkel auf weißem Grund haben.

Wir haben nur einen regelmäßigen Lieferanten für diese attraktiven Tiere und auch der kann nicht immer den Bedarf decken. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 817499 (3-4 cm) und 817500 (4-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. Nur in begrenzter Stückzahl lieferbar.

Text & Photos: Frank Schäfer

Channa pyrophthalmus ( = sp. Fire & Ice)

5. Dezember 2025

Anfang des Jahres 2024 wurde diese im Hobby schon länger als Channa sp. Fire & Ice bekannte Schlangenkopffisch-Art wissenschaftlich als Channa pyrophthalmus beschrieben. Man kennt sie bislang nur aus dem äußersten südlichen Grenzgebiet zwischen Burma und Thailand. Derzeit können wir wieder diesen kleinen und farbenprächtigen Channa anbieten. Die Art erreicht in der Natur nur 12-15 cm Länge, allerdings können Aquarienexemplare nach Niemeier bis zu 25 cm erreichen.

Diese wunderschöne Art gehört in den engeren Verwandtschaftskreis von Channa gachua und ist, wie dieser, ein Maulbrüter. Sie wurde auch schon im Aquarium nachgezüchtet. Da der kleine Channa, den man immer unzweifelhaft an der charakteristischen Gesichtszeichnung erkennen kann, zu den aggressivsten Vertretern seiner Gattung zählt, hält man ihn am besten einzeln, wozu ein relativ kleines Aquarium bereits ausreichend ist. Nur zu Zucht setzt man Paare zusammen. Das entspricht dem Verhalten in der Natur; hier leben die Fische außerhalb der Paarungszeit ebenfalls einzeln. Bei Gruppenhaltung benötigt man große bis sehr große Aquarien mit reichlich Versteckmöglichkeiten für unterlegene Tiere.

Als Futter gibt man am besten Insekten, z.B. Heimchen entsprechender Größe, die auch tiefgefroren gern genommen werden. Allerdings akzeptieren die Fische durchaus eine breite Palette von Futtermitteln: jegliches gröbere Frost- und Lebendfutter und nach Gewöhnung auch Granulate oder Cichliden Sticks; sie neigen allerdings etwas zur Verfettung, daher die Empfehlung mit der Insektenfütterung. Die chemische Wasserzusammensetzung sind zur Pflege und Zucht belanglos, jedes Trinkwasser eignet sich. Die Temperaturansprüche sind mäßig, am besten pflegt man die Art bei Zimmertemperatur (18-22°C) und nur zur Zucht erhöht man um 2-3°C.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 409363 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Britz, R., H. H. Tan & L. Rüber (2024): Four new species of Channa from Myanmar (Teleostei, Labyrinthici, Channidae). Raffles Bulletin of Zoology v. 72: 1-25.

Niemeier, D. (2024): Schlangenkopffische. Neustadt am Rübenberge, 552 pp

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma agassizii PUTUMAYO

5. Dezember 2025

Erstmals  können wir eine kleine Anzahl dieser „neuen“ Variante des altbekannten Apistogramma agassizii anbieten. Es handelte sich ursprünglich um Beifänge zu der herrlichen Putumayo-Variante von A. bitaeniata aus Peru (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma-bitaeniata-putumayo-3/). Wir haben einige Exemplare großgezogen, um zu sehen, was aus ihnen wird und können nur sagen: es hat sich gelohnt!

Genau wie der bereits erwähnte A. bitaeniata hat die Putumayo-Variante von A. agassizii einen hohen Gelbanteil in der Färbung. An der Basis der Rückenflosse befindet sich ein breites schwarzes Band. Die Schwanzflosse ist ebenfalls pechschwarz eingerandet. Manche (nicht alle!)  Weibchen dieser Variante haben einen Doppelfleck auf den Flanken, wie man es von A. gephyra her kennt.

Die bekannte Palette von A. agassizii wird durch die Putumayo-Variante unserer Ansicht nach sehr bereichert; gelbe Agassizii sind zwar schon lange bekannt, jedoch war stets unklar, woher genau sie stammen. Gewöhnlich gehören Peru-Wildfänge von A. agassizii eher dem so genannten blauen Farbtyp an, wobei immer zu beachten ist, dass es „farbreine“ Wildfangpopulationen nicht gibt. Siehe hierzu auch https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma-agassizii-peru-wild/

Für unsere Kunden: die Putumayo-Variante von A. agassizii hat Code 614838 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Elassoma gilberti

28. November 2025

Erst im Jahr 2009 wurde diese Zwergsonnenbarsch-Art formell wissenschaftlich beschrieben. Sie stammt aus Florida und Alabama, wo sie neben (aber nicht zusammen mit) der sehr ähnlichen Art E. okefenokee vorkommt. Wie alle Zwergsonnenbarsche sind es kleine Fische, deren Männchen höchstens 3 cm Totallänge erreichen; Weibchen bleiben kleiner. Die Geschlechter unterscheiden sich bei erwachsenen Tieren am besten anhand der Flossensäume. Die Männchen haben dunkelgraue Säume in der Rücken-, Schwanz- und Afterflosse, die im Auflicht herrlich neonblau leuchten. Den Weibchen fehlt dieses Farbmerkmal. Elassoma gilberti ist zu sehr schnellem Farbwechsel fähig. Ein Männchen, das eben noch in tiefstem Samtschwarz prangt, kann sich binnen Sekunden zu einen blass beigefarbenen Fisch verändern, wenn es beunruhigt ist – und dazu genügt bereits die Annäherung der Fotokamera. Es gehört  darum zu den seltenen Glücks-Schnappschüssen, ein dominantes schwarzgefärbtes Männchen zu erwischen.

Leider wird dieses Fischjuwel nur selten angeboten. In normalen Händlerbecken sind Elassoma gilberti nämlich oft sehr blass gefärbt. Dann besteht nur wenig Unterschied zum allseits bekannten Elassoma evergladei (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/elassoma-evergladei-3/). Bezüglich der Pflegeansprüche – ruhige, dicht bepflanzte Aquarien, Frost- und Lebendfutter, Zimmertemperatur (16-24°C, also keine Zusatzheizung) – unterscheiden sich die Elassoma-Arten nicht. Alle sind in der Fortpflanzungsperiode Dauerlaicher. Die Eier und dem entsprechend die Jungtiere sind winzig, was die Aufzucht etwas mühsam gestaltet. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Pflege und Zucht von Elassoma der der heutzutage besser bekannten Zwergblaubarsche (Dario spp.) entsprechen. Die von uns angebotenen Elassoma gilberti sind Nachzuchtexemplare.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 414732 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Homaloptera ogilviei

28. November 2025

Flossensauger gehören in die Schmerlenverwandtschaft. Die wohl schönsten Vertreter findet man in der Gattung Homaloptera. Bis vor wenigen Jahren wurde diese Gattung sehr weit gefasst; 72 Arten wurden als Homaloptera spp. beschrieben. Heutzutage ist die Gattungsdefiniton allerdings sehr viel enger und es werden der Gattung Homaloptera nur noch 6 Arten zugeordnet: H. bilineata (Nepal, Burma, Thailand), H. confuzona (Mekong-Einzug), H. ocellata (Java), H. ogilviei (Malaysia, Sumatra, Borneo), H. orthogoniata (Borneo) und H. parclitella (Malaysia, Süd-Thailand). Sie sehen sich alle ziemlich ähnlich. Im Deutschen bezeichnet man sie gelegentlich als „Sattelfleckschmerlen“, im Englischen werden die Tiere „lizard loaches“ genannt, also „Eidechsenschmerlen“.

Der englische Populärname ist ziemlich treffend, denn die hübschen Fische gleiten genau wie Eidechsen über feste Untergründe, wobei sie stets Kontakt zum Untergrund halten. Wenn sie sich an der Frontscheibe des Aquariums befinden, sieht man sehr schon die zwei unterschiedlichen Saugapparaturen, die diese Fische entwickelt haben: je ein Saugapparat befindet sich in den „Achseln“, also angrenzend an die Brustflossen und je zwei weitere im Beckenbereich, angrenzend an die Bauchflossen. Die Existenz von Saugapparaten deutet schon auf den Lebensraum hin: fließende Gewässer mit festem Untergrund.

Wir haben Homaloptera ogilviei aus Thailand importieren können. Dieser kleine Flossensauger wurde bereits 1967 aus Malaysia beschrieben, später auch von Sumatra und Borneo bekannt. Das Vorkommen in Thailand ist wissenschaftlich nicht belegt, war aber aus zoogeografischen Gründen durchaus zu erwarten. Es ist als sicher davon auszugehen, dass die Tiere ganz im Süden des Landes in Waldbächen gesammelt wurden.

Mit maximal ca. 5 cm Gesamtlänge sind H. ogilviei die kleinsten bislang im Hobby bekannt gewordenen Vertreter der Gattung. Die Färbung ist sehr variabel, von braun über Schwarztöne bis zu ziegelrot. Das Grundmuster ist dennoch bei allen Tieren ziemlich gleich.

In der Pflege sind diese Tiere anspruchsvoll: Sie verlangen ein keimarmes Milieu, das Wasser sollte unbedingt mit Huminstoffen aus Torf, Erlenzäpfchen oder Laub angereichert werden, sonst sind die Tiere sehr empfänglich für Parasiten. Zusätzlich haben diese Fische als Fließwasserbewohner einen hohen Sauerstoffbedarf. Das Wasser sollte darum nicht zu warm sein, 22–25 °C sind ideal. Anfangs wird Lebendfutter bevorzugt, später nehmen die Tiere auch Frost- und Trockenfutter an. Die schönen Fische sind sehr friedlich, imponieren aber untereinander gerne in harmlosen Rangordnungskämpfen, die sehr interessant anzusehen sind. 

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 421612 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon flammeus

28. November 2025

Einer der ersten Salmler überhaupt, der für die Aquaristik importiert wurde, ist Hyphessobrycon flammeus. Seit dem Erstimport 1924 ist die Art nie wieder aus den Aquarien verschwunden, denn die Nachzucht ist leicht und die Fische sind sehr produktiv. Wegen seiner Herkunft (der Umgebung von Rio de Janeiro in Brasilien) und der hübschen Rotfärbung erhielt die Art rasch einen Populärnamen, nämlich „Roter von Rio“, zumal die Art zum Zeitpunkt des Erstimportes der Wissenschaft noch unbekannt war.

Leider ist der Rote von Rio in der Natur vom Aussterben bedroht, denn der natürliche Lebensraum des Tieres (küstennahe Wälder) verschwindet mehr und mehr. Importe gibt es schon viele Jahrzehnte nicht mehr, aber durch den Kauf von Roten von Rio können Sie sich aktiv an der Arterhaltung beteiligen, denn so lange die Aquarianer nach Roten von Rio verlangen, so lange werden sie auch nachgezüchtet und können wenigstens in den Aquarien überleben.

Die optimale Färbung zeigen die Fische bei naturähnlichen Gegebenheiten: durch Huminstoffe bräunlich gefärbtes, relativ kühles (16-22°C) Wasser. Aber die bereits 100-jährige Existenz des Tieres ohne „Blutauffrischung“ im Hobby zeigt auch überdeutlich, dass der Rote von Rio ein anpassungsfähiges Tier ist, das unter unterschiedlichsten Bedingungen sein Auskommen finden kann. Jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe wird akzeptiert. Ein wichtiger Hinweis: einzeln oder paarweise gehaltene Hyphessobrycon flammeus können gegen Mitbewohner sehr aufdringlich werden, darum bitte mindestens 10 Exemplare zusammen pflegen, wobei die Geschlechterzusammensetzung egal ist. Männchen unterscheiden sich von den Weibchen übrigens durch den kräftigeren schwarzen Saum in der Afterflosse und den Bauchflossenspitzen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 260300 bis 269304 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Protopterus annectens Nigeria

28. November 2025

Es gibt in Afrika vier Arten von Lungenfischen, die teils nur schwer auseinanderzuhalten sind. Ganz unübersichtlich ist die Situation im Kongo (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/lungenfische_aus_dem_kongo_de/). Nur die Art Protopterus dolloi ist immer leicht aufgrund ihres langgestreckten Körperbau zu erkennen. Am sichersten unterscheidet man die drei Arten Protopterus aethiopicus, P. annectens und P. amphibius nach dem Ansatz der Rückenflosse. Diese beginnt bei P. amphibius kurz hinter den Brustflossen, bei P. annectens etwa in der Mitte zwischen Brust- und Bauchflossen (etwas näher an den Brustflossen) und bei P. aethiopicus hinter der Mitte zwischen Brust- und Bauchflossen. Färbungsmerkmale sind weitgehend untauglich, da eine sehr starke individuelle Farbvarianz existiert. Man sagt, dass bei P. amphibius (diese Art kommt nur im südöstlichen Afrika vor und wird daher kaum exportiert, da es aus dem Vorkommensgebiet von P. amphibius keine regulären Zierfischexporte gibt) am längsten die Außenkiemen behält, doch tun dies P. annectens und P. aethiopicus auch oft sehr lange (siehe weiter unten). 

Am häufigsten kommt auf jeden Fall Protopterus annectens (Westafrikanischer Lungenfisch) aus Nigeria in den Handel, auch wenn diese „Häufigkeit“ sehr relativ zu sehen ist. Immerhin erreichen die Fische Längen um einen Meter und sind untereinander sehr unverträglich. Darum werden immer nur wenige Exemplare pro Jahr importiert.

Meist importieren wir diese Tiere mit einer Länge von 15-25 cm. Damit sind die größten von ihnen gerade geschlechtsreif. Die Art P. annectens ist die einzige Art afrikanischer Lungenfische, bei der bisher an wildlebenden Exemplaren wissenschaftliche Untersuchungen über äußerlich erkennbare Geschlechtsunterschiede durchgeführt wurden. Demnach haben die Männchen längere und breitere Köpfe. Trotz ihrer Lungenatmung behalten P. annectens viele Jahre ihre äußeren Kiemen, die für alle Lungenfischarten als Larven typisch sind, wodurch sie an Molchlarven erinnern. Jedes Tier des Westafrikanischen Lungenfisches hat eine individuell unterschiedliche Körperzeichnung. Es gibt – im gleichen Import und aus dem gleichen Fanggebiet – leopardenartig gescheckte und fast einfarbige Tiere. Das hat keinerlei Aussagekraft über Geschlecht oder Herkunft. 

Erstaunlicherweise fressen diese großen Tiere am liebsten relativ kleine Futtersorten. Kleine Fische sind in ihrer Gegenwart zwar stets gefährdet, aber Wurmfutter oder Granulate werden deutlich bevorzugt; daneben akzeptieren die Tiere viele Frostfuttersorten, Insekten etc. Ihre Nahrung finden sie vorwiegend durch ihren Geruchssinn. Untereinander kommt es bei der Fütterung oft zu Verletzungen, da die gierigen Fische blindlings um sich schnappen. Glücklicherweise heilen Verletzungen gut ab und das Regenerationsvermögen dieser urtümlichen Fische ist geradezu legendär. 

Die Beobachtung der (normalerweise allerdings ziemlich trägen) Tiere ist sehr interessant. Sie bewegen die fadenförmigen Flossen, als wären es Arme und Beine. Bei aggressivem Verhalten reißt der Angreifer das Maul weit auf und streckt die „Arme“ in die Höhe. Es gibt noch viel an dem Verhalten dieser Tiere zu erforschen. Die Gattung Protopterus gibt es es seit etwa 400 Millionen Jahren, das Alter der modernen, jetzt existierenden Arten wird auf etwa 26 – 42 Millionen Jahre geschätzt (je nach Autor variieren diese Angaben recht beträchtlich).

Die Männchen von P. annectens werden größer als die Weibchen. Die Art betreibt Brutpflege im männlichen Geschlecht. Während der Trockenzeit graben sich die Fische in den Boden ein und überdauern das Austrocknen ihrer Wohngewässer in einem Kokon; in diesem „Trockenschlaf“, während dessen der Stoffwechsel stark reduziert ist, können Lungenfische mehrere Monate, angeblich sogar Jahere, überleben. Abgelaicht wird, wenn die Regenzeit einsetzt und das Wasser wieder steigt. Das Ablaichen erfolgt in einer Kammer im Boden, die durch ein Tunnelssystem mit dem freien Wasser verbunden ist. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 167602 (12-15 cm) bis 167607 (60 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Petitella – Rotkopfsalmler

25. November 2025

Die Rotkopf- oder Rotmaulsalmler sind ein wunderschöner Blick­fang für jedes Aquarium mit fried­lichen Fischen. Ein Schwarm dieser Tiere, und  15 – 20 Exemplare sollten es möglichst immer sein, be­geistert jeden Betrachter, weil diese Tiere wirklich dauerhaft im Schwarm schwimmen; die allermeisten so genannten Schwarmfische unter den Aquarienfischen tun das nämlich nicht. Sie schwimmen eher vereinzelt durch das Aquarium und schließen sich nur dicht zusammen, wenn Gefahr droht. Die Pflege der Rotkopfsalmler ist nicht schwer und so schwim­men sie in sehr vielen Aquarien. Nur die rich­tige Benennung der Arten, die ist nicht einfach. Drei Arten kennen wir, die immer wieder verwechselt wurden. Früher teilte man sie in zwei Gattungen ein (Hemigrammus und Petitella), heutzutage werden alle drei in Petitella klassifiziert: P. rhodostoma (früher: Hemigrammus rhodostomus), P. bleheri (früher: Hemigrammus b.) und Petitella georgiae.

 

Diese drei  Arten wurden und werden so oft ver­wechselt, dass man wirklich verwirrt werden kann. Tat­sächlich ist es relativ einfach: Bei den im Handel befindlichen Fischen handelt es sich fast immer um Petitella bleheri, bezeichnet werden sie aber fast immer als Petitella georgiae. Im Grunde genommen ist es egal, welche der drei Arten man erwirbt, sie unterscheiden sich in ihren Ansprüchen nämlich nicht. Dennoch geben wir hier die Unterschiede an, für alle, die es ganz genau wissen wollen.

Schon vor längerer Zeit, nämlich 1924 beschrieb E. Ahl einen Rotmaulsalmler als Hemigrammus rhodostomus. Der Fund­ort lag nahe Belem in Brasilien. Und so, nämlich als Hemigrammus rhodostomus, wurde in der Folge jeder Rotmaul- oder  Rot­­kopf­salmler in der Aquaristik bezeich­net. Sicher merkte man, daß die Fische je nach Fundort etwas anders aus­sahen, hielt das jedoch für eine inner­art­liche Varianz. 

1964 beschrieben der Salm­­ler­­spezialist J. Gery mit H. Boutiere eine dem schon bekannten Rot­maul­salm­ler sehr ähnliche Art als Petitella georgiae. Die Un­ter­schiede in der Fär­bung der beiden Arten sind un­wesent­lich, der Grund für die art­liche Trennung lag in Unter­schieden der Be­zah­nung begründet. Diese neue Art stammt haupt­sächlich aus dem Oberlauf des Amazonas in Peru. Sie fand keine son­­der­lich weite Ver­breitung, weil sie eher etwas farbloser ist als der Rot­maul­salmler, den man schon kannte. 

Die schönsten Rotmaulsalmler kamen und kommen aber aus dem Rio Negro. Sie haben eine herrliche, weit über die Kie­men­­deckel hinausgehende rote Kopf­­­fär­bung. Begehrte Fische brau­chen eine eige­­­ne Handelsbezeichnung und so wur­de kurzerhand der neue Name Petitella georgiae für diesen Salmler ver­wen­det, ohne die Richtigkeit dieses Unter­fan­gens zu überprüfen. 

1986 be­schrieb J. Gery zusammen mit V. Mahnert diesen rötesten aller Rotkopf­salmler als neue Art, nämlich Hemigrammus bleheri, und das Chaos war per­fekt, weil jede der drei Arten in der Literatur schon unter einem falschen Namen abgebildet worden war.

Man erkennt man P. bleheri immer gut daran, dass er im Gegensatz zu den beiden anderen Arten kein schwar­zes Längsband auf dem Schwanzstiel besitzt, sondern nur eine zartgraue Linie. Petitella georgiae und P. rhodostoma haben ein deutlich ausgeprägte, gut sichtbares dunkles Längsband und sind optisch kaum auseinanderzuhalten. Bei ein­ge­­wöhnten Tieren schaut man am besten auf das Endes des Schwanzstiels. Dort hat Petitella nur einen Fleck oben vor der Schwanz­flosse, P. rhodostoma hat oben und unten einen Fleck.  

Meist importieren wir P. bleheri aus Brasilien, der jedoch aus Gründen unserer hausinternen Warenwirtschaftsanalyse unter dem Namen „Petitella georgiae“ segelt, von Zeit zu Zeit haben wir aber auch Wildfänge des „echten“ P. georgiae aus Peru im Stock. P. rhodostoma ist so gut wie nie unter dem richtigen Namen im Handel. Die Bilder die wir hier zeigen, stammen von so genannten Beifängen, die wir aus Importen anderer Fischarten aussortierten. P. bleheri wird nicht nur als Wildfang, sondern auch als Nachzucht angeboten. Es gibt von P. bleheri auch Zuchtformen: Gold-, Albino- und Platin-Formen zeigen, in welch großem Maßstab diese Art nachgezüchtet wird. 

Bezüglich der Pflege ist zu sagen, dass die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserverhältnisse so gut ist, dass man sagen kann, dass Rotkopfsalmler aller Art in jedem als Trinkwasser geeigneten Leitungswasser jahrelang gut gepflegt werden können. Optimal färben sie sich in Wasser, dem Huminstoffe beigefügt sind. Zur Zucht benötigt man weiches und saures Wasser. Die Geschlechter unterscheiden sich durch die Figur (Weibchen sind größer und runder in der Bauchpartie) und die Männchen haben kleine Haken an der Afterflosse, mit denen sie im Fangnetz hängen bleiben. Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 28°C liegen, etwas höher zu Zucht, zeitweise etwas niedriger schadet auch nicht. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe, Pflanzen bleiben unbehelligt. Petitella sind gegenüber allen Fischarten sehr friedlich.

Für unsere Kunden: leider, leider können aus buchhalterischen Gründen die Namen in unserer Stockliste nur sehr schlecht ändern. Darum finden sich P. bleheri-Zuchtformen (Gold 257301-257303, Albino 257352 und Platin 257362-257363) und Nachzuchten (Code 257201-257205) bei uns unter Hemigrammus rhodostomus, die Wildfänge von P. bleheri aus dem Rio Negro unter Petitella georgiae (Code 278001-278005) und die „echten“ P. georgiae aus dem oberen Amazonas (Peru) unter P. georgiae/real wild PERU (Code 278014). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Maylandia sp. „Daktari“

21. November 2025

Die bunten Felsencichliden (Mbuna) des Malawisees werden zwar hauptsächlich wegen ihrer knalligen Farben gepflegt, jedoch haben sie bezüglich ihres Verhaltens tatsächlich mehr zu bieten, als nur gut auszusehen. Maylandia sp. Daktari – eine wissenschaftlich noch unbeschriebene Art – kommt nur in einem relativ kleinen Gebiet in vier Populationen vor; je zwei dieser Populationen sind äußerlich nicht zu unterscheiden. Bei der Population vom Undu und Hai Reef in Tanzania sind die dominanten Männchen strahlend gelb, bei den Populationen Chiwindi und Liutche in Mosambik sind die dominanten Männchen über den Rücken blau überhaucht. Im Handel sind nahezu ausschließlich Nachzuchten der gelben Morphe.

Für Mbuna-Verhältnisse ist diese Art als friedlich einzustufen, zudem gehört sie zu den kleinsten Mbunas: sie wird nur etwa 10 cm lang. Allerdings können Männchen untereinander sehr aggressiv auftreten. Meist wird empfohlen, ein Männchen mit einer Anzahl Weibchen pro Aquarium zu pflegen. Es gibt aber auch inzwischen auch sehr viele Aquarianer, die erfolgreich mehrere Männchen und mehrere Weibchen pflegen. Nicht-dominante Männchen nehmen Weibchenfärbung an und sind dann vor Verfolgung durch das alpha-Männchen sicher; die „echten“ Weibchen werden vor den steten Nachstellungen des alpha-Männchens entlastet, da dieses ebenso viel Energie in die Balz gegen „falsche“ Weibchen steckt. Insgesamt entsteht so eine relativ stressarme Gesellschaft.

Maylandia sp. Daktari (man findet diese Art in der Literatur auch unter den Synonymen Metriaclima sp. Daktari und Pseudotropheus sp. Daktari) lebt in der Übergangszone zwischen Fels und Sand. Am Fuße eines Felsens gräbt ein revierbesitzendes, dominantes Männchen (man nennt dies ein alpha-Männchen) einen Tunnel, der als Ablaichplatz dient. Eigentlich ist M. sp. Daktari ein planktivorer Fisch, der kleine Futterorganismen (Plankton) aus der freien Wassersäule pickt. Nur das revierbesitzende Männchen geht zu einer Aufwuchs-fressenden Lebensweise über. Da dies ein sehr nährstoffarmes Futter ist, verteidigt ein revierbesitzendes Männchen sein Revier sehr aggressiv gegen unerwünschte Mitfresser. Man nimmt an, dass alpha-Männchen es sich nicht leisten können, ihr Ablaichrevier zur Nahrungssuche zu verlassen, da in dieser Zeit der spärliche Aufwuchs von anderen Fischen gefressen werden würde.

Wie alle Mbuna ist Maylandia sp. „Daktari“ ein agamer Maulbrüter im weiblichen Geschlecht, d.h. die beiden Geschlechter gehen keine über das Ablaichen hinausgehende Bindung ein und das Weibchen ist alleine für das Ausbrüten der Eier in der Mundhöhle verantwortlich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 568263 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos. Frank Schäfer

Synodontis flavitaeniatus

21. November 2025

Dieser hübsche Fiederbartwels kommt aus dem unteren Kongo (z.B. im Bereich des Pool Malebo, früherer Name Stanley Pool). Mit etwa 20 cm Endgröße gehört er zu den mittelgroßen Arten der Gattung. Früher wurde dieser Wels als ähnlich sensationell empfunden wie einige Jahrzehnte später der Zebrawels (L46, Hypancistrus zebra). Im Aquarien-Atlas, Band1, liest man: „ Einer der hübschesten Fiederbartwelse, jedoch sehr selten und teuer. Es werden jährlich nur etwa ein Dutzend Tiere gefangen.“ Nun, das ist ein nostalgischer Blick in die Vergangenheit; grundsätzlich ist Synodontis flavitaeniatus zwar keineswegs ein Allerweltsfisch, aber das liegt normalerweise eher an zu geringer Nachfrage als an irgend etwas anderem. Gegenwärtig ist dieser Wels aber tatsächlich auf dem Weg zur Rarität, da der Import von Fischen aus dem Kongo immer komplizierter wird und eine Nachzucht von solchen Fiederbartwelsen auf kommerzieller Basis kaum lohnt. Dafür bedarf es als Grundvoraussetzung nämlich einer konstant hohen Nachfrage.

Wir hatten jetzt auch schon einige Jahre keine S. flavitaeniatus mehr in der Anlage. Auffällig an dieser Art ist zum einen die Bezahnung, die auf der Oberlippe bereits außen beginnt und zum anderen das Streifenmuster. Ersteres deutet darauf hin, dass S. flavitaeniatus sich in der Natur von Tieren ernährt, die in Vertiefungen sitzen und die der Wels sich mit seinem besonderen Gebiss herauspicken kann. Letzteres erklärt sich, wenn man diesen Synodontis in relativ fein verzweigten Wurzeln sitzen sieht, die er allen anderen Versteckmöglichkeiten vorzieht. Dann löst er sich nämlich optisch in Nichts auf. Die bei schwimmenden Tieren so auffällige rötlichgelb-braune Streifung ist in dieser Umgebung eine perfekte Tarnung!

Im Aquarium sind S. flavitaeniatus jahrzehntelang ohne großen Aufwand haltbar. Untereinander bilden sie, wie wohl die meisten Fiederbartwelse, eine Rangordnung aus. Dabei kommt es regelmäßig zu Hautabschürfungen, die aber leicht und komplikationslos abheilen. Gegenüber artfremden Fischen sind die Tiere relativ friedlich. Allzu zart sollten eventuelle Mitbewohner nicht besaitet sein, aber für ein Westafrika-Aquarium mit mittelgroßen Salmlern, Barben und Buntbarschen sind S. flavitaeniatus eine wunderbare Bereicherung. Die dämmerungsaktiven Fische brauchen Tagesverstecke; nach einer gewissen Eingewöhnungszeit sind sie aber auch tagsüber viel unterwegs, vor allem zu Fütterungszeiten. Die chemische Wasserzusammensetzung ist nebensächlich, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 22-28°C liegen. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben je nach Größe Code 179500 (3-4 cm) bis 179504 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Baryancistrus xanthellus L18

21. November 2025

Etwa von Ende Mai bis Ende September dauert die Fangsaison der schönen Goldsaum-Harnischwelse (Golden Nuggets) der Gattung Baryancistrus. Aufgrund unterschiedlich großer Punkte am Körper und unterschiedlich breiten Flossensäumen in Rücken- und Schwanzflosse sowie einer unterschiedlich intensiven Gelbfärbung der Punkte wurden für diese Tiere aquaristisch mehrere L-Nummern vergeben: L18, L81, L85 und L177, hinzu kommen weitere Lokalvarianten, die dann zur L-Nummer noch einen Buchstaben bekommen, wie z.B. L81b (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/ein_neuer_golden_nugget_de/),  L81c  (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/baryancistrus-xanthellus-l81c-sao-felix/) oder L81n (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/baryancistrus_sp_l81n_de/). Wissenschaftlich betrachtet gehören sie alle allerdings nur einer einzigen Art an, nämlich Baryancistrus xanthellus, der im Rio Xingu und seinen Nebenflüssen in Brasilien weit verbreitet ist. Alle Unterschiede sind auch nur bei Jungtieren (bis ca. 15 cm Länge) zu erkennen. Erwachsen (ab ca. 20 cm) sehen alle gleich aus (jedenfalls, so weit man das weiß); als Maximallänge werden in der wissenschaftlichen Literatur 30 cm (Totallänge, also inklusive Schwanzflosse) angegeben. Die Punkte sind dann sehr klein und die gelben Flossensäume fast verschwunden. Für erwachsene Tiere siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/baryancistrus_xanthellus_l18_adult_de/.

Der Klassiker unter den Golden Nuggets ist nach wie vor L18. Im Gegensatz zu anderen Harnischwelsen aus dem Rio Xingu ist diese Art nicht unmittelbar durch den Bau des Belo Monte-Staudamms bedroht, da sie ein Bewohner ruhig dahinströmenden Wassers sind. Diese Biotope wird es trotz Staudamm weiterhin geben. Aquaristisch gesehen sind alle Baryancistrus eine Herausforderung für Könner, denn sie brauchen Unmengen Nahrung, hohe Wassertemperaturen (28-32°C), große Aquarien und eine optimale Wasserpflege, um zu großen und zuchtfähigen Exemplaren heranzuwachsen. Untereinander und gegen artfremde Fische sind B. xanthellus grundsätzlich friedfertig; so lange sie die auffällige Jugendfärbung tragen, sind sie sogar geradezu gesellig und halten sich gerne im Rudel mit ihresgleichen auf. Später werden sie mehr und mehr zu Einzelgängern.

Für unsere Kunden: L18 haben – je nach Größe – Code 26480-L 018-0 (3-4 cm) bis 26480-L 018-8 (25-30 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon negodagua

21. November 2025

Gegenwärtig erleben die Kleinsalmler Südamerikas einen neuen Boom. Es wurden und werden zahlreiche Arten wissenschaftlich neu beschrieben. So verlassen auch die Zierfischfänger ihre ausgetretenen Pfade und suchen nach diesen Tieren, zumal anfangs gepfefferte Preise für die Neuheiten gezahlt werden. So etwas funktioniert naturgemäß nur eine kurze Zeit, dann kommen von den besonders attraktiven Arten Nachzuchten auf den Markt, die weniger attraktiven verschwinden wieder und Wildfänge kommen nur noch alle Jubeljahre als Raritäten für einige wenige Spezialisten zu uns. 

Zu diesen neuen Arten zählt der im Jahr 2001 wissenschaftlich beschriebene Hyphessobrycon negodagua. Sein Ursprungsgebiet liegt im Nordosten Brasiliens, im Bundesstaat Bahia. Dort besiedelt dieser maximal 3 – 3,5 cm lange Salmler den Rio Pratinah, einem Zufluss des Rio Santo Antonio, der wiederum in den Rio Paraguaçú entwässert, der einer der wichtigen Küstenflüsse Brasiliens ohne Anbindung and andere Flusssysteme ist. Von fast allen anderen Hyphessobrycon-Arten unterscheidet sich H. negodagua durch das Fehlen der für Salmler so typischen Fettflosse bei sehr vielen Exemplaren, die einzigartige Färbung der Männchen in der Balz macht sie ebenfallls unverwechselbar. Frisch importierte und noch nicht eingewöhnte Tiere sind silbrig, aber eingewöhnte Männchen zeigen schon nach wenigen Tagen ihre feurigen Balztänze, während derer sie sich schwarz verfärben, was in sehr wirkungsvollem Kontrast zu den weißen Flossensäumen steht. Das flatternde Balzschwimmen dieser hübschen Art veranlasste Hans-Georg Evers dazu, ihn als „Schmetterlingszwergsalmler“ zu bezeichnen.

Die Pflege der Tiere ist einfach und entspricht der von anderen kleinen Salmlern. Übrigens: der Artname „negodagua“ bezieht sich auf ein mythisches, menschenähnliches Monster (Nego d´agua), das am Grunde von Flüssen lauert und nachts unaufmerksame Fischer attackiert. Warum die Wissenschaftler den kleinen, friedlichen Salmler mit diesem Monster assoziierten, verraten sie nicht…

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 261232 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Betta simplex

14. November 2025

Dieser kleinbleibende (5-6 cm) Maulbrüter aus Thailand erweitert die schöne Palette interessanter Betta-Wildfänge, die wir gelegentlich anbieten können. Betta simplex ist ein enger Verwandter der Arten Betta picta von Java, Betta falx von Sumatra und Betta taeniata von Borneo. Alle diese Arten hatten wohl einen gemeinsamen Vorfahren. 

Die Männchen der genannten Betta-Arten erkennt man an einem breiten blauen oder grünen Saum (rötlich bei B. falx) entlang der Afterflosse und der Schwanzflosse, der den Weibchen weitgehend fehlt.

Unsere B. simplex sind gerade ausgewachsen und in diesem Alter besonders schön. Anders als viele andere Betta-Wildformen brauchen B. simplex kein weiches Wasser. Im Gegenteil, sie kommen aus einem Gebiet im Süden Thailands (bei Krabi), wo Kalkgestein vorherrscht. Untereinander sind sie, wie die meisten maulbrütenden Betta-Arten, ziemlich friedfertig, so dass problemlos auch mehrere Männchen gemeinsam in einem Aquarium gepflegt werden können. Das Becken sollte allerdings gut strukturiert sein und reichen Pflanzenwuchs aufweisen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 387752 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Fundulus julisia

14. November 2025

Der weltweite Verlust an Biodiversität, also an Artenvielfalt, ist furchtbar. Besonders an der Natur interessierte Menschen, und dazu zählen Aquarianer in besonderem Maße, empfinden das Aussterben von Arten nahezu als körperlichen Schmerz. Kleine Fischarten gehören zu den wenigen Organismen, die sich sehr gut für eine Erhaltungszucht über einen sehr langen Zeitraum und viele Generationen eignen. Das ist eine erwiesene Tatsache und schon mehrere Fischarten, die in der Natur ausgestorben sind, leben in Aquarien weiter. So besteht die Chance, dass künftige Menschheitsgenerationen die Fehler, die unsere Generation macht, rückgängig machen kann und einstmals ausgestorbene Arten aus dem Aquarium wieder in einen renaturierten Lebensraum zurückkehren können.

Meistens sind vom Aussterben akut bedrohte Arten auf den ersten Blick leider wenig attraktiv. Das ist schade, denn die beste Lebensversicherung für eine Tierart ist immer noch eine möglichst große Nachfrage im Handel. Dann sind viele Züchter daran interessiert, diese Nachfrage zu befriedigen und die Erhaltungszucht steht auf festen Füßen – wenn auch nicht unbedingt aus ideellen Gründen. 

Fundulus julisia ist ein Beispiel einer hochgradig bedrohten Art, die nur von sehr wenigen Spezialisten gepflegt und gezüchtet wird. Aufgrund großflächiger Veränderung der Umwelt im ursprünglichen Lebensraum im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee durch Gewässerverbauung und Landwirtschaft ist die einstmals recht weit verbreitete Art auf die Quellregionen einiger weniger kleiner Bäche zurückgedrängt worden. Dort werden die zur Laichzeit prachtvoll bunten Männchen von fischfressenden Vögeln (z.B. Reihern) sehr leicht erbeutet. Hinzu kommt, dass großflächig ausgesetzte Gambusen die Jungtiere des Fundulus fressen. Das Überleben von Fundulus julisia in der Natur ist deshalb so eine Art Tanz auf der Rasierklinge: es kann jederzeit etwas schiefgehen. 

Wir bieten seit einigen Jahren F. julisia aus deutschen Hobbyzuchten an. Diese Tiere werden von den Züchtern unter naturnahen Bedingungen im Freiland gehalten. Wir bekommen im Herbst, wenn die Fische in die Überwinterung kommen, den Überschuss an Nachzuchten. Leider zeigen die Tiere dann nur andeutungsweise, was farblich in ihnen steckt. Das steht einer breiten Vermarktung im Wege. Nur Kenner und Könner wissen, welchen Schatz sie sich einhandeln, wenn sie Fundulus julisia in einem Aquarium einen (Über-)Lebensraum geben.

Hier noch die Pflegedaten in Stichpunkten: Wasser: nicht zu weich und leicht alkalisch, Leitungswasser ist in der Regel sehr gut geeignet. Temperatur: jahreszeitlich unterschiedlich. Eine Überwinterung bei 10-15°C unter Kurztagbedingungen (weniger als 10 Stunden Licht am Tag) ist notwendig, sonst kommen die Tiere im folgenden Frühjahr nicht in Paarungsstimmung. Restliches Jahr 18-26°C. Futter: alle übliche Trocken-, Frost- und Lebendfutter werden gerne angenommen. Sozialverhalten: friedlicher Fisch, der gerne im Trupp mit Artgenossen schwimmt. Geschlechtsunterschiede: Männchen bunter, mit viel größerer Afterflosse, mit hellem Band am Rand der Rücken-und Schwanzflosse (außerhalb der Fortpflanzungszeit schwer zu erkennen). Größe: 6-8 cm.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 326602 (sm) und 326603 (lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Mastacembelus unicolor

14. November 2025

Der großwüchsige (um 60 cm) Stachelaal Mastacembelus unicolor wurde wissenschaftlich schon früh erfasst. Die beiden Forscher Kuhl und van Hasselt entdeckten ihn im westlichen Teil von Java während ihres Aufenthaltes 1820-23 und fertigten auch eine Zeichnung des Tieres an. Die beiden bezahlten ihren Forscherdrang mit ihrem Leben und starben bereits 1821 (Kuhl) im Alter von 24 Jahren und 1823 (van Hasselt) im Alter von 26 Jahren an Tropenkrankheiten. Ihre Aufzeichnungen und gesammelten Exemplare wurden später von anderen Wissenschaftlern als Grundlage von Artbeschreibungen genutzt. Cuvier beschrieb Mastacembelus unicolor auf dieser Basis im Jahr 1832.

Aquaristisch blieb M. unicolor lange Zeit völlig unbekannt, obwohl die Art in Indonesien weit verbreitet ist, aber offenbar nirgends häufig vorkommt. Wir erhielten die Spezies zufällig erstmals 2018 in zwei erwachsenen Exemplaren (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/mastacembelus-unicolor/) und 2024 in einem etwas jüngeren Exemplar von 20-25 cm Länge (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/mastacembelus-unicolor-3/). Nun gelang uns erstmals ein etwas größerer Import von jugendlichen Tieren (10-20 cm Länge). Die Erkenntnis daraus: Jungtiere weichen farblich stark von geschlechtsreifen Exemplaren ab. Der so arttypische schneeweiße Streifen am Rand der Rücken-, Schwanz- und Afterflosse entwickelt sich erst ab etwa 20 cm Länge; glücklicherweise ist in unserem aktuellen Import diese Umfärbung in allen Übergängen zu beobachten. Und noch etwas lernen wir aus diesem Import: es gibt zwei Farbphasen bei jungen M. unicolor, eine eher rötliche und eine schwärzlich-braune. 

Einmal mehr zeigt sich, wie wertvoll für Erkenntnisgewinne Wildfangimporte auch und gerade von solchen Fischarten sind, die aufgrund ihrer Eigenschaften (in diesem Fall: die erreichbare Endgröße) nur für wenige Spezialisten als Aquarienfische von Interesse sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 426722 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Synodontis angelicus

14. November 2025

Die Fiederbartwelse (Synodontis) besiedeln mit 133 Arten praktisch den gesamten afrikanischen Kontinent. Die kleinsten Arten werden 6-7 cm lang, die größten 60-70 cm. Aquaristisch spielen sie eine sehr untergeordnete eine Rolle. Nur der Rückenschwimmende Kongowels (Synodontis nigriventris) und einige Arten des Tanganjika-Sees sind richtige Aquarienfische mit einer größeren Anhängerschaft. Von der großen Artenfülle der übrigen Spezies taucht ansonsten lediglich S. eupterus häufig im Handel auf, weil er sich verhältnismäßig leicht und produktiv nachzüchten lässt, der große Rest gilt als Fall für Wels-Spezialisten.

Aus dem Kongo kommt Synodontis angelicus, eine mit meist 15-25 cm Länge mittelgroße Art, jedoch soll das allergrößte je gemessene Exemplar stattliche 55 cm gehabt haben! Bevor die große Anzahl der schwarzen Harnischwelse mit weißen Punkten aus Südamerika bekannt wurde, galt S. angelicus (der Artname bedeutet übersetzt „der Engelsgleiche“) als die allerschönste Welsart und wurde mit „Perlhuhnwels“ sogar mit einem deutschen Gebrauchsnamen belegt. Diese Ehre wurde kaum einer anderen Synodontis-Art gewährt. 

Auch heute noch ist S. angelicus ein schöner Fisch, aber man weiß auch um seine Schattenseiten. So kann er – vor allem, wenn nur eines oder wenige Exemplare zusammen gepflegt werden – sehr zänkisch sein und alle anderen Fische verfolgen. Es gibt da starke individuelle Unterschiede, aber man muss sich dessen gewahr sein, denn wohin mit dem Fisch, wenn er sich als Tyrann erweist? Ähnlich wie bei Buntbarschen kann man dieser unschönen Eigenschaft am besten begegnen, wenn man mehrere (10+) Exemplare in möglichst großen Aquarien mit sehr vielen Versteckmöglichkeiten pflegt.

Bezüglich Futter und Wasserbeschaffenheit ist S. angelicus anspruchslos und als leicht pflegbar einzustufen. Die Wassertemperatur sollte im Bereich von 24-28°C liegen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben je nach Größe Code 172000 (3-4 cm) bis 172006 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Curimata vittata

14. November 2025

Die Gattung Curimata umfasst gegenwärtig 13 Arten; nur eine einzige davon kommt ab und und zu in unsere Aquarien, nämlich Curimata vittata. Die übrigen Arten bieten schlicht keinerlei Anreiz, sie zu pflegen. Es sind einfarbig silberglänzende Tiere, die 15-20 cm Länge erreichen können und sich vorwiegend von pflanzlichem Material ernähren.

Curimata vittata erreicht ebenfalls diese Länge, ist jedoch im Gegensatz zu ihren Gattungsgenossen recht attraktiv gefärbt. Ein unregelmäßiges Tigermuster zieht sich über den Rücken, die grundsätzlich silberfarbenen Flanken glänzen – je nach Lichteinfall – grünlich oder golden, entlang der Körpermitte verläuft ein goldgelbes Band.

Die seltsame Maulstruktur zeigt, dass es sich um Aufwuchsfresser handelt. Aus dem Hobby kennen wir gut die Küssenden Guramis (Helostoma) und Nachtsalmler (Semaprochilodus), die sich ebenfalls auf diese Art und Weise ernähren. Als Futter darf man nur feine Partikel reichen, da diese Fische einen engen Schlund haben. Es bieten sich Futtermittel wie zwischen den Fingern fein geriebenes Flockenfutter auf pflanzlicher Basis, gefrostete Cyclops, Artemia-Nauplien oder auch fein gemahlene Haferflocken (Vorsicht! belasten das Wasser sehr stark) an. Verbreitet ist C. vittata im Amazonas, im oberen Orinoko und im Essequibo River; unsere Exemplare stammen aus Kolumbien. Es sind friedliche, etwas scheue Fische, unbedingt zu mehreren gepflegt werden sollten. Einzelfische sind extrem scheu.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 251203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Fluviphylax rubens

7. November 2025

Die Miniatur-Leuchtaugen der Gattung Fluviphylax stellen die kleinsten Killifisch-Verwandten überhaupt. Voll ausgewachsen liegt ihre Körpergröße unter 2 cm Standardlänge (also ohne Schwanzflosse), meist um 1,5 cm. Bis vor Kurzem waren diese Zwerge nur aus Brasilien bekannt, von wo wir sie gelegentlich auch importieren konnten, was allerdings schon eine ganze Weile her ist; einmal haben wir auch Tiere aus Venezuela erhalten, die F. rubens sehr ähnlich sind (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/zwergleuchtaugen_fluviphylax_aus_venezuela_de/). Die derzeit 8 wissenschaftlich beschriebenen Arten von Fluviphylax werden aktuell in eine eigene Familie gestellt, die Fluviphylacidae.

Erst im Oktober 2024 wurde die erste Art aus Kolumbien beschrieben, nämlich Fluviphylax rubens. Wir freuen uns sehr, diese biologische Besonderheit nun erstmals (erkannt) anbieten zu können.

Die Artunterschiede bei Fluviphylax sind subtil; das ist kein Wunder bei so zarten Kreaturen. Das entscheidende Kriterium für uns, unseren Kolumbien-Import der Art F. rubens zuzuordnen liegt in allererster Linie in der im Vergleich zur Körperhöhe enorm lang ausgezogenen Afterflosse der Männchen. Die stark rote Färbung, die die Beschreibungsexemplare im Feld zeigten und die zum Artnamen „rubens“ ( = der Rötliche) führte, ist bei unseren Männchen nur andeutungsweise zu erkennen. Aber das ist ein Phänomen, das sehr viele rotgefärbte Fische in der ersten Zeit nach dem Import zeigen und hat unserer Meinung nach nicht viel zu bedeuten.

Hingegen staunten wir nicht schlecht, dass sich bei der Durchsicht der Bilder unserer Neuankömmlinge eindeutig eine zweite Art identifizieren ließ. Diese haben wir bislang nicht auf Artniveau herunter bestimmt; es ist uns ohnehin nicht möglich, unsere Import-Tiere zu sortieren. Das wäre mit zuviel Stress für diese Miniatur-Fische verbunden, den wir ihnen unbedingt ersparen möchten. Am leichtesten sieht man den auffälligsten Artunterschied in Auflichtphotos. Dann treten die Leuchtmarken entlang der Bauchkante besonders markant hervor. Während Fluviphylax rubens eine Punktreihe von Leuchtmarken entlang der Bauchkante zeigt, ist es bei der unbestimmten Art ein durchgehendes Band. Die unbestimmte Art hat zudem andere Körperproportionen (etwas langgestreckter) und eine anders geformte Afterflosse. Es ist auch aus Brasilien bekannt, dass an einigen Fundpunkten mehrere Fluviphylax-Arten in unmittelbarer Nähe zueinander vorkommen (in diesem Fall F. obscurus, F. simplex und F. zonatus, alle aus der Umgebung von Manaus).

Über eine gelungene Nachzucht von Fluviphylax wurde unseres Wissens bislang nur einmal berichtet, nämlich von Bork und Mayland 1994; speziell Interessierte seien auf diesen Artikel verwiesen. Zur Pflege ist an dieser Stelle nicht viel zu sagen; solche Fische gehören selbstverständlich in die Hände von Spezialisten, die wissen, was sie tun und die verfügbare Literatur zu diesen Tieren kennen.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 325691 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Bork, D.& H. J. Mayland (1994): Fluviphylax pygmaeus. Ein (beinahe) unbekannter Poeciliidae, der erstaunlich große Eier legt. Das Aquarium, Heft 298 (4/1994):14-15

Huber, J.H. (2024): Short description of Fluviphylax rubens n. sp., a new so-called lampeye Cyprinodontiformes from Colombia with exceptionally few dorsal-fin rays. Cybium, 48 (4): 327-331

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma flabellicauda

7. November 2025

Es gibt drei Arten von Apistogramma, die selbst ein sehr erfahrener Apistogramma-Liebhaber nicht sicher auseinanderhalten kann: A. uaupesi (wissenschaftlich beschrieben 1980 aus dem Rio Uaupes in Brasilien, vorher durch Schmettkamp mit dem Trivialnamen „Segelflossen-Apistogramma“, später von verschiedenen Autoren als „Rotkeil“- oder „Blutkehl-Apistogramma“ bezeichnet), A. flabellicauda und A. lineata; die beiden letzteren wurden 2011 aus dem oberen Orinoko-Einzug in Kolumbien beschrieben. Es ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass A. uaupesi extrem polychromatisch ist, d.h., dass zumindest die Männchen sehr unterschiedlich aussehen können. Dabei berichten Aquarianer immer wieder, dass innerhalb der gleichen Brut stets unterschiedliche Farbformen auftreten. Das entspricht auch der Situation in der Natur, wo unterschiedlich gefärbte und gezeichnete Männchen am gleichen Fundort angetroffen werden. Da A. flabellicauda und A. lineata ausschließlich aufgrund von Farbmerkmalen beschrieben worden sind, die sich zudem bei Nachzuchten nicht als konstant herausstellten, wird die Berechtigung dieser beiden Arten immer wieder in Frage gestellt.

Eine „endgültige“ Entscheidung zu dieser Frage gibt es nicht und sie ist auch nicht zu erwarten. Im Grunde genommen ist es auch egal, ob ein Apistogramma als A. flabellicauda oder als A. uaupesi „oberer Orinoko“ bezeichnet wird. Andererseits gibt es immer die Gefahr, dass die so wichtigen Fundortangaben bei der Weitergabe von Exemplaren an andere Liebhaber verloren gehen. Darum ist es in solchen Fällen durchaus sinnvoll, einen abweichenden wissenschaftlichen Namen zu verwenden, wenn er denn zur Verfügung steht, unabhängig davon, ob man ihn für gültig oder für ein Synonym hält. Denn auch wenn A. uaupesi, A. flabellicauda und A. lineata nach der Mehrheit der existierenden Artkonzepte höchstwahrscheinlich Synonyme zueinander sind, ist das für die züchterische Praxis ohne Bedeutung. Dort ist es wichtig, die genetische Identität von Populationen, also von Angehörigen der gleichen Art, die aber unter natürlichen Bedingungen keinen Kontakt miteinander haben, zu erhalten. Nur solche Tiere sind aus der Sicht von Artenschutz und Systematik erhaltenswert, während Kreuzungen unterschiedlicher Fundortformen zu einem Haustier führen. Haustiere sind zwar für die Belange von Gesellschaftsaquarien durchaus tauglich, haben aber darüber hinaus keinen Wert. 

Apistogramma flabellicauda sind, genau wie die beiden anderen „Arten“, an ziemlich spezielle Biotope angepasst. Übereinstimmend wird berichtet, dass im natürlichen Lebensraum der Boden aus feinem weißen Sand besteht. Innerhalb des Biotopes sind es vor allem Totholz und Totlaub-Ansammlungen, die die Unterwasserlandschaft strukturieren. Das Wasser ist klar und sauber, der pH mit rund 4,5 sehr niedrig, eine Härte kaum nachweisbar. Die genannten Faktoren sind für die Pflege insofern wichtig, als dass ihre Auswirkungen auf die Fische nachgeahmt werden müssen. Feiner Sandboden wird zum Durchkauen benötigt, sonst drohen Erkrankungen im Mund- und Rachenraum. Niedriger pH und kaum Härte sorgen für niedrigen Keimdruck im Wasser. Wenn man diesen anders garantieren kann, können beide Werte auch vernachlässigt werden. Nur zur Zucht muss man auf naturnahe Wasserwerte achten, sonst entwickelt sich der Laich nicht. die Wassertemperatur sollte im Bereich von 24-28°C liegen, zur Zucht im oberen, zur normalen Pflege im unteren Bereich. Gefressen wird so ziemlich jedes übliche Zierfischfutter passender Größe, vor Tubifex und Roten Mückenlarven ist allerdings dann zu warnen, wenn sie aus organisch stark verschutzten Gewässern stammen. Gut gespülte und ausgehälterte, also bakterienarme Tubifex und Rote Mückenlarven sind zumindest bei uns im Großhandel allerdings als unbedenklich anzusehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 619152 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Bunocephalus aleuropsis und B. colombianus

7. November 2025

Aus Kolumbien erhielten wir vier größere (10-15 cm) Bratpfannenwelse, die sich als Einzeltiere von vier Arten entpuppten. Die Bestimmung der zwei Xyliphius-Exemplare gelang relativ schnell, es handelt sich um je ein Exemplar von X. lepturus und ein nahezu einfarbig schwarzes Exemplar von X. melanurus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/xyliphius-cf-lepturus-und-x-cf-melanurus/). Die beiden „echten“ Bunocephalus waren schon schwieriger anzusprechen. Das eine Tier sieht einem „normalen“ B. coracoideus sehr ähnlich, hat aber deutlich kürzere Coracoid-Fortsätze (was das ist siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/bunocephalus-coracoideus-3/). Es handelt sich dabei wohl um B. aleuropsis, eine bereits 1870 aus Peru beschriebene Art, die sehr weit im Amazonas-Gebiet und offenbar auch im Orinoko verbreitet vorkommt.

Die zweite Art ist nach wie vor nicht zweifelsfrei bestimmt; alle Merkmale sprechen sehr für B. colombianus, allerdings hat unser Tier keinerlei erkennbare Coracoid-Fortsätze, während das der Erstbeschreibung zugrunde liegende Exemplar, der Holotyp, sehr deutlich ausgeprägte solche Fortsätze hat. Da unser Exemplar aber sehr hochrückig und wohlbeleibt ist, kann es auch sein, dass die Coracoid-Fortsätze einfach zur weit im Körperinneren liegen, um sichtbar zu sein. Der Vergleich des Tieres mit früheren Importen von B. colombianus (von denen wir leider keine Aufnahmen des Bauches haben) zeigt allerdings sehr viel Übereinstimmung im Erscheinungsbild.

Besonders auffällig an diesen beiden Fischen ist, wie unterschiedlich die Maulspalte bei ihnen geformt ist. Während B. aleuropsis eine vergleichsweise schmale Maulöffnung hat, ist diese bei B. colombianus auffallend breit.

Für unsere Kunden: B. aleuropsis hat Code 212863, B. colombianus 212913 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Bunocephalus coracoideus

7. November 2025

Bratpfannenwelse (Bunocephalus) sind in der Natur ungemein häufig. Darum haben wir sie stets im Angebot. Meist bezeichnen wir die Tiere als Bunocephalus coracoideus, was in vielen Fällen auch richtig sein mag. Aber wenn man in so ein Gewimmel von Bratpfannenwelsen blickt, fällt doch auf, dass immer wieder andere Arten dazwischen sind. In aller Regel lassen die sich zwar nicht mit vertretbarem Aufwand bestimmen und schon gleich gar nicht sortieren, aber es ist ausgesprochen spannend, einen Trupp von vielleicht 20 dieser Tiere im Aquarium aufzuziehen und zu beobachten. Dann fällt auf, wie variabel in der Färbung diese Tiere sind, dass es deutliche Unterschiede in der Anatomie gibt (vor allem der Knochenleisten entlang der Rückenmitte vor der Rückenflosse) und auch, dass es Arten gibt, die sich lieber eingraben als andere.

Wie gesagt, in aller Regel werden Bunocephalus im Handel meist nicht näher bestimmt und unter der Bezeichnung B. coracoideus vermarktet. Kniffelig wird es dann, wenn optisch eindeutig vom „mainstream“ unterscheidbare Bunocephalus importiert werden; diese versuchen wir natürlich schon möglichst exakt zu bestimmen. Darum erfolgt an dieser Stelle kurz eine Beschreibung dessen, was wir derzeit unter dem „echten“ B. coracoideus verstehen.

Der Artname „coracoideus“ bezieht sich auf ein ganz charakteristisches Merkmal dieser Art, die Coracoide oder Rabenbeine. Das sind Knochenspangen, die in diesem Fall die Brustflossen stützen. Da diese Knochenspangen unmittelbar unter der Haut liegen, sind sie auch beim lebenden Tier sehr gut sichtbar. Die ausgeprägtesten Coracoide in der aktuell 14 Arten umfassenden Gattung Bunocephalus hat nach gegenwärtigem Wissensstand B. coracoideus. Die bäuchlings platzierten Teile der Spangen reichen fast bis zum Ansatz der Bauchflossen. Ein zweites Merkmal, das die Art B. coracoideus sehr gut charakterisiert, sind die Knochenauswüchse entlang der Kopfmitte. Hier sind drei deutliche größere Erhebungen zu erkennen und unmittelbar vor der Rückenflosse noch eine kleine. Diese Merkmalskombination erlaubt in den meisten Fällen eine ziemlich sichere Bestimmung. Die Färbung ist kein so gutes Merkmal, denn sie ist sehr variabel. Fast immer besteht sie allerdings aus einem den Kopf bedeckenden vorderen Teil, der sich vom der Färbung des Schwanzes unterscheidet. Ein bekanntes Synonym zu B. coracoideus ist B. bicolor; „bicolor“ bedeutet „der farblich zweigeteilte“.

Verbreitet ist B. coracoideus im gesamten Amazonasgebiet und kann darum auch praktisch aus allen zierfischexportierenden Ländern, die Zugang zum Amazonas haben, zu uns kommen. Aktuell haben wir z.B. sehr schöne Tiere aus Kolumbien im Stock. Genetische Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass sich verschiedene, optisch nicht voneinander unterscheidbare Populationen von B. coracoideus in Bezug auf ihre Erbmasse so deutlich unterscheiden, dass man eigentlich von verschiedenen Arten sprechen müsste. Das zu wissen ist in der Praxis vor allem bei Zuchtversuchen wichtig. Wenn man Bunocephalus züchten möchte, was durchaus möglich ist, wenn auch nicht häufig praktiziert wird, sollte man sich seinen Zuchtstamm immer aus Tieren des gleichen Importes zusammenstellen, um keine unnützen Hybriden zu produzieren.

Für unsere Kunden: B. coracoideus hat – je nach Größe – Code 212901 (2-3 cm) bis 212907 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Silbermolly Orange Spots

7. November 2025

Wann immer einer unserer Lieferanten eine „new variety“, also eine neue Form, anbietet, bestellen wir eine Box, um zu sehen, was das wohl ist. Allerdings wissen wir aus Erfahrung, dass der Begriff der „new variety“ gerne sehr flexibel gehandhabt wird. Die Spanne reicht dabei von „olle Kamelle, aber neu in unserer Liste“ bis hin zu „wow, sowas haben wir noch nie gesehen“. 

Diesmal war es ein Molly, der uns als „new variety“ unter dem Sortennamen „Spring“ geliefert wurde. Warum man bei einem orange gepunkteten Silbermolly auf den Frühling kommt? Wir wissen es nicht. Ganz uninteressant sind diese Tiere aus der technisch der Art Poecilia latipinna zuzuordnenden Gruppe allerdings nicht. Das alpha-Männchen, also das ranghöchste Tier ist fast flächig orange gefärbt. Viele Weibchen und rangniedere Männchen hingegen weisen nur orangefarbene Streifen auf. Dazwischen finden sich alle denkbaren Übergänge. Das ergibt ein sehr buntes Bild und entspricht ziemlich gut den Verhältnissen bei Wildmollys, bei denen sich ebenfalls nur das alpha-Tier bunt ausfärbt. Eine Gruppe dieser Mollys ist also sicher eine Bereicherung des Sortimentes, der einzelne Fisch freilich weniger.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 432327 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pelvicachromis kribensis „Nyété“ (früher P. taeniatus „Nyété“)

31. Oktober 2025

Die Stadt Niété liegt im südlichen Teil von Kamerun und ist Teil des Océan-Departements in der Südprovinz. Sie wird vom Nyété-Fluss durchflossen, der ein Nebenfluss des Lobé-Flusses ist. Der wunderschöne Smaragdbuntbarsch (Pelvicachromis kribensis) kommt dort in einer besonderen Farbvariante vor, die im Hobby als „Nyété“ bekannt ist. Sie sieht der Variante „Lobé“ naturgemäß sehr ähnlich. Bei beiden sind die Männchen dadurch unterschieden, dass die „Lobé“-Männchen keinerlei Punkte in der Schwanzflosse haben, ganz im Gegensatz zu den in dieser Hinsicht prächtig geschmückten „Nyété“; „Nyété“ hat meist 3-5 golden umrandete Augenflecken im oberen Teil der Schwanzflosse. Dieses Merkmal wird vererbt, ist also ein sicheres Abgrenzungsmerkmal von „Nyété“ gegenüber „Lobé“. 

Bis vor einigen Jahren wurden alle Smaragdbuntbarsche in einer einzigen Art, nämlich Pelvicachromis taeniatus zusammengefasst. Gegenwärtig unterscheidet man drei Arten innerhalb dieses engeren Verwandtschaftskomplexes, nämlich P. taeniatus (Nigeria), P. kribensis (Kamerun) und P. drachenfelsi (Kamerun, das ist der frühere P. taeniatus „Wouri“).

Die Art sollte unter möglichst gedämpfter Beleuchtung gepflegt werden, sonst sind die Tiere oft scheu und blass. Weiches, leicht saures Wasser entspricht den Bedürfnissen am besten. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter. Die Wassertemperatur sollte hauptsächlich im Bereich von 22-26°C liegen, zu hohe Temperaturen sind für P. kribensis weniger günstig als der untere Temperaturbereich. Es ist wichtig, dass zumindest ein Teil des Bodengrundes aus feinem Sand besteht, den die Fische gerne durchkauen. Entscheidend für die erfolgreiche Pflege dieser Fische ist eine gute Wasserhygiene, die am einfachsten durch regelmäßige und großzügige Teilwasserwechsel zu erreichen ist. Wenn das vernachlässigt wird, erkranken P. kribensis schnell an bakteriellen Infektionen, die meist nicht heilbar sind.

Bei allen Pelvicachromis gibt es eine Mutter-Vater-Familie, bei der dem farbenprächtigeren Weibchen die Pflege des in einer Höhle abgelegten Laiches und der frischgeschlüpften Jungtiere obliegt. In dieser Zeit verteidigt das Männchen nur die weitläufigere Umgebung der Laichhöhle. Wenn die Jungen die Höhle verlassen, tun sich Mutter und Vater zusammen und führen gemeinsam die Brut. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 562512 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Macropodus ocellatus

31. Oktober 2025

Der Rundschwanz- oder Chinamakropode (Macropodus ocellatus, früher M. chinensis) ist ein Fisch für Kenner und Könner. Für Kenner deswegen, weil er im Schlichtkleid – also in aller Regel im Händlerbecken – ausgesprochen unscheinbar ist. Wer ihn nicht kennt, wird ihn darum gewöhnlich nicht kaufen. Aber Kenner wissen: im Balzkleid sind die Männchen dieser Art wirklich wundervoll gefärbt!

Für Könner ist M. ocellatus deshalb, weil er als Fisch der Subtropen (Urheimat: Teile Chinas, Japan und Korea) unbedingt in einem jahreszeitlichen Rhythmus gepflegt werden muss. Beachtet man dies nicht, so kommen die Tiere nicht in Laichstimmung, bleiben ständig blass und ihr Immunsystem wird so stark angegriffen, dass sie früher oder später bakteriellen Infektionen erliegen.

Darum ist ein im Freiland aufgestellter Behälter – das kann ein Aquarium sein, eine Mörtelwanne, ein kleiner Teich oder dergleichen – die ideale Unterbringung für die im männlichen Geschlecht etwa 6-7 cm, im weiblichen nur 4-5 cm lange Art. Wirklich dauerhaft winterhart ist M. ocellatus aber in unseren Breiten nicht. Während der kältesten Zeit des Jahres muss man darum dafür sorgen, dass der Behälter entweder frostfrei bleibt oder die Fische für die Frostperiode in einem ungeheizten, aber frostfreien Raum unterbringen.

Wir bekommen unsere Chinamakropoden meist im Herbst aus deutschen Freilandzuchten. Oft bekommen wir einen Fundort mitgeliefert, oft aber auch nicht. Die aktuell in unserem Stock befindlichen Tiere sind solche „namenlosen“. Es sind sehr kräftige, gesunde Fische von 3-4 cm Länge, also gerade geschlechtsreif.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 425402 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma colossus ( = CW45, Corydoras sp. „Lessex“)

31. Oktober 2025

Im Jahr 2009 gelang uns erstmals der Import eines großen, schönen Panzerwelses aus dem Rio Jutai in Brasilien. Wir bezeichneten die Tiere damals als Corydoras sp. aff. armatus, weil die besonders hohe Rückenflosse und die allgemeine Körperform stark an C. armatus erinnerte. Allerdings hat C. armatus (aktueller Name: Hoplisoma armatus) niemals eine leuchtend orange-gelben Nackenfleck oder orange-gelbe Kiemendeckel wie der Neuimport. Die Exporteure nannten den Fisch „Lessex“; später erhielt er von Ian Fuller die Codenummer CW45. Im Jahr 2023 wurde die wissenschaftliche Beschreibung der Art als Corydoras colossus publiziert. Gegenwärtig wird C. colossus in der Gattung Hoplisoma klassifiziert, heißt also korrekt Hoplisoma colossus.

Bislang kennt man die Art nach wie vor nur aus dem Rio Jutai. Dieser führt ein dunkles Wasser mit einem pH-Wert um 6 und sehr geringer Härte. Der Boden besteht gewöhnlich aus feinem, weißen Sand mit größeren Einlagerungen von abgestorbenen Blättern von Landpflanzen. Die auffälligen orange-gelben Glanzzonen werden als Warnhinweis für potentielle Fressfeinde interpretiert, da sowohl die Rückenflosse wie auch die Brustflossen mit giftproduzierenden Drüsen in Verbindung stehen. Wer sich schon einmal an Panzerwelsstacheln gestochen hat, weiß, dass das sehr schmerzhaft sein kann. Da die Produktion des Giftes energieaufwändig ist, hat es sich im Laufe der Evolution als günstig herausgestellt, einen potentiellen Fressfeind zunächst zu warnen. Versucht der Fressfeind (meist ein Vogel) dennoch den Fisch zu fressen, so erlebt er eine schmerzhafte Überraschung und meidet künftig jede Beute, die derart auffällig gefärbt ist.

Im Aquarium sind Hoplisoma colossus prächtige und genügsame Panzerwelse mit guter Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserverhältnisse. Die schönste Färbung entwickeln sie allerdings unter naturnahen Haltungsbedingungen. Die Tiere sind problemlose Allesfresser, die untereinander und gegen artfremde Fische sehr friedlich sind. man sollte H. colossus, wie fast alle Panzerwelse, in Gruppen pflegen. Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 30°C liegen.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 222134 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Saxatilia sveni (früher: Crenicichla sveni)

31. Oktober 2025

Aus Kolumbien (Rio Meta-Einzug) haben wir wir, zusammen mit dem dort ebenfalls vorkommenden Crenicichla (Batrachops) sp. „Belly Crawler“ ( = C. sp. aff. sedentaria) den nur sehr selten importierten Saxatilia sveni erhalten. Dieser Vertreter der früheren Crenicichla-saxatilis-Gruppe, die gegenwärtig in einer eigenständigen Gattung Saxatilia geführt wird, wird wird ziemlich groß, 25-30 cm. Unsere Exemplare sind daher noch als jugendlich anzusprechen. Zänkisch sind sie aber trotzdem schon, weshalb man relativ große Aquarien mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten anbieten sollte.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 673533 (7-9 cm) und 673534 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Crenicichla (Batrachops) sp. „Belly Crawler“

31. Oktober 2025

Die Gattung Crenicichla stellte einst mit 139 wissenschaftlich beschriebene Arten, von denen 93 allgemein als gültige Arten anerkannt sind, die größte aller Buntbarschgattungen dar. Hinzu kommen noch eine große Anzahl aquaristisch bereits bekannter, wissenschaftlich jedoch noch nicht bearbeiteter Arten. Inzwischen wurde die Gattung unterteilt (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/die-crenicichla-wurden-neu-klassifiziert/). Der „Belly Crawler“ ( = Bauchrutscher) gehört demnach in die Untergattung Batrachops, zu der gegenwärtig neun akzeptierte Arten gerechnet werden.

Der „Belly Crawler“ ist eine wissenschaftlich noch nicht erfasste Art aus strömungsreichen Bereichen im Rio Meta-Einzug in Kolumbien. Wie bei so vielen strömungsliebenden Buntbarschen ist beim Belly Crawler die Schwimmblase stark reduziert, was es den Fischen unmöglich macht, im freien Wasser zu schweben. Aber das brauchen sie ja auch nicht.

Wissenschaftlich gesehen gehört der Belly Crawler in die unmittelbare Verwandtschaft von Crenicichla (Batrachops) sedentaria aus Peru, der jedoch völlig normal schwimmt, aber ähnlich aussieht, und C. (B.) geayi aus dem Orinoko-Einzug in Kolumbien und Venezuela. Letzterer lebt bodennah, kann aber noch normal schwimmen.

Crenicichla (B.) sp. „Belly Crawler“ wird ca. 23 cm (Männchen) bzw. 18 cm (Weibchen) lang. Die Geschlechter kann man sehr leicht an der Rückenflossenfärbung unterscheiden, das Weibchen hat dort einen runden Fleck, der dem Männchen fehlt. Wie fast alle Crenicichla kann die Art als relativ zänkisch charakterisiert werden, aber das Kämpfen beschränkt sich meist auf den eindrucksvolles Drohen mit weit aufgerissenem Maul und abgesenktem Kiemenboden. Die Art ist – Crenicichla-typisch – ein Höhlenbrüter mit Elternfamilie.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 672613 (7-9 cm) und 672614 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos. Frank Schäfer

Hoplisoma sp. aff. concolor Rio Tomo CW217

24. Oktober 2025

Als sensationell empfinden wir den Import dieses wunderschönen neuen Hoplisoma. Nach Auskunft des Lieferanten kommt er aus einem kleinen Zufluss des Rio Tomo im Osten Kolumbiens. Die Fänger bezeichnen diesen Zufluss als Cano Negro. Das Wasser wird als „kristallklar“ beschrieben. Der Rio Tomo selbst ist ein etwa 650 km langer Zufluss des Orinoko. Im Cano Negro ist CW217 der einzige Panzerwels, es gibt dort keine H. concolor. An dieser Stelle ein herzliches „Dankeschön“ an unseren Lieferanten für diese Informationen!

Zweifellos ist der neue Hoplisoma „Rio Tomo“ ein enger Verwandter von Hoplisoma concolor (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hoplisoma-concolor/). Ian Fuller (www.corydorasworld.com) vergab an diesen farblich auffälligen Fisch die Codenummer CW217. Es ist festzuhalten, dass trotz körperlicher Übereinstimmung von CW217 und H. concolor niemals zwischen „normalen“ H. concolor derart gefärbte Fische auftauchen. Es handelt sich bei CW217 also um keine Farbvariante im üblichen Sinne, denn Farbvarianten sind vereinzelt immer in Populationen normal gefärbter Tiere zu finden. Die CW217 würde man nach den meisten üblichen Artkonzepten als Unterart (also geografisch isolierte Population einer Art, die allerdings in ihrer Merkmalsausprägung konstant ist) oder – nach dem so genannten phylogentischen Artkonzept – als eigenständige Art sehen.

Es ist zu hoffen, dass die Zucht der herrlichen Fische gut gelingt. Die Jungfischfärbung würde auch wichtige Hinweise auf die Artzugehörigkeit liefern. Wir wissen von anderen Zwillingsarten (z.B. Osteogaster rabauti und O. zygata), dass sie als erwachsene Tiere nur schwer zu unterscheiden sind, Jungtiere aber völlig unterschiedlich aussehen. Vorerst ist CW217 aber nur selten und in kleiner Stückzahl als Wildfang lieferbar. Die Geschlechter sind recht gut zu unterscheiden. Männchen haben lange, spitze Bauchflossen, die der Weibchen sind hingegen vergleichsweise kurz und abgerundet. Außerdem entwickeln Männchen oft lang ausgezogene Rückenflossen (was aber im Umkehrschluss leider nicht bedeutet, dass alle Tiere mit kurzer Rückenflosse Weibchen wären). Alle Bilder dieses Posts zeigen das gleiche Pärchen aus unserem ersten Import. Wir konnten gerade wieder einige Exemplare importieren und liefern so schnell wie möglich weitere Bilder nach.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 226015 auf unserer Stockliste; die aktuell importierten Tiere sind noch in Quarantäne, werden aber in Kürze auf der Stockliste verfügbar sein. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Phenacogaster cf. capitulata

24. Oktober 2025

Derzeit (September 2025) werden dieser Gattung 28 Arten zugeordnet. Aufgestellt wurde die Gattung 1907 von Eigenmann für die 1870 von Cope aus Peru (Pebas) beschriebene Art Tetragonopterus pectinatus. Die Beschreibung von Cope war von keiner Abbildung begleitet, darum zeichnete Fowler 1907 den Holotypus, den er in die Gattung Astyanax einordnete. Aufgrund dieser Zeichnung würde man wohl kaum einen Phenacogaster erkennen; kein Wunder also, dass Steindachner 1876 und 1882 zwei Synonyme zu P. pectinata fabrizierte: Tetragonopterus tabatingae und T. bairdii. Für das 19te Jahrhundert war es das.

Der Salmlerspezialist Eigenmann beschrieb 1909 zwei, 1911 drei weitere Arten, je eine Art beschrieben Norman (1934), Ahl (1936) und Fowler (1941); somit kannte man Mitte des 20ten Jahrhunderts 9 Arten, wobei das hier vereinfacht dargestellt wird, die waren nämlich durchaus nicht alle in Phenacogaster untergebracht. Umgekehrt ist der 1911 von Fowler als Phenacogaster bondi beschriebene Fisch heute in Gymnocorymbus gestellt, zweifellos korrekt.

Dann war es lange Zeit still um diese Salmlergruppe. Erst 1995 folgte wieder eine Art-Beschreibung, zusammen mit einer neuen Diagnose der Gattung. Die brasilianische Ichthyologin Zilda Margarete Seixas de Lucena, bereits Seniorautor der 1995er Arbeit, entdeckte diese kleinen Salmler nun für sich und begann zu forschen. Das Ergebnis ist beeindruckend. Eine der erst 2023 beschriebenen Arten, P. lucenae, wurde zu Ehren von Lucena benannt und stellt die 15te neue Art seit 1995 dar! Farblich sind Phenacogaster freilich keine Offenbarung. Die meisten sind kleine, durchsichtige Fische, meist mit einem Schulterfleck, oft mit einem Schwanzwurzelfleck. Sie sehen sich sehr, sehr ähnlich. Wer in die Feinheiten der Artunterscheidung einsteigen möchte, sollte mit der 2010er Arbeit „Descrição de nove espécies novas de Phenacogaster (Ostariophysi: Characiformes: Characidae) e comentários sobre as demais espécies do gênero“ von Lucena & Malabarba einsteigen (kostenloser Download hier: https://www.scielo.br/j/zool/a/47FyqVP45DrQ3wNV9Jwqt3k/?lang=pt), in der alle bis zu diesem Zeitpunkt erfassten Arten diskutiert werden und ein Bestimmungsschlüssel geliefert wird.

Wir konnten nun eine uns unbekannte Phenacogaster-Art aus Peru erstmals importieren. Es dürfte klar sein, dass nach der oben erfolgten Aufstellung eine exakte Bestimmung kompliziert ist, da man die allermeisten neu beschriebenen Arten nur anhand konservierten Materials kennt. Aber unser kleiner Neuzugang – die Tiere sind etwa 3 cm lang (inklusve Schwanzflosse) – hat keinen Schulterfleck, auch keinen Schwanzwurzelfleck und kommt aus Peru. Das schränkt die Auswahl schon einmal ein. Wahrscheinlich haben wir Phenacogaster capitulata vor uns, der 2010 aus dem Einzug des Neshuya-Flusses (gehört zum Einzug des Rio Ucayali) beschrieben wurde.

In Balzstimmung bekommen die vermutlichen Männchen hübsch orangefarbene Flossen mit einem weißen Zipfel in der Rückenflosse. Entfernt erinnern sie dadurch farblich an den Kolibri-Salmler (Trochilocharax ornatus), sind jedoch erheblich blasser. Die Neonfarben auf manchen Bildern sind eine Folge des Blitzlichtes; mit bloßem Auge betrachtet sind die Fische hauptsächlich transparent. Es sind friedliche Tiere, die man am besten in einem dämmrigen Aquarium mit dunklem Bodengrund pflegt. Die großen Augen deuten an, dass diese Fische kein grelles Licht lieben. In der Pflege und beim Futter erwiesen sich die Tiere bei uns bisher als völlig anspruchslos.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 278312 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon acaciae

24. Oktober 2025

Stell Dir vor, Du hast einen Erstimport und merkst es gar nicht! So geht es uns gerade mit einem Salmler. Aus Kolumbien erhielten wir sehr schöne, große Hemigrammus coeruleus. Dachten wir jedenfalls. Zufällig benötigten Peter und Martin Hoffmann, von denen wir oft und gerne rare Salmlernachzuchten erhalten, gerade ein paar H. coeruleus. Einige Zeit später kam die Frage, wo sie denn her seien. Auf die Antwort (Kolumbien) kam: dann hat Flavio mal wieder recht: es sind Hyphessobrycon acaciae. Mit Flavio ist Flavio Lima gemeint, der Salmlerspezialist aus Brasilien (Universidade Estadual de Campinas). Diesen hatten die beiden bezüglich Identifikation des Fisches gefragt, da Ihnen einige Unterschiede zu den sonst üblichen coeruleus aufgefallen waren. 

Mit bloßem Auge sind frisch importierte Hemigrammus coeruleus und Hyphessobrycon acaciae kaum auseinanderzuhalten, obwohl sie sogar in zwei verschiedenen Gattungen klassifiziert sind. Die Gattungen Hemigrammus und Hyphessobrycon unterscheiden sich – technisch gesehen – lediglich dadurch, dass bei Hyphessobrycon die Basis der Schwanzflosse unbeschuppt ist, bei Hemigrammus hingegen beschuppt. Am lebenden Fisch ist das unter Wasser nicht erkennbar. Es ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass vier der Hauptgruppen südamerikanischer Kleinsalmler (die Gattungspaare Hemigrammus/Hyphessobrycon und Moenkhausia/Astyanax) künstlich klassifiziert sind und keine natürliche Verwandtschaft repräsentieren. Aber die Arbeiten hierzu sind sehr langwierig und komplex und es wird sicher noch eine ganze Weile Weile dauern, bis man da wirklich durchblickt.

Für uns bedeutet das nun, dass wir künftig immer eine Spezialuntersuchung durchführen werden müssen, wenn uns „Hemigrammus coeruleus“ aus Kolumbien erreichen. Mit einer starken Lupe müssen wir die Schwanzflosse auf das Merkmal der Beschuppung überprüfen, denn die subtilen Färbungsunterschiede sind bei noch nicht eingewöhnten, frisch importierten Tieren nicht sichtbar. Bezüglich der allgemeinen Pflegeansprüche unterscheiden sich die beiden Arten nicht. Beide Arten sind friedliche Schwarmfische, die 5-6 cm Totallänge (also inklusive Schwanzflosse) erreichen können. Zu H. coeruleus siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemigrammus-coeruleus-3/

Text & Photos: Frank Schäfer

Lugubria sp. Xingu1 (früher: Crenicichla)

24. Oktober 2025

In den 1990er Jahren, als die großen Flusscichliden Brasiliens einen gewissen Boom erlebten, kamen auch vier Arten der ehemaligen Sammelgattung Crenicichla erstmals nach Europa, die mangels der Verfügbarkeit eines wissenschaftlichen Namens als Crenicichla sp. Xingu I – IV bezeichnet wurden. Alle vier werden für Zierfischverhältnisse ziemlich groß, man muss mit 30-40 cm Länge rechnen, zudem sind es robuste Tiere, die sich durchsetzen können. Sehr große Aquarien sind also Grundvoraussetzung für die Pflege dieser Tiere. Lange Zeit waren sie für den Export gesperrt, zur Zeit hat Brasilien sie wieder freigegeben. 

Lugubria sp. Xingu I ist bis heute seltsamerweise nicht wissenschaftlich bearbeitet. Die Jungtiere bis 5 cm Länge sind leuchtend rot, dann werden sie orange, was zu den Spitznamen „Pommes Frites“ für die Fische führte. Erwachsene Exemplare sehen wieder ganz anders aus; die Männchen sind dann messinggelb mit senkrechten Linien, die Weibchen graugrün mit einer leuchtend roten Binde in der Körpermitte. Bei Wassertemperaturen über 30°C, wenn sie in Brutstimmung kommen, sehen Weibchen ganz prachtvoll aus, dann leuchtet die gesamte Körpermitte korallenrot und die Rückenflosse hat einen blendend weißen Saum, Kopfbereich und Schwanzstiel sind kohlschwarz.

Wir haben Jungtiere im Stock, die ausgesprochene Schwarmfische sind. Im Schwarm gehalten, behalten sie ihre schöne Färbung manchmal bis 20 cm Länge. Wenn diese Größe erreicht ist, muss der Pfleger aufpassen! In der „Pubertät“, bevor sie geschlechtlich aktiv werden, sind diese Fische untereinander extrem unverträglich! Erst wenn die Geschlechter klar erkennbar sind, kann man den Versuch wagen, Pärchen zusammenzustellen. Aber die geringe Anzahl von gemeldeten Nachzuchten – die Tiere sind, wie alle Lugubria-Arten, Höhlenbrüter mit Elternfamilie – zeigt, dass das eher selten erfolgreich gelingt.

Für unsere Kunden: L. sp. Xingu I/Orange hat Code 671801 (5-7 cm) und 671802 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Heterandria formosa

24. Oktober 2025

In alten Aquarienbüchern kann man noch lesen, die Männchen des Zwergkärpflings (Heterandria formosa) könnten den Titel „kleinster Fisch der Welt“ für sich beanspruchen. Sie werden nämlich maximal nur etwa 2 cm lang und bleiben damit deutlich kleiner als die bis zu 3,5 cm langen Weibchen. Aber heutzutage sind 2 cm nicht mehr wirklich konkurrenzfähig, wenn es um Rekorde für kleinwüchsige Fische geht. Mit solchen Längen landet man kaum noch in den Top 100!

Über die Frage, welche Art der kleinste Fisch der Welt sei, wurde schon viel spekuliert. Es ist auch nicht einfach, eine objektive Methode zu erdenken, um das herauszufinden. Fische wachsen zeitlebens. Darum ist es grundsätzlich kompliziert, verlässliche Größenangaben bei Fischen zu machen. Bei den Zwergkärpflingen gibt es, wie bei den meisten Lebendgebärenden, klein- und großwüchsige Männchen. Das ist bei diesen Tieren genetisch bedingt. In der aquaristischen Literatur wird zudem gewöhnlich die Totallänge, also mit Flossen angegeben. Das ist im Extremfall sehr irreführend, denn viele Fischarten haben verlängerte Flossenstrahlen, man denke nur an den Schwertträger. Ein Männchen mit körperlangem Schwert ist da keine Seltenheit, aber die Totallänge, also von Schnauzenspitze bis Ende des Schwertes als Größe anzugeben, ist wenig sinnvoll.

Sei dem, wie es ist: wir haben gerade eine schöne Anzahl von Zwergkärpflingen bekommen, darunter richtige Zwergmännchen und auch wirkliche Wuchtbrummen von Weibchen. Die meisten Exemplare liegen größenmäßig dazwischen.

Die Weibchen der Zwergkärpflinge bekommen in einer Wurfperiode täglich nur 1-2 Jungtiere, das aber über mehrere Tage hinweg. Man sollte sie darum nicht in Ablaichkästen setzen, sondern in dicht bepflanzte, kleine Extra-Aquarien, aus denen man täglich die Jungtiere absammelt und in ein Aufzuchtaquarium überführt.

Die natürliche Verbreitung des Zwergkärpflings liegt in den östlichen Teil der Vereinigten Staaten. Das Klima dort ist nicht tropisch, sondern subtropisch. Das sollte man bei der Pflege berücksichtigen und die Fische nicht ganzjährig zu warm halten. Ideal ist es, wenn man sie in den Sommermonaten in Kübeln im Garten oder auf dem Balkon pflegen kann. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 421482 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Lentipes dimetrodon

17. Oktober 2025

1999 wurde dieser Zwerg aus der weitläufigen Verwandtschaft der Neongrundeln (Stiphodon) wissenschaftlich beschrieben. Bis heute kennt man die Art nur aus Küstenflüssen im Westen Neuguineas (Irian Jaya). Da sie jedoch – wie alle sicydiinen Grundeln – ihre Jugendentwicklung im Meer durchläuft, ist es mehr als wahrscheinlich, dass sie doch deutlich weiter verbreitet ist.

Die Art Lentipes dimetrodon wurde anhand von sechs Exemplaren, 5 Männchen und 1 Weibchen beschrieben. Das größte Männchen war 23,5 mm lang, das Weibchen 19 mm (beide Maße ohne Schwanzflosse). Leider ist die Lebendfärbung des Weibchens unbekannt geblieben. Unsere Tiere sind somit wohl ausgewachsen (ca. 25-30 mm mit Schwanzflosse). Schaut man in das Hälterungsbecken, so fallen die pechschwarzen Kerlchen mit leuchtend blauweißen Flossensäumen sofort ins Auge. Mit gespannten Flossen steigen sie immer wieder in die freie Wassersäule auf und imponieren damit Artgenossen. 

Im Fotobecken erwartete uns eine Überraschung. Nun entwickelten die Tierchen plötzlich eine breite gelbliche bis lachsfarbene Zone in der Körpermitte. Manchmal sind sie schwarz, manchmal graubraun gefärbt. Es macht sehr viel Freude, diese lebhaften Aufwuchsfresser zu beobachten. Das Fotografieren macht weniger Freude, denn diese Zwerge sind blitzschnell in ihren Bewegungen und es ist wahnsinnig schwer, ein scharfes Foto eines schwimmenden Exemplares mit gespreizten Flossen vor dem gewünschten Hintergrundausschnitt hinzubekommen.

Egal: wegen des sehr seltenen Angebotes dieser Fische im Handel sollte man sich wirklich um Nachzuchten bemühen. Die Aufzucht von Meerwasserfischen ist ja kein unlösbares Problem mehr. Freilich müsste man dazu die Weibchen von L. dimetrodon erkennen können. Wir können es leider nicht…

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 423622 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Glossolepis dorityi

17. Oktober 2025

Wir haben aktuell wieder einmal Nachzuchten dieses wunderschönen Regenbogenfisches erhalten. Grundsätzliche Informationen entnehmen Sie bitte diesem Post: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/glossolepis_dorityi_lake_nenggwambu__de/

Leider ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Glossolepis dorityi, der erst 2001 wissenschaftlich beschrieben wurde, in der Natur bereits ausgestorben ist. Wir zitieren hier aus dem Eintrag der Internationalen Roten Liste (IUCN): „Diese Art ist nur aus dem Nenggwambu-See (Kali Biru-See) bekannt, einem kleinen (4–5 Hektar) Überschwemmungssee im Grime-Flusssystem, etwa 60 km westlich der Provinzhauptstadt Jayapura in Papua, Indonesien, und in der Nähe des Tum-Sees (fälschlicherweise Jaigum-See genannt) (G.R. Allen, pers. Mitteilung 2019). Andere Suchaktionen haben keine Populationen an anderen Orten gefunden, aber es ist möglich, dass sie auch in anderen Seen vorkommt.“ 

Die Population des Tum-Sees ( = Jaigum-See) konnte bereits 2009 nicht mehr gefunden werden, wie der erfahrene Reisende in Sachen Regenbogenfische Johannes Graf feststellen musste. Im Nenggwambu-See ist das früher glasklare Wasser eine trübe Brühe, sämtliche Unterwasserpflanzen, die dort früher reichlich vorkamen, sind verschwunden. Die Ursache liegt in zu Speisezwecken ausgesetzten Karpfen und Tilapien.

Die Populationen aus beiden Seen (farbliche Unterschiede zwischen den beiden gibt es nicht) in menschlicher Obhut scheinen noch stabil zu sein. Sie können helfen, diese Art vor dem Aussterben zu bewahren, indem Sie sich solche Fische für Ihr Aquarium kaufen. Nur wenn die Züchter der Art ihren Nachwuchs auch unterbringen können, züchten sie sie weiter!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 417133 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Quellenangabe:

Allen, G.R., Hammer, M. & Unmack, P. 2020. Glossolepis dorityi. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T161080437A161080455. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T161080437A161080455.en. Accessed on 09 September 2025

Text & Photos: Frank Schäfer

Poecilia wingei Endler Guppy Campoma No 46

17. Oktober 2025

Guppys sind nicht ohne Grund unter den beliebtesten Zierfischen der Welt ganz weit oben in der TopTen zu finden. Schier unendlich ist das Spiel der Farben. Das gilt sowohl für den „klassischen“ Guppy Poecilia reticulata wie auch seinen etwas kleineren Vetter P. wingei, den Endler-Guppy, sowie die zahllosen Hybriden, die zwischen diesen Arten gezüchtet werden und wurden.

Die Wildformen des klassischen Guppy werden kaum im Aquarium gepflegt, aber Wildformen des Endler erfreuen sich größter Beliebtheit. Um sie einigermaßen einheitlich zu bezeichnen wurden sie durchnummeriert, ohne das allerdings ein verbindliches Referenzregister existieren würde. Die Webpages, auf denen die Nummern ursprünglich einmal vergeben wurden, existieren nicht mehr. Somit ist es nicht möglich, sie zu recherchieren. Ob also das, was wir jetzt als No46 erhalten haben und unsererseits unter dieser Bezeichnung anbieten, mit der ursprünglichen No46 identisch ist, wissen wir nicht. Das ist aber auch egal, wir haben ja Bilder dazu.

Übrigens bezeichnen diese „Campoma-Nummern“ keineswegs unterschiedliche Fundorte. Die meisten sind entweder zusammen oder in unmittelbarer Nähe zueinander gefangen worden. In der Natur sind die Campoma-Wingei genauso farbvariabel wie die klassischen Guppys. Kaum ein Männchen sieht exakt wie das andere aus. Aber man kann durch Selektionszucht die Merkmale, die besonders gut gefallen, sehr schnell etablieren. So sehen jetzt die Campoma No46 ziemlich einheitlich aus. Lässt man sie sich aber ohne strenge Auslese einfach so vermehren, tauchen auch hier nach und nach die unterschiedlichsten Farbschläge auf. Das ist normal und kein Indiz dafür, dass es sich um eine Hybridzucht handelt.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 419018 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Bunocephalus coracoideus

16. Oktober 2025

Bratpfannenwelse (Bunocephalus) sind in der Natur ungemein häufig. Darum haben wir sie stets im Angebot. Meist bezeichnen wir die Tiere als Bunocephalus coracoideus, was in vielen Fällen auch richtig sein mag. Aber wenn man in so ein Gewimmel von Bratpfannenwelsen blickt, fällt doch auf, dass immer wieder andere Arten dazwischen sind. In aller Regel lassen die sich zwar nicht mit vertretbarem Aufwand bestimmen und schon gleich gar nicht sortieren, aber es ist ausgesprochen spannend, einen Trupp von vielleicht 20 dieser Tiere im Aquarium aufzuziehen und zu beobachten. Dann fällt auf, wie variabel in der Färbung diese Tiere sind, dass es deutliche Unterschiede in der Anatomie gibt (vor allem der Knochenleisten entlang der Rückenmitte vor der Rückenflosse) und auch, dass es Arten gibt, die sich lieber eingraben als andere.

Wie gesagt, in aller Regel werden Bunocephalus im Handel meist nicht näher bestimmt und unter der Bezeichnung B. coracoideus vermarktet. Kniffelig wird es dann, wenn optisch eindeutig vom „mainstream“ unterscheidbare Bunocephalus importiert werden; diese versuchen wir natürlich schon möglichst exakt zu bestimmen. Darum erfolgt an dieser Stelle kurz eine Beschreibung dessen, was wir derzeit unter dem „echten“ B. coracoideus verstehen.

Der Artname „coracoideus“ bezieht sich auf ein ganz charakteristisches Merkmal dieser Art, die Coracoide oder Rabenbeine. Das sind Knochenspangen, die in diesem Fall die Brustflossen stützen. Da diese Knochenspangen unmittelbar unter der Haut liegen, sind sie auch beim lebenden Tier sehr gut sichtbar. Die ausgeprägtesten Coracoide in der aktuell 14 Arten umfassenden Gattung Bunocephalus hat nach gegenwärtigem Wissensstand B. coracoideus. Die bäuchlings platzierten Teile der Spangen reichen fast bis zum Ansatz der Bauchflossen. Ein zweites Merkmal, das die Art B. coracoideus sehr gut charakterisiert, sind die Knochenauswüchse entlang der Kopfmitte. Hier sind drei deutliche größere Erhebungen zu erkennen und unmittelbar vor der Rückenflosse noch eine kleine. Diese Merkmalskombination erlaubt in den meisten Fällen eine ziemlich sichere Bestimmung. Die Färbung ist kein so gutes Merkmal, denn sie ist sehr variabel. Fast immer besteht sie allerdings aus einem den Kopf bedeckenden vorderen Teil, der sich vom der Färbung des Schwanzes unterscheidet. Ein bekanntes Synonym zu B. coracoideus ist B. bicolor; „bicolor“ bedeutet „der farblich zweigeteilte“.

Verbreitet ist B. coracoideus im gesamten Amazonasgebiet und kann darum auch praktisch aus allen zierfischexportierenden Ländern, die Zugang zum Amazonas haben, zu uns kommen. Aktuell haben wir z.B. sehr schöne Tiere aus Kolumbien im Stock. Genetische Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass sich verschiedene, optisch nicht voneinander unterscheidbare Populationen von B. coracoideus in Bezug auf ihre Erbmasse so deutlich unterscheiden, dass man eigentlich von verschiedenen Arten sprechen müsste. Das zu wissen ist in der Praxis vor allem bei Zuchtversuchen wichtig. Wenn man Bunocephalus züchten möchte, was durchaus möglich ist, wenn auch nicht häufig praktiziert wird, sollte man sich seinen Zuchtstamm immer aus Tieren des gleichen Importes zusammenstellen, um keine unnützen Hybriden zu produzieren.

Für unsere Kunden: B. coracoideus hat – je nach Größe – Code 212901 (2-3 cm) bis 212907 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Garra qiaojiensis

10. Oktober 2025

Aus der überaus artenreichen Gattung Garra sind ja schon manche guten Aquarienfische zu uns gekommen. Berühmt ist der „Knabberfisch“ Garra rufa (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/garra-rufa/), sehr hübsch ist Garra flavatra (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/garra_flavatra_de-2/), bizarr und schön Garra panitvongi (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/garra-panitvongi-sp-red-tail/).

Nun erhielten wir zwei Exemplare eine Garra-Art als Muster, deren Schönheit uns etwas den Atem verschlug. Es handelt sich um die nur sehr lokal im Irrawaddy-System von China und Burma vorkommende Garra qiaojiensis. Unsere Tiere stammen aus der Putao-Region in Burma. Ihre Länge liegt bei ca. 9 cm. Aufgrund einiger Merkmale (ein Exemplar hat einen roten Punkt in der Schulterregion, der dem anderen Tier fehlt, es bestehen außerdem Färbungsunterschiede in den Bauchflossen, ein  Tier erscheint uns zudem schlanker als das andere) denken wir, dass es sich um ein Paar handelt.

Was uns als nächstes den Atem verschlug, war allerdings der Preis. Unser Lieferant hatte nur eine kleine Zahl von Tieren im Stock, die wir inzwischen alle importiert haben.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 416383 (8-10 cm) und 416384 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Spinipterus moijiri

10. Oktober 2025

Die Entdeckung einer neuen Gattung der Trugdornwelse – Spinipterus – ist ziemlich sensationell. 2011 wurde die erste Art der zeitgleich beschriebenen neuen Gattung beschrieben (S. acsi) und die neue Gattung für sie aufgestellt. 2019 kam die zweite Art (S. moijiri) hinzu, die deutlich attraktiver gezeichnet ist und voll erwachsen ein schönes Jaguar-Muster aufweist. Bei jüngeren Tieren sind die Punkte noch flächig, später werden sie eher ringförmig. S. acsi wird etwa 8 cm, S. moijiri rund 10 cm lang. S. acsi kommt im oberen Amazonas-Becken (Peru, Brasilien), S. moijiri in Peru (Rio Nanay) und Brasilien (Rio Purus und Rio Japura) vor. Wir haben unsere Tiere aus Peru erhalten.

Es sind sehr friedliche, streng nachtaktive Welse, die unter aquaristischen Gesichtspunkten gut mit Tatia verglichen werden können. Bei beiden Spinipterus-Arten gelang bereits verschiedentlich die Nachzucht. Es zeigte sich, dass man diese Fische am besten in Gruppen pflegt. Im Gegensatz zu den meisten Tatia-Arten wird meist keine Brutpflege ausgeübt, sondern die Eier einfach frei im Becken verstreut. Es gibt allerdings auch vereinzelte Beobachtungen, dass die Weibchen die Eier in einer Röhre bewacht haben sollen.

Wie bei allen Trugdornwelsen kann man die Geschlechter ab dem Eintritt der Geschlechtsreife gut anhand der unterschiedlich geformten Afterflossen unterscheiden. Die wichtigste Pflegemaßnahme ist bei Spinipterus sicherlich die Fütterung. Es muss einerseits darauf geachtet werden, dass die Tiere auch etwas abbekommen; das bedeutet, dass zumindest in der Anfangszeit eventuell auch nach dem Ausschalten der Beleuchtung noch gefüttert werden muss. Umgekehrt muss man bei eingewöhnten Tieren, die dann ja auch tagsüber zur Fütterung erscheinen, aufpassen, dass sie nicht verfetten. Sie sind gute und tüchtige Fresser! Jedes handelsübliche Zierfischfutter wird gerne gefressen. In der Natur bilden wohl Insekten und deren Larven die hauptsächliche Nahrung. Wasserhärte und pH sind nebensächlich, die Wassertemperatur kann im üblichen Bereich (24 bis 28°C) liegen, zeitweise etwas höher oder niedriger schadet auch nicht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 295232 auf unserer Stockliste. bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nannostomus erythrurus

10. Oktober 2025

Der Dreiband-Ziersalmler, Nannostomus trifasciatus, gehört zu den außerordentlich beliebten Zierfischen. Er vereinigt zahlreiche Eigenschaften in sich, die ihn begehrenswert machen: wunderschöne Färbung, friedliches Wesen, geringe Größe, problemlose Ernährung. Allerdings wissen nur wenige Menschen, dass sich unter dem Namen „Nannostomus trifasciatus“ tatsächlich mehrere Arten verbergen. Der „echte“ N. trifasciatus ist relativ selten im Handel. Er kommt aus der Umgebung von Manaus in Brasilien und Tabatinga/Leticia im Dreiländereck von Peru, Kolumbien und Brasilien. Sein Erkennungsmerkmal: oberhalb der breiten, dunklen Längsbinde befindet sich noch ein zusätzlicher, schmaler roter Streifen. Dieser Streifen wird leider leicht überblitzt und ist darum auf Photographien oft nur schlecht erkennbar.

Eine sehr weite Verbreitung hat die Zwillingsart, N. erythrurus. Beschrieben wurde sie aus Guyana, es gibt sie aber weitverbreitet auch in Peru und auch im Unterlauf des Amazonas in Brasilien. Der erwähnte rote Streifen fehlt hier immer; nur einen roten Schulterfleck findet man oft. Die Ähnlichkeit zwischen N. erythrurus und N. trifasciatus ist so groß, dass N. erythrurus bis 2013 gewöhnlich als Synonym zu N. trifasciatus gesehen wurde; beschrieben wurde  N. erythrurus bereits im Jahr 1909.

Ab und zu erhalten wir aus Peru und Brasilien so hübsche N. erythrurus, dass wir sie auch als besondere Art auszeichnen. Im Handel wird sonst meist nicht zwischen den beiden Arten unterschieden.

Bezüglich der oben aufgezählten positiven Eigenschaften unterscheiden sich N. erythrurus und N. trifasciatus nicht. Beide sind ideale Aquarienfische.

Für unsere Kunden: N. erythrurus hat Code 272013, N. trifasciatus Code 272301-272306 (je nach Größe). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sicyopterus microcephalus (falsch als S. longifilis importiert)

10. Oktober 2025

Die Gattung Sicyopterus stellt die größten Arten der immer beliebter werdenden sicydiinen Grundeln, zu denen z.B. Stiphodon, Sicyopus, Sicydium, Lentipes und andere zählen. Alle diese Grundeln machen ihre Larvalentwicklung im Meer durch, während die Erwachsenen in reinem Süßwasser leben und dort auch ihre Eier legen. Da die Larven kaum Dottervorräte besitzen, müssen sie relativ schnell mit der Strömung ins Meer verdriftet werden. Darum findet man sicydiinen Grundeln nur in Fließgewässern und nicht sehr weit vom Meer entfernt. Je nachdem, in welche Meeresströmung die Larven geraten, gehen sie unter Umständen in weit vom Geburtsort entfernt ins Süßwasser. So erklären sich die teilweise riesigen Verbreitungsgebiete etlicher Arten.

 

Leider ist die Feinsystematik der Gattung Sicyopterus nur schlecht verstanden. Die etwa 27 bis 33 derzeit anerkannten Arten (je nach Autor)  sehen sich alle ziemlich ähnlich und sind allesamt farblich sehr variabel. Stimmungs-, alters- und geschlechtsabhängig können sie ein sehr unterschiedliches Farbkleid tragen. Das macht ihre Bestimmung schwierig. Erst 2018 konnte z.B. für das ichthyologisch sehr gut untersuchte Japan erstmals Sicyopterus longifilis nachgewiesen werden. Bis dahin waren nur zwei andere Arten der Gattung von dort bekannt, nämlich S. lagocephalus und S. japonicus. Bei der Aufklärung der Identität der für Japan neuen Art fanden die Bearbeiter (Maeda & Saeki, 2018) heraus, dass die 1912 zeitgleich mit S. longifilis von Ceram beschriebene S. brevis tatsächlich nur das Weibchen zur S. longifilis (Männchen) ist.

Das wichtigste Bestimmungsmerkmal für S. longifilis für uns Aquarianer ist die Kombination aus sehr langen, freien Rückenflossenstrahlen (zumindest bei den Männchen, die Rückenflossenstrahlen der Weibchen sind zwar auch frei und ausgezogen, aber nicht ganz so lang) und das Fehlen einer Kerbe in der Mitte der Oberlippe; letzteres sieht man am besten, wenn das Tier an der Frontscheibe angesaugt sitzt. Unsere unter der Bezeichnung S. longifilis importierten Tiere haben die lang ausgezogenen Rückenflossenstrahlen, zeigen aber ein weiteres Lippenmerkmal: Papillen an der Oberlippe. Diese sind typisch für S. microcephalus, fehlen aber bei S. longifilis. Somit handelt es sich bei den hier gezeigten Bildern höchtwahrscheinlich um S. microcephalus und nicht um S. longifilis.

Die Pflege von Sicyopterus sollte in Aquarien erfolgen, deren Einrichtung einem Bach nachempfunden ist, also mit Sand- Kies- und Geröllpartien. Ein paar Wurzeln schaden auch nicht, die Bepflanzung sollte dagegen eher sparsam sein. Eine kräftige Strömung schätzen die Tiere sehr. Häufig wühlen sie sich in den Boden, besonders gern unter flache Steine, an deren Unterseite auch abgelaicht wird. Bezüglich der Nahrungsaufnahme sind Sicyopterus unproblematisch. Von  Natur aus Aufwuchsfresser, nehmen sie gerne Trocken- und Frostfutter aller Art, nur zu grob darf es nicht sein. Härte und pH-Wert sind unwesentlich, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser ist auch zur Pflege und Zucht von Sicyopterus geeignet. Die Wassertemperatur kann zwischen 20 und 28°C liegen. Sicyopterus sind grundsätzlich friedliche Fische, innerartliche Rangeleien sind – zumindest bei uns – stets harmloser Natur. Die Art wird ca. 10 cm lang (inklusive Schwanzflosse).

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 455163 (5-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Maeda, K. & T. Saeki (2018): Revision of species in Sicyopterus (Gobiidae: Sicydiinae) described by de Beaufort (1912), with a first record of Sicyopterus longifilis from Japan. Species Diversity v. 23: 253-262.

Text & Photos: Frank Schäfer

Aspidoras raimundi C125 Red

12. September 2025

Die Gattung Aspidoras wurde kürzlich einer Revision unterzogen und es gab dabei mehrere Umgruppierungen. Unter anderem wurde die dem Namen nach aquaristisch bekannten Arten A. menezesi und A. spilotus mit A. raimundi synonymisiert. Die Panzerwelsfreunde sind sich einig, dass auch C125 und CW119 hierher gehören. Mehr Informationen zum Wildtyp von A. raimundi finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/aspidoras-raimundi-ceara/

Die rote Form mit roten Augen trat nach Aussage unseres Züchters, der uns bereits vor 11 Jahren erstmals mit diesen Tieren belieferte, spontan unter seinen Nachzuchten von wildfarbenen C125 auf. Deren genaue Herkunft war/ist bis heute u.W. ungeklärt, man weiß nur, dass sie aus Brasilien kamen. Der rote Stamm konnte, wie man sieht, gut stabilisiert werden. Die Endgröße dieser schönen und friedlichen Schmerlenpanzerwelse liegt bei 4 – 4,5 cm. Es gelten die üblichen Pflegeempfehlungen für Panzerwelse.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 208582 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Tencatt, LFC, Britto, MR, Isbrücker, IJH & CS Pavanelli (2022): Taxonomy of the armored catfish genus Aspidoras (Siluriformes: Callichthyidae) revisited, with the description of a new species. Neotrop Ichthyol. 2022; 20(3):e220040. https://doi.org/10.1590/1982-0224-2022-0040 

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW127 Nachzuchten

12. September 2025

Zu den prächtigsten in den letzten Jahtren verfügbar gewordenen Panzerwelsen gehört zweifellos der CW127 aus dem Rio Jamanxim. Für mehr Informationen siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sp-aff-parallelus-cw127-3/

Wir haben jetzt erstmals deutsche Nachzuchten dieser herrlichen Tiere im Stock.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 240262 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma eunotus „Orangeschwanz“

12. September 2025

Man muss sich in unserer Zeit, in der absurde Debatten darüber geführt werden, die private Tierhaltung weitestgehend zu verbieten („Positivliste“), immer wieder einmal vor Augen halten, welch großartige Erfolge bei vielen Fischgruppen dank der Aquaristik erzielt wurden. Dafür ist die Gattung Apistogramma ein Paradebeispiel. Bis 1977 kannte man 31 beschriebene Arten, von denen aber nur 20 gültig waren. Heute kennt man nahezu 100 gültig beschriebene Arten (94, um präzise zu sein) und noch immer ein paar, die im Hobby bereits bekannt, aber noch nicht wissenschaftlich beschrieben sind. Dieser enorme Kenntniszuwachs wäre ohne das Interesse der Aquarianer an diesen Fischen gar nicht denkbar gewesen. Wenn man nun noch bedenkt, dass Artenkenntnis die absolute Basisvoraussetzung für jede nur denkbare Form von Artenschutz ist, so zeigt das Beispiel Apistogramma überdeutlich, dass auch der Wildfangimport keine Arten bedroht, sondern im Gegenteil die Grundlage für ihren Schutz darstellt.

In der „erste Welle“ der Apistogramma-Neubeschreibungen in den frühen 1980er Jahren war auch eine Art aus Peru, die als „Orangeschwanz-Apistogramma“ im Hobby bekannt wurde: A. eunotus. Diese für Apistogramma-Verhältnisse recht großwüchsige Art – Männchen werden gut und gerne 8,5 cm lang – stammt aus Tieflandflüssen Perus und angrenzender Gebiete Kolumbiens. Wie fast alle Apistogramma sind die Männchen polychromatisch, d.h. an ein und demselben Fundort kann man verschieden gefärbte Männchen finden. Die im Hobby besonders hübsch empfundene Orangeschwanz-Farbmorphe ist aber relativ selten. Sehr oft enthalten ganze Importe von A. eunotus gar keine Männchen mit farbigen Schwanzflossen. Gerade haben wir aber einen Import mit einem hohen Anteil solcher Tiere aus Peru erhalten.

Apistogramma eunotus ist insofern besonders, als dass er die bei vielen Arten der Gattung zur Zucht erforderlichen stark sauren Wasserwerte (pH unter 5,5) nicht nur nicht mag, sondern geradezu meidet. Auch starke Anreicherung von Huminstoffen, wie sie für etliche Apistogramma fast lebensnotwendig sind, schätzt A. eunotus nicht. Die Zucht des typischen Höhlenbrüters mit Mutter-Vater-Familie gelingt auch noch gut bei leicht alkalischem Wasser und mittlerer Härte. In der Natur wurden in A.-eunotus-Biotopen schon sehr unterschiedliche Werte vorgefunden, aber nie sehr saures Wasser. Die Wassertemperatur sollte sich im Aquarium zwischen 23 und 27°C bewegen, im Freiland wurden Werte zwischen 18 und 31°C  gemessen. Wie alle Apistogramma-Arten braucht auch diese Stellen mit feinsandigem Boden zum Durchkauen. Die Fütterung ist unproblematisch, jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe wird willig angenommen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 619002 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hemiodus semitaeniatus

12. September 2025

Mit 23 Arten ist die Gattung Hemiodus (Feder- oder Keulensalmler) ziemlich artenreich. Die Mehrzahl der Arten wird 15-20 cm lang, die größten um 30 cm. Früher unterschied man drei Gattungen (Hemiodus, Hemiodopsis und Pterohemiodus). Die als Gattungsunterschiede aufgefassten Merkmale erwiesen sich jedoch als nicht ausreichend relevant. Darum wurden alle drei wieder zu einer Gattung – Hemiodus – zusammengezogen. 

Hemiodus sind stressempfindlich. Ihr Fang, Eingewöhnung und Transport gelingen darum nur mit größter Sorgfalt. Das ist der Grund, weshalb diese Fische nur vergleichsweise selten in den Handel gelangen. Alle bisher im Aquarium beobachteten Arten zeigen ein Schrägsteher-Schwimmverhalten. Man pflegt diese eleganten Tiere grundsätzlich im Schwarm ab acht Exemplaren, da Einzeltiere sehr nervös sein können. Ein möglichst großes Aquarium mit viel freiem Schwimmraum ist eine weitere Grundvoraussetzung. Untereinander und gegen artfremde Fische sind Federsalmler friedlich. Über ein Zucht im Aquarium wurde noch nicht berichtet. Bezüglich der Wasserwerte (pH und Härte) und des Futters (jedes übliche Zierfischfutter passender Größe wird gerne angenommen) können Hemiodus als anspruchslos bezeichnet werden, allerdings soll das Wasser klar und sauerstoffreich sein. Eine Temperatur zwischen 24 und 28°C ist wohl für alle Arten optimal.

Die einzige Art der Gattung, die relativ regelmäßig angeboten wird, ist Hemiodus gracilis. Sie besitzt eine charakteristische Zeichnung. Etwa in der Mitte des Körpers beginnt ein kräftiges schwarzes Längsband, das sich in die untere Schwanzflossenhälfte fortsetzt. Unterhalb dieses schwarzen Bandes ist die Kante der Schwanzflosse bei H. gracilis tiefrot – sehr attraktiv! Nahezu identisch gefärbt sind H. semitaeniatus und H. goeldii, allerdings ist bei beiden die Unterkante der Schwanzflosse nicht rot sondern weiß. H. semitaeniatus hat deutlich mehr Schuppen in der Längsreihe als H. gracilis und H. goeldii (diese haben nur ca. 50 ziemlich große Schuppen in der Längsreihe, H. semitaeniatus über 50, wodurch die Schuppen deutlich kleiner in Relation zum Körper sind). Man kann die Schuppenzählerei gut abkürzen, indem man nur die Schuppen entlang der Rückenkante vor der dem Ansatz der Rückenflosse zählt, hier hat H. semitaeniatus deutlich über 20, H. goeldii nur 12 Schuppen.

Wir haben kürzlich aus Kolumbien „H. gracilis“ erhalten, bei denen leider so gar kein Rot in der Schwanzflosse erkennbar ist. Die genauere Recherche ergab, dass es sich um H. semitaeniatus handelt. Die Art ist weit in Südamerika verbreitet: gemeldet wurde sie schon aus Brasilien, Bolivien, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru und Venezuela. Genetische Untersuchen an Hemiodus, die kürzlich durchgeführt wurden (Nogueira et al., 2020), legen allerdings den Verdacht nahe, dass man es hier eher mit einem Artenkomplex statt nur mit einer einzigen Art zu tun hat. Das größte bislang vermessene Exemplar von H. semitaeniatus war 20 cm lang.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 258282 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Nogueira, A. F., C. Oliveira, F. Langeani & A. L. Netto-Ferreira (2020): Overlooked biodiversity of mitochondrial lineages in Hemiodus (Ostariophysi, Characiformes). Zoologica Scripta v. 50 (no. 3): 337-351.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pimelodus tetramerus

12. September 2025

Die Gattung Pimelodus ist mit derzeit 35 anerkannten Arten ziemlich artenreich und aufgrund einer fehlenden, neueren Revision auch sehr unübersichtlich. Aquaristisch spielen diese südamerikanischen Welse nur eine geringe Rolle. Die einzige regelmäßig im Handel verfügbare Art ist Pimelodus pictus, der Engelswels, und P. ornatus ist eine teure, von Spezialisten begehrte Rarität. Andere Arten tauchen dann und wann zwar in kleinen Stückzahlen im Handel auf, sind aber grundsätzlich ohne Bedeutung. Mit der hier vorgestellten Art, die wir gelegentlich aus Venezuela oder – wie gerade aktuell – aus Peru importieren konnten, könnte sich das Spektrum um eine weitere Art vermehren, denn die Tiere sind sehr attraktiv: Pimelodus tetramerus.

Die Art wurde 2006 aus den Flüssen Tocantins und Tapajos Brasilien beschrieben. Importe erfolgten zwischen zeitlich aus dem Rio Xingu, aus Venezuela, Kolumbien und Peru. Grant (2021) vermutet einen Artenkomplex hinter den diversen Importen; eine Auffassung, die wir zwar nicht ausschließen, jedoch sind die äußerlich erkennbaren Unterschiede zwischen Tierren aus den verschiedenen Exportgebieten so geringfügig, dass wir sie nicht unterscheiden.  Die Größe der Importtiere liegt meist bei ca. 6-9 cm; P. tetramerus wird etwa 20 cm lang.

Pimelodus-Arten sind im Gegensatz zu vielen anderen Welsen auch tagsüber aktiv. Zumindest als Jungfische sind es ausgesprochene Schwarmfische, man sollte darum immer gleich 5-10 Exemplare erwerben. Gegenüber anderen Fischen sind sie völlig friedlich, zu kleine Mitbewohner werden aber selbstverständlich als Nahrung angesehen. Bezüglich der Ernährung sind Pimelodus ebenso anspruchslos wie bezüglich der Wasserwerte, weshalb auch Anfänger ihre Freude an diesen schönen Fischen haben können. Aufpassen muss man nur mit den extrem spitzen Flossenstacheln. Sowohl die Brustflossen wie auch die Rückenflosse verfügen über derart spitze Flossenstacheln, wie wir das bisher bei kaum einer anderen Fischart erlebt haben. Grundsätzlich ist es darum besser, diese Welse mit einem Becher oder dergleichen zu fangen, denn in jedem Netz ist die Gefahr, dass sie sich furchtbar verheddern, sehr groß.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 280113 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Literatur: 

Grant, S. (2021): Pims; Pimelodidae, Heptapteridae and Pseudopimelodidae Catfishes. Neuenstadt am Rübenberge, 220 pp.

Ribeiro, F. R. V. & C. A. S. de Lucena (2006): Nova espécie de Pimelodus (Siluriformes, Pimelodidae) dos rios Tapajós e Tocantins, Brasil. Iheringia, Série Zoologia (Porto Alegre) v. 96 (no. 3): 321-327.

Harttia punctata

5. September 2025

Aus der artenreichen Gattung Harttia – aktuell werden 28 Arten unterschieden – kommt kaum jemals eine in unsere Aquarien. Die Fische sind relativ enge Verwandte der beliebten Störwelse (Sturisoma und Sturisomatichthys) und ähneln ihnen in vielen Verhaltensweisen, sind jedoch erheblich anspruchsvoller. Harttia benötigen zum Gedeihen sehr sauberes, sauerstoffreiches und warmes Wasser; zudem sollte feines Futter, wie es der natürlichen Nahrung der Fische (Aufwuchs, also Algen und die darin lebenden Kleinstorganismen) entspricht, den Hauptanteil in der Ernährung darstellen. Bereits geringfügige Pflegefehler sind für solche Fische fatal. Es liegt auf der Hand, dass bereits Fang und Transport besondere Herausforderungen mit sich bringen. Gesunde Tiere sind andererseits im Aquarium sogar schon zur Zucht gebracht worden.

Harttia punctata ist eine von zwei gemeinsam im Rio Tocantins in Brasilien vorkommenden Arten. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Spezies – die andere ist H. duriventris – liegt in der Beschilderung des Bauches. Bei H. duriventris ist die gesamte Bauchseite mit Knochenplatten bedeckt, bei H. punctata sind große Partien des Bauches nackt. Insgesamt hat sich allerdings herausgestellt, dass das Merkmal der Bauchbeschilderung innerhalb der Arten ziemlich variabel ist. Farblich unterscheiden sich H. punctata und H. duriventris kaum, H. punctata hat zahlreichere, kontrastreichere Punkte. Bei zwei zufällig ausgewählten Tieren unseres aktuellen Importes entspricht die Bauchbeschilderung H. punctata. Da alle Fische sehr ähnlich zueinander gefärbt sind, denken wir, dass auch alle zur gleichen Art gehören. Wir können aber nicht ausschließen, dass auch der eine oder andere H. duriventris sich dazwischen verbirgt.

Genau wie die Sturisoma und Sturisomatichthys sind Harttia keine Höhlen-, sondern Offenbrüter. Die Eier werden bevorzugt an stark überströmten Steinen abgelegt und vom Männchen bis zum Schlupf bewacht. Geschlechtsunterschiede scheinen sich darauf zu beschränken, dass die Männchen einen etwas breiteren Kopf und einen breiteren, bestachelten ersten Brustflossenstrahl besitzen. Die Aufzucht entspricht in groben Zügen der der Störwelse.

Alles in allem sind Harttia punctata Fische für wirklich erfahrene Aquarianer, die eine Herausforderung suchen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255384 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Seidel, I. (2010): Ingos Harnischwelszucht. Tetra Verlag, Berlin-Velten, 272 pp

Text & Photos: Frank Schäfer

Pseudocrenilabrus multicolor

5. September 2025

Der dienstälteste maulbrütende Buntbarsch in unseren Aquarien ist Pseudocrenilabrus multicolor. Er wurde bereits 1902 aus Ägypten nach Deutschland eingeführt. Die gewöhnlich 4-5 cm langen Tiere – als Maximallänge werden in der Literatur 8 cm angegeben – sind seither nie mehr im Hobby ausgestorben. Es ist sogar anzunehmen, dass diese Fische über 100 Jahre ohne „Blutauffrischung“, d.h., ohne dass erneute Importe erfolgten, in Erhaltungszucht gepflegt und gezüchtet wurden. Erst in jüngster Zeit ist es etwas still um ihn geworden. Wir freuen uns daher sehr, ihn wieder einmal anbieten zu können.

Mit der Farbenpracht der maulbrütenden Buntbarsche aus dem Malawisee kann P. multicolor nicht mithalten, obwohl er sehr bunt ist. Aber seine Farben sind Schillerfarben und kleinflächig, während seine großen Vettern plakativ bunt sind. Dafür macht es aber immer wieder große Freude, die Brutpflege dieses lebhaften kleinen Tieres zu beobachten. Im Gegensatz zu den meisten Malawi-Buntbarschen nimmt nämlich bei P. multicolor das Muttertier die Jungfische auch nach deren ersten Entlassung noch viele Tage lang (etwa eine Woche) bei vermeintlichen Gefahren und nachts ins Maul.

Man pflegt P. multicolor bei Temperaturen zwischen 20 und 28°C in gut bepflanzten Becken, bei denen man jedoch stellenweise freie Sandflächen einplanen muss. Dort baut das Männchen zur Laichzeit eine flache Grube und lockt die holde Weiblichkeit zu sich, indem es in den herrlichsten Farben schillert und mit der Schwanzflosse über den Boden surfend den Weg zum Liebesnest weist. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe, egal ob Trocken-, Frost- oder Lebendfutter. Aufgrund seiner relativ geringen Größe braucht P. multicolor keine großen Aquarien, allerdings sollte man die Männchen zur Laichzeit nicht unterschätzen. Vollgestopft mit Hormonen nehmen sie es auch erfolgreich mit deutlich größeren Gegnern auf und harmlose Friedfische haben dann ebenfalls nichts lachen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 566303 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sternarchorhynchus mendesi

5. September 2025

Die Artenzahl in der Gattung Sternarchorhynchus ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. 1994 waren gerade einmal 4 Arten bekannt, 2006 erhöhte sich die Artenzahl auf 10 und heute (2025) sind 32 Arten anerkannt! Damit ist Sternarchorhynchus die artenreichste Gattung innerhalb der Apteronotidae. 

Mit einer Sendung Apteronotus macrostomus (im Handel als A. leptorhynchus bezeichnet, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apteronotus-leptorhynchus-a-macrostomus/) aus Kolumbien erhielten wir auch ein einzelnes Exemplar einer Sternarchorhynchus-Art. In Kolumbien gibt es nach der letzten Revision der Gattung durch de Santana & Vari (2010) sieben Arten der Gattung: S. gnomus, S. marreroi, S. mendesi, S. mormyrus, S. oxyrhynchus, S. roseni und S. yepezi. Farbliche Unterschiede gibt es kaum zwischen den Arten. Fast alle sind einfarbig dunkelbraun mit einem hellen Aalstrich; nur bei S. gnomus fehlt der helle Rückenstreifen oder ist nur angedeutet vorhanden. Folgt man dem Bestimmungsschlüssel für die Arten aus dem Orinoko in der genannten Arbeit, so führt die Maulform zunächst zu S. oxyrhynchus; dieses Merkmal ist aber für uns als nicht tief in die Materie eingearbeitete Menschen etwas trügerisch, weil wir keine guten Vergleichsmöglichkeiten haben. 

Der restliche Schlüssel führt zu S. mendesi (Rückenstreifen deutlich ausgeprägt, keine Beschuppung im Rückenbereich). S. oxyrhynchus hat 212-242 Flossenstrahlen in der Afterflosse, ist also ein sehr langgestreckter Fisch, S. mendesi 174–182. Das fotografierte Tier hat ca. 177 Afterflossenstrahlen (ohne Röntgenaufnahme sind ganz vorn und ganz hinten leichte Ungenauigkeiten beim Auszählen möglich, die aber nicht artkritisch sind). Somit ist es wohl amtlich: uns ist der Erstimport von Sternarchorhynchus mendesi geglückt!

Das ist insofern bemerkenswert, als dass S. mendesi bislang nur von 8 Exemplaren bekannt ist, die allesamt in den Einzügen der Flüsse Río San Juan und Río Guanipa in Nord-Ost Venezuela gefunden wurden. Apteronotus macrostomus wird dagegen im Einzug des Rio Meta in Kolumbien für den Export als Zierfisch gefangen.

Das größte bislang bekannt gewordene Exemplar von S. mendesi war etwas über 20 cm lang. Der importierte Fisch erwies sich bei uns bisher als problemlos in der Pflege; seine aktuelle Länge liegt bei etwa 15 cm. Am Ende des Körpers zeigt er ein kleines Regenerations-Schwänzchen; bekanntlich haben die Messeraale ja die sehr ungewöhnliche Fähigkeit, verlorene Teile der Wirbelsäule am Körperende zu regenerieren, sofern keine lebenswichtigen inneren Organe betroffen sind. Gegenüber auch kleinen Mitbewohnern (dreiviertelwüchsige Guppys) erwies sich das Tier als vollkommen friedlich. Die Ernährung von Sternarchorhynchus ist im Aquarium problemlos mit Frost- und Lebendfutter möglich, besonders beliebt sind Tubifex und Rote Mückenlarven.

Südamerikanische Messerfische haben sich ganz allgemein als sehr anpassungsfähig bezüglich der Wasserparameter Härte und pH-Wert gezeigt. Die Tiere sind hauptsächlich dämmerungsaktiv, kommen tagsüber bei Fütterungen aber aus dem Versteck. Mit Artgenossen vertragen sich die Tiere nur mäßig, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/sternarchorhynchus-aus-peru/. Da Sternarchorhynchus spitze Zähne im Maul haben, können sie sich theoretisch verletzen. Bei der gemeinsamen Pflege mehrerer Tiere muss man darum gut aufpassen um ggf. rechtzeitig eingreifen zu können.

Für unsere Kunden: das Tier hat Code 293984 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

de Santana, C. D. & R. P. Vari (2010): Electric fishes of the genus Sternarchorhynchus (Teleostei, Ostariophysi, Gymnotiformes); phylogenetic and revisionary studies. Zoological Journal of the Linnean Society v. 159 (no. 1): 223-371.

Text & Photos: Frank Schäfer

Otocinclus cf. macrospilus = O. mangaba?

5. September 2025

Die kleinen Ohrgitterharnischwelse der Gattung Otocinclus gehören zu den beliebtesten „Saubermännern“ im Aquarium. Unermüdlich putzen sie alle Oberflächen, an die sie herankommen. Da sie gewöhnlich nur 3-4 cm, selten bis 5 cm lang werden und ihre Putzertätigkeit sehr gefühlvoll ausüben, beschädigen sie auch relativ zarte Pflanzen dabei nicht, sondern sorgen für sauber und frisch aussehende Gewächse.

Leider sehen sich die meisten der 20 gegenwärtig akzeptierten Arten einander sehr ähnlich. 1997 erschien eine große Revision der Gattung von Scott A. Schaefer, in der 15 Arten unterschieden wurden. Diese Revision wurde in aquaristischen Kreisen intensiv diskutiert und man versuchte auf ihrer Basis, die im Hobby verfügbaren Arten nun endlich mit richtigen Namen zu belegen. Der Erfolg war eher bescheiden. Nach wie vor segelt die Mehrzahl der gehandelten Otocinclus unter dem Namen „Otocinclus affinis“, obwohl ausgerechnet diese unscheinbare Art aus dem Süden Südamerikas so gut wie nie im Handel ist. Die meisten so bezeichneten Tiere gehören zur Spezies O. vestitus.

Eine hübsche und sehr gut haltbare Art wird seit Jahrzehnten aus Brasilien importiert. Sie bezeichnet man wegen des sehr großen Schwanzwurzelflecks als „Otocinclus cf. macrospilus“. Das Wort „macrospilus“ bedeutet „mit großem Fleck“. Die Art Otocinclus macrospilus wurde bereits 1942 wissenschaftlich beschrieben und in einer sehr guten Abbildung auch illustriert. Der Fundort der der Beschreibung zugrunde liegenden Exemplare war der Rio Morona, oberes Amazonasbecken, Departement Loreto in Peru. Obwohl die aus Brasilien importierten Tiere rein optisch gut zu O. macrospilus passen waren die Fundorte doch sehr weit voneinander entfernt. Recherchen ergaben, dass die Brasilianer im Rio Purus gefangen werden; zumindest zeitweise kommen sie von dort aus der an dem Rio Purus gelegenen politischen Gemeinde Lábrea. Das veranlasste zu dem Zusatz „cf.“ (steht für „confer“ und bedeutet „vergleiche mit“), um einen gewissen Vorbehalt bei der Determination auszudrücken. Zu Recht, wie sich nun herausstellt. Eine der erst vor kurzer Zeit neu beschriebenen Arten – Otocinclus mangaba aus dem Einzug des Rio Madeira – passt viel besser zu dem Otocinclus aus dem Rio Purus. Der Rio Purus und der Rio Madeira fließen über weite Strecken parallel in Richtung Amazonas und sind durchschnittlich nur etwa 200 km voneinander entfernt. 

Ein bei Otocinclus nur selten auftretendes Merkmal ist typisch für O. mangaba: die Bauchregion zwischen den seitlich am Körper ansetzenden großen Brustknochenplatten ist nackt – genau wie bei den Otocinclus aus dem Rio Purus! Auch die Färbung von O. mangaba entspricht sehr gut der der Tiere aus dem Rio Purus. Manche Detail-Unterschiede fallen in die individuelle Farbvarianz, andere sind stimmungsbedingt. Bei dem konservierten Holotypen von O. mangaba erscheint der große Schwanzwurzelfleck zweigeteilt, in eine vordere und eine hintere Hälfte. Bei frisch importierten Tieren sieht das auch so aus, bei gut eingewöhnten verschwindet dieses Farbmerkmal aber weitgehend.

Im Grunde ist es egal, welche Otocinclus-Art man erwirbt, alle sind ausgezeichnete Aquarienfische und hervorragende Putzer. Man pflegt sie in möglichst großen Trupps, es sind soziale Tiere. Und man sollte unbedingt darauf achten, dass sie ausreichend Futter bekommen. Scheiben von Gemüse (Zucchini, Kartoffel, Karotte etc.) sollten stets zur Verfügung stehen (täglich austauschen, sonst belastet das das Wasser), dazu feines Frostfutter (Cyclops, Artemia, Wasserflöhe) und Futtertabletten sind das Rezept für runde und glückliche Otos. Härte und pH-Wert sind für diese Fische unbedeutend, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich zur Pflege. Männchen sind kleiner und schlanker, andere Geschlechtsunterschiede gibt es nicht. Die Zucht verläuft ähnlich wie bei Panzerwelsen, d.h. die Tiere laichen im Trupp. Brutpflege üben Otocinclus nicht aus.

Für unsere Kunden: Otocinclus cf. macrospilus/O. mangaba haben – je nach Größe – Code 274113-274116 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ivanacara bimaculata

29. August 2025

Diese Buntbarsch wurde bereits 1912 unter der Bezeichnung Nannacara bimaculata wissenschaftlich benannt und abgebildet. Im Hobby blieb er jedoch ein Phantom. Das Verbreitungsgebiet in Guyana (Potaro-River) gilt als eines der am schwierigsten zu bereisenden Gebiete Südamerikas. Erst 1997 konnte Frans Vermeulen zusammen mit Wim Suikers einige Exemplare sammeln und in die Niederlande mitbringen. Dabei zeigte sich, dass die Art im Verhalten und Aussehen große Ähnlichkeit zu dem damals noch in der Gattung Nannacara geführten I. adoketa hat. Konsequenterweise erfolgte dann auch die Eingliederung der Art zur 2006 beschriebenen Gattung Ivanacara.

Bis zum heutigen Tag ist dieser Fisch eine Top-Rarität geblieben, denn die Nachzucht ist ähnlich anspruchsvoll wie bei I. adoketa (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/ivanacara-adoketa-nannacara-a/). Alles, was zu I. adoketa gesagt wurde, gilt im Großen und Ganzen auch für I. bimaculata, weshalb wir an dieser Stelle auf den entsprechenden Eintrag verweisen.

Wir freuen uns sehr, dass wir diesen wunderschönen Buntbarsch jetzt als 3-4 cm lange Nachzuchten anbieten können. Die Jungtiere, die wir zur Zeit im Stock haben, lassen bereits erahnen, wie schön diese Fische einmal werden. Bereits in dieser Größe sind Männchen und Weibchen farblich recht gut zu unterscheiden. Übrigens: Männchen von I. bimaculata können laut Literatur maximal 13 cm lang werden und erfüllen damit die Definition von „Zwergbuntbarsch“ nicht mehr ganz – dieser Titel ist per Definition Arten mit maximal 10 cm Gesamtlänge vorbehalten. Weibchen bleiben allerdings kleiner. Nach Aussage unserer Züchter bleibt I. bimaculata sehr viel kleiner, als in der Literatur angegeben – zumindest dieser Stamm. Männchen sollen mit etwa 6 cm Totallänge ausgewachsen sein; sehr alte Tiere mögen auch noch 1-2 cm zulegen können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 684062 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Synodontis sp. aff. nigriventris ZEBRA

29. August 2025

Der Rückenschwimmende Kongowels Synodontis nigriventris ist die beliebteste Spezies aus der artenreichen Gattung Synodontis. Das drollige Verhalten dieser vorzugsweise mit dem Bauch nach oben schwimmenden Tiere ist sicherlich der Hauptgrund dafür. Zusätzlich bleibt die Art klein, deutlich unter 10 cm. Tatsächlich haben wir noch nie Tiere gesehen, die größer als ca. 7 cm (inklusive Schwanzflosse) gewesen sind. Mehr Informationen zu der Art finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/synodontis-nigriventris-3/

Außer dieser Art haben wir auch hin und wieder den „Zebra“ im Stock. Diese Art kommt, soweit man weiß, ausschließlich aus dem Bereich des Lac Mai Ndombe, einem riesigen Schwarzwasser-See im Zentral-Kongo. Vom „gewöhnlichen“ Rückenschwimmenden Kongowels unterscheidet er sich durch die extrem kontrastreiche Färbung, vor allem auch der Bauchseite. Der  Artname „nigriventris“ bedeutet „mit schwarzem Bauch“. Beim gewöhnlichen Rückenschwimmenden Kongowels ist die Bauchseite nämlich dunkel gefärbt. Wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man dort schwarze Punkte auf dunklem Grund. Beim „Zebra“ besteht die Bauchfärbung aber aus einem komplexen Marmormuster, das bei jedem Tier individuell unterschiedlich ist. Insgesamt erinnert die Zeichnung des „Zebra“ an die Jugendfärbung mehrerer Synodontis-Arten. 

Bezüglich aller Pflegeaspekte und der Endgröße unterscheidet sich der „Zebra“ nicht vom gewöhnlichen Rückenschwimmenden Kongowels, außer, dass er vielleicht noch etwas sozialer ist. Es gelingt kaum einmal, nur ein einzelnes Exemplar zu fotografieren, wenn mehrere im Aquarium sind.

Für unsere Kunden: Die Tiere haben Code 183413 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tatia perugiae und Tatia cf. altae

29. August 2025

Der Trugdornwels Tatia perugiae hat sich fest im Hobby etabliert. Die Art ist klein (4-6 cm), sehr hübsch gefärbt und lässt sich leicht im Aquarium nachzüchten. Außerdem sind die Tiere sehr friedlich und anspruchslos bezüglich der Wasserzusammensetzung und des Futters. Da sieht man es ihnen nach, dass sie meist nur zur Fütterung das Versteck verlassen und dann bieneneifrig umherschwimmen. Wir beziehen die Art als Nachzucht oder aus Peru. Es gibt mindestens zwei Farbformen, eine mit relativ kleinen und eine mit großen dunklen Flecken (siehe Collage die beiden Bilder rechts, auf dieser Collage sind alle Fische geschlechtsreife Männchen). Aber insgesamt ist die Art hochvariabel gefärbt, man kann jedes Individuum an seinem persönlichen Punktmuster erkennen, das so spezifisch ist wie ein Fingerabdruck.

Leider musste diese Art schon einige Gattungsänderungen über sich ergehen lassen. Zunächst platzierte man sie in Tatia, dann in Centromochlus, dann in Duringlanis und jetzt, in der aktuellsten Übersichtsarbeit von Luisa Maria Sarmento-Soares & Ronaldo Fernando Martins-Pinheiro (2020) wieder in Tatia. In der nur ein Jahr älteren Arbeit von Calegari et al. (2019) wurde Duringlanis noch als gütige Gattung identifiziert – kurz, man sollte nach beiden Gattungsnamen recherchieren, wenn man Informationen zu den Fischen zusammenträgt.

In der gleichen Zeitschrift wie zuletzt Sarmento-Soares & Martins-Pinheiro beschrieb 75 Jahre zuvor Henry W. Fowler eine sehr ähnliche Art aus Kolumbien (Morelia, Einzug des Rio Caqueta) als Centromochlus altae. Er schrieb schon damals, dass diese Art sehr ähnlich zu Steindachners Centromochlus perugiae aus dem Jahr 1882 (sie stammt aus dem östlichen Ecuador) sei, aber eine andere Fleckenanordnung habe.

Wir haben schon gelegentlich Tatia aus Kolumbien importieren können, bei denen es sich wohl um T. altae handelt. Abgesehen von der Form der Flecken fällt die sehr hübsche gelbliche Grundfärbung der kolumbianischen Tiere – besonders deutlich im Kopfbereich – auf. Alle übrigen Merkmale und Eigenschaften entsprechen T. perugiae. Die Färbungs-Unterschiede zwischen den beiden Arten (wenn es denn Arten sind und nicht nur Standortvarianten) kann man auf der diesem Post beigefügten Collage am einfachsten erkennen. Bei Tatia altae liegt auf dunkler Grundfärbung sozusagen ein helles Netzmuster aus feinen Linien, bei T. perugiae sind auf hellem Untergrund runde dunkle Tupfen verteilt. 

Alle Trugdornwelse – also auch Tatia perugiae und T. altae – praktizieren eine innere Befruchtung. Dazu dient die speziell umgeformte Afterflosse. Ein befruchtetes Weibchen kann darum später in Abwesenheit von Männchen entwicklungsfähige Eier legen, was sie am liebsten in runden Höhlen tun. Es hat sich gezeigt, dass diese kleinen Tatia-Arten es warm mögen, 26-28°C sind wohl am günstigsten.

Für unsere Kunden: Tatia perugiae haben Code 295811 (Nachzucht) und (je nach Größe) 295820-295822 (wild) auf unserer Stockliste. Tatia altae hat Code 295401 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Calegari, B. B., R. P. Vari & R. E. Reis (2019): Phylogenetic systematics of the driftwood catfishes (Siluriformes: Auchenipteridae): a combined morphological and molecular analysis. Zoological Journal of the Linnean Society v. 187 (3): 661-773

Sarmento-Soares, L. M. & R. F. Martins-Pinheiro (2020): A reappraisal of phylogenetic relationships among auchenipterid catfishes of the subfamily Centromochlinae and diagnosis of its genera (Teleostei: Siluriformes). Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, 167 (1): 85-146) 

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypoptopoma psilogaster

29. August 2025

Die Gattung Hypoptopoma umfasst kleine bis mittelgroße (die größte Art wird etwas über 10 cm lang) Harnischwelse, die auf den ersten Blick wie eine vergrößerte Ausgabe von Otocinclus aussehen. Gattungscharakteristisch sind die derart seitlich am Kopf liegenden Augen, dass ein an einem Pflanzenstängel sitzender Hypoptopoma eine Rundumsicht von nahezu 360° hat. Dieses Merkmal findet man noch in der Gattung Oxyropsis, die jedoch einen zusammengedrückten, abgeplatteten Schwanzstiel besitzt, während der Schwanzstiel von allen Vertretern der Gattung Hypoptopoma im Querschnitt hoch-oval ist. Des weiteren haben die Vertreter der Gattung Nannoptopoma eine solche Augenstellung. Sie bleiben mit maximal 3-4 cm Länge deutlich kleiner als Hypoptopoma. 

Leider ist die Bestimmung der Arten eine kniffelige Angelegenheit, obwohl im Jahr 2010 eine umfassende Revision der Gattung erschienen ist. Wir erhielten wieder einmal eine schöne Hypoptopoma-Art aus Peru. Sehr auffällig ist die Schwanzflossenzeichnung, die zur Bestimmung als Hypoptopoma psilogaster führte. Zusätzlich passt das für H. psilogaster in der genannten Revision angegebene Verbreitungsgebiet: die Flüsse Ampiyacu, Itaya, Nanay, Napo und Yaguas im westlichen Amazonaseinzug. Möglicherweise erhalten wir auch einen Mix einander sehr ähnlicher Arten, das können wir nie ganz ausschließen. 

Die maximale Endgröße von H. psilogaster wird mit 7 cm Standardlänge angegeben, also ohne Schwanzflosse. Die Tiere sind sowohl untereinander wie auch gegen artfremde Fische friedlich. Die Wassertemperaturen können sich im Bereich von 22 bis 28°C bewegen, mittlere Werte sind wohl am günstigsten. Die Härte und der pH-Wert sind für die Pflege kaum bedeutungsvoll, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich auch zur Pflege dieser Fische. Außer Algen und anderem Aufwuchs sollte man für solche Fische immer etwas Gemüse (Kartoffel, Zucchini, Karotte etc.) als Futter anbieten. Nur mit dem Algenwuchs im Aquarium wird man sie kaum ernähren können. Außerdem naschen diese Welse gerne an jedem üblichen Zierfischfutter, besonders beliebt sind Futtertabletten.

Es sind jedenfalls hübsche Tiere, einmal ein anderer Algenfresser als gewöhnlich!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 262262 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Poecilia reticulata Guppy Tricolor Cobra

22. August 2025

Über Sinn und Unsinn der Handelsnamen von Guppys kann man trefflich streiten. Aber völlig unstrittig ist, dass der so genannte Guppy Tricolor Cobra ein richtig bunter Guppy ist. So manch einem deucht der Begriff „bunter Guppy“ vielleicht ein Pleonasmus, so wie „weißer Schimmel“ oder „kaltes Eis“. Natürlich sind Guppys fast immer sehr bunt. Aber das bezieht sich auf den Gesamteindruck des Fisches. 

Beim Guppy Tricolor Cobra ist die uneinheitliche Färbung das eigentliche Zuchtziel. Wirklich jedes der Männchen sieht aus, als hätte ein experimentierfreudiges Kind seinen neuen Malkasten ausprobiert, kaum ein Exemplar gleicht völlig dem anderen. Besonders hübsch: die vielfältigen Körperfarben. Bunte Körperfarben sind beim Guppy gar nicht so häufig oder auch gar nicht gewollt. Etliche Zuchtformen werden z.B. bewusst mit schwarzem Körper gezüchtet, um so die Leuchtkraft der Schwanzflosse besonders gut zum Tragen zu bringen.

Für unsere Kunden: Guppy Tricolor Cobra hat Code 418404 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Andinoacara pulcher (früher: Aequidens pulcher)

22. August 2025

Es gibt nur verhältnismäßig wenige Aquarienfische, bei denen sich ein wirklich gebräuchlicher Populärname herausgebildet hat. zu ihnen gehört Andinoacara pulcher (früher: Aequidens pulcher). Man findet ihn in Aquarienbüchern regelmäßig unter dem Namen „Blaupunktbuntbarsch“. Als Jahr der Ersteinfuhr wird 1906 angegeben.

Wie bei den meisten altbekannten Aquarienfischen ist es heute nicht mehr so einfach, eine Artbestimmung vorzunehmen, wie noch vor nahezu 120 Jahren. Reisen in die Vorkommensgebiete (in diesem Fall: Trinidad und Venezuela) brachten neue Erkenntnisse. Viele einander sehr ähnliche, im direkten Vergleich jedoch sicher unterschiedliche Formen wurden entdeckt. Und so können wir auch nicht hundertprozentig sicher sein, dass die Blaupunktbuntbarsche, die wir seit langer Zeit in der Naturform wieder einmal anbieten können (meist wird heutzutage die Zuchtform „Neon Blue“ gepflegt, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/andinoacara-pulcher-neon-blue/) wirklich Andinoacara pulcher sind oder vielleicht doch einer nah verwandten anderen Art angehören. Es handelt sich um deutsche Nachzuchten, die Herkunft der wahrscheinlich vor Jahrzehnten einmal importierten Urahnen lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Egal: wer schön gefärbte, größer werdende Buntbarsche sucht, die weder das gesamte Aquarium nach ihrem Geschmack umgestalten noch jeden Aquarienmitbewohner als Freiwild zur persönlichen Belustigung ansehen, ist mit Blaupunktbuntbarschen gut bedient. Geschlechtsreif werden die Tiere mit 6-8 cm Länge. Die Geschlechter sind äußerlich kaum unterscheidbar, weshalb man am besten eine Gruppe von 6-10 Tieren erwirbt und überzählige Tierre wieder abgibt, wenn sich ein Pärchen gefunden hat. Die Maximallänge wird in der Literatur mit bis zu 18 cm angegeben. Wieviel Aquarianerlatein sich hier verbirgt, weiß natürlich niemand. Mit 15 cm sollte man aber rechnen.

Andinoacara pulcher ist ein Offenbrüter mit Elternfamilie, d.h. beide Partner kümmern sich um Laich und Brut. Wenn es ihnen möglich ist, ziehen sie ein transportables Brutsubstrat (also etwa ein derbes totes Blatt oder ähnliches) einem anderen festen Untergrund zur Laichabgabe vor, doch sind sie flexibel. Jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Die Wassertemperatur kann für diesen Fisch im Bereich von 22-28°C liegen, es werden auch zeitweise leicht höhere oder tiefere Temperaturen vertragen, ein Dauerzustand sollte das aber nicht werden. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 609501 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nomorhamphus celebensis und N. towoetii

22. August 2025

Die meisten Arten der Nomorhamphus-Halbschnäbler kommen von der Insel Sulawesi (früher: Celebes). Einige, wie N. ebrardtii oder N. rex, werden hauptsächlich als Wildfang gehandelt, andere, darunter N. liemi, auch als Nachzucht. Überhaupt nur sehr selten im Handel ist sind Schwarze Celebes-Halbschnäbler. Wir können manchmal Nachzucht-Tiere von Nomorhamphus celebensis von 4-6 cm Länge anbieten, manchmal auch Wildfänge. Dann wird es kniffelig, da wir die genauen Fundorte nicht kennen und ohne sie eine exakte Artenzuordnung kaum möglich ist. Es gibt drei wissenschaftlich beschriebene Arten der Schwarzen Celebes-Halbschnäbler: den schon erwähnten N. celebensis, dazu N. towoetii und N. aenigma. Eine weitere, im Hobby verbreitete Art, die sich durch eine orangefarbene Zone im Bereich der Rückenflosse auzeichnet, ist noch Gegenstand von Debatten. Gegenwärtig halten die meisten Autoren sie für eine Farbform von N. towoetii. Im Grunde wäre das ja egal, aber es gibt Verhaltensunterschiede. N. celebensis ist der friedlichste aller Halbschnäbler, N. towoetii gilt hingegen als sehr zänkisch. Zu N. aenigma gibt es diesbezüglich noch keine Beurteilungen, die uns bekannt wären.  

Beginnen wir mit N. celebensis: Diese Art ist zwar nicht so farbenprächtig, aber dafür friedlich. Man kann sie sowohl untereinander wie auch mit artfremden Fischen gut vergesellschaften. Während der Balz werde die Männchen Tiere tiefschwarz mit hellen senkrechten Binden. In früheren Berichten (vor ca. 1980) wurde vor allem der damals wissenschaftlich noch nicht beschriebene N. liemi als N. celebensis bezeichnet. Diese Pflege und Zuchtberichte, in denen die Männchen als sehr territorial bezeichnet werden, beziehen daher nicht auf den „echten“ N. celebensis. Während die Männchen dieser lebendgebärenden Art mit rund 6 cm Länge ihr Wachstum einstellen, können die Weibchen mit ca. 10 cm erheblich größer werden. Bei der Zucht ist es entscheidend, die Jungtiere vor den Eltern zu retten, denn die sind sehr kannibalisch. Trächtige Weibchen darf man nicht zu spät in das Wurfaquarium umsetzen, sonst kommt es eventuell zu Totgeburten, aber auch nicht zu früh, denn die lebhaften Tiere mögen freien Schwimmraum. Man sieht: auch die Zucht der vermeintlich „einfachen“ Lebendgebärenden hat ihre Tücken.

Nun zu N. towoetii: wie schon erwähnt, gilt diese Art als zänkisch. Sie bleibt kleiner als N. celebensis, die Weibchen erreichen höchstens 8 cm Länge, Männchen 5-6 cm. Der sicherste Unterschied zwischen den beiden Arten N. celebensis und N. towoetii ist, dass bei N. celebensis die Weibchen immer grau bleiben, während sich die Weibchen von N. towoetii fast so schwarz wie die Männchen färben können. Aktuell (Juli 2025) haben wir Wildfänge importieren können, bei denen es sich aufgrund der Färbung der Weibchen um N. towoetii handeln müsste, die allerdings untereinander ausgesprochen friedlich sind und sogar gerne in Schulen schwimmen.

Die seltsame Maulform lässt vermuten, dass diese Fische vor allem Insekten fressen, die auf die Wasseroberfläche fallen. Im Aquarium nehmen sie aber sehr gerne Flockenfutter. Diesbezüglich ist die Pflege leicht. Nomorhamphus findet man in kühlen Fließgewässern. Sie brauchen nicht unbedingt starke Strömung, aber sauberes Wasser. Gute Filterung und regelmäßige Wasserwechsel sind daher oberste Pflicht. Leider bestehen vor allem in der wissenschaftlichen Literatur gravierende Fehlinformationen über das Vorkommen der Fische, die zu schweren Fehlern in der Pflege führen können. So ist laut Literatur N. celebensis im Poso-See heimisch, N. towoetii im Towuti-See. Sie kommen und kamen dort aber nicht vor, sondern in den kühlen Zuflüssen des Berglandes, manchmal auch in Abflüssen. Im Poso-See liegt die Wassertemperatur gewöhnlich zwischen 27 und 28°C, das Wasser ist leicht alkalisch (pH um 8) und das Wasser ist relativ weich (Gesamthärte um 5° dH, davon 4° KH). In den Bächen, in denen Nomorhamphus leben, steigt die Temperatur aber kaum einmal über 22°C!

Leider gehört Nomorhamphus celebensis (zumindest auf dem Papier) zu den stark bedrohten Tierarten. Als Hauptursache dafür werden die invasiven Fischarten, die in den Poso-See eingesetzt wurden, Wasserverschutzung aus unterschiedlichen Quellen und die intensive Speisefischerei angegeben. Wenn man aber bedenkt, dass im See selbst höchstens verirrte Nomorhamphus existieren, relativiert sich diese Einschätzung. Über negative Folgen von Fang und Export als Aquarienfisch gibt es keine Hinweise, es ist sehr unwahrscheinlich, dass es sie gibt. Dennoch wäre es schön, wenn eine stabile ex-situ-Population dieser Halbschnäbler aufgebaut werden könnte; aus bitterer Erfahrung mussten wir in der Vergangenheit lernen, wie schnell kommerziell unwichtige Fischarten wie N. celebensis und N. towoetii wegen als übergeordnet angesehenen wirtschaftlichen Interessen aussterben können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 438802 (als N. celebensis) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Papyrocranus afer

22. August 2025

Die Messerfische sind mit drei Arten im tropischen Afrika sehr weit verbreitet. Mit etwa 60 cm Gesamtlänge gehört Papyrocranus afer zu den großen Messerfischen, während eine zweite afrikanische Art, die ebenfalls in Nigeria vorkommt, Xenomystus nigri, mit 15-20 cm Endlänge zu den kleinsten (Altwelt-)Messerfischen zählt. Die dritte, allgemein akzeptierte Art ist Papyrocranus congoensis aus dem Kongo, der aquaristisch so gut wie nie zur Verfügung steht; er wird wohl nur wenig größer als 20 cm.

Aquaristische Erfahrungsberichte zu P. afer liegen seltsamerweise kaum vor, obwohl zumindest einige lokale Farbformen von P. afer sehr attraktiv gezeichnet sind. Allerdings gibt es einen Zuchtbericht von Ong Kay Yong, der in der TFH 1965 erschien. Demnach handelt es sich bei P. afer um einen paternalen Brutpfleger. 

Untereinander sollen die Tiere bissig sein. Wir können eine erhöhte Unverträglichkeit bei P. afer nicht beobachten, 15 – 20 cm lange P. afer leben bei uns friedlich in größerer Zahl (etwa 50 Exemplare) zusammen. Längerfristig haben wir die Art aber noch nicht gepflegt, man sollte darum die Warnungen ernst nehmen und die Fische gut beobachten, wenn man mehrere Exemplare pflegt, um bei eventuell auftretenden Streitigkeiten schnell eingreifen zu können. 

Grundsätzlich handelt es sich bei Papyrocranus um dämmerungs- und nachtaktive Raubfische, die ähnlich wie ihre aquaristisch besser bekannten asiatischen Verwandten der Gattung Chitala zu pflegen sind. Obwohl sich bei P. afer mehrere geografisch zuordenbare Farbformen finden, wurden diese bisher nicht als eigenständige Arten oder Unterarten beschrieben. Die von uns üblicherweise aus Nigeria importierten Tiere sind meist hellgefleckte Formen.

Papyrocranus sind obligatorische Luft­atmer, die regelmäßig an die Wasseroberfläche schwimmen und dort Luft holen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 155305 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Protocheirodon pi

22. August 2025

1977 erschien die „Bibel der Salmlerfreunde“, Jaques Gérys Buch „Characoids of the world“. Ganz am Ende des Buches, auf Seite 608, findet sich eine Abbildung eines zu der Zeit noch namenlosen Glassalmlers mit einer ganz auffällig gekammerter Schwimmblase. Dieses Tier wurde ein Jahr später – 1979 – von Richard P. Vari als neue Art Leptagoniates pi beschrieben. Der ungewöhnliche Artname „pi“ bezieht sich auf die für Salmlerverhältnisse einzigartig geformte Schwimmblase, die wie das altgriechische Schriftzeichen Pi (π) aussieht. Da Leptagoniates pi vollkommen transparent ist, kann man die Schwimmblase auch beim intakten Tier gut sehen. Die Gattungszuordnung des Tieres fiel Vari nicht leicht, er stellte es schließlich zu Leptagoniates.

Die neue Technik der molekularen Analyse in Verbindung mit morphologischen Untersuchungen erlaubte neue Einblicke in die Verwandtschaftsbeziehungen unter anderem auch der Salmler. Zwei molekulare Analysen kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die beiden bislang Leptagoniates zugeordneten Arten nicht einer gemeinsamen Entwicklungslinie entstammen, also nicht monophyletisch sind, dass sogar Leptagoniates steindachneri und L. pi unterschiedlichen Unterfamilien angehören: L. steindachneri zu den Aphyocharacinae, L. pi zu den Cheirodontinae! Leptagoniates pi steht entwicklungsgeschichtlich ganz am Anfang der Cheirodoninae. So stellten nun Vari, Bruno F. Melo und Claudio Oliviera konsequenterweise eine neue Gattung auf, Protocheirodon, der sie die einzige Art P. pi zuordneten. Eine traurige Notiz am Rande: die Beschreibung von Leptagoniates pi war eine der ersten Publikationen von Vari, die Beschreibung von Protocheirodon einer seiner letzten, sie erschien bereits postum. Richard P. Vari starb am 15. Januar 2016 im Alter von 66 Jahren an Krebs.

Während Leptagoniates steindachneri u.W. aquaristisch noch nicht in Erscheinung getreten ist, wird Protocheirodon pi ab und zu als Aquarienfisch aus Peru importiert. Wie wir heute wissen ist die Art sehr weit in Südamerika verbreitet und besiedelt nahezu alle bedeutenden Fluss-Systeme im zentralen und westlichen Amazonien, inklusive des Solimoes, Purus, Madeira und Ucayali. Man findet die Art oft über sandigen Böden im Randbereich von Fließgewässern und in stillen Totarmen. Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus liegt nicht vor, uns erscheint es, als seien die Weibchen etwas größer, aber wir haben das nicht anatomisch untersucht.

Die Pflege von Protocheirodon pi, für den wir den deutschen Gebrauchsnamen Kristallsalmler vorschlagen, ist nicht schwer. Die Gesellschaft anderer Fische gibt P. pi ein Gefühl von Sicherheit. Das müssen durchaus keine Artgenossen sein. Ein Schwarmfisch im eigentliche Sinne ist der Kristallsalmler nicht. Nur ausnahmsweise und wenn sie beunruhigt sind, ziehen sie im Trupp umher. Sobald sich die Fische eingeschwommen haben besetzen sie Miniaturreviere, die sie gegen Artgenossen in harmlosen Schaugefechten verteidigen. Man kan P. pi als absolut friedlichen Fisch bezeichnen. Gefressen wird jegliches übliche Fischfutter passender Größe, Pflanzen beschädigen die Tiere nicht. P. pi wird etwa 5 cm lang.

Für unsere Kunden: die Art hat Code 266003 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma concolor

15. August 2025

Bei Hoplisoma concolor (früher: Corydoras concolor) haben wir es mit einer unverwechselbaren Art aus dem Orinoko-Einzug von Kolumbien und Venezuela zu tun. Lediglich die Synonymisierung mit Corydoras esperanzae wurde lange Zeit verkannt, ist aber völlig unzweifelhaft. Der Erstbeschreiber Castro hat H. concolor in seiner Arbeit über die Panzerwelse Kolumbiens 1987 schlicht übersehen (die Art wurde bereits 1961 von Weitzman beschrieben) und die Abbildungen von C. esperanzae in dieser Studie zeigen eindeutig H. concolor.

Typisch für diese Art ist die extrem steile Stirnpartie. Der Artname „concolor“ ( = der Einfarbige) besagt im Wesentlichen, dass der Art ein auffälliges Melanophorenmuster fehlt. Es ist dennoch eine (stimmungsabhängig manchmal schwer erkennbare) Augenbinde vorhanden. Kleine Jungtiere haben ein feines Punktmuster und können u.U. mit H. polystictus verwechselt werden, der jedoch keine Augenbinde hat. H. polystictus ist mit einiger Sicherheit sehr eng mit H. concolor verwandt, stammt jedoch aus dem südlichen Südamerika (Rio Paraguay-Einzug). Erwachsene Tiere kann man nicht verwechseln.

Die Zucht von H. concolor gelingt – abgesehen von größeren Wasserwechseln – ohne besonderen Trigger, ähnlich wie man es von H. axelrodi kennt, wird aber nicht oft praktiziert, denn obwohl erwachsene H. concolor von großer Schönheit sind, präsentieren sich Jungtiere als echte graue Mäuse und sind infolge dessen nur an Kenner absetzbar.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 226004 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Castro, D. M. (1987): The fresh-water fishes of the genus Corydoras from Colombia, including two new species (Pisces, Siluriformes, Callichthyidae). Boletin Ecotrópica. No. 16: 23-57, Pls. 1-11

Text & Photos: Frank schäfer

Jordanella floridae

15. August 2025

Dieser Killifisch aus Nordamerika gehört zu den Evergreens in der Aquaristik und hat schon etliche Generationen von Aquarianern erfreut. Leider ist es in den letzten Jahren still um das attraktive Tier geworden. Doch jetzt sind wieder schöne Floridakärpflinge aus südostasiatischen Züchtereien zu bekommen. 

Jordanella floridae wird 4-6 cm lang und ist sehr temperaturtolerant, weshalb er in der warmen Jahreszeit auch gut zum Besatz von Mini-Teichen geeignet ist, wo er das aufkommen von Stechmückenlarven zuverlässig verhindert. Ferner zählen Fadenalgen zum Nahrungsspektrum, was den Teichbesitzer sicher auch nicht ärgert. In Algenpolster werden auch die Eier abgelegt, das Männchen verteidigt den Laichplatz gegen mögliche Laichräuber. In sehr kleinen Aquarien oder Mini-Mini-Teichen pflegt man den Floridakärpfling paarweise, sonst ist auch eine Gruppenhaltung problemlos möglich.

Männchen und Weibchen sind leicht am schwarzen Fleck in der Rückenflosse zu unterscheiden, den nur die Weibchen zeigen.

Sobald die Wassertemperatur dauerhaft unter 15°C sinkt, muss man den Floridakärpfling ins Haus holen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 327503 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Betta splendens Crowntail Black Orchid

15. August 2025

Crowntail-Bettas erfreuen sich großer Beliebtheit. Obwohl die Zuchtform vermutlich bereits in den 1960er Jahren bekannt war und das Gen für den Faktor Crowntail dominant vererbt wird, erlebten die Fische ihren Durchbruch in Mitteleuropa und Amerika aber erst Anfang dieses Jahrtausends. Ihre exakte Entstehungsgeschichte ist nicht dokumentiert, die erste uns bekannte belegbare Erwähnung war im Labyrinthfischbuch von Jörg Vierke aus dem Jahr 1978, da existierten Crowntails aber schon längst. Freaks unterscheiden Crowntails nach der Anzahl der Aufspaltungen der freien Flossenstrahlen-Enden und etlichen weiteren Kriterien. Aber das sind Fälle für Spezialisten, im Handel sind derart feine Unterscheidungen nicht praktikabel.

Wir haben gelegentlich ganz wunderbare schwarze Crowntails unter dem Namen „Black Orchid“ von einem thailändischen Zuchtbetrieb im Stock. Schwarze Kampffische waren und sind schon immer eine Besonderheit, denn die Farbe wird doppelt rezessiv (also „verdeckt“) vererbt und ihre Erzüchtung erfordert viel Geschick und züchterisches Wissen. Der „Black Orchid“ hat zudem noch Glanz-Deckfarben, was ihn nochmal attraktiver macht.

Die schwarzen Crowntails sind genau wie alle anderen Siamesischen Kampffische zu pflegen, es darf also unter normalen Umständen nur ein Männchen pro Aquarium gepflegt werden und bei Vergesellschaftung muss darauf geachtet werden, dass die anderen Fische nicht an den Flossen herum zupfen. Allzu lebhafte Fischarten scheiden als Gesellschafter für Bettas ebenso aus, wie Schleierguppys, die sehr oft von den Bettas angegriffen werden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 390163 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Girardinus metallicus „Schwarzbauch“

15. August 2025

Der Metall-Kärpfling, Girardinus metallicus, stammt, wie alle Girardinus-Arten (derzeit sind 7 Arten anerkannt), von Kuba. Er ist die einzige Art, die sich aquaristisch etablieren konnte. In der Natur kommen schwarzbäuchige Männchen nicht vor, jedenfalls hat dort nie jemand welche nachgewiesen; im Hobby findet man hingegen fast nur diese hübschen Tiere. 

Während man allgemein davon ausgeht, dass die schwarzbäuchigen (dieses Merkmal haben nur die Männchen) Girardinus metallicus eine Zuchtform darstellen, gibt es auch anderslautende Stimmen, die darauf hinweisen, dass sich das Balzverhalten der Schwarzbäuche deutlich von dem Balzverhalten der normal gefärbten Tiere unterscheidet und dass es sich daher vielleicht doch um eine unbeschriebene Art handelt.

Wie dem auch sei: der im männlichen Geschlecht gewöhnlich 3-4 cm (max. 5 cm), im weiblichen 5 cm (max. 9 cm) lange Metallkärpfling ist ein sehr lebhafter und hübscher Lebendgebärer, dessen Pflege man uneingeschränkt empfehlen kann.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 416704 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nannoptopoma sp. Zebra Rio Tigre (LDA110)

8. August 2025

Harnischwelse sind bekanntlich eine sehr artenreiche und formenreiche Fischgruppe. Die größten Arten können gut einen Meter lang werden; Nannoptopoma gehören zu den allerkleinsten bekannten Arten, sie erreichen nur ca. 3-4 cm Totallänge.

Die Gattung Nannoptopoma ist gut erkennbar anhand der sehr weit seitlich am Kopf sitzenden Augen, die eine Sicht nach oben wie nach unten erlauben. Eine derartige Augenstellung findet man sonst nur noch bei den erheblich größer werdenden Hypoptopoma und Oxyropsis. Zeitweise wurde Nannoptopoma sogar als Synonym zu Hypoptopoma gesehen, doch aktuellste wissenschaftliche Untersuchungen haben die Abspaltung und Eigenständigkeit von Nannoptopoma wieder bestätigt (Delapieve et al, 2018).

Bisher sind nur zwei Arten der Zwergsaugwelse der Gattung Nannoptopoma wissenschaftlich beschrieben, nämlich N. spectabile und N. sternoptychum; im Hobby kennen wir zudem zwei unbeschriebene Arten aus Peru, die im Aqualog Bookazine #9 als LDA109 und 110 vorgestellt wurden. Während N. spectabile und N. sternoptychum farblich wenig auffällig sind und sich vor allem anatomisch unterscheiden (die Brustflossen sind bei N. sternoptychum erheblich länger, zudem hat die Art eine Reihe auffälliger Knochenplättchen im Bereich des Brustgürtels), sind LDA 109 und 110 sehr attraktiv kontrastreich gefärbt und unterscheiden sich farblich deutlich voneinander.

Frisch importierte Nannoptopoma sind ziemlich empfindlich, was vermutlich mit der Qualität der Hälterung im Ursprungsland zu tun hat. Einmal erfolgreich eingewöhnt (wobei sich stichfester Joghurt als Futtermittel zum Wiederaufbau einer gestörten Darmflora sehr bewährt hat, Mike Meuschke, mündl. Mitt.) sind sie aber keineswegs extrem an­spruchs­voll. Genügend Totlaub als Basisnahrung sollte stets im Aquarium vorhanden sein (Buche, Eiche, Seemandel, kleine Mengen Walnuss). Manche Pfleger empfehlen größere Aquarien, die die Tiere zum großen Teil von allein ernähren und stabilere Wasserbedingungen bieten. In jedem Fall sind Nannoptopoma-Arten nur Pflegeobjekte für erfahrene Aquarianer, zumal sie sich oft recht scheu zeigen.

Nannoptopoma sp. Zebra / LDA110 aus Peru (Rio Tigre-Einzug) steht in anatomischer Hinsicht N. spectabile näher als N. sternoptychum und wird auch häufig im Handel als N. spectabile bezeichnet. Wie bei N. spectabile reichen die Spitzen der angelegten Brustflossen nicht bis zum Ansatz der Afterflosse und Knochenschilder auf der Bauchseite oberhalb des Schultergürtels fehlen. Es gibt jedoch keinen Zweifel daran, dass es sich bei LDA110 um wissenschaftlich neue, unbeschriebene Spezies handelt, denn N. spectabile ist mehr der weniger einfarbig braun gefärbt. Nannoptopoma sp. Zebra Rio Tigre (LDA110) wurde und wird auch als N. sp. „Peru“ bezeichnet, was aber insofern unglücklich ist, da drei der vier hier genannten Arten in Peru vorkommen.

Über die Zucht wurde unseres Wissens noch nicht berichtet, aber die nah verwandte N. spectabile konnte bereits erfolgreich im Aquarium vermehrt werden (Weidner & Dotzer, 2004). Das Fortpflanzungsverhalten erinnert an Hypoptopoma, d.h. die Tiere sind keine Höhlenlaicher, sondern die Gelege werden offen (z.B. an einer der Aquarienscheiben) abgesetzt, aber die Männchen betreiben Brutpflege bis zum Freischwimmen der Jungtiere. Männchen und Weibchen scheinen sich bei LDA110 durch die Bestachelung der Bauchflossen zu unterscheiden (mit Dornen bei den vermutlichen Männchen). Außerdem ist die Kopffärbung bei manchen Tieren eher rötlich (vermutliche Männchen), bei anderen eher blass (vermutliche Weibchen).

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 271294 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Delapieve, M. L. S., P. Lehmann A and R. E. Reis (2018): An appraisal of the phylogenetic relationships of Hypoptopomatini cascudinhos with description of two new genera and three new species (Siluriformes: Loricariidae). Neotropical Ichthyology v. 15 (no. 4) e170079 (für den 18 Dez. 2017): 1-37

Weidner,T. & Dotzer,P.(2004): Klein, aber oho! Nannoptopoma cf. spectabilis. (Das Aquarium, 415,1:21-24): 2004/01:21-24

Text & Photos: Frank Schäfer

Nomorhamphus cf. kolonodalensis

8. August 2025

Erstmals gelang uns der Import einer hochinteressanten, offenbar kleinbleibenden Halbschnäbler-Art aus Sulawesi (früher Celebes), bei der es sich höchstwahrscheinlich um N. kolonodalensis handelt. Diese Art wurde im Jahr 2000 wissenschaftlich beschrieben. Ihre Artbezeichnung hat sie nach der Kolonodale-Region. Von dort kommen auch die Schwarzen Sulawesi-Halbschnäbler Nomorhamphus celebensis und N. towoetii, die gemeinsam mit dieser Spezies importiert wurden. 

Soweit wir wissen sind bislang nur Weibchen-Bilder von lebenden Tieren von N. kolonodalensis publiziert worden. Diese stimmen sehr gut mit unseren Tieren überein. Die Männchen sind polychromatisch; einige stimmen gut mit der Farbbeschreibung in der wissenschaftlichen Erstbeschreibung überein, andere nicht. Da also gewisse Zweifel bleiben, haben wir uns entschlossen, ein „cf.“ zwischen Gattungs- und Artnamen einzufügen, um klar zu machen, dass die Bestimmung von uns nicht als ganz gesichert angesehen wird.

Unsere Exemplare sind in beiden Geschlechtern 4-5 cm lang (Gesamtlänge mit Schwanzflosse). Das größte Exemplar, das in der Erstbeschreibung erwähnt wird, war 67,9 mm lang (ohne Schwanzflosse). Vermutlich werden die Fische also noch etwas wachsen. Aber sie sind bereits sexuell hochaktiv. Besonders auffallend ist das häufige Schnabelaufreißen, das die Männchen als Imponier- und Balzgehabe zeigen. Es wird also sowohl gegen Männchen wie auch gegen Weibchen gezeigt. Wir konnten keinen Zusammenhang zwischen Färbung und Schnabelaufreiß-Aktivität feststellen. Ein Männchen mit völlig farblosen Flossen war ebenso aktiv wie eines mit orangefarbenen Flossenanteilen. Nur die farblich besonders auffallenden Männchen mit rot-orangefarbenen Flossen und kräftig schwarzen Markierungen in Rücken- und Afterflosse zeigten sich zurückhaltend.

Wegen dieses stark ausgeprägten Imponierverhaltens sollte man die kleinen Fische in großen Aquarien mit viel Strömung und Deckung im Oberflächenbereich (hochgewachsene Pflanzen wie Vallisnerien, deren Blätter an der Wasseroberfläche fluten.) pflegen. Unterdrückte Exemplare könnten sonst durch Distress Schaden nehmen. Körperliche Verletzungen durch Bisse haben wir allerdings nicht festgestellt. Nomorhamphus-Arten verlangen kühles Wasser zwischen 18 und 23°C. Ansonsten ist die Pflege nicht schwer. Das Wasser solle leicht alkalisch sein. Flockenfutter wird gerne genommen, das Verfüttern von Fruchtfliegen (Drosophila) und lebenden Mückenlarven wird sich aber sicher positiv auf das Wohlbefinden und die Anzahl der Jungtiere auswirken. Alle Nomorhamphus-Arten sind lebendgebärend.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code (438873) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Trichopsis schalleri

8. August 2025

Schallers Knurrender Gurami gehört zu den leider nur selten erhältlichen Labyrinthfischen. Die hübschen Tiere stammen meist aus Zentral-Thailand (sie kommen bis recht weit in den Norden des Landes und auch in Vietnam vor) und werden etwa 4 cm lang. Damit werden sie etwas größer als der Knurrende Zwerggurami (Trichopsis pumila 2,5-3 cm) und bleiben etwas kleiner als der Große Knurrende Gurami (T. vittata bis 6 cm).

Es handelt sich um sehr anspruchslose Fische, die sich ideal für ein Gesellschaftsaquarium mit kleinen, friedlichen Fischen aus Südostasien – z.B. Rasbora-Arten – eignen. Im Gegensatz zu vielen anderen Labyrinthfischen bauen die Männchen ihr Schaumnest gerne unter ein breites Pflanzenblatt oder in Höhlen, nur selten wird es an der Wasseroberfläche angelegt.

Knurrende Gurami heißen so, weil sie gut hörbare Knarr-Laute produzieren können. Diese Laute entstehen, indem der Fisch mit einem Knochen über Sehnen streicht, die über die luftgefüllte Schwimmblase laufen. Knurrende Guramis spielen also sozusagen Gitarre. Das Knurren selbst ist Kraftmeierei. Die Fische knurren und wer am lautesten knurrt, gewinnt. Bei der Paarung zeigen die Männchen durch knurren auch an, dass sie ganz toll und stark sind. Aber auch die Weibchen knurren bei dieser Art und sind sehr emanzipiert.

Die Geschlechter sind bei Trichopsis nur schwer und nur bei laichreifen Tieren zu unterscheiden. Dann sieht man im Gegenlicht, dass die Eierstöcke der Weibchen schräg nach hinten zur Körpermitte aufsteigen, die Eingeweidepartie erscheint also wie ein Dreieck. Die Hoden der Männchen sind dünne Stränge entlang der Wirbelsäule und kaum sichtbar. Dadurch erscheinen die Eingeweide im Gegenlicht am zum Schwanz hin abgerundet.

Ganz selten finden sich unter unseren Schallers Knurrenden Gurami auch senkrecht gestreifte Tiere. Das Phänomen tritt in beiden Geschlechtern auf. Es ist noch nicht geklärt, ob es sich dabei um eine Mutation oder um eine weitere Spezies handelt.

Die Wasserwerte spielen für die Pflege keine Rolle, jedes Trinkwasser eignet sich. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 24-28°C liegen, zur Zucht auch etwas höher. Gefressen wird jedes Zierfischfutter passender Größe. Pflanzen bleiben von Knurrenden Guramis unbehelligt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 470903 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Synodontis petricola ( = S. lucipinnis)

8. August 2025

Die Fiederbartwelse (Synodontis) des Tanganjikasees wurden weltberühmt, als man bei einer ihrer Arten ein Kuckucksbrutverhalten feststellte. Dabei jubeln die Welse ihren Laich maulbrütenden Buntbarschen unter. Die Welse werden von den Buntbarschen nicht nur ausgebrütet, sondern die Brutschmarotzer ernähren sich sogar von den jungen Buntbarsch-Stiefgeschwistern im Muttermaul. Dieses faszinierende und einmalige Verhalten wollten viele Aquarianer beobachten und so stieg die Nachfrage nach Synodontis aus dem Tanganjikasee gewaltig an. Es stellte sich schnell heraus, dass da mehrere, teils sehr ähnlich aussehende Welsarten vorkommen. Die Bestimmung dieser Welse machten Wissenschaft und Aquarianern das Leben schwer. Es zeigte sich jedoch bald, dass viele Synodontis des Sees kein Kuckucksverhalten zeigen, sondern Spaltenlaicher sind, ihre Eier also in Felsspalten etc. deponieren und sich anschließend selbst überlassen.

Unter den nicht-schmarotzenden Welsen ist Synodontis petricola die am häufigsten importierte und nachgezüchtete Art. Ähnlich wie bei den Tropheus-Buntbarschen des Sees gibt es viele unterschiedlich aussehende Synodontis petricola („Phänotypen“). Es war lange umstritten, ob das nun auch andere Arten sind. Von den anderen ähnlich aussehenden Fiederbartwelsen des Sees unterscheiden sich die Synodontis petricola-artigen durch einen schneeweißen Rückenflossenstachel; daran kann man sie gut erkennen. Ein relativ kleinbleibender Phänotyp dieser Synodontis petricola-Gruppe wurde 2006 als Synodontis lucipinnis wissenschaftlich beschrieben. Ihn und eine sehr ähnliche, noch kleinere Form nannte man im Hobby „Dwarf-Petricola“.

Ganz aktuell (September 2024) wurde eine neue große Studie über die Synodontis des Tanganjikasees und seiner Zu- und Abflüsse veröffentlicht (Englmaier et al.). Mit frisch gesammeltem, umfangreichen Material und einer Nachuntersuchung des Museumsmaterials wurden sowohl morphologische ( = körperliche) wie auch genetische Merkmale erneut kritisch untersucht und auf den Prüfstand gestellt. Dabei kam u.a. heraus, dass S. lucipinnis in die Varianz von  S. petricola fällt und als eigenständige Art keinen Bestand hat. Die Autoren bestätigen die Vielzahl von Phänotypen bei S. petricola, es gibt auch (wie zu erwarten war) genetische Unterschiede zwischen ihnen, doch sind diese Unterschiede zu geringfügig, um die Aufstellung separater Arten zu rechtfertigen. In der gleichen Arbeit – das soll hier nur am Rande erwähnt werden – wird der Kuckuckswels S. grandiops mit dem Kuckuckswels S. multipunctatus gleichgestellt, der gültige Name für den Kuckuckswels ist also wieder S. multipunctatus. Und S. ilebrevis wird mit S. polli synonymisiert, letzterer ist der gültige Name.

Synodontis petricola ist ein wunderschöner Fiederbartwels, der mit gewöhnlich 8-10 cm Länge (ganz alte Tiere mögen in riesigen Aquarien auch einmal 15 cm erreichen) zu den kleineren Arten in der Gattung Synodontis gehört. Ihre attraktive Färbung, ihr munteres Wesen und ihr interessantes Verhalten sind die Gründe für ihre große Beliebtheit. S. petricola wird gegenwärtig fast ausschließlich als Nachzucht angeboten und ist eine perfekte Welsgesellschaft für Tanganjika-Buntbarschaquarien, passt aber auch gut in andere Gesellschaften. Das Wasser sollte einen pH-Wert über 7,5 haben und 25°C oder wärmer sein, ansonsten stellen die Fische keine besonderen Ansprüche. Untereinander und gegen artfremde Fische sind sie gewöhnlich friedlich. Vereinzelte Ausnahmen bestätigen die Regel. Gefressen wird alles übliche Zierfischfutter. Diese Welse leben in der Natur im flachen Wasser; im Freileben sind sie nur nachts und in der Dämmerung wirklich aktiv. Tagsüber suchen sie dämmerige Verstecke auf, was man ihnen auch im Aquarium bieten sollte. Nach der Eingewöhnung sind S. petricola aber im Aquarium auch tagsüber oft unterwegs, besonders zu Fütterungszeiten.

Für unsere Kunden: diese Welse haben Code 185400 (2-3 cm) bis 185406 (12-14 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Englmaier, G. K., R. Blažek, R. Zimmermann, V. Bartáková, M. Polačik, J. Žák, D. P. Mulokozi, C. Katongo, H. H. Büscher, L. Mabo, S. Koblmüller, A. Palandačić & M. Reichard (2024): Revised taxonomy of Synodontis catfishes (Siluriformes: Mochokidae) from the Lake Tanganyika basin reveals lower species diversity than expected. Zoological Journal of the Linnean Society v. 202 (art. zlae130): 1-38.

Text & Photos: Frank Schäfer