Archiv für den Autor: Frank Schäfer

Pyrrhulina spilota

27. März 2026

Die Salmler der Gattung Pyrrhulina vereinen in sich die Vorteile zweier Aquarienfischgruppen: die der stets gut sichtbaren, im freien Wasser herumschwimmenden Salmler und Barben und die der Buntbarsche und Labyrinther, die ein sehr interessantes Verhalten zeigen. 

Eine der schönsten Pyrrhulia-Arten ist P. spilota, die wir immer wieder einmal aus Peru importieren können. Gewöhnlich schwimmen P. spilota ganz so, wie man es von Salmlern gewohnt ist, im freien Wasser umher. Dabei bevorzugen sie das obere Drittel der Wassersäule, sind aber grundsätzlich überall unterwegs. Sie fressen jede Art von Fischfutter, auch Trockenfutter, und lassen die Pflanzen unangetastet. So weit gleicht ihr Verhalten also dem anderer Salmler weitestgehend.

Wenn die Tiere in Brutstimmung kommen, wird alles anders. Die Männchen entwickeln zur Brutzeit fantastische Farben und besetzen Reviere, am liebsten bei einer breitblättrigen Pflanze, zur Not auch bei einem Stein oder einer Wurzel. Denn hierauf laichen die Fische ab. Anders als bei anderen Salmlern, die ihre Eier ungerichtet verstreuen, produzieren Pyrrhulina ein kompaktes Gelege, das gut vergleichbar zu einem Buntbarschgelege ist. Es gibt in dieser Zeit kein Männchen, das nicht etwas ausgefanste Flossen von Imponierkämpfen mit anderen Männchen hätte. Das gehört dazu, ist völlig normal und harmlos. Wenn die Laichzeit vorüber ist, wächst alles nach.

Das Männchen übernimmt, wie bei den Labyrinthern, die Brutpflege. Und es nimmt seine Aufgabe sehr ernst! Eventuelle Mitbewohner sind gut beraten, dem Gelege nicht zu nahe zu kommen. Mit dem Schlupf der Jungen erlischt der Brutpflegetrieb und Pyrrhulina werden wieder zu ganz normalen, schönen Salmlern…

Für unsere Kunden: P. spilota hat – je nach Größe – Code 286782 bis 286785 auf unserer Stockliste; meist werden uns die Fische in gemischter Größe geschickt. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis sp. CW220

27. März 2026

Unglaublich, dass in dem ichthyologisch so gut untersuchten Kolumbien noch ständig neue Panzerwelse entdeckt werden! Sicher hat der Hype um den im Herbst letzten Jahres (2025) entdeckten und erstmals importierten Hoplisoma sp. aff. concolor CW217 dazu beigetragen, dass die Exporteure auch abseits der altbekannten Fischgewässer nach interessanten Arten suchen – und auch sie auch finden! Drei neue CW-Nummern wurden kürzlich vergeben, wir konnten jetzt alle drei importieren: Hoplisoma sp. CW218, Hoplisoma sp. CW219 und Brochis sp. CW220.

Beginnen wir mit dem zuletzt genannten Brochis sp. CW220, also einem Langschnäuzer. Das Zeichnungsmuster entspricht dem altbekannten Hoplisoma davidsandsi aus dem mittleren Rio-Negro-Einzug in Brasilien. Das bedeutet: Augenband vorhanden und deutlich ausgeprägt, zwischen Augenband und Beginn der Rückenbinde eine deutliche Lücke, Rückenband beginnt unterhalb des Ansatzes der Rückenflosse an der Rückenkante und läuft von hier aus schräg nach unten bis zum Ansatz der Schwanzflosse an der Bauchkante; alle Flossen ohne schwarze Zeichnungselemente.

Brochis-Arten (also Langschnäuzer) mit dem Zeichnungsmuster von Hoplisoma davidsandsi (einem Rundschnäuzer) haben bislang folgende Code-Nummern erhalten: C52 (Peru), C159 (Brasilien, Rio Purus), CW89 (Kolumbien, Rio Vaupes) und CW106 (Kolumbien, Rio Cuduyaria, ein Zufluss des Rio Vaupes); wissenschaftlich beschrieben wurde bislang u.W. keine davon. Nun kommt also noch Brochis sp. CW220 hinzu, der nach Angaben von Ian Fuller (www.corydorasworld.com) in Lagunen in den oberen Quellregionen des Rio Vaupes nahe der Stadt Calamar in Kolumbien gefunden wird. 

Auffällig ist die gelbliche Tönung der Flossen, wie man das auch von etlichen Fundortvarianten des kolumbianischen Osteogaster melanotaenia kennt (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-melanotaenia/). Insgesamt ist Brochis sp. CW220, der höchstwahrscheinlich 5-6 cm lang wird ein sehr schöner Fisch, eine Bereicherung des Hobbys.

Für unsere Kunden: CW220 hat Code 226564 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW219

27. März 2026

Hoplisoma sp. CW219 stammt, genau wie der schon vorgestellte Brochis sp. CW220 nach Angaben von Ian Fuller (www.corydorasworld.com) aus Lagunen in den oberen Quellregionen des Rio Vaupes nahe der Stadt Calamar in Kolumbien; beide Arten werden als typisches Langschnäuzer/Rundschnäuzer-Artenpaar auch oft gemischt exportiert.

Aus der Hoplisoma ( = Rundschnäuzer)-Gruppe von Arten, die farblich H. davidsandsi nahestehen (das bedeutet: Augenband vorhanden und deutlich ausgeprägt, zwischen Augenband und Beginn der Rückenbinde eine deutliche Lücke, Rückenband beginnt unterhalb des Ansatzes der Rückenflosse an der Rückenkante und läuft von hier aus schräg nach unten bis zum Ansatz der Schwanzflosse an der Bauchkante; alle Flossen ohne schwarze Zeichnungselemente), sind bislang folgende Formen bekannt: C84 (Brasilien, Rio Tiquie); CW88 (Brasilen, Rio Jurua); CW91 (Kolumbien, Rio Vaupes) und CW107 (Kolumbien, Rio Cuduyaria, ein Zufluss des Rio Vaupes). Sie sind allesamt einander sehr ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich durch die Breite der Rückenbinde und Details in der Körperform. Ob es sich bei allen C- und CW-Nummern tatsächlich um unterschiedliche Arten handelt, kann man gegenwärtig nicht sagen, aber das ist ja auch gar nicht der Anspruch dieser Nummerierung.

Auch Hoplisoma sp. CW219 wirkt – genau wie der dazu gehörige Brochis sp. CW220 – sehr viel gelblicher in den Flossen und der Körpertönung, verglichen mit den lehmfarbigen anderen Panzerwelsen diesen Aussehens. Es sind sehr hübsche Tiere. Hoffen wir, dass die gelben Farbtöne auch langfristig bei der Aquarienpflege vorhanden bleiben und an die Nachzuchten vererbt werden. Manchmal sind solche Farbabweichungen ja nur temporär und im Freiland vorhanden. Man wird sehen…

Für unsere Kunden: Hoplisoma sp. CW219 hat Code 226663 in unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW218

27. März 2026

Hoplisoma sp. CW218 gehört in eine Gruppe ungewöhnlicher Zwergpanzerwelse, die nur durch vergleichsweise wenige Arten repräsentiert ist. Wissenschaftlich ist überhaupt nur eine Arten beschrieben, die sehr ähnlich zu H. sp. CW218 ist, nämlich H. osteocarus (Kolumbien, Venezuela, Surinam, Orinoko-Einzug und Küstenflüsse); manchmal wird der Artname auch osteocarum geschrieben, wir diskutieren das hier nicht. Gemeinsames Kennzeichen sind der sehr kurze Kopf mit runder Schnauze, eine deutlich ausgeprägte Augenbinde, ein steil ansteigender Vorderrücken, eine senkrechte rauchgraue bis schwarze Zone am Beginn der Rückenflosse, ansonsten farblose Flossen und auf dem Körper verteilt ein unregelmäßiges Pfeffer-und-Salz-Muster.

Verwechslungsarten zu CW218 sind neben H. osteocarus noch CW104 (Kolumbien, Rio Cuduyari, ein Zufluss der Rio Vaupes) und CW142 (Brasilien, Rio Purus); wir hoffen, keine C- oder CW-Nummer übersehen zu haben. CW218 soll aus dem oberen Einzug des Rio Vaupes bei der Stadt Calamar gesammelt werden. Die Ähnlichkeit zu CW104 ist sehr groß, wahrscheinlich handelt es sich bei den beiden um die gleiche zoologische Art; Bilder von CW104 zeigen einen etwas schlankeren Fisch, aber das kann altersabhängig sein. Vom geografisch in Frage kommenden H. osteocarus unterscheiden sich CW104 und CW218 farblich: sehr charakteristisch für H. osteocarus ist ein dunkler Bogenfleck an der Basis der Schwanzflosse.

Die H. sp. CW218, die wir gerade importieren konnten, sind 2-3 cm lang und scheinen geschlechtsreif zu sein (die Weibchen sind etwas größer). Wesentlich über 4 cm Länge sind bei den Fischen wohl nicht zu erwarten. Sie halten sich sehr gut, zeigen aber unmittelbar dem Umsetzen manchmal Unwohlsein; diesbezüglich sollte man also besser vorsichtig sein, wenn die Tiere aus einem Wasser kommen, das vom heimischen Aquarienwasser stark abweicht.

Für unsere Kunden: Hoplisoma sp. CW218 haben Code 226643 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pangio shelfordii

20. März 2026

Eine der ungewöhnlichsten Dornaugen-Arten ist Pangio shelfordii. Die Zeichnung der maximal 8 cm langen, dabei aber sehr dünnen Tiere, ist ein Muster, das an Leopardenfell erinnert. Ähnlich gefärbt sind manche Farbmorphen von Pangio alternans (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pangio-alternans/), doch sind jene Dornaugen deutlich gedrungener im Körperbau.

Die Verbreitung von Pangio shelfordii erstreckt sich – soweit erforscht – über Teile der Malaiischen Halbinsel, Sumatra (inklusive einiger kleiner vorgelagerter Inseln), und Borneo. Im Gesamtareal kommt das Dornauge allerdings nicht flächendeckend vor, sondern ist eher lokalisiert anzutreffen. Das erklärt auch, warum diese hübschen Tiere zwar immer wieder einmal, jedoch nicht regelmäßig im Handel anzutreffen sind. Exportiert werden sie übrigens oft unter der Bezeichnung „Pangio muraeniformis“. Diese Art gibt es und sie hat auch einen ähnlich schlanken Körperbau. Die beiden Arten P. shelfordii und P. muraeniformis wurden zeitweilig miteinander synonymisiert (dann ist P. shelfordii der gültige, weil deutlich ältere Name). Inzwischen glaubt man aber wieder, dass es doch getrennte Arten sind, wobei P. muraeniformis typischerweise ein Längsband entlang der Körpermitte hat (in Wirklichkeit sind es viel Punkte, die optisch zu einem Längsband verschmelzen) und Johore und Singapur besiedelt. Insgesamt gilt hier, wie bei so vielen Dornaugen, dass die große Zeichnungsvielfalt es sehr schwierig macht, Arten voneinander sicher abzugrenzen.

Aber das ist eigentlich egal, wenn es um die Aquarienpflege geht. Dornaugen aller Art haben sich als hübsche und harmlose Restverwerter für Asienbecken mit zarten Arten seit Jahrzehnten bewährt. Der einzige Nachteil, den die Tiere haben: man sieht sie oft wochenlang nicht. Und meist ist das vollständige Ausräumen des Aquariums die einzige Möglichkeit, sie wieder einzufangen. Man sollte Dornaugen ein Flecken mit weichem Sandboden gönnen, in den sie sie eingraben können. Weiches und leicht saures Wasser mögen sie wohl am liebsten, aber aus praktischer Erfahrung weiß man auch, dass sie sogar in „steinhartem“ Wasser mit einem pH über 8 viele Jahre munter leben können. Gefressen wird alles, was ins Mäulchen passt. Wichtig ist aber, dass man den Tieren eine Mulmecke gönnt. Denn Mulm – das ist der braune Schlamm aus Kot, Futter- und Pflanzenresten, der sich in jedem Aquarium irgendwann bildet – ist nichts Böses. Er stellt in der Natur einen wichtigen Nahrungsbestandteil für viele Kleinfische dar. Ohne Mulm leidet die Darmflora solcher Fische und sie werden immer magerer, trotz ansonsten guter Futterversorgung. Die Wassertemperatur für Dornaugen kann zwischen 22 und 28°C liegen, zeitweilig etwas mehr oder weniger schadet auch nicht.

Für unsere Kunden: P. shelfordii hat Code 441074 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Dicrossus foirni ( = sp. Rio Negro)

20. März 2026

Endlich ist Dicrossus foirni wieder lieferbar! Dieser nur extrem selten importierte Zwergbuntbarsch war früher unter dem Namen Dicrossus sp. „Rio Negro“ bekannt. 

Ausgewachsen sind diese Fische eine echte Schau. Die Pflege ist nicht sehr schwierig, doch zur Zucht braucht man ziemlich extreme Wasserwerte (pH unter 5, Härte praktisch null), damit sich der Laich entwickeln kann. Einen kleinen Film von der Art finden Sie auf unserer Facebook-Seite: 

https://www.facebook.com/video.php?v=1430331670514501&set=vb.119893808211837&type=3&theater

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 668802 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Ursula Glaser-Dreyer, Frank Schäfer

Megalodoras uranoscopus

20. März 2026

Die Dornwelse (Doradidae) sind eine kleine Familie südamerikanischer Welse. Gegenwärtig unterscheidet man 31 Gattungen mit 96 Arten, doch werden ständig noch neue Arten entdeckt und beschrieben. Die größten Dornwelse werden über 100 cm lang: Opsodoras niger, dessen Rekord bei 120 cm und 20 kg Gewicht liegt, die kleinste Art nur 3,5 cm (Physopyxis lyra). Die meisten Arten erreichen 10-20 cm Länge.

Die Gattung Megalodoras stellt große Arten. Ihre Vertreter können über 50 cm lang werden. Es gibt nach gegenwärtigem Wissensstand 2-3 Arten, von denen zwei allgemein akzeptiert sind: M. uranoscopus (ein bekanntes Synonym ist M. irwinei) aus dem Amazonas-Gebiet und M. guayoensis aus dem Orinoko-Einzug. Die 1911 unter dem Namen Oxydoras huberi beschriebene Art aus dem Rio Tocantins wird unter Fachleuten noch diskutiert. Man ist sich relativ einig, dass es sich dabei um einen Megalodoras handelt. Bekannt ist auch, dass sich die Megalodoras aus dem Rio Tocantins von den bekannten Megalodoras aus dem Amazonas-Gebiet unterscheiden und vermutlich eine eigene Art darstellen, die dann M. huberi heißen könnte. Aber, wie gesagt, das wird noch diskutiert.

Die Megalodoras uranoscopus im Handel stammen meist aus Peru, so auch alle Tiere, die diesen Post illustrieren. Besonderes Kennzeichen dieser Tiere sind die 15-18 seitlich am Körper befindlichen Knochen-Schilder, die mit mächtigen Abwehrhaken ausgestattet sind. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in der Draufsicht. Über die Lebensweise dieser Fische in der Natur ist wenig bekannt. Man findet bei Magenuntersuchungen allerdings regelmäßig Muscheln und Schnecken, die mit der Schale gefressen werden, in den Dornwelsen. Es sind aber keine Nahrungsspezialisten, im Aquarium fressen sie willig jedes angebotene Futter tierischen Ursprungs. Untereinander und gegen artfremde Fischen sind sie friedlich, wir gehen allerdings davon aus, dass kleine Fische, die ins Maul passen, auch als Futter angesehen werden. Die Wasserwerte sind nebensächlich, die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Als nacht- und dämmungsaktive Tiere benötigen solche Dornwelse ausreichend Tagesverstecke. Nach der Eingewöhnung lassen sie sich aber auch häufig tagsüber sehen, besonders, wenn gefüttert wird.

Für unsere Kunden: diese Welse haben, je nach Größe, Code 267522 (6-9 cm) bis Code 267528 (40-50 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Epinephelus lanceolatus

20. März 2026

Mit maximal 270 cm Länge und 400 kg Gewicht ist der Riesen-Zackenbarsch Epinephelus lanceolatus einer der größten riffgebunden lebende Knochenfisch der Erde. Leider ist der imposante Riese fürchterlich überfischt. Da dieser Raubfisch ein außerhalb der Fortpflanzungszeit hochgradig unverträglicher Einzelgänger ist, gibt es nicht viele Individuen. Denn dieser Koloss will ja auch ernährt sein. Das Nahrungsspektrum umfasst hauptsächlich Krebstiere (am liebsten Langusten), aber auch Kopffüßer und Fische. Wählerisch ist er also nicht und gerüchteweise sollen sehr große Exemplare auch schon Menschen angegriffen und verschlungen haben. Diese Art hat das größte Verbreitungsgebiet aller Zackenbarsche: man findet ihn  (wenn man ihn findet) im gesamten Indo-Pazifik, also im Indischen Ozean, im Roten Meer, bis nach Südafrika und im Westen bis nach Hawaii, dann noch im im westlichen Pazifik vom südlichen Japan bis nach Australien und den Ozeanischen Inseln. Auch wenn die Internationale Rote Liste der bedrohten Tierarten Epinephelus lanceolatus als „dd“ (das bedeutet data deficient, also mangelhafte Datenlage) listet, so besteht doch kein Zweifel, dass mehr Riesen-Zackenbarsche gegessen werden, als von Natur aus nachwachsen. Der Riesen-Zackenbarsch ist darum Gegenstand von Aquakultur und seine Zucht als Speisefisch wird intensiv betrieben. Aus solcher Aquakultur stammen auch die schönen Jungtiere, die wir ab und zu importieren.

Eine Besonderheit dieser Art ist, dass sie regelmäßig in Flussmündungen angetroffen wird und auch die vorübergehende Pflege in reinem Süßwasser ist möglich. Auf die Dauer geht das allerdings nicht. Ähnlich wie bei Brackwasser-Kugelfischen liegt das Problem dabei wohl weniger darin, ob ausreichend Salz vorhanden ist, als daran, dass diese Zackenbarsche gewaltige Fresser sind. Sie fressen, bis der Bauch zu platzen droht. Entsprechend ist ihre Stoffwechselrate. Während der Eiweiß-Verdauung anfallende Abfallstoffe werden bei allen Fischen in Form von Ammonium über die Kiemen ausgeschieden. Dieses Ammonium verwandelt sich bei höheren pH-Werten über 8 (und solche pH-Werte sollten Brackwasserfische und Meeresfische immer im Aquarium haben) in hochgiftiges Ammoniak, das von den Filterbakterien über immer noch sehr giftiges Nitrit zu harmlosem Nitrat umgewandelt wird. Wenn man jetzt noch weiß, dass Salz die Giftwirkung von Nitrit für Fische deutlich herabsetzt, weiß man, warum die dauerhafte Pflege von Brackwasserfischen in Süßwasser sehr problematisch ist.

Wie viele Zackenbarsche ist Epinephelus lanceolatus ein protogyner Zwitter, d.h., alle Tiere sind zunächst funktionelle Weibchen und nur alte Tiere wandeln sich zu funktionellen Männchen um. Im Laufe des Wachstums verändern diese Fische sich sowohl anatomisch wie auch farblich erheblich, was die stattliche Anzahl von Synonymen erklärt. Nur Jungtiere bis ca. 20 cm Länge sind so schön kontrastreich schwarz-weiß oder schwarz-gelb gefärbt. 20 bis 50 cm lange junge erwachsene Tiere entwickeln mehr und mehr weiße oder gelbe Punkte in den dunklen Zonen des Körpers. Mit 80-150 cm Länge sind Riesen-Zackenbarsche dunkelbraun mit undeutlicher Fleckenzeichnung und zahlreichen schwarzen Punkten in den Flossen. Große erwachsene Tiere (160 bis 230 cm) sind nur noch dunkelbraun mit dunkleren Flossen.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass sich der Riesen-Zackenbarsch nur für wirklich große Meerwasseraquarien eignet, wie sie in erster Linie in Zoos und Schauaquarien anzutreffen sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 415531 (6-8 cm), 415532 (8-10 cm) und 415534 (15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Otocinclus mimulus

20. März 2026

Von Zeit zu Zeit können wir aus Paraguay einen bildhübschen und äußerst seltenen Otocinclus anbieten, nämlich O. mimulus. Neben allen bekannten guten Eigenschaften, die diese Art mit den anderen Vertretern der Gattung Otocinclus teilt – also geringe Größe, Friedfertigkeit, gutes Algenputzen auf Pflanzenblättern, Tagaktivität – hat diese spezielle Art noch eine Besonderheit. Sie lebt nämlich zusammen mit einer Hoplisoma-Art, der sie farblich gleicht. Dieses Phänomen nennt man Mimikry. Die Panzerwels-Art, es handelt sich um H. diphyes (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_diphyes_und_otocinclus_mimulus_de/) haben wir auch manchmal im Stock. Dann ergibt sich die Gelegenheit, beide Arten zusammen im Aquarium zu beobachten.

Der Panzerwels Hoplisoma (früher: Corydoras) diphyes und der Zwergsaugwels Otocinclus mimulus stammen aus dem Einzug des Rio Monday, einem rechtsseitigen Zufluss des Rio Parana in Paraguay.

In ihrem natürlichen Habitat leben Hoplisoma diphyes und Otocinclus mimulus in großen Schwärmen, wobei die Zeichnung von O. mimulus der von H.diphyes ähnelt. Auf diese Weise versuchen die Otocinclus sich vor ihren Feinden zu schützen, im vorliegenden Fall hauptsächlich vor Saxatilia (früher: Crenicichla) lepidota (Hechtcichlide). Die Hechtcichliden meiden die stacheligen Panzerwelse, die ihnen beim Versuch, sie zu fressen, schmerzhafte Wunden zufügen. Davon profitieren die Otocinclus. Aber auch in der Draufsicht sehen sich Otocinclus mimulus und Hoplisoma diphyes äußerst ähnlich. Fischfressende Vögel, wie Reiher, Störche etc. meiden – genau wie die Hechtcichliden – Panzerwelse, denn auch ihnen tun die Stacheln der Panzerwelse beim Verschlucken sehr weh.

Die Pflege von Otocinclus mimulus ist einfach. Die Wasserwerte sind ohne Bedeutung, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Bei der Temperatur sind die im südlichen Südamerika lebenden Fische etwas speziell, denn dort gibt es Jahreszeiten wie bei uns. Man sollte sie daher nicht jahrein jahraus bei konstanten Temperaturen pflegen, sondern einen Teil des Jahres etwas kühler (18-22°) und einen Teil etwas wärmer (24-28°C). Frisch importierte Tiere sind natürlich noch im umgekehrten Rhythmus unterwegs, wenn bei uns Winter ist, ist in Paraguay Sommer. Darum erfolgt die Eingewöhnung im Winter importierter Exemplare im höheren Temperaturbereich. Die erste Winterperiode mit kühleren Temperaturen gönnt man diesen Tieren ergo erst nach einem Jahr. Das vertragen sie problemlos.

Für unsere Kunden: Otocinclus mimulus hat Code 273994 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank schäfer

Siniperca chuatsi

13. März 2026

Siniperca chuatsi ist ein großwüchsiger Fisch für Schauaquarien. Die bisher gemeldete Maximallänge beträgt 70 cm, dann wiegt das Tier rund 8 kg. Natürlich bleiben die meisten Exemplare deutlich kleiner, aber für Normalaquarien ist Siniperca chuatsi dennoch nur zeitweilig als Jungfisch geeignet. 

Die Siniperca sind obligatorische Raubfische, die sich fast ausschließlich von Fischen ernähren. Dabei können sie erstaunlich große Brocken schlucken. Bei schlanken Beutefischen können diese bis 2/3 der Körperlänge des Siniperca haben – sie werden sehr rasch heruntergeschlungen. S. chuatsi ist ein Anschleicher, der sich in dunklem Teint langsam an die Beute heranbewegt und dann blitzschnell zustößt. Dabei erwischt er das Beutetier durchaus nicht immer mit dem Kopf voran. Unter Umständen muss er stachelige Beute darum wieder ausspucken und es gleich nochmal versuchen.

In seiner Heimat China ist S. chuatsi ein sehr beliebter Speisefisch und wird daher schon seit rund 200 Jahren in Aquakultur gehalten und gezüchtet. Dabei entstehen natürlich auch gelegentlich Farbmutanten, unter ihnen Albinos. Diese Albinos sind bei manchen Raubfischfreaks sehr gesucht und werden (zumindest hier in Europa) teuer bezahlt.

Als Fisch der nördlichen gemäßigten Zone (vom Amur in Russland bis zum Perlfluss in China) braucht S. chuatsi keine Heizung. Er beginnt bei ca. 15°C Wassertemperatur mit der Nahrungsaufnahme, wesentlich über 25°C sollte die Temperatur möglichst nicht steigen. Besonders nach einer üppigen Mahlzeit ist S. chuatsi sehr sauerstoffbedürftig, darauf ist zu achten. Ansonsten sind die Wasserwerte nebensächlich. Im Freileben ist Siniperca ein Flussfisch. Ungeachtet ihres „Barramundi-Aussehens“ sind Siniperca am nächsten mit den Sonnenbarschen Nordamerikas und nicht mit den Barramundis oder Riesenbarschen (Lates & Co.) verwandt.

Für unsere Kunden: normalfarbige Siniperca chuatsi haben Code 455281 (10-12 cm) und Albinos 455284 (18-20 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Labeo longipinnis

13. März 2026

Aquaristisch spielt die Gattung Labeo kaum eine Rolle; die meisten Arten werden groß (30-50 cm), haben farblich wenig zu bieten und gelten zudem als streitsüchtig. Die früher zu Labeo gezählten kleineren und bunten Arten, wie der Feuerschwanz, werden aktuell in der Gattung Epalzeorhynchos klassifiziert. Echte Labeo-Arten gibt es in Asien und Afrika. Nur wenige Menschen sind sich darüber bewusst, dass es die stattliche Anzahl von 108 Labeo-Arten gibt, etwas über 80 davon leben in Afrika. Darum ist es ein schwieriges Unterfangen, die manchmal als Jungtiere mitgeschickten Afrikanischen Labeo richtig zu bestimmen. Aber manchmal ist es auch recht leicht. Die einzige aquaristisch halbwegs relevante Art ist die gescheckte OB-Morphe von Labeo cyclorhynchus, die unter ihrem Synonym L. variegatus ab und zu importiert wird. Ebenfalls relativ unverwechselbar, allerdings viel, viel seltener im Angebot ist Labeo longipinnis.

Die Kombination aus segelförmiger Rückenflosse, dem sehr kurzen , aber dafür ausgesprochen hohen Schwanzstiel, zumindest bei Jungtieren einem großen dunklen Fleck auf der Schwanzwurzel und roten Tupfen auf jeder Schuppe (das kleinste Tier, das wir bislang zu Gesicht bekamen, war etwa 5 cm lang) gibt es kein zweites Mal im Kongo. Es gibt zu L. longipinnis ein unter Fischkundlern recht bekanntes Synonym, nämlich Labeo velifer. Beide Arten wurden von Boulenger aus dem oberen Kongo beschrieben, L. velifer anhand über 40 cm langer (Totallänge, also inklusive Schwanzflosse) Tiere, L. longipinnis anhand eines etwa 17 cm langen Exemplares. Zähl- und Messwerte sind bei beiden Arten gleich, jedoch fand Boulenger in den Mundwinkeln von L. velifer ein Paar kleiner Barteln, bei L. longipinnis nicht. Schon früh zweifelte man daran, dass das ausreicht, um zwei Arten zu rechtfertigen. Bereits 1917 legte man darum L. longipinnis als den zu verwendenden Namen fest, da beide Arten gleichzeitig in der gleichen Arbeit von 1898 beschrieben worden waren, die beiden Namen also gleichwertig sind. Es dauerte aber immerhin bis zum Jahr 1995, bis die Artgleichheit der beiden Labeo durch Tshibwabwa & Teugels letztendlich festgeschrieben wurde. Große Ähnlichkeit besteht mit Labeo coubie aus dem Niger (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/labeo_coubie_de/), der jedoch einen viel längeren und schlankeren Schwanzstiel hat.

Aufgrund der erreichbaren Endgröße von über 40 cm ist Labeo longipinnis ein prächtiges Tier für sehr große Aquarien und Schauanlagen. Interessanterweise sind sie untereinander ziemlich friedlich. Es kommt zwar ständig zu sehr kurzen Verfolgungen (wobei durchaus auch kleine und schmächtige Tiere gut doppelt so große Individuen verfolgen können), aber das Ganze hat eher spielerischen Charakter; wir würden diese Art bezüglich des Verhaltens am ehesten z.B. mit Tropheus-Buntbarschen vergleichen. Ähnlich wie diese brauchen sie offenbar einen sozialen Verband, innerhalb dessen sie jedoch ständig etwas zanken. Interessant ist auch, dass die Wildfänge niemals völlig intakte Flossen haben. Die glatten Ränder der Flossen weisen darauf hin, dass Labeo longipinnis wohl zu den bevorzugten Opfern der auf Flossenfressen spezialisierten Salmler der Phago-Verwandtschaft zählen. Diese Flossenverletzungen heilen schnell und ohne Spuren zu hinterlassen wieder aus und dürften nach wenigen Wochen vollkommen verschwunden sein.  Im Aquarium sind Labeo-Arten wenig wählerisch, was das Futter angeht und fressen fröhlich alles mit, was anderen Fischen auch schmeckt. Jedes als Trinkwasser geeignete Wasser eignet sich auch zur Pflege von Labeo longipinnis. Die Wassertemperatur kann sich im Bereich zwischen 22 und 28°C bewegen.

Für unsere Kunden: Labeo longipinnis hat Code 142603 (6-8 cm) und 142604 (8-10 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Boulenger, G. A. (1898): Matériaux pour la faune du Congo. Poissons nouveaux du Congo. Deuxième Partie. Elopes, Characins, Cyprins. Annales du Musee du Congo (Série Zoologie) v. 1 (fasc. 2): 21-38, Pls. 10-19.

Boulenger, G. A. (1909): Catalogue of the fresh-water fishes of Africa in the British Museum (Natural History). v. 1: i-xi + 1-373

Liyandja, T. L. D. & M. L. J. Stiassny (2023): Description of two new Labeo (Labeoninae; Cyprinidae) endemic to the Lulua River in the Democratic Republic of Congo (Kasai ecoregion); a hotspot of fish diversity in the Congo Basin. American Museum Novitates No. 3999: 1-22.

Tshibwabwa, S. M. & G. G. Teugels (1995): Contribution to the systematic revision of the African cyprinid fish genus Labeo: species from the Lower Zaire river system. Journal of Natural History v. 29 (no. 6): 1543-1579.

Text & Photos: Frank Schäfer

Melanotaenia picta

13. März 2026

Erdgeschichtlich betrachtet befinden wir uns gerade in einer Eiszeit – trotz der Klimaerwärmung und ihren furchtbaren Folgen. Das bedeutet, beide Polkappen sind vereist. Innerhalb der Eiszeit leben wir allerdings in einer warmen Periode, die Warmzeit genannt wird. Sie begann vor etwa 11.700 Jahren. Davor waren auch große Teile von Asien, Europa und Nordamerika vergletschert, also von dicken Eispanzern bedeckt. Diese Zeit, die vor rund 115.000 Jahren begann, bezeichnen wir umgangssprachlich gerne als Eiszeit, also die Zeit, in der Neandertaler und unsere unmittelbaren Vorfahren, die Cro-Magnon-Menschen, Mammuts und andere Großsäuger jagten. In dieser Kaltzeit war so viel Wasser in den Eismassen gebunden, dass die Meeresspiegel auf der ganzen Welt erheblich tiefer lagen als heute. Neuguinea bildete in der Kaltzeit zusammen mit Australien eine zusammenhängende Landmasse, die Sahul genannt wird. Die Fachzeitschrift der Australischen Regenbogenfisch-Gesellschaft ist danach benannt und heißt „Fishes of Sahul“. Zwischen Neu Guinea und Australien liegt heutzutage eine breite Meeresstraße, die Torres-Straße. Sie ist rund 140 km breit und wurde vor ca. 8.000 Jahren geflutet. Ein Rest der ehemaligen Landbrücke zwischen Neu-Guinea und der Cape-York-Halbinsel (Australien) stellt der Aru-Archipel dar, der sich bis heute über das Meer erhebt. Dort gibt es eine kleine Gruppe von Regenbogenfischarten, die eng mit den auf Neu Guinea lebenden Arten der Melanotaenia-goldiei-Gruppe verwandt ist: Melanotaenia kolaensis, M. picta, M. senckenbergianus und M. wokamensis. Sie wurden wissenschaftlich erst 2015 überarbeitet (Allen et al.).

Optisch kann man diese vier Arten als Nicht-Spezialist kaum auseinanderhalten. Es ist darum sehr anzuraten, sie strikt in verschiedenen Aquarien zu pflegen, um unerwünschte Mischformen zu vermeiden. Es sind allesamt sehr schöne Fische, die jedoch aus einer ganzen Reihe von Gründen immer nur von Spezialisten gepflegt und gezüchtet werden. Im Handel tauchen sie dem entsprechend nur äußerst selten auf. Wir freuen uns sehr, ab und zu eine kleine Stückzahl junger, aber schon ausgefärbter Melanotaenia picta als Nachzucht anbieten zu können. Wie für alle Regenbogenfische gilt auch für diese Art: mit zunehmendem Alter werden sie immer farbintensiver. 

M. picta wurde aus dem Einzug des Mareremar River auf der Insel Kobroor beschrieben. Kobroor gehört zu den Aru-Inseln, die politisch übrigens zu Indonesien zählen. Beim Landschaftsbild kamen die Erstbeschreiber ins Schwärmen, es muss dort wunderschön sein. Die Tiere leben in kristallklarem Wasser von kleineren Waldbächen. Es gibt dort kaum Vegetation, aber reichlich Versteckmöglichkeiten. Schon vor seiner wissenschaftlichen Beschreibung war M. picta als M. sp. „Aru II“ im Hobby verbreitet. Bezüglich Pflege und Zucht ist diese bis etwa 11 cm lange Art vergleichbar mit den meisten anderen Regenbogenfischen. Das Wasser sei nicht zu weich, der pH im etwa neutralen Bereich, die Temperatur im Bereich von 22-26°C. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 428553 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Allen, G. R., Hadiaty, R. K., Unmack,P. J. & M. V. Erdmann (2015): Rainbowfishes (Melanotaenia: Melanotaeniidae) of the Aru Islands, Indonesia, with description of five new species and redescription of M. patoti Weber and M senkenbergianus Weber. aqua, International Journal of Ichthyology v. 21 (no. 2): 66-108.

Text & Photos: Frank Schäfer

Barbodes „schuberti“ KOI

13. März 2026

Die Brokatbarbe ist eine Zuchtform, die aus einer Barbe aus dem engeren Verwandtschaftskreis der Messingbarbe (Barbodes semifasciolatus) hervorgegangen ist. So ganz genau weiß das aber niemand; die gesamte Gattung Barbodes ist stark revisionsbedürftig. Entstanden ist die Brokatbarbe in den 1950er Jahren bei einem Aquarianer namens Thomas Schubert aus Camden, New Jersey (USA), weshalb sie auch oft mit dem ungültigen Namen „Barbus (oder Puntius, beides ist falsch) schuberti“ bezeichnet wird. Die Bezeichnung „schuberti“ ist kein wissenschaftlicher Name, sondern eine Phantasiebezeichnung und sollte darum immer in Anführungszeichen gesetzt werden. Da es sich bei der Brokatbarbe um eine Haustierform handelt, die in der Natur nicht existiert, ist die Verwendung eines wissenschaftlichen Artnamens ohnehin nicht sonderlich sinnvoll.

Es handelt sich um einen absolut friedfertigen und pflegeleichten Fisch, der seit seiner Entstehung nie wieder aus den Aquarien der Welt verschwunden ist. In jüngerer Zeit hat man neue Farbvarianten der Brokatbarbe entwickelt, darunter eine zwei- oder dreifarbige Form, die als „Koi-Brokatbarbe“ gehandelt wird. 

Bezüglich Pflege braucht man bei diesem Fisch nicht viele Worte zu verlieren: er gedeiht ebenso gut bei Raumtemperatur wie bei 28°C, Härte und pH-Wert sind ihm ebenfalls völlig egal. Wenn das Wasser als Trinkwasser taugt, so lebt auch die Brokatbarbe darin. Und füttern kann man dem Tier wirklich alles, was als Futtermittel für Zierfische auf dem Markt ist. Brokatbarben werden recht alt, 6 Jahre kommen häufig vor. Dann können sie erstaunlich groß werden. Zuchtfähig sind sie mit 3-4 cm Länge, aber sehr alte Weibchen können 8-10 cm lang werden. Die Männchen bleiben immer etwas kleiner.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 371341 (sm) bis 371344 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: F. Schäfer

Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“

6. März 2026

Die Gattungseinteilung bei den alestiden Salmlern Afrikas ist Gegenstand unaufhörlicher Debatten und ein Ende ist nicht abzusehen. Speziell bei den aquaristisch bedeutsamen Kongosalmlern geht es ständig hin und her. Erst kürzlich wurde in der aktuellsten Checkliste der Salmlerartigen Fische (Toledo-Piza et al, 2024) der dem „normalen“ Kongosalmler (Phenacogrammus interruptus) auf den ersten Blick sehr ähnliche P. bleheri in der Gattung Alestopetersius geführt. In Alestopetersius gibt es aktuell 12 akzeptierte Arten. Viele sind einander sehr ähnlich und schwer zu identifizieren. Gut erkennbar ist A. smykalai aus dem Niger, aber die Arten aus dem Kongo – der ganze Rest – ist arg kniffelig. Männchen in Balzfärbung sind zwar artcharakteristisch gefärbt, aber bis sie in Balzstimmung kommen, kann dauern – etliche Wochen bis Monate. So lange können wir im Handel aus verständlichen Gründen nicht warten.

Kürzlich erhielten wir aus dem Kongo eine Sendung Kongosalmler unter der Bezeichnung „Alestopetersius brichardi“. Diese Art gibt es und eine rasche Google-Bildersuche mit diesem Namen ergab in der Trefferliste u.a. unseren Fisch. Inzwischen (nach 10 Tagen) haben sich einige Männchen ausgefärbt und uns kamen große Zweifel. Die letzte Revision aller Alestopetersius-Arten ist glücklicherweise noch nicht lange her, sie erfolgte 2012 durch Mbimbi Mayi Munene & Stiassny anlässlich der Beschreibung einer neuen Art. Demnach ist A. brichardi ein schlanker Fisch mit einem breiten schwarzen Längsband, das sich bis ans Ende der Schwanzflosse durchzieht. Sehr ähnlich ist A. leopoldianus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/alestopetersius-leopoldianus/). Unser Fisch hingegen ist deutlich hochrückiger, das Längsband (das nur in bestimmten Beleuchtungssituationen überhaupt sichtbar ist) ist wesentlich schmaler und auf der Schulter befindet sich ein senkrechter Humeralfleck, der bei A. brichardi fehlt.

Wir haben uns entschlossen, unseren Neuimport lieber ohne „richtigen“ Namen zu lassen und benennen ihn statt dessen nach dem Fundort. Nach Auskunft des Lieferanten wurden diese Tiere im Kwilu River, einem der größeren Zuflüsse des Kasai River, unweit der Stadt Bandundu in der gleichnamigen Provinz der DR Kongo gefangen. In einer wissenschaftlichen Aufsammlung, über die 2011 publiziert wurde (Mbimbi Mayi Munene & Stiassny, 2011), werden zwei Alestopetersius-Arten aus dem Kwilu gemeldet: der neu beschriebene A. conspectus (diese Art unterscheidet sich von allen anderen A.-Arten u.a. durch eine auffällige Flaggenzeichnung der Schwanzflosse) und A. sp. “mbuji” ; letztere Art lag leider nur in einem nicht näher beschriebenen Exemplar vor, dessen DNS-Analyse aber zeigte, dass es sich um eine neue, wissenschaftlich noch nicht erfasste Art handelt. Von den beschriebenen Arten erscheint uns die Ähnlichkeit zu A. bifasciatus wegen des hohen Anteils an Schwarzfärbung in der Schwanzflosse am größten.

Solche Neuheiten sind aus mehreren Gründen verhältnismäßig teuer und Debatten darüber, wer bei der Bestimmung und Namensfindung recht hat, sind kontraproduktiv für die Verbreitung der Tiere im Hobby, da dabei immer unterschwellig der Verdacht mitläuft, irgend jemand in der Handelskette Fänger-Aufkäufer-Exporteur-Importeur-Großhandel-Einzelhandel hätte betrügerische Absichten. Ohne jeden Zweifel sind die neu importierten Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ wunderschöne Fische. Man kann nur jedem an afrikanischen Salmlern Interessierten raten, zuzugreifen, denn wann und ob ein neuerlicher Import dieser Fische gelingt, ist höchst ungewiss.

Unsere Exemplare haben sich bislang als robust und gesund erwiesen. Das fotografierte alpha-Männchen (erkennbar an den weißen Flossensäumen) ist ca. 5,5 cm lang (inklusive Schwanzflosse), Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ scheint also verhältnismäßig klein zu bleiben (ein bis zwei Zentimeter werden die Tiere aber wohl noch zulegen). Die Anpassung an das Aquarienleben ist gut. Aus Erfahrung mit anderen Kongosalmlern wissen wir, dass lediglich zur Zucht auf weiches, leicht saures Wasser geachtet werden muss. Der einzige fest im Hobby etablierte Alestopetersius ist der Gelbe Kongosalmler (A. caudalis), der inzwischen fast ausschließlich als Nachzucht angeboten wird. Zu dieser Art siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/alestopetersius-caudalis-3/ .

Der neue Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ ist völlig friedlich. Man sollte ihn in möglichst großem Trupp von Artgenossen in einem dicht bepflanzten Aquarium, das aber auch genug Schwimmraum lässt, bei nicht zu grellem Licht pflegen. Jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die schönste Flossenentwicklung zeigen Alestopetersius allerdings erfahrungsgemäß in weichem, leicht sauren Wasser (pH um 6). Die Temperatur sollte zwischen 22 und 28°C liegen. Gefressen wird alles Futter tierischen Ursprungs, egal ob Trocken-, Frost- oder Lebendfutter. Eine besondere Freude macht man den Tieren durch die Verfütterung von kleinen Fruchtfliegen (Drosophila), ein Trick, den Züchter anwenden, um einen möglichst üppigen Laichansatz beim Weibchen von A. caudalis zu erzielen.

Für unsere Kunden: Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ hat Code 100193 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Boden. G. in Toledo-Piza, M., E. G. Baena, F. C. P. Dagosta, N. A. Menezes, M. Ândrade, R. C. Benine, V. A. Bertaco, J. L. Birindelli, G. Boden, P. A. Buckup, P. Camelier, F. R. Carvalho, R. M. C. Castro, J. Chuctaya, E. Decru, E. Derijst et al. (2024): Checklist of the species of the Order Characiformes (Teleostei: Ostariophysi). Neotropical Ichthyology v. 22 (no. 1): e230086: 1-548.

Mbimbi Mayi Munene, J. J. & M. L. J. Stiassny (2011): Fishes of the Kwilu River (Kasai basin, central Africa): A list of species collected in the vicinity of Kikwit, Bandundu Province, Democratic Republic of Congo. Check List 7 (5): 691-699

Mbimbi Mayi Munene, J. J. & M. L. J. Stiassny (2012): A new Alestopetersius (Characiformes: Alestidae) from the Kwilu River (Kasai basin) of central Africa; with a phylogeny for the genus and synonymy of Duboisialestes. Zootaxa No. 3166: 59-68.

Poll, M. (1967): Révision des Characidae nains Africans. Annales, Musée Royal de l’Afrique Centrale, Tervuren, Série in 8o, Sciences Zoologiques No. 162: 1-158.

Text & Photos: Frank Schäfer

Megalechis thoracata „Albino“

6. März 2026

Der Schwielenwels Megalechis thoracata – vielen auch noch unter dem alten Namen Hoplosternum thoracatum bekannt – ist einer der ältesten Aquarienfische. Er hat eigentlich nur einen Nachteil, er wird nämlich mit ca. 15 cm (manchmal auch noch mehr) Länge ziemlich groß. Trotz der Größe hat er aber ein kleines Maul und so werden die „Kampfwürste“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, trotzdem gerne in Gesellschaftsaquarien mit etwas größeren und robusten Fischen gepflegt.

 

Die Zucht ist sehr interessant, denn Megalechis-Männchen bauen ein Schaumnest, ganz ähnlich zu dem der Labyrinthfische, unter einem schwimmenden Gegenstand (Züchter benutzen besonders gerne den Deckel von Kaffeedosen, aber die dürften den Schwielenwelsen in der Natur eher selten zur Verfügung stehen). Das Männchen bewacht das Nest mit den Eiern sehr gut und springt dem neugierigen Aquarianer sogar ins Gesicht, wenn der sich dem Nest zu sehr nähert.

Lange Zeit waren keine Zuchtvarianten des Schwielenwelses bekannt, doch haben wir seit einigen Jahren Albinos als Nachzucht im Sortiment. Die Tiere wirken sehr attraktiv, laichreife Männchen haben – genau wie die Wildform – stark vergrößerte Brustflossenstacheln und die Knochenplatten, die die Brust bedecken, sind viel größer als die entsprechenden Knochenplatten der Weibchen.

Die Wasserwerte spielen für Pflege und Zucht eine absolut untergeordnete Rolle, jedes Trinkwasser eignet sich. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen, etwas mehr oder weniger schadet eine Zeitlang auch nicht, sollte aber nicht die Regel sein. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Pflanzen werden nicht mutwillig beschädigt, können aber durch die Wühltätigkeit und Kraft der Tiere in Mitleidenschaft gezogen werden. Es eignen sich darum nur robuste Gewächse für die Bepflanzung.

Für unsere Kunden: die Albinos haben Code 259322 (3-4 cm) und 259323 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nanochromis transvestitus

6. März 2026

Regelmäßig haben wir bildschöne Nachzuchten dieses niedlichen Zwergbuntbarsches im Stock. Wildfänge gibt es nur sehr selten im Markt. Männchen der Art werden etwa 6 cm lang, Weibchen bleiben kleiner. Damit ist dieser Nanochromis einer der kleinsten Buntbarsche überhaupt.

Ursprünglich stammt der Fisch aus der Region des Lac Mai Ndombe in der D.R. Kongo. Im Gegensatz zu den allermeisten kongolesischen Fischen sind sie darum an sehr weiches und vor allem saures Wasser angepasst (pH 4,5). Die Aquarienstämme sind zwar diesbezüglich recht tolerant geworden, doch sind die Fisch in saurem Milieu deutlich weniger krankheitsanfällig.

Ansonsten sind es leicht zu pflegende und sehr attraktive Fische. Wie alle Nanochromis sind es Höhlenbrüter, wobei das Weibchen das Gelege bewacht und das Männchen das Revier. Männchen und Weibchen kann man bei N. transvestitus sehr leicht an der Flossenfärbung unterscheiden und nur das Weibchen bekommt einen intensiv roten Bauch. Das Balzverhalten ist spektakulär. Beide Geschlechter balzen mit weit aufgerissenen Mäulern und gespreizten Flossen. Das Weibchen nimmt zudem eine ganz merkwürdige S-förmige Körperhaltung ein.

Der Artname transvestitus bedeutet „Transvestit“; er wurde gewählt, weil das Männchen so viel farbloser als das Weibchen ist; gewöhnlich ist im Tierreich das Männchen das farbigere Tier. Allerdings ist dieser so genannte umgekehrte Sexualdichromatismus bei den chromidotilapinen Buntbarschen – hierzu zählen Nanochromis, Pelvicachromis usw. – die Regel und nicht die Ausnahme. Aber davon wussten die Wissenschaftler, die dem Tier 1984 seinen Namen gaben, scheinbar nichts.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 555002 bis 555004 (Nachzuchten) und 555102 bis 555103 (wild) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Celestichthys erythromicron ( = Microrasbora e., Danio e.)

6. März 2026

Der im Inle-See in Burma endemische, also nur dort vorkommende Celestichthys erythromicron ist ein winziger Aquarienfisch. Mit maximal 3 cm Länge ist er ausgewachsen. Kompliziert an der Art ist eigentlich nur die Namensgebung. Ursprünglich beschrieben wurde er als Microrasbora erythromicron. Dann zeigte sich aber, dass er nicht zu den Rasbora-artigen Karpfenfischen (Rasborinen), sondern zu den Danio-artigen Karpfenfischen (Danioninen) gehört. Anatomische Übereinstimmungen führten zwischenzeitlich zu einer Eingliederung in die Gattung Danio. Molekularbiologische Untersuchungen zeigten schließlich, dass er und Celestichthys margaritatus innerhalb der Kleincypriniden eine monophyletische (also auf gemeinsamer Abstammung beruhende) natürliche Einheit bilden. In der aquaristischen und wissenschaftlichen Literatur kann man C. erythromicron entsprechend unter allen drei oben aufgeführten Namenskombinationen finden, es handelt sich immer um die gleiche Art.

Erstmals wurde dieser niedliche Zwergfisch im Jahr 1978 eingeführt, wurde aber erst in den 2000ern von einer größeren Anzahl von Aquarianern wahrgenommen. In einer Beurteilung der IUCN (Internationale Rote Liste der bedrohten Arten) im Jahr 2011 wurde die Art als „gefährdet“ eingestuft. Die Tatsache, dass C. erythromicron ausschließlich im Inle-See vorkommt, macht sie natürlich sehr anfällig für Umwelteinflüsse. Im Inle-See verschlechtert sich die Wasserqualität ständig, zu Speisezwecken eingeführte Fremdfische bedrohen die eigentlich heimischen Arten zusätzlich. Auch vor einer übermäßigen Entnahme von C. erythromicron als Zierfisch wird gewarnt, es gibt aber keine wissenschaftlichen Hinweise, dass so etwas tatsächlich passieren könnte, dazu ist die internationale Nachfrage dann doch viel zu gering. 

Im Inle-See ist das Wasser hart, der pH-Wert leicht alkalisch (zentraler Teil des Sees: pH 7,6 – 8,8, Zufluss des Sees: pH 7,1 – 7,2). Die Wassertemperatur liegt tagsüber im Bereich von 21,3 – 28,8°C, die Lufttemperatur kann zwischen 5°C (Minimumtemperatur) und 38°C (Maximumtemperatur) schwanken (alle Angaben nach: Khaung et al., 2021). Man kann und sollte also C. erythromicron in normalem Leitungswasser pflegen; es hat sich bei vielen Arten aus dem Inle-See zudem bewährt, das Aquarium zeitweise nicht zu beheizen, die Tiere also bei Raumtemperatur (18-22°C) zu pflegen. Das wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus. 

Die Zucht dieser Zwergfische ist leicht. Die Geschlechter unterscheiden sich nur geringfügig: Weibchen sind etwas blasser und kräftiger. Javamoos wird als Laichsubstrat gerne angenommen, Brutpflege üben diese Tiere nicht aus. Die Hauptschwierigkeit liegt in der möglichst optimalen Aufzucht der kleinen Jungfische. Es gibt aber Züchter, die das gut beherrschen und im Handel stehen C. erythromicron daher regelmäßig sowohl als Nachzucht wie auch als Wildfang zur Verfügung. 

Celestichthys erythromicron ist ein völlig friedlicher, etwas scheuer Schwarmfisch, der jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe willig akzeptiert. Pflanzen werden nicht beschädigt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 430902 (md, wild), 430903 (lg, wild) und 430913 (md, Nachzucht) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Khaung, T., Iwai, C. B. & T. Chuasavathi (2021): Water Quality Monitoring in Inle Lake, Myanmar from the floating Garden Activity. Malaysian Journal of Fundamental and Applied Sciences, Vol. 17: 593-608

Text & Photos: Frank Schäfer

Limia nigrofasciata

6. März 2026

Über die systematische Position der auf den karibischen Inseln lebenden Lebendgebärenden Zahnkarpfen herrscht keine Einigkeit. Nach anatomischen Merkmalen galt die Gattung Limia lange Zeit als Synonym zu Poecilia, sie haben aber doch so viele eigenständige Merkmale, dass Limia als Untergattung fast immer mit genannt wurde. Neuere, vor allem DNS-gestützte Untersuchungen sehen Limia allerdings als eigenständige Gattung (Spikes et al, 2021). Sie gilt demnach als Schwestergruppe zu Poecilia.

Der Buckelkärpfling Limia nigrofasciata ist eine der auffälligsten Arten unter den lebendgebärenden Zahnkarpfen. Er stammt ursprünglich aus dem Miragoane-See auf Hispaniola (Haiti). Der Lago Miragoane ist mit seinen 12 km Länge und rund 25 km2 Fläche einer der größten natürlichen Süßwasserseen der Karibik. In Bezug auf seine Fischfauna ist er aquaristisch spannend. Ähnlich wie die Buntbarsche in den großen Afrikanischen Seen haben im Lago Miragoane die Lebendgebärenden Zahnkarpfen der Gattung Limia eine besondere Artenfülle entwickelt. Neun Arten findet man dort, von denen zwei erst im Jahr 2020 wissenschaftlich beschrieben wurden. Zusätzlich gibt es im Lago Miragoane noch eine interessante Gambusia-Art (G. beebei). Limia nigrofasciata wird bereits seit 1912 im Aquarium gepflegt und gezüchtet. Die Beliebtheit der Art zeigt sich auch daran, dass die Liebhaber ihn durch zwei Weltkriege hindurch erhalten haben.

Alle Limia-Arten sind sehr friedliche Fische und eignen sich gut für die Pflege im Gesellschaftsaquarium. Wer auf Nachzucht Wert legt, sollte die Arten getrennt halten, denn sie hybridisieren sehr leicht und die Kreuzungstiere sind nicht schön. Man sollte stets mehrere Männchen im Aquarium haben, denn die Schaukämpfe der Fische, die im übrigen völlig harmlos sind, sind prächtig anzusehen. Die größte Farbenpracht entwickeln die Fische, wenn etwas Algenwuchs an den Seitenscheiben erlaubt wird, denn darin weiden die Fische sehr gerne und ganz offensichtlich sind darin Nährstoffe, die den Tieren sehr gut bekommen.

Hier noch die Eckdaten zur Pflege: das Wasser sollte für diese Fische eher hart sein, der pH-Wert dauerhaft auf jeden Fall über 7 liegen. Günstig sind Werte zwischen pH 7,5 und 8,5. Limia-Arten gelten als wärmebedürftig. Am besten pflegt man sie im Temperaturbereich zwischen 26 und 30°C. Gefressen wird jedes handelsübliche Futter passender Größe. Speziell für Limia-Arten sind Futterflocken auf pflanzlicher Basis günstig.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 424801 (sm) bis 424804 (lg-xlg) auf unserer Stockliste; es sind ausschließlich Nachzuchttiere im Handel. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Spikes, M., Rodríguez‑Silva, R., Bennett, K.-A. Bräger, S., Josaphat, J., Torres‑Pineda, P., Ernst, A., Habenstein, K., Schlupp, I. & R. Tiedemann (2021): A phylogeny of the genus Limia (Teleostei: Poeciliidae) suggests a single‑lake radiation nested in a Caribbean‑wide allopatric speciation scenario. BMC Research Notes v. 14 (art. 425): 1-8.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gymnogeophagus constellatus

27. Februar 2026

Die Gattung Gymnogeophagus umfasst mittelgroße Erdfresser aus dem südlichen Teil Südamerikas. Die meisten Arten werden 10-15, einige bis 20 cm lang. Fast alle sind wunderschöne Tiere. Von den aktuell 20 allgemein akzeptierten Arten wurden nur 8 vor dem Jahr 2000 wissenschaftlich beschrieben – das zeigt deutlich, dass die Abgrenzung der Arten gegeneinander eine recht komplexe Angelegenheit ist. Innerhalb der Gattung kann man zwei Fortpflanzungstypen unterscheiden: Offenbrüter und Maulbrüter. Die Maulbrüter sind so genannte larvophile Maulbrüter, d.h. sie laichen nach Art der Offenbrüter auf einem Stein oder dergleichen ab und erst die schlupfreifen Eier oder Larven werden nach zwei bis mehreren Tagen (die Zeit der Eientwicklung ist temperaturabhängig) ins Maul genommen; hier ist nicht der richtige Ort, um auf die komplexen und subtilen Unterschiede in der Maulbrutpflege der einzelnen Arten einzugehen, wir erwähnen das hier nur, weil das Studium dieser Vorgänge die Pflege und Zucht von Gymnogeophagus so besonders interessant machen.

Die meisten Gymnogeophagus-Arten sind Endemiten in einzelnen Fluss-Systemen, kommen also ausschließlich dort vor. Zu den erst jüngerer Zeit (2015) wissenschaftlich beschriebenen Arten gehört Gymnogeophagus constellatus. Diese Art kommt im rio Ijuí und seinen Zuflüssen im mittleren Einzug des rio Uruguay vor. Das liegt im östlichen Teil des Bundesstaates Rio Grande do Sul, Brasilien. Außerdem wurde sie in Argentinien auf gleicher geografischer Breite in den Flüssen Chimiray-Miní and Itacaruaré nachgewiesen. Die von uns importierten Tiere stammen aus Argentinien, genauere Informationen liegen uns aber nicht vor. Die im Freileben rund 15 cm (Standardlänge ohne Schwanzflosse) lang werdende Art gehört zur Maulbrüter-Gruppe. Artcharakteristisch ist der verhältnismäßig sehr große Seitenfleck. 

Aquaristisch stellen Gymnogeophagus zwar begehrenswerte und teils auch begehrte Pfleglinge dar, doch sind sie nicht ganz einfach, denn als subtropische Fische kann man sie nicht ganzjährig unter den Bedingungen eines Tropenaquariums mit mehr oder weniger gleichbleibenden Bedingungen pflegen und züchten – jedenfalls nicht längerfristig. Diese Tiere benötigen jahreszeitliche Rhythmen, genau wie in der Natur. Wer das nicht beachtet, verliert den Stamm nach anfänglichen einfach zu erzielenden Nachzuchterfolgen gewöhnlich sehr schnell (nach wenigen Jahren) wieder. Zu beachten ist auch, dass Gymnogeophagus-Arten sich grundsätzlich als empfindlich gegen hohe Nitratwerte erwiesen haben. Bereits Werte um 90 mg/l können bei Jungfischen zu körperlichen Schäden führen und ab 110 mg/l können auch erwachsene Exemplare krankheitsanfällig werden. Ansonsten sind die Wasserwerte unerheblich, jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Die Wassertemperatur kann in der kühlen Periode bis unter 14°C sinken, ab 16°C beginnt das Fortpflanzungsverhalten. Hier können sich die Männchen als sehr aggressiv herausstellen, weshalb größere Aquarien benötigt werden; empfohlen wird Haremshaltung (Ein Männchen auf drei oder mehr Weibchen). Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 678023 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & photos: Frank Schäfer

Oryzias eversi

27. Februar 2026

Die Reisfische oder Medakas haben eine lange aquaristische Tradition. Schon im 19ten Jahrhundert wurden so genannte „Goldhaplochilus“ – nichts anderes als eine gelbe Zuchtform des Japanischen Reisfisches, Oryzias latipes – als Zierfische nach Europa exportiert; sie gehören somit zu den allerersten importierten exotischen Zierfischarten. Allerdings führten die hier ein Schattendasein und galten als empfindlich und schwierig. Daher wurden sie hauptsächlich von Spezialisten gepflegt und gezüchtet, bis in den frühen 2000ern, also gut 200 Jahre später, ein Hype auf diese Fische in Japan einsetze und nach Europa herüberschwappte. 

Gleichfalls rasant entwickelte sich die wissenschaftliche Erforschung dieser Tiere in der jüngsten Zeit. Nur wenige, „variable“ Arten wurden bis ca. 1980 unterschieden, dann erfolgten wissenschaftliche Untersuchungen in rascher Folge und aktuell sind mehr als 40 Arten allgemein akzeptiert, von denen 25 erst ab 1990 beschrieben wurden. Die Insel Sulawesi ist ein Hotspot der Artenvielfalt bei den Reisfischen. Auf der relativ kleinen Insel lebt gut die Hälfte aller bekannten Reisfisch-Arten.

Zu den Sulawesi-Arten gehört Oryzias eversi, der 2012 wissenschaftlich beschrieben wurde. Es gibt zwei Fortpflanzungstypen bei Reisfischen. Die eine Gruppe streift die Trauben abgelegten Eier an Pflanzen etc. ab und überlässt sie dort sich selbst. Die andere Gruppe wird als „Bauchflossenbrüter“ bezeichnet. Bei ihnen haben die Weibchen verlängerte Bauchflossen und eine spezielle Kerbe am Bauch. Die an Fäden haftenden Eier werden so lange in diesem Bereich vom Weibchen mit sich herumgetragen, bis die Jungen schlüpfen (18-19 Tage bei 24°C). Früher wurden diese Bauchflossenbrüter in eine eigene Gattung, Xenopoecilus, gestellt, gegenwärtig zählt man sie zu Oryzias.

Leider ist O. eversi akut vom Aussterben bedroht, denn die Art ist bislang nur aus einem einzigen Gewässer bekannt. Dabei handelt es sich um einen im Karst befindlichen Teich, der von der lokalen Bevölkerung als natürlicher Swimming Pool genutzt wird. Damit einher gehen natürlich unkalkulierbare Verschmutzungsgefahren. Eine einzige Dosis einer versehentlich oder absichtlich eingebrachten Chemikalie kann den Weltbestand dieser interessanten Fischart in der Natur erlöschen lassen. Glücklicherweise haben sich verschiedene Aquarianer und Institutionen der Erhaltungszucht von Oryzias eversi verschrieben. Damit diese Erhaltungszucht langfristig funktionieren kann, muss der Absatz der Nachzuchten gewährleistet sein. Und so haben wir gerade eine größere Stückzahl aus einem Zoo übernommen. Mit dem Kauf dieser interessanten Fischart leisten Sie, liebe Aquarianer, einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz.

Die Pflege und Zucht der Art sind leicht. Sie möchte eher härteres Wasser mit leicht alkalischem pH-Wert, die Wassertemperaturen können zwischen 20 und 26°C liegen (besser im unteren Bereich der Skala). Es wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe gefressen. Die Geschlechter der maximal 4- 4,5 cm langen Art sind anhand der unterschiedlich geformten Afterflossen schon früh erkennbar. Die Weibchen sind Schwarmfische, die gerne in kleinen Schulen schwimmen, in denen sich auch unreife Männchen befinden können. Geschlechtsreife Männchen färben sich rußig-schwarz ein und sind etwas einzelgängerischer. Insgesamt handelt es sich um eine friedliche Art, deren Pflege und Zucht kaum nennenswerte Probleme bereitet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 339653 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Haludaria fasciata (früher: Barbus fasciatus, B. melanampyx)

27. Februar 2026

Im Süden Indiens erhebt sich das uralte Hochplateau des Dekkan, das bereits entstand, als Indien noch ein Teil von Afrika war. Von hier fließen zahlreiche kleine Flüsse direkt in den Indischen Ozean ab und in vielen dieser Flüsse haben sich aufgrund der geografischen Isolation eigene Farbvarianten, Unterarten oder Arten von Süßwasserfischen gebildet. Besonders die Barben und Schmerlen finden sich hier in großer Formenvielfalt, die bislang übrigens wissenschaftlich noch nahezu unerforscht ist.

Der Gattung Haludaria, die früher Barbus, Puntius oder Dravidia zugeordnet wurde, umfasst nach aktuellem Forschungsstand sechs beschriebene Arten: H. afasciata, H. fasciata, H. grayi, H. kannikattiensis, H. melanampyx und H. pradhani. Umgangssprachlich werden sie auch als Glühkohlenbarben bezeichnet. Leider gibt es keine Revision, die es erlauben würde, die Gültigkeit dieser Arten zu beurteilen. Deswegen werden die im Hobby vorhandenen Stämme allesamt unter Haludaria fasciata zusammengefasst, auch wenn teils deutliche Farbunterschiede bestehen. Ein oft anzutreffender Name ist H. melanampyx. Die unter diesem Namen beschriebene Barbe hat keinen Schwanzwurzelfleck, im Gegensatz zu den im Hobby gepflegten und gezüchteten Formen. Wenn also H. melanampyx eine gültige Art darstellt, dann ist sie im Hobby nicht vertreten. Man muss dazu aber auch wissen, dass die schwarzen Markierungen bei Haludaria stimmungsbedingt ein- und ausgeschaltet werden können. Gerade innerhalb dieser Gattung sind Zeichnungsunterschiede darum schwer zu bewerten.

Wir haben immer wieder mal ganz herrliche Wildfangexemplare im Stock, die ein fantastisch tiefes Rot als Grundfarbe haben. Die Männchen scheinen förmlich von innen zu glühen. Aktuell haben wir aber auch wundervolle Nachzuchten dieses Fisches erhalten, die sich bereits in geringer Körpergröße (3-4 cm) ausfärben und dem Namen „Glühkohlenbarbe“ alle Ehre machen. Haludaria fasciata wird rund 8 cm lang und ist vollkommen friedlich. Als Barbe nascht sie schon einmal an zarten Pflanzenteilen, wenn sie nicht ausreichend mit pflanzlicher Nahrung versorgt wird. Die Wasserzusammensetzung ist nebensächlich, die Temperatur sollte um 26°C betragen. Eine „Winterruhe“ von 6-8 Wochen bei Temperaturen zwischen 18 und 22°C wirkt sich sehr positiv auf die Fische aus, ist aber nicht zwingend notwendig.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 370002 und 370003 (WF, „melanampyx“), 369512 (NZ, md), 369521 (WF, red, md) und 369523 (WF, red, lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Satanoperca daemon

27. Februar 2026

Wir erhalten gelegentlich den prächtigen Satanoperca daemon, meist aus Kolumbien. Die Art ist gesamten Rio-Negro-Gebiet weit verbreitet und häufig, aber sensibel und daher nur von den erfahrendsten Lieferanten lieferbar. Der „Dreifleck-Daemon“ gehört zu den schönsten Buntbarschen Südamerikas und zu den friedlichsten dazu. Bei den bis zu 30 cm langen Erdfressern gehören Bissverletzungen – sonst bei großen Buntbarschen fast an der Tagesordnung – zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen. Man könnte die Tiere geradezu als schüchtern bezeichnen.

Satanoperca daemon ist grundsätzlich in großen Aquarien mit Sandboden zu pflegen. Lange Zeit galt das Dogma, dass auf sehr weiches Wasser und einen sauren pH-Wert zu achten ist (pH um 6), da die Fische in alkalischem Wasser zur Lochkrankheit neigen würden und auch farblich unschön werden. Das kann aber als überholt gelten. Die gefürchtete Lochkrankheit ist wohl zu einen guten Teil psychosomatisch begründet, auch wenn ihre Ursache oder Ursachen nach wie vor nicht wirklich verstanden sind. Jedenfalls können Pflege und Zucht auch in mittelhartem, leicht alkalischem Wasser gelingen. Entscheidend ist wohl eher sehr gute Wasserpflege (also möglichst geringer Stickstoff- und Phosphatgehalt und niedrige Keimzahl), Pflege in einer Gruppe von Artgenossen zur freien Partnerfindung und scheinbar auch die übrige Gesellschaft. Der Grundstein für eine erfolgreiche Pflege und Zucht ist, wie bei allen Fischen, weniger in irgendwelchem wasserchemischen Voodoo zu suchen, als in einer optimalen Aufzucht. Abwechslungsreiches und vor allem frisches Futter, in dem noch alle Vitamine, Spurenelemente und die so überaus wichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (HUFA) enthalten sind, sind absolut unabdingbar. 

Die Zucht ist schon gelungen, allerdings sehr selten. Anders als viele andere Geophagus-Verwandte sind Satanoperca daemon Grubenbrüter, keine Maulbrüter. Man benötigt relativ große Aquarien, da allein die Laichgrube schon gut 50 cm Durchmesser haben kann. Während für die Alltagspflege feiner Sand (Korngröße 0,2- 1mm) wichtig ist (die Tiere durchkauen ihn ständig) entwickelt sich der Laich in diesem feinen Substrat nicht oder nur schlecht. Das Gelege wird zudem von den Elterntieren mit feinem Kies abgedeckt. Fehlt dieses Substrat im Aquarien, wird die Reaktionskette der zum Fortpflanzungsverhalten gehörenden Instinkthandlungen unterbrochen, die Brutpflege gewöhnlich abgebrochen und der Laich gefressen. Als gute Korngröße für das Nest hat sich feiner Kies von 3-6 mm Korngröße erwiesen. 

Die Wassertemperatur muss – ähnlich wie beim Diskus – im Bereich über 28°C gehalten werden. Der Effekt ist ein doppelter: viele Parasiten und Krankhetserreger mögen diese hohen Temperaturen nicht und entwickeln sich darum nur schlecht. Und die Immunabwehr der Fische funktioniert in diesem Temperaturbereich besonders gut. Satanoperca daemon ist also ein herrlicher Fisch, der jedoch Ansprüche stellt. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – als Wildfänge Code 677500 (2-3 cm) bis 677509 (18-22 cm) und als Nachzuchten 677512 (4-6 cm) bis 677513 (6-9 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nannacara aureocephalus

20. Februar 2026

Die Zwergbuntbarsche der Gattung Nannacara sind entlang der Atlantikküste Südamerikas von Brasilien bis nach Venezuela verbreitet. Die am weitesten östlich verbreitete Art ist N. taenia (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacra-taenia/), zugleich die kleinste Art der Gattung. Daran schließt sich in Richtung Westen Nannacara aureocephalus, die größte Art der Gattung, an. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Nord-Brasilien (Oiapock-System) und große Teile Französisch Guyanas. Dort gibt es Gebiete, wo N. aureocephalus unmittelbar neben, manchmal sogar gemeinsam mit der sehr ähnlichen, aber kleineren Art N. anomala vorkommt. Der Status so mancher Population in Französisch Guyana ist noch ungeklärt (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacara-sp-crique-canceler/ und https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacara_sp_sourourou_de/). Vor allem Jungtiere von N. aureocephalus und N. anomala sehen sich sehr ähnlich und können nicht mit Sicherheit voneinander unterschieden werden. Wir sind diesbezüglich immer auf die Zuverlässigkeit unserer Züchter angewiesen.

Erwachsene Männchen von N. aureocephalus sind aber aufgrund ihrer vergleichsweise bulligen Gestalt, der Größe (bis zu 12 cm Totallänge, N. anomala erreicht nur maximal 10 cm) und des intensiven Goldglanzes des Kopfes (grünblau bei N. anomala) gut zu erkennen. Während die Männchen den Rahmen dessen sprengen, was man gemeinhin als „Zwergcichliden“ bezeichnet (nämlich Arten, die allerhöchstens 10 cm lang werden), bleiben die Weibchen mit ihren höchstens 6 cm innerhalb des Definitionsrahmens. Von N. anomala-Weibchen unterscheiden sich die Weibchen von N. aureocephalus ebenfalls hauptsächlich durch die bulligere, weniger seitlich zusammengedrückte Statur. Wir raten dringend davon ab, Jungfische beider Arten gemeinsam aufzuziehen, die Gefahr, dass es zu unabsichtlichen Vermischungen kommt, ist groß.

Im Aquarium sind N. aureocephalus sehr schöne Tiere, deren Verhalten im großen und ganzen dem von N. anomala entspricht (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacara-anomala-3/). Erfahrene Pfleger empfehlen große Aquarien (ab 120 cm Länge). Wichtig ist es, zumindest stellenweise feinen Sand als Bodengrund einzubringen. Totes Laub (Buchen-, Eichen oder Seemandelbaumblätter) geben Huminstoffe ab, die den Fischen sehr gut tun und bilden, wenn sie zerfallen, auch noch eine gute Zusatznahrung. Ansonsten werden alle üblichen Futtersorten akzeptiert. Die Wassertemperatur sollte zwischen 23 und 27°C liegen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 684002 und 684003 für Wildfänge und Code 684051 bis 684055 für Nachzuchten auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer & Uwe Römer

Pareutropius buffei ( = „P. debauwie“, Eutropiellus b.)

20. Februar 2026

Haiwelse (Pangasius spp.) sind riesige Speisefische, die sich zu einem großen Teil vegetarisch ernähren und wenig Ansprüche an die Wasserqualität stellen. Darum eignen sie sich außerordentlich gut für die Aquakultur in tropischen Regionen. Aus diesen Speisefischzuchten stammen die netten Babies, die immer noch regelmäßig auf dem Zierfischmarkt auftauchen. So lange sie klein sind, kann man sie natürlich gut im Aquarium pflegen, aber wohin mit ihnen, wenn sie einfach zu groß geworden sind? Dabei gibt es andere Arten von sehr ähnlichem Aussehen, die zeitlebens klein bleiben (6-8 cm) und genauso tagaktiv und ununterbrochen umherschwimmend sind, wie die Haiwelse: Schwälbchenwelse (Pareutropius) aus Afrika.

Es gibt vier Arten dieser Schwälbchenwelse, alle bleiben klein und sind in der Natur sehr häufig. Sie sehen einander so ähnlich, dass es eigentlich egal ist, welche Art man erwirbt, zumal sie sich in gemischten Schwärmen untereinander verhalten, als seien sie alle vom selben Stamm. Nur wenn man züchten möchte ist die Artfrage relevant. Dazu gilt die einfache Regel: Schwälbchenwelse aus Ostafrika (so gut wie nie im Handel) sind P. longifilis, solche aus dem Kongo (sehr selten im Handel) P. debauwi (am Ende nur mit „i“, nicht mit „ie“!) und die regelmäßig importierten aus dem Niger P. buffei. Die vierte Art, P. mandevillei, stammt ebenfalls aus dem Kongo; sollte sie schon jemals importiert worden sein, so hat sie niemand erkannt. Im Handel nennt man gewöhnlich alle Schwälbchenwelse „Eutropiella debauwie“ (beide Namen also falsch geschrieben, wenn schon, müsste es Eutropiellus debauwi heißen). Die meisten sind aber, wie gesagt, P. buffei. Die Unterschiede kann man den beigefügten Photos entnehmen, hauptsächlich ist es die Schwanzflossenfärbung, die es speziell interessierten Aquarianern ermöglicht, zwischen den Arten zu unterscheiden. Der häufig verwendete Name P. vandeweyeri ist ein Synonym zu P. buffei, Eutropiellus ein Synonym zu Pareutropius.

Vereinzelt enthalten die Schwärme von importierten P. buffei sehr helle Exemplare. Das ist keine eigene Art oder Variante, sondern die Folge einer Hornhauttrübung des Auges. Wir haben das nicht näher untersucht, es liegt aber die Vermutung nahe, dass es sich um ein Phänomen handelt, das dem der Goldsalmler aus Südamerika ähnlich ist. Die helle Färbung bewirkt, das die betroffenen Exemplare leichter zur Beute fischfressender Tiere werden. Wahrscheinlich wird die Hornhauttrübung, die wiederum zur Hellfärbung führt, durch einen Parasiten hervorgerufen, der einen Wirtswechsel durchläuft. Genau wie die Goldtetras sind die hellen Schwälbchenwelse im Aquarium uneingeschränkt lebensfähig und werden auch genau so alt wie ihre normalgefärbten Artgenossen, also mehrere Jahre.

Schwälbchenwelse sind tagaktive, sehr muntere und völlig friedliche Schwarmfische. Man sollte sie niemals in Gruppen von weniger als 6, besser 10-20 Exemplaren pflegen. Äußerlich erkennbare Geschlechtsunterschiede gibt es kaum, Weibchen werden etwas größer und sind fülliger. Wie so viele Welse reduzieren auch die Schwälbchenwelse während der Trockenzeiten zur Energieeinsparung ihre Gonaden (Hoden, Eierstöcke), da dies sehr fettreiches Gewebe ist. Im Aquarium mit seinen ganzjährig ähnlichen Temperaturen und der guten Futterversorgung ist für die Fische immer Trockenzeit, sie stellen darum alle Fortpflanzungsaktivitäten ein und reduzieren die Gonaden. Dieser Prozess lässt sich leicht durch die Imitation einer Regenzeit umkehren. Es genügt dabei, die Wasseroberfläche 6-8 Stunden täglich mit einem Filterrohr über ca. 50 Tage künstlich zu beregnen, um die Gonaden heranreifen zu lassen (Kirschbaum et al., 2008). Die Zucht gelang schon in den 1950er Jahren mit P. longifilis. Die Schwälbchenwelse sind Freilaicher ohne Brutpflege. Die Wasserwerte sind für die Pflege ohne Belang, jedes Trinkwasser ist geeignet. Die Wassertemperatur kann im Bereich zwischen 22 und 28°C liegen. Jedes handelsübliche Zierfischfutter (trocken, lebend, gefroren) passender Größe wird gerne angenommen. Pflanzen werden nicht beschädigt.

Für unsere Kunden: P. buffei hat Code 129000 (baby) bis 129005 (sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Kirschbaum, F., Leyendecker, U., Nyonge, B., Schulz, C., Weitkamp, H., Didhiou, S., Thomas, M. & C. Schugardt (2008): Environmental control of cyclical reproduction of tropical freshwater fish: Evidence from comparative experimental data. Cybium 2008, 32(2) suppl.: 294-296.

Text & Photos: Frank Schäfer

Knodus borki (früher falsch als Boehlkea fredcochui bestimmt)

20. Februar 2026

Dr. Axel Zarske hat im Jahr 2008 bei der Überprüfung einer neu importierten Art (bei uns bislang als Boehlkea sp. „Sky Blue“ bezeichnet) herausgefunden, dass es sich um den echten Boehlkea fredcochui handelt. Die seit Jahrzehnten als B. fredcochui bezeichneten Fische repräsentierten hingegen eine wissenschaftlich noch nicht erfasste Art der Gattung Knodus, die zu Ehren von Dieter Bork als Knodus borki beschrieben wurde.

Geblieben ist der Gebrauchsname Blauer Perusalmler. Erstmals importiert wurden die Tiere um 1956. Die damalige Fundortangabe „Leticia“ (Kolumbien) bezog sich auf die Stadt, aus der der Export erfolgte. Bis zum heutigen Tag ist Leticia im Dreiländereck von Peru, Brasilien und Kolumbien einer der wichtigsten Umschlagplätze für Zierfische in Amazonien. Etliche Raritäten werden sogar ausschließlich über Leticia verschickt, obwohl sie aus relativ weit entfernten Gegenden stammen, einfach weil sich in Leticia die Infrastruktur befindet, die eine Vermarktung der Tiere erst ermöglicht. Tatsächlich kommt Knodus borki aber in der Umgebung von Iquitos vor. Im Hobby gehört der Blaue Perusalmler zum Standardangebot. Er st ganzjährig verfügbar, meist als Nachzucht, gelegentlich aber auch als Wildfang. Es gibt auch eine Albino-Zuchtform.

Knodus borki wird 4-5 cm lang (Totallänge, inklusive Schwanzflosse) und ist ein sehr friedlicher, höchst aktiver Schwarmfisch. Pflanzen und eventuelle Mitbewohner im Aquarium werden nicht belästigt. Die Pflege der quirligen Tiere ist einfach. man sollte sie im Trupp von mindestens 10 Exemplaren pflegen. Arttypisch ist die etwas „hängende“ Schwimmweise. Sie ist nicht so extrem wie bei den Schrägstehern, aber besonders dann, wenn die Fisch einmal kurz innehalten (und der Fotograf scharfstellen und abdrücken kann) fällt das ins Auge. Jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich zur Pflege der Tiere, die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 26°C liegen. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Männchen und Weibchen unterscheiden sich farblich nur wenig, die hellen Zonen in den Zipfeln der Schwanzflosse sind bei Männchen jedoch deutlicher ausgeprägt. Es handelt sich um Freilaicher ohne Brutpflege.

Für unsere Kunden: das Tier hat – je nach Größe – Code 210001 bis 210004 (Wildfang) und 210011 bis 210014 (Nachzucht) auf unserer Stockliste. Der sehr selten im Handel befindliche „echte“ Boehlkea fredcochui hat Code 210051 bis 210053. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis haraldschultzi (früher: Corydoras haraldschultzi)

20. Februar 2026

In der Liste der Allzeit-Favoriten unter den Panzerwelse steht Hoplisoma sterbai (früher: Corydoras sterbai, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sterbai-wild-3/) aus dem Einzug des Rio Guapore in Brasilien und Bolivien ganz oben. Die Art ist ganzjährig als Nachzucht und gelegentlich auch als Wildfang erhältlich, es existiert sogar eine Albino-Zuchtform dieser Tiere. Der dazugehörige Langschnäuzer aus dem gleichen Verbreitungsgebiet ist Brochis haraldschultzi. Es gab um die Typuslokalität von B. haraldschultzi einige Verwirrung, aber es scheint nach aktuellem Wissensstand so zu sein, dass H. sterbai und B. haraldschultzi tatsächlich syntop vorkommen; das Wort „syntop“ bedeutet, dass beide Arten im gleichen Habitat gemeinsam leben. Kommen zwei Arten nur im gleichen Gebiet, aber nicht gemeinsam vor, so nennt man das sympatrisch.

Obwohl H. sterbai und B. haraldschultzi zusammen 1962 wissenschaftlich beschrieben wurden und beide Arten zu dieser Zeit auch bereits lebend als Aquarienfische existent waren, gelang es B. haraldschultzi nie, den Bekanntheitsgrad seines Vetters zu erreichen, vom Beliebtheitsgrad ganz zu schweigen. Wer von beiden der schönere ist? Das ist ausschließlich Geschmacksache. Sicher ist nur: auf dem Zierfischmarkt ist dauerhaft nur sehr selten Platz für zwei ähnliche Arten. Früher oder später setzt sich eine davon durch und die andere wird zur Rarität. In diesem Fall wurde B. haraldschultzi zur Rarität. Wir freuen uns daher immer besonders, wenn uns wieder einmal ein Import der Art gelingt und damit auch die etwas spezielleren Ansprüche der Corydoras-Fangemeinde bedienen zu können.

Bezüglich der Pflege und Zucht gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen H. sterbai und B. haraldschultzi. Ökologisch trennen sich die beiden durch die Kopfstruktur, die es ihnen ermöglicht, unterschiedliche Nahrungsressourcen zu nutzen. So können beide auch nebeneinander existieren, ohne sich Konkurrenz zu machen. Die ähnliche Färbung zeigt in keine nähere Verwandtschaft an. Es ist vielmehr so, dass Panzerwelse aufgrund ihrer starken Stacheln an den Brustflossen und der Rückenflosse (Stiche speziell der beiden genannten Arten tun auch beim Menschen höllisch weh!) meist nur einmal von fischfressenden Tieren erbeutet werden. Danach meiden die Fischfresser diese stacheligen Biester. Davon profitiert jeder Panzerwels ähnlicher Färbung, weshalb sich oft bis zu vier oder fünf nicht näher verwandte Arten im gleichen oder doch sehr ähnlichen Farbkleid präsentieren. H. sterbai und B. haraldschultzi werden mit maximal ca. 8 cm Länge (Totallänge inklusive Schwanzflosse) ähnlich groß.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 231502-231506 (je nach Größe) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Aphyosemion striatum

20. Februar 2026

Wir haben diesen wunderschönen Haftlaicher als Nachzucht im Sortiment; aus der ursprünglichen Heimat der Tiere – Gabun und Äquatorialguinea – erfolgen keine Exporte. Die Art wurde bereits 1911 wissenschaftlich beschrieben und wird seit 1961 im Aquarium gepflegt und gezüchtet. Den Killifischen  haftet leider immer noch der Ruf an, sie seien besonders empfindlich, kurzlebig und für Gesellschaftsaquarien grundsätzlich ungeeignet. Das stimmt so allerdings nicht. Die haftlaichenden Aphyosemion-Arten, also alle Arten, deren Eier sich im Wasser entwickeln und die keine Trockenzeit durchlaufen müssen, werden genau so alt, wie andere Fische ähnlicher Größe, also mindestens 2-3 Jahre. Zu dieser Gruppe gehört auch A. striatum.

Die Tiere sind keineswegs besonders empfindlich, wirken aber nur schön, wenn sie in etwas dunkler aufgestellten Aquarien mit reichlich Pflanzenwuchs untergebracht sind. Hier fühlen sie sich sicher und zeigen ihre ganze Farbenpracht.

Und schließlich zur Frage des Gesellschaftsaquariums: Aphyosemion sind ruhige, etwas schreckhafte Fische. Selbstverständlich darf man sie nicht mit Rabauken, wie z.B. Buntbarschen oder Sumatrabarben, zusammen pflegen. Aber in Gesellschaft kleiner, ruhiger Salmler oder Bärblinge, Labyrinthfischen oder kleinen Wels-Arten kann man auch viel Freude an Aphyosemion haben.

Die Wasserwerte sind für die Pflege von untergeordneter Bedeutung, generell sollte das Wasser aber keimarm sein und der pH nicht wesentlich über 7,5 liegen. Die Wassertemperatur darf zwischen 22 und 28°C liegen, wobei das untere Ende des Spektrums bevorzugt werden sollte. Gefressen wird jedes übliche Futter. Ein wichtiges Detail: in der Natur fressen diese Fische vermutlich vor allem lebende Insekten; jedenfalls springen sie leidenschaftlich gerne nach kleinen Fliegen etc. Das Aquarium muss daher unbedingt absolut lückenlos abgedeckt sein! Aphyosemion striatum wird maximal 5 cm lang.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 314501 (sm) bis 314504 (xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Macropodus „Snakeskin“

13. Februar 2026

Schon seit einigen Jahren genießt der erste exotische Aquarienfisch nach dem Goldfisch – der Paradiesfisch oder Makropode (Macropodus) – wieder verstärkte Aufmerksamkeit. Das liegt zum einen daran, dass neue interessante Wildformen entdeckt wurden, aber auch daran, dass die Züchter sich mit den Tieren wieder mehr Mühe geben und qualitativ hochwertige Exemplare anbieten. Schon seit dem ausgehenden 19ten Jahrhundert wurden Macropodus-Arten im Aquarium gekreuzt und die teils optisch sehr ansprechenden Hybriden als „neue Art“ vermarktet. Das brachte gutes Geld in die Kassen der Züchter, die Kundschaft fühlte sich jedoch etwas veräppelt. Während in der Vogelzucht Hybriden teilweise sehr gesucht sind und es kaum eine Gartenblume gibt, die nicht auf Kreuzungen zurückzuführen ist, ist das Kreuzen von Arten bei Zierfischen immer noch etwas verpönt. Das ändert allerdings wenig daran, dass praktisch alle Lebendgebärenden im Handel das Ergebnis von Artkreuzungen sind. Unserer Meinung nach ist gegen Hybriden nichts einzuwenden, wenn sie als solche erkennbar benannt werden. Dann kann ja jeder Käufer selbst entscheiden.

Aus Singpur erhielten wir jetzt „Snakeskin-Makropoden“. Wir halten diese Fische für Hybriden. Wer oder was genau da verkreuzt wurde, ist kaum zu sagen. Erfahrungsgemäß sind Macropodus-Hybriden, ähnlich wie bei Xiphophorus-Arten, auf die Elternarten rückkreuzbar. Dadurch werden neue Gene in die Stammart eingebracht und man erhält uneingeschränkt fortpflanzungsfähige neue Stämme. Zweifellos erinnern die neuen „Snakeskin“ an den „Blue Tiger“ (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/macropodus-blue-tiger/), der ja auch eine Hybride ist. Die zu seiner Erzüchtung benutzen „Snakeskin“ sind aber nach unseren Recherchen nicht identisch mit den neuen „Snakeskin“, sondern etwas abweichend gezeichnete Schwarze Makopoden (M. spechti).

Wie auch immer: da die neuen „Snakeskin“  farblich auffällige Tiere sind, von unerschrockenem Temperament und bereits sehr früh durchfärben (die photographierten Fische sind gerade mal 3-4 cm lang) werden sie ganz sicher ihre Käufer finden. Sehr schön sind sie jedenfalls!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 426082 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Iriatherina werneri

13. Februar 2026

Die Entdeckung von Iriatherina werneri im Jahr 1973 durch zwei reisende Aquarianer in Reisfeldern nahe der Stadt Merauke auf Neu Guinea war damals eine Sensation. Wissenschaftlich beschrieben wurden die Tiere 1974 und zu Ehren eines der Entdecker benannt. Da es zu dieser Zeit keine Zierfisch-Exporte von Neu-Guinea gab, war man auf Nachzuchtexemplare angewiesen. Die waren teuer und ausschließlich männlichen Geschlechts. Die wenigen Züchter hatten ein Monopol inne und gaben es nicht leichtfertig her. Erst als 1978 auf der Cape York-Halbinsel in Australien in Sumpfgebieten des Jardine River eine weitere Population entdeckt wurde, fiel das Monopol. Nun waren endlich auch Weibchen verfügbar. Die sind zwar bei weitem nicht so hübsch wie die Männchen, aber unentbehrlich für die Zucht. Heutzutage ist der Schmetterlings-Regenbogenfisch theoretisch von etlichen kommerziellen Zuchtbetrieben für relativ wenig Geld zu bekommen, doch gab es in den letzten Jahren große Qualitätsprobleme. Wir sind darum froh, jetzt wieder einen zuverlässigen Lieferanten für gesunde und stabile Iriatherina werneri (es gibt nur diese eine Art in der Gattung) zu haben.

Der deutsche Name – Schmetterlings-Regenbogenfisch – wurde sehr passend gewählt, denn wie ein Tagschmetterling seine Flügel, so klappt das Männchen in der Balz die vordere der beiden Rückenflossen auf und ab. Die Männchen haben zudem lange, fadenartig ausgezogene, tiefschwarze Filamente in der zweiten Rückenflosse und der Afterflosse. Mit maximal 5 cm Länge ist der zarte Fisch ausgewachsen. 

Es gibt kaum einen friedlicheren Aquarienfisch. Man darf diese Art darum nur mir ebenfalls sehr friedlichen anderen Fischen gemeinsam pflegen, sonst gehen sie unter. Bezüglich der Wasserwerte ist I. werneri sehr anpassungsfähig, der pH kann zwischen 5,5 und knapp über 8 liegen (aber Achtung: Anpassungen müssen sehr langsam vorgenommen werden, die Tiere sind äußerst empfindlich gegen plötzliche Veränderungen!), die Härte im Bereich weich bis mittelhart. Die Wassertemperatur sollten etwas höher als allgemein üblich sein, ca. 25-29°C. Das wichtigste ist aber die richtige Fütterung. Die Tiere haben nur ein kleines Maul. Futterpartikel dürfen darum auch für erwachsene Exemplare nicht groß sein. Artemia-Nauplien sind ideal, dazu sehr feingeriebenes Trockenfutter, Mikrowürmchen und Essigälchen, Rädertierchen, Cyclops (auch gefrostet) etc. 

Wer diese Bedingungen erfüllt und den Tieren auch noch Huminstoffe aus Torf, Erlenzäpfchen oder totem Laub zur Verfügung stellt, wird seine helle Freude an den herrlichen Tieren haben.

Für unsere Kunden: die Fische haben – je nach Größe – Code 421702 (md) bis 421705 (sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypsolebias faouri

13. Februar 2026

In ganz kleiner Stückzahl können wir den erst im Jahr 2016 wissenschaftlich beschriebenen Hypsolebias faouri anbieten. Es handelt sich um einen der seltensten Fische der Welt. Selbstverständlich sind alle Tiere im Handel in diesem Fall Nachzuchtexemplare. 

Was macht einen Fisch selten? Das Adjektiv selten kann alles mögliche bedeuten. Selten im Handel heißt noch lange nicht selten in der Natur. Selten in der Natur bedeutet kaum jemals, dass es nur wenige Individuen gibt. Als selten in der Natur bezeichnet man eine Fischart dann, wenn sie innerhalb des zoogeografischen Einzugsgebietes – also z.B. dem Einzug eine größeren Flusses oder entlang der Küste eines Meeres – nur an wenigen Orten gefunden wird. Dort allerdings kann sie ausgesprochen häufig sein. Kleinfische sind in der Natur immer auch Beutetiere. Entsprechend müssen sie Verluste kompensieren können. Darum gibt es gewöhnlich keine individuenarmen Kleinfischpopulationen. 

Hypsolebias faouri ist ein typischer annueller Killifisch. Das bedeutet, die Art lebt in Gewässern, die im Laufe der Jahreszeiten vollständig austrocknen. Wenn das geschieht, müssen alle Fische sterben. Die Art überlebt nur in Form ihrer Eier, die sie im Bodenschlamm abgelegt hat. Bisher hat man Hypsolebias faouri nur in einem einzigen Tümpel in Brasilien gefunden. Dieser Tümpel liegt rund 100 km nördlich der Stadt Barreiras; das Wassereinzugsgebiet, in dem der Tümpel lokalisiert ist, gehört zum Rio Sao Francisco. Dieser Tümpel ist maximal 130 cm tief (durchschnittlich 100cm), hat sandig-lehmigen Bodengrund und eine relativ reiche Vegetation (Seerosen und Echinodorus). Normalerweise liegt die Regenzeit in den Monaten Dezember bis März, danach beginnt der Tümpel, nach und nach auszutrocknen. Leider haben Bewohner einer Siedlung, die nahe des Tümpels wohnen, an einer Stelle den Boden so weit vertieft, dass er dort ganzjährig Wasser führt. Dort haben sie Buntbarsche (Astronotus und Tilapia) als Speisefische eingesetzt. Wenngleich es für die Hypsolebias faouri kein Problem ist, das alljährliche komplette Aussterben aller Individuen zu überstehen, stellen die Buntbarsche eine ernsthafte Gefahr dar. Denn sie wandern sofort, wenn die Regenfälle beginnen, in den wieder mit Wasser gefüllten Tümpel ein und fressen die Killifische. 

Somit muss man Hypsolebias faouri leider nicht nur als einen der seltensten Fische der Welt bezeichnen, sondern auch als einen am stärksten vom Aussterben bedrohten. Glücklicherweise gibt es keinerlei Handelsbeschränkungen für die Art; solche Handelsbeschränkungen würden nämlich die Erhaltungszucht im Aquarium ganz unnötig erschweren und den freilebenden Beständen gar nichts nützen. 

Hypsolebias faouri lässt sich unter Aquarienbedingungen gut nachzüchten. Die Art ist untereinander ausgesprochen friedlich, was man von ihren Gattungsgenossen nicht gerade oft sagen kann. Natürlich gehören diese Spezialistenfische in Spezialistenaquarien. Diese brauchen gar nicht groß sein. Das Wasser am Naturstandort ist weich und ganz leicht sauer (pH 6,5). Die Wassertemperatur beträgt 25-28°C. Zum Ablaichen tauchen Hypsolebias faouri, wie alle Hypsolebias, tief in den Bodengrund ein. Gut ausgekochter Torf (in diesem Fall kann man die Verwendung kleiner Torfmengen auch als ökologisch korrekter Mensch rechtfertigen) hat sich dafür bewährt. Man stellt einfach eine entsprechend große, mit Ablaichsubstrat gefüllte Schale in das ansonsten kahle Aquarium und kann so leicht den Laich bergen. Hier ist nicht der Ort für ausführliche Zuchtanleitungen, dafür gibt es Spezialliteratur in Fülle. 

Die kurzlebigen Killifische haben eine hohe Stoffwechselrate. Häufige und kräftige Fütterung ist deshalb wichtig. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 326802 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Phenacogrammus sp. „Fantastique“

13. Februar 2026

Seit dem Jahr 2018 macht eine relativ kleine Salmlerart aus dem zentralen Kongobecken von sich reden: Phenacogrammus sp. „Fantastique“. Bislang findet man aber nur sehr wenig Literatur zu diesen Tieren, was angesichts der (für einen afrikanischen Alestiden) geringen Größe und der zumindest zeitweise wunderschönen Färbung der Männchen dann doch etwas erstaunt. Wissenschaftlich untersucht wurden diese Tiere bislang unseres Wissens nicht. Bereits die Zuordnung zur Gattung Phenacogrammus ist somit fragwürdig, denn die Gattungseinteilungen afrikanischer Kleinsalmler sind seit jeher Gegenstand kontroverser Debatten unter den damit befassten Ichthyologen. 

Die äußerlich erkennbaren artspezifischen Merkmale des Phenacogrammus sp. „Fantastique“ sind – abgesehen von der herrlichen Färbung balzaktiver Männchen, die sie jedoch erst nach längerer Eingewöhnungszeit zeigen – ein schlanker Körperbau, ein deutlich ausgeprägter Schulterfleck ( = Humeralfleck), die mittleren Strahlen der Schwanzflosse bei Männchen schwarz gefärbt, bei großen Männchen ragen diese schwarz gefärbten mittleren Schwanzflossenstrahlen in Form einer fädigen Verlängerung über den Hinterrand der Schwanzflosse hinaus und als wichtiges, wenn auch auf den ersten Blick unscheinbares Merkmal, eine deutlich sichtbarer weißer Punkt auf der Fettflosse. Nimmt man alle diese Merkmale und die Herkunft (zentrales Kongobecken) zusammen und geht davon aus, dass es sich um eine bereits wissenschaftlich erfasste Art handelt, so spricht sehr viel für eine Identität des Phenacogrammus sp. „Fantastique“ mit P. deheyni. Erst kürzlich (2021) wurden zwei ähnliche Kongosalmler aus dem zentralen Kongobecken neu beschrieben, nämlich Phenacogrammus flexus und P. concolor. Im Zuge der Abgrenzung dieser beiden neuen Arten mit den bereits bekannten Spezies, wurden auch die vier anderen aus dem zentralen Kongobecken bekannten Arten (P. polli, P. deheyni, P. aurantiacus und P. interruptus) überprüft; eine Identität des Phenacogrammus sp. „Fantastique“ mit allen Arten außer P. deheyni und P. concolor kann aufgrund dieser Arbeit ausgeschlossen werden. Leider ist die Lebendfärbung von P. concolor unbekannt. Darum bleibt man für die Aquarienimporte vorerst besser bei Phenacogrammus sp. „Fantastique“ als Namen.

Wegen der komplexen politischen Situation im Kongo und wegen großer logistischer Probleme dort ist Phenacogrammus sp. „Fantastique“ ein nur sehr selten importierter Fisch, der zudem teuer ist. Wie so viele Alestiden ist die Art außerdem transportempfindlich. Jedes Umsetzen sollte gut überlegt sein. Die Tiere brauchen stets recht lange, bis sie sich gut eingewöhnt haben und sind in dieser Zeit naturgemäß krankheitsanfällig. Der Fundort wird wie folgt geschildert: ein colafarbener, flacher Waldbach, der in den Likouala fließt. Sehr weiches, saures Wasser (pH 4,5, Leitwert 15 µS/cm), Wassertemperatur um 11.30 im Februar (Trockenzeit) 24°C, heller Sandboden, Holzeinlagerungen und Totlaub, keine Unterwasserpflanzen. Die Tiere schwimmen in der Trockenzeit in Schulen von 30-50 Exemplaren (Numrich, 2018).

Die Maximallänge von Phenacogrammus sp. „Fantastique“ soll laut Internet-Angaben, die wir nicht überprüfen können, um 8 cm liegen (damit ist wahrscheinlich die Totallänge, also mit Schwanzflosse, gemeint), Numrich (2018) gibt 6 cm Länge an. Die Maximallänge von P. deheyni wird in der aquaristischen Literatur mit fast 10 cm angegeben, die adulten Beschreibungsexemplare waren aber nur 5-6 cm lang (inkl. Schwanzflosse) und sowohl P. flexus wie auch P. concolor haben eine Standardlänge (ohne Schwanzflosse) von unter 5 cm. Die für diesen Post fotografierten Tiere sind inkl. Schwanzflosse etwa 5 cm lang und gerade geschlechtsreif. Es handelt sich bei „Fantastique“ also um einen kleinen Fisch.

Die knallrote Färbung, die die Männchen wohl zur Balzzeit zeigen, konnten wir leider noch nicht beobachten. Aber das kennt man ja von Salmlern, man denke nur an Hemigrammus coeruleus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemigrammus-coeruleus-3/). In der Normalfärbung wirken Männchen orange-kupferfarben mit rötlichen Flossen und zwei tiefroten Tupfen in der Schwanzflosse; die Weibchen sind schlichter gefärbt. Im Sozialverhalten, der Futterannahme etc. konnten wir noch keine Unterschiede zum altbekannten Kongosalmler (P. interruptus) feststellen. Es sei an dieser Stelle darum auf die reichhaltige Literatur zu diesem Fisch verwiesen.

Alles in allem ist Phenacogrammus sp. „Fantastique“ ein spannender Neuzugang, dem man eine weite Verbreitung wünscht!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 159102 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Numrich, R. (2018): Kongosalmler aus dem Herzen Afrikas. Amazonas Heft 75 (14) 1: 20-27

Poll, M. (1945): Descriptions de Mormyridae et de Characidae nouveaux du Congo belge avec une étude du genre Stomatorhinus et des genres de Characidae nains africains. Revue de Zoologie et de Botanique Africaines v. 39 (no. 1): 36-77

Stiassny, M. L. J., Alter, S. E., Monsembula Iyaba, R. J. C. and T. L. D. Liyandja (2021): Two new Phenacogrammus (Characoidei; Alestidae) from the Ndzaa River (Mfimi-Lukenie basin) of Central Africa, Democratic Republic of Congo. American Museum Novitates No. 3980: 1-22

Text & Photos: Frank Schäfer

Pristobrycon careospinus ( = Serrasalmus careospinus)

6. Februar 2026

Im Jahr 1992 beschrieben W. L. Fink und A. Machado-Allison zwei Piranha-Arten der Gattung Pristobrycon aus Flüssen des Rio-Atabapo-Einzuges (Venezuela): P. careospinus und P. maculipinnis. Die beiden Arten unterscheiden sich farblich. Während P. maculipinnis kleine Punkte am Körper und Flecken in den senkrechten Flossen zeigt, sind die Flossen bei P. careospinus ohne Zeichnung und die Flecken am Körper groß. Leider lagen den Wissenschaftlern nur wenige Exemplare vor. Von P. maculipinnis hatten sie sechs Exemplare, von P. careospinus sogar nur eines. Das ist angesichts der bekannt großen farblichen Variabilität von Piranhas und der ebenfalls berühmt-berüchtigten Farbwechsel dieser Fische, die sie während ihres Wachstums durchlaufen (wissenschaftlich nennt man das ontogenetische Farbwechsel) natürlich problematisch. 

Im Jahr 2006 tauchten erstmals farblich sehr beeindruckende Piranhas aus Venezuela im Zierfischmarkt auf. Sie wurden damals als Pristobrycon maculipinnis bestimmt, wobei es als wahrscheinlich angesehen wurde, dass P. maculipinnis und P. careospinus die gleiche Spezies darstellen würden.

Nun gelang uns endlich wieder der Import dieser wunderschönen Piranhas, diesmal von vier Exemplaren. Inzwischen halten wir die 2006 importierten und auch die jetzt wieder eingeführten Pristobrycon für Angehörige der Art P. careospinus und denken, dass die frühere Annahme, P. careospinus und P. maculipinnis seien identisch, ein Irrtum war.

Der Unterschied zwischen Pristobrycon und anderen Piranha-Gattungen ist äußerlich nicht erkennbar. Es handelt sich dabei um ein Knochenmerkmal, nämlich das Gaumendach (in wissenschaftlichen Publikationen als Palatin oder Ectopterygoid bezeichnet). Dieses ist bei typischen Serrasalmus-Arten bezahnt, bei Pygocentrus-Arten glatt und unbezahnt und bei Pristobrycon-Arten rau und unbezahnt. Neuere molekularbiologische Untersuchungen sehen P. careospinus nicht mehr in der Gattung Pristobrycon, sondern ordnen sie bei Serrasalmus ein. Dann heißt die Art folglich Serrasalmus careospinus.

Über das Verhalten dieser Art ist so gut wie nichts bekannt. In der Natur tritt sie offenbar meist einzeln auf. Im Aquarium sind Piranhas häufig notorische Flossenbeißer, was eine dauerhafte Einzelhaltung nötig machen kann. Andererseits hat Oliver Lucanus (mündl. Mitt.) zumindest eine zeitlang eine Gruppe der wunderschönen Art, die wir hier vorstellen, unter der Bezeichnung P. maculipinnis gemeinsam gepflegt. Insgesamt werden die Vertreter der Gattung Pristobrycon (im herkömmlichen Sinne) nur äußerst selten im Aquarium gepflegt, was schade ist, denn alle Arten bleiben gewöhnlich unter 20 cm Totallänge und sind teils sehr attraktiv gefärbt. Detaillierte Pflegeberichte fehlen in der aquaristischen Literatur, von Zuchtberichten ganz zu schweigen. 

Die Bilder zeigen Exemplare des Importes von 2006 und eine Collage der vier gerade bei uns angekommenen Tiere, die sich naturgemäß noch von den Strapazen des Transportes erholen müssen, aber offensichtlich kerngesund sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 283285 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml

Hyphessobrycon amapaensis

6. Februar 2026

Zu den begehrtesten Kleinsalmlern zählte einst der Dreibandsalmler, Hyphessobrycon heterorhabdus. Als die Salmler groß in Mode waren – in den 1950er bis 1970er Jahren – wurde diese Art als „Problemfisch“ eingeordnet, denn ohne Tricks und Kniffe pflanzte er sich nicht fort. Die reine Haltung ohne Zuchtabsichten war jedoch auch bei dieser Art völlig problemlos. Heute kennen wir einen ganzen Komplex von Dreibandsalmler-Arten und ihre Bestimmung ist alles andere als einfach. Wahrscheinlich waren die damals gepflegten Tiere gar keine H. heterorhabdus. Nähere Informationen hierzu finden sich hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-heterorhabdus/

Aber eine sehr eng verwandte Art dieses Dreibandsalmlers ist jedoch ziemlich leicht zu bestimmen: Hyphessobrycon amapaensis, der Amapa-Dreibandsalmler. Diese Art wurde während einer Zierfischexpedition von Bitter und Hessfeld in Brasilien gefangen und mitgebracht, was damals (1997) noch legal möglich war. Ein Jahr später erfolgte die wissenschaftliche Beschreibung als neue Art durch Zarske und Gery. Der Fundort war ein Savannenbach an der B156 im Bundesstaat Amapa. Das Wasser dort war klar, leicht bräunlich, leicht sauer (pH 5,8 bis 6,3), sehr weich (sowohl KH wie auch GH unter 1° dH, Leitwert 9-13 µS/cm) und rund 25-27°C warm. Der interessanteste Beifisch war Hyphessobrycon takasei (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-takasei/).

Das Erkennungszeichen von Hyphessobrycon amapaensis liegt im schwarzen Anteil des Längsbandes. Das Längsband besteht bei allen Dreibandsalmlern im engeren Sinne aus drei unterschiedlich gefärbten, parallel verlaufenden Bändern, einem roten, einem hellen und einem schwarzen. Das schwarze Band von Hyphessobrycon amapaensis ist im Gegensatz zu allen anderen Dreibandsalmlern unmittelbar hinter dem Kiemendeckel bis Ende der Brustflossen stark verbreitert und verläuft außerdem bis in die Schwanzflosse hinein. Das oberste Band ist korallenrot und viel klarer als bei anderen Dreibandsalmlern. Zur sicheren Bestimmung muss man sich etwas Zeit lassen. In Abhängigkeit von der Stimmung kann jeder Fisch die Körperzellen, die das schwarze Pigment enthalten, stark zusammenziehen – dann wird der Fisch hell, die schwarze Zeichnung fast unsichtbar – oder ausdehnen. So wird der sehr rasche Farbwechsel, den so viele Fische zeigen, erst möglich. Bei erschreckten Hyphessobrycon amapaensis ist das schwarze Längsband oft nicht gut zu erkennen.

Hyphessobrycon amapaensis hat sich von allen Dreibandsalmlern als einzige Art einen festen Platz im Hobby erobert. Er steht fast ganzjährig in guter Qualität als Nachzucht in verschiedenen Größen zur Verfügung, obwohl seine Zucht auch heutzutage noch einen erfahrenen Salmlerzüchter erfordert. Wildfänge kommen nur sehr sporadisch auf den Markt. Die Bilder zeigen Nachzuchtexemplare der Größenklasse md-lg. Es handelt sich um einen idealen Fisch für gut gepflegte Gesellschaftsaquarien. Zur optimalen Ausfärbung ist weiches, leicht saures Wasser günstig, die Anpassungsfähigkeit der Fische ist jedoch hoch und praktisch jedes Leitungswasser zur Pflege geeignet. Die Art ist völlig friedlich gegen Artgenossen und artfremden Fischen, die Pflege sollte im Schwarm erfolgen. Die Maximallänge beträgt etwa 4 cm. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben, je nach Größe und Ursprung, Code 259452 (Nachzucht sm-md), 259453 (Nachzucht md-lg), 259454 (Nachzucht lg), 259463 (wild lg) und 259464 (wild xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Danio frankei

6. Februar 2026

Wir stellen immer wieder mal fest, dass ausgerechnet von den Fischarten, die am allerhäufigsten im Handel zu finden sind, auf unserer Homepage noch keine Einträge vorhanden sind. Das liegt natürlich daran, dass ständig so viele neue, spannende Arten vorzustellen sind, aber zugegeben: auch das vermeintlich Alte hat noch viel Spannendes zu bieten! 

Danio frankei erschien 1962 quasi aus dem Nichts auf dem Zierfischmarkt und wurde von Hermann Meinken anhand von Aquarienexemplaren als neue Art beschrieben. Seither wird in der aquaristischen und auch der wissenschaftlichen Literatur bis zum heutigen Tage intensiv (und letztendlich ergebnislos) darüber spekuliert, ob es sich bei D. frankei nur um eine Mutation von D. rerio, dem Zebrabärbling, handelt, oder ob es eine eigenständige Art ist. Fest stehen eigentlich nur zwei Dinge: Erstens: D. rerio und D. frankei lassen sich leicht kreuzen, die Mischlinge sind uneingeschränkt fruchtbar. Zweitens: es wurden noch nie Danio frankei in der Natur nachgewiesen. Über den Artstatus von D. frankei sagen beide Fakten nichts aus. Bei etlichen Lebendgebärenden Zahnkarpfen ist es möglich, Mischlinge zu erzüchten, auch hier gibt es keine Einschränkung in der Fruchtbarkeit. Trotzdem würde ja niemand ernsthaft daran zweifeln, dass Platy und Schwertträger verschiedene Arten sind. Und bei vielen anderen Arten war die natürliche Herkunft jahrzehntelang unbekannt. Berühmte Beispiele sind die Odessabarbe (Pethia padamya) und der Schwarze Makropode (Macropodus spechti). Von der Aquarium-Prachtbarbe (Pethia conchonius), deren Aussehen seit der Ersteinfuhr im Jahr 1903 sehr gut dokumentiert ist, ist bis heute ebenfalls das Wildvorkommen unbekannt. Wildfang-Prachtbarben aus Bengalen (von dort wurde die Art beschrieben) sehen völlig anders aus. Wenn Danio frankei eine natürlich vorkommende Art ist, so ist ihr Vorkommen im Nordosten Indiens zu vermuten, eine Gegend, in der viele Gebiete bis heute unzugänglich sind.

Obwohl Danio frankei (Leopardbärbling) und D. rerio (Zebrabärbling) so oft miteinander gekreuzt wurden, dass es reinblütige Tiere wohl kaum noch gibt, ist der Phänotyp* des Leopardbärblings bis heute – also über 70 Jahre seit seiner Ankunft im Hobby – unverändert geblieben. Es gibt zwar Zuchtformen – goldene, schleierflossige, gentechnisch veränderte (Glowfish) etc. – aber der Urtyp ist immer noch existent. Er unterscheidet sich vom Zebrabärbling nicht nur dadurch, dass er Punkte statt Längsbinden am Körper trägt (die dafür zuständigen Gene sind übrigens indentifiziert), sondern auch durch eine intensiv goldglänzende Körperfarbe. Ganz kleine, 5 mm lange Leopardbärblinge sehen wie goldene Neonfischchen aus. Diese Färbung hat ein Zebrabärbling niemals. Bis das Gegenteil bewiesen wurde, sollte man darum davon ausgehen, dass B. frankei eine gültige Art ist.

Im Aquarium sind Leopardbärblinge die reine Freude. Es sind völlig anspruchslose, absolut friedliche Schwarmfische, die mit jedem Trinkwasser als Lebensraum zufrieden sind und jedes übliche Zierfischfutter passender Größe will fressen. Die Wassertemperatur kann zwischen 16 und 30°C liegen, dauerhaft warme Haltung verkürzt die Lebenserwartung, dauerhaft kühle Pflege lässt die Farben verblassen. Am besten gönnt man den Tieren also einen gewissen jahrezeitlichen Rhythmus, wie der in den Subtropen Indiens – der Urheimat des Zebrabärblings und wohl auch des Leopardbärblings – anzutreffen ist.

Für unsere Kunden: Danio frankei hat – je nach Größe – Code 407602 (md) bis 407604 (xlg) in der Wildform, 407611 (sm) bis 407615 (sh) als Schleierflosser, 407623 (md-lg) als Goldform, 407634 (lg-xlg) und 407635 (sh) als schleierflossige Goldform auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

*Als Phänotyp bezeichnet man in der Biologie das äußere Aussehen, ohne Rücksicht auf die genetische Identität. Das Gegenteil davon bezeichnet man als Genotyp.

Text & Photos: Frank Schäfer

Andinoacara rivulatus „Silbersaum“

6. Februar 2026

Die prächtigen großwüchsigen Andinoacara-Arten waren bis vor relativ kurzer Zeit in der Gattung Aequidens untergebracht. Insgesamt umfasst die Gattung Andinoacara acht anerkannte Arten. Davon bilden drei großwüchsige Arten – A. blombergi, A. rivulatus und A. stalsbergi – einen Arten-Komplex. Diese drei Arten kann man darum relativ leicht miteinander verwechseln. Am einfachsten ist es mit der Goldsaum-Variante von A. rivulatus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/andinoacara-rivulatus/), denn nur diese Form hat innerhalb des Komplexes gelb-orange Flossensäume. A. stalsbergi hat silberweiße Flossensäume und wird darum auch als „Silbersaum-Buntbarsch“ bezeichnet. Das ist insofern irreführend, als dass dies nicht der entscheidende Artunterschied ist, weil beide andere Arten ebenfalls silberweiße Säume aufweisen können. Vielmehr muss man sich zur Bestimmung die Schuppen anschauen. Bei A. stalsbergi ist das Zentrum der Schuppen hell (leuchtend grünblau im Leben), die Schuppenränder dunkel. Bei den beiden anderen Arten ist es genau umgekehrt. Der Schwanzflossensaum männliche A. rivulatus der Silbersaum-Variante ist deutlich breiter als bei den beiden anderen Arten. So kann auch diese Form gut erkannt werden. 

Andinoacara rivulatus ist entlang der Pazifikseite von Peru und Ecuador relativ weit verbreitet. So wundert es nicht sehr, dass die Art verschiedene Farbvarianten ausgebildet hat. Wir haben die „Silbersaum-Variante“ von A. rivulatus als deutsche Nachzuchten im Stock. Die „Goldsaum-Variante“ wird dagegen vorwiegend von asiatischen Zuchtbetrieben angeboten.

Alle drei genannten Andinoacara-Arten können deutlich über 20 cm groß werden, sich also zu richtigen Brocken entwickeln. Werden sie in zu kleinen Aquarien gehalten, ist das ein Problem, denn dann werden sie zu „Green Terrors“, also „Grünen Schrecken“, wie sie im englischen Sprachgebrauch heißen. Eventuelle Mitbewohner haben dann nichts zu lachen. In ausreichend großen Aquarien sind sie hingegen eher ruhige Großbuntbarsche. Die Geschlechtsreife setzt schon viel früher, mit etwa 8 cm Länge ein. Andinoacara sind Offenbrüter mit Elternfamilie. Bezüglich der Wasserzusammensetzung sind sie anspruchslos, jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe. Die Wassertemperatur kann zwischen 20 und 26°C liegen, zur Zucht auch etwas wärmer. Während der Brutvorbereitung werden diese Fische innenarchitektonisch aktiv. Am besten bepflanzt man ihr Aquarium deshalb mit großen, getopften Pflanzen, die unter der Tätigkeit der Fische nicht so leiden müssen. Die Geschlechter lassen sich ganz gut am Schwanzflossensaum unterscheiden, der bei den Weibchen viel schmaler ist. Aber es gilt auch hier die alte Regel der Cichlidenpflege: während dominante Männchen immer leicht zu erkenn sind (in diesem Fall: breiter Schwanzflossensaum und Stirnbuckel) tarnen sich unterdrückte Männchen gerne farblich und körperlich als Weibchen. Wer also züchten möchte, sollte sich einen Trupp jüngerer Tiere anschaffen, aus dem sich gewöhnlich von selbst harmonisierende Pärchen finden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 610012 (4-6 cm), 610013 (6-8 cm) und 610014 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis sp. aff. evelynae ( = Corydoras sp. aff. evelynae)

30. Januar 2026

In der Aquarienkunde gibt es immer wieder Fische, die von Legenden umrankt sind. Dazu zählt unbedingt Hoplisoma evelynae, eine bereits 1963 anhand von einem einzigen Exemplar beschrieben wurde, das von Axelrod im Gebiet des oberen Rio Solimoes (so heißt der Amazonas oberhalb seines Zusammenflusses mit dem Rio Negro) gesammelt wurde. Aus irgendwelchen unbekannten Gründen gelangt diese Art nur selten in die Hände der Zierfischfänger. Mit der Zeit entwickelte sich ein regelrechter Hype um dieses Tier, das im Wesentlichen wie ein Stromlinienpanzerwels (Hoplisoma granti, im Hobby allgemein als Corydoras arcuatus bezeichnet) mit unterbrochener Rückenlinie, zwei parallel verlaufenen Streifen über den Flanken und einer gestreiften Schwanzflosse aussieht.

Eine Panzerwels-Art mit exakt diesem Zeichnungsmuster, aber der Kopfform eines Brochis der Clade 4 (das sind die spitzköpfigen Panzerwelse), konnten wir jetzt in kleiner Stückzahl aus Kolumbien importieren. Wir hatten schon früher Bilder dieser Art gesehen, die aus dem Amazonas-Einzug in Kolumbien stammt und über Leticia verschickt wird. Aber importieren konnten wir sie bislang nicht. Soweit wir wissen, hat dieser Fisch bislang keine C- oder CW-Nummer erhalten (C98 und CW13 sind ähnlich, stellen aber unserer Meinung nach andere Arten dar). Rundschnäuzige Tiere – also Hoplisoma – mit einer sehr ähnlichen Färbung haben die C-Nummer 90 erhalten. Vom „echten“ H. evelynae unterscheidet sich C90 durch einen prominenten schwarzen Sattelfleck direkt am Ansatz der Rückenflosse.

Unsere Tiere sind mit etwa 6 cm Gesamtlänge wohl geschlechtsreif, aber noch nicht völlig ausgewachsen. Ein Photo eines Tiere in Show-Size bei Armando Ortega-Lara (2016) zeigt noch viel deutlicher als unsere Exemplare die spezielle Kopfform, die so überaus typisch für Brochis der Clade 4 ist.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 229573 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Ortega-Lara, A. (2016): Guía visual de los principales peces ornamentales continentales de Colombia. SERIE RECURSOS PESQUEROS DE COLOMBIA – AUNAP. Santiago de Cali, Colombia.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sewellia patella

30. Januar 2026

Die Vertreter der Gattung Sewellia werden umgangssprachlich auch als „Prachtflossensauger“ bezeichnet, da ihre Zeichnung häufig sehr kontrastreich ist. Es gibt aber auch schlicht gefärbte Arten, wie die zuletzt wissenschaftliche beschriebene Spezies, S. pudens Kottelat, 2025. Es sind insgesamt 15 Sewellia-Arten benannt worden, doch wie viele davon auch gültig sind, ist wegen teilweise sehr unzureichender Qualität mancher Beschreibungen schwer zu sagen.

Kein Zweifel besteht aber über die Gültigkeit von Sewellia patella. Man kennt die Art bislang aus den Einzügen des Ba (Da Rang) River und des Sesan River, beide in Zentral Vietnam (Provinzen Gia Lia und Kon Tum). Diese Art ist der bekannten S. lineolata (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/sewellia-lineolata/, dort auch alle relevanten Pflege- und Zuchthinweise) auf den ersten Blick recht ähnlich, aber durch die Färbung deutlich unterschieden. S. lineolata, S. marmorata und S. pterolineata, die allesamt beim flüchtigen Hinsehen mit S. patella verwechselt werden könnten, haben ein schwarzes Band entlang der Außenseite der Brustflossen, das bei S. patella vollständig fehlt.

Ganz sicher kann man sein, wenn man die Tiere von unten betrachtet. Als einzige „gesicherte“ Sewellia-Art (S. analis, eine der fragwürdigen Arten, soll dieses Merkmal auch zeigen) hat S. patella zwei halbkreisförmige Fortsätze an der Afterflosse, deren Sinn oder Funktion unbekannt sind. Vermutlich stehen sie aber im Zusammenhang mit der Fortpflanzung bzw. dem Verhalten der Geschlechter zueinander, da diese Fortsätze bei Männchen und Weibchen unterschiedlich geformt sind. Ein weiterer Geschlechtsunterschied besteht in lappenartigen Fortsätzen auf der Oberfläche der Bauchflossen, die allerdings bei lebenden Tieren schwer zu erkennen sind. Diese Fortsätze sind bei den Männchen größer als bei den Weibchen.

In der Erstbeschreibung liefern die Autoren Freyhof und Serov auch wertvolle Hinweise zum natürlichen Lebensraum. Nach ihren Beobachtungen bevorzugt S. patella stärker strömende Gewässerteile als z.B. S. lineolata. Die Strömungsgeschwindigkeit im Habitat von S. patella betrug zwischen 0,6 und mehr als 1 m/s. Das sollte man zumindest bei der Eingewöhnung der Tiere berücksichtigen. Ansonsten gilt nach unseren bisherigen Erfahrungen alles, was man auch bei der Pflege von S. lineolata beachten sollte. Da die Art bisher nur einem kleinen Gebiet bekannt ist und die Bestände dort stark rückläufig sind, gilt sie als gefährdet. Es ist darum wünschenswert, eine stabile Aquarienpopulation aus Nachzuchten aufzubauen. Die bislang dokumentierte Maximallänge von S. patella beträgt 49 mm (Standardlänge ohne Schwanzflosse).

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 455113 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ctenopoma acutirostre

30. Januar 2026

Zu den schönsten afrikanischen Labyrinthfischen gehört der bis zu etwa 15-20 cm lang werdende Leopardenbuschfisch, Ctenopoma acutirostre. Seine Heimat ist der Kongo und für die Aquaristik werden die Tiere üblicherweise im Stanley Pool gesammelt. Dort leben sie tagsüber unter den schwimmenden Wiesen der Wasserhyazinthen (Eichhornia crassipes). Gelegentlich erfolgen aber Importe auch aus dem zentralen Kongogebiet (Lac Mai Ndombe) oder aus Kamerun. Die Art ist offenbar im gesamten Einzug des Kongo verbreitet. In der Dämmerung ziehen sie auf Raub aus. Sie lassen sich wie tote Fische durch das Wasser treiben und imitieren dabei mit ihrem Fleckenmuster einen verwesenden Fischkadaver. Das lockt kleine Fische an, die sich als Aasfresser betätigen wollen und nun ihrerseits als Nahrung für den Leopardenbuschfisch dienen.

Bezüglich der Nachzucht hat sich der Leopardenbuschfisch in Privathand als unzugänglich erwiesen. Zwar sind die Tiere untereinander vollkommen friedlich, man kann auch leicht die Geschlechter unterscheiden (die geschlechtsreifen Männchen haben Dornenfelder hinter den Augen und auf den Flanken, die dazu dienen, das Weibchen während der Paarungsumschlingung festzuhalten). Dennoch kam es bislang immer nur zu Zufallsvermehrungen im Aquarium, gezielte Zuchtansätze scheiterten. Sicher ist dabei zu berücksichtigen, dass die Hauptaktivitätszeit dieser Tiere in der Nacht liegt, auch die Paarungen nachts stattfinden und der Eiersegen dann morgens meist schon als Zusatzleckerei Verwendung gefunden hat, aber das erklärt den bisherigen Misserfolg von Aquarianern bei der Zucht nur teilweise.

In Südostasien gelingt jedoch seit Jahren die planmäßige Zucht der wunderschönen Fische und so können wir regelmäßig entzückende Leopardenbabies anbieten. Wie ihre Eltern beherrschen sie schon die angeborene Jagdtechnik durch sich-totstellen. Zur Ernährung braucht man aber glücklicherweise keine Fische. Sowohl junge wie auch erwachsene Leopardbuschfische sind leicht an Frostfutter (Mückenlarven etc.) zu gewöhnen und fressen nach der Eingewöhnung auch gerne Granulate und andere Trockenfuttermittel. 

Gegenüber Fischen, die etwa die halbe Körperlänge der Leopardbuschfische haben und somit als Futter nicht mehr in Frage kommen, sind C. acutirostre vollkommen friedlich, so dass sie auch gut in Gesellschaftsaquarien gepflegt werden können. Allerdings darf die Gesellschaft nicht aus hektischen Fischen bestehen, denn Leopardbuschfische mögen es ruhig und dämmerig.

Es gibt kaum zwei Leopardbuschfische mit dem exakt gleichen Muster. Die Nachzuchttiere haben allerdings alle das bekannte Leopardenmuster. Bei Wildfängen treten jedoch die absonderlichsten Farbvarianten auf, von völlig einfarbig braun bis hin zu senkrecht gestreift. Das führte in der Vergangennheit schon zu Verwechslungen mit dem ebenfalls aus dem Kongo stammenden Ctenopoma ocellatum. Ein weiteres Phänomen, das bislang nur bei Wildfängen beobachtet wurde, ist das Auftreten ungewöhnlicher Körpergrundfarben, wie orange oder (sehr selten) sogar violett. Diese Farben verschwinfen aber mit der Zeit im Aquarium und nach spätestens einigen Monaten sehen diese Fische aus, wie fast alle anderen C. acutirostre: beige Körpergrundfarbe mit schokoladenfarbenen Flecken. Leopardbuschfische sind langlebig, 10-15 Jahre im Aquarium sind völlig normal, anekdotenhaft hat man auch schon von doppelt so alten Tieren gehört.

Zur Pflege gibt es nicht viel zu sagen. Die Wasserwerte sind völlig unerheblich, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 30°C liegen. Zur Fütterung und Vergesellschaftung wurde schon alles gesagt, ebenso zur Beckeneinrichtung. Man bedenke lediglich, dass sich Labyrinthfische erkälten können, wenn sie zur Luftaufnahme an die Wasseroberfläche kommen. Also im Winter, wenn man lüftet, aufpassen, dass der Luftraum über dem Aquarium nicht zu stark auskühlt. Aber das gilt ja für alle Labyrinthfische.

Für unsere Kunden: die Nachzuchten haben, je nach Größe, Code 115011 (3 cm) bis 115015 (6-8 cm), die Wildfänge 115001 (3-4 cm) bis 115005 (14-16 cm). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Geophagus cf. camopiensis „Araguari“

30. Januar 2026

Der brasilianische Bundesstaat Amapá liegt im äußersten Nordosten Brasiliens am Atlantik. Zoogeografisch ist er deshalb besonders interessant, weil in seinen Flüssen – etwa dem großen Fluss-System des Rio Araguari – teils Fischarten vorkommen, die ansonsten nur im angrenzenden Französisch Guyana im Rio Oyapock vorkommen; wegen des hohen Preisniveaus in Französisch Guyana sind Zierfischexporte von dort kaum möglich: die Tiere sind einfach zu teuer.

SONY DSC

Darum freuen wir uns sehr, zumindest zwei der begehrten Oyapock-Fischarten aus brasilianischen Amapá-Populationen (Rio Araguari-Einzug) anbieten zu können: Retroculus septentrionalis (dazu vielleicht später ein Post, wenn die Tiere besser eingewöhnt und entsprechend attraktiver gefärbt sind) und Geophagus cf. camopiensis. 

Geophagus-Experten, mit denen wir stets in Korrespondenz stehen, sind sich ziemlich sicher, dass es sich dabei um Geophagus camopiensis handelt, eine Art, die bereits 1903 von Pellegrin aus dem Rio Camopi, einem nördlichen Zufluss der Rio Oyapock in Fr. Guyana beschrieben worden war. Aufsammlungen von Aquarianern in Französisch Guyana machten es möglich, dass wir wissen, wie diese Art aussieht. Auffällig ist vor allem ein sehr großer Flankenfleck. Die Amapá-Geophagus, die wir jetzt importieren konnten, wurden unter der irrigen Bestimmung „Geophagus proximus“ geschickt. Der Exporteur ließ sich offenbar durch den großen Flankenfleck erwachsener Tiere täuschen. G. proximus ist bekanntlich die Geophagus-Art mit dem größten Flankenfleck von allen. Bei der Amapá-Population von G. cf. camopiensis ist der Flankenfleck etwas kleiner und oft (nicht immer!) sehr rechteckig. Da es sich nicht völlig ausschließen lässt, dass es sich bei unseren Tieren um eine extrem ähnliche, aber eben doch andere Art handelt, schreiben wir den Artnamen mit cf. ( das bedeutet „vergleiche mit“). Wir nehmen an, dass Geophagus cf. camopiensis „Araguari“ mit dem 1988 erstmals importierten G. sp. „Araguari“ identisch ist.

Es gibt übrigens in Amapá noch mindestens eine weitere Geopagus-Art, die wir erstmals 2013 importieren konnten. Dabei handelte es sich zweifellos um eine Form aus dem G.-altifrons-Formenkreis mit sehr kleinem Flankenfleck. 

Geophagus cf. camopiensis „Araguari“ ist ein farbenfroher, gut haltbarer Erdfresser. Man sollte die Wassertemperaturen eher im oberen Bereich halten (26-28°C, zur Zucht 30-32°C), ansonsten sind die Fische gut anpassungsfähig. Es wird nach Art der Offenbrüter abgelaicht, die Jungen nach dem Schlupf aber im Maul weiter bebrütet. Beide Elterntiere beteiligen sich an der Maulbrutpflege. Es handelt sich also – auf fachchinesisch gesagt – um biparentale, larvophile Maulbrüter. Die Maximallänge dieser Tiere beträgt 18-20 cm. In der Natur sind sie – ähnlich wie andere Geophagus – oft in Gruppen anzutreffen. Es sind also vergleichsweise friedfertige Großcichliden, wobei man stets bedenken muss, dass das Verhalten von Buntbarschen stark von der Beckengröße und -einrichtung beeinflusst wird. Wie bei allen Geophagus-Arten ist eine große Fläche mit Sand zum Durchkauen auf Dauer lebensnotwendig, Zum Ablaichen sind einige größere, flache Steine vorzusehen.

Herzlichen Dank an Andreas Jekel für die Diskussion und die Bilder erwachsener Tiere!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 675322 (6-8 cm) und 675323 (8-10 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Fotos: Frank Schäfer & Andreas Jekel

Parailia pellucida

30. Januar 2026

Der Afrikanische Glaswels, Parailia pellucida, ist ein herrlicher Aquarienfisch, aber seltsamerweise im breiten Hobby nahezu unbekannt. Dabei ist diese Art fast immer erhältlich. Wir importieren sie regelmäßig aus Nigeria. 

Der Afrikanische Glaswels ist nicht näher mit den asiatischen Glaswelsen (am häufigsten im Aquarium: Kryptopterus vitreolus, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/kryptopterus-vitreolus/) verwandt. Dieser gehört zu den Echten Welsen (Siluridae), ist also ein Vetter des einheimischen Wallers, während die Afrikanischen Glaswelse zu der Familie Schilbeidae gehören. Das ähnliche Aussehen und Verhalten beider Gruppen von Glaswelsen beruhen also nicht auf Verwandtschaft, sondern auf ähnlichen Lebensbedingungen, genau wie bei Fledermäusen und Vögeln, die ja auch nicht  näher miteinander verwandt sind, nur weil sie beide Flügel haben.

Äußerlich unterscheidet sich P. pellucida von Kryptopterus durch den Besitz einer Fettflosse und durch die acht langen Barteln (zwei bei Kryptopterus). Die Maximallänge des Afrikanischen Glaswelses wird nur rund 15 cm angegeben, doch sind Exemplare über 8 cm Länge außerordentlich selten. Die Gattung Parailia umfasst übrigens fünf Arten, jedoch sind nur P. pellucida regelmäßig und gelegentlich P. congica (aus dem Kongo, sonst sehr ähnlich zu P. pellucida) im Handel. P. pellucida ist in der Natur außerordentlich häufig. Die Art stellt ein wichtiges Glied in der Nahrungskette für größere Fischarten dar, wird wegen ihres oft massenhaften Auftretens aber auch (in Form von Suppe oder Soße) direkt verwertet. Die großen Schulen umfassen meist Tiere sehr unterschiedlicher Größe, oft auch gemischt mit anderen Arten (z.B. Pareutropius buffei). Auch bei uns sind oft kleine P. buffei als Beifang in den Importen enthaltem

Afrikanische Glaswelse sind absolut friedliche Planktonfresser, die immer im Trupp gemeinsam mit ihresgleichen gepflegt werden sollten. Die Fische lieben gut bepflanzte, deckungsreiche Aquarien mit nicht zu greller Beleuchtung und lassen sich leicht mit allen üblichen Futtermitteln ernähren. Afrikanische Glaswelse sind völlig anspruchslos bezüglich Wasserhärte und pH-Wert, jedes Trinkwasser eignet sich auch zur Pflege dieser Welse. Im Gegensatz zu ihren besser bekannten asiatischen Vettern sind die Afrikanischen Glaswelse tagsüber stets gut sichtbar im Aquarium unterwegs, jedenfalls wenn das Aquarium nicht allzu grell beleuchtet wird. Die Asiaten stehen dagegen lieber in Deckung und warten auf die Dämmerung.

Gezielt gezüchtet wurden die Tiere wohl noch nie; die Männchen färben sich während der Balz oft sehr dunkel ein und balzen im Aquarium regelmäßig. Es gibt einen Bericht aus dem Jahr 1977, wonach ohne besonders Zutun plötzlich acht Jungtiere im Aquarium auftauchten, die sich zunächst im Wurzelbereich von Javafarn (Micropterus) aufhielten. Es wäre also bei Bedarf wohl kein ernsthaftes Problem, diese Fische für die Aquaristik nachzuzüchten. Allerdings besteht dafür derzeit keine Notwendigkeit und aus ökologischen Gründen ist der nachhaltige Wildfang (wie er hier absolut gegeben ist) vorzuziehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 155904 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Betta macrostoma

23. Januar 2026

Betta macrostoma ist mit Sicherheit einer der schönsten Kampffische – und einer der empfindlichsten. Man kennt kaum eine zweite Fischart, die derart empfänglich für bakterielle Infektionen ist, wie diese. Viele Züchter wissen sich nicht anders zu helfen, als ihre Becken permanent über UV-Filter laufen zu lassen. Ein kleiner Tipp: Lehm im Wasser aufgelöst „fängt“ ebenfalls zuverlässig Bakterien ein.

Wir haben diese kostbaren Fische normalerweise nicht im Stock, nur gelegentlich bieten wir einige wenige Paare an. Jetzt haben wir aber einmal eine Anzahl noch nicht ausgewachsener Tiere  von 5-6 cm Länge im Angebot; die maximal erreichbare Größe liegt bei etwa 8 cm. Die Geschlechter lassen sich in der Größe von 5-6 cm noch nicht mit Sicherheit unterscheiden, dafür ist die Anpassungsfähigkeit an veränderte Bedingungen bei diesen noch nicht geschlechtsreifen Tieren erheblich besser. Gewöhnlich haben die Weibchen in diesem Alter eine kontrastreichere Bindenzeichnung und das Kopfprofil ist zierlicher. Aber wenn die Fische gefangen werden und der Situation entsprechend farblich verblassen sind solch subtile Merkmale meist nicht erkennbar. Geschlechtsreife Männchen erkennt man leicht an einen dunklen Fleck in der Rückenflosse, der bei Weibchen stets fehlt.

Bei der Pflege von Betta macrostoma sind einige Punkte zu beachten. Erstens sind es exzellenze Springer. In der Natur (die Art kommt endemisch auf Borneo vor, wo sie im Sultanat Brunei gefunden wird) leben sie kleinen Bächen und haben dort oft kleine Wasserfälle zu überwinden. Außerdem sind Fluginsekten ein wichtiger Bestandteil ihrer Nahrung. Die Betta springen gut und gezielt nach diesem Futter. Wegen der Empfindlichkeit gegenüber Bakterien sollte das Wasser Huminsauer (pH 5,5-6) sein, das lässt sich in weichem Wasser am besten realisieren; in solchem Wasser funktioniert die Denitrifikation oft nur schlecht, der Nitritwert muss darum unbedingt im Auge behalten werden! Den sauren pH-Wert mögen die meisten schädlichen Bakterien nicht (leider gilt das auch für die nützlichen Filterbakterien), den Fischen wäre das sonst egal. Wurmfutter (Tubifex etc.) ist für B. macrostoma tabu. Das führt zu Darmerkrankungen. Statt dessen soll das Futter ballaststoffreich sein. Insekten und Krebstiere sind ein ideales Futter, die Tiere akzeptieren auch Trockenfutter, das sollte aber nicht die alleinige Nahrung darstellen. Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 28°C liegen. Auch wenn die Fische es nicht unbedingt brauchen: eine dichte Bepflanzung mit möglichst raschwüchsigen Wasserpflanzen ist sehr erwünscht, sie halten die Wasserqualität auf hohem Niveau, weil sie zum einen bakterizid wirkende Stoffe ans Wasser abgeben und zum anderen das von den Fischen abgegebene Ammonium zu großen Teilen verarbeiten. Dadurch wird die oft schwache biologsche Filterleistung in saurem Wasser bis zu einem gewissen Grad kompensiert.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – ja nach Größe – Code 384000 (sm) bis 384004 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Giuris margaritacea (G. aporocephalus)

23. Januar 2026

Wenn man diese Schläfergrundel aus dem indo-west-pazifischen Raum, wo sie sehr weit verbreitet ist, zum ersten Mal sieht, denkt man unwillkürlich an eine zu groß geratene australische Tüpfelgrundel (Mogurnda). Der wesentliche Unterschied zwischen Giuris und Mogurnda liegt – aquaristisch gesehen – darin, dass sich die winzigen Larven von Giuris im Meer entwickeln, die deutlich größeren von Mogurnda hingegen im Süßwasser. 

In der Literatur wird Giuris margaritacea als euryhaliner Fisch beschrieben, der gleichermaßen gut in Süß-, Brack- oder Meerwasser leben kann. Aber zumindest die farbenprächtige Population aus Indonesien, die wir gerade importieren konnten, ist wohl eher ein Süßwasserfisch.

Die extrem weite Verbreitung der Art von der ostafrikanischen Küste, der indonesischen Inselwelt, den Philippinen, der westlichen australischen Küste und entlang der Küste Südostasiens steht in seltsamem Widerspruch zu der Seltenheit dieser wirklich prachtvollen Fische im Hobby. Dabei scheint G. margaritacea sogar ein recht verträgliches Tier zu sein. Zumindest im Fotobecken hat sich das Pärchen (das Weibchen erkennt man an der deutlich kleineren und kürzeren ersten Rückenflosse; die Farbunterschiede sind eher stimmungsbedingt) ausgezeichnet vertragen. Aquarienbeobachtungen deuten übrigens darauf hin, dass diese bis zu 40 cm lange Grundel sich hauptsächlich von Insekten ernährt und kein Fischfresser ist, wie z. B. die Marmorgrundel (Oxyeleotris marmorata). Dennoch sollte man bei der Vergesellschaftung vorsichtig sein, alle Fische, die ins Maul passen, sind gefährdet.

Wir konnten jetzt einige 15-20 cm lange, ganz prächtige Exemplare dieser Grundel, die in der älteren Aquarienliteratur auch als Ophieleotris aporos (Manilagrundel) bezeichnet wird, importieren.

NACHTRAG: In einer Revision der Giuris-Arten (Keith, P. and M. I. Mennesson (2020): Review of Giuris (Teleostei: Eleotridae) from Indo-Pacific islands, with description of three new species. Cybium v. 44 (no. 4): 331-349) wurde die Art G. aporocephalus (Macleay, 1884), die jahrzehntelang als Synonym zu G. margaritacea gesehen wurde, wieder für gültig erklärt. Die von uns als G. margaritacea angeboteten Tiere gehören demnach der Art G. aporocephalus an. Abgesehen von dem Namen gilt alles oben Gesagte für beide Arten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 418124 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Dimidiochromis compressiceps

23. Januar 2026

Der Messerbuntbarsch Dimidiochromis compressiceps (früher: Haplochromis c.) gehört zu den ungewöhnlichsten Buntbarscharten des Malawisees. Es handelt sich um einen Raubfisch, bei dem die Männchen bis zu 25 cm, die Weibchen bis zu 20 cm Länge erreichen können. Irrtümlich wurde die Art 1966 als spezialisierter Augenfresser angesehen. Dieses Verhalten konnte jedoch im See niemals nachgewiesen werden. Dort ernähren sich diese Fische ab einer Länge von etwa 4 cm vorwiegend von kleineren Fischen, die am Stück verschlungen werden. Der außerordentlich stark seitlich zusammengedrückte Körper macht den Räuber, wenn er – den Kopf leicht nach unten geneigt – zwischen Vallisnerien steht, nahezu unsichtbar. Im Gegensatz zu den meisten anderen Raubfischen kann Dimidiochromis compressiceps aufgrund seines schmalen Kopfprofils den Beutefisch mit beiden Augen gleichzeitig anpeilen.

Dimidiochromis compressiceps hat eine nahezu seeweite Verbreitung und kommt zudem im Abfluss des Malawisees, dem Shire River und dessen seeartiger Erweiterung, dem Malombesee, vor. Die Tiere sehen überall gleich aus, nur bei der Insel Chizumulu im Malawisee gibt es Tiere, die statt der silbernen Grundfärbung eine gelbliche Grundfärbung haben.

Raubfische sind gewöhnlich wenig territorial und gegenüber Artgenossen und anderen Fischen, die als Nahrung nicht in Frage kommen, relativ friedlich. Da bildet D. compressiceps keine Ausnahme. Gewöhnlich wird sich nur ein Männchen in einer Gruppe dieser Buntbarsche blau ausfärben und eine Brutrevier gründen. Ein solches Brutrevier besteht aus einer Sandgrube, die am liebsten im Vorzugslebensraum, also Vallisnerien-Beständen, angelegt wird. Vallisnerien sind – das nur zur Erinnerung – Unterwasserpflanzen mit langen und schmalen, bandförmigen Blättern, die überall auf der Welt in geeigneten Lebensräumen große Unterwasserwiesen bilden. In dieses Nest kommen laichbereite Weibchen der Umgebung. Nach dem Ablaichen überlassen die Männchen, wie bei Haplochromis-Verwandten üblich, dem Weibchen allein die weitere Maulbrutpflege. Nicht brütende Männchen sehen farblich wie Weibchen aus und werden von brütenden Männchen auch so behandelt. Geschlechtsreif wird die Art in Längen um 8 cm (Männchen) und 6 cm (Weibchen). Ab Eintritt der Geschlechtsreife kann man die Geschlechter recht zuverlässig an der Form der Afterflosse unterscheiden, die bei Männchen deutlich größer ist und zudem auch Eiflecken aufweist. Männchen wachsen schneller als Weibchen, in einer Gruppe gleichalter Tiere sind daher die größeren gewöhnlich die Männchen.

Im Aquarium sind Pflege und Zucht problemlos. Das Aquarium sollte freilich angesichts der möglichen Endgröße nicht zu klein sein. Zur Gesellschaft wählt man keine hektischen Felsenbuntbarsche (Mbunas), sondern andere ruhige Haplochromis-Verwandte, wie Nimbochromis, Cyrtocara und dergleichen. Der pH-Wert sollte dauerhaft nicht unter 7,5 fallen, was am leichten in härterem Wasser zu realisieren ist. Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 28°C liegen. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter, auch Flockenfutter, aber nahrhafte Bissen (z.B. Cichlid Sticks, kräftiges Frostfutter etc.) sollten die Hauptnahrung bilden. Zur Einrichtung pflanzt man eine Vallisnerien-Wiese, der Bodengrund sollte zumindest teilweise eine Sandfläche sein. Steine oder Wurzeln sollte man nur sehr sparsam einsetzen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 520230 (3 cm) bis 320235 (11-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Megalechis thoracata (früher: Hoplosternum thoracatum)

23. Januar 2026

Der Schwielenwels Megalechis thoracata – vielen auch noch unter dem alten Namen Hoplosternum thoracatum bekannt – ist einer der ältesten Aquarienfische. Er hat eigentlich nur einen Nachteil, er wird nämlich mit ca. 15 cm (manchmal auch noch mehr) Länge ziemlich groß. Trotz der Größe hat er aber ein kleines Maul und so werden die „Kampfwürste“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, trotzdem gerne in Gesellschaftsaquarien mit etwas größeren und robusten Fischen gepflegt.

Die Zucht ist sehr interessant, denn Megalechis-Männchen bauen ein Schaumnest, ganz ähnlich zu dem der Labyrinthfische, unter einem schwimmenden Gegenstand (Züchter benutzen besonders gerne den Deckel von Kaffeedosen, aber die dürften den Schwielenwelsen in der Natur eher selten zur Verfügung stehen). Das Männchen bewacht das Nest mit den Eiern sehr gut und springt dem neugierigen Aquarianer sogar ins Gesicht, wenn der sich dem Nest zu sehr nähert.

Wir haben häufiger Nachzuchten einer besonders hübschen, sehr kontrastreich gezeichneten Variante im Stock. Die Tiere sind trotz ihrer geringen Größe – 5-6 cm – bereits sexuell differenziert (laichreife Männchen haben stark vergrößerte Brustflossenstacheln und die Knochenplatten, die die Brust bedecken, sind viel größer als die entsprechenden Knochenplatten der Weibchen) und bei den Weibchen kann man den orangefarbenen Laich durch die Bauchseiten schimmern sehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 259301 (2-3 cm) bis 259306 (11-13 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Inpaichthys luizae

16. Januar 2026

Ein hübscher neuer Salmler ist Inpaichthys luizae, eine Art, die erst im Januar 2025 formell beschrieben wurde. Ihr Vorkommen liegt in Gebieten, die für Wissenschaftler und kommerzielle Fischer kaum zugänglich sind, weil sie in Privatbesitz sind. Man weiß immerhin, dass diese Fundorte Zuflüsse des Rio dos Peixes in Brasilien sind, der wiederum ein Zufluss des Rio Juruena ist. Das gesamte Gebiet zählt zum Einzug des Rio Tapajós.

Im Hobby wurde dieser Fisch erstmals Ende 2023 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt bezeichnete man ihn als Inpaichthys sp. „Black Arrow“, also „Schwarzer Pfeil“. Wie bei so manchen Neuheiten kamen zunächst nur sehr wenige Exempare zu vergleichsweise sehr hohen Preisen auf den Markt; es wurden niedrige dreistellige Euro-Beträge pro Exemplar gefordert. Allerdings zeigte sich rasch, dass diese Art ebenso produktiv und problemlos zu züchten ist wie sein allgemein bekannter Vetter Inpaichthys kerri, der Königssalmler. Zur Zeit (Januar 2026) sind die Tiere immer noch nicht billig, aber auch nicht unbezahlbar. Wir beziehen sie als Nachzucht aus Ostasien.

Die Geschlechter der niedlichen Tiere, die nach der wissenschaftlichen Beschreibung etwa 4 cm Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) erreichen, sind aufgrund der stärkeren Rotfärbung des Flossen bei den Männchen recht gut zu unterscheiden. Diese Farbe entwickeln bereits halbwüchsige Tiere gut erkennbar. Es ist zu vermuten, dass Aquarienexemplare 1-2 cm größer werden als die Wildfänge, ein Phänomen, dass auf die sehr viel bessere Nahrungsversorgung von Aquarienfischen und natürlich das erheblich höhere Alter, das Fische im Aquarium im Vergleich zu freilebenden Exemplaren erreichen, zurückzuführen ist.

Bislang haben sich die Tiere bei uns als absolut typische Kleinsalmler erwiesen, die sich bezüglich der aquaristischen Anforderungen nicht vom Königssalmler, Inpaichthys kerri, unterscheiden. Ein ganz interessantes Phänomen bei I. luizae ist die Tatsache, dass die meisten Exemplare zwar eine Fettflosse (Adipose) haben, manche aber auch nicht. Das Fehlen einer Fettflosse ist bei Salmlern sehr ungewöhnlich; seinerzeit war das Vorhandensein einer Fettflosse einer der Gründe, die Gattung Inpaichthys überhaupt aufzustellen, denn ansonsten ist sie der Gattung Nematobrycon (Kaisersalmler) sehr ähnlich. Bei allen Nematobrycon fehlt immer und ausnahmslos die Fettflosse. Es gibt aber auch bei I. luizae Exemplare ohne Adipose, sie sind nur in der Minderzahl.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 264792 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text % Photos: Frank Schäfer

Neolamprologus callipterus

16. Januar 2026

Die Schneckenbuntbarsche des Tanganjikasees erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Ihr drollig wirkendes Brutpflegeverhalten, bei dem sie in leeren Schneckenhäusern den Laich und die Jungbrut bewachen, fasziniert immer wieder. Besonders interessant ist es, wenn man eine ganze Kolonie dieser Fische beobachtet, wie sie quasi eine Schneckenhausstadt bewohnt. Bei den meisten Schneckenbuntbarschen sind Männchen und Weibchen ähnlich klein, wodurch es beiden möglich ist, in das Schneckenhaus zu kriechen.

Bei Neolamprologus callipterus ist das anders. Hier werden die Männchen mit gut 15 cm Gesamtlänge dreimal so groß wie die Weibchen. Selbst sehr große Schneckenhäuser (in der Photosession verwendeten wir ein leeres Haus der asiatischen Pila ampullacea, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/31-krebse-garnelen-krabben-muscheln-schnecken/pila-ampullacea/, mit gut 6 cm Durchmesser) können von voll erwachsenen Männchen von N. callipterus nicht mehr aktiv bezogen werden. Jüngere Tiere – im Bild sind die Männchen rund 8 cm, die Weibchen 4-5 cm lang – tun das aber durchaus noch; in der Natur gibt es so große Schneckenhäuser aber nicht.

Dort tragen die Männchen von N. callipterus leere Schneckenhäuser zu großen Wohnanlagen zusammen. Nur Männchen mit möglichst vielen Schneckenhäusern haben eine Chance, dass Weibchen bei ihnen einziehen. Zur Befruchtung der im Inneren der Schneckenhäuser abgelegten Eier muss das Männchen sein Hinterteil so nahe wie möglich an die Schneckenhausmündung bringen, wo es seine Milch abgibt. Die Spermien gelangen durch Bewegungen des Weibchens ins Innere des Hauses und befruchten dort den Laich.

Die Pflege von N. callipterus ist leicht. Leitungswasser ist in den meisten Gegenden bestens geeignet. Der pH-Wert sollte dauerhaft nicht unter 7,5 sinken. Die Wassertemperatur kann bei 24-28°C liegen. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter, wobei die großen Männchen gerne auch mal größere Brocken zu sich nehmen. Als Schneckenhäuser eignen sich Weinbergschneckenhäuser gut, die es für wenig Geld in Feinkostgeschäften zu kaufen gibt. Die besten Bebachtungsmöglichkeiten ergeben sich, wenn ein möglichst großflächiges Aquarium mit Sandboden ausgestattet wird. Dort hinein verstreut man 20-30 Schneckenhäuser. Nun kann man wunderbar den Bau der „Schneckenhausstadt“ durch das Männchen beobachten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 543201 (2-3 cm) bis 543203 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sturisoma nigrirostrum

16. Januar 2026

Die Gattungen Sturisoma (15 wissenschaftlich beschriebene und akzeptierte Arten, östlich der Anden = cis-andin) und Sturisomatichthys (13 wissenschaftlich beschriebene und akzeptierte Arten, westlich der Anden = trans-andin) werden auf deutsch als Störwelse bezeichnet.

Sturisoma nigrirostrum aus Peru wird mehr oder weniger regelmäßig importiert wird. Man erkennt die Art ganz gut an der pech­schwarzen Unterseite des “Schnabels”, ein Merkmal, das auch zum wissenschaftlichen Artnamen führte. Typusfundort der Art ist Contamana, Río Ucayali, Peru. Eine weitere, ähnliche Art, ebenfalls mit schwarzer Rostrum-Unterseite aus Peru ist die erst 2018 neu beschriebene Art Sturisoma graffini aus der Madre de Dios-Region. Da aus verschiedenen Gründen Fische aus dieser Region erheblich teurer sind als solche aus dem Ucayali, kommt S. graffini kaum in den Zierfischhandel.

Aus ungeklärten Gründen sind unter den Importen von Sturisoma nigrirostrum manchmal Tiere vertreten, bei denen das Rostrum nach oben aufgebogen ist. Ingo Seidel (pers. Mitt.) fing beide Formen – also solche mit normaler Nase und hochnäsige Tiere – zusammen am gleichen Fundort in Peru. Es handelt sich um eine Laune der Natur, deren Sinn völlig unklar ist. 

Die Pflege von Sturisoma und Sturisomatichthys bereitet für gewöhnlich keine größeren Schwierigkeiten. Jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich dafür. Die relativ groß werdenden Tiere (20-25 cm) schätzen Strömung und sauberes Wasser, weshalb für eine leistungsstarke Filterung gesorgt werden muss und regelmäßige, großzügige Teilwasserwechsel Pflicht sind. Gefressen werden alle üblichen Futtermittel für Zierfische, besonders gut eignen sich Futtertabletten und ähnliche Darreichungsformen. Zusätzlich muss immer pflanzliche Kost angeboten werden (Gemüsescheiben, zerquetschte Tiefkühlerbsen, Salate, Löwenzahnblätter etc.). Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 28°C liegen.

Es lassen sich – soweit das bislang versucht wurde – alle Sturisoma-Arten im Aquarium nachzüchten. Jedenfalls lai­chen sie willig ab. Als Offenbrüter laichen sie sogar oft an der Frontscheibe des Aqua­ri­ums, wo das Männchen, erkennbar an einem “Backenbart” aus Odontoden, der dem Tier zur Fortpflanzungszeit wächst, die Eier be­treut. Meist gelingt es recht problemlos, die Jungfische zum Schlupf zu bringen und die ersten ein bis zwei Wochen ist die Aufzucht auch nicht schwierig. Doch dann kommt es bei vielen Züchtern zu massiven Verlusten. Diejenigen, denen die Aufzucht gelingt, machen ein großes Geheimnis aus ihren Methoden, so dass die Ursache des Miss­erfolgs der Scheiternden bislang immer noch nicht ganz geklärt ist.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 294853 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. C3 ( = Corydoras sp. C3)

16. Januar 2026

Hoplisoma sp. C3 (früher wurde die Art in der Sammelgattung Corydoras untergebracht) ist ein sehr schöner Panzerwels, speziell halbwüchsige Exemplare, weil sie in diesem Alter sehr oft sie hohe Rückenflossen entwickeln. Das ist jedoch ein vorübergehendes Phänomen, das manchmal auch bei Hoplisoma metae beobachtet werden kann. Erst voll erwachsene Männchen von C3 – die Tiere werden ungefähr 5-6 cm lang –  entwickeln wieder solch lang ausgezogene Flossen. H. sp. C3 werden aus Kolumbien und Venezuela importiert und stammen aus dem Rio Meta-Einzug. Verschickt werden sie entweder als „Corydoras deckeri“ oder auch als „C. bondi“. Lieferungen von „Corydoras bondi“ (das ist eine andere Art, die nur in den Guyana-Ländern vorkommt) oder „Corydoras deckeri“ (das ist ein Fantasiename, der wissenschaftlich klingt, aber nicht wissenschaftlich ist) sind immer eine Wundertüte. Manchmal sind es Hoplisoma axelrodi, manchmal H. loxozonus und manchmal die wissenschaftlich noch unbeschriebene Art C3. 

Alle drei genannten Arten sind sehr variantenreich. Es erscheint darum fraglich, ob es sich überhaupt um drei verschiedene Arten handelt (außer der Färbung typischer Exemplare gibt es nämlich keine bekannten Unterschiede) oder doch vielleicht eher um einen Artenschwarm gelegentlich miteinander hybridisierender Formen, die sich nicht recht in unser Konzept von „Arten“ einordnen lassen.

C3 ist typischerweise grundsätzlich wie Hoplisoma loxozonus gefärbt, allerdings verläuft die schwarze, waagerechte Binde wie bei H. axelrodi in der Körpermitte und nicht, wie bei H. loxozonus, entlang des Rückens. Manche der Farbvarianten von C3 sehen allerdings so völlig anders aus, dass man meinen könnte, unterschiedliche Arten vor sich zu haben, wären nicht alle diese Farbvarianten durch Zwischenstufen miteinander verbunden. Es ist ganz interessant, dass gewöhnlich etwa 80% -90% eines solchen Hoplisoma-Importes farblich einer der drei genannten Hauptformen entspricht (also H. axelrodi, H. loxozonus und H. sp. C3) und der Rest aus teils deutlich abweichenden Varianten. Was aber nicht oder so gut wie nicht vorkommt, ist, dass z.B. zwischen H. axelrodi die beiden anderen Arten gefunden werden oder als Beifang zu den anderen Arten H. axelrodi. Das spricht dafür, dass die drei Hauptformen in der Natur normalerweise räumlich getrennt voneinander vorkommen. 

Abgesehen von der problematischen Bestimmung bzw. Artabgrenzung ist C3 ein leicht pflegbarer Panzerwels, der keinerlei besondere Ansprüche stellt und sich auch gut nachzüchten lässt. Bei der Zucht ist man gut beraten, die Männchen anhand der Bauchflossenform (größer und spitz ausgezogen bei den Männchen, kleiner und abgerundet bei den Weibchen) auszuwählen. Die lang ausgezogenen Rückenflossenmembranen sind nämlich nur bei einigen Tieren vorhanden, nicht bei allen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 223601 (sm) bis 223604 (md-lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Polycentropsis abbreviata

16. Januar 2026

Polycentropsis abbreviata bedeutet übersetzt „der kurze Polycentrus-Ähnliche“. Tatsächlich sieht der Afrikanische Vielstachler seinem südamerikanischen Verwandten Polycentrus schomburgkii sehr ähnlich. Beide Arten sind Zeugen des früheren riesigen Urkontinents Gondwana. Gondwana bestand aus den heutigen Kontinenten Südamerika, Afrika, Indien, Australien und der Antarktis. Südamerika trennte sich vor rund 100 Millionen Jahren von Afrika. Der Vorfahr der kleinen Vielstachler – beide Arten, der Afrikanische und der Südamerikanische,  werden nur etwa 8 cm lang – existierte also schon zu dieser Zeit und muss den heutigen Vielstachlern ziemlich ähnlich gewesen sein. Der heute noch existierende P. abbreviata kommt aus dem westlichen Afrika, von Benin bis Gabun. Wir importieren ihn aus Nigeria.

Im englischen Sprachgebrauch werden die Vielstachler auch als „Blattfische“ bezeichnet. Gut getarnt als welkes Blatt treiben die Fische durch das Wasser und erbeuten mit ihrem riesigen, vorstülpbaren Maul kleine Fische und Garnelen. Beeindruckend ist das Farbwechselvermögen. In wenigen Sekunden kann sich ein marmoriertes Exemplar hellbeige oder auch fast schwarz einfärben. Bereits junge Vielstachler beherrschen diese Kunst. 1-2 cm lange Exemplare haben ein abweichendes, sehr kontrastreiche Schwarz-Weiß-Muster. Diese Farbgebung findet man auch bei verschiedenen Labyrinthfischen in ganz jungen Stadien, etwa Ctenopoma weeksii, Sphaerichthys osphromenoides oder Ctenops nobilis. Der Sinn dieser Färbung ist noch nicht erforscht.

Die Brutpflege des Afrikanischen Vielstachlers ist ebenfalls bemerkenswert. Unter einem breiten Blatt baut das Männchen ein Blasennest, ähnlich dem der Labyrinthfische, nur aus groben Luftperlen bestehend. Hier laichen die Tiere ab. Das Männchen allen bewacht die Eier und die ausgeschlüpfte Brut. Mit dem Freischwimmen der Jungtiere endet die Brutpflege. Leider kann man die Geschlechter äußerlich kaum unterscheiden. Weibchen bleiben etwas kleiner und haben einen kürzeren Kopf.

Leider wird der Afrikanische Vielstachler nur sehr selten angeboten. Er benötigt Lebendfutter: Weiße Mückenlarven, große Wasserflöhe, kleine Regenwürmer, Tubifex und kleine Futterfische. Wer diese Ansprüche erfüllen kann und will, findet in dem Afrikanischen Vielstachler ein faszinierendes Studienobjekt. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 162004 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Diskus wild Oriximiná

9. Januar 2026

Oriximiná liegt am Rio Trombetas in brasilianischen Bundestaat Pará. Von dort erhalten wir fantastische Blaue Diskus in herrlichen Farben. Zur leidigen Artenfrage bei Diskus siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/der-wissenschaftliche-artname-von-diskusbuntbarschen-eine-offene-frage/

Grundsätzlich sind Blaue Diskus farblich sehr variabel („polychromatisch“), auch solche Tiere, die vom gleichen Fundort stammen. Darum sind die bei uns auf der Stockliste separat geführten „Oriximina Super Color“, „Oriximina Royal Blue“, „Oriximina Red“ und „Oriximina Cross“ allesamt Angehörige der gleichen Population, die lediglich aufgrund bestimmter Farbeigenschaften mehr der weniger sortiert werden. 

Aktuell haben wir wieder wunderschöne Oriximiná-Diskus im Stock, die Bilder zeigen eine kleine Auswahl dieser Tiere der Selektion „Super Color“; die Aufnahmen wurden frisch für diesen Post erstellt und sind keine Archivbilder. Leider gibt es ausgerechnet jetzt, wo die alljährliche Diskus-Saison (die eigentliche Diskus-Saison beginnt in etwa im Oktober und endet im April) voll Fahrt aufnehmen sollte, große Lieferschwierigkeiten aus Brasilien. Das hat diesmal nichts mit Klimawandel, Umweltsverschmutzung oder gar Überfischung zu tun, sondern liegt an menschlichen Unzulänglichkeiten. Selbstverständlich unterliegt der Zierfischexport aus Brasilien – wie überall auf der Welt – strengen Kontrollen und Auflagen. Das ist in Ordnung so und sichert die Nachhaltigkeit dieses ökologisch sinnvollen, umweltfreundlichen Extraktivismus. Wenn aber an einer Schlüsselstelle eine personelle Fehlbesetzung geschieht, hat das weitreichende Auswirkungen. Darum sind aktuell leider nur verhältnismäßig wenige Wildfangdiskus aus Brasilien lieferbar.

Für unsere Kunden: die gezeigten Tiere „Oriximina Super Color“ haben Code 731065 (12-15 cm) auf unserer Stockliste; die Codenummern für andere Größen beginnen bei 731064 (8-12 cm) und enden bei 731066 (14-17 cm, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/wunderschone_grose_diskus_aus_oriximina_eingetroffen__de/). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. Nur in begrenzter Stückzahl lieferbar!

Text & Photos: Frank Schäfer

Melanotaenia nigrans

9. Januar 2026

Im Jahr 1982 veröffentlichte Gerald R. Allen zusammen mit Norbert J. Cross eine erste moderne vollständige Übersicht über die bis dahin bekannten Regenbogenfische. Allen hatte zu diesem Zeitpunkt seit 1978 bereits 12 neue Arten beschrieben. Als er damit begann, die Regenbogenfische systematisch zu untersuchen, waren insgesamt nur 19 Melanotaenia-Arten zwischen 1843 und 1978 beschrieben worden, also in einem Zeitraum 135 Jahren. 1982 waren aus Australien 8 Arten, aus S-Neuguinea 14 und aus N-Neuguinea 5 Melanotaenia-Arten bekannt, also 27 Arten insgesamt. Heute sind 89 Arten allgemein akzeptiert! Das ist eine Verdreifachung der Artenzahl in weniger als 45 Jahren und ein Ende ist nicht wirklich abzusehen. Nahezu jede Expedition nach Neu-Guinea  bringt noch neue Formen. Die allererste je beschriebene Art war Melanotaenia nigrans, die 1843 als Atherina nigrans beschrieben wurde. Schaut man in die ältere Aquarienliteratur bis in die frühen 1980er Jahre, so liest man dort, dass M. nigrans als allererste australische Zierfischart 1927 importiert wurde. 

Es dürfte angesichts der oben aufgeführten Zahlen nicht verwundern: diese Bestimmung der damaligen Fische war falsch. Es handelte sich dabei in Wirklichkeit um die ähnliche Art M. duboulayi. Die ersten echten Importe von M. nigrans erfolgten erst um 1976. Melanotaenia nigrans kommt aus Nordaustralien, wo er unregelmäßig verbreitet ist: von der Kimberley-Region in Westaustralien über den nördlichen Teil des Northern Territory bis zur Cape York Peninsula im Norden von Queensland, einschließlich einer Reihe von vorgelagerten Inseln wie Groote Eylandt im Golf von Carpentaria und einigen Inseln in der Torres-Straße. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, die Art käme auch auf Neuguinea vor, doch wurde sie dort nie wissenschaftlich nachgewiesen. Da aus Australien keine Exporte erfolgen, sind alle Tiere im Handel Nachzuchtexemplare. Auf den Philippinen soll die Art eingebürgert vorkommen.

Gewöhnlich wird dieser schlanke Regenbogenfisch rund 7 cm lang, doch können alte Aquarienexemplare durchaus Längen um 12 cm erreichen. Wie so viele Regenbogenfische ist auch diese Art farblich sehr variabel. Ihre schlanke Körperform und ihr ungewöhnlich starker Schwarmzusammenhalt macht sie zu einem schönen Kontrastfisch zu anderen Regenbogenfischarten. In der Natur kommt die Art zusammen mit M. trifasciata, M. australis und M. inornata vor.

Bezüglich der Wasserwerte und der Ernährung stellt M. nigrans keine besonderen Ansprüche. In der Natur findet man sie in eher weichem Wasser (maximal 135 µS/cm) und pH-Werten zwischen 5 und 8 bei Temperaturen zwischen 19 und 35°C. Es besteht also eine generell hohe Anpassungsfähigkeit, was jedoch nicht dazu verleiten sollte, die Tiere plötzlichen Milieuwechseln auszusetzen. Das vertragen sie überhaupt nicht! Generell ist die Art nach unseren Erfahrungen nicht ganz unempfindlich und eher dem fortgeschrittenen Liebhaber zu empfehlen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 428352 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Schistura pridii

9. Januar 2026

Eine der kleinsten und auf jeden Fall eine der hübschesten Schmerlen Thailands haben wir in ganz kleiner Stückzahl erhalten: Schistura pridii. Die niedlichen schwarz-weißen Zwerge werden nur 3-4,5 cm lang. Soweit bislang bekannt kommt diese erst im Jahr 2003 wissenschaftlich beschriebene Art nur in flachen, schnellfließenden Waldbächen von 30 – 100 cm Tiefe und steinig-gerölligem Boden im Einzug des oberen Mae Teng-Flusses in der Provinz Chiang Mai vor.

Wegen des begrenzten Vorkommensgebietes werden nur wenige Exemplare jährlich gefangen, um die Population nicht zu gefährden. Glücklicherweise liegt ein großer Teil der bekannten Vorkommen in einem Naturschutzgebiet (dem Doi Chiang Dao Wildlife Sanctuary). Für enagierte Aquarianer ist es eine schöne Herausforderung, sich mit der Zucht der netten Fische zu befassen. Wir kennen keinen Zuchtbericht, es ist aber davon auszugehen, dass die Zucht ähnlich wie bei Flossensaugern (Sewellia) vor sich geht. 

Das Wasser im natürlichen Lebensraum hat eine hohe Strömungsgeschwindigkeit, ist kühl (18-24°C), relativ hart und leicht alkalisch. Der Bodengrund sollte entsprechend der hohen Strömungsgeschwindigkeit aus nicht zu feinem Kies bestehen; hohl liegende etwas größere Steine dienen als Ruhe- und Versteckmöglichkeit. Bezüglich des Futters ist die Art nicht wählerisch. Geschlechtsunterschiede sind nur geringfügig ausgeprägt und bestehen im Wesentlichen in der etwas größeren Leibesfülle des Weibchens. Die Tiere sind untereinander gesellig und ziemlich friedlich, sieht man von kleinen, harmlosen Rangeleien einmal ab. Aus dem Gesagten geht klar hervor, dass Schistura pridii eine Objekt für erfahrene Pfleger mit Zuchtambitionen sein sollte.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 454982 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brienomyrus brachyistius

9. Januar 2026

Aus Nigeria erhielten wir eine Nilhecht-Art, die wir seit Jahren nicht mehr zu Gesicht bekamen: Brienomyrus brachyistius. Diese vergleichsweise kleine Art, als Maximallänge wird mit 17,5 cm angegeben, gewöhnlich bleibt sie jedoch mit 10-12 cm deutlich kleiner, ist ein enger Verwandter der vergleichsweise häufig importierten Art B. niger (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/brienomyrus_niger_de/)

Die verspielten, intelligenten Fische sind sehr lebhaft und fallen weniger durch ihre Färbung, als durch ihr ungewöhnliches, lustig anmutendes Verhalten auf. Alle Nilhechte gehören zu den schwach elektrischen Fischarten. Sie besitzen ein elektrisches Organ im Schwanzstiel; es ist so schwach, dass man die elektrischen Entladungen nicht spüren kann. Dieses nutzen sie um – ähnlich wie Fledermäuse mit Ultraschall – ihre Umgebung zu scannen, aber auch, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Tatsächlich haben Nilhechte eine im Tierreich fast einzigartige Art von „Sprache“ entwickelt (nur die Neuwelt-Messeraale machen ähnliches). Diese ist artspezifisch. Mit speziellen Elektroden, die elektrische Entladungen aufnehmen und in eine grafische Abbildung umwandeln (so wie bei einem EKG), kann man in Afrika (Nilhechte sind eine exklusiv afrikanische Familie mit aktuell (2025) 22 Gattungen und 236 Arten) die in einem Gewässer vorkommenden Arten bestimmen, ohne ein Netz ins Wasser tauchen. Auf diese Art und Weise wurden sogar schon neue Arten entdeckt!

Es gibt unter unseren Tieren etwas größere, schlankere, Fische, die wir für Männchen halten, und etwas gedrungener wirkende Tiere, die vermutlich Weibchen sind. Über die Fortpflanzungsbiologie dieser Nilhechte ist nichts bekannt. Im Aquarium fressen die Tiere problemlos jede Sorte von Lebend-, Frost- und Trockenfutter, die ins Maul passt. Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege bedeutungslos, die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Gegenüber artfremden Fischen zeigen sich die Tiere friedlich; Pflanzen werden nicht beschädigt. Die Fische sind überwiegend dämmerungsaktiv und darum sollte man für zahlreiche Tagesverstecke und dichten Pflanzenwuchs sorgen, der den Tieren tagsüber Deckung gibt.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 103502 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & photos: Frank Schäfer

Nannostomus rubrocaudatus

9. Januar 2026

Im Jahr 2002 wurde ein im männlichen Geschlecht tiefroter Zwergziersalmler aus Peru unter den Bezeichnungen Nannostomus marginatus „Purple“ oder N. marginatus „Rot“ importiert. Axel Zarske von den Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden, Museum für Tierkunde hat diese Art 2009 formell als Nannostomus rubrocaudatus beschrieben. Die der wissenschaftlichen Beschreibung zugrunde liegenden Typusexemplare hatten wir aus Peru importiert.

Auf den ersten Blick ähnelt die neue Art etwas dem schon etwas länger bekannten N. mortenthaleri (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannostomus-mortenthaleri/), lässt sich aber dennoch leicht von dieser Art unterscheiden. N. mortenthaleri hat z.B. immer einen weißen Bauch. Weitere Artmerkmale sind in der wissenschaftlichen Beschreibung aufgeführt. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung ist kostenlos unter https://www.senckenberg.de/wp-content/uploads/2019/08/02_vertebrate_zoology_59-1_zarske.pdf als Download erhältlich.

Nannostomus rubrocaudatus weist keine sehr deutlichen Geschlechtsunterschiede auf. Die Intensität der Rotfärbung schwankt stark stimmungsabhängig. Weibchen färben sich allerdings nie so rot wie die Männchen. Tricky ist vor allem, dass in der Rangordnung niedrig stehende Männchen stark verblassen können und sich farblich als Weibchen tarnen; sicher lassen sich die Weibchen nur an den anders geformten Afterflossen erkennen.

Die Maximalgröße der Art liegt bei etwa 3-3,5 cm, die Pflege ist ohne besondere Schwierigkeiten, allerdings darf man diese Art nicht in kleinen Aquarien pflegen, denn die Männchen tragen ihre Rivalenkämpfe mit einiger Heftigkeit aus und das unterlegene Exemplar braucht Platz, um ausweichen zu können. Ist das nicht gegeben, kann es durchaus zu Beschädigungen kommen.

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Peru, Dep. Loreto. Hier wird die Art bei dem Dorf Saramirisa am Maranon (das ist der obere Amazonas) zwischen den Zuflüssen Rio Morona und Rio Santiago für den Export gesammelt. Der relativ hohe Preis für die Fische erklärt sich darin, dass die Tiere in der Natur zwischen dichtem Astwerk leben und hier mühsam einzeln herausgeklaubt werden müssen. Massenfänge wie bei anderen Nannostomus, wo sich leicht tausende von Exemplaren mit einem Netzzug fangen lassen, sind bei N. rubrocaudatus nicht möglich.

Für unsere Kunden: Nannostomus rubrocaudatus hat – je nach Größe –  Code 272261 (sm) bis 272265 (lg-xlg) für Wildfänge und 272272 für Nachzuchtexemplare auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii „Black Tiger“

19. Dezember 2025

Marmorierte Schwertträger auf rotem Grund zu züchten, ist eine Herausforderung. Beim „Black Tiger“ ist es gelungen. Bei jedem „Black Tiger“ ist die Körperfleckung individuell verschieden. Bislang wurden diese Schwertträger fast ausschließlich mit weißlicher Körpergrundfärbung angeboten (dann bezeichnet man sie als Marmor oder Marble). Viele der schwarzen Schuppen haben einen blauen Schimmer (in Züchterkreisen nennt man das „Spiegel“), was bei seitlich einfallendem Licht prächtig glänzt und glitzert. Im Alter nimmt die Schwarzfärbung dieser Schwertträger immer mehr zu. Es sind wunderschöne Tiere, die uns zuerst (2019) ein deutscher Züchter liefern konnte, jetzt erhalten wir sie aus Sri Lanka. 

Angesichts der aktuellen Unwetterkatastrophe auf Sri Lanka hoffen wir, das die Zuchten keinen allzu großen Schaden genommen haben. Auf Sri Lanka haben viele Familien einen unverzichtbaren Nebenverdienst, indem sie hinter dem Haus in eigens dafür angelegten Teichen die von den Zuchtbetrieben angelieferte Jungbrut zu verkaufsfähigen Fischen aufziehen. Durch diese extensive Aufzuchtmethode sind die Tiere besonders gesund. Leider ist diese Form der Zierfischaufzucht aber auch besonders anfällig für Wetterkapriolen. Einige Platy- und Guppy-Varianten sind schon ausgefallen. Aber noch können wir „Black Tiger“-Schwertträger in guter Stückzahl anbieten. Jetzt gezielt nach Lebendgebärenden aus Sri Lanka zu fragen hilft den betroffenen Familien sehr!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 420409 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Danio tinwini

19. Dezember 2025

Die kleinste zur Zeit bekannte Danio-Art aus der nahen Verwandtschaft des Zebrabärblings (Danio rerio) hat Aquarium Glaser jetzt wieder einmal aus Burma erhalten. Danio tinwini wurde erstmals im Jahr 2005 – damals noch als Danio sp. „Panther“ –  importiert. Die 2009 wissenschaftlich beschriebene Art wird nur rund 2-3 cm lang und eignet sich wunderbar als Schwarmfisch für kleinere Aquarien. 

Die ursprüngliche Heimat dieser Tiere liegt, wie gesagt, in Burma. Dort werden sie im Bundesstaat Kachin, also ganz im Norden, im Grenzgebiet zu China gefunden. Es handelt sich also um subtropische Fische, die man nicht dauerhaft zu warm pflegen sollte, sonst werden die Tiere krankheitsanfällig. 

Daraus ergibt sich der Temperaturbereich: 15-27°C, je nach Jahreszeit. Die Wasserwerte sind ansonsten nebensächlich (jedes Trinkwasser ist zur Pflege und Zucht geeignet), gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe. Danio tinwini ist absolut friedlich, Pflanzen werden nicht beschädigt. 

Für unsere Kunden: Die Art hat die Codenummer 413692. Bitte beachten Sie, dass wir ausschliefllich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma coppenamense (früher: Corydoras coppenamensis)

19. Dezember 2025

Auf dem Guiana-Schild Südamerikas – das ist eine sehr alte geologische Formation, die große Teile Venezuelas, Guyana, Französisch Guiana, Suriname und Teile Brasiliens und Kolumbiens umfasst – gibt es eine Gruppe kleiner, sehr eng miteinander verwandter Panzerwels-Arten, die sich so ähnlich sehen, dass sie zeitweise als Synonyme zueinander aufgefasst wurden: Hoplisoma bondi, H. coppenamense und H. sipaliwini. 

Der wohl attraktivste der drei ist H. coppenamense, der ursprünglich (1970) als Unterart zu dem aus Venezuela beschriebenen H. bondi beschrieben wurde. Die meisten Ichthyologen folgen heutzutage dem schon immer etwas diffusen Unterart-Konzept nicht mehr. Sie argumentieren: entweder ist ein Fisch bezüglich seiner Identität klar erkennbar, dann ist es auch eine Art, oder eben nicht und dann braucht man auch keinen Unterartnamen. Das ist zwar etwas vereinfacht dargestellt, trifft aber den Kern der Sache. Immerhin: es gibt, so weit man weiß, keine Mischformen (so genannte Intergrades) zwischen H. bondi und H. coppenamense. Darum ist die Aufspaltung in zwei Arten wohl gerechtfertigt.

Farblich unterscheiden sich die beiden dennoch nur wenig. Die Zeichnung von H. coppenamense ist klarer, weniger verwaschen; vor allem die Punktzeichnung im Kopfbereich tritt deutlich hervor (nur undeutlich bei H. bondi). Zudem ist H. coppenamense etwas langgestreckter und rundköpfiger als H. bondi. H. sipaliwini sieht H. coppenamense sehr ähnlich, hat jedoch einen dunklen Streifen, der vom Ansatz der Rückenflosse schräg nach vorn bis zum Kiemendeckel verläuft (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sipaliwini/). Es ist recht wichtig, die Unterschiede zu kennen, denn aus den Guyana-Ländern erfolgen schon seit vielen Jahren keine kommerziellen Exporte mehr und selbst den aus Venezuela stammenden C. bondi hatten wir zuletzt im Jahr 2009 im Stock. Wir sind also auf Aquariennachzuchten angewiesen und die müssen unbedingt artrein gehalten werden.

Die Pflege aller drei Arten ist einfach und typisch für Panzerwelse. Weder bezüglich des Wassers noch in Hinsicht auf die Ernährung stellen diese 4,5 bis 5 cm langen Tiere irgendwelche speziellen Ansprüche. Auch die Zucht gelingt recht gut, ist aber nicht sonderlich produktiv. Da sich nur Hobby-Züchter mit der Vermehrung der Tiere befassen, werden sie wohl auf absehbare Zeit eine Top-Rarität auf dem Zierfischmarkt bleiben.

Für unsere Kunden: die Nachzuchten von H. coppenamense, die wir zur Zeit anbieten können, haben Code 226302 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml

Yasuhikotakia modesta

19. Dezember 2025

Wir haben aus Thailand eine wunderschöne Farbvariante der Blauen Prachtschmerle (Yasuhikotakia modesta, früher Botia modesta) erhalten. Diese Art ist bekannt dafür, zahlreiche Farbvarianten auszubilden.

Oft sind die Fische blau mit roten Flossen (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/yasuhikotakia-modesta-2-2/, dort auch viele weitere Informationen zu der Art), aber es gibt sie auch in grüner Färbung, manchmal auch bleifarben. Und die Flossenfärbung variiert, je nach Population, zwischen fahlgelb und leuchtend rot. Die Tigerzeichnung ist ein noch ungeklärtes Phänomen. Sie wird meist als Jugendzeichnung interpretiert, denn oft verlieren die Fische sie im Alter, aber es gibt auch Individuen, die sie zeitlebens behalten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 404002 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Garra sp. Sunset-Goldscale

15. Dezember 2025

Die Gattung Garra ist ungeheuer artenreich und unübersichtlich. Gegenwärtig (Dezember 2025) werden 277 Artnamen mit Garra in Verbindung gebracht, von denen 171 allgemein als gültig angesehen werden. Das Verbreitungsgebiet ist riesig und erstreckt sich über Teile Afrikas und große Teile Asiens; man findet sie im Prinzip überall, wo es im Winter nicht zu kalt wird. In der vorerst letzten Gesamt-Revision der asiatischen Arten aus dem Jahr 1964 unterschied Menon nur 37 Arten! In Afrika ist die Gattung mit mindestens 24 Arten vertreten. In Asien reicht die Verbreitung von der Türkei (Garra caudomaculata, G. culiciphaga, G. kemali, G. klatti, G. menderescensis, G. orontesi, G. rezai, G. rufa, G. turcica, G. variabilis) über die arabische Halbinsel, den Iran und Irak und über den Himalaya nach Osten bis in die Tropen. Auch Höhlen und Oasen werden besiedelt. Besonders artenreich ist die Gattung in Gebirgen zu finden. Aus dem Gesagten geht wohl hinreichend hervor, dass die Gattung Garra derzeit sehr unübersichtlich ist.

Aus Indien (genauere Angaben fehlen) haben wir erneut eine prachtvolle Garra-Art erhalten, die als Garra sp. Sunset-Goldscale gehandelt wird. Das auffälligste Merkmal sind die großen, bei jedem Individuum anders angeordneten, glänzenden Schuppen auf den Flanken. Je nach Lichteinfall schimmern sie hellblau, rot-orange oder golden. Die voll erwachsenen Männchen (das fotografierte Exemplar ist ca. 9,5 cm lang und das größte Tier, das wir bisher zu Gesicht bekamen) haben einen eindrucksvollen Stirnfortsatz (wissenschaftlich Proboscis genannt) und Schnauzen-Tuberkel. Die Form dieser Proboscis ist artspezifisch. Es wurden in jüngster Zeit so viele neue Garra-Arten aus Indien beschrieben, dass eine exakte Artbestimmung nicht mit vertretbarem Arbeitsaufwand möglich ist, zumal ja nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine wissenschaftlich noch gar nicht erfasste Spezies handelt. Unsere Tiere ähneln am meisten der Art Garra gotyla, doch sind genauere, langwierige Untersuchungen nötig, um hier Klarheit zu erhalten. Auf jeden Fall sind diese Algenfresser Tiere, die nicht nur nützlich, sondern auch attraktiv und interessant sind!

Die aquaristischen Eckdaten lauten: klares, wenig belastetes Wasser, pH und Härte im Prinzip nebensächlich, aber der pH-Wert sollte dauerhaft nicht unter 6 sinken, Temperatur eher im niedrigen Bereich (20-24°C, zur Zucht eventuell 2°C mehr). Sehr friedlich, gesellig (Gruppenhaltung von 6 oder mehr Exemplaren angeraten), Pflanzen werden nicht beschädigt, aber geputzt. Aufwuchsfresser (Algen und Kleinstlebewesen), darum nicht zu nährstoffreich aber ballaststoffhaltig füttern. Trockenfutter wird problemlos akzeptiert, dazu die üblichen Frost- und Lebendfuttersorten als Zusatzkost. Nur die Männchen mit Proboscis. Zuchtberichte sind uns nicht bekannt, doch haben sich bislang alle Garra-Arten, bei denen die Zucht versucht wurde, als Kieslaicher ohne Brutpflege herausgestellt.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 416442 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Trigonostigma heteromorpha wild

11. Dezember 2025

Die Keilfleckbarbe, Trigonostigma heteromorpha (früher Rasbora h.), gehört zu den allerwichtigsten Aquarienfischen überhaupt. Aufgrund dessen wird sie nahezu ausschließlich als Nachzucht gehandelt, denn die Verfügbarkeit von Wildfängen ist wegen jahreszeitlicher Bedingungen (in der Regenzeit sind die natürlichen Vorkommensgebiete oft monatelang nicht zugänglich) sehr schwankend.

In den vergangenen ca. 25 Jahren hatten wir weniger als 10 Importe von Wildfängen echter Trigonostigma heteromorpha; selbst diese Zahl könnte noch zu hoch gegriffen sein, da bis 2020 nicht zwischen T. heteromorpha und der sehr ähnlichen, aus Thailand stammenden T. truncata (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/trigonostigma-truncata/) unterschieden wurde. Darum freut es uns nun besonders, dass uns ein solcher Import nun wieder einmal gelungen ist. Die Tiere, die wir gerade anbieten und die auch für die Bilder dieses Posts Modell standen, stammen von der Sumatra vorgelagerten Insel Bintan und dort aus der Umgebung der Stadt Tanjung Pinang.

Optisch unterscheiden sich die Wildfänge kaum den Nachzuchtfischen (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/trigonostigma-heteromorpha/). Letztere werden seit etwa 1925 erfolgreich gezüchtet. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass seither wieder Wildfänge in die Aquarienstämme eingekreuzt wurden. In professionellen Zuchtbetrieben von Zierfischen vermeidet man grundsätzlich jede Einkreuzung anderer Stämme. Ein Berufszüchter muss schließlich jeden Monat seine Kosten erwirtschaften und möglichst auch noch Geld verdienen. Dazu müssen die Zuchttiere bezüglich des Ablaichtermins, der Schlupfrate, des optimalen Aufzuchtfutters, der Wachstumsgeschwindigkeit, der Empfänglichkeit für Erkrankungen etc. genau berechenbar sein. Sind sie das nicht, so wird aus der Berufzucht ein existenzgefährendes Glücksspiel. Da sich aber nun einmal jede Population einer Tierart – und sei es auch nur minimal – von anderen Populationen unterscheidet, erklärt sich die Zurückhaltung der Berufszüchter (die aus bitterer Erfahrung so handeln) zwanglos. Die von Laien viel gefürchtete Inzucht hat bei den meisten Zierfischen keine negativen Auswirkungen.

Die nun importierten Wildfänge sind für ambitionierte Aquarianer mit Forscherdrang (aber auch Berufs-Fischmenschen) so etwas wie ein heiliger Gral, denn sie ermöglichen die vergleichende Untersuchung des Verhaltens mit den seit über 100 Jahren gezüchteten (das sind über 200 Generationen!) Artgenossen. Vor dem Hintergrund des katastrophalen weltweiten Artensterbens, das wir gerade erleben, ist die Erhaltungszucht im Aquarium meist die einzige Option, um gefährdete Kleinfisch-Spezies vor dem endgültigen Verschwinden zu retten. Dabei sind die Erkenntnisse, wie sie die Keilfleckbarbe liefert, von unschätzbarem Wert. In der Natur gilt die Art übrigens derzeit als nicht gefährdet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 452533 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Corydoras amapaensis

11. Dezember 2025

Nach langer Zeit konnten wir wieder einmal einige Exemplare dieses nur sehr selten angebotenen Langschnäuzer-Panzerwelses importieren. Das Verbreitungsgebiet dieser außergewöhnlichen Art liegt in den Einzügen der Flüsse Oyapock und Amapari im Bundesstaat Amapá von Brasilien und in Französisch Guiana.

Die Tiere sind farblich sehr variabel. Die Geschlechter lassen sich am besten an der Form der Brustflossenstacheln unterscheiden, die beim Männchen verdickt und borstig sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 221754 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Barbonymus schwanefeldii

11. Dezember 2025

Eine der großwüchsigsten unter den für die Pflege im Aquarium importierten asiatischen Barben ist Barbonymus schwanefeldii. Früher kannte man sie als Barbus. Diese ursprünglich auf Borneo, in Malaysia und Thailand heimische Art wird bis zu 35 cm lang. Die Rotfärbung der Schwanzflosse ist wundervoll und findet sich in dieser Intensität bei kaum einem anderen Fisch. Aufgrund ihrer Größe wird B. schwanefeldii in ihrer Heimat selbstverständlich auch gegessen und ich Farmen als Speisefisch gezüchtet. Durch Besatzmaßnahmen zu Speisezwecken gehört sie inzwischen zu den invasiven Arten in verschiedenen Teilen der Welt.

Die Gattung Barbonymus wurde erst 1999 aufgestellt, Gattungstypus ist B. schwanefeldii. Es gibt neun Arten in der Gattung, doch wird nur eine weitere Art außer B. schwanefeldii gelegentlich importiert: B. altus. Diese Art ist so ähnlich zu B. schwanefeldii, dass im Handel kaum jemals zwischen B. schwanefeldii und B. altus unterschieden wird. Der einzige Unterschied zwischen ihnen liegt in der Färbung. B. schwanefeldii hat in jedem Alter gut sichtbare schwarze Streifen an der Ober- und der Unterkante der Schwanzflosse, die bei B. altus entweder gänzlich fehlen oder höchstens angedeutet sichtbar sind. Außerdem befindet sich an der Spitze der Rückenflosse bei B. schwanefeldii ein runder schwarzer Punkt, der bei B.  altus fehlt. Es werden aber auch in der Natur immer wieder einmal Exemplare gefunden, die sich nicht eindeutig der einen oder der anderen Art zuordnen lassen. Von B. schwanefeldii gibt es auch Zuchtformen. Eine als „Gold“ bezeichnete gelbliche und eine Albino-Zuchtform. Letztere könnte allerdings auch eine Zuchtfirm von B. altus sein, denn die Albinos werden gelegentlich als Aquariennachzuchten angeboten. Da B. altus scheinbar etwas kleiner als B. schwanefeldii bleibt, braucht sie wahrscheinlich keine ganz so großen Aquarien und ist entsprechend einfacher im Aquarium zu züchten.

Beide Arten werden international auch als „Tinfoil Barb“ bezeichnet, also als „Aluminiumfolien-Barbe“, was sich auf den starken Silberglanz der Schuppen bezieht. Dabei wirkt B. altus etwas gelblicher, weshalb sie manchmal als „Golden Tinfoil Barb“ angeboten wird. Im Deutschen nennt man beide „Brassenbarbe“, in Anlehnung an den einheimischen Brassen (Abramis brama), einen ähnlich hochrückigen Karpfenfisch. B. schwanefeldii wurde übrigens in der wissenschaftlichen Erstbeschreibung versehentlich als B. schwanenfeldii benannt. Da Einigkeit darüber besteht, dass es sich um ein Versehen handelt – die Art wurde 1854 zu Ehren von Herrn H. W. Schwanefeld benannt – sollte man die Schreibweise ohne „n“ benutzen.

Bezüglich der Pflege kann man bei beiden Barbonymus nicht viel falsch machen. Es sind großwüchsige Allesfresser, die auch zarte Pflanzen verputzen und mit jedem Trinkwasser zufrieden sind. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Es sind friedliche, gesellige Tiere, die allerdings Platz brauchen, damit sie sich ausschwimmen und auswachsen können.

In Süd-Thailand gibt es übrigens einen kleinen Fluss in der Nähe einer Grotte, in der der früher einmal ein heiliger Mann lebte. Dadurch wird der Fluss in der Umgebung der Höhle ebenfalls als heilig angesehen und die darin lebenden Fische nicht gefangen und gegessen. Dort kann man in kristallklarem Wasser prachtvolle B. schwanefeldii bewundern, die von frommen Menschen gefüttert werden und ohne jede Scheu nahe der Oberfläche umherschwimmen. 

Für unsere Kunden: meist unterscheiden wir nicht zwischen Barbonymus altus und B. schwanefeldii und bieten alle als B. schwanefeldii an. Je nach Größe haben sie Code 371401 (3-4 cm) bis 371407 (20-25 cm) auf unserer Stockliste. Die gelbliche Zuchtform Gold hat Code 371502, Albinos 371552 (3-5 cm) und 371553 (6-8 cm). In den Fällen, wo wir B. altus separat anbieten, haben B. altus von 10-12 cm Länge Code 371405 auf unserer Stockliste, die mit 5-7 cm Code 371403. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer, HHach/pixabay und Erwin Schraml

Petitella bleheri „PLATIN“

11. Dezember 2025

So genannte Goldtetras gibt es bei sehr vielen Salmlerarten in Südamerika. Meist sind nur einige wenige Tiere aus einem Schwarm von dem Phänomen betroffen, bei dem erheblich stärker als sonst üblich der für den glänzenden silber- oder goldfarbenen Glitzereffekt der Fischschuppen verantwortliche Stoff Guanin ausgeschüttet wird. Im Detail erklären wir das hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-saizi-hyphessobrycon-eos-kolumbianischer-goldtetra/ Aus den geschilderten Gründen lässt sich der Goldglanz nicht in Zuchtstämmen fixieren. Die Nachkommen alles Goldtetras sehen wie die Stammform aus.

Ausgerechnet bei einem Salmler, bei dem unter Wildfängen so gut wie nie Goldtetras zu finden sind, gelang jedoch die genetische Fixierung des Goldglanzes. Die Züchter nennen diesen attraktiv sildberglänzenden Fisch „Diamant“, im Handel wird er gewöhnlich als „Platin“ bezeichnet. Der Edelmetallglanz dieses Rotkopftetras – rein technisch gesehen handelt es sich um Petitella bleheri – beruht auf einer zufälligen genetischen Veränderung, nicht auf Parasitenbefall. Zur Unterscheidung der drei Rotkopfsalmler und zu allgemeinen Pflegehinweisen, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/petitella-rotkopfsalmler/

Für unsere Kunden: die Tiere finden Sie auf unserer Stockliste als „Hemigrammus rhodostomus Platin“ mit der Codenummer 257362 (md) und 257363 (md-lg). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ctenopoma kingsleyae

5. Dezember 2025

Der Schwanzfleck-Buschfisch (Ctenopoma kingsleyae) stammt aus bewaldeten Gebieten im westlichen Afrika. Er gehörte zu den ersten aus Afrika für die Aquaristik exportierten Labyrinthfischen. Bereits 1912 kamen die ersten Exemplare aus dem Bereich des unteren Niger nach Deutschland. Die ruhige, friedliche Art wurde damals seltsamerweise als sehr bissig und unverträglich geschildert, eine Beobachtung, die später nie wieder gemacht wurde. Mit fast 20 cm maximaler Länge (gewöhnlich 12-15 cm) gehört C. kingsleyae zu den größten Labyrinthfischen Afrikas.

Der für den deutschen Gebrauchsnamen verantwortliche Schwanzwurzelfleck wird von mehreren Art gezeigt. Er kann stimmungsabhängig stark verblassen oder sogar weiß aussehen – normalerweise ist er schwarz. Bei Jungtieren bis ca. 5 cm Länge ist der Schwanzwurzelfleck golden umrandet. Arttypisch für C. kingsleyae ist der große silberfarbene Fleck direkt unter dem Auge, der bei allen ansonsten ähnlichen Arten fehlt.

In Bezug auf das Fortpflanzungsverhalten zählt Ctenopoma kingsleyae zu den ursprünglichen Labyrinthfischen. Brutpflege betreibt diese Art nicht. Die Eier sind durch Öleinlagerungen schwimmfähig und werden nach dem Ablaichen sich selbst überlassen. Die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich nur wenig. Geschlechtsreife C. kingsleyae (ab ca. 8 cm Gesamtlänge) besitzen hinter dem Auge und auf dem Schwanzstiel Dornenfelder, die dem Männchen helfen, während der Paarung das Weibchen U-förmig zu umschlingen und zur Ablaichposition auf den Rücken zu drehen. Das Dornenfeld hinter dem Auge ist oft nur schwer zu sehen, während das Dornenfeld auf dem Schwanzstiel unmittelbar vor dem Schwanzwurzelfleck schwach rötlich erscheint und darum auch mit bloßem Auge oft eine Geschlechtserkennung möglich macht.

Wenngleich Ctenopoma kingsleyae auf den ersten Blick wenig attraktiv erscheinen mag, so sind die ruhig im Aquarium dahinziehenden Tiere mit ihren silberweißen Flossensäumen  doch ein wunderbarer Kontrastfisch zu bunten Salmlern, Barben oder Buntbarschen. Ganz kleine Fische (2-3 cm) und Garnelen werden als Futter angesehen, ansonsten werden Mitbewohner, seien sie tierisch oder  pflanzlich, gewöhnlich völlig ignoriert. Auch untereinander sind die Tiere, unabhängig vom Geschlecht, sehr friedlich.

Die chemische Wasserzusammensetzung ist ohne Belang, jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Die Temperatur kann sich im Bereich zwischen 20 und 30°C bewegen. Zur Stimulation der Zucht, die man am besten im Winter versucht, muss eine Trockenperiode simuliert werden. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe, egal ob trocken, gefrostet oder lebend. Eine besondere Freude kann man den Tieren mit Landinsekten (dicke Fliegen, Heuschrecken etc.) machen, die man auf die Wasseroberfläche wirft. Das ist die absolute Lieblingsnahrung der Buschfische.

Für unsere Kunden: die Tiere haben, je nach Größe, Code 117502 (4-6 cm) bis 117504 (9-11 cm) als Wildfänge und 117511 (3-4 cm) bis 117514 (8-12 cm als Nachzuchten. Die fotografierten Tiere sind große Nachzuchtexemplare (117514). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nannostomus mortenthaleri

5. Dezember 2025

Nannostomus mortenthaleri aus Peru (Einzug des Rio Nany in der Provinz Loreto) war im Jahr 2000 die schönste aquaristische Neuentdeckung überhaupt. Der enge Verwandte des Zwergziersalmlers, N. marginatus, bleibt klein – ca. 4 cm – und ist im männlichen Geschlecht geradezu atemberaubend schön gefärbt. Jedenfalls manchmal. Denn abgesehen von anatomischen Details zeigt N. mortenthaleri ein deutlich von den meisten Nannostomus-Arten abweichendes Verhalten. Unter Artgenossen bildet N. mortenthaleri eine ausgesprochene Rang- oder Hackordnung aus.

Dominante Männchen zeigen ein intensives Rot zwischen den dunklen Längsbinden. Im Rang niedrig stehende Männchen verblassen und nehmen Weibchenfärbung an. Umgekehrt können dominante Weibchen einen ordentlichen Rotanteil entwickeln. N. mortenthaleri ähnelt in seinem Verhalten also eher einem kleinen Malawibuntbarsch (Mbuna) als einem Ziersalmler. Man sollte die Art darum auch unbedingt im größeren Trupp pflegen, da sich sonst, genau wie bei den Mbunas, ein Tyrann enwickeln kann, der u. U. alle Artgenossen so stark unterdrückt, dass es sogar zu Todesfällen kommen kann. Für die Pflege im Gemeinschaftsaquarium ist die Geschlechterzusammensetzung unerheblich.

Bei allen Ziersalmlern hat sich die Form der Afterflosse als verlässlichstes Geschlechtsmerkmal herausgestellt. Leider sind die Unterschiede ausgerechnet bei N. mortenthaleri sehr schwach ausgeprägt. Die Afterflosse erwachsener Männchen ist an der Vorderkante stets leicht konvex, beim Weibchen hingegen gerade abgeschnitten. Darüber hinaus fehlt bei den Weibchen der helle Streifen an der Basis der Rückenflosse. Am sichersten sind die Geschlechter aber am Verhalten zu unterscheiden. Wir raten zur Anschaffung eines Trupps von 10-20 Exemplaren, die in einem größeren, sehr stark struktuierten (viele Wurzeln und dichte Bepflanzung) Aquarium gepflegt werden sollten. Hier werden die Tiere sicher auch ablaichen (sie sind Freilaicher über feinfiedrigen Pflanzen). Zwar kommt im Gemeinschaftsbecken kaum Nachwuchs hoch, da die erwachsenen Tiere arg kannibalisch sind, aber man weiß zumindest, ob wirklich Weibchen im Trupp vorhanden sind und kann sie auch zum Zuchtansatz gezielt herausfangen.

Bei der Pflege sind N. mortenthaleri relativ problemlos. Die anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserparameter ist gut, wenn auch weiches und leicht saures Wasser den natürlichen Verhältnissen am besten entspricht. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe. Gegenüber artfremden Fischen sind N. mortenthaleri gewöhnlich friedlich, lediglich bei sehr eng verwandten Nannostomus-Arten mit ähnlichem Körperbau und ähnlicher Färbung sollte man vorsichtig sein.

Für unsere Kunden: N. mortenthaleri hat Code 272253 (md) – 272257 (xlg), je nach Größe. Nachzuchten haben Code 272259 auf unserer Stockliste.

Text & Photos: Frank Schäfer

Carassius auratus Oranda Panda

5. Dezember 2025

Schwarz-weiße Goldfische werden in Züchterkreisen als „elsternfarbig“ bezeichnet, Tiere mit Teleskop-Augen als „Demekin“ und die einfach doppelte Schwanzflosse als „Schmetterlingsschwanz“. Ein Oranda ist hingegen, züchterisch gesprochen, ein Goldfisch mit Haube. Demnach sind die niedlichen Pandas, die wir endlich wieder einmal importieren konnten, elsternfarbige Schmetterlingsschwänze. Da klingt „Oranda Panda“ aber griffiger, finden Sie nicht auch? Es gibt nun einmal einen Unterschied zwischen der fachlichen Züchtersprache und der Verkaufsbezeichnung. Früher wurden die „Oranda Panda“ hauptsächlich als Demekin geliefert. Das entspricht dem mitteleuropäischen Geschmack allerdings kaum noch, weshalb die Züchter in Asien jetzt für diesen Markt auch Tiere mit normal entwickelten Augen züchten.

Oranda Panda sind generell nicht leicht zu züchten, da sie nicht reinerbig sind. Goldfische haben ein riesiges Genom und für die Ausprägung der Rassemerkmale (Schleierflossen, Teleskopaugen, Haube etc., aber auch die Farbe) sind in der Regel gleich mehrere Allele zuständig. In ein und derselben Brut einer bestimmten Zuchtform gibt es darum immer eine große Bandbreite. Wenn sehr einheitlich aussehende Goldfische im Handel sind, beruht das immer auf sorgfältiger Auslese und Sortierung und nicht auf genetischen Grundlagen. Grundsätzlich ist jedes Tier individuell also etwas unterschiedlich gezeichnet und es gibt auch Exemplare, denen der weiße Anteil fast völlig fehlt und umgekehrt solche, die nur vereinzelt schwarze Sprenkel auf weißem Grund haben.

Wir haben nur einen regelmäßigen Lieferanten für diese attraktiven Tiere und auch der kann nicht immer den Bedarf decken. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 817499 (3-4 cm) und 817500 (4-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. Nur in begrenzter Stückzahl lieferbar.

Text & Photos: Frank Schäfer

Channa pyrophthalmus ( = sp. Fire & Ice)

5. Dezember 2025

Anfang des Jahres 2024 wurde diese im Hobby schon länger als Channa sp. Fire & Ice bekannte Schlangenkopffisch-Art wissenschaftlich als Channa pyrophthalmus beschrieben. Man kennt sie bislang nur aus dem äußersten südlichen Grenzgebiet zwischen Burma und Thailand. Derzeit können wir wieder diesen kleinen und farbenprächtigen Channa anbieten. Die Art erreicht in der Natur nur 12-15 cm Länge, allerdings können Aquarienexemplare nach Niemeier bis zu 25 cm erreichen.

Diese wunderschöne Art gehört in den engeren Verwandtschaftskreis von Channa gachua und ist, wie dieser, ein Maulbrüter. Sie wurde auch schon im Aquarium nachgezüchtet. Da der kleine Channa, den man immer unzweifelhaft an der charakteristischen Gesichtszeichnung erkennen kann, zu den aggressivsten Vertretern seiner Gattung zählt, hält man ihn am besten einzeln, wozu ein relativ kleines Aquarium bereits ausreichend ist. Nur zu Zucht setzt man Paare zusammen. Das entspricht dem Verhalten in der Natur; hier leben die Fische außerhalb der Paarungszeit ebenfalls einzeln. Bei Gruppenhaltung benötigt man große bis sehr große Aquarien mit reichlich Versteckmöglichkeiten für unterlegene Tiere.

Als Futter gibt man am besten Insekten, z.B. Heimchen entsprechender Größe, die auch tiefgefroren gern genommen werden. Allerdings akzeptieren die Fische durchaus eine breite Palette von Futtermitteln: jegliches gröbere Frost- und Lebendfutter und nach Gewöhnung auch Granulate oder Cichliden Sticks; sie neigen allerdings etwas zur Verfettung, daher die Empfehlung mit der Insektenfütterung. Die chemische Wasserzusammensetzung sind zur Pflege und Zucht belanglos, jedes Trinkwasser eignet sich. Die Temperaturansprüche sind mäßig, am besten pflegt man die Art bei Zimmertemperatur (18-22°C) und nur zur Zucht erhöht man um 2-3°C.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 409363 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Britz, R., H. H. Tan & L. Rüber (2024): Four new species of Channa from Myanmar (Teleostei, Labyrinthici, Channidae). Raffles Bulletin of Zoology v. 72: 1-25.

Niemeier, D. (2024): Schlangenkopffische. Neustadt am Rübenberge, 552 pp

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma agassizii PUTUMAYO

5. Dezember 2025

Erstmals  können wir eine kleine Anzahl dieser „neuen“ Variante des altbekannten Apistogramma agassizii anbieten. Es handelte sich ursprünglich um Beifänge zu der herrlichen Putumayo-Variante von A. bitaeniata aus Peru (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma-bitaeniata-putumayo-3/). Wir haben einige Exemplare großgezogen, um zu sehen, was aus ihnen wird und können nur sagen: es hat sich gelohnt!

Genau wie der bereits erwähnte A. bitaeniata hat die Putumayo-Variante von A. agassizii einen hohen Gelbanteil in der Färbung. An der Basis der Rückenflosse befindet sich ein breites schwarzes Band. Die Schwanzflosse ist ebenfalls pechschwarz eingerandet. Manche (nicht alle!)  Weibchen dieser Variante haben einen Doppelfleck auf den Flanken, wie man es von A. gephyra her kennt.

Die bekannte Palette von A. agassizii wird durch die Putumayo-Variante unserer Ansicht nach sehr bereichert; gelbe Agassizii sind zwar schon lange bekannt, jedoch war stets unklar, woher genau sie stammen. Gewöhnlich gehören Peru-Wildfänge von A. agassizii eher dem so genannten blauen Farbtyp an, wobei immer zu beachten ist, dass es „farbreine“ Wildfangpopulationen nicht gibt. Siehe hierzu auch https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma-agassizii-peru-wild/

Für unsere Kunden: die Putumayo-Variante von A. agassizii hat Code 614838 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Elassoma gilberti

28. November 2025

Erst im Jahr 2009 wurde diese Zwergsonnenbarsch-Art formell wissenschaftlich beschrieben. Sie stammt aus Florida und Alabama, wo sie neben (aber nicht zusammen mit) der sehr ähnlichen Art E. okefenokee vorkommt. Wie alle Zwergsonnenbarsche sind es kleine Fische, deren Männchen höchstens 3 cm Totallänge erreichen; Weibchen bleiben kleiner. Die Geschlechter unterscheiden sich bei erwachsenen Tieren am besten anhand der Flossensäume. Die Männchen haben dunkelgraue Säume in der Rücken-, Schwanz- und Afterflosse, die im Auflicht herrlich neonblau leuchten. Den Weibchen fehlt dieses Farbmerkmal. Elassoma gilberti ist zu sehr schnellem Farbwechsel fähig. Ein Männchen, das eben noch in tiefstem Samtschwarz prangt, kann sich binnen Sekunden zu einen blass beigefarbenen Fisch verändern, wenn es beunruhigt ist – und dazu genügt bereits die Annäherung der Fotokamera. Es gehört  darum zu den seltenen Glücks-Schnappschüssen, ein dominantes schwarzgefärbtes Männchen zu erwischen.

Leider wird dieses Fischjuwel nur selten angeboten. In normalen Händlerbecken sind Elassoma gilberti nämlich oft sehr blass gefärbt. Dann besteht nur wenig Unterschied zum allseits bekannten Elassoma evergladei (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/elassoma-evergladei-3/). Bezüglich der Pflegeansprüche – ruhige, dicht bepflanzte Aquarien, Frost- und Lebendfutter, Zimmertemperatur (16-24°C, also keine Zusatzheizung) – unterscheiden sich die Elassoma-Arten nicht. Alle sind in der Fortpflanzungsperiode Dauerlaicher. Die Eier und dem entsprechend die Jungtiere sind winzig, was die Aufzucht etwas mühsam gestaltet. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Pflege und Zucht von Elassoma der der heutzutage besser bekannten Zwergblaubarsche (Dario spp.) entsprechen. Die von uns angebotenen Elassoma gilberti sind Nachzuchtexemplare.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 414732 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Homaloptera ogilviei

28. November 2025

Flossensauger gehören in die Schmerlenverwandtschaft. Die wohl schönsten Vertreter findet man in der Gattung Homaloptera. Bis vor wenigen Jahren wurde diese Gattung sehr weit gefasst; 72 Arten wurden als Homaloptera spp. beschrieben. Heutzutage ist die Gattungsdefiniton allerdings sehr viel enger und es werden der Gattung Homaloptera nur noch 6 Arten zugeordnet: H. bilineata (Nepal, Burma, Thailand), H. confuzona (Mekong-Einzug), H. ocellata (Java), H. ogilviei (Malaysia, Sumatra, Borneo), H. orthogoniata (Borneo) und H. parclitella (Malaysia, Süd-Thailand). Sie sehen sich alle ziemlich ähnlich. Im Deutschen bezeichnet man sie gelegentlich als „Sattelfleckschmerlen“, im Englischen werden die Tiere „lizard loaches“ genannt, also „Eidechsenschmerlen“.

Der englische Populärname ist ziemlich treffend, denn die hübschen Fische gleiten genau wie Eidechsen über feste Untergründe, wobei sie stets Kontakt zum Untergrund halten. Wenn sie sich an der Frontscheibe des Aquariums befinden, sieht man sehr schon die zwei unterschiedlichen Saugapparaturen, die diese Fische entwickelt haben: je ein Saugapparat befindet sich in den „Achseln“, also angrenzend an die Brustflossen und je zwei weitere im Beckenbereich, angrenzend an die Bauchflossen. Die Existenz von Saugapparaten deutet schon auf den Lebensraum hin: fließende Gewässer mit festem Untergrund.

Wir haben Homaloptera ogilviei aus Thailand importieren können. Dieser kleine Flossensauger wurde bereits 1967 aus Malaysia beschrieben, später auch von Sumatra und Borneo bekannt. Das Vorkommen in Thailand ist wissenschaftlich nicht belegt, war aber aus zoogeografischen Gründen durchaus zu erwarten. Es ist als sicher davon auszugehen, dass die Tiere ganz im Süden des Landes in Waldbächen gesammelt wurden.

Mit maximal ca. 5 cm Gesamtlänge sind H. ogilviei die kleinsten bislang im Hobby bekannt gewordenen Vertreter der Gattung. Die Färbung ist sehr variabel, von braun über Schwarztöne bis zu ziegelrot. Das Grundmuster ist dennoch bei allen Tieren ziemlich gleich.

In der Pflege sind diese Tiere anspruchsvoll: Sie verlangen ein keimarmes Milieu, das Wasser sollte unbedingt mit Huminstoffen aus Torf, Erlenzäpfchen oder Laub angereichert werden, sonst sind die Tiere sehr empfänglich für Parasiten. Zusätzlich haben diese Fische als Fließwasserbewohner einen hohen Sauerstoffbedarf. Das Wasser sollte darum nicht zu warm sein, 22–25 °C sind ideal. Anfangs wird Lebendfutter bevorzugt, später nehmen die Tiere auch Frost- und Trockenfutter an. Die schönen Fische sind sehr friedlich, imponieren aber untereinander gerne in harmlosen Rangordnungskämpfen, die sehr interessant anzusehen sind. 

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 421612 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon flammeus

28. November 2025

Einer der ersten Salmler überhaupt, der für die Aquaristik importiert wurde, ist Hyphessobrycon flammeus. Seit dem Erstimport 1924 ist die Art nie wieder aus den Aquarien verschwunden, denn die Nachzucht ist leicht und die Fische sind sehr produktiv. Wegen seiner Herkunft (der Umgebung von Rio de Janeiro in Brasilien) und der hübschen Rotfärbung erhielt die Art rasch einen Populärnamen, nämlich „Roter von Rio“, zumal die Art zum Zeitpunkt des Erstimportes der Wissenschaft noch unbekannt war.

Leider ist der Rote von Rio in der Natur vom Aussterben bedroht, denn der natürliche Lebensraum des Tieres (küstennahe Wälder) verschwindet mehr und mehr. Importe gibt es schon viele Jahrzehnte nicht mehr, aber durch den Kauf von Roten von Rio können Sie sich aktiv an der Arterhaltung beteiligen, denn so lange die Aquarianer nach Roten von Rio verlangen, so lange werden sie auch nachgezüchtet und können wenigstens in den Aquarien überleben.

Die optimale Färbung zeigen die Fische bei naturähnlichen Gegebenheiten: durch Huminstoffe bräunlich gefärbtes, relativ kühles (16-22°C) Wasser. Aber die bereits 100-jährige Existenz des Tieres ohne „Blutauffrischung“ im Hobby zeigt auch überdeutlich, dass der Rote von Rio ein anpassungsfähiges Tier ist, das unter unterschiedlichsten Bedingungen sein Auskommen finden kann. Jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe wird akzeptiert. Ein wichtiger Hinweis: einzeln oder paarweise gehaltene Hyphessobrycon flammeus können gegen Mitbewohner sehr aufdringlich werden, darum bitte mindestens 10 Exemplare zusammen pflegen, wobei die Geschlechterzusammensetzung egal ist. Männchen unterscheiden sich von den Weibchen übrigens durch den kräftigeren schwarzen Saum in der Afterflosse und den Bauchflossenspitzen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 260300 bis 269304 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Protopterus annectens Nigeria

28. November 2025

Es gibt in Afrika vier Arten von Lungenfischen, die teils nur schwer auseinanderzuhalten sind. Ganz unübersichtlich ist die Situation im Kongo (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/lungenfische_aus_dem_kongo_de/). Nur die Art Protopterus dolloi ist immer leicht aufgrund ihres langgestreckten Körperbau zu erkennen. Am sichersten unterscheidet man die drei Arten Protopterus aethiopicus, P. annectens und P. amphibius nach dem Ansatz der Rückenflosse. Diese beginnt bei P. amphibius kurz hinter den Brustflossen, bei P. annectens etwa in der Mitte zwischen Brust- und Bauchflossen (etwas näher an den Brustflossen) und bei P. aethiopicus hinter der Mitte zwischen Brust- und Bauchflossen. Färbungsmerkmale sind weitgehend untauglich, da eine sehr starke individuelle Farbvarianz existiert. Man sagt, dass bei P. amphibius (diese Art kommt nur im südöstlichen Afrika vor und wird daher kaum exportiert, da es aus dem Vorkommensgebiet von P. amphibius keine regulären Zierfischexporte gibt) am längsten die Außenkiemen behält, doch tun dies P. annectens und P. aethiopicus auch oft sehr lange (siehe weiter unten). 

Am häufigsten kommt auf jeden Fall Protopterus annectens (Westafrikanischer Lungenfisch) aus Nigeria in den Handel, auch wenn diese „Häufigkeit“ sehr relativ zu sehen ist. Immerhin erreichen die Fische Längen um einen Meter und sind untereinander sehr unverträglich. Darum werden immer nur wenige Exemplare pro Jahr importiert.

Meist importieren wir diese Tiere mit einer Länge von 15-25 cm. Damit sind die größten von ihnen gerade geschlechtsreif. Die Art P. annectens ist die einzige Art afrikanischer Lungenfische, bei der bisher an wildlebenden Exemplaren wissenschaftliche Untersuchungen über äußerlich erkennbare Geschlechtsunterschiede durchgeführt wurden. Demnach haben die Männchen längere und breitere Köpfe. Trotz ihrer Lungenatmung behalten P. annectens viele Jahre ihre äußeren Kiemen, die für alle Lungenfischarten als Larven typisch sind, wodurch sie an Molchlarven erinnern. Jedes Tier des Westafrikanischen Lungenfisches hat eine individuell unterschiedliche Körperzeichnung. Es gibt – im gleichen Import und aus dem gleichen Fanggebiet – leopardenartig gescheckte und fast einfarbige Tiere. Das hat keinerlei Aussagekraft über Geschlecht oder Herkunft. 

Erstaunlicherweise fressen diese großen Tiere am liebsten relativ kleine Futtersorten. Kleine Fische sind in ihrer Gegenwart zwar stets gefährdet, aber Wurmfutter oder Granulate werden deutlich bevorzugt; daneben akzeptieren die Tiere viele Frostfuttersorten, Insekten etc. Ihre Nahrung finden sie vorwiegend durch ihren Geruchssinn. Untereinander kommt es bei der Fütterung oft zu Verletzungen, da die gierigen Fische blindlings um sich schnappen. Glücklicherweise heilen Verletzungen gut ab und das Regenerationsvermögen dieser urtümlichen Fische ist geradezu legendär. 

Die Beobachtung der (normalerweise allerdings ziemlich trägen) Tiere ist sehr interessant. Sie bewegen die fadenförmigen Flossen, als wären es Arme und Beine. Bei aggressivem Verhalten reißt der Angreifer das Maul weit auf und streckt die „Arme“ in die Höhe. Es gibt noch viel an dem Verhalten dieser Tiere zu erforschen. Die Gattung Protopterus gibt es es seit etwa 400 Millionen Jahren, das Alter der modernen, jetzt existierenden Arten wird auf etwa 26 – 42 Millionen Jahre geschätzt (je nach Autor variieren diese Angaben recht beträchtlich).

Die Männchen von P. annectens werden größer als die Weibchen. Die Art betreibt Brutpflege im männlichen Geschlecht. Während der Trockenzeit graben sich die Fische in den Boden ein und überdauern das Austrocknen ihrer Wohngewässer in einem Kokon; in diesem „Trockenschlaf“, während dessen der Stoffwechsel stark reduziert ist, können Lungenfische mehrere Monate, angeblich sogar Jahere, überleben. Abgelaicht wird, wenn die Regenzeit einsetzt und das Wasser wieder steigt. Das Ablaichen erfolgt in einer Kammer im Boden, die durch ein Tunnelssystem mit dem freien Wasser verbunden ist. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 167602 (12-15 cm) bis 167607 (60 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Petitella – Rotkopfsalmler

25. November 2025

Die Rotkopf- oder Rotmaulsalmler sind ein wunderschöner Blick­fang für jedes Aquarium mit fried­lichen Fischen. Ein Schwarm dieser Tiere, und  15 – 20 Exemplare sollten es möglichst immer sein, be­geistert jeden Betrachter, weil diese Tiere wirklich dauerhaft im Schwarm schwimmen; die allermeisten so genannten Schwarmfische unter den Aquarienfischen tun das nämlich nicht. Sie schwimmen eher vereinzelt durch das Aquarium und schließen sich nur dicht zusammen, wenn Gefahr droht. Die Pflege der Rotkopfsalmler ist nicht schwer und so schwim­men sie in sehr vielen Aquarien. Nur die rich­tige Benennung der Arten, die ist nicht einfach. Drei Arten kennen wir, die immer wieder verwechselt wurden. Früher teilte man sie in zwei Gattungen ein (Hemigrammus und Petitella), heutzutage werden alle drei in Petitella klassifiziert: P. rhodostoma (früher: Hemigrammus rhodostomus), P. bleheri (früher: Hemigrammus b.) und Petitella georgiae.

 

Diese drei  Arten wurden und werden so oft ver­wechselt, dass man wirklich verwirrt werden kann. Tat­sächlich ist es relativ einfach: Bei den im Handel befindlichen Fischen handelt es sich fast immer um Petitella bleheri, bezeichnet werden sie aber fast immer als Petitella georgiae. Im Grunde genommen ist es egal, welche der drei Arten man erwirbt, sie unterscheiden sich in ihren Ansprüchen nämlich nicht. Dennoch geben wir hier die Unterschiede an, für alle, die es ganz genau wissen wollen.

Schon vor längerer Zeit, nämlich 1924 beschrieb E. Ahl einen Rotmaulsalmler als Hemigrammus rhodostomus. Der Fund­ort lag nahe Belem in Brasilien. Und so, nämlich als Hemigrammus rhodostomus, wurde in der Folge jeder Rotmaul- oder  Rot­­kopf­salmler in der Aquaristik bezeich­net. Sicher merkte man, daß die Fische je nach Fundort etwas anders aus­sahen, hielt das jedoch für eine inner­art­liche Varianz. 

1964 beschrieben der Salm­­ler­­spezialist J. Gery mit H. Boutiere eine dem schon bekannten Rot­maul­salm­ler sehr ähnliche Art als Petitella georgiae. Die Un­ter­schiede in der Fär­bung der beiden Arten sind un­wesent­lich, der Grund für die art­liche Trennung lag in Unter­schieden der Be­zah­nung begründet. Diese neue Art stammt haupt­sächlich aus dem Oberlauf des Amazonas in Peru. Sie fand keine son­­der­lich weite Ver­breitung, weil sie eher etwas farbloser ist als der Rot­maul­salmler, den man schon kannte. 

Die schönsten Rotmaulsalmler kamen und kommen aber aus dem Rio Negro. Sie haben eine herrliche, weit über die Kie­men­­deckel hinausgehende rote Kopf­­­fär­bung. Begehrte Fische brau­chen eine eige­­­ne Handelsbezeichnung und so wur­de kurzerhand der neue Name Petitella georgiae für diesen Salmler ver­wen­det, ohne die Richtigkeit dieses Unter­fan­gens zu überprüfen. 

1986 be­schrieb J. Gery zusammen mit V. Mahnert diesen rötesten aller Rotkopf­salmler als neue Art, nämlich Hemigrammus bleheri, und das Chaos war per­fekt, weil jede der drei Arten in der Literatur schon unter einem falschen Namen abgebildet worden war.

Man erkennt man P. bleheri immer gut daran, dass er im Gegensatz zu den beiden anderen Arten kein schwar­zes Längsband auf dem Schwanzstiel besitzt, sondern nur eine zartgraue Linie. Petitella georgiae und P. rhodostoma haben ein deutlich ausgeprägte, gut sichtbares dunkles Längsband und sind optisch kaum auseinanderzuhalten. Bei ein­ge­­wöhnten Tieren schaut man am besten auf das Endes des Schwanzstiels. Dort hat Petitella nur einen Fleck oben vor der Schwanz­flosse, P. rhodostoma hat oben und unten einen Fleck.  

Meist importieren wir P. bleheri aus Brasilien, der jedoch aus Gründen unserer hausinternen Warenwirtschaftsanalyse unter dem Namen „Petitella georgiae“ segelt, von Zeit zu Zeit haben wir aber auch Wildfänge des „echten“ P. georgiae aus Peru im Stock. P. rhodostoma ist so gut wie nie unter dem richtigen Namen im Handel. Die Bilder die wir hier zeigen, stammen von so genannten Beifängen, die wir aus Importen anderer Fischarten aussortierten. P. bleheri wird nicht nur als Wildfang, sondern auch als Nachzucht angeboten. Es gibt von P. bleheri auch Zuchtformen: Gold-, Albino- und Platin-Formen zeigen, in welch großem Maßstab diese Art nachgezüchtet wird. 

Bezüglich der Pflege ist zu sagen, dass die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserverhältnisse so gut ist, dass man sagen kann, dass Rotkopfsalmler aller Art in jedem als Trinkwasser geeigneten Leitungswasser jahrelang gut gepflegt werden können. Optimal färben sie sich in Wasser, dem Huminstoffe beigefügt sind. Zur Zucht benötigt man weiches und saures Wasser. Die Geschlechter unterscheiden sich durch die Figur (Weibchen sind größer und runder in der Bauchpartie) und die Männchen haben kleine Haken an der Afterflosse, mit denen sie im Fangnetz hängen bleiben. Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 28°C liegen, etwas höher zu Zucht, zeitweise etwas niedriger schadet auch nicht. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe, Pflanzen bleiben unbehelligt. Petitella sind gegenüber allen Fischarten sehr friedlich.

Für unsere Kunden: leider, leider können aus buchhalterischen Gründen die Namen in unserer Stockliste nur sehr schlecht ändern. Darum finden sich P. bleheri-Zuchtformen (Gold 257301-257303, Albino 257352 und Platin 257362-257363) und Nachzuchten (Code 257201-257205) bei uns unter Hemigrammus rhodostomus, die Wildfänge von P. bleheri aus dem Rio Negro unter Petitella georgiae (Code 278001-278005) und die „echten“ P. georgiae aus dem oberen Amazonas (Peru) unter P. georgiae/real wild PERU (Code 278014). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Maylandia sp. „Daktari“

21. November 2025

Die bunten Felsencichliden (Mbuna) des Malawisees werden zwar hauptsächlich wegen ihrer knalligen Farben gepflegt, jedoch haben sie bezüglich ihres Verhaltens tatsächlich mehr zu bieten, als nur gut auszusehen. Maylandia sp. Daktari – eine wissenschaftlich noch unbeschriebene Art – kommt nur in einem relativ kleinen Gebiet in vier Populationen vor; je zwei dieser Populationen sind äußerlich nicht zu unterscheiden. Bei der Population vom Undu und Hai Reef in Tanzania sind die dominanten Männchen strahlend gelb, bei den Populationen Chiwindi und Liutche in Mosambik sind die dominanten Männchen über den Rücken blau überhaucht. Im Handel sind nahezu ausschließlich Nachzuchten der gelben Morphe.

Für Mbuna-Verhältnisse ist diese Art als friedlich einzustufen, zudem gehört sie zu den kleinsten Mbunas: sie wird nur etwa 10 cm lang. Allerdings können Männchen untereinander sehr aggressiv auftreten. Meist wird empfohlen, ein Männchen mit einer Anzahl Weibchen pro Aquarium zu pflegen. Es gibt aber auch inzwischen auch sehr viele Aquarianer, die erfolgreich mehrere Männchen und mehrere Weibchen pflegen. Nicht-dominante Männchen nehmen Weibchenfärbung an und sind dann vor Verfolgung durch das alpha-Männchen sicher; die „echten“ Weibchen werden vor den steten Nachstellungen des alpha-Männchens entlastet, da dieses ebenso viel Energie in die Balz gegen „falsche“ Weibchen steckt. Insgesamt entsteht so eine relativ stressarme Gesellschaft.

Maylandia sp. Daktari (man findet diese Art in der Literatur auch unter den Synonymen Metriaclima sp. Daktari und Pseudotropheus sp. Daktari) lebt in der Übergangszone zwischen Fels und Sand. Am Fuße eines Felsens gräbt ein revierbesitzendes, dominantes Männchen (man nennt dies ein alpha-Männchen) einen Tunnel, der als Ablaichplatz dient. Eigentlich ist M. sp. Daktari ein planktivorer Fisch, der kleine Futterorganismen (Plankton) aus der freien Wassersäule pickt. Nur das revierbesitzende Männchen geht zu einer Aufwuchs-fressenden Lebensweise über. Da dies ein sehr nährstoffarmes Futter ist, verteidigt ein revierbesitzendes Männchen sein Revier sehr aggressiv gegen unerwünschte Mitfresser. Man nimmt an, dass alpha-Männchen es sich nicht leisten können, ihr Ablaichrevier zur Nahrungssuche zu verlassen, da in dieser Zeit der spärliche Aufwuchs von anderen Fischen gefressen werden würde.

Wie alle Mbuna ist Maylandia sp. „Daktari“ ein agamer Maulbrüter im weiblichen Geschlecht, d.h. die beiden Geschlechter gehen keine über das Ablaichen hinausgehende Bindung ein und das Weibchen ist alleine für das Ausbrüten der Eier in der Mundhöhle verantwortlich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 568263 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos. Frank Schäfer

Synodontis flavitaeniatus

21. November 2025

Dieser hübsche Fiederbartwels kommt aus dem unteren Kongo (z.B. im Bereich des Pool Malebo, früherer Name Stanley Pool). Mit etwa 20 cm Endgröße gehört er zu den mittelgroßen Arten der Gattung. Früher wurde dieser Wels als ähnlich sensationell empfunden wie einige Jahrzehnte später der Zebrawels (L46, Hypancistrus zebra). Im Aquarien-Atlas, Band1, liest man: „ Einer der hübschesten Fiederbartwelse, jedoch sehr selten und teuer. Es werden jährlich nur etwa ein Dutzend Tiere gefangen.“ Nun, das ist ein nostalgischer Blick in die Vergangenheit; grundsätzlich ist Synodontis flavitaeniatus zwar keineswegs ein Allerweltsfisch, aber das liegt normalerweise eher an zu geringer Nachfrage als an irgend etwas anderem. Gegenwärtig ist dieser Wels aber tatsächlich auf dem Weg zur Rarität, da der Import von Fischen aus dem Kongo immer komplizierter wird und eine Nachzucht von solchen Fiederbartwelsen auf kommerzieller Basis kaum lohnt. Dafür bedarf es als Grundvoraussetzung nämlich einer konstant hohen Nachfrage.

Wir hatten jetzt auch schon einige Jahre keine S. flavitaeniatus mehr in der Anlage. Auffällig an dieser Art ist zum einen die Bezahnung, die auf der Oberlippe bereits außen beginnt und zum anderen das Streifenmuster. Ersteres deutet darauf hin, dass S. flavitaeniatus sich in der Natur von Tieren ernährt, die in Vertiefungen sitzen und die der Wels sich mit seinem besonderen Gebiss herauspicken kann. Letzteres erklärt sich, wenn man diesen Synodontis in relativ fein verzweigten Wurzeln sitzen sieht, die er allen anderen Versteckmöglichkeiten vorzieht. Dann löst er sich nämlich optisch in Nichts auf. Die bei schwimmenden Tieren so auffällige rötlichgelb-braune Streifung ist in dieser Umgebung eine perfekte Tarnung!

Im Aquarium sind S. flavitaeniatus jahrzehntelang ohne großen Aufwand haltbar. Untereinander bilden sie, wie wohl die meisten Fiederbartwelse, eine Rangordnung aus. Dabei kommt es regelmäßig zu Hautabschürfungen, die aber leicht und komplikationslos abheilen. Gegenüber artfremden Fischen sind die Tiere relativ friedlich. Allzu zart sollten eventuelle Mitbewohner nicht besaitet sein, aber für ein Westafrika-Aquarium mit mittelgroßen Salmlern, Barben und Buntbarschen sind S. flavitaeniatus eine wunderbare Bereicherung. Die dämmerungsaktiven Fische brauchen Tagesverstecke; nach einer gewissen Eingewöhnungszeit sind sie aber auch tagsüber viel unterwegs, vor allem zu Fütterungszeiten. Die chemische Wasserzusammensetzung ist nebensächlich, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 22-28°C liegen. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben je nach Größe Code 179500 (3-4 cm) bis 179504 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Baryancistrus xanthellus L18

21. November 2025

Etwa von Ende Mai bis Ende September dauert die Fangsaison der schönen Goldsaum-Harnischwelse (Golden Nuggets) der Gattung Baryancistrus. Aufgrund unterschiedlich großer Punkte am Körper und unterschiedlich breiten Flossensäumen in Rücken- und Schwanzflosse sowie einer unterschiedlich intensiven Gelbfärbung der Punkte wurden für diese Tiere aquaristisch mehrere L-Nummern vergeben: L18, L81, L85 und L177, hinzu kommen weitere Lokalvarianten, die dann zur L-Nummer noch einen Buchstaben bekommen, wie z.B. L81b (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/ein_neuer_golden_nugget_de/),  L81c  (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/baryancistrus-xanthellus-l81c-sao-felix/) oder L81n (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/baryancistrus_sp_l81n_de/). Wissenschaftlich betrachtet gehören sie alle allerdings nur einer einzigen Art an, nämlich Baryancistrus xanthellus, der im Rio Xingu und seinen Nebenflüssen in Brasilien weit verbreitet ist. Alle Unterschiede sind auch nur bei Jungtieren (bis ca. 15 cm Länge) zu erkennen. Erwachsen (ab ca. 20 cm) sehen alle gleich aus (jedenfalls, so weit man das weiß); als Maximallänge werden in der wissenschaftlichen Literatur 30 cm (Totallänge, also inklusive Schwanzflosse) angegeben. Die Punkte sind dann sehr klein und die gelben Flossensäume fast verschwunden. Für erwachsene Tiere siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/baryancistrus_xanthellus_l18_adult_de/.

Der Klassiker unter den Golden Nuggets ist nach wie vor L18. Im Gegensatz zu anderen Harnischwelsen aus dem Rio Xingu ist diese Art nicht unmittelbar durch den Bau des Belo Monte-Staudamms bedroht, da sie ein Bewohner ruhig dahinströmenden Wassers sind. Diese Biotope wird es trotz Staudamm weiterhin geben. Aquaristisch gesehen sind alle Baryancistrus eine Herausforderung für Könner, denn sie brauchen Unmengen Nahrung, hohe Wassertemperaturen (28-32°C), große Aquarien und eine optimale Wasserpflege, um zu großen und zuchtfähigen Exemplaren heranzuwachsen. Untereinander und gegen artfremde Fische sind B. xanthellus grundsätzlich friedfertig; so lange sie die auffällige Jugendfärbung tragen, sind sie sogar geradezu gesellig und halten sich gerne im Rudel mit ihresgleichen auf. Später werden sie mehr und mehr zu Einzelgängern.

Für unsere Kunden: L18 haben – je nach Größe – Code 26480-L 018-0 (3-4 cm) bis 26480-L 018-8 (25-30 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon negodagua

21. November 2025

Gegenwärtig erleben die Kleinsalmler Südamerikas einen neuen Boom. Es wurden und werden zahlreiche Arten wissenschaftlich neu beschrieben. So verlassen auch die Zierfischfänger ihre ausgetretenen Pfade und suchen nach diesen Tieren, zumal anfangs gepfefferte Preise für die Neuheiten gezahlt werden. So etwas funktioniert naturgemäß nur eine kurze Zeit, dann kommen von den besonders attraktiven Arten Nachzuchten auf den Markt, die weniger attraktiven verschwinden wieder und Wildfänge kommen nur noch alle Jubeljahre als Raritäten für einige wenige Spezialisten zu uns. 

Zu diesen neuen Arten zählt der im Jahr 2001 wissenschaftlich beschriebene Hyphessobrycon negodagua. Sein Ursprungsgebiet liegt im Nordosten Brasiliens, im Bundesstaat Bahia. Dort besiedelt dieser maximal 3 – 3,5 cm lange Salmler den Rio Pratinah, einem Zufluss des Rio Santo Antonio, der wiederum in den Rio Paraguaçú entwässert, der einer der wichtigen Küstenflüsse Brasiliens ohne Anbindung and andere Flusssysteme ist. Von fast allen anderen Hyphessobrycon-Arten unterscheidet sich H. negodagua durch das Fehlen der für Salmler so typischen Fettflosse bei sehr vielen Exemplaren, die einzigartige Färbung der Männchen in der Balz macht sie ebenfallls unverwechselbar. Frisch importierte und noch nicht eingewöhnte Tiere sind silbrig, aber eingewöhnte Männchen zeigen schon nach wenigen Tagen ihre feurigen Balztänze, während derer sie sich schwarz verfärben, was in sehr wirkungsvollem Kontrast zu den weißen Flossensäumen steht. Das flatternde Balzschwimmen dieser hübschen Art veranlasste Hans-Georg Evers dazu, ihn als „Schmetterlingszwergsalmler“ zu bezeichnen.

Die Pflege der Tiere ist einfach und entspricht der von anderen kleinen Salmlern. Übrigens: der Artname „negodagua“ bezieht sich auf ein mythisches, menschenähnliches Monster (Nego d´agua), das am Grunde von Flüssen lauert und nachts unaufmerksame Fischer attackiert. Warum die Wissenschaftler den kleinen, friedlichen Salmler mit diesem Monster assoziierten, verraten sie nicht…

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 261232 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Betta simplex

14. November 2025

Dieser kleinbleibende (5-6 cm) Maulbrüter aus Thailand erweitert die schöne Palette interessanter Betta-Wildfänge, die wir gelegentlich anbieten können. Betta simplex ist ein enger Verwandter der Arten Betta picta von Java, Betta falx von Sumatra und Betta taeniata von Borneo. Alle diese Arten hatten wohl einen gemeinsamen Vorfahren. 

Die Männchen der genannten Betta-Arten erkennt man an einem breiten blauen oder grünen Saum (rötlich bei B. falx) entlang der Afterflosse und der Schwanzflosse, der den Weibchen weitgehend fehlt.

Unsere B. simplex sind gerade ausgewachsen und in diesem Alter besonders schön. Anders als viele andere Betta-Wildformen brauchen B. simplex kein weiches Wasser. Im Gegenteil, sie kommen aus einem Gebiet im Süden Thailands (bei Krabi), wo Kalkgestein vorherrscht. Untereinander sind sie, wie die meisten maulbrütenden Betta-Arten, ziemlich friedfertig, so dass problemlos auch mehrere Männchen gemeinsam in einem Aquarium gepflegt werden können. Das Becken sollte allerdings gut strukturiert sein und reichen Pflanzenwuchs aufweisen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 387752 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Fundulus julisia

14. November 2025

Der weltweite Verlust an Biodiversität, also an Artenvielfalt, ist furchtbar. Besonders an der Natur interessierte Menschen, und dazu zählen Aquarianer in besonderem Maße, empfinden das Aussterben von Arten nahezu als körperlichen Schmerz. Kleine Fischarten gehören zu den wenigen Organismen, die sich sehr gut für eine Erhaltungszucht über einen sehr langen Zeitraum und viele Generationen eignen. Das ist eine erwiesene Tatsache und schon mehrere Fischarten, die in der Natur ausgestorben sind, leben in Aquarien weiter. So besteht die Chance, dass künftige Menschheitsgenerationen die Fehler, die unsere Generation macht, rückgängig machen kann und einstmals ausgestorbene Arten aus dem Aquarium wieder in einen renaturierten Lebensraum zurückkehren können.

Meistens sind vom Aussterben akut bedrohte Arten auf den ersten Blick leider wenig attraktiv. Das ist schade, denn die beste Lebensversicherung für eine Tierart ist immer noch eine möglichst große Nachfrage im Handel. Dann sind viele Züchter daran interessiert, diese Nachfrage zu befriedigen und die Erhaltungszucht steht auf festen Füßen – wenn auch nicht unbedingt aus ideellen Gründen. 

Fundulus julisia ist ein Beispiel einer hochgradig bedrohten Art, die nur von sehr wenigen Spezialisten gepflegt und gezüchtet wird. Aufgrund großflächiger Veränderung der Umwelt im ursprünglichen Lebensraum im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee durch Gewässerverbauung und Landwirtschaft ist die einstmals recht weit verbreitete Art auf die Quellregionen einiger weniger kleiner Bäche zurückgedrängt worden. Dort werden die zur Laichzeit prachtvoll bunten Männchen von fischfressenden Vögeln (z.B. Reihern) sehr leicht erbeutet. Hinzu kommt, dass großflächig ausgesetzte Gambusen die Jungtiere des Fundulus fressen. Das Überleben von Fundulus julisia in der Natur ist deshalb so eine Art Tanz auf der Rasierklinge: es kann jederzeit etwas schiefgehen. 

Wir bieten seit einigen Jahren F. julisia aus deutschen Hobbyzuchten an. Diese Tiere werden von den Züchtern unter naturnahen Bedingungen im Freiland gehalten. Wir bekommen im Herbst, wenn die Fische in die Überwinterung kommen, den Überschuss an Nachzuchten. Leider zeigen die Tiere dann nur andeutungsweise, was farblich in ihnen steckt. Das steht einer breiten Vermarktung im Wege. Nur Kenner und Könner wissen, welchen Schatz sie sich einhandeln, wenn sie Fundulus julisia in einem Aquarium einen (Über-)Lebensraum geben.

Hier noch die Pflegedaten in Stichpunkten: Wasser: nicht zu weich und leicht alkalisch, Leitungswasser ist in der Regel sehr gut geeignet. Temperatur: jahreszeitlich unterschiedlich. Eine Überwinterung bei 10-15°C unter Kurztagbedingungen (weniger als 10 Stunden Licht am Tag) ist notwendig, sonst kommen die Tiere im folgenden Frühjahr nicht in Paarungsstimmung. Restliches Jahr 18-26°C. Futter: alle übliche Trocken-, Frost- und Lebendfutter werden gerne angenommen. Sozialverhalten: friedlicher Fisch, der gerne im Trupp mit Artgenossen schwimmt. Geschlechtsunterschiede: Männchen bunter, mit viel größerer Afterflosse, mit hellem Band am Rand der Rücken-und Schwanzflosse (außerhalb der Fortpflanzungszeit schwer zu erkennen). Größe: 6-8 cm.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 326602 (sm) und 326603 (lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Mastacembelus unicolor

14. November 2025

Der großwüchsige (um 60 cm) Stachelaal Mastacembelus unicolor wurde wissenschaftlich schon früh erfasst. Die beiden Forscher Kuhl und van Hasselt entdeckten ihn im westlichen Teil von Java während ihres Aufenthaltes 1820-23 und fertigten auch eine Zeichnung des Tieres an. Die beiden bezahlten ihren Forscherdrang mit ihrem Leben und starben bereits 1821 (Kuhl) im Alter von 24 Jahren und 1823 (van Hasselt) im Alter von 26 Jahren an Tropenkrankheiten. Ihre Aufzeichnungen und gesammelten Exemplare wurden später von anderen Wissenschaftlern als Grundlage von Artbeschreibungen genutzt. Cuvier beschrieb Mastacembelus unicolor auf dieser Basis im Jahr 1832.

Aquaristisch blieb M. unicolor lange Zeit völlig unbekannt, obwohl die Art in Indonesien weit verbreitet ist, aber offenbar nirgends häufig vorkommt. Wir erhielten die Spezies zufällig erstmals 2018 in zwei erwachsenen Exemplaren (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/mastacembelus-unicolor/) und 2024 in einem etwas jüngeren Exemplar von 20-25 cm Länge (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/mastacembelus-unicolor-3/). Nun gelang uns erstmals ein etwas größerer Import von jugendlichen Tieren (10-20 cm Länge). Die Erkenntnis daraus: Jungtiere weichen farblich stark von geschlechtsreifen Exemplaren ab. Der so arttypische schneeweiße Streifen am Rand der Rücken-, Schwanz- und Afterflosse entwickelt sich erst ab etwa 20 cm Länge; glücklicherweise ist in unserem aktuellen Import diese Umfärbung in allen Übergängen zu beobachten. Und noch etwas lernen wir aus diesem Import: es gibt zwei Farbphasen bei jungen M. unicolor, eine eher rötliche und eine schwärzlich-braune. 

Einmal mehr zeigt sich, wie wertvoll für Erkenntnisgewinne Wildfangimporte auch und gerade von solchen Fischarten sind, die aufgrund ihrer Eigenschaften (in diesem Fall: die erreichbare Endgröße) nur für wenige Spezialisten als Aquarienfische von Interesse sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 426722 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Synodontis angelicus

14. November 2025

Die Fiederbartwelse (Synodontis) besiedeln mit 133 Arten praktisch den gesamten afrikanischen Kontinent. Die kleinsten Arten werden 6-7 cm lang, die größten 60-70 cm. Aquaristisch spielen sie eine sehr untergeordnete eine Rolle. Nur der Rückenschwimmende Kongowels (Synodontis nigriventris) und einige Arten des Tanganjika-Sees sind richtige Aquarienfische mit einer größeren Anhängerschaft. Von der großen Artenfülle der übrigen Spezies taucht ansonsten lediglich S. eupterus häufig im Handel auf, weil er sich verhältnismäßig leicht und produktiv nachzüchten lässt, der große Rest gilt als Fall für Wels-Spezialisten.

Aus dem Kongo kommt Synodontis angelicus, eine mit meist 15-25 cm Länge mittelgroße Art, jedoch soll das allergrößte je gemessene Exemplar stattliche 55 cm gehabt haben! Bevor die große Anzahl der schwarzen Harnischwelse mit weißen Punkten aus Südamerika bekannt wurde, galt S. angelicus (der Artname bedeutet übersetzt „der Engelsgleiche“) als die allerschönste Welsart und wurde mit „Perlhuhnwels“ sogar mit einem deutschen Gebrauchsnamen belegt. Diese Ehre wurde kaum einer anderen Synodontis-Art gewährt. 

Auch heute noch ist S. angelicus ein schöner Fisch, aber man weiß auch um seine Schattenseiten. So kann er – vor allem, wenn nur eines oder wenige Exemplare zusammen gepflegt werden – sehr zänkisch sein und alle anderen Fische verfolgen. Es gibt da starke individuelle Unterschiede, aber man muss sich dessen gewahr sein, denn wohin mit dem Fisch, wenn er sich als Tyrann erweist? Ähnlich wie bei Buntbarschen kann man dieser unschönen Eigenschaft am besten begegnen, wenn man mehrere (10+) Exemplare in möglichst großen Aquarien mit sehr vielen Versteckmöglichkeiten pflegt.

Bezüglich Futter und Wasserbeschaffenheit ist S. angelicus anspruchslos und als leicht pflegbar einzustufen. Die Wassertemperatur sollte im Bereich von 24-28°C liegen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben je nach Größe Code 172000 (3-4 cm) bis 172006 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Curimata vittata

14. November 2025

Die Gattung Curimata umfasst gegenwärtig 13 Arten; nur eine einzige davon kommt ab und und zu in unsere Aquarien, nämlich Curimata vittata. Die übrigen Arten bieten schlicht keinerlei Anreiz, sie zu pflegen. Es sind einfarbig silberglänzende Tiere, die 15-20 cm Länge erreichen können und sich vorwiegend von pflanzlichem Material ernähren.

Curimata vittata erreicht ebenfalls diese Länge, ist jedoch im Gegensatz zu ihren Gattungsgenossen recht attraktiv gefärbt. Ein unregelmäßiges Tigermuster zieht sich über den Rücken, die grundsätzlich silberfarbenen Flanken glänzen – je nach Lichteinfall – grünlich oder golden, entlang der Körpermitte verläuft ein goldgelbes Band.

Die seltsame Maulstruktur zeigt, dass es sich um Aufwuchsfresser handelt. Aus dem Hobby kennen wir gut die Küssenden Guramis (Helostoma) und Nachtsalmler (Semaprochilodus), die sich ebenfalls auf diese Art und Weise ernähren. Als Futter darf man nur feine Partikel reichen, da diese Fische einen engen Schlund haben. Es bieten sich Futtermittel wie zwischen den Fingern fein geriebenes Flockenfutter auf pflanzlicher Basis, gefrostete Cyclops, Artemia-Nauplien oder auch fein gemahlene Haferflocken (Vorsicht! belasten das Wasser sehr stark) an. Verbreitet ist C. vittata im Amazonas, im oberen Orinoko und im Essequibo River; unsere Exemplare stammen aus Kolumbien. Es sind friedliche, etwas scheue Fische, unbedingt zu mehreren gepflegt werden sollten. Einzelfische sind extrem scheu.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 251203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Fluviphylax rubens

7. November 2025

Die Miniatur-Leuchtaugen der Gattung Fluviphylax stellen die kleinsten Killifisch-Verwandten überhaupt. Voll ausgewachsen liegt ihre Körpergröße unter 2 cm Standardlänge (also ohne Schwanzflosse), meist um 1,5 cm. Bis vor Kurzem waren diese Zwerge nur aus Brasilien bekannt, von wo wir sie gelegentlich auch importieren konnten, was allerdings schon eine ganze Weile her ist; einmal haben wir auch Tiere aus Venezuela erhalten, die F. rubens sehr ähnlich sind (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/zwergleuchtaugen_fluviphylax_aus_venezuela_de/). Die derzeit 8 wissenschaftlich beschriebenen Arten von Fluviphylax werden aktuell in eine eigene Familie gestellt, die Fluviphylacidae.

Erst im Oktober 2024 wurde die erste Art aus Kolumbien beschrieben, nämlich Fluviphylax rubens. Wir freuen uns sehr, diese biologische Besonderheit nun erstmals (erkannt) anbieten zu können.

Die Artunterschiede bei Fluviphylax sind subtil; das ist kein Wunder bei so zarten Kreaturen. Das entscheidende Kriterium für uns, unseren Kolumbien-Import der Art F. rubens zuzuordnen liegt in allererster Linie in der im Vergleich zur Körperhöhe enorm lang ausgezogenen Afterflosse der Männchen. Die stark rote Färbung, die die Beschreibungsexemplare im Feld zeigten und die zum Artnamen „rubens“ ( = der Rötliche) führte, ist bei unseren Männchen nur andeutungsweise zu erkennen. Aber das ist ein Phänomen, das sehr viele rotgefärbte Fische in der ersten Zeit nach dem Import zeigen und hat unserer Meinung nach nicht viel zu bedeuten.

Hingegen staunten wir nicht schlecht, dass sich bei der Durchsicht der Bilder unserer Neuankömmlinge eindeutig eine zweite Art identifizieren ließ. Diese haben wir bislang nicht auf Artniveau herunter bestimmt; es ist uns ohnehin nicht möglich, unsere Import-Tiere zu sortieren. Das wäre mit zuviel Stress für diese Miniatur-Fische verbunden, den wir ihnen unbedingt ersparen möchten. Am leichtesten sieht man den auffälligsten Artunterschied in Auflichtphotos. Dann treten die Leuchtmarken entlang der Bauchkante besonders markant hervor. Während Fluviphylax rubens eine Punktreihe von Leuchtmarken entlang der Bauchkante zeigt, ist es bei der unbestimmten Art ein durchgehendes Band. Die unbestimmte Art hat zudem andere Körperproportionen (etwas langgestreckter) und eine anders geformte Afterflosse. Es ist auch aus Brasilien bekannt, dass an einigen Fundpunkten mehrere Fluviphylax-Arten in unmittelbarer Nähe zueinander vorkommen (in diesem Fall F. obscurus, F. simplex und F. zonatus, alle aus der Umgebung von Manaus).

Über eine gelungene Nachzucht von Fluviphylax wurde unseres Wissens bislang nur einmal berichtet, nämlich von Bork und Mayland 1994; speziell Interessierte seien auf diesen Artikel verwiesen. Zur Pflege ist an dieser Stelle nicht viel zu sagen; solche Fische gehören selbstverständlich in die Hände von Spezialisten, die wissen, was sie tun und die verfügbare Literatur zu diesen Tieren kennen.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 325691 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Bork, D.& H. J. Mayland (1994): Fluviphylax pygmaeus. Ein (beinahe) unbekannter Poeciliidae, der erstaunlich große Eier legt. Das Aquarium, Heft 298 (4/1994):14-15

Huber, J.H. (2024): Short description of Fluviphylax rubens n. sp., a new so-called lampeye Cyprinodontiformes from Colombia with exceptionally few dorsal-fin rays. Cybium, 48 (4): 327-331

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma flabellicauda

7. November 2025

Es gibt drei Arten von Apistogramma, die selbst ein sehr erfahrener Apistogramma-Liebhaber nicht sicher auseinanderhalten kann: A. uaupesi (wissenschaftlich beschrieben 1980 aus dem Rio Uaupes in Brasilien, vorher durch Schmettkamp mit dem Trivialnamen „Segelflossen-Apistogramma“, später von verschiedenen Autoren als „Rotkeil“- oder „Blutkehl-Apistogramma“ bezeichnet), A. flabellicauda und A. lineata; die beiden letzteren wurden 2011 aus dem oberen Orinoko-Einzug in Kolumbien beschrieben. Es ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass A. uaupesi extrem polychromatisch ist, d.h., dass zumindest die Männchen sehr unterschiedlich aussehen können. Dabei berichten Aquarianer immer wieder, dass innerhalb der gleichen Brut stets unterschiedliche Farbformen auftreten. Das entspricht auch der Situation in der Natur, wo unterschiedlich gefärbte und gezeichnete Männchen am gleichen Fundort angetroffen werden. Da A. flabellicauda und A. lineata ausschließlich aufgrund von Farbmerkmalen beschrieben worden sind, die sich zudem bei Nachzuchten nicht als konstant herausstellten, wird die Berechtigung dieser beiden Arten immer wieder in Frage gestellt.

Eine „endgültige“ Entscheidung zu dieser Frage gibt es nicht und sie ist auch nicht zu erwarten. Im Grunde genommen ist es auch egal, ob ein Apistogramma als A. flabellicauda oder als A. uaupesi „oberer Orinoko“ bezeichnet wird. Andererseits gibt es immer die Gefahr, dass die so wichtigen Fundortangaben bei der Weitergabe von Exemplaren an andere Liebhaber verloren gehen. Darum ist es in solchen Fällen durchaus sinnvoll, einen abweichenden wissenschaftlichen Namen zu verwenden, wenn er denn zur Verfügung steht, unabhängig davon, ob man ihn für gültig oder für ein Synonym hält. Denn auch wenn A. uaupesi, A. flabellicauda und A. lineata nach der Mehrheit der existierenden Artkonzepte höchstwahrscheinlich Synonyme zueinander sind, ist das für die züchterische Praxis ohne Bedeutung. Dort ist es wichtig, die genetische Identität von Populationen, also von Angehörigen der gleichen Art, die aber unter natürlichen Bedingungen keinen Kontakt miteinander haben, zu erhalten. Nur solche Tiere sind aus der Sicht von Artenschutz und Systematik erhaltenswert, während Kreuzungen unterschiedlicher Fundortformen zu einem Haustier führen. Haustiere sind zwar für die Belange von Gesellschaftsaquarien durchaus tauglich, haben aber darüber hinaus keinen Wert. 

Apistogramma flabellicauda sind, genau wie die beiden anderen „Arten“, an ziemlich spezielle Biotope angepasst. Übereinstimmend wird berichtet, dass im natürlichen Lebensraum der Boden aus feinem weißen Sand besteht. Innerhalb des Biotopes sind es vor allem Totholz und Totlaub-Ansammlungen, die die Unterwasserlandschaft strukturieren. Das Wasser ist klar und sauber, der pH mit rund 4,5 sehr niedrig, eine Härte kaum nachweisbar. Die genannten Faktoren sind für die Pflege insofern wichtig, als dass ihre Auswirkungen auf die Fische nachgeahmt werden müssen. Feiner Sandboden wird zum Durchkauen benötigt, sonst drohen Erkrankungen im Mund- und Rachenraum. Niedriger pH und kaum Härte sorgen für niedrigen Keimdruck im Wasser. Wenn man diesen anders garantieren kann, können beide Werte auch vernachlässigt werden. Nur zur Zucht muss man auf naturnahe Wasserwerte achten, sonst entwickelt sich der Laich nicht. die Wassertemperatur sollte im Bereich von 24-28°C liegen, zur Zucht im oberen, zur normalen Pflege im unteren Bereich. Gefressen wird so ziemlich jedes übliche Zierfischfutter passender Größe, vor Tubifex und Roten Mückenlarven ist allerdings dann zu warnen, wenn sie aus organisch stark verschutzten Gewässern stammen. Gut gespülte und ausgehälterte, also bakterienarme Tubifex und Rote Mückenlarven sind zumindest bei uns im Großhandel allerdings als unbedenklich anzusehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 619152 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Bunocephalus aleuropsis und B. colombianus

7. November 2025

Aus Kolumbien erhielten wir vier größere (10-15 cm) Bratpfannenwelse, die sich als Einzeltiere von vier Arten entpuppten. Die Bestimmung der zwei Xyliphius-Exemplare gelang relativ schnell, es handelt sich um je ein Exemplar von X. lepturus und ein nahezu einfarbig schwarzes Exemplar von X. melanurus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/xyliphius-cf-lepturus-und-x-cf-melanurus/). Die beiden „echten“ Bunocephalus waren schon schwieriger anzusprechen. Das eine Tier sieht einem „normalen“ B. coracoideus sehr ähnlich, hat aber deutlich kürzere Coracoid-Fortsätze (was das ist siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/bunocephalus-coracoideus-3/). Es handelt sich dabei wohl um B. aleuropsis, eine bereits 1870 aus Peru beschriebene Art, die sehr weit im Amazonas-Gebiet und offenbar auch im Orinoko verbreitet vorkommt.

Die zweite Art ist nach wie vor nicht zweifelsfrei bestimmt; alle Merkmale sprechen sehr für B. colombianus, allerdings hat unser Tier keinerlei erkennbare Coracoid-Fortsätze, während das der Erstbeschreibung zugrunde liegende Exemplar, der Holotyp, sehr deutlich ausgeprägte solche Fortsätze hat. Da unser Exemplar aber sehr hochrückig und wohlbeleibt ist, kann es auch sein, dass die Coracoid-Fortsätze einfach zur weit im Körperinneren liegen, um sichtbar zu sein. Der Vergleich des Tieres mit früheren Importen von B. colombianus (von denen wir leider keine Aufnahmen des Bauches haben) zeigt allerdings sehr viel Übereinstimmung im Erscheinungsbild.

Besonders auffällig an diesen beiden Fischen ist, wie unterschiedlich die Maulspalte bei ihnen geformt ist. Während B. aleuropsis eine vergleichsweise schmale Maulöffnung hat, ist diese bei B. colombianus auffallend breit.

Für unsere Kunden: B. aleuropsis hat Code 212863, B. colombianus 212913 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Bunocephalus coracoideus

7. November 2025

Bratpfannenwelse (Bunocephalus) sind in der Natur ungemein häufig. Darum haben wir sie stets im Angebot. Meist bezeichnen wir die Tiere als Bunocephalus coracoideus, was in vielen Fällen auch richtig sein mag. Aber wenn man in so ein Gewimmel von Bratpfannenwelsen blickt, fällt doch auf, dass immer wieder andere Arten dazwischen sind. In aller Regel lassen die sich zwar nicht mit vertretbarem Aufwand bestimmen und schon gleich gar nicht sortieren, aber es ist ausgesprochen spannend, einen Trupp von vielleicht 20 dieser Tiere im Aquarium aufzuziehen und zu beobachten. Dann fällt auf, wie variabel in der Färbung diese Tiere sind, dass es deutliche Unterschiede in der Anatomie gibt (vor allem der Knochenleisten entlang der Rückenmitte vor der Rückenflosse) und auch, dass es Arten gibt, die sich lieber eingraben als andere.

Wie gesagt, in aller Regel werden Bunocephalus im Handel meist nicht näher bestimmt und unter der Bezeichnung B. coracoideus vermarktet. Kniffelig wird es dann, wenn optisch eindeutig vom „mainstream“ unterscheidbare Bunocephalus importiert werden; diese versuchen wir natürlich schon möglichst exakt zu bestimmen. Darum erfolgt an dieser Stelle kurz eine Beschreibung dessen, was wir derzeit unter dem „echten“ B. coracoideus verstehen.

Der Artname „coracoideus“ bezieht sich auf ein ganz charakteristisches Merkmal dieser Art, die Coracoide oder Rabenbeine. Das sind Knochenspangen, die in diesem Fall die Brustflossen stützen. Da diese Knochenspangen unmittelbar unter der Haut liegen, sind sie auch beim lebenden Tier sehr gut sichtbar. Die ausgeprägtesten Coracoide in der aktuell 14 Arten umfassenden Gattung Bunocephalus hat nach gegenwärtigem Wissensstand B. coracoideus. Die bäuchlings platzierten Teile der Spangen reichen fast bis zum Ansatz der Bauchflossen. Ein zweites Merkmal, das die Art B. coracoideus sehr gut charakterisiert, sind die Knochenauswüchse entlang der Kopfmitte. Hier sind drei deutliche größere Erhebungen zu erkennen und unmittelbar vor der Rückenflosse noch eine kleine. Diese Merkmalskombination erlaubt in den meisten Fällen eine ziemlich sichere Bestimmung. Die Färbung ist kein so gutes Merkmal, denn sie ist sehr variabel. Fast immer besteht sie allerdings aus einem den Kopf bedeckenden vorderen Teil, der sich vom der Färbung des Schwanzes unterscheidet. Ein bekanntes Synonym zu B. coracoideus ist B. bicolor; „bicolor“ bedeutet „der farblich zweigeteilte“.

Verbreitet ist B. coracoideus im gesamten Amazonasgebiet und kann darum auch praktisch aus allen zierfischexportierenden Ländern, die Zugang zum Amazonas haben, zu uns kommen. Aktuell haben wir z.B. sehr schöne Tiere aus Kolumbien im Stock. Genetische Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass sich verschiedene, optisch nicht voneinander unterscheidbare Populationen von B. coracoideus in Bezug auf ihre Erbmasse so deutlich unterscheiden, dass man eigentlich von verschiedenen Arten sprechen müsste. Das zu wissen ist in der Praxis vor allem bei Zuchtversuchen wichtig. Wenn man Bunocephalus züchten möchte, was durchaus möglich ist, wenn auch nicht häufig praktiziert wird, sollte man sich seinen Zuchtstamm immer aus Tieren des gleichen Importes zusammenstellen, um keine unnützen Hybriden zu produzieren.

Für unsere Kunden: B. coracoideus hat – je nach Größe – Code 212901 (2-3 cm) bis 212907 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Silbermolly Orange Spots

7. November 2025

Wann immer einer unserer Lieferanten eine „new variety“, also eine neue Form, anbietet, bestellen wir eine Box, um zu sehen, was das wohl ist. Allerdings wissen wir aus Erfahrung, dass der Begriff der „new variety“ gerne sehr flexibel gehandhabt wird. Die Spanne reicht dabei von „olle Kamelle, aber neu in unserer Liste“ bis hin zu „wow, sowas haben wir noch nie gesehen“. 

Diesmal war es ein Molly, der uns als „new variety“ unter dem Sortennamen „Spring“ geliefert wurde. Warum man bei einem orange gepunkteten Silbermolly auf den Frühling kommt? Wir wissen es nicht. Ganz uninteressant sind diese Tiere aus der technisch der Art Poecilia latipinna zuzuordnenden Gruppe allerdings nicht. Das alpha-Männchen, also das ranghöchste Tier ist fast flächig orange gefärbt. Viele Weibchen und rangniedere Männchen hingegen weisen nur orangefarbene Streifen auf. Dazwischen finden sich alle denkbaren Übergänge. Das ergibt ein sehr buntes Bild und entspricht ziemlich gut den Verhältnissen bei Wildmollys, bei denen sich ebenfalls nur das alpha-Tier bunt ausfärbt. Eine Gruppe dieser Mollys ist also sicher eine Bereicherung des Sortimentes, der einzelne Fisch freilich weniger.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 432327 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pelvicachromis kribensis „Nyété“ (früher P. taeniatus „Nyété“)

31. Oktober 2025

Die Stadt Niété liegt im südlichen Teil von Kamerun und ist Teil des Océan-Departements in der Südprovinz. Sie wird vom Nyété-Fluss durchflossen, der ein Nebenfluss des Lobé-Flusses ist. Der wunderschöne Smaragdbuntbarsch (Pelvicachromis kribensis) kommt dort in einer besonderen Farbvariante vor, die im Hobby als „Nyété“ bekannt ist. Sie sieht der Variante „Lobé“ naturgemäß sehr ähnlich. Bei beiden sind die Männchen dadurch unterschieden, dass die „Lobé“-Männchen keinerlei Punkte in der Schwanzflosse haben, ganz im Gegensatz zu den in dieser Hinsicht prächtig geschmückten „Nyété“; „Nyété“ hat meist 3-5 golden umrandete Augenflecken im oberen Teil der Schwanzflosse. Dieses Merkmal wird vererbt, ist also ein sicheres Abgrenzungsmerkmal von „Nyété“ gegenüber „Lobé“. 

Bis vor einigen Jahren wurden alle Smaragdbuntbarsche in einer einzigen Art, nämlich Pelvicachromis taeniatus zusammengefasst. Gegenwärtig unterscheidet man drei Arten innerhalb dieses engeren Verwandtschaftskomplexes, nämlich P. taeniatus (Nigeria), P. kribensis (Kamerun) und P. drachenfelsi (Kamerun, das ist der frühere P. taeniatus „Wouri“).

Die Art sollte unter möglichst gedämpfter Beleuchtung gepflegt werden, sonst sind die Tiere oft scheu und blass. Weiches, leicht saures Wasser entspricht den Bedürfnissen am besten. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter. Die Wassertemperatur sollte hauptsächlich im Bereich von 22-26°C liegen, zu hohe Temperaturen sind für P. kribensis weniger günstig als der untere Temperaturbereich. Es ist wichtig, dass zumindest ein Teil des Bodengrundes aus feinem Sand besteht, den die Fische gerne durchkauen. Entscheidend für die erfolgreiche Pflege dieser Fische ist eine gute Wasserhygiene, die am einfachsten durch regelmäßige und großzügige Teilwasserwechsel zu erreichen ist. Wenn das vernachlässigt wird, erkranken P. kribensis schnell an bakteriellen Infektionen, die meist nicht heilbar sind.

Bei allen Pelvicachromis gibt es eine Mutter-Vater-Familie, bei der dem farbenprächtigeren Weibchen die Pflege des in einer Höhle abgelegten Laiches und der frischgeschlüpften Jungtiere obliegt. In dieser Zeit verteidigt das Männchen nur die weitläufigere Umgebung der Laichhöhle. Wenn die Jungen die Höhle verlassen, tun sich Mutter und Vater zusammen und führen gemeinsam die Brut. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 562512 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Macropodus ocellatus

31. Oktober 2025

Der Rundschwanz- oder Chinamakropode (Macropodus ocellatus, früher M. chinensis) ist ein Fisch für Kenner und Könner. Für Kenner deswegen, weil er im Schlichtkleid – also in aller Regel im Händlerbecken – ausgesprochen unscheinbar ist. Wer ihn nicht kennt, wird ihn darum gewöhnlich nicht kaufen. Aber Kenner wissen: im Balzkleid sind die Männchen dieser Art wirklich wundervoll gefärbt!

Für Könner ist M. ocellatus deshalb, weil er als Fisch der Subtropen (Urheimat: Teile Chinas, Japan und Korea) unbedingt in einem jahreszeitlichen Rhythmus gepflegt werden muss. Beachtet man dies nicht, so kommen die Tiere nicht in Laichstimmung, bleiben ständig blass und ihr Immunsystem wird so stark angegriffen, dass sie früher oder später bakteriellen Infektionen erliegen.

Darum ist ein im Freiland aufgestellter Behälter – das kann ein Aquarium sein, eine Mörtelwanne, ein kleiner Teich oder dergleichen – die ideale Unterbringung für die im männlichen Geschlecht etwa 6-7 cm, im weiblichen nur 4-5 cm lange Art. Wirklich dauerhaft winterhart ist M. ocellatus aber in unseren Breiten nicht. Während der kältesten Zeit des Jahres muss man darum dafür sorgen, dass der Behälter entweder frostfrei bleibt oder die Fische für die Frostperiode in einem ungeheizten, aber frostfreien Raum unterbringen.

Wir bekommen unsere Chinamakropoden meist im Herbst aus deutschen Freilandzuchten. Oft bekommen wir einen Fundort mitgeliefert, oft aber auch nicht. Die aktuell in unserem Stock befindlichen Tiere sind solche „namenlosen“. Es sind sehr kräftige, gesunde Fische von 3-4 cm Länge, also gerade geschlechtsreif.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 425402 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma colossus ( = CW45, Corydoras sp. „Lessex“)

31. Oktober 2025

Im Jahr 2009 gelang uns erstmals der Import eines großen, schönen Panzerwelses aus dem Rio Jutai in Brasilien. Wir bezeichneten die Tiere damals als Corydoras sp. aff. armatus, weil die besonders hohe Rückenflosse und die allgemeine Körperform stark an C. armatus erinnerte. Allerdings hat C. armatus (aktueller Name: Hoplisoma armatus) niemals eine leuchtend orange-gelben Nackenfleck oder orange-gelbe Kiemendeckel wie der Neuimport. Die Exporteure nannten den Fisch „Lessex“; später erhielt er von Ian Fuller die Codenummer CW45. Im Jahr 2023 wurde die wissenschaftliche Beschreibung der Art als Corydoras colossus publiziert. Gegenwärtig wird C. colossus in der Gattung Hoplisoma klassifiziert, heißt also korrekt Hoplisoma colossus.

Bislang kennt man die Art nach wie vor nur aus dem Rio Jutai. Dieser führt ein dunkles Wasser mit einem pH-Wert um 6 und sehr geringer Härte. Der Boden besteht gewöhnlich aus feinem, weißen Sand mit größeren Einlagerungen von abgestorbenen Blättern von Landpflanzen. Die auffälligen orange-gelben Glanzzonen werden als Warnhinweis für potentielle Fressfeinde interpretiert, da sowohl die Rückenflosse wie auch die Brustflossen mit giftproduzierenden Drüsen in Verbindung stehen. Wer sich schon einmal an Panzerwelsstacheln gestochen hat, weiß, dass das sehr schmerzhaft sein kann. Da die Produktion des Giftes energieaufwändig ist, hat es sich im Laufe der Evolution als günstig herausgestellt, einen potentiellen Fressfeind zunächst zu warnen. Versucht der Fressfeind (meist ein Vogel) dennoch den Fisch zu fressen, so erlebt er eine schmerzhafte Überraschung und meidet künftig jede Beute, die derart auffällig gefärbt ist.

Im Aquarium sind Hoplisoma colossus prächtige und genügsame Panzerwelse mit guter Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserverhältnisse. Die schönste Färbung entwickeln sie allerdings unter naturnahen Haltungsbedingungen. Die Tiere sind problemlose Allesfresser, die untereinander und gegen artfremde Fische sehr friedlich sind. man sollte H. colossus, wie fast alle Panzerwelse, in Gruppen pflegen. Die Wassertemperatur kann zwischen 24 und 30°C liegen.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 222134 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Saxatilia sveni (früher: Crenicichla sveni)

31. Oktober 2025

Aus Kolumbien (Rio Meta-Einzug) haben wir wir, zusammen mit dem dort ebenfalls vorkommenden Crenicichla (Batrachops) sp. „Belly Crawler“ ( = C. sp. aff. sedentaria) den nur sehr selten importierten Saxatilia sveni erhalten. Dieser Vertreter der früheren Crenicichla-saxatilis-Gruppe, die gegenwärtig in einer eigenständigen Gattung Saxatilia geführt wird, wird wird ziemlich groß, 25-30 cm. Unsere Exemplare sind daher noch als jugendlich anzusprechen. Zänkisch sind sie aber trotzdem schon, weshalb man relativ große Aquarien mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten anbieten sollte.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 673533 (7-9 cm) und 673534 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Crenicichla (Batrachops) sp. „Belly Crawler“

31. Oktober 2025

Die Gattung Crenicichla stellte einst mit 139 wissenschaftlich beschriebene Arten, von denen 93 allgemein als gültige Arten anerkannt sind, die größte aller Buntbarschgattungen dar. Hinzu kommen noch eine große Anzahl aquaristisch bereits bekannter, wissenschaftlich jedoch noch nicht bearbeiteter Arten. Inzwischen wurde die Gattung unterteilt (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/die-crenicichla-wurden-neu-klassifiziert/). Der „Belly Crawler“ ( = Bauchrutscher) gehört demnach in die Untergattung Batrachops, zu der gegenwärtig neun akzeptierte Arten gerechnet werden.

Der „Belly Crawler“ ist eine wissenschaftlich noch nicht erfasste Art aus strömungsreichen Bereichen im Rio Meta-Einzug in Kolumbien. Wie bei so vielen strömungsliebenden Buntbarschen ist beim Belly Crawler die Schwimmblase stark reduziert, was es den Fischen unmöglich macht, im freien Wasser zu schweben. Aber das brauchen sie ja auch nicht.

Wissenschaftlich gesehen gehört der Belly Crawler in die unmittelbare Verwandtschaft von Crenicichla (Batrachops) sedentaria aus Peru, der jedoch völlig normal schwimmt, aber ähnlich aussieht, und C. (B.) geayi aus dem Orinoko-Einzug in Kolumbien und Venezuela. Letzterer lebt bodennah, kann aber noch normal schwimmen.

Crenicichla (B.) sp. „Belly Crawler“ wird ca. 23 cm (Männchen) bzw. 18 cm (Weibchen) lang. Die Geschlechter kann man sehr leicht an der Rückenflossenfärbung unterscheiden, das Weibchen hat dort einen runden Fleck, der dem Männchen fehlt. Wie fast alle Crenicichla kann die Art als relativ zänkisch charakterisiert werden, aber das Kämpfen beschränkt sich meist auf den eindrucksvolles Drohen mit weit aufgerissenem Maul und abgesenktem Kiemenboden. Die Art ist – Crenicichla-typisch – ein Höhlenbrüter mit Elternfamilie.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 672613 (7-9 cm) und 672614 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos. Frank Schäfer

Hoplisoma sp. aff. concolor Rio Tomo CW217

24. Oktober 2025

Als sensationell empfinden wir den Import dieses wunderschönen neuen Hoplisoma. Nach Auskunft des Lieferanten kommt er aus einem kleinen Zufluss des Rio Tomo im Osten Kolumbiens. Die Fänger bezeichnen diesen Zufluss als Cano Negro. Das Wasser wird als „kristallklar“ beschrieben. Der Rio Tomo selbst ist ein etwa 650 km langer Zufluss des Orinoko. Im Cano Negro ist CW217 der einzige Panzerwels, es gibt dort keine H. concolor. An dieser Stelle ein herzliches „Dankeschön“ an unseren Lieferanten für diese Informationen!

Zweifellos ist der neue Hoplisoma „Rio Tomo“ ein enger Verwandter von Hoplisoma concolor (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hoplisoma-concolor/). Ian Fuller (www.corydorasworld.com) vergab an diesen farblich auffälligen Fisch die Codenummer CW217. Es ist festzuhalten, dass trotz körperlicher Übereinstimmung von CW217 und H. concolor niemals zwischen „normalen“ H. concolor derart gefärbte Fische auftauchen. Es handelt sich bei CW217 also um keine Farbvariante im üblichen Sinne, denn Farbvarianten sind vereinzelt immer in Populationen normal gefärbter Tiere zu finden. Die CW217 würde man nach den meisten üblichen Artkonzepten als Unterart (also geografisch isolierte Population einer Art, die allerdings in ihrer Merkmalsausprägung konstant ist) oder – nach dem so genannten phylogentischen Artkonzept – als eigenständige Art sehen.

Es ist zu hoffen, dass die Zucht der herrlichen Fische gut gelingt. Die Jungfischfärbung würde auch wichtige Hinweise auf die Artzugehörigkeit liefern. Wir wissen von anderen Zwillingsarten (z.B. Osteogaster rabauti und O. zygata), dass sie als erwachsene Tiere nur schwer zu unterscheiden sind, Jungtiere aber völlig unterschiedlich aussehen. Vorerst ist CW217 aber nur selten und in kleiner Stückzahl als Wildfang lieferbar. Die Geschlechter sind recht gut zu unterscheiden. Männchen haben lange, spitze Bauchflossen, die der Weibchen sind hingegen vergleichsweise kurz und abgerundet. Außerdem entwickeln Männchen oft lang ausgezogene Rückenflossen (was aber im Umkehrschluss leider nicht bedeutet, dass alle Tiere mit kurzer Rückenflosse Weibchen wären). Alle Bilder dieses Posts zeigen das gleiche Pärchen aus unserem ersten Import. Wir konnten gerade wieder einige Exemplare importieren und liefern so schnell wie möglich weitere Bilder nach.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 226015 auf unserer Stockliste; die aktuell importierten Tiere sind noch in Quarantäne, werden aber in Kürze auf der Stockliste verfügbar sein. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Phenacogaster cf. capitulata

24. Oktober 2025

Derzeit (September 2025) werden dieser Gattung 28 Arten zugeordnet. Aufgestellt wurde die Gattung 1907 von Eigenmann für die 1870 von Cope aus Peru (Pebas) beschriebene Art Tetragonopterus pectinatus. Die Beschreibung von Cope war von keiner Abbildung begleitet, darum zeichnete Fowler 1907 den Holotypus, den er in die Gattung Astyanax einordnete. Aufgrund dieser Zeichnung würde man wohl kaum einen Phenacogaster erkennen; kein Wunder also, dass Steindachner 1876 und 1882 zwei Synonyme zu P. pectinata fabrizierte: Tetragonopterus tabatingae und T. bairdii. Für das 19te Jahrhundert war es das.

Der Salmlerspezialist Eigenmann beschrieb 1909 zwei, 1911 drei weitere Arten, je eine Art beschrieben Norman (1934), Ahl (1936) und Fowler (1941); somit kannte man Mitte des 20ten Jahrhunderts 9 Arten, wobei das hier vereinfacht dargestellt wird, die waren nämlich durchaus nicht alle in Phenacogaster untergebracht. Umgekehrt ist der 1911 von Fowler als Phenacogaster bondi beschriebene Fisch heute in Gymnocorymbus gestellt, zweifellos korrekt.

Dann war es lange Zeit still um diese Salmlergruppe. Erst 1995 folgte wieder eine Art-Beschreibung, zusammen mit einer neuen Diagnose der Gattung. Die brasilianische Ichthyologin Zilda Margarete Seixas de Lucena, bereits Seniorautor der 1995er Arbeit, entdeckte diese kleinen Salmler nun für sich und begann zu forschen. Das Ergebnis ist beeindruckend. Eine der erst 2023 beschriebenen Arten, P. lucenae, wurde zu Ehren von Lucena benannt und stellt die 15te neue Art seit 1995 dar! Farblich sind Phenacogaster freilich keine Offenbarung. Die meisten sind kleine, durchsichtige Fische, meist mit einem Schulterfleck, oft mit einem Schwanzwurzelfleck. Sie sehen sich sehr, sehr ähnlich. Wer in die Feinheiten der Artunterscheidung einsteigen möchte, sollte mit der 2010er Arbeit „Descrição de nove espécies novas de Phenacogaster (Ostariophysi: Characiformes: Characidae) e comentários sobre as demais espécies do gênero“ von Lucena & Malabarba einsteigen (kostenloser Download hier: https://www.scielo.br/j/zool/a/47FyqVP45DrQ3wNV9Jwqt3k/?lang=pt), in der alle bis zu diesem Zeitpunkt erfassten Arten diskutiert werden und ein Bestimmungsschlüssel geliefert wird.

Wir konnten nun eine uns unbekannte Phenacogaster-Art aus Peru erstmals importieren. Es dürfte klar sein, dass nach der oben erfolgten Aufstellung eine exakte Bestimmung kompliziert ist, da man die allermeisten neu beschriebenen Arten nur anhand konservierten Materials kennt. Aber unser kleiner Neuzugang – die Tiere sind etwa 3 cm lang (inklusve Schwanzflosse) – hat keinen Schulterfleck, auch keinen Schwanzwurzelfleck und kommt aus Peru. Das schränkt die Auswahl schon einmal ein. Wahrscheinlich haben wir Phenacogaster capitulata vor uns, der 2010 aus dem Einzug des Neshuya-Flusses (gehört zum Einzug des Rio Ucayali) beschrieben wurde.

In Balzstimmung bekommen die vermutlichen Männchen hübsch orangefarbene Flossen mit einem weißen Zipfel in der Rückenflosse. Entfernt erinnern sie dadurch farblich an den Kolibri-Salmler (Trochilocharax ornatus), sind jedoch erheblich blasser. Die Neonfarben auf manchen Bildern sind eine Folge des Blitzlichtes; mit bloßem Auge betrachtet sind die Fische hauptsächlich transparent. Es sind friedliche Tiere, die man am besten in einem dämmrigen Aquarium mit dunklem Bodengrund pflegt. Die großen Augen deuten an, dass diese Fische kein grelles Licht lieben. In der Pflege und beim Futter erwiesen sich die Tiere bei uns bisher als völlig anspruchslos.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 278312 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon acaciae

24. Oktober 2025

Stell Dir vor, Du hast einen Erstimport und merkst es gar nicht! So geht es uns gerade mit einem Salmler. Aus Kolumbien erhielten wir sehr schöne, große Hemigrammus coeruleus. Dachten wir jedenfalls. Zufällig benötigten Peter und Martin Hoffmann, von denen wir oft und gerne rare Salmlernachzuchten erhalten, gerade ein paar H. coeruleus. Einige Zeit später kam die Frage, wo sie denn her seien. Auf die Antwort (Kolumbien) kam: dann hat Flavio mal wieder recht: es sind Hyphessobrycon acaciae. Mit Flavio ist Flavio Lima gemeint, der Salmlerspezialist aus Brasilien (Universidade Estadual de Campinas). Diesen hatten die beiden bezüglich Identifikation des Fisches gefragt, da Ihnen einige Unterschiede zu den sonst üblichen coeruleus aufgefallen waren. 

Mit bloßem Auge sind frisch importierte Hemigrammus coeruleus und Hyphessobrycon acaciae kaum auseinanderzuhalten, obwohl sie sogar in zwei verschiedenen Gattungen klassifiziert sind. Die Gattungen Hemigrammus und Hyphessobrycon unterscheiden sich – technisch gesehen – lediglich dadurch, dass bei Hyphessobrycon die Basis der Schwanzflosse unbeschuppt ist, bei Hemigrammus hingegen beschuppt. Am lebenden Fisch ist das unter Wasser nicht erkennbar. Es ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass vier der Hauptgruppen südamerikanischer Kleinsalmler (die Gattungspaare Hemigrammus/Hyphessobrycon und Moenkhausia/Astyanax) künstlich klassifiziert sind und keine natürliche Verwandtschaft repräsentieren. Aber die Arbeiten hierzu sind sehr langwierig und komplex und es wird sicher noch eine ganze Weile Weile dauern, bis man da wirklich durchblickt.

Für uns bedeutet das nun, dass wir künftig immer eine Spezialuntersuchung durchführen werden müssen, wenn uns „Hemigrammus coeruleus“ aus Kolumbien erreichen. Mit einer starken Lupe müssen wir die Schwanzflosse auf das Merkmal der Beschuppung überprüfen, denn die subtilen Färbungsunterschiede sind bei noch nicht eingewöhnten, frisch importierten Tieren nicht sichtbar. Bezüglich der allgemeinen Pflegeansprüche unterscheiden sich die beiden Arten nicht. Beide Arten sind friedliche Schwarmfische, die 5-6 cm Totallänge (also inklusive Schwanzflosse) erreichen können. Zu H. coeruleus siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemigrammus-coeruleus-3/

Text & Photos: Frank Schäfer

Lugubria sp. Xingu1 (früher: Crenicichla)

24. Oktober 2025

In den 1990er Jahren, als die großen Flusscichliden Brasiliens einen gewissen Boom erlebten, kamen auch vier Arten der ehemaligen Sammelgattung Crenicichla erstmals nach Europa, die mangels der Verfügbarkeit eines wissenschaftlichen Namens als Crenicichla sp. Xingu I – IV bezeichnet wurden. Alle vier werden für Zierfischverhältnisse ziemlich groß, man muss mit 30-40 cm Länge rechnen, zudem sind es robuste Tiere, die sich durchsetzen können. Sehr große Aquarien sind also Grundvoraussetzung für die Pflege dieser Tiere. Lange Zeit waren sie für den Export gesperrt, zur Zeit hat Brasilien sie wieder freigegeben. 

Lugubria sp. Xingu I ist bis heute seltsamerweise nicht wissenschaftlich bearbeitet. Die Jungtiere bis 5 cm Länge sind leuchtend rot, dann werden sie orange, was zu den Spitznamen „Pommes Frites“ für die Fische führte. Erwachsene Exemplare sehen wieder ganz anders aus; die Männchen sind dann messinggelb mit senkrechten Linien, die Weibchen graugrün mit einer leuchtend roten Binde in der Körpermitte. Bei Wassertemperaturen über 30°C, wenn sie in Brutstimmung kommen, sehen Weibchen ganz prachtvoll aus, dann leuchtet die gesamte Körpermitte korallenrot und die Rückenflosse hat einen blendend weißen Saum, Kopfbereich und Schwanzstiel sind kohlschwarz.

Wir haben Jungtiere im Stock, die ausgesprochene Schwarmfische sind. Im Schwarm gehalten, behalten sie ihre schöne Färbung manchmal bis 20 cm Länge. Wenn diese Größe erreicht ist, muss der Pfleger aufpassen! In der „Pubertät“, bevor sie geschlechtlich aktiv werden, sind diese Fische untereinander extrem unverträglich! Erst wenn die Geschlechter klar erkennbar sind, kann man den Versuch wagen, Pärchen zusammenzustellen. Aber die geringe Anzahl von gemeldeten Nachzuchten – die Tiere sind, wie alle Lugubria-Arten, Höhlenbrüter mit Elternfamilie – zeigt, dass das eher selten erfolgreich gelingt.

Für unsere Kunden: L. sp. Xingu I/Orange hat Code 671801 (5-7 cm) und 671802 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Heterandria formosa

24. Oktober 2025

In alten Aquarienbüchern kann man noch lesen, die Männchen des Zwergkärpflings (Heterandria formosa) könnten den Titel „kleinster Fisch der Welt“ für sich beanspruchen. Sie werden nämlich maximal nur etwa 2 cm lang und bleiben damit deutlich kleiner als die bis zu 3,5 cm langen Weibchen. Aber heutzutage sind 2 cm nicht mehr wirklich konkurrenzfähig, wenn es um Rekorde für kleinwüchsige Fische geht. Mit solchen Längen landet man kaum noch in den Top 100!

Über die Frage, welche Art der kleinste Fisch der Welt sei, wurde schon viel spekuliert. Es ist auch nicht einfach, eine objektive Methode zu erdenken, um das herauszufinden. Fische wachsen zeitlebens. Darum ist es grundsätzlich kompliziert, verlässliche Größenangaben bei Fischen zu machen. Bei den Zwergkärpflingen gibt es, wie bei den meisten Lebendgebärenden, klein- und großwüchsige Männchen. Das ist bei diesen Tieren genetisch bedingt. In der aquaristischen Literatur wird zudem gewöhnlich die Totallänge, also mit Flossen angegeben. Das ist im Extremfall sehr irreführend, denn viele Fischarten haben verlängerte Flossenstrahlen, man denke nur an den Schwertträger. Ein Männchen mit körperlangem Schwert ist da keine Seltenheit, aber die Totallänge, also von Schnauzenspitze bis Ende des Schwertes als Größe anzugeben, ist wenig sinnvoll.

Sei dem, wie es ist: wir haben gerade eine schöne Anzahl von Zwergkärpflingen bekommen, darunter richtige Zwergmännchen und auch wirkliche Wuchtbrummen von Weibchen. Die meisten Exemplare liegen größenmäßig dazwischen.

Die Weibchen der Zwergkärpflinge bekommen in einer Wurfperiode täglich nur 1-2 Jungtiere, das aber über mehrere Tage hinweg. Man sollte sie darum nicht in Ablaichkästen setzen, sondern in dicht bepflanzte, kleine Extra-Aquarien, aus denen man täglich die Jungtiere absammelt und in ein Aufzuchtaquarium überführt.

Die natürliche Verbreitung des Zwergkärpflings liegt in den östlichen Teil der Vereinigten Staaten. Das Klima dort ist nicht tropisch, sondern subtropisch. Das sollte man bei der Pflege berücksichtigen und die Fische nicht ganzjährig zu warm halten. Ideal ist es, wenn man sie in den Sommermonaten in Kübeln im Garten oder auf dem Balkon pflegen kann. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 421482 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Lentipes dimetrodon

17. Oktober 2025

1999 wurde dieser Zwerg aus der weitläufigen Verwandtschaft der Neongrundeln (Stiphodon) wissenschaftlich beschrieben. Bis heute kennt man die Art nur aus Küstenflüssen im Westen Neuguineas (Irian Jaya). Da sie jedoch – wie alle sicydiinen Grundeln – ihre Jugendentwicklung im Meer durchläuft, ist es mehr als wahrscheinlich, dass sie doch deutlich weiter verbreitet ist.

Die Art Lentipes dimetrodon wurde anhand von sechs Exemplaren, 5 Männchen und 1 Weibchen beschrieben. Das größte Männchen war 23,5 mm lang, das Weibchen 19 mm (beide Maße ohne Schwanzflosse). Leider ist die Lebendfärbung des Weibchens unbekannt geblieben. Unsere Tiere sind somit wohl ausgewachsen (ca. 25-30 mm mit Schwanzflosse). Schaut man in das Hälterungsbecken, so fallen die pechschwarzen Kerlchen mit leuchtend blauweißen Flossensäumen sofort ins Auge. Mit gespannten Flossen steigen sie immer wieder in die freie Wassersäule auf und imponieren damit Artgenossen. 

Im Fotobecken erwartete uns eine Überraschung. Nun entwickelten die Tierchen plötzlich eine breite gelbliche bis lachsfarbene Zone in der Körpermitte. Manchmal sind sie schwarz, manchmal graubraun gefärbt. Es macht sehr viel Freude, diese lebhaften Aufwuchsfresser zu beobachten. Das Fotografieren macht weniger Freude, denn diese Zwerge sind blitzschnell in ihren Bewegungen und es ist wahnsinnig schwer, ein scharfes Foto eines schwimmenden Exemplares mit gespreizten Flossen vor dem gewünschten Hintergrundausschnitt hinzubekommen.

Egal: wegen des sehr seltenen Angebotes dieser Fische im Handel sollte man sich wirklich um Nachzuchten bemühen. Die Aufzucht von Meerwasserfischen ist ja kein unlösbares Problem mehr. Freilich müsste man dazu die Weibchen von L. dimetrodon erkennen können. Wir können es leider nicht…

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 423622 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Glossolepis dorityi

17. Oktober 2025

Wir haben aktuell wieder einmal Nachzuchten dieses wunderschönen Regenbogenfisches erhalten. Grundsätzliche Informationen entnehmen Sie bitte diesem Post: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/glossolepis_dorityi_lake_nenggwambu__de/

Leider ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Glossolepis dorityi, der erst 2001 wissenschaftlich beschrieben wurde, in der Natur bereits ausgestorben ist. Wir zitieren hier aus dem Eintrag der Internationalen Roten Liste (IUCN): „Diese Art ist nur aus dem Nenggwambu-See (Kali Biru-See) bekannt, einem kleinen (4–5 Hektar) Überschwemmungssee im Grime-Flusssystem, etwa 60 km westlich der Provinzhauptstadt Jayapura in Papua, Indonesien, und in der Nähe des Tum-Sees (fälschlicherweise Jaigum-See genannt) (G.R. Allen, pers. Mitteilung 2019). Andere Suchaktionen haben keine Populationen an anderen Orten gefunden, aber es ist möglich, dass sie auch in anderen Seen vorkommt.“ 

Die Population des Tum-Sees ( = Jaigum-See) konnte bereits 2009 nicht mehr gefunden werden, wie der erfahrene Reisende in Sachen Regenbogenfische Johannes Graf feststellen musste. Im Nenggwambu-See ist das früher glasklare Wasser eine trübe Brühe, sämtliche Unterwasserpflanzen, die dort früher reichlich vorkamen, sind verschwunden. Die Ursache liegt in zu Speisezwecken ausgesetzten Karpfen und Tilapien.

Die Populationen aus beiden Seen (farbliche Unterschiede zwischen den beiden gibt es nicht) in menschlicher Obhut scheinen noch stabil zu sein. Sie können helfen, diese Art vor dem Aussterben zu bewahren, indem Sie sich solche Fische für Ihr Aquarium kaufen. Nur wenn die Züchter der Art ihren Nachwuchs auch unterbringen können, züchten sie sie weiter!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 417133 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Quellenangabe:

Allen, G.R., Hammer, M. & Unmack, P. 2020. Glossolepis dorityi. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T161080437A161080455. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T161080437A161080455.en. Accessed on 09 September 2025

Text & Photos: Frank Schäfer

Poecilia wingei Endler Guppy Campoma No 46

17. Oktober 2025

Guppys sind nicht ohne Grund unter den beliebtesten Zierfischen der Welt ganz weit oben in der TopTen zu finden. Schier unendlich ist das Spiel der Farben. Das gilt sowohl für den „klassischen“ Guppy Poecilia reticulata wie auch seinen etwas kleineren Vetter P. wingei, den Endler-Guppy, sowie die zahllosen Hybriden, die zwischen diesen Arten gezüchtet werden und wurden.

Die Wildformen des klassischen Guppy werden kaum im Aquarium gepflegt, aber Wildformen des Endler erfreuen sich größter Beliebtheit. Um sie einigermaßen einheitlich zu bezeichnen wurden sie durchnummeriert, ohne das allerdings ein verbindliches Referenzregister existieren würde. Die Webpages, auf denen die Nummern ursprünglich einmal vergeben wurden, existieren nicht mehr. Somit ist es nicht möglich, sie zu recherchieren. Ob also das, was wir jetzt als No46 erhalten haben und unsererseits unter dieser Bezeichnung anbieten, mit der ursprünglichen No46 identisch ist, wissen wir nicht. Das ist aber auch egal, wir haben ja Bilder dazu.

Übrigens bezeichnen diese „Campoma-Nummern“ keineswegs unterschiedliche Fundorte. Die meisten sind entweder zusammen oder in unmittelbarer Nähe zueinander gefangen worden. In der Natur sind die Campoma-Wingei genauso farbvariabel wie die klassischen Guppys. Kaum ein Männchen sieht exakt wie das andere aus. Aber man kann durch Selektionszucht die Merkmale, die besonders gut gefallen, sehr schnell etablieren. So sehen jetzt die Campoma No46 ziemlich einheitlich aus. Lässt man sie sich aber ohne strenge Auslese einfach so vermehren, tauchen auch hier nach und nach die unterschiedlichsten Farbschläge auf. Das ist normal und kein Indiz dafür, dass es sich um eine Hybridzucht handelt.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 419018 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer