Archiv für den Autor: Frank Schäfer

Hemiancistrus meizospilos

24. Juli 2026

Die Gattung Hemiancistrus ist – da sind sich eigentlich alle Experten einig – eine so genannte Sammelgattung. Das bedeutet, die in ihr zusammengefassten Arten sind nicht unbedingt nahe miteinander verwandt, sondern teilen lediglich einige äußere Merkmale. Bei Hemiancistrus kommt noch dazu, dass eine gute Defintion der Gattung nicht existiert. Gegenwärtig werden 15 Arten in Hemiancistrus gruppiert. 2015 stellten Armbruster et al. heraus, dass eigentlich nur die Typusart von Hemiancistrus, nämlich H. medians aus dem Einzug des Maroni in Französisch Guyana und Surinam ein „echter“ Hemiancistrus sei. Der ganze Rest sei in andere Gattungen zu stellen, die aber noch definiert und benannt werden müssen. Eine dieser neuen Gattungen soll dann die „Hemiancistrus chlorostictus-Gruppe“ umfassen, mit den Arten „H.“ cerrado (Tocantins-Einzug),„H.“ chlorostictus, ‘„H.“ fuliginosus, „H.“ megalopteryx, „H.“ meizospilos, „H.“ punctulatus und „H.“ votouro. Alle diese Arten kommen, mit Ausnahme von „H.“ cerrado, aus dem Süden Brasiliens und aus Uruguay. Und alle südlichen „Hemiancistrus“ wurden erst spät wissenschaftlich beschrieben, zwischen 1999 und 2008. Aquaristisch sind diese Arten nahezu unbekannt. Wir konnten jetzt erstmals „H.“ meizospilos aus dem Einzug des oberen Rio Uruguay importieren.

Nach Literaturangaben kann „H.“ meizospilos eine maximale Länge von etwa 20 cm erreichen, gehört also zu den mittelgroßen Harnischwelsen. Unsere Tiere sind aktuell zwischen 6 und 12 cm lang. Es gibt nicht zwei Exemplare unter den 30 Tieren unseres Importes, die eine identische Zeichnung haben. Das ist sehr ungewöhnlich. Die Körpergrundfärbung ist ein dunkles Braun, darauf befinden sich helle, gelbliche bis orangefarbene Punkte oder Flecken; die Flossen sind hübsch orangefarben gebändert oder gepunktet. Männchen entwickeln eine starke Beborstung auf dem Brustflossenstachel. Insgesamt ist die Art am ähnlichsten zu „H.“ chlorostictus, bei dem die Punkte aber sehr viel kleiner sind. Die Eingewöhnung bereitete uns keine nennenswerten Probleme. Wir pflegen die Welse in weichem Wasser bei einem pH-Wert um 7 und etwa 24°C. Der Blick ins Maul verrät, dass es sich um Aufwuchsfresser, wie Ancistrus oder Peckoltia handelt. Entsprechend werden die Tiere bei uns gefüttert. Untereinander sind sie gut verträglich.

„Hemiancistrus“ meizospilos könnte ein attraktiver Algenfresser für größere, kühle Südamerika-Aquarien werden, wenn er regelmäßig importiert werden kann oder die Nachzucht glückt. Wir sind gespannt!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255802 (6-9 cm) und 255803 (9-12 cm). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Armbruster, J.W., Werneke, D.C. & Tan, M. (2015) Three new species of saddled loricariid catfishes, and a review of Hemiancistrus, Peckoltia, and allied genera (Siluriformes). ZooKeys, 480, 97–123. https://doi.org/10.3897/zookeys.480.6540 

Text & Photos: Frank Schäfer

Crenicichla tendybaguassu

24. Juli 2026

Der Rio Uruguay ist mit seinen rund 1.800 km Länge ein großer Strom. Er bildet über weite Strecken die Grenze zwischen den Staaten Brasilien, Argentinien und Uruguay. In seinem Unterlauf vereinigt er sich mit dem Rio Paraná zum Rio de la Plata. Das Einzugsgebiet des Rio Uruguay ist also gewaltig. Der Anteil endemischer, also nur dort vorkommender, Fischarten ist hoch. Speziell die Hechtcichliden haben im Rio Uruguay und seinen Zuflüssen eine hohe Artenvielfalt ausgebildet. Die Arten sind zum Teil sehr jung und können oft mit genetischen Methoden (DNS-Analyse) nicht unterschieden werden, sehen aber deutlich unterschiedlich aus. Man spricht in solchen Fällen von Artenschwärmen. Sie haben alle eine gemeinsame Urform, von der sie sich erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit abgespalten haben. Untereinander können sich viele solcher junger Arten noch fruchtbar kreuzen, zumindest in der ersten Generation. Aus solchen Kreuzungen können unter bestimmten Umständen neue Arten entstehen. Man spricht dann von hybridogenen Arten. Im Rio Uruguay stellt der so genannte Crenicichla missioneira-Artenkomplex einen solchen Artenschwarm dar. Er umfasst acht Arten, die jünger als etwa 2 Millionen Jahre sind. Eine davon ist Crenicichla tendybaguassu, die sofort wegen ihrer Wulstlippen ins Auge sticht. Die Arten des Crenicichla missioneira-Artenkomplexes stehen nach wie vor in der Gattung Crenicichla, allerdings in einer Untergattung: Lacustria.

Die seltsamen Wulstlippen von Crenicichla tendybaguassu werfen natürlich sofort die Frage auf, wozu sie denn gut sind. Das Phänomen der Wulstlippen tritt innerhalb der Buntbarsche (Cichlidae) verschiedentlich auf und zwar bei miteinander nicht näher verwandter Arten. Im Tanganjikasee lebt z.B. Lobochilotes labiatus, im Malawisee gibt es gleich mehrere Arten mit wulstigen Lippen, von denen Cheilochromis euchilus am bekanntesten ist. Im Viktoriasee ist es Haplochromis chilotes und im mittelamerikanischen Nicaragua-See Amphilophus labiatus, die derartige Wulstlippen entwickeln. Eine wirklich überzeugende Erklärung für das Phänomen gibt es nicht, lediglich Spekulationen. Man geht aber davon aus, dass es sich um Anpassungen an die Ernährung handelt. Magenuntersuchungen von Crenicichla tendybaguassu haben gezeigt, dass diese Art in der Natur vor allem Insektenlarven frisst. Im Aquarium wühlt die Art gerne im Boden nach Futter. Es gibt übrigens noch eine zweite Art von Wulstlippen-Hechtbuntbarsch: Crenicichla tuca aus dem Rio Iguazú.

Crenicichla tendybaguassu wird etwa 20 cm lang, gehört also zu den mittelgroßen Hechtbuntbarschen. Im Hobby ist er eine absolute Rarität. Die Geschlechter sind nur geringfügig unterschiedlich; Männchen besitzen eine stärkere Tüpfelung der weichen Teile der Rückenflosse und der Schwanzflosse, jedoch ist das bei den relativ jungen Tieren, die wir importieren konnten (12-14 cm lang) kaum zu erkennen. Bei den fotografierten Tieren erkennt man das Männchen an den Punkten unterhalb des Auges, die beim Weibchen fehlen. Untereinander sind C. tendybaguassu halbwegs verträglich, aber man muss sie gut im Auge behalten. Das Pärchen im Fotoaquarium schwamm zunächst ganz gut miteinander, doch das Männchen bekam immer wieder einmal „Wallungen“ und schob das Weibchen mit weit geöffnetem Maul durch das Becken. Es kam zwar zu keinen Beschädigungen, aber wir trauten uns nicht, die zwei über Nacht ohne Aufsicht zusammen zu lassen…

Für unsere Kunden: Die Art hat Code 673544 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Scleromystax sp. C112 Baianinho II

24. Juli 2026

Die „Baianinho“-Panzerwelse stammen aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia. Frei übersetzt bedeutet „Baianinho“  „der Kleine aus Bahia“. Der erste der importierten Baianinho heißt heutzutage Scleromystax lacerdai, der zweite C113. Es gibt aber weitere Formen, die teils ebenfalls aus Bahia stammen, teils aber auch aus anderen Restgebieten des heutzutage nahezu vernichteten früheren brasilianischen Küstenwaldes. Einst bedeckte diese „Mata Atlantica“ als Regenwald von Bahia im Norden bis nach Paraná im Süden die Küstenregion. Die Gewässer dort waren bzw. sind relativ kühle Schwarzwasser führende  Fließgewässer. Man kann sich leicht vorstellen, dass die darin lebenden Fische verschwinden, wenn der Schatten spendende Wald abgeholzt wird. Das tiefbraune Wasser erwärmt sich unter der Sonne der Tropen rasch und das ertragen an kühles Wasser angepasste Fische nicht. Je südlicher, desto kühler kann es sein – das kann als Faustformel für die Wassertemperaturen in Südamerika dienen. 

C112 stammt aus dem Bundesstaat Sao Paulo. Leider kam es in der DATZ bei der Originalvorstellung von C112 und C113 (Heft 10/2003: 34-35) zu einer Verwechslung der Bildunterschriften, wodurch C112 als C113 bezeichnet wurde und umgekehrt. Auch blieb an dem eigentlich aus Sao Paulo stammenden C112 der Handelsname Baianinho II kleben, obwohl er ja gar nicht aus Bahia kommt.  

Wir konnten jetzt nach vielen Jahren wieder einmal Scleromystax importieren, von denen wir denken, dass sie C112 zuzuordnen sind. Diese Tiere stehen Scleromystax barbatus näher als S. lacerdai. Jüngere Exemplare sehen tatsächlich sehr ähnlich zu S. barbatus aus, die Unterschiede liegen in der Marmor-Zeichnung der Flanken. Eines unserer Exemplare, ein jüngeres Weibchen, hat einen markanten schwarzen Strich in der Rückenflosse. Da es sich aber um das einzige Exemplar mit dieser Markierung handelt und es sich ansonsten nicht von den anderen Tieren unterscheidet, halten wir das für eine individuelle Variation.

Die Geschlechter sind bei jüngeren Tieren bis etwa 6 cm Totallänge nicht leicht zu unterscheiden. Dann entwickeln männliche C112 höhere Rückenflossen als die Weibchen. Ein gut zu erkennendes Geschlechtsmerkmal (wenn auch nicht so deutlich wie bei S. barbatus) ist die helle Stirnblesse, die nur die Männchen haben. Wenn es sich wirklich um C112 handelt und nicht um eine weitere Art dieses komplexen Formenkreises, dann sollten die Männchen in Brutstimmung fast schwarz werden. Neben gerade geschlechtsreifen Tieren (ca. 4-6 cm Totallänge) haben wir auch einige wenige größere Tiere (um 7 cm Totallänge) erhalten. Die Pflege entspricht dem, was allgemein über S. barbatus bekannt ist (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/scleromystax-barbarus/)

Für unsere Kunden: C112 hat Code 224022 (Nachzucht), 224032 (wild, lg) und 224033 (wild, xlg-sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hasemania sp. Yurimaguas ( = sp. Orange)

24. Juli 2026

Dieser hübsche Salmler stammt aus Peru. Es ist bislang nicht gelungen, ihn einer der wissenschaftlich beschriebenen Arten zuzuordnen.  Es ist die Färbung der 2-3 cm lange Jungtiere, deren starker orangefarbener Glanz uns an den bekannten Kupfertetra (Hasemania nana) erinnerte, weshalb wir sie zunächst (unser Erstimport erfolgte im Jahr 2011) „Hasemania sp. Orange“ tauften, wohl wissend, dass es sich wahrscheinlich gar nicht um eine Hasemania-Art handelt. Vermutlich handelt es sich um eine unbeschriebene Hemigrammus-Art. Allerdings ist die Systematik der Kleinsalmler Südamerikas gerade derart im Umbruch begriffen, dass es wenig Sinn macht, über Gattungszugehörigkeiten zu spekulieren. Charakteristisch für die Art ist der rote Doppelfleck auf dem Schwanzstiel, in dessen Mitte sich ein weiterer, schwarzer Fleck befindet. Ein Schulterfleck oder eine Körperlängsbinde, wie sie die meisten Kleinsalmler-Arten zeigen, fehlt.

Größer als 3-4 cm haben wir diese Tiere nie gesehen. Inzwischen wurde bekannt, dass die Fische in der Umgebung der Stadt Yurimaguas am Rio Huallaga (Provinz Alto Amazonas in der Region Loreto, Peru) gefangen werden. Vielleicht nimmt sich ja ein auf Salmler spezialisierter Wissenschaftler der Tiere an und versucht sich in der Bestimmung.

Die Pflege ist völlig unproblematisch und entspricht der anderer Kleinsalmler. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das Wasser im natürlichen Lebensraum der Tiere weich und sauer, jedoch ist die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserzusammensetzungen im Aquarium hoch. Gefressen wird jedes maulgerechte Zierfischfutter. Untereinander und zu artfremden Fischen sind die Tiere völlig friedlich. In ungewohnten Situationen suchen diese Salmler die Gesellschaft von Artgenossen, sie sollten also grundsätzlich in Verbänden von 10 der mehr Exemplaren gepflegt werden. Die Weibchen sind plumper und etwas weniger farbig. Über eine gelungene Zucht ist uns nichts bekannt, es sind hier allerdings keine Überraschungen zu erwarten. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 22-28°C liegen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255452 (2-3 cm) und 255453 (3-4 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Leporinus amae

17. Juli 2026

Es gibt sie immer noch, die mythischen Fische. Das sind Arten, von denen nur ganz wenige Exemplare bekannt sind und über die man entsprechend wenig weiß. Zu diesen mythischen Fischen gehört zweifellos auch Leporinus amae. Die Art wurde 1980 anhand von acht Exemplaren beschrieben, die in Brasilien gefangen wurden. Das Typusexemplar stammt aus dem Rio Apuaê, einem Zufluss des Rio Pelotas, der wiederum zum Einzug des Rio Uruguay gehört. Weitere Exemplare stammen aus dem Rio Canoas und dem Rio Caveiras, die gleichfalls zum Einzug des Rio Uruguay gehören. In der gleichen Arbeit wurde vom gleichen Autor übrigens Hypostomus luteus beschrieben. Der Autor – Manuel Pereira de Godoy – untersuchte die Folgen von Staudammbau auf die Fischfauna.

Lange Zeit hörte man anschließend nichts mehr von Leporinus amae. Dann wurde die Art 2013 in der argentinischen Provinz Misiones (ebenfalls im Einzug des Rio Uruguay) wiederentdeckt und detailliert rückbeschrieben (Almirón et al.). Dieser Arbeit waren auch Farbfotos von lebenden Exemplaren dieser maximal 12-15 cm langen Art beigefügt, die das Herz jedes Fischfreundes höher schlagen ließen. 

Jetzt, weitere 13 Jahre später, gelang uns erstmals der Import von fünf Exemplaren dieser legendären Art. Zwischen dem Wunsch, eine Fischart lebend zu Gesicht zu bekommen und der Erfüllung dieses Wunsches liegt nun einmal viel, viel Arbeit. Manchmal klappt es trotzdem nie, manchmal dauert es, wie in diesem Fall, Jahre. Wir freuen uns jedenfalls sehr über die Fische. 

Über das Sozialverhalten können wir nichts sagen, wie halten diese Kostbarkeiten aus Sicherheitsgründen einzeln. Alle fünf Tiere haben ständig eine rote Kehle und ein rot umrandetes Maul, jedoch werden die roten Flecken am Bauch stimmungsabhängig in stark unterschiedlicher Intensität gezeigt – von fast unsichtbar bis zum tiefen Rot, das unser Fotomodel zeigt. Vier der Tiere sind 12-15 cm lang, eines 14-16 cm. Letzteres Exemplar stellt damit das größte bislang bekannt gewordene Individuum dieser Spezies dar. Wir wünschen uns natürlich, dass alle fünf zusammen bleiben und eventuell die Grundlage eines Zuchtstammes dieser spektakulär schönen Art bilden. Dem steht allerdings der leider sehr hohe Preis entgegen, der für diese Seltenheit gefordert wird.

Für unsere Kunden: die 12-15 cm langen Tiere haben Code 265873, das 14-16 cm lange Tier 265874 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Almirón, A. E., Casciotta, J. R., Bruno, M. C., Piálek, L., Doubnerová, K. & O. Říčan (2013): First record and supplementary description of Leporinus amae Godoy, 1980 (Characiformes: Anostomidae) from freshwaters in Argentina. Check List 9(4): 820–822.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma ehrhardti

17. Juli 2026

Es ist sehr lange her, dass wir Hoplisoma ehrhardti, früher Corydoras ehrhardti, zuletzt importieren konnten. Darum steht aktuell immer wieder mal einer von uns mit nostalgischem Lächeln vor dem Aquarium mit den Tieren. Das ist ein bisschen wie das Treffen eines alten Schulkameraden. Die Gründe, warum Hoplisoma ehrhardti so selten im Handel ist, sind vielfältig. Zum einen kamen viele Jahre generell keine Importe mehr aus Südost-Brasilien mehr, weil zu Zeiten der Positiv-Exportlisten (es durften bis vor wenigen Jahren ausschließlich auf diesen Listen aufgeführte Arten exportiert werden) einige der wichtigsten Wirtschaftsfische der Region schlicht vergessen wurden. In Folge dessen mussten die Exporteure ihre Betriebe aufgeben. Die Zierfischfänger mussten sich andere Jobs suchen. Jetzt, wo mit Negativ-Exportlisten gearbeitet wird (es dürfen also nur solche Arten, deren Export ausdrücklich verboten ist, nicht in den Handel gelangen), muss die Infrastruktur erst mühselig wieder aufgebaut werden. Und auch erfahrene Zierfischfänger, die wissen, wie man schonend kleine Fische fängt und transportiert, wachsen nicht auf Bäumen. Zusätzlich sind viele Fundorte inzwischen in Vergessenheit geraten. Und schließlich gehören die schlichter gefärbten Arten der Region nicht in die oberste Prioritäten-Kategorie.

An und für sich ist Hoplisoma ehrhardti ein alter Bekannter, der bereits um 1970 in unsere Aquarien kam. Er blieb aber immer ein Fisch für Spezialisten. Für ein großes Publikum ist die Ähnlichkeit zu Hoplisoma paleatum, dem Marmorierten Panzerwels, zu hoch. Und jene Art ist ja immer und für deutlich niedrigere Preise im Handel verfügbar. Tatsächlich sind H. ehrhardti und H. paleatum wohl auch eng verwandt und aquaristisch sind sie absolut vergleichbar. Ganz grundsätzlich sollte man H. ehrhardti in Gruppen pflegen. Das Wasser sollte sauber sein und eine gute Strömung aufweisen. Die Art ist recht empfänglich für bakterielle Erkrankungen. Die Wassertemperatur kann sich im Bereich von 16-22°C bewegen. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter.

Hoplisoma ehrhardti wird etwa 6-7 cm lang und stammt aus Küstenflüssen, die hydrologisch zu dem Einzug des Iguaçu (Brasilien: Santa Catarina und Paraná; Argentinien) gehören. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit dem im gleichen Gebiet lebenden H. paleatum, der immer eine deutlich gestreifte Schwanz- und Rückenflosse hat (beide sind bei H. ehrhardti farblos oder höchstens ganz zart gestreift) hat. In Importen von wilden H. paleatum, die als Beifang gelegentlich H. ehrhardti enthalten, sind die H. paleatum gewöhnlich stark „gepfeffert“, haben also zahlreiche kleine Pünktchen. Die Flankenflecken sind bei H. paleatum keilförmig in Richtung Schwanzflosse ausgezogen, bei H. ehrhardti nicht in diesem Maße. Alles in allem ist H. ehrhardti zierlicher und schlanker als H. paleatum. Und schließlich gibt es noch eine dritte Verwechslungsart, H. sp. C114 aus der Umgebung von Curitiba  im Bundesstaat Paraná, bei dem die Schwanzflosse oft deutlich, die Rückenflosse aber immer nur undeutlich gestreift ist. Körperform entspricht der von H. paleatum. Es gibt auch C114 mit völlig farblosen Flossen, was die Bestimmung nicht immer einfach macht. Der besondere Reiz für spezialisierte Panzerwelsfreunde liegt nun darin, die Unterschiede in Verhalten und ökologischen Vorlieben dieser Arten vergleichend zu studieren. 

Für unsere Kunden: Hoplisoma ehrhardti haben Code 228002 (wild, md-lg), 228003 (wild, lg) und 228004 (wild, lg-xlg) und 228023 (Nachzucht, lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Channa asiatica

17. Juli 2026

Channa asiatica ist eine variantenreiche Art oder, wie man es heute eher sieht, ein Artenkomplex von anatomisch nicht voneinander trennbarer Arten, die sich jedoch farblich manchmal recht deutlich unterscheiden. In der Vergangenheit wurden immerhin 12 Arten wissenschaftlich beschrieben, die gegenwärtig allesamt als Synonyme zu Channa asiatica gelten.

Weil von wissenschaftlicher Seite von lediglich einer Art ausgegangen wird, kam es bei der Nachzucht solcher Fische im Aquarium aber auch zu Speisezwecken häufiger zu Vermischung verschiedener Fundortstämme, was wiederum zu Selektionszuchten und Zuchtformen führt oder zumindest führen kann. Channa asiatica ist zwar eine relativ kleine Fischart, aber aufgrund ihrer Fähigkeit, Luft zu atmen, ein sehr zählebiger Speisefisch. Daher wurde dieser Schlangenkopffisch schon seit langer Zeit (wahrscheinlich Jahrhunderte lang) als Speise- und Besatzfisch über weite Regionen verbreitet. Das macht die Beurteilung von Lokalvarianten aus wissenschaftlicher Sicht besonders kompliziert.

Ursprünglich lebte Channa asiatica wohl in Vietnam und im südlichen China (mit vorgelagerten Inseln). Tatsache ist, dass in dem großen Verbreitungsgebiet sehr unterschiedlich aussehende Tiere auftreten. Das betrifft die Färbung, aber auch die Größe. Die Maximallänge von C. asiatica wird manchmal mit 40 cm angegeben, die wissenschaftliche Datenbank „FishBase“ gibt 23,5 cm Totallänge (also mit Schwanzflosse) als Maximalgröße und als Normalgröße zu Speisezwecken gefangener Tiere weniger als 10 cm an. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Man sollte allerdings grundsätzlich davon ausgehen, dass solche Fische im Aquarium, wo sie länger leben und besser versorgt sind als in der Natur, eher in die Richtung „größer“ als „kleiner“ wachsen.

In der westlichen Welt ist Channa asiatica unter Aquarianern für seine Unberechenbarkeit berüchtigt. Selbst Paare, die schon häufiger miteinander Jungtiere hatten (die Art baut kein Nest, die Eier werden an der Wasseroberfläche abgelegt und von beiden Eltern betreut) können sich nach Jahren harmonischen Zusammenlebens plötzlich zerstreiten und dann bis zum Tode bekämpfen. Darum findet man C. asiatica (im weitesten Sinne) nur sehr gelegentlich im Zierfischhandel, obwohl die Tiere sehr schön sein können. 

Die Channa asiatica, deren Bilder diesen Post illustrieren, kamen aus Taiwan zu uns. Es handelt sich um ein Paar von etwa 15 cm Totallänge, das hellere Exemplar ist das Weibchen.

Schlangenkopffische sind Individualisten, man muss, wenn man sich zu ihrer Pflege entschließt, immer mit Überraschungen rechnen. Die chemische Wasserzusammensetzung ist für Pflege und Zucht belanglos. Als subtropischen Fischen muss man C. asiatica ein dem Laufe der Jahreszeiten angepasstes Temperatur- und Lichtregime bieten: im Winter 10-15°C bei Kurztagsbeleuchtung (weniger als 10 Stunden Licht/Tag) und im Sommer 25-30°C bei Langzeitbeleuchtung (mindestens 14 Stunden Licht am Tag). Bei Temperaturen über 22°C sollte über eine Einzelhaltung nachgedacht werden, weil die Tiere dann besonders aggressiv sein können. Gefressen wird jedes kräftige Futter fleischlichen Ursprungs, es kann getrocknet sein (z.B. Cichlid Sticks), gefrostet oder lebend. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 409230 (2-3 cm) bis 409237 (25 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Harttia cf. longipinna

17. Juli 2026

Aus der artenreichen Gattung Harttia – aktuell werden 28 Arten unterschieden – kommt kaum jemals eine in unsere Aquarien. Die Fische sind relativ enge Verwandte der beliebten Störwelse (Sturisoma und Sturisomatichthys) und ähneln ihnen in vielen Verhaltensweisen, sind jedoch erheblich anspruchsvoller. Harttia benötigen zum Gedeihen sehr sauberes, sauerstoffreiches und manchmal warmes, manchmal kühles Wasser; letzteres ist offenbar artspezifisch. Zudem sollte feines Futter, wie es der natürlichen Nahrung der Fische (Aufwuchs, also Algen und die darin lebenden Kleinstorganismen) entspricht, den Hauptanteil in der Ernährung darstellen. Bereits geringfügige Pflegefehler sind für solche Fische fatal. Es liegt auf der Hand, dass bereits Fang und Transport besondere Herausforderungen mit sich bringen. Gesunde Tiere sind andererseits im Aquarium sogar schon zur Zucht gebracht worden.

Kürzlich konnten wir aus Südost-Brasilien einen größeren Import organisieren. Das gab es schon lange nicht mehr und ichthyologisch hat sich in den letzten Jahren viel getan in der Region – entsprechend schwierig gestaltete sich die Bestimmung mancher der Arten. Die aktuellste Arbeit über Harttia (Caldas et al., 2022) bietet dazu für die Harttia-Arten Südost-Brasiliens die aktuellste Bestimmungsorientierung. Man unterscheidet bei Harttia ganz allgemein drei Gruppen, die sich durch die Beschilderung der Bauchregion unterscheiden. Eine Gruppe hat eine völlig unbeschilderte Bauchseite (14 Arten), eine zweite Gruppe eine teilweise beschilderte Bauchseite (7 Arten) und eine dritte Gruppe eine vollständig beschilderte Bauchseite (7 Arten). Einige Spezies der letzten Gruppe wurde wegen dieser Bauchbeschilderung lange Zeit in der Gattung Cteniloricaria geführt. Von Cteniloricaria unterscheidet sich Harttia nach aktueller Auffassung u.a. dadurch, dass die seitlichen Platten am Schwanz keinen scharfen Kiel aufweisen.

Aufgrund der Bauchbeschilderung identifizierten wir unsere Fische als Harttia longipinna. Da uns jedoch der genaue Fundort unbekannt ist und sich etliche Harttia-Arten doch sehr ähneln, haben wir sicherheitshalber ein „cf.“ (latein, bedeutet, „vergleiche mit“) eingefügt, denn absolut sicher können wir uns bei dieser Bestimmung nicht sein. Wichtig erscheint uns allerdings der Hinweis bei Caldas et al., 2022, dass von den Harttia-Arten des südöstlichen Brasiliens die meisten in kühlen (für H. canastra z.B. 12,4-23°C Wassertemperatur), relativ schnellfließenden und relativ kleinen Fließgewässern vorkommen. Nur eine Art – H. longipinna – soll, wie die amazonischen Harttia-Arten in größeren und wärmeren Fließgewässern leben. Da unsere Importfische trotz der aktuell (Juni/Juli 2026) hohen Temperaturen keinerlei Unwohlsein erkennen lassen, spricht auch dies für die Richtigkeit unserer Bestimmung.

Auffällig und in der uns bekannten Literatur bislang nicht erwähnt ist, dass es bei uns dunklere und hellere Exemplare gibt. Die Bauchbeschilderung ist bei beiden gleich. 

Genau wie die Sturisoma und Sturisomatichthys sind Harttia keine Höhlen-, sondern Offenbrüter. Die Eier werden bevorzugt an stark überströmten Steinen abgelegt und vom Männchen bis zum Schlupf bewacht. Geschlechtsunterschiede scheinen sich bei Harttia oft darauf zu beschränken, dass die Männchen einen breiteren Kopf und einen breiteren, bestachelten ersten Brustflossenstrahl besitzen, aber es gibt auch Arten, bei denen die Männchen zumindest zeitweise eine kräftige Bestachelung seitlich am Schwanz entwickeln, so z.B. H. leiopleura. Für H. longipinna beschreiben die Autoren außerdem, dass die Männchen eine längere Afterflosse als die Weibchen haben. Die Aufzucht der Jungen entspricht in groben Zügen der der Störwelse.

Alles in allem sind Harttia Fische für wirklich erfahrene Aquarianer, die eine Herausforderung suchen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255392 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Caldas, L., A. M. Cherobim & F. Langeani (2022): A new species of Harttia from the rio São Francisco basin (Siluriformes: Loricariidae). Neotropical Ichthyology v. 20 (no. 4): e220051: 1-19.

Langeani, F., O. T. Oyakawa & J. I. Montoya-Burgos (2001): New species of Harttia (Loricariidae, Loricariinae) from the Rio São Francisco basin. Copeia 2001 (no. 1): 136-142.

Seidel, I. (2010): Ingos Harnischwelszucht. Tetra Verlag, Berlin-Velten, 272 pp 

Text & Photos: Frank Schäfer

Xenotoca doadrioi

17. Juli 2026

Früher kannte man diesen besonders hübschen Banderolenkärpfling (Xenotoca doadrioi) unter der Bezeichnung „Xentotoca eiseni San Marcos“. Leider ist die Art, die erst im Jahr 2016 „offiziell“ als eigenständige Spezies beschrieben wurde, hochgradig vom Aussterben bedroht. Über 50% der ursprünglich bekannten Populationen sind bereits verschwunden, bei Rest zeigt sich ein steter Abwärtstrend. Die Ursachen sind immer die gleichen: Gewässerverschmutzung durch die Landwirtschaft und hoher Konkurrenzdruck durch gebietsfremde Fische (Pseudoxiphophorus bimaculatus und Tilapia), die mit den veränderten Umweltbedingungen zudem erhablich besser zurecht kommen als X. doadrioi. Der Fang zur Aquarienpflege hat keinerlei Einfluss auf die wildlebenden Bestände. Sämtliche im Hobby vertreten Exemplare sind außerdem Nachzuchten. 

Wir haben immer wieder einmal Xenotoca doadrioi im Stock, so dass sich jeder Aquarianer, der zuhause etwas Artenschutz betreiben will, betätigen kann. Es handelt sich um einen außerordentlich bunten Stamm, sogar die Weibchen haben etwas Rot im Schwanzstiel! Pflege und Zucht sind nicht schwierig. Man achte bei diesen Tieren auf möglich wenig belastetes Wasser bei guter Strömung, mittleren Härtegraden und einem stabilen pH Wert, am besten um 7,5-8. Großzügige (60-70% des Beckeninhalts) Wasserwechsel tun den Tieren sehr gut. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter, dabei sollte Grünfutter einen guten Anteil ausmachen. Man gibt das entweder in Form speziell pflanzlichen Flockenfutters oder auch in Form überbrühter Salatblätter, Löwenzahnblätter, Vogelmiere oder dergleichen. Die Fische sind lebendgebärend. Bei der Geburt haben die Jungtiere noch die merkwürdigen „Nährschnüre“ (Trophotaenien) am Bauch, die im Mutterleib – ähnlich wie die Nabelschnur bei Säugetieren – den Embryo mit Nährstoffen versorgen. Xenotoca sind sehr lebhafte Fische, die am besten in großen Aquarien gedeihen. Die Temperatur sollte im Jahresverlauf schwanken. Wichtig ist eine Art „Winterpause“ bei Wassertemperaturen von 17-20°C. Über 25°C sollte die Temperatur dauerhaft nicht steigen. Eine Freilandhaltung in den warmen Monaten, in denen ein Absinken der Temperatur unter 17°C nicht zu befürchten ist, tut der Gesundheit dieser Fische sehr gut. 

Wir haben einen kleinen Film eingestellt, der unsere Tiere zeigt: https://www.facebook.com/AquariumGlaser/videos/583392523143542

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 476511 (sm) und 476513 (md-lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Scleromystax sp. C113

10. Juli 2026

Die Panzerwelse der Gattung Scleromystax sind speziell. Sie beeindrucken teils durch ihre Größe, manche durch ihre Farbigkeit, wieder andere durch die im männlichen Geschlecht stark vergrößerten Flossen. Gegenwärtig unterscheidet man im Hobby acht wissenschaftlich beschriebene Arten, zwei C-Nummern und sieben CW-Nummern. Alle Arten stammen aus küstennahen Fließgewässern des südöstlichen Brasiliens. Sie wollen es zumindest zeitweise deutlich kühler, als man das gemeinhin gewöhnt ist. Viele Jahre gab es keine Zierfischexporte aus dem Südosten Brasiliens. Seit einiger Zeit versuchen aber engagierte Exporteure, das zu ändern. Darüber freuen wir uns sehr! Aber noch sind viele der Arten, die wir von dort anbieten können, nur sehr unregelmäßig, in kleinen Stückzahlen und hohen Preisen verfügbar, so auch Scleromystax sp. C113, der etwa 200 km südlich von Salvador de Bahia stammt.

Die bekannteste Art der Gattung Scleromystax ist sicher S. barbatus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/scleromystax-barbatus-4/) und das ist auch die einzige Art, die regelmäßig nachgezüchtet wird. Aber auch der hier vorgestellte C113 kam bereist früher ab und zu in die Aquarien der Liebhaber. Der Name „Baianinho“ bedeutet soviel wie „der Kleine aus Bahia“, dem brasilianischen Bundesstaat, aus dem diese Fische stammen. Die Färbung von S. lacerdai, der vor seiner wissenschaftlichen Benennung als „Baianinho I“ bezeichnet wurde, ist ähnlich zu der von C113, aber S. lacerdai bleibt mit maximal 5 cm Länge deutlich kleiner; C113 kann im männlichen Geschlecht bis zu 8 cm Länge erreichen. Zusätzlich bestehen Farbunterschiede. Das Aussehen von C113 ist ziemlich variabel. Sehr ähnlich ist CW38. Man sollte daher keine Exemplare aus unterschiedlichen Importen zur Zucht verwenden, sondern immer nur mit Tieren der gleichen Sendung züchten. Nur so kann halbwegs sicher gestellt werden, dass keine Aquarienstämme aus unerwünschten Hybriden entstehen.

Die Pflege und auch die Zucht dieser Panzerwelse gelingen recht gut, doch sind die Fische definitiv keine Einsteigertiere. Um sie langfristig in guter Kondition zu erhalten ist eine äußerst gute Wasserhygiene nötig. Die Wassertemperatur sollte zudem zumindest einige Monate im Jahr deutlich unter 18°C liegen. 

Die Männchen von C113 entwickeln sehr lang ausgezogene Brustflossen und eine deutlich höhere Rückenflosse als die Weibchen; sie werden auch größer. Es bestehen deutliche farbliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Auf den Fotos ist leider nur ansatzweise zu sehen, dass die helle Rückenpartie  der Tiere herrlich neongrün leuchtet. Das ist eine Frage der Beleuchtung und in geblitzten Fotos nur schwer darstellbar. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 293183 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Serrasalmus marginatus

10. Juli 2026

Ein Import aus Südost-Brasilien bescherte uns u.a. einige Exemplare eines aquaristisch bislang noch kaum in Erscheinung getretenen Piranhas, nämlich Serrasalmus marginatus. Es erscheint uns jedenfalls wahrscheinlich, dass es sich um diese Art handelt, die in den Fluss-Systemen des Parana-Paraguay und des Uruguay verbreitet ist. Sehr ähnlich sind u.a. S. irritans aus dem Orinoko (Kolumbien und Venezuela), siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/serrasalmus-irritans/ und der erst kürzlich beschriebene S. magallensi aus Bolivien. Auch der gerade erst beschriebene S. castellonae – wiederum aus Bolivien – sieht ähnlich aus. Wenn man bedenkt, dass die wissenschaftliche Arbeit, in der S. castellonae beschrieben wird, 19 Seiten umfasst, die Beschreibung von S. magallensi 24 Seiten, und das bei einer wissenschaftlichen Ausdrucksweise, kann man ermessen: viele Piranha-Arten sind einander wahnsinnig ähnlich und selbst für Wissenschaftler bedarf es extrem ausführlicher Ausführungen, um die Unterschiede halbwegs plausibel zu machen.

Für uns ist es die Kombination aus Herkunft, Körperform und Afterflossenfärbung, die uns zu dem Schluss bringt, dass es sich bei unseren aktuellen Importen um S. marginatus handelt. Bei der Beschreibung von S. castellonae zeigen die Bearbeiter einmal mehr auf, wie wichtig die Schwanzflossenfärbung ist, um Verwechslungen zwischen nahe verwandten Arten zu vermeiden. Ausgerechnet dieses Merkmal ist aber bei S. marginatus bislang nur unzureichend untersucht. Die Art wurde bereits 1837 wissenschaftlich benannt und es gibt auch eine sehr schöne, farbige Abbildung des vermutlichen Typusexemplares. Auch die drei Orginalexemplare aus dem Rio de la Plata in Argentinien, die von d´Orbignyi 1826-1833 gesammelt und zur Beschreibung von S. marginatus benutzt wurden, existieren noch im Pariser Museum. Aber das wichtige Detail, ob der hintere Schwanzflossenrand farblos oder schwarz ist, lässt sich daran nicht zweifelsfrei erkennen. Darum ist es durchaus möglich, dass die Tiere, die wir aktuell S. marginatus zuordnen, in Zukunft einmal anders bestimmt werden.

Ungeachtet dessen: unsere Exemplare sind gegenwärtig 12-15 cm lang. Wir halten sie einzeln, denn Piranhas dieser Verwandtschaftsgruppe gelten als Einzelgänger und Flossenfresser. Die Maximallänge für S. marginatus wird in der Literatur mit 30 cm angegeben.

Wir freuen uns, dass wir diesen so selten angebotenen Piranha in schönen Exemplaren importieren konnten. Es sind selbstverständlich Fische für Spezialisten, die niemals eine nennenswerte aquaristische Bedeutung erlangen werden. Aber trotzdem: sie stellen ein Puzzleteil dar, der helfen kann, das nach wie vor nur unbefriedigende Wissen um Piranhas zu erweitern.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 292305 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Gallo-Cardozo, F., M. Maldonado, M. Careaga & F. M. Carvajal-Vallejos (2024): A new species of Piranha (Serrasalmus, Serrasalmidae) from the upper Madeira River system, Amazon basin, Bolivia. Journal of Ichthyology v. 64 (no. 3): 386-409.

Gallo-Cardozo, F., M. Careaga & F. M. Carvajal-Vallejos (2025): A new cryptic species of Piranha Serrasalmus (Serrasalmidae) from the Bolivian Amazon, upper Madeira River system. Journal of Ichthyology v. 65 (no. 4): 574-592.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pethia stoliczkana (früher Barbus stoliczkanus oder Puntius stoliczkanus)

10. Juli 2026

Lange Zeit glaubte man, die Sonnenfleckbarbe, Pethia stoliczkana, stamme nur aus Burma; inzwischen gilt sie aber als relativ weit in Südostasien verbreitet und wissenschaftliche Datenbanken führen sie als in den Einzugsgebieten der Flüsse Chindwin-Irrawaddy, Mae Klong, Chao Phraya und Mekong in den Staaten Indien, Burma ( = Myanmar), Thailand, Laos und China (Yunnan) vorkommend. Sie war bis in die 1960er Jahre ein beliebter Aquarienfisch, da die Tiere sehr temperaturtolerant sind und keine Heizung im Aquarium benötigen. Später wurde sie von bunteren Arten verdrängt und heute ist sie eine aquaristische Seltenheit. Früher wurde sie meist noch als Unterart der Zweipunktbarbe, Pethia ticto, angesehen und viele angebliche Fundortmeldungen von P. ticto außerhalb Indiens beziehen sich in Wirklichkeit auf P. stoliczkana.

Die Bilder in diesem Post zeigen Naturentnahmen aus Burma; Die Weibchen unterscheiden sich von den Männchen durch die farblosen Flossen. Aquaristisch entspricht die Sonnenfleckbarbe vollkommen der bekannten Odessabarbe, Pethia padamya (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pethia-padamya-wild/), mit der sie offenbar auch gelegentlich gemeinsam vorkommt. Dabei ist aber nicht ganz klar, ob die beiden doch sehr eng verwandten Arten nur im gleichen Verbreitungsgebiet leben, aber sich ökologisch trennen, oder ob sie tatsächlich zusammen im gleichen Biotop angetroffen werden

Die Pflege und auch die Zucht dieser schönen Barbe sind völlig problemlos. Leider zeigen die Jungtiere aber nur silbrige Farbtöne, weshalb sie heutzutage nur schwer zu vermarkten sind. Die Wasserwerte sind belanglos, jedes als Trinkwasser geeignete Wasser eignet sich auch zur Pflege dieser Fische. Die Wassertemperatur kann zwischen 14 und 28°C liegen, etwas mehr oder weniger schaden auch nicht, wenn es nur nicht allzu lange andauert oder abrupt eintritt. Gefressen wird einfach alles, was für Zierfische in Frage kommt. Es besteht auch ein Bedürfnis, pflanzliche Kost zu sich zu nehmen. Dem kann man leicht durch geeignete Flockenfutter etc. entsprechen. Tut man dies allerdings nicht, so werden zarte Wasserpflanzen angeknabbert. Man sollte Barben allgemein nicht zu steril halten. Mulm, also das Gemenge aus abgestorbenen Pflanzenresten, Kot usw. ist ein wichtiger und essentieller Nahrungsbestandteil vieler Barben und zu ihrem gesunden Lebens (Darmbiom) sehr wichtig. Damit sich die Tiere optimal ausfärben und auch ihr ganzes Verhaltensspektrum zeigen, sollten sie niemals in Gruppen von weniger als 10-12 Exemplaren gepflegt werden. Die Größe von Pethia stoliczkanus beträgt ca. 5-6 cm. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 372304 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Panque suttonorum ( = P. suttoni)

10. Juli 2026

In den 1980er Jahren war der Blauaugen-Panaque einer der häufigsten Harnischwelse im Handel. Der korrekte Name lautet übrigens Panaque suttonorum. Aus unbekannten Gründen sind die Tiere heutzutage kaum noch erhältlich. Es gibt eine Menge Gerüchte, die besagen, eine Umweltkatastrophe sei schuld oder dass ein Verrückter den Fluss vergiftet hätte oder dass die kolumbianische Drogenmafia das Fanggebiet kontrolliert. Sei dem, wie es ist, ausgestorben kann die Art glücklicherweise nicht sein, denn wir bekommen gelegentlich einige wenige Exemplare aus Kolumbien. Zuletzt hatten wir übrigens ein sehr großes Tier, 35-40 cm lang, hier, das sehr schnell einen begeisterten Abnehmer fand…

Die unterschiedlichen Schreibweisen des Artnamens (suttoni/suttonorum) beruhen auf der lateinischen Grammatik. Der Beschreiber der Art, Leonard P. Schultz, benannte die Art 1944 zu Ehren von Dr. und Mrs. Frederick A. Sutton, denen Schultz für ihre Gastfreundschaft in der Zeit, in der er im Lager der Lago Petroleum Corporation am Maracibo-See in Venezuela lebte, sehr dankbar war. Die Art wurde also zu Ehren von zwei Personen beschrieben, ergo muss der Genetiv plural angewendet werden, der auf -orum endet, während die Endung -i den Genetiv singular darstellt.

Wie alle großen Panque brauchen auch dieser weiches Holz als Grundnahrungsmittel, dazu gibt es Gemüse aller Art. Frost-, Granulat- und Flockenfutter, auch Futtertabletten, werden gerne angenommen, sollten aber, um Verfettung der Organe zu verhindern, nur als Zusatzfutter, nicht als Hauptnahrung gegeben werden. Eine sehr (!) gute Filterung ist wichtig, die Holznahrung ist sehr nährstoffarm, es entstehen darum große Kotmengen. Erwachsene Panaque können untereinander unverträglich werden. Große Aquarien, in denen die Fische gemeinsam aufwachsen, verhindern gewöhnlich ernsthafte Auseinandersetzungen. Dennoch können laichbereite Männchen die schwächeren Weibchen unter Umständen extrem drangsalieren, was im Extremfall zum Tod des unterdrückten Tieres führen kann. Wer sich zur Pflege einer Gruppe dieser herrlichen Welse entschließt, sollte darum über Ausweichbecken verfügen, falls Unverträglichkeiten beobachtet werden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe –  hat Code 275001 (6-8 cm) bis 275009 (35-40 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Saxatilia britskii

3. Juli 2026

Die Gattung Saxatilia wurde bis vor kurzer Zeit noch der großen Sammelgattung Crenicichla zugeordnet. Saxatilia umfasst die Arten, die im deutschsprachigen Raum als „Felsenkammbarsche“ bezeichnet werden und so bekannte Arten wie S. lepidota oder S. saxatilis  enthält. Die Gattung ist recht artenreich; 38 wissenschaftliche Namen werden mit ihr in Verbindung gebracht, davon werden aktuell aber nur 23 allgemein akzeptiert. Zu den Arten, die in jüngerer Zeit in die Synonymie verbannt wurden, gehören auch aquaristisch bekannte Formen, wie S. cardiostigma (gilt aktuell als Synonym zu S. alta) oder S. edithae (wird gegenwärtig als Synonym zu lepidota gesehen). Viele der Arten sehen sich außerordentlich ähnlich und sind selbst für Spezialisten kaum auseinander zu halten. So etwas steht einer weiten aquaristischen Verbreitung grundsätzlich immer im Wege, zumal Hechtcichliden wegen ihres teils recht ruppigen, immer aber etwas räuberischen Verhaltens ohnehin nur wenige Liebhaber haben.

So kommt es, dass einige der bereits länger beschriebenen Arten aquaristisch praktisch unbekannt geblieben sind. Unter ihnen befindet sich der 1982 aus einem kleineren Fließgewässer, das zum Einzug des Rio Tiete im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo gehört, beschriebene S. britskii. So weit wir das recherchieren konnten gibt es keinen einzigen Pflegebericht zu der Art in der aquaristischen Fachliteratur und auch kein Aquarienfoto von der Spezies. Wir haben nun aus dem Bundesstaat Sao Paulo Saxatilia importieren können, bei denen es sich nach der Aussage des Exporteurs um S. britskii handelt. Wir finden keine Hinweise, die dem widersprechen würden und bieten die Tiere entsprechend unter diesem Namen an.

Saxatilia britskii ist ein sehr typischer Vertreter seiner Gattung. Bezüglich der Färbung entspricht er dem, was man ganz allgemein gewohnt ist: ein großer Schulterfleck, ein Muster aus vertikal verlaufenden hellen Binden, ein dunkler Längsstreifen, ein Schwanzwurzelfleck. Unter dem Auge befindet sich ein kommaförmiger Strich, die Binde hinter dem Auge ist breit und deutlich ausgebildet und endet in einem vertikalen Strich entlang des Kiemendeckels. Kullander betont in der Erstbeschreibung, dass S. britskii sich in allererster Linie durch Farbunterschiede von S. lepidota aus Paraguay unterscheidet. 

Mit maximal 15 cm Länge gehört S. britskii zu den mittelgroßen Vertretern der Hechtcichliden; in der Natur bleiben sie gewöhnlich deutlich kleiner (um 10 cm). Zu Pflege und Zucht können wir nur vermuten, dass sich hier alles nach typischer Saxatilia-Manier abspielt. Die Tiere sind unempfindlich bezüglich der Wasserhärte und des pH-Wertes, jedes Trinkwasser eignet sich, nur allzu sauer (pH unter 6)  sollte es nicht sein. Die Wassertemperatur kann zwischen 18 und 26°C liegen und im jahreszeitlichen Verlauf nicht konstant sein. Saxatilia sind unkomplizierte Fresser, die mit grobem Frost- und Lebendfutter und auch Pellets und Cichlid-Sticks leicht zu ernähren sind. Auch kleine Fische werden als Futter angesehen. In ausreichend großen Aquarien (ab ca. 150 cm) hält sich das Aggressionspotential in Grenzen, darf aber nie unterschätzt werden, zumal es hier offenbar erhebliche individuelle Unterschiede gibt. Paare finden sich am besten aus einer Gruppe gemeinsam aufgezogener Jungtiere. Alle Saxatilia sind – soweit bekannt – Höhlenbrüter mit Elternfamilie.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 669082 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tatia / Centromochlus orca ( = Ninja)

3. Juli 2026

Als vor einigen Jahren die ersten schwarz-weißen „Tatia“ im Zierfischhandel erschienen, wurden sie als Sensation gefeiert. Man identifiszierte diese aus Brasilien stammenden Fische als Tatia musaica. Im Jahr 2017 veröffentlichte ein Wissenschaftler-Team eine Studie über Centromochlus-Arten und beschrieb die bisher als Tatia musaica bekannte Art aus Brasilien (Einzug des Rio Nhamunda) als neue Art Centromochlus orca. Sie bestätigten allerdings Tatia musaica als gültige Art aus dem Rio Orinoko. Der „echte“ Tatia musaica unterscheidet sich farblich durch den höheren Schwarzanteil in der Färbung von C. orca (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/tatia-musaica-centromochlus-musaicus/). Verwunderung rief hervor, dass diese beiden einander so ähnlichen Arten in unterschiedlichen Gattungen untergebracht wurden. 

Leider hatte dieses Wissenschaftler-Team eine Arbeit von Steven Grant aus dem Jahr 2015 übersehen, in der Grant mehrere neue (Unter-)Gattungen aufstellte, darunter Sauronglanis für die damals als T. musaica  identifizierte Art. Jetzt gab es also schon drei Gattungsnamen für die kleinen (5-6 cm langen) schwarz-weißen Tatias!

Ein weiteres Wissenschaftler-Team veröffentlichte 2019 eine Studie über die verwandtschaftlichen Zuordnungen der Trugdornwelse, in der beide Arten (orca und musaica) wieder zu Tatia gestellt wurden, Sauronglanis wurde zum Synonym von Tatia erklärt.

Das blieb nicht unwiedersprochen; in einer 2020 veröffentlichten Studie wurden beide Arten wieder umgruppiert und diesmal in Centromochlus gestellt, sollten jetzt also C. orca und C. musaicus heißen. Und Grant ist noch nicht überzeugt, dass seine Gattung Sauronglanis wirklich ein Synonym ist, wie er in seinem 2021 erschienenen Buch über Bratpfannen-, Dorn- und Trugdornwelse schreibt.

Ungeachtet, wie man sie nun „vorneherum“ nennt: die schönen schwarz-weißen Trugdornwelse sind empfehlenswerte Aquarienfische. Sie mögen entsprechend ihrer Herkunft etwas höhere Temperaturen (26-30°C), das ist vor allem bei der Eingewöhnung wichtig. Kühler gepflegte Tiere neigen stärker zu Ichthyophthirius-Infektionen als wärmer gepflegte. Da Tatia/Centromochlus grundsätzlich nachtaktive Tiere sind, halten sie sich gerade am Anfang viel versteckt, so dass man eine Infektion oft erst bemerkt, wenn der Fisch schon wie Forelle Müllerin aussieht und stark geschwächt ist. 

Tatia/Centromochlus sind von Haus aus Insektenfresser, die in der Natur nachts auf das Wasser gefallene Landinsekten von der Wasseroberfläche holen; im Aquarium sind sie jedoch nicht sehr wählerisch und fressern Frost- und Lebendfutter und auch Granulate. Man sollte nur nicht zu fettreich füttern und Ballaststoffe sind wichtig. Alle Tatia/Centromochlus sind Höhlenbrüter mit innerer Befruchtung, d.h. die Weibchen legen ihre Eier in Abwesenheit des Männchens ab. Tatia/Centromochlus sind friedliche Fische, die sowohl mit Artgenossen wie auch mit artfremden Fischen grundsätzlich gut auskommen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 295851 (3-5 cm) und 295852 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Literatur:

Calegari, B. B., Vari, R. P. & R. E. Reis (2019): Phylogenetic systematics of the driftwood catfishes (Siluriformes: Auchenipteridae): a combined morphological and molecular analysis. Zoological Journal of the Linnean Society v. 187 (no. 3): 661-773.

Grant, S. (2015): Four new subgenera of Centromochlus Kner, 1858 with comments on the boundaries of some related genera (Siluriformes: Auchenipteridae: Centromochlinae). Ichthyofile No. 3: 1-16.

Grant, S. (2021): Banjos, Dorads and Woodcats. Aspredinidae, Doradidae and Auchenipteridae Catfishes. ATS-Aquashop, Neustadt am Rübenberge: 1-300.

Sarmento-Soares, L. M., Lazzarotto, H., Rapp Py-Daniel, L. H. & R. P. Leitão (2017): A new Centromochlus Kner, 1858 (Siluriformes: Auchenipteridae: Centromochlinae) from the transition between Amazon floodplain and Guiana shield, Brazil. Neotropical Ichthyology v. 14 (no. 4): 1-11.

Sarmento-Soares, L. M. & R. F. Martins-Pinheiro (2020): A reappraisal of phylogenetic relationships among auchenipterid catfishes of the subfamily Centromochlinae and diagnosis of its genera (Teleostei: Siluriformes). Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia v. 167: 85-146.

Marosatherina ladigesi

3. Juli 2026

Der Celebes-Sonnenstrahlenfisch, Marosatherina ladigesi, ist manchem Leser vielleicht noch als Telmatherina ladigesi in Erinnerung. Die Art lebt endemisch (also – weltweit gesehen – ausschließlich dort) in kühlen Karstbächen der Gegend um  Bantimurung, Maros-Karst, Sulawesi Selatan; Sulawesi gehört politisch zu Indonesien, zoogeografisch aber zur Australischen Region. Früher war die große Insel als Celebes bekannt.

Marosatherina ladigesi wird etwa 5-6 (selten bis 8) cm lang und ist ein friedlicher, lebhafter Schwarmfisch, der in härterem, gut gepuffertem Wasser gepflegt werden sollte. Ideal ist eine kräftige Strömung. Die Männchen entwickeln lang ausgezogene Flossenstrahlen in Rücken- und Afterflosse. Jedes Tier – Männchen wie Weibchen – hat eine individuell unterschiedlich gefärbte erste Rückenflosse mit unterschiedlich hohem Schwarzanteil. Während der Balz werden die Männchen rauchig-schwarz. Gelaicht wird in feinfiedrigen Pflanzen, Brutpflege üben diese Fische nicht aus.

Ein Schwarm von 10-20 Exemplaren ist ein herrlicher Anblick, den man so schnell nicht mehr vergisst. Die Tiere sind etwas empfindlich gegen Umsetzen, ansonsten aber leicht zu pflegen. Sie akzeptieren jegliches übliche Fischfutter, fressen aber am liebsten von der Oberfläche. Pflanzen werden nicht beschädigt. 

Die diesen Tieren früher nachgesagte besondere Empfindlichkeit besteht heute nicht mehr; das hängt vielleicht mit den stark verbesserten Transportbedingungen zusammen. Wichtig ist vor allem, dass der pH-Wert nicht stark schwankt und der angestrebte Bereich pH 7,5 bis 8,5 möglichst nicht erheblich unterschritten wird.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 461204 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachyplatystoma rousseauxii

3. Juli 2026

Die Welse der Gattung Brachyplatystoma gehören zu den wichtigsten und begehrtesten Speisefischen des Amazonas- und Orinokobeckens sowie der Guyana-Länder. Sie erreichen Längen bis zu 360 cm und werden über 200 kg schwer. Viele tausend Tonnen dieser Welse werden jährlich als Speisefische gelandet, was lokal zu Bestandsrückgängen und der Forderung nach nachhaltigem Management führte. Details zur Biologie vieler der Arten sind nur sehr lückenhaft bekannt.

Erst vor wenigen Jahren wurde eine neue Art dieser Goliath-Welse beschrieben, die zwar schon sehr lange bekannt ist, jedoch immer mit anderen Arten verwechselt wurde: Brachyplatystoma capapretum. In dieser Arbeit werden insgesamt 7 Brachyplatystoma-Arten unterschieden. Für Aquarianer als Bestimmungsmerkmal wichtig: nur die Brachyplatystoma-Arten haben als Jungfische bis zu körperlange, aus einem einzigen Flossenstrahl gebildete Schwanzflossenfilamente. Unter anderem aus diesem Grunde steht heutzutage der Tigerspatelwels in der Gattung Brachyplatystoma (früher hieß er Merodontotus tigrinum, jetzt B. tigrinum) und auch der frühere Goslinea platynemum heißt jetzt Brachyplatystoma platynemum.

Brachyplatystoma

Brachyplatystoma

Brachyplatystoma

Zu den unter Raubwels-Fans begehrtesten Arten gehört Brachyplatystoma rousseauxii, auch wenn diese das oft nicht wissen. Denn nur schleppend setzt sich die Erkenntnis durch, das der über Jahrzehnte benutzte Name B. flavicans falsch ist (es handelt sich dabei um ein Synonym von Zungaro zungaro). Und diese B. flavicans/rousseauxii haben Eigenschaften, die Raubfischfans und natürlich auch das Publikum von Schauaquarien und Zoo, zu denen die meisten dieser Import-Fische gehen, sehr schätzen: sie werden wirklich riesig groß, haben einen echte  Raubtiertcharakter und eine Persönlichkeit!

In der Natur gehört Brachyplatystoma rousseauxii, der in Bolivien, Ecuador, Französisch Guyana, Peru, Kolumbien und Venezuela vorkommt, zu den Arten mit der längsten Laichwanderung überhaupt. Vom Larvenstadium zum laichreifen Fisch (ab ca. 65 cm Länge) und zurück zum Laichplatz legt die Art bis zu 11.600 km zurück! 

Wir haben jetzt wieder einmal einige Jungtiere dieser bis zu 2 m langen Riesenwelse aus Kolumbien importieren können, die sicher bald die Besitzer von Riesenaquarien begeistern werden.

Für unsere Kunden: wir führen die Tiere unter der Codenummer 211100 (4-6 cm) bis 211106 (20-25 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: Lundberg, J. G. & A. Akama (2005): Brachyplatystoma capapretum: a New Species of Goliath Catfish from the Amazon Basin, with a Reclassification of Allied Catfishes (Siluriformes: Pimelodidae). Copeia 2005 (3): 492-516

Text: Frank Schäfer, Photos: Erwin Schraml & Frank Schäfer

Rhinogobius similis (R. giurinus)

3. Juli 2026

Die Bachgrundeln (Rhinogobius) sind als erwachsene Fische reine Süßwasserbewohner, die höchstens einmal im Brackwasser der Unterläufe von Fließgewässern gefunden werden; aber auch das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Mit ca. 170 beschriebenen Arten, wovon 85 allgemein als gültig angesehen werden, tut sich für Aquarianer mit Forscherdrang hier noch ein weites Feld auf; aus verständlichen Gründen ist in vielen Fällen ist die Bestimmung importierter Tiere hochgradig unsicher. Alle Arten lassen sich gut im Aquarium pflegen. Bei der Zucht gilt: gibt es solche Rhinogobius, die winzige Larven haben, die im Meer heranwachsen und solche, die große Larven haben, die im Süßwasser heranwachsen. Alle Arten sind Höhlenlaicher, das Männchen bewacht das Gelege bis zum Schlupf der Larven. Mit dem Freischwimmen der Larven endet die Brutpflege.

Eine Bachgrundel aus Vietnam wurde lange Zeit als Rhinogobius giurinus angesprochen. R. giurinus wurde 1897 von der Südostküste Chinas beschrieben. Kürzlich (2024) wurde eine Revision der Bachgrundeln Vietnams veröffentlicht und darin bestätigt, was bereits 2015 gezeigt werden konnte, nämlich dass R. giurinus ein jüngeres und damit ungültiges Synonym zu der bereits 1859 aus Japan beschriebenen Typusart der Gattung Rhinogobius, R. similis, ist. In der genannten Revision werden isngesamt 5 Arten Rhinogobius aus Zentralvietnam unterschieden; diese Region ist ein wichtiges Sammelgebiet für Zierfischfänger. Die Rhinogobius aus Vietnam, die wir gerade wieder einmal importieren konnten, lassen sich zwanglos der in den 2024er Arbeit illustrierten Art R. similis zuordnen. Auf unserer Stockliste führt die Spezies wegen früherer Importe noch den Namen R. giurinus, das hat technische Gründe. R. similis kommt in Ostasien weit verbreitet vor: Japan, Russland (Region Primorje), Korea, Taiwan, China und Vietnam. Auf den Philippinen und in Singapur gilt sie als eingeschleppt. 

Wie man anhand des weiten Verbreitungsgebietes leicht erkennen kann, ist R. similis eine der Arten, deren Larven sich in Brack- und Meerwasser entwickeln, obwohl erwachsene Tiere ausschließlich in Süßwasser leben. Die Männchen von sollen maximal 10 cm lang werden, die Weibchen mit weniger als 7 cm erheblich kleiner bleiben. Unsere Tiere sind aktuell etwa 5 cm lang. Die Männchen sind leicht erkennbar an den Bändern in Rücken- und Afterflosse, die den Weibchen fehlen. 

Bezüglich der Pflege konnten wir keine spezielllen Besonderheiten feststellen. Die Wasserwerte sind von untergeordneter Bedeutung, empfehlenswert sind pH-Werte zwischen 6,5 und 8,5, die Härte spielt keine Rolle, die Wassertemperatur kann zwischen 15 und 25°C betragen. Gefressen wird bei uns jedes mundgerechte Frost- und Lebendfutter, Granulat wird nur ungern angenommen. Die Tiere sind grundeltypisch etwas zänkisch und verteidigen einen Individualraum um sich herum. Wer darin eindringt, wird verscheucht. Da dieser Individualraum aber nur weniger Zentimeter beträgt, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Zu Verletzungen, Flossenschäden etc. kommt es bei uns nicht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 453467 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Maeda, K., H. Kobayashi, M. Iida & H. D. Tran (2024): Taxonomy of freshwater gobies of the genus Rhinogobius (Oxudercidae, Gobiiformes) from central Vietnam, with descriptions of two new species. Zootaxa 5493 (no. 5): 507-541.

Suzuki, T., K. Shibukawa, H. Senou & I-S. Chen (2015): Redescription of Rhinogobius similis Gill 1859 (Gobiidae: Gobionellinae), the type species of the genus Rhinogobius Gill 1859, with designation of the neotype. Ichthyological Research v. 63 (no. 2): 227-238 [1-12 bei der Online-Version].

Text & Photos: Frank Schäfer

Chilodus punctatus

26. Juni 2026

Es gibt vier Arten der kleinen Kopfsteher der Gattung Chilodus. Eigentlich sollte man sie relativ leicht auseinander halten könnten, denn zwei dieser Arten (Chilodus fritillus aus Peru und C. zunevei aus Französisch Guyana, Surinam und dem an Französisch Guyana angrenzenden Gebiet von Brasilien) haben niemals ein Längsband, die zwei anderen (C. gracilis aus Brasilien und Kolumbien und C. punctatus aus weiten Teilen Südamerikas) zeigen ein solches Längsband. Aber es ist in der Praxis, wie so oft, nicht ganz so einfach. Denn Chilodus punctatus kann dieses Längsband, je nach Stimmung, ein- oder ausblenden. Außerdem sieht C. punctatus, so wie er im Moment definiert ist, je nach Herkunft etwas unterschiedlich aus – was wohl niemanden verwundern dürfte. Wahrscheinlich ist es so, dass sich hinter dem Namen „Chilodus punctatus“ in Wirklichkeit nicht eine einzige Art mit nahezu flächendeckender Verbreitung im tropischen Südamerika ist – er ist gemeldet aus Brasilien, Bolivien, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Peru and Surinam – sondern dass es sich hier um einen ganzen Artenkomplex sehr ähnlicher Spezies handelt.

Dem Namen nach ist Chilodus punctatus, der Punktierte Kopfsteher, die häufigste Art im Hobby. Tatsächlich sah man ihn jedoch zumindest früher nur recht selten. Viel häufiger war hingegen Chilodus gracilis im Handel zu finden, und obwohl die Art erst 1988 formell wissenschaftlich beschrieben wurde, zeigen viele Abbildungen in aquaristischen Fachpublikationen vor 1950 diese Art. Chilodus gracilis unterscheidet sich von C. punctatus durch das immer vorhandene schwarze Längsband – er kann es nicht ausblenden. Dieses Längsband ist zudem relativ breit.

Aus den meisten Teilen Südamerikas erfolgen zur Zeit keine Importe von Chilodus, statt dessen sind fast alle Tiere im Handel Nachzuchten aus Indonesien. Da diese Fische ein Längsband haben und es zumindest zeitweise ausblenden können, werden sie als Chilodus punctatus bezeichnet. Wir zeigen in diesem Post auch ein paar Wildfänge aus früheren Jahren, um zu zeigen, wie unterschiedlich Chilodus stimmungsbedingt aussehen können.

Alle Chilodus-Arten werden 8-10 cm groß und sollten im Schwarm ab ca. 10-15 Exemplaren gehalten werden, sonst sind sie oft zänkisch. Pflanzen werden in der Regel angefressen. Man kann dem etwas vorbeugen, indem man nur sehr harte Gewächse (wie Anubias etc.) verwendet und viel Grünzeug füttert. Dazu eignen sich überbrühte Landpflanzen wie Löwenzahn am besten. Das Überbrühen macht die Blätter zarter. Man kann sie auch vor dem Verfüttern einfrieren, das hat einen ähnlichen Effekt. Außerdem sollte man Flockenfutter auf pflanzlicher Basis verwenden und gerne auch für L-Welse hergestellte Chips. Das Maul von Chilodus ist zum Knabbern geschaffen, solche Chips beschäftigen die Tiere und sorgen mit dafür, dass sie nicht auf dumme Gedanken kommen und ihren Trieb zum Knabbern an den Flossen von Mitbewohnern ausleben.

Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege von Chilodus innerhalb der für Zierfische normalen Parameter unwesentlich, in der Natur ist das Wasser in den Lebensräumen weich und sauer. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Chilodus sind Freilaicher ohne Brutpflege. Männchen sind kleiner und schlanker, sonstige Geschlechtsunterschiede sind nicht bekannt.

Für unsere Kunden: Die Nachzucht-Chilodus haben Code 217611 (2-3 cm) bis 217614 (5-7 cm), wilde haben Code 217601 bis 217605 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tateurndina ocellicauda

26. Juni 2026

Neu-Guinea gehört immer noch zu den relativ wenig erforschten Regionen der Erde. Die Süßwasserfische von dort fanden erst spät den Weg in die Aquarien. Unter ihnen ist die Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel, Tateurndina ocellicauda. Entdeckt wurde die kleine Art, die niemals größer als 5-6 cm wird, erst 1953. Anlässlich der vierten Archbold-Expedition sammelte Hobart M. Van Deusen die ersten Exemplare im Peria Creek, Kwagira River, etwa 10 Meilen von der Küste entfernt, in tümpelartigen Abschnitten. 1955 be­schrieb John T. Nichols vom American Mu­seum of Natural History die Grundel in einer neuen, eigens für sie aufgestellten Gattung, nämlich Tateurndina, als T. ocelli­cauda. Bis heute ist sie die einzige Art dieser Gattung geblieben. 

Für eine Süßwassergrundel ist die Pastell­grundel ganz außergewöhnlich bunt. Und sie hat eine absolut ungewöhnliche Lebens­weise. Meist sind Grundeln nämlich Boden­fische, die Pastellgrundel aber schwimmt frei im Wasser. Von ihrer Farbigkeit ahnte Nichols nicht das geringste, als er die neue Art be­schrieb. Seine in Alkohol konservierten Exemplare waren nämlich nur bräunlich, heller am Bauch. Das einzige, auffallende Farbmerkmal, das sie aufwiesen, war der große, teilweise hell eingefasste Schwanz­wurzelfleck, der dann auch als Inspiration für den Artnamen diente: „ocellicauda“ be­deutet „mit Augenfleck am Schwanz“. Dieser Augenfleck ist beim lebenden Tier aber gar nicht so augenfällig. Dagegen sind die herrlich roten, senkrechten Steifen auf blauem Grund auf den Körperseiten und die rot getupften, leuchtend gelb eingefassten Flossen echte Hingucker und machen die Pastellgrundel zu einem der schönsten Aquarienfische von Papua. Der Kopf ist der Hammer! Die Geschlechter sind bei der Pastellgrundel schon recht früh zu unterscheiden: Männchen haben einen flacheren Bauch als die Weibchen. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Männchen einen immer höheren Kopf, bis sie im Alter schließlich fast etwas grotesk aussehen. Der Kopf erinnert zum Schluss etwas an den der Goldmakrelen oder Dolphins (Coryphaena). Es ist kein besonderer Zweck für diese Kopfform bekannt. Es gibt Buckelköpfe aber auch bei allerlei anderen Fischarten, vor allem Buntbarschen, aber auch Labyrinthfischen. Es sind vermutlich reine Luxusbildungen, ähnlich der prachtvollen Schwanzschleppe des Pfaus und dient in erster Linie dazu, die Frauen anzumachen und die anderen Männer einzuschüchtern.

Aquaristisch wurde die Pastellgrundel erst spät, in den 1980er Jahren, bekannt. Sie eroberte aber die Herzen der Liebhaber im Sturm, denn sie vereint viele positive Eigenschaften in sich: sie ist stets sichtbar und sehr farbig; sie ist völlig anspruchslos in Bezug auf die Wasserzusammensetzung und die Fütterung; sie ist (zumindest meistens) friedlich; und sie ist leicht zu züchten. Und letzteres macht sie wiederum zu einer ungewöhnlichen Grundel. Die allermeisten Grundelarten kommen sehr unterentwickelt zur Welt. Wenn sie schlüpfen, sind es kaum entwickelte Larven, die sich mit den Meeresströmungen treiben lassen und im Plankton heranwachsen. Das tun sogar die meisten Süßwassserarten. Sie laichen zwar im Süßwasser ab, die Larven werden aber mit der Strömung der Bäche und Flüsse ins Meer gespült. Bei Tateurndina ist das anders: Die Larven schlüpfen nach ca. 10 Tagen aus den vergleichsweise riesigen Eiern und obwohl sie frei im Wasser schwimmen und nur wie Glassplitter aussehen, können sie bereits gut genug schwimmen, um in der Nähe des Geburtsortes zu bleiben, wo sie auch heranwachsen.Das Männchen bewacht alleine das Gelege, das Weibchen hat nichts mit der Brutpflege zu tun. Man entfernt das Weibchen darum nach der Eiablage.

Die Pastellgrundel eignet sich grundsätzlich hervorragend für Gesellschaftsbecken. Es ist dabei gleichgültig, wie viele Exemplare wel­chen Geschlechts im Becken schwimmen, untereinander sind sie immer friedlich. Nur gegenüber manchen Fremdfischen mit lang ausgezogenen Flossen können sie oft nicht widerstehen und knabbern die Flossen an. Gerade der geografisch und bezüglich der Größe so gut passende Iriatherina werneri (Fili­gran- oder Prachtregenbogenfisch) sollte darum nicht mit Pastellgrundeln gemeinsam gepflegt werden. Gut geeignete Gesell­schafter sind hingegen Regenbogenfische der Gattung Melanotaenia, Barben, Salmler, Leuchtaugenfische, Welse, Zwergbunt­barsche oder Schmerlen. Man kann Tate­urndina mit Trockenfutter, Frostfutter und Lebendfutter füttern, sie lässt sich alles schmecken, nur für Pflanzen als Nahrung inter­essiert sie sich nicht. Aber dagegen hat schließlich kein Aquarianer etwas ein­zuwenden….

Für unsere Kunden: die Tiere haben, ja nach Größe, Code 461001 (sm) bis 461004 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Spatuloricaria tuira

26. Juni 2026

Die Gattung Spatuloricaria besteht aus 13 wissenschaftlich beschriebenen Arten. Die Gattung hat ein extrem weites Verbreitungsgebiet vom Süden Südamerikas (Argentinien, Paraguay, Uruguay, südliches Brasilien) bis nach Panama im Norden. Es gibt sie zudem auf beiden Abdachungen der Anden. 11 der 13 Arten wurden bis 1945 beschrieben, erst 70 Jahre später kamen zwei neue Arten hinzu: S. tuira aus den Flüssen Xingu und Tapajós in Brasilien (2014) und S. terracanticum aus dem Einzug des Orinoko (2018). Leider sind diese beiden jüngsten Arbeiten, in denen die neu zu beschreibenden Arten notwendigerweise gegen die bestehenden Arten abgegrenzt werden müssen, teils etwas widersprüchlich. Außerdem ist mindestens eine sehr charakteristisch gefärbte Art aus Peru offenbar noch nicht wissenschaftlich erfasst, wird aber ab und zu importiert (siehe:https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/spatuloricaria-sp-black-white-peru/). 

Die Art Spatuloricaria tuira aus Brasilien (Xingu- und Tapajós-Einzug) ist die kleinste Art der Gattung. Geschlechtsreife Männchen haben in der Natur eine Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) zwischen etwa 9 und 15 cm. Hinzu kommt bei allen Spatuloricaria noch das sehr lange Filament an der Oberkante der Schwanzflosse. Im Aquarium werden sie wahrscheinlich etwas größer, bleiben aber trotzdem handlich. Die Art S. tuira ist gut zu bestimmen, denn sie hat eine völlig nackten Bauch. Dieses Merkmal hat innerhalb der Gattung sonst nur S. nudiventris (Einzüge der Flüsse La Plata und Sao Francisco in Argentinien und Brasilien), bei allen anderen Spatuloricaria befinden sich am Bauch Knochenplättchen. Von S. nudiventris unterscheidet sich S. tuira leicht durch die Anzahl der Querbinden am Rücken: fünf bei S. tuira gegenüber vier S. nudiventris. 

Männchen von Spatuloricaria entwickeln zur Brutzeit einen enormen „Backenbart“, der sich nach der Brutperiode wieder zurückbildet. Spatuloricaria sind Höhlenbrüter, die gerne an der Unterseite von flachen Steinplatten laichen. Zuchtberichte finden sich in der Zeitschrift Amazonas, Heft 12 (7/8, 2007) auf den Seiten 47-55.

Spatuloricaria sind Gemischtköstler mit einem Schwerpunkt auf tierischen Futtermitteln. Daneben kann aber gelegentlich auch z.B. Flockenfutter auf Basis pflanzlicher Stoffe gereicht werden. Die langen, gekrümmten Fangzähne im Oberkiefer deuten darauf hin, dass diese Art in der Natur vor allem Schnecken frisst, denn solche Zähne machen nur in diesem Zusammenhang Sinn: zum Herausziehen des Weichkörpers der Schnecke aus dem Gehäuse. Aquarienbeobachtungen zu dem Thema stehen noch aus.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 293794 (8-14 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Fichberg, I., O. T. Oyakawa & M. C. C. de Pinna (2014): The end of an almost 70-year wait: a new species of Spatuloricaria (Siluriformes: Loricariidae) from the Rio Xingu and Rio Tapajós basins. Copeia 2014 (no. 2): 317-324.

Londoño-Burbano, A., A. Urbano-Bonilla, Y. Rojas-Molina, H. Ramírez-Gil & S. Prada-Pedreros (2018): A new species of Spatuloricaria Schultz, 1944 (Siluriformes: Loricariidae), from the Orinoco River basin, Colombia. Copeia v. 106 (no. 4): 611-621.

Text & Photos: Frank Schäfer

Moenkhausia agnesae

26. Juni 2026

Aus Peru erhalten wir immer wieder einmal die fantastische Moenkhausia agnesae. Es handelt sich um eine größere Salmlerart, die aufgrund ihrer Robustheit gut mit Buntbarschen und Welsen gepflegt werden kann. Die erreichbare Maximallänge wird mit etwa 8 cm angegeben.

  

Früher wurde diese Salmlerart häufig mit Moenkhausia simulata (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/moenkhausia-simulata/) verwechselt. Bei M. simulata sind die waagrerechten Streifen am Körper jedoch alle schwärzlich, während sie bei M. agnesae im Rückenbereich rötlich sind. Sehr ähnlich ist auch Hyphessobrycon hexastichos (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-hexastichos/)

Für unsere Kunden: die Fische haben, je nach Größe, Code 268572 (2-3 cm) bis 268575 (5-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Guppy Endler Super Red Yellow Top

19. Juni 2026

Eine ganz bezaubernde neue Zuchtvariante haben wir aus Thailand erhalten: Super Red Yellow Top. Es handelt sich um einen Endler-Typ (Poecilia wingei), also klein und zierlich. Alle Männchen sehen ziemlich einheitlich gefärbt aus, die Varianz ist nur sehr gering und beschränkt sich im Wesentlichen auf den hellen Schulterstreifen. Woher allerdings die im Namen gewählte Zusatzbezeichnung „Yellow Top“ (also gelbe Oberseite) kommt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Der Rücken der Männchen ist wildgrau und dunkelt – das ist typisch für Endler – bei der Balz in ihrer intensivsten Phase nach. Auch die Rückenflosse kann dann schwarz werden. Sehr auffällig ist die Schwanzflossenfärbung. Die Oberkante ist weiß, im transparenten Teil sind orangefarbene Punkte, von denen der unmittelbar am Schwanzflossenansatz gelegene besonders groß und sehr auffällig ist. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 419027 auf unserer Stockliste. Wir erhalten Männchen und Weibchen dieser Variante, die bei uns im Haus getrennt untergebracht sind. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Astronotus cf. crassipinnis „Bumble Bee“

19. Juni 2026

Bei kaum anderen Gattung südamerikanischer Großbuntbarsche herrscht bezüglich der Artabgrenzung derartige Verwirrung, wie bei den Oskars (Astronotus). Lange Zeit wurden nur zwei Arten allgemein anerkannt, nämlich A. ocellatus und A. crassipinnis. Es gibt aber augenscheinlich erheblich mehr Arten; gegenwärtig (2026) sind A. crassipinnis, A. mikoljii und A. ocellatus allgemein akzeptiert, A. rubroocellatus und A. zebra nur mit Fragezeichen. Genetisch kann man mindestens 6 verschiedene Arten unterscheiden, aber es bleibt unklar, wie sie benannt werden müssen.

Die Unterscheidung der Oskar-Arten ist also ausgesprochen kniffelig und gelingt mit Sicherheit nur mit molekularbiologischen Methoden (DNS-Analyse). Allerdings ist die Jungfischfärbung von drei der als gültig angesehenen Arten sehr verschieden. Den „gewöhnlichen“ Oskar, A. ocellatus, kennt man ja hinlänglich aus dem Zoofachhandel, A. rubroocellatus sieht als Baby genauso aus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus-rubroocellatus-rio-negro/). A. crassipinnis-Jungtiere sind sehr auffällig gelb-schwarz-gefärbt („Bumble-Bee-Oskars“) – sie zeigen wir in diesem Beitrag – und A. mikoljii-Kinder sind sehr bunt (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus-mikoljii-3/)

Ab und zu importieren wir sehr hübsche, junge Oskars aus Brasilien, die unter dem Namen „Astronotus crassipinnis“ angeboten werden. Die Art A. crassipinnis gibt es in Brasilien, aber es gibt keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob die Artzuordnung stimmt. Wir vermuten, es handelt sich bei den Tieren um Nachzuchten, höchstwahrscheinlich aus der Aquakultuur für Speisefische. Wegen der oben geschilderten Unsicherheiten bezeichnen wir diese Tiere als Astronotus cf. crassipinnis „Bumble Bee“.

Die bildschönen Fische zeigen das typische Verhalten aller Astronotus-Kinder: sie haben ein starkes Bedürfnis, mit Artgenossen zusammen zu sein. Die auffällige Färbung aller jungen Oskars ist in Wirklichkeit eine Tarnfärbung. Die Tiere schließen sich nämlich in größeren Verbänden zusammen und schwimmen so eng beieinander, dass sie für einen potentiellen Angreifer wie ein einziger, großer Fisch aussehen. 

Der Verlust der Kinderzeichnung deutet sich dadurch an, dass die Tiere ihren typischen Augenfleck auf der Schwanzwurzel entwickeln. Von da an fangen die jungen Oskars an, eher einzeln (bzw. in Kleinverbänden) zu leben. Der Augenfleck dient wiederum dazu, Angreifer (die sich beim Beutemachen nach dem Auge des Opfers orientieren) in die Irre zu führen. Oskars fressen ab dieser Größe selbst am liebsten kleine Fische, nehmen aber im Aquarium auch jede andere Sorte kräftigen Futters fleischlicher Natur.

Wie diese Bumble Bee Oskars aus Brasilien als voll erwachsene Fische aussehen, wissen wir nicht. Man kann aber mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass auch diese Astronotus-Art etwa 25-30 cm lang wird. Allerdings können wir gelegentlich größere Wildfang-Oskars (15-18 cm) aus Paraguay importieren, die wir für A. crassipinnis halten und die ebenfalls eine sehr markante und von den allgemein bekannten Oskars abweichende Zeichnung haben, die aus einer senkrechten Gelb-Schwarz-Färbung besteht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 632302 (4-6 cm) bis 632307 (15-18 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Farlowella amazonum Nachzucht

19. Juni 2026

Der Nadelwels Farlowella amazonum wird deutlich seltener als einige seiner Gattungsgenossen importiert. Wildfänge der Art stellen wir hier vor: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/farlowella-amazonum/, allgemeine Pflegehinweise finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/farlowella_platorhynchus_de/

Die Nachzucht von Farlowella ist an sich nicht schwieriger als die anderer offenbrütender Harnischwelse wie z.B. Sturisoma und Co. Sie wird aber selten praktiziert, weil der allgemeine Bedarf durch Wildfänge gut gedeckt ist. Aber bei selteneren Arten sieht das etwas anders aus, so z.B. bei F. amazonum. Dabei soll „selten“ nicht heißen, sie seien in der Natur selten. Das sind sie nicht. Aber sie werden von den Fängern in Brasilien nur selten mitgebracht. Darum freuen wir uns, nun erstmals Nachzuchten dieser schönen Art anbieten und damit die Bedarfslücke decken zu können.

Für unsere Kunden: die Nachzuchtexemplare von F. amazonum haben Code 253644 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW162 Rena

19. Juni 2026

Als „Kindchenschema“ bezeichnet man in der Verhaltenskunde eine Kombination von körperlichen Merkmalen, die beim Betrachter instinktive Reaktionen hervorrufen, die eigentlich nur durch Junge der eigenen Art ausgelöst werden können: Beschützerinstinkte. Außerdem findet man Babys allgemein niedlich und steht ihnen positiv gegenüber. Zum Kindchenschema gehören u.a. ein pummeliger Körperbau, große Augen und ein verkürzter Gesichtsschädel. Bei Fischen findet man eher selten Arten, die dem Kindchenschema entsprechen. Am häufigsten tritt das Phänomen bei bestimmten Zuchtformen des Goldfisches auf. Aber der rare und neue Panzerwels CW162, den wir Ihnen hier vorstellen, hat auch etwas davon.

CW162 ist zweifellos ein Vertreter der Gattung Hoplisoma. Am ähnlichsten ist er H. eversi und H. multimaculatum, es gibt aber farbliche Unterschiede; zudem ist das Vorkommensgebiet von CW162 weitab von denen der beiden genannten Arten. Genaueres ist noch nicht bekannt, jedoch wird CW162 im oberen Einzug des Rio Tapajós in Brasilien gefunden. Die ersten Tiere wurden von den Exporteuren als „Corydoras Rena“ angeboten; was dieser Name bedeuten soll, wissen wir nicht. Was uns besonders auffällt ist die gedrungene Gestalt dieser Art. Es sind richtig nette Pummelchen! Das ist keine Artefakt, das auf zu üppige Nahrung zurückzuführen ist. Obwohl unsere Tiere deutsche Nachzuchten sind: bereits die Wildfänge hatten diese charakteristische Körperform.

Für unsere Kunden: CW162 hat Code 248802 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Balantiocheilos melanopterus

19. Juni 2026

Zu den beliebtesten Zierfischen Asiens gehört die Haibarbe, Balantiocheilos melanopterus. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst die großen Sundainseln Sumatra und Borneo, sowie die Malaiische Halbinsel. Die Typuslokalität der bereits 1850 als Barbus melanopterus beschriebenen Art ist Bandjarmasin auf Borneo. Aquaristisch bekannt wurde sie allerdings erst über 100 Jahre später. Erste Importe nach Deutschland erfolgten 1959 aus Thailand. Man war so begeistert von den Fischen, dass die DDR-Zeitschrift Aquarien-Terrarien sogar ein Farbfoto spendierte. 

Bis vor relativ kurzer Zeit (2007) glaubte man, es gäbe nur eine Art der Haibarben, nämlich Balantiocheilos melanopterus (oft wird der Gattungsname falsch mit -us am Ende geschrieben). Dann beschrieben die Wissenschaftler Ng und Kottelat eine zweite Art, nämlich B. ambusticauda. Die beiden Arten unterscheiden sich als Jungfische nicht voneinander, nur bei erwachsenen Exemplaren (B. ambusticauda wird 20, B. melanopterus 35 cm lang) gibt es einen deutlichen Unterschied in der Kopfform (speziell Interessierte seien auf die Originalbeschreibung von B. ambusticauda verwiesen: Ng, H.H. & M. Kottelat (2007): Balantiocheilos ambusticauda, a new and possibly extinct species of cyprinid fish from Indochina (Cypriniformes: Cyprinidae). Zootaxa 1463: 13-20, http://www.mapress.com/j/zt/article/view/zootaxa.1463.1.2). In dieser Beschreibung genannte Farbunterschiede zwischen B. ambusticauda und B. melanopterus bezüglich der After- und Bauchflossenfärbung treffen jedoch nur bedingt zu, denn historische Fotos von B. ambusticauda wie das oben zitierte Farbfoto aus der Aquarien-Terrarien lassen sie nicht erkennen.

B. ambusticauda stammte aus der Umgebung des Bung Borapet in Thailand. Man muss das in der Vergangenheitsform schreiben, denn die Art gilt derzeit als ausgestorben. In Thailand werden Haibarben zwar seit den 1980er Jahren gezüchtet, aber der Zuchtstamm geht auf aus Indonesien importierte Exemplare zurück, es handelt sich also um „echte“ B. melanopterus. Auch in Indonesien gilt die Haibarbe als gefährdete Art. Da seit Dekaden keine Wildfänge mehr als Zierfisch gehandelt werden, kann der Fang für diese Zwecke als Gefährdungsursache ausgeschlossen werden.

Haibarben sind verhältnismäßig große Fische. Das Rekordmaß von etwa 35 cm wird natürlich nur alle Jubeljahre mal erreicht, aber auf 15-20 cm wachsen normal gepflegte Tiere regelmäßig heran. Ein großes Aquarium ist also Voraussetzung für die Pflege; es sollte immer ca. 10x so lang wie das größte Tier im Trupp sein, denn Haibarben sind Schwarmfische und sollten stets in Gruppen ab 5 Exemplaren aufwärts gepflegt werden. Dann sind sie wegen ihrer stets straff offen getragenen Flossen herrliche Blickfänge im Aquarium. Es sind friedliche Tiere, die mit jedem Leitungswasser zufrieden sind. Die Temperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen, etwas mehr oder weniger schadet auch nicht, wenn es nicht dauerhaft so ist. Haibarben sind gierige Allesfresser, die auch zarte Pflanzenteile beknabbern. Man sollte ballaststoffreich und proteinarm füttern. Unmäßig dicke Haibarben sieht man leider viel zu oft. Das ist häßlich, ungesund und verkürzt die Lebensdauer erheblich, die im Aquarium bis zu 13 Jahren betragen kann.

Für unsere Kunden: Haibarben haben Code 368601 (3-4 cm) bis 368607 (12-15 cm) für importierte Nachzuchtexemplare und 368612 für EU-Nachzuchten (4-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Minigurami „Vietnam“

12. Juni 2026

Eine buchstäblich kleine Sensation erreichte uns aus Vietnam: ein neuer Miniaturgurami, der zu keiner bislang beschriebenen Gattung oder Art gehört. Und die Zwerge, sie werden nur 1-2 cm lang, sind auch noch außerordentlich hübsch!

Entdeckt wurden die Tierchen von vietnamesischen Naturfreunden, die sie zuerst im September 2025 fanden. Das Vorkommensgebiet liegt in Zentralvietnam, unweit der bekannten Kaiserstadt Hue. Das Biotop ist in der englischen Liebhaberzeitschrift „Labyrinth“, dem Organ der Anabantoid Association of Great Britain (AAGB) abgebildet (Heft 216, Frühjahr 2026: 7-8). Es handelt sich um einen recht offenen Lebensraum am Fuß von einem Gebirgszug. Die chemische Wasserzusammensetzung: 22-26°C, TDS 40 (das sind etwa 2° dGH), pH 5,5.

Die neue Art ist sicherlich am engsten verwandt mit Parosphromenus (Prachtzwergguramis). Wie diese und deren enge Cousins, die Spitzschwanzmakropoden (Pseudosphromenus und Malpulutta) sind die neuen Minis Höhlenbrüter – denn die Zucht ist bereits gelungen! Leider können wir noch nichts sicheres über Geschlechtsunterschiede sagen. In neutraler Färbung haben die neuen Minis zwei Längsbänder auf beigefarbenem Grund. Wenn sie in Stimmung kommen verschwindet das dunkle Rückenband und wird durch ein ziegelrotes Band ersetzt. Entlang des mittleren Längsbandes haben die vermutlichen Männchen blaue Glitzerschuppen, während der Brutpflege wird der Bauch blitzeblau. Aber wir haben noch kein Merkmal gefunden, das es erlauben würde, die Geschlechter sicher zu unterscheiden, vor allem nicht, wenn man sie fangen will, denn dann verlieren sie schlagartig jede Farbe.

Wir schätzen den neuen Zwerg, für den der treffende, aber wissenschaftlich nicht gültige Name „Microsphromenus sp. Vietnam“ (oder auch „M. sp. XD 11“ oder „Pho Xua Gourami“) im Umlauf ist, als Spezialistenfisch ein. Diese Mini-Tiere sind aquaristisch wahrscheinlich am ehesten mit dem gleichfalls winzigen Parosphromenus ornaticauda zu vergleichen. Die Jungfischanzahl pro Gelege ist gering, auf einem Foto konnten wir 12 Larven auszählen. Die gute Nachricht: höchstwahrscheinlich werden die neuen Zwerge dafür ziemlich alt, mehrere Jahre sind zu erwarten, wenn sie ökologisch analog zu den Paros aufgestellt sind.

Als Nahrung bieten sich – wiederum analog zu den Paros – Artemia-Nauplien als Futterbasis an. 

Von allem anderen abgesehen: dass so ein Zwerglabyrinther dieses Verwandtschaftskreises, über 1.200 Kilometer weiter östlich vom nächsten Paro-Fundort in Thailand, in einem ichthyologisch doch recht gut untersuchten Gebiet entdeckt wird, ist schlicht und ergreifend sensationell. Bleibt zu hoffen, dass die wenigen Exemplare, die jetzt auf dem Zierfischmarkt verfügbar sind, zu guten Züchtern gelangen, die einen Aquarienstamm des neuen Minigurami aufbauen können.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 430203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Minh Thu, Wentian Shi, Le Duy Thinh & Bui Manh (2026): A new micro-osphromenoid from Vietnam. AAGB Labyrinth #216: 7-8.

Text & Photos: Frank Schäfer

Limia vittata

12. Juni 2026

Einen ganz entzückenden Lebengebärenden erhalten wir von einem Züchter aus Thailand: Limia vittata. Aquaristisch ist diese Art, die ursprünglich aus Kuba stammt, zwar schon sehr lange bekannt: als Erstimportdatum wird 1913 genannt. Im Hobby sind die Tiere aber nur sporadisch erhältlich.

Das ist kaum zu verstehen, denn jedes Tier hat ein individuell unterschiedliches Tupfenmuster, wodurch sich ein Schwarm sehr ansprechend präsentiert. Mit bis zu 10 cm Länge gehören die Weibchen zu den größten Arten der Lebendgebärenden Zahnkarpfen überhaupt, wenn diese Angabe denn stimmt. Manchmal kann man sich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass auch früher schon manchmal den Autoren „die Gäule durchgingen“ und sie etwas Anglerlatein poduzierten… aber auf jeden Fall sollte man den Tieren möglichst große Aquarien zur Verfügung stellen, damit sie auswachsen können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 424892 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ptychochromis insolitus

12. Juni 2026

Zu den seltensten Tieren der Welt zählt dieser Madagaskar-Cichlide, der erst 2006 wissenschaftlich beschrieben wurde und schon 2013 musste man befürchten, dass er ausgestorben sei. Es gab ihn nur in einem einzigen Fluss auf Madagskar, dem Mangarahara, nach dem der Barsch auch Mangarahara-Buntbarsch genannt wird. Ein Staudammprojekt und übermäßige Wasserentnahme für die Landwirtschaft ließ den Fluss austrocknen. Mit dem Fluss starben alle Fische, die in ihm lebten. Es grenzt an ein Wunder, dass man im Amboaboa-Becken in einem Restwasseergebiet noch einige wenige lebende Exemplare von Ptychochromis insolitus entdeckte und mit ihnen die Zucht gelang. Engagierte Naturschützer, darunter auch viele private Aquarianer, versuchen heute, diesen letzten Rückzugsort auf Madagaskar zu schützen. Gleichzeitig baut man ein Erhaltungszuchtprogramm für die Fischart auf. 

Beide Aktionen sind erfolgreich. Auch wir können gelegentlich einige Nachzuchtexemplare dieses Offenbrüters mit Mutterfamilie anbieten. Wir wünschen uns sehr, dass die Tiere Teil des Erhaltungszuchtprogrammes werden und dass sich die künftigen Besitzer im Citizen Conservation-Projekt beteiligen (https://citizen-conservation.org/arten/mangarahara-buntbarsch/?cookie=ok). Denn die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt zwar einerseits, dass es gut gelingt, ohne Inzuchtschäden Fischarten über Jahrzehnte, ja sogar über ein Jahrhundert hinweg gesund im Aquarium zu züchten, aber bei Arten, wie dem Mangarahara-Buntbarsch, der  nicht unbedingt dem Idealbild eines „Zierfisches“ entspricht, bedarf es doch besonderer Anstrengungen.

Ptychochromis insolitus wird etwa 15 cm lang. Man pflegt ihn am besten in einer Gruppe in relativ großen Aquarien (500l), da diese Art – typisch Buntbarsch – auch mal etwas robust gegen Artgenossen sein kann. Dann ist es gut, wenn sich die Prügel auf mehrere Tiere verteilt und diese auch Platz haben, auszuweichen. Aus dem Trupp findet sich auch am leichtesten ein Paar, das gut miteinander harmoniert und schließlich dafür sorgt, dass der Mangarahara-Buntbarsch nicht endgültig von unserem Planeten verschwindet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 574152 (4-6 cm), 574153 (6-8 cm) und 574154 (8-10cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer und H. Zell

Hoplisoma rikbaktsa (CW154)

12. Juni 2026

Wir können diesen ungewöhnlichen, erst im Jahr 2020 entdeckten Panzerwels aus Brasilien als deutsche Nachzucht anbieten. Hoplisoma rikbaktsa ist nur aus einem kleinen Verbreitungsgebiet aus dem oberen Einzug des Rio Tapajós bekannt. Benannt wurde die Art nach dem dort ursprünglich einmal lebenden Volk der Rikbaktsa (auch als Rikbakta oder Erikbaktsa bezeichnet), das während der 1960er Jahre durch eingeschleppte Krankheiten nahezu ausgelöscht wurde.

Die dunkle Gesichtsmaske ist ein optisch sehr auffallendes Merkmal der Art. In der wissenschaftlichen Erstbeschreibung wird die Art darum vor allem mit den Arten atropersonatus, griseus und sychri vergleichen, die ebenfalls eine solch prominente Gesichtsmaske aufweisen. Ein erfahrener Aquarianer wird H. rikbaktsa aber kaum mit diesen Arten verwechseln, dazu sehen sie einfach zu unterschiedlich aus.

Erwähnenswert ist, dass H. rikbaktsa einen Geschlechtsunterschied aufweist, den man sonst eher von Langschnäuzern (also „echten“ Corydoras) und der Gattung Scleromystax kennt: die Männchen haben mit ca. 3 – 3,5 cm Standardlänge Odontoden (also Hautdornen, vereinfacht ausgedrückt: einen Bart) auf den Wangen, am Schultergürtel und entlang der Brustflossenstacheln. Die Färbung der Tiere ist etwas variabler, als man anhand der Erstbeschreibung annehmen könnte. Entlang der Körpermitte kann ein dünnes Längsband verlaufen, das aber auch in einzelne Flecken aufgelöst sein kann. Die maximal erreichbare Größe liegt wahrscheinlich bei ca. 5 cm. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 243022 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Lima, F. C. T. & M. R. Britto (2020): A new Corydoras (Ostariophysi: Siluriformes: Callichthyidae) with an unusual sexual dimorphism from the rio Juruena basin, Brazil. Zootaxa 4742 (no. 3): 518-530.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nothobranchius rubripinnis

5. Juni 2026

Nothobranchius rubripinnis ist eine der wunderschönen Arten der Prachtgrundkärpflinge. Sie wurde 1983 von reisenden Aquarianern (Wischmann und Seegers) im Küstenbereich von Tanzania, ca. 40 km südlich von Dar es Salaam, Einzugsgebiet des Mbezi River, entdeckt und auch lebend mit nach Deutschland gebracht. Dieser Stamm ist unter Killifisch-Spezialisten als „TZ 83/5“ bekannt. Einer der beiden Sammler, Lothar Seegers, beschäftigte sich auch wissenschaftlich mit diesen Fischen. Auf einer zweiten aquaristischen Forschungsreise 1985 (Roth, Wildekamp und Seegers) konnte eine weitere Population dieser noch unbeschriebenen Art  am Rand eines Reisfeldes gefunden werden. Hydrologisch gehört das Gebiet des zweiten Fundortes – er wird als „KTZ 85/28“ bezeichnet – zum Einzugsgebiet des Mbemkuru River. Eine dritte Aufsammlung aus dem Jahr 1994 (TZ 94/1), wie die erste aus dem Einzug des Mbezi River, erbrachte eine etwas bulligere Form, die auch farblich etwas abweicht. Bei TZ94/1 ist der Kopf intensiver rot gefärbt, der Körper weniger genetzt und im hinteren Teil des Körpers  erscheinen zwischen Rücken- und Afterflosse senkrechte Streifen. Im Jahr 1986 beschrieb Lothar Seegers die Art wissenschaftlich als Nothobranchius rubripinnis auf Basis der beiden bis dahin bekannten Aufsammlungen.

In der Natur leben diese Fische wohl nie länger als ein etwa halbes Jahr, auch wenn sie im Gewässern vorkommen können, die deutlich länger Wasser führen. Die Lebens- und Laichzeit scheint sich auf die Monate Dezember (Schlupf) bis Anfang Juli (Tod) zu beschränken. Glücklicherweise gilt gerade diese Killifisch-Schönheit als sehr produktiv und die gelegentlich in den Handel gelangenden Nachzuchttiere lassen sich auch heute noch den oben genannten Fundorttypen zuordnen. Die Bilder dieses Posts zeigen jüngere Exemplare von KTZ 85/28, die wir im Jahr 2008 anbieten konnten, und Tiere von TZ 94/1, die wir aktuell im Stock haben. Obwohl wir die Fische vom Züchter ohne Fundortinformation bekommen haben, zeigt sich doch, dass die typischen Merkmale über Jahrzehnte der Aquarienzucht stabil bleiben.

Einen Nachteil von Nothobranchius rubripinnis wollen wir nicht verschweigen, zumal er wahrscheinlich der Grund ist, weshalb diese schöne Art nur so selten im „normalen“ Zierfischhandel auftaucht. Die Männchen sind nämlich nicht nur feurige Liebhaber, sie raufen auch gern miteinander. Darum haben die allermeisten Tiere leichte Defekte an den Flossen, vor allem an der Schwanzflosse. Das ist zwar harmlos und heilt auch problemlos ab, ist aber optisch eine Beeinträchtigung. Glücklicherweise lassen sich echte Aquarianer aber von so etwas nicht abschrecken. Und so kann man hoffen, dass uns Nothobranchius rubripinnis auch weitere 40 Jahre im Aquarium aus Nachzuchten erhalten bleibt, denn Wildfänge aus Tanzania gibt es nicht im Handel.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 338203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apricaphanius saourensis

5. Juni 2026

Aquarien werden mehr und mehr zur letzten Überlebensbastion für kleine Fischarten. Leider nimmt der Verlust an Artenvielfalt ( = Biodiversität) durch Umweltveränderung ja immer dramatischere Ausmaße an und viele Arten müssen bereits auf die Stufe „vom Aussterben bedroht“ oder gar „in der Natur ausgestorben“ kategorisiert werden, kaum, dass man ihre Existenz entdeckt hat.

Der kleine Killifisch Apricaphanius saourensis ist ein gutes Beispiel dafür. Die drei Vertreter der Gattung Apricaphanius kommen am westlichen Mittelmeer vor. Lange Zeit galt A. iberus – der Spanienkärpfling – als einer der wenigen europäischen Vertreter der Killifische. Eine Form des Spanienkärpflings von der atlantischen Seite des Landes, die man zwar schon länger kannte, aber für eine Farbvariante von A. iberus hielt, wurde 2002 mit modernsten Methoden als eigenständige Art erkannt und als A. baeticus beschrieben. Eine weitere „Variante“ von A. iberus, die man nur aus einer einzigen Oase (Igli) in Nordwest-Algerien kannte, wurde 2006 als A. saourensis beschrieben. Über ihre Entdeckung wurde 1982  erstmals berichtet (Villwock & Scholl), wann genau diese Tiere ins Hobby kamen, ist nicht genau bekannt. Im Aqualog Old World Killis II von Lothar Seegers aus dem Jahr 1997 ist sie jedenfalls abgebildet.

Alle drei Apricaphanius gelten durch massive Umweltveränderungen als hochgradig bedroht, an dem einzigen bislang bekannten Fundort von Apricaphanius saourensis wurden schon seit Jahren keine mehr nachgewiesen, man stufte die Art als „in der Natur ausgestorben“ ein. Erst im Juni 2024 fand man in einem sehr isolierten Wadi wieder Apricaphanius, die A. saourensis sehr ähnlich sehen, etwa 150 km vom Originalfundort entfernt. Genetische Untersuchungen haben kürzlich gezeigt, dass es sich dabei tatsächlich um die gleiche Art handelt (Derouiche et al, 2026). Die Aquarienstämme von A. sarouensis gehen aber allesamt auf Aufsammlungen aus der Oase Igli zurück.

Apricaphanius sind keine Fische für Allerweltsaquarien. Sie stellen gewisse Ansprüche, die am besten in Artenbecken zu verwirklichen sind. Dazu gehört, dass sie schwankende Temperaturen brauchen (der Bereich geht von etwa 2°C bis ca. 30°C) und für ihr Wohlbefinden ist Salzzusatz zum Wasser wichtig (1-3g/l). Der pH-Wert sollte im leicht alkalischen Bereich liegen (7,5 -9), was sich in mittelhartem bis hartem Wasser am leichtesten realisieren lässt. 

Mit ihren 3-4,5 cm Gesamtlänge sind Apricaphanius kleine Fische, ausgewachsene Männchen in Balzstimmung sind hübsch, Männchen in Normalfärbung und die Weibchen sind es weniger. Es sind also echte Spezialistenfische, die wohl nie eine größere Anhängerschaft finden werden. Trotzdem ist die erfreuliche Botschaft: es ist nun schon mindestens 30 Jahre lang (eher länger)  gelungen, diese kleine Fischart durch die Zucht im Aquarium vor dem Aussterben zu bewahren. Das ist nur möglich, weil es keine staatlichen/bürokratischen Auflagen für die Pflege und Zucht gibt. Der Fall von Apricaphanius saourensis ist ein Paradebeispiel dafür, dass so genannte „Positiv-Listen“ (nach denen nur noch wenige Tierarten zur Pflege und Zucht erlaubt wären) vor allem eines bewirken würden: das Artensterben auf diesem Planeten würde sich gewaltig beschleunigen.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 300862 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Blanco, J. L., T. Hrbek & I. Doadrio (2006): A new species of the genus Aphanius (Nardo, 1832) (Actinopterygii, Cyprinodontidae) from Algeria. Zootaxa No. 1158: 39-53.

Derouiche, L., Tahri, R. & C. R. Fernandes (2026): Genetic evidence for the rediscovery in the wild of the critically endangered Sahara killifish Apricaphanius saourensis (Cyprinodontiformes: Aphaniidae). The Science of Nature 113: 21 (9pp).

Seegers, L. (1997): Aqualog: Old World Killis II. Mörfelden-Walldorf.

Villwock, W. & A. Scholl (1982): Ergänzende Mitteilungen über Aphanius aus der Oase Azraq/ Jordanien sowie Betrachtungen zum taxonomischen Status eines neuen A. iberus (Cyprinodontidae: Pisces) aus dem Oued Zousfana, Igli/Nordwest Algerien. Mitteilungen aus dem hamburgischen Zoologischen Museum und Institut, 79, 267–271.

Text & Photos: Frank Schäfer

Characidium cf. ortegai

5. Juni 2026

Wir haben es schon gelegentlich erwähnt: die Bestimmung von Characidium-Arten ist eine unerfreuliche Angelegenheit. Insgesamt werden gegenwärtig (2026) 88 Arten allgemein anerkannt, von denen rund 30 in den letzten 10 Jahren beschrieben wurden. Vor allem mit der Kenntnis der „alten“ Arten ist es nicht weit her. So weiß man bei einem Neuimport nie so recht einzuschätzen, ob es sich bei den Tieren um eine bereits beschriebene oder um eine wissenschaftlich unbekannte Art handelt. Ganz konkret haben wir einen niedlichen neuen Bodensalmler aus Peru importieren können. Über den Fundort ist nichts näheres bekannt. Insgesamt sind aus Peru erstaunlich wenige Characidium-Arten bekannt, nämlich nur 12: Characidium etheostoma, C. geryi, C. jivaro, C. ortegai, C. pellucidum, C. pteroides, C. pumarinri, C. purpuratum, C. roesseli, C. steindachneri, C. sterbai und C. zebra.

Unser Neuimport passt farblich sehr gut zu der erst vor wenigen Wochen publizierten neuen Art Characidium ortegai. Diese kleine Spezies wurde aus dem Ucayali-Einzug in Peru beschrieben; das größte bislang bekannte Exemplar hat eine Totallänge von 43,8 mm (Standardlänge ohne Schwanzflosse 34,8 mm). Doch leider gibt es einen Haken: Arttypisch für C. ortegai ist das Fehlen der Fettflosse, ein innerhalb der Gattung seltenes Merkmal. Bei unseren Tieren ist die Fettflosse dagegen gut ausgeprägt vorhanden. Nun bleiben drei Möglichkeiten: 1. Es handelt sich bei unseren Tieren um eine Population von C. ortegai mit Fettflosse (so etwas ist von anderen Salmlern durchaus bekannt). 2. Es handelt sich um eine andere der oben aufgezählen 12 Characidium-Arten (wobei die meisten nicht in Frage kommen, weil sie eine Zeichnung aus senkrechten Binden am Körper haben) und 3. Es handelt sich bei unseren Tieren um Angehörige einer wissenschaftlich noch nicht erfassten, neuen Art. Wir haben uns für Möglichkeit 1 entschieden, auf die Gefahr hin, uns später einmal korrigieren zu müssen – aber diese Gefahr besteht schließlich bei allen drei genannten Optionen gleichermaßen. Um unsere Unsicherheit auszudrücken, haben wir noch das Kürzel „cf.“ zwischen Art- und Gattungsnamen platziert. Es bedeutet „confer“, also „vergleiche mit“.

Ganz im Gegensatz zu der schwierigen Bestimmung ist die Pflege der neuen kleinen Bodensalmler sehr leicht. Unsere größten Exemplare – vermutlich Weibchen – sind etwa 3 cm lang (Totallänge). Auf den ersten Blick scheint die Zeichnung lediglich aus einem dunklen Längsband auf hellem Grund zu bestehen, am Ansatz der Schwanzflosse befindet sich der gattungstypische schwarze Punkt, alle Flossen sind transparent farblos. Doch schaut man genauer hin, so erkennt man, dass sich innerhalb des Längsbandes Flecken befinden und manchmal in der hinteren Körperhälfte auch dünne senkrechte Streifen. 

Untereinander und gegen artfremde Fische sind C. cf. ortegai völlig friedlich. Sie akzeptieren jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Pflanzen werden nicht beschädigt. Besondere Ansprüche an die Wasserzusammensetzung konnten wir nicht feststellen. Wir pflegen sie bei Temperaturen zwischen 22 und 26°C, wobei sie sich offensichtlich wohl fühlen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 215561 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Oliveira-Silva, L., R. Britzke, V. Meza-Vargas, M. H. Hidalgo, D. Faustino-Fuster, C. Oliveira & A. M. Zanata (2025): Morphological and molecular evidence reveals a new species of Characidium from the Ucayali-Urubamba Piedmont, Peru, and novel molecular clades are proposed within the genus. Journal of Fish Biology v. 108 (no. 2): 584-595.

Text & Photos. Frank Schäfer

Apistogramma ortegai

5. Juni 2026

Als um die Jahrtausendwende herum die ersten Papageien-Apistogramma aus Peru importiert wurden, stießen sie auf begeisterte Aquarianer. Es handelt sich wahrhaftig um herrlich bunte Fische. In den Folgejahren kamen diese und ähnlich Formen unter den verschiedensten Namen in den Handel: Apistogramma sp. Nanay, A. sp. Algodon1, A. sp. Algodon2, A. sp. Pebas, A. sp. Ampyacu, A. sp. Dolly, A. sp. Larinus, A. sp. Morado, A. sp. Noronha usw. und die Bezeichnung „Papagei“ wurde zusätzlich in den Schreibweisen „Papagey“ und „Papagai“ verwendet.

Oft handelte es sich bei den Importen augenscheinlich um Mix-Sendungen, darunter waren auch häufig A. cruzi und A. eunotus, aber es gab auch blitzeblaue Tiere (diese wurden später meist als „Pebas“ bezeichnet). Dieses Situation verleidete den Liebhabern etwas die Freude, denn die Weibchen sahen sich verflixt ähnlich. Wie sollte man mit so etwas züchten, ohne einen Aquarienhybriden zu schaffen?

Des Rätsels Lösung lautet: es handelte sich tatsächlich bei allen Tieren aus dem Rio Ampyacu um die gleiche, extrem polychromatische Art (die A. cruzi und A. eunotus stammten höchstwahrscheinlich aus anderen Sammelgebieten und wurden erst nachträglich den Ampyacu-Fisch beigemischt). Polychromatisch bedeutet „vielfarbig“ und bezeichnet eine Situation, in der die Färbung von Tieren der gleichen Art und Population individuell unterschiedlich ist. Die Fische kamen (und kommen) nicht aus dem Rio Nanay-Einzug (von dort stammten wahrscheinlich die A. cruzi und A. eunotus), sondern aus dem Rio Ampyacu-Einzug in Peru (Department Loreto, Distrikt Pebas). Bereits 2014 wurden sie als A. ortegai wissenschaftlich beschrieben und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „Pebas“ (die blauen) und „Papagei“ (die bunten) zur gleichen Spezies gehören.

Einen konstanten Unterschied gibt es aber doch zwischen den blauen und den Papagei-Formen: in bestimmten Stimmungen, wenn die schwarzen Zeichnungselemente besonders gut sichtbar sind, erkennt man, dass die blauen Tiere einen einfachen, eher waagerechten Schwanzwurzelfleck besitzen und die Papageien-Formen einen hochovalen Doppelfleck auf der Schwanzwurzel. Dieses Merkmal betrifft beide Geschlechter. Leider lässt sich aber die Färbung, in der das gut zu erkennen ist, nicht provozieren. Somit ist es im Handel nicht möglich, die beiden Farbformen blau und Papagei sauber zu sortieren. Zumindest die Weibchen kommen daher bei Wildfängen fast immer gemischt in den Handel.

Die aquaristische Herausforderung besteht nun darin, diese Formvielfalt auch unter Nachzuchttieren zu erhalten, denn es hat sich bei polychromatischen Apistogramma schon oft gezeigt, dass diese Tiere durch selektive Zuchtwahl in den Aquarienstämmen ziemlich schnell ein einheitliches Aussehen bekommen. Meist wird dabei seitens der Züchter besonderer Wert auf bunte Farben gelegt – am liebsten Rot! Folgerichtig werden vorwiegend Papageien-Varianten als Nachzucht angeboten. Übrigens: die auf manchen Bildern sehr prominenten Unterbauchstreifen können stimmungsbedingt jederzeit vollständig ausgeblendet werden.

Für unsere Kunden: wir listen diesen Zwergbuntbarsch nach der in der jeweiligen Lieferung vorherrschenden Männchen-Färbung: Blau hat 618404 als Wildfang und 618412 als Nachzucht, Papagei hat 618304 als Wildfang, 618312 (Nachzucht, md) und 618313 (Nachzucht, md-lg). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Britzke, R., C. Oliveira & S. O. Kullander (2014): Apistogramma ortegai (Teleostei: Cichlidae), a new species of cichlid fish from the Ampyiacu River in the Peruvian Amazon basin. Zootaxa 3869 (no. 4): 409-419

Text & Photos: Frank Schäfer

Pao palembangensis (früher Tetraodon palembangensis)

5. Juni 2026

Wir können immer wieder einmal in kleiner Stückzahl diesen unglaublichen Süßwasserkugelfisch importieren. Es handelt sich um eine sehr spezialisierte Art, die in der Natur nur auf Sumatra und Borneo vorkommt, wo sie sehr weiches, saures Wasser besiedelt. Dieser Kugelfisch ist eine reine Süßwasserart, die niemals das Brack- oder Meerwasser aufsucht.

Der merkwürdig gefärbte Bauch dient dem Nahrungserwerb. Pao palembangensis ist ein Raubfisch, der sich zum Jagen totstellt. Er hängt dann in den unmöglichsten Körperstellungen herum, sein marmorierter Bauch sieht aus wie Aas. Kommt ein kleiner Fisch oder eine Garnele, um vom Aas zu fressen, wird das Tier selbst zur Beute.

Unbestätigten Gerüchten zufolge sind die Weibchen weniger bucklig als die Männchen, auf jeden Fall bleiben die Männchen etwas kleiner. Deutliche äußere Geschlechtsunterschiede fehlen. Die Zucht ist bereits gelungen, der etwa 12-15 (selten bis 20) cm lange Fisch ist ein Höhlenbrüter.

In der Literatur wurde Pao palembangensis (früher: Tetraodon palembangensis) unbegreiflicherweise mit dem „Figur-8-Kugelfisch“, Dichotomyctere ocellatus (früher: Tetraodon biocellatus) verwechselt, einem etwa 8 cm lang werdenden Brackwasserkugelfisch, der auch heute noch als „Palembang-Kugelfisch“ bezeichnet wird (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/dichotomyctere-ocellatus-frueher-tetraodon-biocellatus/). Für Pao palembangensis bürgert sich darum mehr und mehr die umgangssprachliche Bezeichnung „Drachen-Kugelfisch“ ein.

Für unsere Kunden: Pao palembangensis hat – je nach Größe – Code 462551 (2-3 cm) bis 462556 (15-20 cm) auf unserer Stockliste, Dichotomyctere ocellatus hat Code 462500 (2 cm) bis 462507 (7-8 cm). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Telmatherina bonti

29. Mai 2026

Aus dem Malili-See-System auf Sulawesi (früher Celebes) kommen vor allem spektakuläre Garnelen, Schnecken und Muscheln zu uns. Fünf Seen, drei große und zwei kleiner, bilden dieses System: Matano, Towuti, Mahalona, Lontoa und Masapi. Jetzt gelang uns wieder einmal der Import einer der dort endemisch lebenden Ährenfischarten, nämlich (höchstwahrscheinlich) Telmatherina bonti. Die Bestimmung von Telmatherina-Arten ist eine hochkomplexe Angelegenheit, weshalb wir nicht so völlig sicher sein können. Aber sehr viel spricht doch dafür, dass wir T. bonti importiert haben. Wie viele Ährenfische der Maliliseen ist auch diese Art polychromatisch, das heißt, Männchen wie Weibchen kommen in verschiedenen Farbspielarten vor. Bei T. bonti gibt es gelbe, weiße und gelb-weiße Individuen. In der Natur kommen sie bunt durcheinander vor und paaren sich auch untereinander. Es handelt sich also auf keinen Fall um Rassen oder Unterarten. Der Sinn dieses Polychromatismus ist unbekannt. Unser aktueller Import enthält nur gelbe Tiere.

Im Aquarium sind T. bonti, die etwa 8 cm lang werden können, sehr friedliche und lebhafte Fische. Die Pflege gelingt leicht, wenn man berücksichtigt, dass das Wasser in den Malili-Seen immer relativ warm (ca. 28°C) ist und sein pH Wert immer über 8 liegt. Beides sollte im Aquarium nachgeahmt werden. Gefressen wird jegliches Trocken- und Frostfutter. Abgelaicht wird in feinfiedrigen Pflanzen. Die Fische sind Dauerlaicher. Telmatherina bonti begeistert durch sein lebhaftes Wesen und die ständige Balz. Es wird nie langweilig, einen Schwarm dieser Fische zu beobachten – und ein Schwarm sollte es bei dieser Fischart immer sein!

Lexikon: Telmatherina: altgriechisch „telma“ bedeutet „Sumpf“, Atherina ist eine andere Ährenfischgattung. bonti: nach der einheimischen Bezeichnung der Art „bonti-bonti“ am Towuti-See.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 461235 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Helostoma temminckii

29. Mai 2026

Der Küssende Gurami (Helostoma temminckii) in seiner rosafarbenen Zuchtform ist einer der bekanntesten Labyrinthfische. Gezüchtet wird er eigentlich nicht als Zierfisch, sondern als Speisefisch. Die Art wird unter geeigneten (Mast-)Bedingungen bis zu 30 cm lang und gilt als delikat. In den nähstoffreichen, trüben Zuchtteichen sind die rosafarbigen Tiere  viel besser zu sehen als die grün-graue Wildform (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/helostoma-temmickii-green/), was die Kontrolle, Pflege und das Abfischen sehr erleichtern.

Im Aquarium erreicht der Fisch gewöhnlich nur 15-20 cm Länge und ist ein ziemlich friedlicher, auf jeden Fall aber interessanter Zierfisch für größere Aquarien. Das eigenartige Maul ist mit zahlreichen Zähnchen besetzt, die zum Abweiden von Aufwuchs (Algen und den darin enthaltenen Kleintieren) dienen. Das berühmte „Küssen“ dieser Fische hat nichts mit Zuneigungsbekundungen zu tun, sondern ist eine Form des im Fischreich weit verbreiteten Maulzerrens, einer ritualisierten Kampfhandlung.

Die Geschlechter sind beim Küssenden Gurami kaum zu unterscheiden. Die Männchen sind etwas weniger hochrückig. Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Labyrinthfischen betreiben Küssende Guramis keinerlei Brutpflege, sondern geben den Laich (viele tausend Eier bei größeren Fischen) während einer Labyrinthfisch-typischen Umschlingung einfach frei ins Wasser ab. Die Eier haben kleine Öltröpfchen und schwimmen darum an der Wasseroberfläche. Hierzulande wird die Zucht so gut wie nicht betrieben, es ist viel einfacher und ökologisch auch sinnvoller, sie aus Südostasien zu importieren, wo die Zucht von Helostoma schon seit Jahrhunderten betrieben wird.

Die Pflege von Küssenden Guramis ist nicht schwer, jedes Wasser wird akzeptiert, jedes übliche Futter gefressen, es darf nur nicht zu grob sein. Die Wassertemperatur kann zwischen 20 und 30°C liegen. Man sollte stets mehrere Exemplare pflegen, auch wenn Helostoma temminckii keine Artgenossen zum Wohlbefinden benötigt. Aber es ist schon interessant, das „Küssen“ dieser Tiere zu beobachten und zum Küssen muss man nunmal mindestens zu zweit sein…

Für unsere Kunden: die Tiere haben – ja nach Größe – Code 421301 (3-4 cm) bis 421307 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gasteropelecus sternicla

29. Mai 2026

Der so genannte Gemeine Beilbauchsalmler Gasteropelecus sternicla kommt praktisch im gesamten Gebiet der Tropen Südamerikas vor. In diesem riesigen Areal haben sich vermutlich unterschiedliche genetische Linien entwickelt. Es ist jedenfalls extrem unwahrscheinlich, dass dem nicht so ist. Trotzdem sehen sie sich überall äußerst ähnlich: es sind schlicht und ergreifend Erfolgsmodelle der Evolution! Die Maximallänge dieser Art liegt bei etwa 6-7 cm.

Die Bilder zu diesem Post zeigen Tiere aus Kolumbien. Wir haben Gasteropelecus sternicla praktisch immer im Stock, manchmal auch als Nachzucht aus Indonesien. Die kolumbianischen Exemplare sind deshalb interessant, weil diese Tiere aus dem Rio Magdalena stammen. Dieser Fluss, der etwa die Größe des Rheins hat, ist von anderen Fluss-Systemen Südamerikas ziemlich isoliert und darum kommen viele seiner Fischarten ausschließlich dort vor; der Fachausdruck lautet: sie sind dort endemisch. 

Tatsächlich wurde aus dem Rio Magdalena auch 1912 eine Beilbauchfischart wissenschaftlich beschrieben, nämlich Thoracocharax magdalenae. Sie gilt heute als Synonym zu Gasteropelecus maculatus. Wir waren nun natürlich gespannt, ob die G. sternicla aus dem Rio Magdalena anders aussehen würden, als ihre Vettern aus anderen Gegenden. Fehlanzeige! Trotzdem ist es interessant, sie einmal gesehen zu haben…

Die Pflege von Gasteropelecus sternicla ist einfach, wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Die Wasserwerte sind nebensächlich. Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28°C betragen. Das Aquarium muss lückenlos abgedeckt sein, denn Gasteropelecus zählen zu den fliegenden Fischen. In der Natur ernähren sie sich von kleinen Insekten, nach denen sie springen. Eine kleine Mücke, die durch die gute Stube fliegt, kann dazu führen, dass der ganze Beilbauch-Schwarm auf dem Teppich landet! Außerdem muss man bei der Fütterung beachten, dass Beilbauchfische nur Futter von der Wasseroberfläche oder während des Absinkens nehmen. Da diese Fische einen kleinen Magen haben, sollte man mehrmals täglich in kleinen Portionen füttern (so viel, wie binnen 5 Minuten restlos aufgefressen wird). Beim Futter sind die Beilbäuche nicht sehr wählerisch. Insekten (z.B. Drosophila) sind ihr absolutes Lieblingsfutter, aber Trockenfutter oder gefriergetrocknetes Futter wird ebenfalls problemlos akzeptiert. Man sollte Beilbauchfische im Schwarm pflegen. Die Weibchen sind etwas größer und plumper als die Männchen. Die Geschlechterzusammenstellung spielt für die Pflege keine Rolle. Gasteropelecus sternicla sind gegen Artgenossen und artfremde Fische völlig friedlich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – als Wildfang Code 254401 (sm) bis 254407 (xlg) und als Nachzucht 254412 (sm-md)  auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gastrodermus hastatus (früher: Corydoras hastatus)

29. Mai 2026

Zwei Panzerwels-Arten werden umgangssprachlich als Zwergpanzerwelse bezeichnet. Die  nördliche Art ist Gastrodermus pygmaeus (oberer Amazonas in Peru, Ecuador, Brasilien und Kolumbien) siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_pygmaeus_de/. Die südliche ist Gastrodermus hastatus; sie wird in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gefunden. Beide Arten wurden bis vor kurzem noch in der großen Sammelgattung Corydoras geführt, beide werden nur 2-3 cm groß. 

Den südlichen Zwergpanzerwels G. hastatus beziehen wir meist aus Paraguay. Im Gegensatz zu den meisten anderen Panzerwelsen sind die Zwergpanzerwelse weniger bodengebunden. Sie schwimmen genau so gerne im freien Wasser. Oft sind die Schwärme von G. hastatus gemischt mit mehreren Salmlerarten, die exakt die gleiche Färbung haben. Wozu das gut ist, können Sie hier nachlesen: https://www.aqualog.de/blog/die-paraguay-connection/

Man pflegt Zwergpanzerwelse in möglichst großen Schwärmen. Weniger als 6 Tiere sollten es nie sein. Die chemische Wasserzusammensetzung ist nebensächlich, jedes Trinkwasser ist geeignet. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe, allerdings nehmen die Tiere nur ungern Futter von der Wasseroberfläche, es sollte also absinken. Die Wassertemperatur kann und sollte bei der südlichen Art im Verlauf der Jahreszeit unterschiedlich sein. Es sollte eine kühle Periode mit Wassertemperaturen zwischen 16 und 22°C geben und eine warme mit 24-28°C warmem Wasser. Jede Periode kann etwa ein halbes Jahr andauern, wobei man sich bei der Eingewöhnung der Tiere an der jeweilige Jahreszeit im Ursprungsland orientieren sollte. In Paraguay mit seinem subtropischen Klima gibt es zwei zwei Hauptjahreszeiten: einen heißen Sommer (Oktober–März, bis über 40°C) und einem milden bis kühlen Winter (Mai–August). Sind G. hastatus einmal eingewöhnt, kann man den jahreszeitlichen Temperatur-Rhythmus den in unseren Breiten üblichen Temperatur-Perioden anpassen

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 232001 (sm) bis 232005 (lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Crenuchus spilurus „Peru Super Orange“

18. Mai 2026

Der Prachtsalmler, Crenuchus spilurus, ist die einzige formell beschriebene Art der Gattung Crenuchus. Es gibt freilich noch mindestens eine weitere in Venezuela (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/eine_neue_crenuchus_art__de/). Ursprünglich wurde C. spilurus aus dem Essequibo River in Guyana beschrieben. Aus Peru haben wir extrem farbenprächtige Exemplare importieren können, die besonders durch die kräftigen Orangetöne und das intensive Rot der Flossen auffallen.

Im Gegensatz zu fast allen anderen Salmlern ist Crenuchus spilurus ein Höhlenbrüter, der zudem Brutpflege betreibt. Leider gelingt die Zucht nur selten. Die Geschlechter unterscheiden sich sehr leicht durch die segelförmig ausgezogene Rücken- und Afterflosse der Männchen. Bei den Weibchen sind diese Flosse normal ausgeprägt. Ungeachtet ihres großen Maules sind Crenuchus friedliche Tiere. Sehr kleine Fische werden zwar als Futter angesehen, aber das gilt ja für fast alle Fischarten.

Prachtsalmler sind ruhige Gesellen, die bodennah leben. Ihr Aquarium sollte nicht allzu stark beleuchtet sein und starke Strömung sollte man ebenfalls vermeiden. Gut bepflanzte, leicht schummrige Becken mit dunklem Bodengrund bringen die Farben von Crenuchus am besten zur Geltung. Ihren Namen „Prachtsalmler“ verdienen die Männchen voll und ganz, wenn sie untereinander mit weit gespreizten Flossen imponieren. Das tun sie aber nicht auf Bestellung – leider!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 250245 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Clithon sowerbianum „Pink Lady“ und „Marble“

18. Mai 2026

Die als Mini-Rennschnecke bekannte Clithon sowerbianum ist, wie die meisten Rennschnecken, extrem variabel gefärbt. Schon im 19ten Jahrhundert wurden daher etliche Varianten wissenschaftlich benannt, denen man aber aktuell keine systematische Bedeutung mehr zumisst. Allerdings ist, das muss ganz klar gesagt werden, die Bestimmung der nach der internationalen wissenschaftlichen Datenbank WoRMS (World Register of Marine Spezies) 57 akzeptierten Clithon-Arten eine Angelegenheit für ausgesprochene Spezialisten.

Letztlich ist die exate Artbestimmung bei Clithon aber aus aquaristischer Sicht eher unerheblich, da alle Arten klein bleiben (um 2 cm), in Süß- und Brackwasser leben, gute Algenfresser sind und sich ohne spezielle Zuchtaquarien mit Meerwasser nicht vermehren. Sie gleichen einander also in ihren Pflegeansprüchen.

In jüngerer Zeit hat man in Südostasien, der Heimat dieser Schnecken, begonnen, sie nach Farben zu sortieren. Eine besonders begehrte Farbsortierung von Clithon sowerbianum ist dabei „Pink Lady“, in der eine tiefrosa Grundfärbung das Auswahlkriterium ist. Allerdings ist die Gehäusefärbung von C. sowerbianum so variabel, dass man tatsächlich nahezu jedes Individuum daran erkennen kann. Es scheint sich dabei zu verhalten wie bei den Fingerabdrücken von uns Menschen. Faszinierend, nicht wahr? Die übrigen C. sowerbianum werden ebenfalls mit einer adjektivischen Zusatzbezeichnung versehen, weil sie sich so einfach besser von den „Pink Lady“ auf den Preislisten unterscheiden lassen. Man nennt sie darum „Marble“ (zu deutsch: marmoriert).

Für unsere Kunden: „Pink Lady“ hat Code 485490, „Marble“ hat 485489 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Poecilia sphenops Black Orange Tail

18. Mai 2026

Wir haben es schon verschiedentlich erwähnt: ob die kurzflossigen Molly-Zuchtformen tatsächlich der Art Poecilia sphenops zuzuordnen sind, ist von wissenschaftlicher Seite noch nie untersucht worden. Im Hobby sind mindestens vier verschiedene Arten (P. butleri, P. mexicana, P. salvatoris und P. sphenops) mehr oder weniger regelmäßig vertreten, die sich mit normalen aquaristischen Methoden kaum unterscheiden lassen. Alle vier Arten wurden zeitweise – auch von wissenschaftlicher Seite – in der einen Art P. sphenops zusammengezogen. Aus dieser Zeit stammt die Klassifizierung, nach der die kurzflossigen Molly-Zuchtformen gewöhnlich als P. sphenops bezeichnet werden. In den über 100 Jahren, die diese Fische nun schon im Aquarium gezüchtet werden, kam es – bewusst oder unbewusst – immer wieder zu Kreuzungen. Viele dieser Kreuzungen führten zu abweichend aussehenden Exemplaren, deren Eigenschaften von den Züchtern durch geeignete Maßnahmen stabilisiert wurden. So kam es zu den vielen bunten Molly-Zuchtformen, die wir heute kennen.

Der neueste Stern am Molly-Himmel ist die sehr, sehr hübsche kurzflossige Molly-Zuchtform „Black Orange Tail“. Einen breiten orangefarbenen Schwanzflossensaum zeigen bereits viele wilde Molly-Arten und -Populationen, allerdings sind es hier im Wesentlichen ranghohe einzelne Männchen. In Südostasien ist es nun gelungen, dieses Merkmal stabil zu erzüchten, es wird unabhängig von der Rangordnung dauerhaft gezeigt. Allerdings wird man in den Becken mit diesen attraktiven Tieren vergeblich nach Weibchen Ausschau halten. Es sind ausschließlich Männchen. Wer mit diesen Tieren züchten möchte, muss also auf „normale“ Black-Molly-Weibchen zurückgreifen. Mollies der Form Black Orange Tail haben übrigens winzige, blaugrün schimmernde Glanzpunkte am Körper; das ist völlig normal und gehört so. Unsere Pfleger macht das allerdings nervös, denn auf den ersten Blick sehen diese Glanzpunkte einem Ichthyophthirius nicht unähnlich.

Pflege und Zucht von Mollies sind nicht ganz unproblematisch. Die Fische sind empfindlich gegen chemische und organische Belastungen des Wassers. Etwas Salzzugabe (1 kleiner Löffel auf 10 Liter Wasser) kann oft helfen, aber grundsätzlich sollte man auf hartes Wasser, stabilen pH-Wert über 7,5 und keimarme Bedingungen achten, um dauerhaft Freude an den Fischen zu haben. Sehr wichtig ist auch die richtige Fütterung. Mollies fressen in der Natur sehr viel pflanzliches Material in Form von Algen. Zu stark protein- und fetthaltiges Futter führt darum zu Darmerkrankungen. Das alles klingt komplizierter, als es ist. Nicht grundlos erfreuen seit dem Jahr 1909 Mollies die Aquarianer auf der ganzen Welt.

Für unsere Kunden: Poecilia sphenops Black Orange Tail hat Code 432173 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachyplatystoma juruense

18. Mai 2026

Der Rio Jurua ist ein rund 3.300 km langer Nebenfluss des Amazonas; er entspringt in Peru (Region Ucayali) und mündet in Brasilien, wo den Bundesstaat Amazonas durchläuft, in den Amazonas. Der Fluss ist Namenspate eines der unter Raubwelsfans begehrtesten Großwelses, nämlich Brachyplatystoma juruense. Die Art ist allerdings noch viel weiter verbreitet. Man kennt sie aus praktisch dem gesamten Einzug von Amazonas und Orinoko und den Ländern Bolivien, Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela. Mit gut 60 cm Endlänge ist er auch als Speisefisch sehr begehrt, zumal das Fleisch dieser Großwelse ausgezeichnet schmecken soll.

Brachyplatystoma juruense

Brachyplatystoma juruense

Der erwachsene Fisch ist ausgesprochen attraktiv gezeichnet und zeigt dunkle Streifen auf weißem oder gelblichem Grund. Die Jungtiere sind am Körper hingegen sehr variabel gefärbt, es gibt gepunktete, gestreifte oder auch einfarbige Exemplare, letztere können völlig schwarz oder auch nahezu weiß sein. Allen gemeinsam ist die zumindest in der oberen Hälfte weiße Schwanzflosse, an deren oberen Lappen sich ein körperlanges Filament befindet. Bereits die Jungtiere sind Fischjäger. Häufig stellen Sie sich schräg mit dem Kopf nach oben in die Strömung. In dieser Haltung dient das Schwanzflossenfilament der Stabilisierung der Schwimmhaltung, so wie es der Schwanz eines Drachen tut. Eine weitere, arttypische Körperhaltung ist, dass die Tiere auf ihre Bauchflossen gestützt am Boden sitzen und nach oben schauen. Möglicherweise dient das Schwanzflossenfilament in dieser Körperhaltung als „Angelköder“, der unvorsichtige Kleinfische anlockt. Bei erwachsenen Tieren sind die Schwanzflossenfilamente deutlich kürzer. 

Die Pflege solcher „Monsterfische“ ist etwas für Spezialisten, wir gehen an dieser Stelle darum nicht weiter darauf ein. Jungtiere importieren wir meist aus Peru, große Fische eher aus Brasilien.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 211200 (5-8 cm) bis 211208 (35-40 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Aspidoras kiriri

18. Mai 2026

Es tut sich was in der Gattung Aspidoras. Gegenwärtig gibt es18 anerkannte Arten. Einige altbekannte Namen wurde in die Synonymie geschickt (A. eurycephalus = albater, A. mariane = poecilus, A. menezesi = raimundi, A. microgaleatus = poecilus, A. spilotus = raimundi, A. taurus = albater), zwei Arten aus der Gattung geworfen (A. pauciradiatus steht jetzt in Gastrodermus, A. virgulatus in Scleromystax) und eine ganze Reihe von neuen Arten beschrieben. Zu letzteren gehört A. kiriri, dessen wissenschaftliche Beschreibung aus dem Jahr 2017 datiert.

Dieser Schmerlenpanzerwels, dessen Artname die indigenen Kiriri ehrt, die ursprünglich im östlichen Brasilien lebten, ist bislang nur aus zwei kleinen Flüssen im Oberlauf des Rio da Dona (Bundesstaat Bahia, Brasilien) bekannt. Dorthin verirrt sich üblicherweise kein Zierfischfänger und darum kommt die Art auch praktisch nicht in den Handel. Wir konnten im Frühjahr 2025 eine kleine Anzahl Tiere importieren, die direkt an einen unserer Züchter gingen. Die Nachzuchten dieser Exemplare können wir jetzt anbieten. 

Dieser hübsche, lebhafte und friedliche Fisch wird etwa 4 cm lang und kommt aus kühlem Wasser (um 21°C) mit saurem pH-Wert (4,6). Derart sauer muss das Wasser zur Pflege allerdings nicht sein, doch sollte man Aspidoras kiriri nicht zu warm halten. Das wäre unnatürlich und würde aller Erfahrung nach die Lebenserwartung der Fische stark verkürzen. Ansonsten gelten alle Grundregeln der Panzerwels-Pflege, die wir hier nicht wiederholen müssen.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 208424 (wild, aktuell nicht lieferbar) und 208428 (Nachzucht, aktuell lieferbar) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon robustulus

11. Mai 2026

Seit wir mit unserer Homepage vor über 20 Jahren online gingen, sind so manche Neuentdeckungen hier vorgestellt worden. Einige davon konnten sich als Zierfische etablieren, andere verschwanden wieder. Zur ersteren Kategorie gehört Hyphessobrycon robustulus, der zunächst als „Junior-Tetra“ aus Peru exportiert wurde; inzwischen wird er auch regelmäßig kommerziell gezüchtet. Unser Erstimport erfolgte im Jahr 2002. Der etwas ungewöhnliche Name kommt daher, dass der peruanische Exporteur – Jorge Panduro sen. – zu der Zeit der Entdeckung dieses schönen Salmlers die Geschäfte in die Hände seines Sohnes – Jorge Panduro jun. – übergab. Er fand es eine schöne Idee, das der Kundschaft in Form einer interessanten Neuheit mitzuteilen. Ein weiterer Populärname dieser Art ist „Panduro-Salmler“ oder „Pandurini-Salmler“, der nach dem bisher Gesagten keiner Erklärung mehr bedarf.

Hyphessobrycon robustulus wurde bereits 1870 von Cope unter der Bezeichnung Hemigrammus robustulus beschrieben. Anatomische Merkmale führten zu seiner Überführung in die Gattung Hyphessobrycon. Typusfundort war Pebas in Peru, das damals zu Ecuador gehörte. Die „offizielle“ Zuordnung des Junior-Tetras zur Art Hyphessobrycon robustulus erfolgte unseres Wissens nach durch Zarske im Jahr 2007. Vorher wurde unter diesem Namen eine andere, blassere Art geführt (z.B. Aquarien-Atlas, Band 1, 1990), die später als Hyphessobrycon frankei wissenschaftlich beschrieben wurde. 

Ganz allgemein hat sich die Bezeichnung Hyphessobrycon robustulus für den Junior-Tetra durchgesetzt. Im Februar 2024 wurde eine wissenschaftliche Checkliste aller Salmlerarten veröffentlicht. Hier wird Hyphessobrycon robustulus als eine derzeit wissenschaftlich nicht einordenbare Art („species inquirendae“) geführt, die ausschließlich nach den Typen von 1870 bekannt sei. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann noch umlernen müssen. Das Fanggebiet für den Junior-Tetra ist übrigens in der Umgebung von Tamishiyacu im Distrikt Fernando Lores in Peru, etwa 50 km flussaufwärts von Iquitos.  

Der Junior-Tetra ist ein idealer Aquarienfisch, ein Salmler wie aus dem Bilderbuch. Er ist klein (3,5 – 4 cm), friedlich, bunt und lebhaft. Die Art stellt keine besonderen Ansprüche an die Wasserzusammensetzung, die Temperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Hyphessobrycon robustulus weist einen für Salmler außergewöhnlich starken Sexualdichromatismus auf. Alle Flossenteile, die beim Männchen rot sind, sind beim Weibchen gelb. Besonders schön sieht man das in dem Video der Art, das wir bei YouTube eingestellt haben: https://www.youtube.com/watch?v=JzonUg3cd-s

Die Bilder für diesen Post zeigen Wildfänge, die wir gerade wieder einmal anbieten können.

Für unsere Kunden: Wildfänge haben Code 261432, Nachzuchten Code 261423 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Riehl, R. & Baensch, H. A. (1990): Aquarien Atlas Band 1. 8. Auflage. Mergus Verlag, Melle. Zitatseite: 290

Toledo-Piza, M., E. G. Baena, F. C. P. Dagosta, N. A. Menezes, M. Ândrade, R. C. Benine, V. A. Bertaco, J. L. Birindelli, G. Boden, P. A. Buckup, P. Camelier, F. R. Carvalho, R. M. C. Castro, J. Chuctaya, E. Decru, E. Derijst et al. (2024): Checklist of the species of the Order Characiformes (Teleostei: Ostariophysi). Neotropical Ichthyology v. 22 (no. 1): e230086: 1-548.

Zarske, A. & J. Géry (1997): Hyphessobrycon frankei sp.n. Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift DATZ 50 (5) 1997: 308-312 

Zarske, A. (2007): Hyphessobrycon robustulus (Cope, 1870). Aqaristik Fachmagazin, 198: 26-28

Ilyodon furcidens

11. Mai 2026

Zu den größeren Arten der Hochlandkärpflinge (Goodeiden) zählen die Vertreter der Gattung Ilyodon. In Ausnahmefällen können einzelne Exemplare eine Länge von 15 cm erreichen. Daher sind Ilyodon sogar manchmal auf dem Speisezettel des Menschen zu finden. Über die Artenzahl innerhalb der Gattung Ilyodon wurde (und wird teilweise heute noch) debattiert. So unterschied man lange Zeit den breitmäuligen I. xanthusi vom schmalmäuligen I. furcidens, bis experimentell bewiesen wurde, dass beide in einem einzigen Wurf eines Weibchens (Ilyodon sind, wie alle Goodeiden, lebendgebärend) vorkommen können. Da I. furcidens der ältere Name ist, hat er Gültigkeit.

Noch gilt Ilyodon furcidens allgemein als „nicht gefährdet“, doch gibt es viele Warnhinweise, dass ausgesetzte Angelfische (vor allem Micropterus) und Lebendgebärende (Poeciliopsis gracilis) zumindest bestimmte Populationen von I. furcidens in arge Bedrängnis bringen. Das Gesamtareal der Art in den Bundesstaaten Jalisco und Colima in Mexiko ist jedoch groß und es gibt keine Hinweise darauf, dass die verschiedenen Populationen äußerlich oder genetisch voneinander nennenswert abweichen.

Dieser Hochlandkärpfling ist ein Flussbewohner und stellt somit etwas höhere Ansprüche an die Wasserqualität. Wöchentliche sehr großzügige Wasserwechsel (gerne bis 80%) und gute Sauerstoffversorgung (nicht unter 8mg/l) sollte daher den Regelfall darstellen. Diese Art frisst in der Natur vorwiegend Algen und Aufwuchs. Vor zu fett- und eiweißreicher Diät sei daher gewarnt. Wie bei fast allen Goodeiden sind Wassertemperaturen unter 26°C im Sommer und um 17°C im Winter anzustreben. Eine zeitweilige Freilandhaltung bekommt  den Fischen ausgesprochen gut. Die Jungtiere werden gewöhnlich nicht verfolgt und so erhält man meist rasch eine prosperierende Kolonie. Deshalb – und auch wegen der möglichen Endgröße – sind möglichst große Aquarien für die dauerhafte Haltung dieser friedlichen Fische anzustreben.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 264681 (s) bis 264684 (xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachygobius aggregatus – einer der kleinsten Fische der Welt

11. Mai 2026

Die Goldringelgrundeln (Brachygobius) sind allesamt kleine und kleinste Fische. Die Debatte, welches die kleinste Fischart und damit auch gleichzeitig die kleinste Wirbeltierart auf der Erde ist, wird stetig geführt, doch stellt sich bei lebenden Organismen immer etwas die Frage, inwieweit Messdaten im Zehntelmillimeterbereich überhaupt von Relevanz sind. Das braucht hier auch gar nicht weiter vertieft zu werden, viel wichtiger ist uns, Ihnen voll Stolz einen der kleinsten Fische der Welt zu präsentieren, den wir kürzlich einmal wieder aus Vietnam importieren konnten: Brachygobius aggregatus.

Allerdings – so ganz sicher können wir bei dieser Bestimmung nicht sein. B. aggregatus wurde von den Philippinen beschrieben, unsere stammen, wie gesagt, aus Viernam. Mit der ähnlich winzigen Art B. mekongensis (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/brachygobius-mekongensis/) sind unsere Fische aber nicht identisch, dazu bestehen erhebliche Farbunterschiede. Möglicherweise sind diese Zwerge also Repräsentanten einer wissenschaftlich noch nicht erfassten Art. 

Die Männchen dieser winzigen Goldringelgrundel sind als Wildfänge mit etwa 10 mm, die Weibchen mit etwa 15 mm voll sexuell differenziert und damit geschlechtsreif. Unter den im Vergleich zur Natur ja immer sehr üppigen Bedingungen eines Aquariums mögen sie vielleicht noch etwas wachsen, aber das spielt keine Rolle.

Brachygobius aggregatus ist ein Süßwasserfisch und ausgesprochen pflegeleicht. An die Wasserzusammensetzung werden keine besonderen Ansprüche gestellt, ideal ist mittelhartes Wasser mit in etwa neutralem pH-Wert. Die Temperatur kann zwischen 18 und 28°C liegen. So kleine Fische füttert man am besten mit lebenden Artemia-Nauplien. Grundsätzlich nehmen die winzigen Fischchen zwar auch sonstiges Lebend- und Frostfutter an, doch ist Lebendfutter oft schwer zu beschaffen und Frostfutter schwer zu dosieren. Mit den leicht zu erbrütenden Artemia-Nauplien kann man B. aggregatus problemlos zeitlebens versorgen.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 407101 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Carnegiella strigata „vesca“

11. Mai 2026

Der Marmor-Beilbauch (Carnegiella strigata) ist der ideale Aquarienfisch. Er bleibt klein (4 cm), ist friedlich und hat eine interessante Färbung. Die Art ist weit in Südamerika verbreitet (Brasilien, Ekuador, Bolivien, Kolumbien, Guyana, Peru und Surinam) und häufig. Darum ist sie fast immer im Angebot des Zierfischhandels zu finden. 

Die besondere Form der Tiere und die Variabilität ihrer Zeichnung führte in der Vergangenheit zu mehreren, einander teils widersprechenden Revisionen. Außerdem gab es bereits früh Verwechslungenn und Mehrfachbeschreibungen. Sicher ist: in den unterschiedlichen Verbreitungsgebieten sieht der Marmor-Beilbauch unterschiedlich aus. In der Vergangenheit wurden darum etliche Unterarten beschrieben, so fasciata aus Brasilien (Tabatinga), marowini und surinamensis aus Surinam und vesca aus Guyana. Gegenwärtig werden diese Unterarten aber wissenschaftlich nicht anerkannt. 

Die vielleicht schönste, weil kontrastreichste Variante kommt aus dem oberen Amazonas (Peru und Kolumbien)  zu uns und wird im Handel als „vesca“ bezeichnet. Der Unterschied zwischen diesen Handels-vesca und „normalen“ strigata, die zeitweise sogar als eigenständige Arten geführt wurden, liegt in der Zeichnung. Bei strigata, wie sie im Handel bezeichnet wird, gabelt sich die breiteste Körperbinde weit unterhalb einer gedachten waagerechten Linie über den Bauch zum Ansatz der Afterflosse, bei der Handels-vesca erst weit oberhalb dieser fiktiven Linie. Dadurch ist beim „Handels-vesca“ diese breiteste aller Körperbinden sehr massiv und das Tier erscheint optisch sehr viel dunkler als die strigata-Form. 

Blöd ist nur, dass die Namen im Handel genau falsch herum benutzt werden. Der dunkle Fisch ist, legt man die sorgfältigen Forschungsergebnisse von Weitzman  zugrunde, der „echte“ Carnegiella strigata, während der „echte“ vesca die hellere Form ist, bei der sich die breiteste Körperbinde schon nahe der Bauchkante gabelt. Ungeachtet aller Konfusion: hier finden Sie Bilder der „Handels-Strigata“: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/carnegiella-strigata-lg-xlg/, alle Bilder dieses Posts zeigen „Handels-Vesca“.

Beilbauchfische sind während der Eingewöhnung etwas schreckhaft und dürfen nie mit ruppigen Arten zusammen gepflegt werden. Ideal ist eine Kombination mit Bodenfischen wie Panzerwelsen. Bei der Ernährung ist darauf zu achten, dass die Tiere Futter nur von der Oberfläche nehmen. Trockenfutter ist eine gute Ernährungsbasis, zur Zucht muss man sich aber etwas mehr Mühe geben und kleine Insekten wie Fruchtfliegen füttern. Wichtig ist es, möglichst mehrmals täglich in kleinen Mengen zu füttern. Die Geschlechter sind äußerlich nicht leicht unterscheidbar, Weibchen werden allerdings etwas größer und sind zur Laichzeit fülliger um die Mitte herum.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 214304 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Anostomus anostomus

4. Mai 2026

Der Prachtkopfsteher ist einer der schönsten Salmler Südamerikas. Er sieht aus wie der große Bruder des Dreibinden-Ziersalmlers, Nannostomus trifasciatus. Anostomus anostomus erreicht eine Länge von 15-18 cm. Leider erfolgen von Guyana derzeit kaum noch Exporte von Zierfischen, weshalb der Prachtkopfsteher zu einem seltenen Gast im Aquarium geworden ist. 

Nun können wir endlich Nachzuchten dieser herrlichen Fische anbieten. Mit einer Länge von ca. 3-4 cm sind sie zwar noch nicht ganz so schön wie die Erwachsenen, aber das kommt schon noch. Die letzten Wildfänge, die wir 2018 importieren konnten, waren jung erwachsen und 9-12 cm lang; wir fügen die Bilder dieser Tiere zum Vergleich diesem Post bei. 

Wie heißt es so schön im ersten Band des Aquarien-Atlas: Wer diesen Fisch noch nicht gepflegt hat, ist kein rechter Aquarianer! Dem ist nichts hinzuzufügen….

Für unsere Kunden: die Tiere haben als Wildfang (zur Zeit nicht lieferbar!) Code 205501 (3-4 cm) bis 205507 (10-12 cm) und als Nachzucht (3-4 cm) Code 205521 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Inpaichthys luizae jetzt auch als deutsche Nachzucht

4. Mai 2026

Zu den neuesten Sternen am Salmlerhimmel gehört der bildhübsche Inapichthys luizae (für weitere Informationen siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/inpaichthys-luizae/). Bisher bezogen wir die Tiere aus Zuchtbetrieben in Ostasien, jetzt sind sie auch als heimische Nachzuchten verfügbar.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 264792 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photo: Frank Schäfer

Gastrodermus sp. „San Juan“

4. Mai 2026

Die Panzerwelse des Artenkreises um Gastrodermus elegans sind ungeheuer variabel in der Färbung. Außerdem haben sie eine besondere Jugendfärbung. Ferner sehen Männchen und Weibchen unterschiedlich aus. Kurz: es ist wirklich schwierig, sie beschriebenen Arten zuzuordnen. Aber es sind wunderschöne Fische! 

Eine der schönsten Formen dieses Komplexes überhaupt ist Gastrodermus sp. „San Juan“. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um eine Farbvariante der Art Gastrodermus napoensis. Die Männchen dieser Art werden etwa 4 cm lang, die Weibchen geringfügig größer. Importiert werden sie aus Peru.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 244302 (sm-md),  244303 (md), 244304 (md-lg) und 244305 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Alestopetersius smykalai

4. Mai 2026

Alestopetersius smykalai ist die einzige Art der Kongosalmler im engeren Sinne, die nicht aus dem Einzug des Kongos, sondern aus dem Niger stammt. Sie wird nur etwa 5-6 cm lang, weshalb sie sich auch optimal für die Besitzer kleinerer Aquarien eignet. Aufgrund des herrlich blau leuchtenden Rückens der Männchen, die sich von den Weibchen ansonsten durch die lang ausgezogene Rückenflosse und die völlig anders geformte und weiß gesäumte Afterflosse unterscheiden, hat das Tier sehr zu Recht den Namen „Blue Diamond“ erhalten. 

Die Pflege dieser Tiere gestaltet sich einfach. Jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich, der pH-Wert sollte in etwa im neutralen Bereich liegen. Wassermessungen vor Ort ergeben oft erstaunlich kühles Wasser von 21-23°C. Im Aquarium kann die Temperatur auch etwas höher liegen, aber übertreiben sollte man es nicht. A. smykalai ist etwas schreckhaft und sollte darum nur mit ruhigen und friedlichen Arten vergesellschaftet werden; ihrerseits sind A. smykalai völlig friedlich. Gut bepfanzte, aber nicht zu grell beleuchtete Aquarien mit dunklem Boden lassen die Farben dieser Fische besonders gut hervortreten. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe, aber mit Fruchtfliegen (Drosophila) macht man allen Kongosalmlern eine besondere Freude. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 100181 (sm) bis 100184 (lg – xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Symphysodon tarzoo Diskus wild Grün Tefé 9 -12 cm

4. Mai 2026

Das klassische Fanggebiet für Grüne Diskus sind der Rio Tefé und seine im Mündungsgebiet zum Amazonas zu einem See erweiterte Region, der Lago Tefé; an den Ufern des Lago Tefé liegt die Stadt Tefé. Die gesamte Region Tefé liegt in Brasilien, im Bundesstaat Amazonas und umfasst rund 23.700 km²; sie wird von etwa 73.700 Menschen bewohnt, die sich selbst Tefeenser nennen. Der Rio Tefé ist ein Schwarzwasserfluss; nahe bei der Stadt Tefé mündet der Rio Japurá in den Amazonas. Die Entfernung von Tefé zu Manaus beträgt etwa 525 km (Luftlinie), auf dem Fluss sind es etwa 595 km.

Farblich unterscheiden sich Fluss- und See-Fische nicht wirklich, bei beiden kommen viele Royals vor (als Royal bezeichnet man Fische, bei denen die horizontalen grün-blauen Körperstreifen sich über den gesamten Körper ziehen) und auch Exemplare mit vielen oder wenigen roten Punkten auf den Flanken. Je nach Farbigkeit werden die Fische noch am Fundort sortiert und in verschiedene Preisklassen eingeordnet; das muss man wissen: Royals, gepunktete und ungepunktete Diskus sind keine besonderen Fundortformen, sondern leben in der Natur zusammen. Die farblichen Unterschiede innerhalb der Diskuspopulation bezeichnet man als Polychromatismus. Der wichtigste Unterschied zwischen See- und Flussfischen ist die Form. Die Diskus aus dem Lago Tefé sind insgesamt meist hochrückiger als ihre Artgenossen aus dem Fluss. 

Bei den Jungtieren sind solche Unterschiede und auch manche Farbunterschiede noch nicht sonderlich deutlich ausgeprägt. So kann man preiswert so manches Schmuckstück erwerben, für das im Erwachsenenstadium deutlich tiefer in die Tasche gelangt werden müsste. Je größer die Fische, desto teurer sind sie, denn einen Löwenanteil am Preis haben bekanntlich die Frachtkosten. Je größer der Fisch, desto weniger Exemplare kann man pro Box packen, desto höher wird der Frachtanteil am Preis des einzelnen Tieres. Die Größe 9 -12 cm – wir zeigen hier eine Auswahl solcher Tiere – ist der perfekte Kompromiss zwischen bereits weitgehend ausgeprägter Färbung und Kaufpreis. In dieser Größe werden Diskusbuntbarsche gerade geschlechtsreif. Denken Sie dran: Diskus sind, im Gegensatz zu den meisten anderen Buntbarschen, außerhalb der Brutzeit Schwarmfische. Viele Probleme, die bei der Haltung zu weniger Tiere auftreten (Stress- und damit Krankheitsanfälligkeit, schlechte Futteraufnahme, Scheu und damit verbunden mäßige Farbenpracht usw.) treten nicht oder kaum auf, wenn man die Tiere im Schwarm von 10 oder mehr Exemplaren pflegt.

Für unsere Kunden: die Grünen Diskus Tefé 9 – 12 cm haben Code 733064 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Parotocinclus maculicauda

29. April 2026

Zu den Zwergsaugwelsen, die früher regelmäßig in großen Stückzahlen in den Handel kamen, gehört Parotocinclus maculicauda aus dem Südosten Brasiliens (Bundesstaaten Rio de Janeiro, Santa Catarina, Sao Paulo und Espirito Santo). Von den „normalen“ Zwergsaugwelsen (Otocinclus) unterscheiden sich die Arten der Gattung Parotocinclus durch den Besitz einer Fettflosse, die bei Otocinclus typischerweise fehlt. Typusart der Gattung Parotocinclus ist der bereits 1877 beschriebene P. maculicauda. Etwa 100 Jahre später – in den 1970er Jahren – erwachte das wissenschaftliche Interesse an diesen Zwergen erneut und 1977 erschien eine erste große Studie in Form einer Revision, in der 11 Arten als gültig gesehen wurden. Von da an ging es deutlich schneller voran und aktuell (2026) gibt es 26 akzeptierte Arten.

Es waren politische Ursachen, weshalb aus dem südlichen Brasilien für längere Zeit keine Zierfischexporte mehr erfolgten. Wir  freuen uns sehr, dass sich das scheinbar wieder ändert und somit viele schöne, sehr gut für die Aquaristik geeignete Arten zumindest gelegentlich angeboten werden können. Parotocinclus maculicauda gilt als nicht gefährdet und ist weiträumig verbreitet, es gibt also keinerlei Vorbehalte gegen Wildfang. 

Parotocinclus maculicauda erreicht eine Maximallänge von 5,5 cm. Allerdings sollen Exemplare aus dem Bundesstaat Sao Paulo deutlich kleiner bleiben (um 3,5 cm, Mergus Welsatlas Band 1: 370). Der Exporteur, von dem wir unsere P. maculicauda beziehen, hat seine Basis in Sao Paulo. Wir kennen zwar das exakte Sammelgebiet unserer Tiere nicht, aber die größten Exemplare sind um die 5 cm lang (Totallänge, also inklusive Schwanzflosse). 

P. maculicauda ist ein Fisch, der kühle Gewässer bewohnt. Raumtemperatur (18-22°C) ohne Zusatzheizung ist ideal für diese Art. Als Bachbewohner stellt P. maculicauda hohe Ansprüche an die Wasserqualität. Das Wasser muss unbedingt keimarm und organisch möglichst unbelastet sein, sonst hat man nicht lange Freude an die Tieren. Die Fische schätzen zudem gute Strömung und einen hohen Sauerstoffgehalt. Totes Laub (Rotbuche, Eiche, Catappa etc.) sollte in einem Parotocinclus-Aquarium nie fehlen, es bildet einen wichtigen Nahrungsbestandteil; ansonsten sind es Allesfresser mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Aufwuchs (also Algenbelag auf Steinen, Wurzeln und Pflanzen mit den darin lebenden Mikroorganismen). P. maculicauda sind friedliche, gesellige Tiere, die man möglichst in einer Gruppe pflegen sollte. Die Zucht ist durchaus möglich, wird aber selten praktiziert. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 276602 (md) bis 276604 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ataeniobius toweri Lago de Creda

29. April 2026

Die Hochlandkärpflinge (Goodeidae) sind eine relativ artenarme Gruppe von vorwiegend lebendgebärenden Kleinfischen. Die lebendgebärenden Arten sind in der Unterfamilie Goodeinae zusammengefasst, die nach gegenwärtigem Wissensstand 16 Gattungen mit 42 Arten enthält. Alle lebendgebärenden Arten stammen aus Mexiko. Viele von ihnen gibt es nur in winzigen Verbreitungsgebieten. Wassernutzung für die Landwirtschaft, Wasserverschmutzung, Einbringung gebietsfremder Arten und andere menschliche Aktivitäten haben viele Arten an den Rand der Ausrottung gebracht, manche gibt es bereits nur noch in menschlicher Obhut.

Zu letzteren gehört teilweise Ataeniobius toweri. Die Art kommt ausschließlich im Quellbereichen von thermalen Bächen vor. Ihre Heimat ist der Bundesstaat San Luis Potosí, das hydrologische System ist das des Rio Verde. Es gibt nur die eine Ataeniobius-Art; in den Zuchtprogrammen der „Goodeid Working Group“, die sich der Erhaltungszucht der Hochlandkärpflinge widmet (siehe https://goodeidworkinggroup.com) werden derzeit 5 Standortformen erbrein gezüchtet, eine davon ist Lago de Creda (das Züchterkürzel für diese Population lautet Atato1-VER-LCred), die wir jetzt in kleiner Stückzahl anbieten können. Es ist unter dem Aspekt des Artenschutzes wichtig, diese genetisch besonderen Populationen getrennt voneinander zu pflegen und zu züchten, sie sollten daher, wenn irgend möglich, stets mit Populationsbezeichnung weitergegeben werden. Äußerlich unterscheiden sich die 5 in der Zucht befindlichen Standortformen nicht.

Ataeniobius toweri unterscheidet sich von allen anderen Goodeinae dadurch, dass die bei der Geburt bereits recht großen Jungtiere keine Nährschnüre (Trophotaenien) am Bauch haben. Alle andere Goodeinen haben das. Die Trophotaenien dienen der Ernährung der Jungfische im Mutterleib während der Trächtigkeit. Anders als die Lebendgebärenden Zahnkarpfen (z.B. Guppy, Platy, Molly etc.) sind nämlich die Goodeinae „richtig lebendgebärend“, d.h., die Jungtiere schlüpfen im Mutterleib aus den Eiern und werden vom Muttertier bis zur Geburt mit Nährstoffen versorgt. Bei den Zahnkarpfen entwickeln sich hingegen die Eier bis zum Ablaichen im Mutterbauch so weit, dass die Jungtiere im Moment des Ablaichens schlüpfen. Man spricht darum von „eilebendgebärenden Fischen“.

Die meisten Goodeinen gedeihen am besten, wenn sie in der warmen Jahreszeit (in Mitteleuropa ca. Mai bis Oktober) im Freiland bei wetterbedingt schwankenden Bedingungen gepflegt werden. Das gilt auch für Ataeniobius toweri. Aber gerade diese Art scheint durch das Leben in thermalen Quellen etwas weniger problematisch in der längerfristigen Zimmerhaltung zu sein.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei A. toweri, die übrigens etwa 8 cm Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) erreichen können, nur wenig. Balzaktive Männchen bekommen eine bläuliche Schwanzflosse, in der Hochbalz zieht sich der blaue Glanz über den ganzen Körper und überdeckt die ansonsten so typischen zwei Längsstreifen. Ansonsten ist man auf die unterschiedlich geformte Afterflosse zur Geschlechtsunterscheidung angewiesen (funktioniert bei allen Goodeinen). Zusätzlich haben männliche A. toweri insgesamt etwas größere Flossen. In der Natur frisst A. toweri wohl hauptsächlich Algen, im Aquarium werden sehr gerne Flockenfutter und Artemia-Nauplien gefressen. Das Wasser sollte eher hart, der pH neutral bis schwach alkalisch sein. Das Temperaturminimum für mehrere Monate liegt bei ca. 18°C, sehr günstig sind 23-24°C zur Zucht. Bei ca. 28°C stellen die Tiere das Fortpflanzungsverhalten ein. Man kann und sollte A. toweri auch bei Zimmerhaltung alljährlich einige Wochen Ruhepause bei ca. 18°C gönnen. Das macht die Fische vital und robust.

Für unsere Kunden: A. toweri Lago de Creda hat Code 360703 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pimelodella cf. hartwelli

29. April 2026

Zu den allerersten exotischen Zierfischen überhaupt gehört eine Art, die 1895 unter dem Namen Pimelodus gracilis zu Paul Matte nach Berlin gelangte. Dieser schlanke „Fadenwels“ wurde zwar durchaus positiv besprochen, blieb aber trotzdem auf die Aquarien einiger weniger Liebhaber beschränkt. Ob die damalige Bestimmung korrekt war, sei einmal dahingestellt. Aus heutiger Sicht war es auf jeden Fall ein Vertreter der Gattung Pimelodella. Diese Gattung wurde früher zu den „Antennenwelsen“ (Pimelodidae, nicht zu verwechseln mit den ebenfalls oft als Antennenwelsen bezeichneten Saugwelsen der Gattung Ancistrus) zugerechnet. Heute zählt man sie zu den Heptapteridae, für die es keinen gebräuchlichen deutschen Namen gibt.

Mit aktuell etwa 84 akzeptierten Arten ist Pimelodella eine sehr artenreiche Gattung, die überall in Südamerika vertreten ist. Die letzte Gesamtübersicht stammt aus dem Jahr 1917; dort unterschied Carl Eigenmann 34 Arten, also 50 weniger als heute. Das macht eine Bestimmung der Art innerhalb der Gattung zu einem hochkomplexen Unterfangen, zumal man ja nie sicher sein kann, ob man nicht eventuell eine unbeschriebene Art vorliegen hat. 

Im Prinzip sind alle Pimelodella-Arten gut für das Hobby geeignet. Es gibt sehr kleine Arten (um 6-7 cm), aber auch größere. Die größte bekannte wird um die 30 cm lang. Da alle sehr ähnlich aussehen: schlanker Körper, in aller Regel ein dunkler Streifen entlang der Flanke, relativ große, tief eingeschnittene Schwanzflosse, große Fettflosse, das alles auf einem gelblich-ocker-bronzefarbenen Untergrund, der je nach Lichteinfall bläulich, grünlich oder golden reflektieren kann, hat man sich bislang kaum die Mühe gemacht, die selten und meist nur als Beifang importierten Tiere näher zu betrachten. Nun hat aber eine von uns aus Peru importierte Art unsere Neugier und unseren Ehrgeiz geweckt!

Vor ziemlich genau einem Jahr importierten wir 20 junge Exemplare einer Pimelodella-Art aus Peru; aufgrund der Tatsache, dass dieser Import eine für uns neue Art der Algensalmler (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/parodon-sp-cf-pongoensis/) enthielt, die nur in einem bestimmten Gebiet von Peru vorkommt, hielten wir es für wahrscheinlich, dass diese uns zuvor ebenfalls noch nicht angebotene Pimelodella-Art ebenfalls von dort stammte. Und siehe da, in der gleichen Arbeit, in der Parodon pongoensis beschrieben ist, findet sich auch die Erstbeschreibung einer Pimelodella-Art, nämlich P. montana. Die Abbildung in der Beschreibung zeigt ein Tier, das unseren sehr ähnlich sah; darum benannten wir die Art zunächst P. cf. montana. 

Die meisten Exemplare verkauften wir unter diesem Namen und bekamen keinen Protest seitens unserer Kunden. Inzwischen sind die vier verbliebenen Tiere aber herangewachsen und geschlechtsreif. Sie messen nun rund 12 cm Totallänge. Ein Männchen hat eine vergrößerte, segelförmige  Rückenflosse entwickelt, ein Weibchen kräftigen Laichansatz. Unsere Bilder zu diesem Post zeigen diese beiden Fische. Bisher sind uns keine Meldungen zu einem derartigen Geschlechtsunterschied bei irgendeiner Pimelodella-Art bekannt geworden. Publiziert ist lediglich, dass einzelne Arten fadenartige Verlängerungen in der Rückenflosse der Männchen aufweisen. Den krassen Geschlechtsdimorphismus unserer Spezies fand man u.W. bisher nur bei Brachyrhamdia-Arten.

Aus Peru sind zur Zeit 16 Arten der Gattung Pimelodella gemeldet; 10 davon können wir ausschließen, da sie farblich und/oder anatomisch deutlich von unseren Fischen abweichen, jedoch können wir einige der verbliebenen sechs Arten überhaupt nicht beurteilen, weil es keine Abbildungen dazu gibt und die verbalen Beschreibungen nicht aussagekräftig sind. Sehr ähnlich ist auf jeden Fall Pimelodella hartwelli, aber auch P. ophthalmica ist ein heißer Kandidat. P. montana schließen wir inzwischen aus, da bei dieser Art der dunkle Längsstreifen bereits auf der Schnauze beginnt, bei unseren Tieren erst hinter dem Kiemendeckel.

Auch wenn wir  also keine genaue Bestimmung liefern können: Pimelodella-Arten sind es ganz offensichtlich wert, aquaristisch mehr beachtet zu werden. Sie sind friedlich, werden nicht allzu groß und sind somit auf jeden Fall eine Bereicherung für Gesellschaftsaquarien mit etwas größeren Fischen. Und wer weiß? Vielleicht lassen sie sich sogar unter Aquarienbedingungen züchten. Bisher gibt es u.W. keine Zuchtberichte.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 279513 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Epalzeorhynchos bicolor ( = Labeo b.)

29. April 2026

Der Feuerschwanz, Epalzeorhynchos bicolor, ist seit Jahrzehnten einer der beliebtesten Aquarienfische. Seine Farbkombination von pechschwarzem Körper mit feuerroter Schwanzflosse machen ihn für viele Aquarianer unwiderstehlich. Unter erfahrenen Aquarianern sagt man auch gerne: „auf diesen Fisch muss jeder mal hereingefallen sein.“ Das klingt ja recht negativ. Warum das?

Nun, der bis zu maximal 12-13 cm lange Fisch gehört zwar aus systematischer Hinsicht zu den Karpfenfischen, ist jedoch bezüglich des Verhaltens ein Buntbarsch. Genauer gesagt: ein Tropheus-Buntbarsch aus dem Tanganjikasee. Die Haltungsanforderungen des früher einmal in Thailand heimischen Feuerschwanzes (er gilt in der Natur aufgrund von Staudammbauten, die die Laichwanderung verhindern, als ausgestorben) entsprechen tatsächlich denen von Tropheus. Es sind Aufwuchsfresser, die viel Platz brauchen und untereinander eine strenge Hierarchie ausmachen. Pflegt man einen einzelnen Feuerschwanz in einem normalgroßen Aquarium, so erlebt man sehr oft, dass dieses Tier sich zum Tyrannen über den gesamten Besatz aufschwingt. Aber der Fehler liegt in diesem Fall beim Aquarianer, nicht beim Fisch. Der folgt nur seinen Instinkten. Das Schlimme ist: ziemlich oft geht diese Haltungsform sogar gut! Das liegt wohl daran, dass der Feuerschwanz seit mindestens 40 Jahren nur noch als Nachzucht zur Verfügung steht. Die Nachzuchtfische sind viel friedlicher als ihre wilden Vettern, weil über die Zeit immer nur die verträglichsten Tiere zur Weiterzucht verwendet werden. Ohne die stete Nachfrage für die Aquaristik wäre der Feuerschwanz bereits auf der Liste der ausgestorbenen Tierarten zu finden.

Dennoch: die richtige Pflege von Epalzeorhynchos bicolor sollte in Aquarien ab 150 cm Kantenlänge erfolgen. Dort pflegt man sie in Gruppen von mindestens 15, besser mehr Exemplaren. Zarte, stressempfindliche Fischarten sind als Gesellschaft für Feuerschwänze ungeeignet. Wie bei Tropheus-Buntbarschen kann es trotz richtiger Pflege passieren, dass Exemplare unterdrückt werden. Greift der Pfleger dann nicht ein, kann das für den gemobbten Fisch tödlich enden.

Die Wasserwerte sind für die Pflege von Feuerschwänzen unerheblich. Jedes Trinkwasser eignet sich. Der pH kann zwischen 6 und etwas über 8 liegen. Wassertemperaturen zwischen 22 und 28°C sind am günstigsten. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter, jedoch eignen sich Flockenfutter, Futtertabletten und feines Frostfutter (Cyclops, Bosmiden etc.) am besten. Sehr wichtig sit es, die Tiere in einem durch Steinaufbauten, Wurzelholz, Pflanzen etc. sehr gut strukturierten Aquarium zu pflegen. Voll ausgewachsene Tiere lassen die Geschlechter gut erkennen. Weibchen sind deutlich voller in der Bauchpartie, zudem haben die Männchen eine ausgezipfelte Rückenflosse. Es sind Freilaicher ohne Brutpflege. Richtig gepflegte Feuerschwänze sind prachtvolle Tiere, die auch verwöhnte Augen immer wieder begeistern.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 422301 (2-3 cm) bis Code 422306 (8-10 cm) für asiatische Nachzuchten, Code 422331 (2-3 cm) bis Code 422334 (6-7 cm) für europäische Nachzuchten, 422400 (2-3 cm) bis 422404 (6-7 cm) für Albino-Nachzuchten aus Asien und 422412 (4-5 cm) für Albino-Nachzuchten aus Europa auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Chromaphyosemion bitaeniatum IJEBU ODE

24. April 2026

Endlich haben wir wieder einmal diesen traumhaft schönen Killi als deutsche Nachzucht im Stock. Die Art wird 4-5 cm lang. 

Dieser herrliche Prachtkärpfling wird leider nur sehr selten angeboten. Wir haben zur Zeit einige solcher Nachzuchttiere von der Fundortform Ijebu Ode (Nigeria, Bundesstaat Ogun) im Stock, voll ausgefärbt und sehr farbig. Diese Art eignet sich gut für Gesellschaftsaquarien mit friedlichen kleinen Fischen (Salmler, Barben, Welse etc.).

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 305312 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. Nur in begrenzter Stückzahl lieferbar!

Text & Photos: Frank Schäfer

Pelvicachromis pulcher

24. April 2026

Ein echter Klassiker ist der Purpur-Prachtbarsch oder, wie er auch genannt wird, der Königscichlide Pelvicachromis pulcher. Das komplizierteste an ihm ist die Namensgeschichte. Ganz früher kannte man ihn als P. kribensis, im englischen Sprachgebrauch ist er bis heute „the krib“. Dann erkannte man, dass es sich um P. pulcher handelt, aber es gab ziemliches Kuddelmuddel um die korrekte Benennung diverser Farbformen und Fundortvarianten. Aktuell unterscheidet man zwischen P. pulcher und P. sacrimontis (der früher „Form B“ von P. pulcher genannt wurde). Beide stammen ursprünglich aus dem Niger in Nigeria und von beiden gibt es unterschiedliche Farbschläge. Zu P. sacrimontis siehe hier https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pelvicachromis-sacrimontis-p-pulcher-red-wild/ zu einer Wildform von P. pulcher hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pelvicachromis-pulcher-wild-gelb-2/

Pelvicachromis ist ein Zwergbuntbarsch, wird also im maximal 10 cm lang und auch das nur im männlichen Geschlecht; Weibchen bleiben immer deutlich kleiner. Wir erhalten manchmal Nachzuchttiere von P. pulcher, die ganz wunderschön in der Rückenflosse gepunktet sind. Leider sind das individuelle Schönheiten. In jeder Brut, in der solche Tiere auftauchen, sind auch erheblich schlichter gefärbte Exemplare enthalten, die nur wenige oder gar keine Punkte in der Rückenflosse besitzen.

Pflege und Zucht dieses Buntbarsches galten früher als schwierig. Die Fische mögen weiches, leicht saures Wasser. Auch hielt man sie oft zu warm. Pelvicachromis stammen aus beschatteten Bächen, die nur 22-24°C aufweisen, nach Regen auch deutlich kühler. Aber heutzutage hat die jahrzehntelange Zucht robuste und anpassungsfähige Fische hervorgebracht, die praktisch alle Wasserwerte akzeptieren und sogar in mittelhartem, leicht alkalischem Wasser ihre Brut aufziehen. Pflanzen und Beifische werden fast immer in Ruhe gelassen, wenn die Beckengröße ausreichend ist, trifft das sogar zur Brutzeit zu. Es sind Höhlenlaicher mit Elternfamilie. Gefressen wird jegliches handelsübliche Fischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 559901 (2-3 cm) bis 559904 (5-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Moenkhausia oligolepis

24. April 2026

Traditionell unterscheidet man zwei Arten der Rotaugen-Moenkhausia, die sich äußerlich kaum unterscheiden. Es sind dies M. oligolepis aus dem Amazonas-Gebiet und den Guyana-Ländern und M. sanctaefilomenae aus der südlich daran angrenzenden Zone, dem Rio Paraguay und Parnahyba. Es gibt farbliche Details zur Artunterscheidung, die jedoch oft unzuverlässig sind. So nennt man M. oligolepis auch „Schwanzspiegel-Salmler“, weil der prominente schwarze Fleck auf der Schwanzwurzel, den alle Arten dieser Gruppe haben, vorn und hinten von einer breiten weißen Zone begleitet wird. Ähnlich sieht das aber bei manchen M. sanctaefilomenae auch aus. Als sicheres Unterscheidungsmerkmal gilt darum, dass M. oligolepis mehr und damit kleinere Schuppen als M. sanctaefilomenae hat. In der Längsreihe sind es bei M. oligolepis 29-32 Schuppen, bei M. sanctaefilomenae 22-26. 

Doch es wäre ja zu einfach, wenn es nur diese zwei Optionen gäbe. Tatsächlich sind in jüngerer Zeit zwei weitere „Rotaugen-Moenkhausia“-Arten beschrieben worden, nämlich M. forestii (2009) und M. pyrophthalma (1994). M. forestii stammt – genau wie M. sanctaefilomenae – aus dem Einzug des Rio Paraguay und unterscheidet sich von M. sanctaefilomenae nur wenig. Wir zitieren: „Moenkhausia forestii unterscheidet sich von M. sanctaefilomenae durch die Anzahl der quer verlaufenden Schuppenreihen oberhalb der Seitenlinie (5 entgegen 4 Schuppen) sowie durch die Anzahl der quer verlaufenden Schuppenreihen unterhalb der Seitenlinie (4 entgegen 3 Schuppen).“ Alle drei Rotaugen-Moenkhausia werden aktuell der Gattung Bario zugeordnet. Im Hobby ist M. forestii wohl noch nicht aufgetaucht, bzw. es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie als eine andere Art als M. sanctaefilomenae erkannt wird. Die vierte Art, M. pyrophthalma (der Artname bedeutet „Feuerauge“), wird gegenwärtig Ramirezella zugeordnet; dieser Fisch ist viel schlanker als die bisher genannten und hat eine ganz andere Schwanzwurzelzeichnung, ist also kaum zu verwechseln.

Die alleraktuellste Forschung zeigt, dass es sogar drei Arten von Rotaugen-Moenkhausia im Einzug des Rio Paraguay gibt: B. forestii und B. sanctaefilomenae (beide mit unvollständiger Seitenlinie) und B. australis (mit kompletter Seitenlinie). Letztere wurde bereits 1908 beschrieben, doch glaubte man später, das Merkmal der Seitenlinie sei variabel und nicht zur Artuntscheidung geeignet.

Wir können ab und zu wilde Rotaugen-Moenkhausia importieren, manchmal M. sanctaefilomenae aus Paraguay (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/moenkhausia_sanctaefilomenae_wild_de/) und manchmal M. oligolepis aus Peru. 

Pflege und Zucht beider Arten sind einfach (wahrscheinlich auch die von B. forestii und B. australis, wenn man sie denn bekäme), die Wasserwerte spielen nur eine absolut untergeordnete Rolle. PH-Werte zwischen 6 und 8, weiches bis mittelhartes Wasser, nach Eingewöhnung ruhig auch hartes Wasser, eine Wassertemperatur zwischen 22 und 26° C als Richtschnur (zeitweise darf es auch etwas weniger oder mehr sein) und Rotaugen-Moenkhausia sind glücklich. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Man sollte Rotaugen-Moenkhausia immer im möglichst großen Schwarm halten. Mit maximal 12 cm Länge (Totallänge inkl. Schwanzflosse) wird M. oligolepis deutlich größer als M. sanctaefilomenae (ca. 7 cm) und eignet sich darum besser als jene als Beifisch zu größeren Buntbarschen etc.

Für unsere Kunden. M. oligolepis hat – je nach Größe – Code 268902 (md), 268903 (md-lg) und 268904 (xlg) – auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Mirande, J.M., Körber, S., Terán, G.E. & G. Aguílera (2024): Welche Spezies mit roten Augen ist es? Die Moenkhausia oligolepis Gruppe in Argentinien (Characiformes: Characidae). AKFS-aktuell (49): 23-30

Text & Photos: Frank Schäfer

Rhoadsia altipinna

24. April 2026

Im Südwesten von Ekuador, auf der pazifischen Seite der Anden, lebt der merkwürdige Salmler Rhoadsia altipinna. Farblich wirkt die Art, die man auch als Regenbogentetra bezeichnet, wie eine xxl-Ausgabe des Brillantsalmlers, Moenkhausia pittieri. Aber wenn es zum Verhalten kommt, so drängt sich der Gedanke auf, dass dieser Salmler ursprünglich plante, ein Buntbarsch zu werden. Die Männchen von R. altipinna, die man an dem roten Saum in der Afterflosse erkennt und die zudem im Alter viel großflächigere Flossen haben, besetzen Laichreviere und verteidigen sie energisch. Sogar direkte Brutpflege (in diesem Fall das säubern des Laichs von Schmutzpartikeln) üben die Männchen aus.

Leider ist die Art in den Aquarien selten geworden, da zur Zeit keine Exporte aus Ekuador erfolgen. Die letzten Importe liegen schon so lange zurück, dass wir ziemlich tief in der Diakiste unseres Archives wühlen mussten, um noch ein paar Bilder größerer Tiere zu finden, die den roten Afterflossensaum des Männchens zeigen; er entwickelt sich leider erst ziemlich spät..

Wir können ab und zu einige 4-6 cm lange Nachzuchten dieses ebenso interessanten wie prachtvollen Tieres anbieten. Die erreichbare Endgröße liegt bei stolzen 17 cm bei Männchen. Weibchen bleiben immer erheblich kleiner, in der Literatur werden 9 cm angegeben. Bezüglich der Wasserwerte (Gesamthärte bis ca. 15°dH, pH 6,3-7,5, 22-25°C) sind Pflege und Zucht als einfach einzustufen, wichtig sind vor allem geräumige Aquarien und kräftiges Futter. Es wird zwar grundsätzlich jede Art üblichen Zierfischfutters akzeptiert, grobes Frost- und Lebendfutter (vor allem Insekten) sollte aber auf dem Speiseplan nicht fehlen, vor allem, wenn Laichansatz beim Weibchen gewünscht wird

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 287602 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Mimagoniates microlepis

17. April 2026

Es gibt nur wenige Salmlerarten, die so oft unter falschem Namen in der Literatur abgebildet wurden, wie die Vertreter der Gattung Mimagoniates. Die hübschen Tiere werden ab und zu aus dem südlichen Brasilien als Zierfisch exportiert. Da sie eine innere Befruchtung haben, das Weibchen also einige Zeit nach erfolgter Befruchtung in Abwesenheit von Männchen befruchtete und entwicklungsfähige Eier legen kann, weckten sie schon früh das Interesse der biologisch interessierten Aquarianer. Vor allem der Befruchtungsvorgang machte und macht neugierig. 

Aber die Verwechslungen! Wir wollen es hier nicht zu kompliziert machen, wer tiefer in die Materie eintauchen will, möge bitte die Revision dieser Gruppe aus dem Jahr 2009 durch Menezes und Weitzman studieren. Jedenfalls wurden die ursprünglich 1877 als Paragoniates microlepis von Steindachner beschriebenen Tiere in der Literatur schon als Coelurichthys iporangae (Gattungsname ursprünglich falsch „Coalurichthys“ geschrieben), C. microlepis, C. tenuis, C. lateralis, Mimagoniates microlepis, M. tenuis, M. inequalis, M. barberi und M. lateralis bezeichnet. Manche dieser Art gibt es wirklich, sie sehen ähnlich aus, sind aber halt andere Arten, andere sind Synonyme. Die Gefahr, dass man beim Literaturstudium und erst recht beim Googlen oder der Nutzung von KI in eine falsche Richtung gelenkt wird, ist also sehr groß. Für uns Aquarianer ist die Kombination aus gut erkennbarem Schulterfleck mit der sehr breiten Körperbinde das beste Bestimmungskriterium.

Mimagoniates microlepis wird im Aquarium etwa 6-7 cm lang (Gesamtlänge, inklusive Schwanzflosse), wilde Exemplare bleiben etwa einen Zentimeter kleiner. Es sind sehr lebhafte Schwarmfische, die in der Natur in bevorzugt in Bächen leben, sich aber als anpassungsfähig erwiesen haben. Meist sind es kühle, beschattete Klarwasserbäche, die als Lebensraum dienen, doch gibt es die Fische auch in Schwarzwasserbächen und sie können sich sogar an stark gestörte Lebensräume anpassen, wo der Mensch die ursprüngliche Flora „Mata Atlântica“ vernichtet hat. Sogar in stehenden Gewässern wurde Mimagoniates microlepis schon nachgewiesen. Die Art ist weit verbreitet: entlang der Küste vom Süden Bahias bis zum Norden von Rio Grande do Sul sowie im Oberlauf der Flüsse Iguaçu und Tibagi und im Einzugsgebiet des Oberlaufs des Paraná in Brasilien

Im Hobby kennt man solche „Schwanzdrüsensalmler“ seit 1907. Die Männchen besitzen auf der Basis der Schwanzflosse einen komplizierten, aus Schuppen konstruierten Drüsenapparat, mit dem offenbar spezifische Sexuallockstoffe (Pheromone) produziert werden. Die Balz ist eine unvergleichliches Schauspiel, bei dem die Männchen aufwändige Schwimm-Manöver („Paarungstänze“) vor den Damen vorführen. Bei der eigentlichen Paarung legt sich das Männchen wie ein Ring um das Weiben. Dabei wird ein Samenpaket ausgestoßen, das das Weibchen aufnimmt. Die Eiablage erfolgt oft erst Tage, angeblich sogar manchmal erst Wochen oder Monate später. Das Weibchen heftet den Laich am liebsten an die Unterseite von Wasserpflanzenblättern.

Mimagoniates microlepis ist ein friedliches Tier, das alle üblichen Futtersorten akzeptiert. Wichtig erscheint, dass die Wassertemperatur nicht dauerhaft zu hoch ist. Werte zwischen 16 und 24°C sind angemessen, wobei die meiste Zeit des Jahres 18-20°C anzustreben sind. Wahrscheinlich würde dieser Art eine zeitweilige Freilandhaltung gut tun, aber unter solchen Bedingungen ist die Beobachtung der Pfleglinge leider nur schwer möglich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 268563 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Menezes, N. A. & S. H. Weitzman (2009): Systematics of the neotropical fish subfamily Glandulocaudinae (Teleostei: Characiformes: Characidae). Neotropical Ichthyology v. 7 (no. 3): 295-370

Text & Photos. Frank Schäfer

Channa asiatica „Platinum“

17. April 2026

Zuchtformem bei Channa-Arten gibt es bisher kaum. Lediglich von Channa striata sind Albinos in der Teichwirtschaft erzüchtet worden, und – gleichfalls aus der Teichwirtschaft – von Channa argus eine silberweiße Zuchtform „Pearl White Lemon“ (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/channa_white_pearl_lemon_de/); diese Tiere sind 1936 als Channa argus kimurai beschrieben worden.

Channa asiatica ist eine variantenreiche Art oder, wie man es heute eher sieht, ein Artenkomplex von anatomisch nicht voneinander trennbarer Arten, die sich jedoch farblich recht deutlich unterscheiden. Weil von wissenschaftlicher Seite bisher von lediglich einer Art ausgegangen wird, kam es im Hobby bei der Nachzucht solcher Fische – Channa asiatica wird bis zu 40 cm lang, ist jedoch bei der Hälfte dieser Länge bereits geschlechtsreif – häufiger zu Vermischung verschiedener Fundortstämme. 

In der westlichen Welt ist Channa asiatica unter Aquarianern für seine Unberechenbarkeit berüchtigt. Selbst Paare, die schon häufiger miteinander Jungtiere hatten (die Art baut kein Nest, die Eier werden an der Wasseroberfläche abgelegt und von beiden Eltern betreut) können sich nach Jahren harmonischen Zusammenlebens plötzlich zerstreiten und dann bis zum Tode bekämpfen. Darum findet man C. asiatica (im weitesten Sinne) nur sehr gelegentlich im Zierfischhandel, obwohl die Art sehr schön sein kann. Sie ist im Wesentlichen in China und auf Inseln in dessen Nähe verbreitet.

Auf Taiwan gibt es Züchtereien, die inzwischen verschiedene Farbselektionen von C. asiatica gezielt vermehren. Ob man die Tiere dort nur um ihrer selbst willen oder mit asiaitischem Pragmatismus gleichzeitig als Speise- und Aquarienfisch hält, entzieht sich unserer Kenntnis. Aus dieser Quelle haben wir jetzt erstmals eine „Platinum“-Variante von Channa asiatica importiert. Von der farblich ähnlichen, in der EU als potentiell invasiv eingestuften und darum verbotenen Channa argus „Pearl White Lemon“ kann man Channa asiatica sofort an den fehlenden Bauchflossen des letzteren unterscheiden.

Die Pflege von Channa asiatica ist sehr einfach; eine Heizung benötigen diese Tiere in Zimmeraquarien nicht. Das Aquarium muss der erwartbaren Größe angepasst sein. Bei Einzelhaltung erwirbt man ein Haustier, das zahm wird und viele Jahre den Besitzer erfreuen kann. Gefressen wird jegliches grobe Futter fleischlicher Herkunft, also Regenwürmer, Futterfische (auch gefrostet), Meeresfrüchte aller Art, Gammarus, Mehlwürmer, andere Insekten usw., aber meist nehmen diese Tiere auch Cichliden Sticks und grobe Granulate. Bei Zuchtversuchen sollte man darauf achten, dass die Wassertemperatur möglichst nicht viel über 22°C steigt, denn bei höheren Temperaturen kommt das Aggessionspotential dieser Fische voll zum tragen. Die Wasserwerte sind für Pflege und Zucht ohne Belang, jedes Trinkwasser eignet sich dafür.

Für unsere Kunden: C. asiatica „Platinum“ hat Code 409240 auf unserer Stockliste; aktuell sind die Tiere 12-15 cm lang. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Acestrorhynchus isalinae

17. April 2026

Die Barrakuda-Salmler der Gattung Acestrorhynchus eignen sich sehr gut für die Pflege im Aquarium, obwohl sie ausgesprochene Raubfische sind und sich in der Natur vorzugsweise von kleinen Fischen ernähren. Etliche Arten werden mittelgroß, ca. 20-30 cm, doch gibt es auch Zwergarten, darunter A. isalinae, der nur rund 7,5 cm Standardlänge (also ca. 10 cm Totallänge, man rechnet bei Fischen ja gewöhnlich die Schwanzflosse nicht mit) erreicht; in Importen finden sich manchmal Riesen von ca. 12 cm Totallänge, also mit Schwanzflosse. Diese Art ist zugleich der hübscheste Acestrorhynchus in Bezug auf die Körperzeichnung: Sie besitzt nämlich zwei schwarze Längsbänder und einen teilweise roten oder gelben Schwanzwurzelfleck; insgesamt ist der Schwanzwurzelfleck dreigeteilt. Ganz oben ist er rot oder gelb, in der Mitte schwarz und ganz unten weiß.

Acestrorhynchus isalinae wurde wissenschaftlich erst 1983 aus dem Einzug des Rio Madeira beschrieben. Von dort erfolgen keine Exporte der Art, jedoch gibt es ein wunderschönes Buch über die Fische des Rio Madeira; der dort abgebildete A. isalinae entspricht in allen Farbmerkmalen den von uns regelmäßig aus Peru importierten Tieren. Bereits 1909 beschrieb Eigenmann aus Britsh Guyana eine extrem ähnliche Art, nämlich Acestrorhynchus nasutus. Es wird gelegetlich spekuliert, dass A. nasutus und A. isalinae die gleiche Art seien, bzw. dass alle als A. isalinae importierten Fische in Wirklichkeit A. nasutus darstellen würden.

Wie man auf der Fotografie des Typusexemplares von A. nasutus aus dem Jahr 1903 jedoch deutlich sehen kann, ist bei dieser Art jedoch der schwarze Schwanzwurzelfleck nicht punktförmig wie bei A. isalinae, sondern in Form einer Raute ausgeprägt, die bis ans Ende der Schwanzflosse verläuft; zudem endet bei A. nasutus die Bauchbinde oberhalb der Afterflosse, bei A. isalinae verläuft sie über die gesamte Bauchlänge. Offenbar ist A. nasutus noch nie für die Aquaristik importiert worden. Auch A. nasutus wird nur ca. 7,5 cm lang. Sehr ähnlich gefärbt ist ferner der wiederum kleinbleibende (8 cm ohne Schwanzflosse) A. maculipinna aus dem Amazonasgebiet in Brasilien, der jedoch an der Basis der Rückenflosse einen großen schwarzen Fleck hat.

Untereinander und gegenüber anderen Fischen, die als Nahrung nicht in Frage kommen, sind Acestrorhynchus gewöhnlich relativ friedlich. Das muss alletdings insofern eingeschränkt werden, als dass es nicht ratsam ist. bei A. isalinae Exemplare unterschiedlicher Größe geinsam zu pflegen. Die größeren Exemplare werden in diesem Fall die kleineren mobben, sogar dann, wenn der Größenunterschied nur 1-2 cm beträgt. Das Mobbiung kann im Extremfall sogar tödlich enden, also Vorsicht!

Die chemische Wasserzusammensetzung ist für A. isalinae relativ unerheblich, pH zwischen 6 und 8, Härte von weich bis mittelhart, Temperatur zwischen 22 und 26°C sind günstige Werte. Schwierig ist die Futterfrage. Lebende Futterfische sollte man möglichst nicht geben, da sie stets Krankheitserreger in sich tragen können. Gerne werden von kleineren A. isalinae z.B. lebende Weiße Mückenlarven gefressen. Mit etwas Geduld kann man die Tiere fast immer an grobes Frostfutter gewöhnen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 202100 (4-5 cm) bis Code 202104 (9-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Eigenmann, C. H. (1912): The freshwater fishes of British Guiana, including a study of the ecological grouping of species, and the relation of the fauna of the plateau to that of the lowlands. Memoirs of the Carnegie Museum v. 5 (no. 1): i-xxii + 1-578, Pls. 1-103.

Menezes, N. A. & J. Géry (1983): Seven new acestrorhynchin characid species (Osteichthyes, Ostariophysi, Characiformes) with comments on the systematics of the group. Revue Suisse de Zoologie v. 90 (no. 3): 563-592.

de Queiroz, L. J., Torrente-Vilara, G., Ohara, W. M., da Silva Pires, T. H., Zuanon, J & C. R. da Costa Doria (2013): Peixes do Rio Madeira, Vol 1-3, Sao Paulo

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma nattereri

13. April 2026

Zu den bereits früh in der Aquarienkunde bekannt gewordenen Panzerwels-Arten gehört Hoplisoma nattereri. Zuerst wurde diese Art ca. 1920 aus der Umgebung von Rio de Janeiro in Brasilien nach Europa eingeführt. Es gibt sie in den Küstenregionen des gesamten Bundesstaates Rio de Janeiro sowie im Bundesstaat Sao Paulo. Arttypische Merkmale sind: farblose Flossen, ein dunkler Fleck an der Basis der Rückenflosse und ein in der Körpermitte verlaufendes Längsband, das am Kiemendeckel beginnt und bis zum Ansatz der Schwanzflosse verläuft. Der Rücken ist etwas dunkler als die Gesamtfärbung. Die Maximallänge dieser Art beträgt 6-7 cm, wobei die Weibchen größer als die Männchen werden.

Es gibt zwei bis drei Verwechslungsarten zu H. nattereri. Da wäre zum einen der gemeinsam mit dieser vorkommende Langschnäuzer Scleromystax prionotos (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/scleromystax-prionotos/). Dann gibt es eine fast identisch gefärbte Art in den Bundesstaaten Espirito Santo und Bahia. Er hat die CW-Nummer CW165 erhalten. CW165 unterscheidet sich von H. nattereri durch eine wolkige Zeichnung des Rückens und dunkle Flecken unterhalb des Längsbandes. Und dann gibt es noch Hoplisoma baderi, der praktisch identisch zu H. nattereri aussieht, bei dem jedoch der schwarze Flecke an der Basis der Rückenflosse fehlt. H. baderi kommt in Brasilien im Bundesstaat Para (Rio Paru do Oreste) und in den Guyana-Staaten Suriname und Französisch Guyana (Einzug des Maroni-Flusses) vor.

Die Pflege und Zucht von Hoplisoma nattereri entsprechen vollständig dem bekanntesten Aquarien-Panzerwelses überhaupt, nämlich Hoplisoma paleatum (Marmorierter Panzerwels). Temperaturen zwischen 16 und 26°C (jahreszeitlich unterschiedlich), zumindest stellenweise sollte der Bodengrund aus weichem Sand bestehen, gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe, jedes Trinkwasser ist zur Pflege geeignet. Die völlig friedlichen Fischen sollten idealerweise im Trupp von ihresgleichen (ab 6 Exemplaren) gepflegt werden.

Für unsere Kunden: Hoplisoma nattereri hat – je nach Größe – Code 237501 (sm) bis 237505 (xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Scleromystax prionotos

13. April 2026

Es erstaunt ein wenig, wenn man bedenkt, wie lange sich die Wissenschaft schwer damit getan hat, zwei farblich ähnliche, aber aus heutiger Sicht doch deutlich unterschiedliche Panzerwels-Arten zu unterscheiden. Die Rede ist von Hoplisoma nattereri und Scleromystax prionotos, die beide bis vor relativ kurzer Zeit noch in der gemeinsamen Gattung Corydoras untergebracht waren.

Während Hoplisoma nattereri schon sehr früh, nämlich 1876, aus Küstenflüssen des östlichen Brasiliens (Bundesstaat Rio de Janeiro, dort im Einzug des Rio Paraiba do Sul und Sao Paulo, dort vor allem im Einzug des Rio Juquia) beschrieben wurde, dauerte es bis zur Erstbeschreibung des in dem gleichen Gebiet und oft gemeinsam mit H. nattereri lebenden Scleromystax prionotos über 100 Jahre länger. Selbst dann tat man sich schwer, die beiden Arten zu trennen. Als einziges sicheres Merkmal galt, dass die Innenseite des Brustflossenstachels von S. prionotos sehr stark und grob gezähnelt ist. Die Innseite des Brustflossenstachels bei H. nattereri ist hingegen nur ganz fein gezähnelt. Dieser Unterschied war zwar bereits frühen Bearbeitern (ab 1913) aufgefallen, aber man sah darin eher eine Form von innerartlicher Variation als einen Artunterschied.

Heutzutage sieht jeder Panzerwels-Aquarianer mit geschultem Blick, dass Scleromystax prionotos eine langschnäuzige Art ist, H. nattereri aber eine rundschnäuzige (weiteres zu H. nattereri siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/xxxxxx). Dieser am lebenden Tier so augenfällige Unterschied ist allerdings mit traditionellen Messmethoden an konservierten Exemplaren nur schwer darstellbar. Die unterschiedliche Kopfform ermöglicht es, zwei (oder ggf. auch mehreren) Panzerwels-Arten sich den gleichen Lebensraum zu teilen, ohne in direkte Konkurrenz zueinander zu treten, da sie unterschiedliche Methoden des Nahrungserwerbs haben. Die farbliche Ähnlichkeit zwischen S. prionotos und H. nattereri deutet nicht auf eine nähere Verwandtschaft der beiden Arten zueinander hin. Dabei handelt es sich um Mimikry, die an anderer Stelle schon erläutert wurde (z.B. https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/otocinclus-mimulus/). Hingegen verhindert die unterschiedliche Zähnelung des Innenseite des Brustflossenstachels zumindest in der Natur, dass die beiden Arten sich kreuzen. Zur Paarung klemmen bekanntlich männliche Panzerwelse die Barteln des Weibchens in einer so genannten T-Stellung ein. Die Zähnelung des Brustflossenstachels wirkt dabei wie der Bart eines Schlüssels. Der falsche Schlüssel passt nicht ins Schloss…

Scleromystax prionotos ist eine gut zu pflegende und auch ganz gut züchtbare Art. Insgesamt gilt sie als relativ anspruchslos und anpassungsfähig. Am günstigsten sind wohl Temperaturen zwischen 18 und 22°C, ein neutraler pH-Wert und eine Gesamthärte um 6° dH. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter, der Bodengrund sollte zumindest stellenweise aus feinem Sand bestehen. Pflanzen und tierische Mitbewohner bleiben gewöhnlich unbeachtet. Mit gut und gerne 6,5 cm Totallänge (also inklusive Schwanzflosse) gehört S. prionotos im weiblichen Geschlecht zu den etwas größeren Panzerwels-Arten. Männchen bleiben immer kleiner.

Für unsere Kunden: diese Panzerwelse haben – je nach Größe – Code 241503 (lg) bis 241505 (sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii „Alpha“

10. April 2026

Der Alpha-Schwertträger ist eine gar nicht so neue Zuchtform des Xiphophorus hellerii, es gab sie zumindest ansatzweise bereits in den 1960er Jahren. Sie wird aber in jüngerer Zeit (den letzten 10 Jahren) sehr gehypt und es werden geradezu aufsehenerregende Preise dafür gefordert, die die Preise für andere Schwertträger-Zuchtformen gut 10x und mehr übertreffen.

 

Dabei meinen viele, alle Alpha-Schwertträger müssten samtschwarze Tiere mit roter Grundfarbe sein. Das ist aber falsch. Tatsächlich können Alpha-Schwertträger in allen bekannten Schwertträger-Farben und -Flossenformen gezüchtet werden. Aber die meisten dieser anderen Zuchtformen sehen nicht so spektakulär aus. Was ist also ein Alpha-Schwertträger? Der Name wurde in der ehemaligen DDR für Tiere geprägt, die bei der Kreuzung von Hamburger Schwertträgern (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/xiphophorus-hellerii-schwarz-black/) mit anderen Helleris anfielen. Als „Vater der modernen Alpha-Schwertträger“ gilt der verstorbene Xipho-Züchter Günther Schramm, der Anfang der 1980er Jahre damit experimentierte. Bei allen Alphas ist der Anteil der grünglänzenden „Spiegel“-Schuppen des Hamburgers stark reduziert oder fehlt ganz. Alpha-Kreuzungstiere auf grüner Grundfarbe haben einen auffälligen Blauschimmer. Der hohe Preis erklärt sich aus der Spalterbigkeit der Alphas. In jeder Zuchtlinie fällt nur ein relativ kleiner Teil der Jungtiere in der gewünschten Färbung (jedenfalls berichten das die Züchter, wir selbst züchten die Tiere ja nicht). In manchen Bruten fallen auch nur Weibchen der gewünschten Farbkombination samtschwarz auf roter Grundfarbe, die Männchen sehen dann meist wie Wiener ( = rote Albinos) aus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/xiphophorus_hellerii_wien_lyra_de/).

Für unsere Kunden: Alpha-Schwertträger haben Code 420833 auf unserer Stockliste. Wir bieten derzeit ausschließlich rot-schwarze Tiere an, die Flossenform ist gemischt (Lyra und normalflossig). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Potamotrygon sp. „Mantilla“

10. April 2026

Unter den Süßwasser-Stechrochen Südamerikas gibt es immer noch einige Arten, die sich Bestimmungsversuchen entziehen. Ob es sich dabei um wissenschaftlich noch unbekannte Arten oder Morphen breits wissenschaftlich erfasster Spezies handelt, ist nicht entscheidbar. Einer dieser nicht identifizierten, im Hobby etwa seit den 1990er Jahren bekannte Art ist der Potamotrygon sp. „Mantilla“ aus Brasilien, der früher, als noch Süßwasser-Stechrochen aus Brasilien exportiert werden durften, auch unter der Bezeichnung „Marble Ray“ angeboten wurde. Die Fische wurden über Recife exportiert, stammten also aus dem Nordosten des Landes (Bundesstaat Pernambuco). Von den wissenschaftlich akzeptierten Arten ähnelt sie am meisten dem südlicher vorkommenden P. histrix (nicht zu verwechseln mit dem früher als „P. hystrix“ bezeichnete P. wallacei aus dem Rio Negro, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/potamotrygon-wallacei/). Potamotrygon sp. „Mantilla“ hat zudem mehrere P-Nummern (das ist ein System analog zu L- und C-Nummern) erhalten (P19-21 und P23-24), am gebräuchlichsten ist P21.

Süßwasser-Stechrochen aus Brasilien fallen unter internationale Handelsbeschränkungen (CITES). Sie werden darum seit einigen Jahren nicht mehr importiert. Statt dessen wird der (zugegebenermaßen sehr kleine Markt) für Süßwasser-Stechrochen durch Nachzuchten gedeckt. In größeren Stückzahlen werden diese Tiere in Südostasien gezüchtet, der etwas spezielleren Arten haben sich Züchter in Europa angenommen. Zu letzteren zählt Potamotrygon sp. „Mantilla“, von dem wir derzeit mehrere Exemplare anbieten können. Das Besondere daran ist, dass wir nicht nur wildfarbene Exemplare erhalten haben, sondern auch Albinos. In der Natur haben derart auffällige Tiere, wie es Albinos nun mal sind, kaum eine Überlebenschance, im Aquarium aber natürlich schon. 

Die Pflege und Zucht von Süßwasser-Stechrochen aller Arten ist ein Spezialgebiet der Aquarienkunde, auf das wir hier nicht näher eingehen. Wer sich dafür interessiert muss zwingend die Spezialliteratur studieren. 

Für unsere Kunden: Potamotrygon sp. „Mantilla“ hat Codes 282512 (10-12 cm ø), 282513 (12-15 cm ø), 282522 (Albino, 10-12 cm ø) und 282523 (Albino, 12-15 cm ø) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus nezahualcoyotl

10. April 2026

Wir haben gelegentlich sehr attraktive Nachzuchttiere des „Nördlichen Bergschwertträgers“ im Stock. Die Fische sind, wenn wir sie erhalten, meist jung erwachsen, d.h. das Schwert der Männchen ist noch relativ kurz oder auch noch gar nicht zu sehen. Zum Vergleich zeigen wir hier auch ein voll erwachsenes Männchen.

Früher galt X. nezahualcoyotl als Lokal-Variante von X. montezumae. Der Artname bezieht sich auf Nezahualcoyotl (1402-1472), den Dichter-Philosophen-Kaiser von Tezcoco (Texcoco). Er regierte als gleichberechtigter Partner von Montezuma, dem Herrscher der Azteken im aztekischen Dreibund. Der Name wurde gewählt, weil die Art als Schwestertaxon von X. montezumae aufzufassen ist. 

X. nezahualcoyotl kommt nur in den Quellgebieten einiger Flüsse im Bundesstaat San Lous Potosi in Mexiko vor. Das Wasser dort ist klar, der Boden steinig, die Temperaturen mäßig (22-24°C). Die Pflege dieses kleinbleibenden Schwertträgers – die Körperlänge überschreitet nur selten 4 cm (das größte gemessenes Wildfang-Männchen hatte 48 mm Standardlänge), hinzu kommen die Flossen – ist nicht sehr schwierig, doch muss auf gute Wasserhygiene geachtet werden. Wichtig ist: der pH sollte dauerhaft nicht unter 7 liegen, besser um 8, entsprechend sollte das Wasser mindestens mittelhart sein. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe.

Die Art kann übrigens mit oder ohne schwarze Sprenkelung auftreten. Die schwarze Sprenkelung, wie sie die Tiere auf den Bildern zeigen, ist an das Y-Chromosom gebunden, wird also vom Vater vererbt. Wer X. nezahualcoyotl ohne schwarze Sprenkelung züchten möchte, muss folglich als Zuchttier ein ungeflecktes Männchen wählen. Die Wurfintervalle liegen bei X. nezahualcoyotl bei 4-6 Wochen, je Wurf werden gewöhnlich zwischen 10 und 40 Jungtiere abgesetzt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 476562 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Malapterurus beninensis – Friedlicher Zitterwels

10. April 2026

Lange Zeit glaubte man, dass es nur zwei Arten Zitterwelse gäbe, nämlich den weit verbreiteten Malapterurus electricus und den kongolesischen M. microstoma. Dann erschienen praktisch zeitgleich zwei unabhängige Revisionen der Gattung, eine von Roberts (2000) und eine von Norris (2002), die die Artenzahl drastisch erhöhten, allerdings war es lange Zeit kniffelig zu klären, welche der doppelt beschriebenen Arten genau gemeint waren. Aktuell gelten 16 Arten als wahrscheinlich gültig, bei zwei weiteren herrscht Unsicherheit; die Artunterscheidung ist ohne Röntgenaufnahmen und konservierte Exemplare allerdings kaum möglich, denn die Artunterschiede liegen in allererster Linie in der Anzahl der Wirbel und der Anordnung der Zähne. Somit bleibt stets ein gewisses Risiko, eine andere als die gewünschte Art zu erhalten. Die Herkunft ist allerdings ein guter Anhaltspunkt. In den küstennahen Tiefländern von Nigeria, von wo praktisch alle exportierten Zierfische dieses Staates kommen, gibt es nur M. beninensis. Zwei weitere, großwüchsige Arten (um 60 cm und größer) gibt es in Nigeria, nämlich M. electricus und M. minjiriya. Sie scheinen aber mehr in Inland-Gewässern vorzukommen und werden, so weit wir das beurteilen können, nie als Zierfische exportiert. Rein optisch gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen den drei Arten, so weit man das aufgrund der wirren Literaturlage und der Tatsache, dass die meisten Informationen auf konservierten Exemplaren beruhen, überhaupt sagen kann. Es ist allerdings zu erwarten, dass die beiden großwüchsigen Arten bereits als Jungtiere durch extreme Unverträglichkeit gegen Artgenossen auffallen würden, wie sie seit Beginn der modernen Aquarienkunde (ab ca. 1890) immer wieder berichtet wurde; damals kamen relativ viele Zier- und Zoofische aus dem Nil in Ägypten, wo M. electricus die einzige Zitterwels-Art ist.

Die regelmäßig importierte Zitterwels-Art aus Nigeria wird im Handel immer noch meist als M. electricus bezeichnet, auch bei uns. In Wirklichkeit handelt es sich aber um M. beninensis, eine Art, die bereits 1855 von Murray aus dem Old Calabar River in Nigeria beschrieben wurde. Der Grund für die beständige Weiterverwendung des falschen Namens liegt in der internationalen Handelsbürokratie, die Namensänderungen oder -korrekturen nur unter hohem Aufwand möglich macht; für Arten mit nur unbedeutendem Marktanteil, wie den Zitterwelsen, lohnt solch ein Aufwand nicht. Für Zitterwels-Verhältnisse bleibt M. beninensis mit etwa 25 cm maximaler Endgröße (meist deutlich kleiner) verhältnismäßig klein und hat zudem den Vorteil, auch innerartlich nicht so unverträglich zu sein, wie man das von anderen Zitterwelsen leider immer wieder feststellen muss. Im Gegenteil: die Tiere suchen aktiv die Gesellschaft von Artgenossen. In einem bevorzugten Tagesversteck oder Liegeplatz sind immer mehrere Tiere eng aneinandergekuschelt anzutreffen. Untereinander setzen diese Zitterwelse ihr elektrisches Organ übrigens nicht ein. Farblich ist die Art sehr variabel, besonders, was das Fleckenmuster angeht. Manche Exemplare sind sehr stark gefleckt, andere kaum. Zudem gibt es zwei Körpergrundfärbungen, eine mehr rosa, eine etwas gelblich. Im Verhalten und sonstigem Aussehen sind aber alle Farbvarianten gleich.

In der Literatur wird grundsätzlich zur Einzelhaltung von Zitterwelsen geraten. Ausreichend Platz, gute Fütterung und reichlich Versteckplätze machen das bei M. beninensis aber nicht nötig – im Gegenteil! Und so könnte M. beninensis ein geeigneter Kandidat sein, um das nach wie vor völlig unbekannte Fortpflanzungsverhalten von Zitterwelsen zu erforschen. Kurz vor seinem Tod war der exzellente Aquarianer und bedeutende Ichthyologe Joachim Knaack offenbar kurz davor, es zu schaffen, jedenfalls stellte er in einem Telefonat in Bälde einen Zuchtbericht in Aussicht. Es kam dann anders, doch sollte dies für andere als Ansporn dienen, es zu versuchen. 

Die Pflege von M. beninensis ist einfach, jedes Frost- und Lebendfutter passender Größe wird willig angenommen, die meisten Exemplare fressen früher oder später auch Granulate. An die Wasserzusammensetzung stellen die Welse keine besonderen Anforderungen. Gegen artfremde Fische, die als Futter nicht in Frage kommen, verhalten sich M. beninensis in aller Regel indifferent. Man hüte sich davor, diese Fische anzufassen. Sogar die elektrischen Schläge, die lediglich 4-5 cm lange Exemplare austeilen, sind sehr schmerzhaft, wenn auch für gesunde Menschen ungefährlich. Man sagt, dass die Stromstöße von Zitterwelsen 350-450 Volt erreichen können.

Für unsere Kunden: die Zitterwelse haben – je nach Größe – Code 146000 (3-5 cm) bis 146006 (18-20 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Knodus sp. „Red Adipose Fin“

2. April 2026

Neue Importe stellen bezüglich ihrer Identifikation häufig ein mächtiges Problem dar. Ein gutes Beispiel hierfür ist der hübsche Salmler aus Peru, den wir gerade nach genau 25 Jahren wieder einmal importieren konnten, dessen Identität aber noch äußerst fragwürdig ist. Damals identifizierten wir die Tiere aufgrund der zur Verfügung stehenden Daten als Acrobrycon ipanquianus, eine Idee, die sich aufgrund neuerer Forschungsergebnisse zu A. ipanquianus nicht aufrecht erhalten lässt.

Auf den ersten Blick erinnert der kleine (ca. 3 cm) Fisch stark an den Blauen Perusalmler, Knodus borki. Auf den zweiten unterscheidet er sich deutlich von jener Art durch die kirschrote Fettflosse. Das Merkmal der roten Fettflosse ist bei Salmlern ganz allgemein äußerst ungewöhnlich und wird im Fall der Neuimporte von allen Exemplaren in jeder Stimmungslage gezeigt, ist für lebende Tiere also arttypisch. Leider verschwinden rote und gelbe Farben bei konservierten Fisch sehr schnell. In wissenschaftlichen Artbeschreibungen wird ein solches Merkmal also nur dann erwähnt werden, wenn die Lebendfärbung bekannt ist. Das ist jedoch nur sehr selten der Fall.

Die Gattung Knodus bildet zusammen mit ihrer unmittelbaren Schwestergattung Bryconamericus einen großen Artenkomplex. Der Gattung Bryconamericus werden nach fishbase (Abgerufen am 18. März 2026) aktuell 81 Arten zugeordnet, Knodus 29 Arten. Dabei gibt es eine gewisse Überlappung. Der einzige Unterschied zwischen Bryconamericus und Knodus liegt darin, dass bei Knodus Teile der Schwanzflosse beschuppt sind und bei Bryconamericus nicht. Es gibt aber Bryconamericus-Arten, die wenige große Schuppen am Übergang zwischen Rumpf und Schwanzflosse haben. Es gibt darum Ichthyologen, die in Knodus nur ein Synonym zu Bryconamericus sehen. Das macht die Auswertung der Literatur schwierig. Lebendfotos gibt es von kaum einer der 110 Arten. Unser Neuimport hat – auf manchen unserer Fotos sehr gut erkennbar – eine recht dichte Beschuppung am proximalen Teil des unteren Schwanzflossenlappens. Es handelt sich also höchstwahrscheinlich um einen Knodus, aber es gibt derzeit keine Möglichkeit einer sicheren Bestimmung unserer Neuimporte.

Im Moment deutet alles darauf hin, dass es sich bei Knodus sp. „Red Adipose Fin“ entweder um eine unbeschriebene Art oder aber um das Mitglied einer weiteren Salmlergattung handelt, die wir derzeit nicht auf dem Schirm haben. Auch wenn es angesichts der vielen Arbeit, die wir bereits in den Versuch einer Bestimmung gesteckt haben, etwas unbefriedigend ist, sollte man es darum vorerst bei der provisorischen Bezeichnung Knodus sp. „Red Adipose Fin“ belassen.

Die Beobachtung dieses lebhaften und schönen Fische macht viel Spaß. Er verfügt über ein ausgeprägtes Farbwechselvermögen. Ein Humeralfleck fehlt völlig. Statt dessen gibt es ein schwarzes Längsband, das entlang der Körpermitte läuft und am Kiemendeckelrand beginnt und am Ende der Schwanzflosse endet. Die Farbzellen, die das dunkle Pigment enthalten und das Längsband bilden, können vom lebenden Fisch so stark zusammengezogen werden, dass er von einem Moment zum nächsten völlig transparent erscheint. Farblich fällt der herrlich blau irisierende Rücken und die rote Fettflosse auf. Zusätzlich kann die Afterflosse rot werden und ab und zu erscheint ein roter Fleck an der Basis der Schwanzflosse. Bezüglich der Pflege stellten sich die neuen Knodus sp. „Red Adipose Fin“ als völlig problemlos heraus, sie fressen alles übliche Futter und zeigen in weichem wie mittelhartem Wasser bei 22-26°C offensichtliches Wohlbefinden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 264748 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachyrhaphis roseni

2. April 2026

Wildformen lebendgebärender Zahnkarpfen sind generell nicht sehr weit in der Aquaristik verbreitet. Spezialisten für diese Fische sind allerdings meist so von ihnen fasziniert, dass sie nicht mehr davon loskommen. Zu den schönsten Arten gehört Brachyrhaphis roseni, der ursprünglich aus Waldbächen in Panama und Costa Rica stammt. Während die Haltung erwachsener Fische – Weibchen werden bis zu 6 cm lang, Männchen bleiben immer erheblich kleiner – keinerlei nennenswerte Schwierigkeiten macht, ist die effektive Zucht ganz hohe Schule der Aquaristik, denn diese Tiere sind extrem kannibalisch. Versuche, die Weibchen in Ablaichkästen zu halten, schlagen fehl, da die Tiere dazu viel zu nervös sind. Einer unserer Züchter hat die Art jetzt allerdings geknackt, so dass wir jetzt wieder einmal einige halbwüchsige B. roseni anbieten können.

Die Pflege von B. roseni sollte im Schwarm erfolgen, die Fische sind stark oberflächenorientiert. Als Gesellschaft eignen sich kleinere Buntbarsche, flinke Salmler, Welse etc.. Andere Lebendgebärende pflegt man besser nicht mit B. roseni, da diese ähnlichen Fischen gegenüber recht ruppig werden können.

Halbwüchsige Weibchen sehen den Männchen übrigens farblich sehr ähnlich und sind viel bunter als voll erwachsene Tiere. Einen „Trächtigkeitsfleck“ haben beide

Geschlechter.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 408123 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Serrasalmus cf. hollandi

2. April 2026

Wer sich je mit Piranhas und deren Artbestimmung befasste, weiß: das ist schwierig! Piranhas ändern im Laufe ihres Lebens stark ihre Färbung und diese ist auch noch in vielen Fällen individuell variabel. Auch die Körperform unterliegt ontogenetischen Veränderungen (Ontogenese: die individuelle Entwicklung, im Gegensatz zur Phylogenese, der stammesgeschichtlichen, genetisch festgelegten Entwicklung). Darum ist die Forschungsgeschichte zu den Piranhas voller Irrtümer. Das gilt sowohl für die wissenschaftliche Forschung wie auch in noch höherem Maße für die aquaristische. Jede neue Publikation bringt neue Erkenntnisse. Und es scheint, als hätte die Beschreibung einer neuen Piranha-Art (Serrasalmus magallanesi) aus dem oberen Rio-Madeira-System in Bolivien die Aufklärung eines alten Irrtums im Schlepptau.

Serrasalmus hollandi ist eine altbekannte Art, die bereits 1915 aus dem Rio Guaporé nahe der Stadt Maciél in Brasilien beschrieben wurde. Der Rio Guaporé ist bekanntlich den Grenzfluss zwischen Brasilien und Bolivien (dort heißt er Rio Iténez) und so mussten die Erstbeschreiber auch S. hollandi re-definieren, um ihre neue Art gegen die altbekannte abzugrenzen. 

Aquaristisch wurden schon etliche Piranha-Arten als S. hollandi identifiziert: irrtümlich, wie es scheint. Der „echte“ S. hollandi ist ein stumpfschnäuziger Piranha, der äußerst ähnlich ist zu S. humeralis, S. eigenmanni und S. serrulatus ist und auch manche Altersklassen von S. gouldingi sehen sehr ähnlich aus. Aufgrund der neuesten Erkenntnisse ist wohl davon auszugehen, dass alle bislang als „S. eigenmanni“ angesprochenen Piranhas aus Peru tatsächlich S. hollandi sind. S. eigenmanni kommt gesichert nur in Guyana vor.

Serrasalmus hollandi erreicht eine Körperlänge um 20 cm. Die Art gilt als spezialisierter Flossenfresser, ist also nur schwer in Gruppen zu halten, da auch Artgenossen grundsätzlich als Nahrungsquelle angesehen werden. Da solche Piranhas ausschließlich von Spezialisten und Forschungseinrichtungen gepflegt werden, erübrigen sich an dieser Stelle weitere Hinweise zur Pflege im Aquarium.

Für unsere Kunden: S. hollandi hat Code 292200 (2-3 cm) bis 292205 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Aktuell aus Peru importierte Tiere führen wir unter „cf. hollandi“ mit den Codenummern 292212 (4-6 cm) und 292213 (7-10 cm). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Gallo-Cardozo, F., M. Maldonado, M. Careaga & F. M. Carvajal-Vallejos (2024): A new species of Piranha (Serrasalmus, Serrasalmidae) from the upper Madeira River system, Amazon basin, Bolivia. Journal of Ichthyology v. 64 (no. 3): 386-409

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma paulmuelleri ( = A. sp. „Masken“)

2. April 2026

Zwischen der aquaristischen Entdeckung einer Art und ihrer wissenschaftlichen Beschreibung können unter Umständen Jahre – manchmal sogar Jahrzehnte – liegen. Das hat unterschiedliche Gründe; meist liegt es aber daran, dass man es heutzutage strikt vermeidet, eine neue Art zu beschreiben, deren exakter Fundort  nicht bekannt ist. Früher begnügte man sich meist damit, den Lieferanten der Art diesbezüglich zu befragen. Leider merkte man oft nicht, wenn solche Auskünfte (sei es bewusst oder unbewusst) falsch oder zumindest nicht ausreichend genau waren. Darum bearbeitet man heutzutage erst dann eine Art, wenn man die Gelegenheit hatte, persönlich im Biotop zu fischen und die Tiere dort auch nachweisen zu können. 

Der „Masken-Apistogramma“ hat seinen Gebrauchsnamen wohl erstmals von Ingo Koslowski um 2003 erhalten, der gleiche Autor bezeichnete ihn 1985 als „sp. Rotwangen“ und Exporteure bezeichneten ihn später manchmal auch als A. sp. „Apache“; man kannte ihn aber schon viel länger, bezeichnete die Art als „Peru-Apistogramma“ und identifizierte sie als Apistogramma caeti. Erste Bilder erschienen in der Fachpresse ab ca. 1982.  Heutzutage würde angesichts der großen Artenfülle von Apistogramma-Arten aus Peru (29 akzeptierte Arten) wohl kaum noch jemand den Trivialnamen „Peru-Apistogramma“ wählen; aber man vergisst allzu leicht, dass bis in die 1980er Jahre hinein nur eine Handvoll Apistogramma-Arten aquaristisch bekannt waren. In der ersten Apistogramma-Revision der Neuzeit durch Kullander 1980 wurden gerade einmal 36 Arten formell als gültig betrachtet (davon 18 aus dem Amazonas-Einzug von Peru und Brasilien), heute sind wir bei 94 plus etliche noch nicht bearbeitete Arten. Diese Kenntnisse verdankt die Menschheit zum allergrößten Teil der Aquarienkunde.

Wie auch immer: Apistogramma paulmuelleri stammt aus kleinen Waldbächen im Departamento Loreto in Peru, wie wir heute wissen, und wurde 2013 wissenschaftlich beschrieben, also rund 30 Jahre seit der aquaristischen Ersteinführung. Er gehört vielleicht nicht zu den buntesten Arten, ist jedoch durch sein starkes Farbwechselvermögen interessant. Zusätzlich gilt er als relativ unempfindlich und als der ideale „Einsteiger-Apistogramma“, der sehr viele Anfängerfehler unbeeindruckt wegsteckt. Die Wasserwerte sind für diese Art nebensächlich (pH über 5 und unter 8), im wesentlichen sollte das Wasser sauber sein. Wie für alle Apistogramma-Arten sollte der Bodengrund zumindest teilweise aus Sand bestehen. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe. Die Wassertemperatur kann zwischen 20 und 30°C liegen (am günstigsten sind aber wohl 22-25°C). Männchen von A. paulmuelleri werden ca. 8 cm, die Weibchen rund 5 cm groß. Es sind friedliche Fische, die sich gut für entsprechende Gesellschaftsaquarien eignen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 628733 (md-lg) und 628734 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypsophrys nicaraguensis (früher: Cichlasoma n., Copora n.)

2. April 2026

Einer bezüglich seines Verhaltens ungewöhnlichsten und bezüglich seiner Färbung schönsten Buntbarsche Mittelamerikas ist Hypsophrys nicaraguensis, der vielen Aquarianern noch aus der Zeit bekannt ist, als man so ziemlich alle Buntbarsche aus Mittelamerika der Gattung Cichlasoma zurechnete. Von Cichlasoma, wie man sie damals verstand, wichen H. nicaraguensis aber schon dadurch ab, dass ihre Eier nicht haften. Alle diese „Cichlasoma“-Buntbarsche sind ja sonst Offenbrüter, heften ihre Eier also an einem Stein, einer Wurzel oder an eine der Aquarienscheiben an und bewachen sie dort bis zum Schlupf. Beim Nicaragua-Traumbarsch ist das anders. Dessen Eier haften nicht, sie sind – wie Maulbrütereier – frei beweglich. Darum laichen H. nicaraguensis am liebsten in Deckung (Höhlen oder Sandgruben), wo der Laich nicht so leicht davongewirbelt wird.

Der Nicaragua-Traumbarsch kommt nicht nur in Nicaragua vor, sondern auch in Costa Rica. Tatsächlich ist letztere Variante – erkennbar am blauen Kopf beider Geschlechter – im Hobby viel häufiger anzutreffen. Tiere aus Nicaragua haben einen kupferroten Kopf. Die Färbung macht den Cichliden als Art unverwechselbar. Die Weibchen haben gewöhnlich ein Längsband und keine Musterung in den Flossen, die Männchen  haben meist einen rautenförmigen Fleck auf der Flanke und deutlich gemusterte Flossen. Männchen werden mit maximal 25 cm deutlich größer als meist nur 10-12 (maximal 18 cm) langen Weibchen. Die Geschlechtsreife setzt bei Längen um 12 cm (Männchen) bzw. 9 cm (Weibchen) ein. Die Weibchen eines Geleges wachsen anfangs schneller als ihre Brüder, die holen das später aber mehr als nach.

Trotz der erreichbaren Maximalgröße ist H. nicaraguensis seit den 1970er Jahren ein beliebter Aquarienfisch, da er für Buntbarschverhältnisse als geradezu märchenhaft friedlich gilt. Aber man sollte den Tieren dennoch möglichst große Aquarien zur Verfügung stellen, in den sie zu prächtigen Exemplaren heranwachsen können. Die chemische Zusammensetzung des Wassers ist nebensächlich, nur sehr weich und sauer sollte es nicht sein. Die Temperatur kann sich zwischen 22 und 28°C bewegen, zeitweilig etwas niedriger oder höher schadet auch nicht. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter.

Für unsere Kunden: die Tiere haben, je nach Größe, Code 655501 (3-4 cm) bis 655509 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Im Handel sind nur Nachzuchtexemplare. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pyrrhulina spilota

27. März 2026

Die Salmler der Gattung Pyrrhulina vereinen in sich die Vorteile zweier Aquarienfischgruppen: die der stets gut sichtbaren, im freien Wasser herumschwimmenden Salmler und Barben und die der Buntbarsche und Labyrinther, die ein sehr interessantes Verhalten zeigen. 

Eine der schönsten Pyrrhulia-Arten ist P. spilota, die wir immer wieder einmal aus Peru importieren können. Gewöhnlich schwimmen P. spilota ganz so, wie man es von Salmlern gewohnt ist, im freien Wasser umher. Dabei bevorzugen sie das obere Drittel der Wassersäule, sind aber grundsätzlich überall unterwegs. Sie fressen jede Art von Fischfutter, auch Trockenfutter, und lassen die Pflanzen unangetastet. So weit gleicht ihr Verhalten also dem anderer Salmler weitestgehend.

Wenn die Tiere in Brutstimmung kommen, wird alles anders. Die Männchen entwickeln zur Brutzeit fantastische Farben und besetzen Reviere, am liebsten bei einer breitblättrigen Pflanze, zur Not auch bei einem Stein oder einer Wurzel. Denn hierauf laichen die Fische ab. Anders als bei anderen Salmlern, die ihre Eier ungerichtet verstreuen, produzieren Pyrrhulina ein kompaktes Gelege, das gut vergleichbar zu einem Buntbarschgelege ist. Es gibt in dieser Zeit kein Männchen, das nicht etwas ausgefanste Flossen von Imponierkämpfen mit anderen Männchen hätte. Das gehört dazu, ist völlig normal und harmlos. Wenn die Laichzeit vorüber ist, wächst alles nach.

Das Männchen übernimmt, wie bei den Labyrinthern, die Brutpflege. Und es nimmt seine Aufgabe sehr ernst! Eventuelle Mitbewohner sind gut beraten, dem Gelege nicht zu nahe zu kommen. Mit dem Schlupf der Jungen erlischt der Brutpflegetrieb und Pyrrhulina werden wieder zu ganz normalen, schönen Salmlern…

Für unsere Kunden: P. spilota hat – je nach Größe – Code 286782 bis 286785 auf unserer Stockliste; meist werden uns die Fische in gemischter Größe geschickt. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis sp. CW220

27. März 2026

Unglaublich, dass in dem ichthyologisch so gut untersuchten Kolumbien noch ständig neue Panzerwelse entdeckt werden! Sicher hat der Hype um den im Herbst letzten Jahres (2025) entdeckten und erstmals importierten Hoplisoma sp. aff. concolor CW217 dazu beigetragen, dass die Exporteure auch abseits der altbekannten Fischgewässer nach interessanten Arten suchen – und auch sie auch finden! Drei neue CW-Nummern wurden kürzlich vergeben, wir konnten jetzt alle drei importieren: Hoplisoma sp. CW218, Hoplisoma sp. CW219 und Brochis sp. CW220.

Beginnen wir mit dem zuletzt genannten Brochis sp. CW220, also einem Langschnäuzer. Das Zeichnungsmuster entspricht dem altbekannten Hoplisoma davidsandsi aus dem mittleren Rio-Negro-Einzug in Brasilien. Das bedeutet: Augenband vorhanden und deutlich ausgeprägt, zwischen Augenband und Beginn der Rückenbinde eine deutliche Lücke, Rückenband beginnt unterhalb des Ansatzes der Rückenflosse an der Rückenkante und läuft von hier aus schräg nach unten bis zum Ansatz der Schwanzflosse an der Bauchkante; alle Flossen ohne schwarze Zeichnungselemente.

Brochis-Arten (also Langschnäuzer) mit dem Zeichnungsmuster von Hoplisoma davidsandsi (einem Rundschnäuzer) haben bislang folgende Code-Nummern erhalten: C52 (Peru), C159 (Brasilien, Rio Purus), CW89 (Kolumbien, Rio Vaupes) und CW106 (Kolumbien, Rio Cuduyaria, ein Zufluss des Rio Vaupes); wissenschaftlich beschrieben wurde bislang u.W. keine davon. Nun kommt also noch Brochis sp. CW220 hinzu, der nach Angaben von Ian Fuller (www.corydorasworld.com) in Lagunen in den oberen Quellregionen des Rio Vaupes nahe der Stadt Calamar in Kolumbien gefunden wird. 

Auffällig ist die gelbliche Tönung der Flossen, wie man das auch von etlichen Fundortvarianten des kolumbianischen Osteogaster melanotaenia kennt (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-melanotaenia/). Insgesamt ist Brochis sp. CW220, der höchstwahrscheinlich 5-6 cm lang wird ein sehr schöner Fisch, eine Bereicherung des Hobbys.

Für unsere Kunden: CW220 hat Code 226564 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW219

27. März 2026

Hoplisoma sp. CW219 stammt, genau wie der schon vorgestellte Brochis sp. CW220 nach Angaben von Ian Fuller (www.corydorasworld.com) aus Lagunen in den oberen Quellregionen des Rio Vaupes nahe der Stadt Calamar in Kolumbien; beide Arten werden als typisches Langschnäuzer/Rundschnäuzer-Artenpaar auch oft gemischt exportiert.

Aus der Hoplisoma ( = Rundschnäuzer)-Gruppe von Arten, die farblich H. davidsandsi nahestehen (das bedeutet: Augenband vorhanden und deutlich ausgeprägt, zwischen Augenband und Beginn der Rückenbinde eine deutliche Lücke, Rückenband beginnt unterhalb des Ansatzes der Rückenflosse an der Rückenkante und läuft von hier aus schräg nach unten bis zum Ansatz der Schwanzflosse an der Bauchkante; alle Flossen ohne schwarze Zeichnungselemente), sind bislang folgende Formen bekannt: C84 (Brasilien, Rio Tiquie); CW88 (Brasilen, Rio Jurua); CW91 (Kolumbien, Rio Vaupes) und CW107 (Kolumbien, Rio Cuduyaria, ein Zufluss des Rio Vaupes). Sie sind allesamt einander sehr ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich durch die Breite der Rückenbinde und Details in der Körperform. Ob es sich bei allen C- und CW-Nummern tatsächlich um unterschiedliche Arten handelt, kann man gegenwärtig nicht sagen, aber das ist ja auch gar nicht der Anspruch dieser Nummerierung.

Auch Hoplisoma sp. CW219 wirkt – genau wie der dazu gehörige Brochis sp. CW220 – sehr viel gelblicher in den Flossen und der Körpertönung, verglichen mit den lehmfarbigen anderen Panzerwelsen diesen Aussehens. Es sind sehr hübsche Tiere. Hoffen wir, dass die gelben Farbtöne auch langfristig bei der Aquarienpflege vorhanden bleiben und an die Nachzuchten vererbt werden. Manchmal sind solche Farbabweichungen ja nur temporär und im Freiland vorhanden. Man wird sehen…

Für unsere Kunden: Hoplisoma sp. CW219 hat Code 226663 in unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW218

27. März 2026

Hoplisoma sp. CW218 gehört in eine Gruppe ungewöhnlicher Zwergpanzerwelse, die nur durch vergleichsweise wenige Arten repräsentiert ist. Wissenschaftlich ist überhaupt nur eine Arten beschrieben, die sehr ähnlich zu H. sp. CW218 ist, nämlich H. osteocarus (Kolumbien, Venezuela, Surinam, Orinoko-Einzug und Küstenflüsse); manchmal wird der Artname auch osteocarum geschrieben, wir diskutieren das hier nicht. Gemeinsames Kennzeichen sind der sehr kurze Kopf mit runder Schnauze, eine deutlich ausgeprägte Augenbinde, ein steil ansteigender Vorderrücken, eine senkrechte rauchgraue bis schwarze Zone am Beginn der Rückenflosse, ansonsten farblose Flossen und auf dem Körper verteilt ein unregelmäßiges Pfeffer-und-Salz-Muster.

Verwechslungsarten zu CW218 sind neben H. osteocarus noch CW104 (Kolumbien, Rio Cuduyari, ein Zufluss der Rio Vaupes) und CW142 (Brasilien, Rio Purus); wir hoffen, keine C- oder CW-Nummer übersehen zu haben. CW218 soll aus dem oberen Einzug des Rio Vaupes bei der Stadt Calamar gesammelt werden. Die Ähnlichkeit zu CW104 ist sehr groß, wahrscheinlich handelt es sich bei den beiden um die gleiche zoologische Art; Bilder von CW104 zeigen einen etwas schlankeren Fisch, aber das kann altersabhängig sein. Vom geografisch in Frage kommenden H. osteocarus unterscheiden sich CW104 und CW218 farblich: sehr charakteristisch für H. osteocarus ist ein dunkler Bogenfleck an der Basis der Schwanzflosse.

Die H. sp. CW218, die wir gerade importieren konnten, sind 2-3 cm lang und scheinen geschlechtsreif zu sein (die Weibchen sind etwas größer). Wesentlich über 4 cm Länge sind bei den Fischen wohl nicht zu erwarten. Sie halten sich sehr gut, zeigen aber unmittelbar dem Umsetzen manchmal Unwohlsein; diesbezüglich sollte man also besser vorsichtig sein, wenn die Tiere aus einem Wasser kommen, das vom heimischen Aquarienwasser stark abweicht.

Für unsere Kunden: Hoplisoma sp. CW218 haben Code 226643 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pangio shelfordii

20. März 2026

Eine der ungewöhnlichsten Dornaugen-Arten ist Pangio shelfordii. Die Zeichnung der maximal 8 cm langen, dabei aber sehr dünnen Tiere, ist ein Muster, das an Leopardenfell erinnert. Ähnlich gefärbt sind manche Farbmorphen von Pangio alternans (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pangio-alternans/), doch sind jene Dornaugen deutlich gedrungener im Körperbau.

Die Verbreitung von Pangio shelfordii erstreckt sich – soweit erforscht – über Teile der Malaiischen Halbinsel, Sumatra (inklusive einiger kleiner vorgelagerter Inseln), und Borneo. Im Gesamtareal kommt das Dornauge allerdings nicht flächendeckend vor, sondern ist eher lokalisiert anzutreffen. Das erklärt auch, warum diese hübschen Tiere zwar immer wieder einmal, jedoch nicht regelmäßig im Handel anzutreffen sind. Exportiert werden sie übrigens oft unter der Bezeichnung „Pangio muraeniformis“. Diese Art gibt es und sie hat auch einen ähnlich schlanken Körperbau. Die beiden Arten P. shelfordii und P. muraeniformis wurden zeitweilig miteinander synonymisiert (dann ist P. shelfordii der gültige, weil deutlich ältere Name). Inzwischen glaubt man aber wieder, dass es doch getrennte Arten sind, wobei P. muraeniformis typischerweise ein Längsband entlang der Körpermitte hat (in Wirklichkeit sind es viel Punkte, die optisch zu einem Längsband verschmelzen) und Johore und Singapur besiedelt. Insgesamt gilt hier, wie bei so vielen Dornaugen, dass die große Zeichnungsvielfalt es sehr schwierig macht, Arten voneinander sicher abzugrenzen.

Aber das ist eigentlich egal, wenn es um die Aquarienpflege geht. Dornaugen aller Art haben sich als hübsche und harmlose Restverwerter für Asienbecken mit zarten Arten seit Jahrzehnten bewährt. Der einzige Nachteil, den die Tiere haben: man sieht sie oft wochenlang nicht. Und meist ist das vollständige Ausräumen des Aquariums die einzige Möglichkeit, sie wieder einzufangen. Man sollte Dornaugen ein Flecken mit weichem Sandboden gönnen, in den sie sie eingraben können. Weiches und leicht saures Wasser mögen sie wohl am liebsten, aber aus praktischer Erfahrung weiß man auch, dass sie sogar in „steinhartem“ Wasser mit einem pH über 8 viele Jahre munter leben können. Gefressen wird alles, was ins Mäulchen passt. Wichtig ist aber, dass man den Tieren eine Mulmecke gönnt. Denn Mulm – das ist der braune Schlamm aus Kot, Futter- und Pflanzenresten, der sich in jedem Aquarium irgendwann bildet – ist nichts Böses. Er stellt in der Natur einen wichtigen Nahrungsbestandteil für viele Kleinfische dar. Ohne Mulm leidet die Darmflora solcher Fische und sie werden immer magerer, trotz ansonsten guter Futterversorgung. Die Wassertemperatur für Dornaugen kann zwischen 22 und 28°C liegen, zeitweilig etwas mehr oder weniger schadet auch nicht.

Für unsere Kunden: P. shelfordii hat Code 441074 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Dicrossus foirni ( = sp. Rio Negro)

20. März 2026

Endlich ist Dicrossus foirni wieder lieferbar! Dieser nur extrem selten importierte Zwergbuntbarsch war früher unter dem Namen Dicrossus sp. „Rio Negro“ bekannt. 

Ausgewachsen sind diese Fische eine echte Schau. Die Pflege ist nicht sehr schwierig, doch zur Zucht braucht man ziemlich extreme Wasserwerte (pH unter 5, Härte praktisch null), damit sich der Laich entwickeln kann. Einen kleinen Film von der Art finden Sie auf unserer Facebook-Seite: 

https://www.facebook.com/video.php?v=1430331670514501&set=vb.119893808211837&type=3&theater

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 668802 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Ursula Glaser-Dreyer, Frank Schäfer

Megalodoras uranoscopus

20. März 2026

Die Dornwelse (Doradidae) sind eine kleine Familie südamerikanischer Welse. Gegenwärtig unterscheidet man 31 Gattungen mit 96 Arten, doch werden ständig noch neue Arten entdeckt und beschrieben. Die größten Dornwelse werden über 100 cm lang: Opsodoras niger, dessen Rekord bei 120 cm und 20 kg Gewicht liegt, die kleinste Art nur 3,5 cm (Physopyxis lyra). Die meisten Arten erreichen 10-20 cm Länge.

Die Gattung Megalodoras stellt große Arten. Ihre Vertreter können über 50 cm lang werden. Es gibt nach gegenwärtigem Wissensstand 2-3 Arten, von denen zwei allgemein akzeptiert sind: M. uranoscopus (ein bekanntes Synonym ist M. irwinei) aus dem Amazonas-Gebiet und M. guayoensis aus dem Orinoko-Einzug. Die 1911 unter dem Namen Oxydoras huberi beschriebene Art aus dem Rio Tocantins wird unter Fachleuten noch diskutiert. Man ist sich relativ einig, dass es sich dabei um einen Megalodoras handelt. Bekannt ist auch, dass sich die Megalodoras aus dem Rio Tocantins von den bekannten Megalodoras aus dem Amazonas-Gebiet unterscheiden und vermutlich eine eigene Art darstellen, die dann M. huberi heißen könnte. Aber, wie gesagt, das wird noch diskutiert.

Die Megalodoras uranoscopus im Handel stammen meist aus Peru, so auch alle Tiere, die diesen Post illustrieren. Besonderes Kennzeichen dieser Tiere sind die 15-18 seitlich am Körper befindlichen Knochen-Schilder, die mit mächtigen Abwehrhaken ausgestattet sind. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in der Draufsicht. Über die Lebensweise dieser Fische in der Natur ist wenig bekannt. Man findet bei Magenuntersuchungen allerdings regelmäßig Muscheln und Schnecken, die mit der Schale gefressen werden, in den Dornwelsen. Es sind aber keine Nahrungsspezialisten, im Aquarium fressen sie willig jedes angebotene Futter tierischen Ursprungs. Untereinander und gegen artfremde Fischen sind sie friedlich, wir gehen allerdings davon aus, dass kleine Fische, die ins Maul passen, auch als Futter angesehen werden. Die Wasserwerte sind nebensächlich, die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Als nacht- und dämmungsaktive Tiere benötigen solche Dornwelse ausreichend Tagesverstecke. Nach der Eingewöhnung lassen sie sich aber auch häufig tagsüber sehen, besonders, wenn gefüttert wird.

Für unsere Kunden: diese Welse haben, je nach Größe, Code 267522 (6-9 cm) bis Code 267528 (40-50 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Epinephelus lanceolatus

20. März 2026

Mit maximal 270 cm Länge und 400 kg Gewicht ist der Riesen-Zackenbarsch Epinephelus lanceolatus einer der größten riffgebunden lebende Knochenfisch der Erde. Leider ist der imposante Riese fürchterlich überfischt. Da dieser Raubfisch ein außerhalb der Fortpflanzungszeit hochgradig unverträglicher Einzelgänger ist, gibt es nicht viele Individuen. Denn dieser Koloss will ja auch ernährt sein. Das Nahrungsspektrum umfasst hauptsächlich Krebstiere (am liebsten Langusten), aber auch Kopffüßer und Fische. Wählerisch ist er also nicht und gerüchteweise sollen sehr große Exemplare auch schon Menschen angegriffen und verschlungen haben. Diese Art hat das größte Verbreitungsgebiet aller Zackenbarsche: man findet ihn  (wenn man ihn findet) im gesamten Indo-Pazifik, also im Indischen Ozean, im Roten Meer, bis nach Südafrika und im Westen bis nach Hawaii, dann noch im im westlichen Pazifik vom südlichen Japan bis nach Australien und den Ozeanischen Inseln. Auch wenn die Internationale Rote Liste der bedrohten Tierarten Epinephelus lanceolatus als „dd“ (das bedeutet data deficient, also mangelhafte Datenlage) listet, so besteht doch kein Zweifel, dass mehr Riesen-Zackenbarsche gegessen werden, als von Natur aus nachwachsen. Der Riesen-Zackenbarsch ist darum Gegenstand von Aquakultur und seine Zucht als Speisefisch wird intensiv betrieben. Aus solcher Aquakultur stammen auch die schönen Jungtiere, die wir ab und zu importieren.

Eine Besonderheit dieser Art ist, dass sie regelmäßig in Flussmündungen angetroffen wird und auch die vorübergehende Pflege in reinem Süßwasser ist möglich. Auf die Dauer geht das allerdings nicht. Ähnlich wie bei Brackwasser-Kugelfischen liegt das Problem dabei wohl weniger darin, ob ausreichend Salz vorhanden ist, als daran, dass diese Zackenbarsche gewaltige Fresser sind. Sie fressen, bis der Bauch zu platzen droht. Entsprechend ist ihre Stoffwechselrate. Während der Eiweiß-Verdauung anfallende Abfallstoffe werden bei allen Fischen in Form von Ammonium über die Kiemen ausgeschieden. Dieses Ammonium verwandelt sich bei höheren pH-Werten über 8 (und solche pH-Werte sollten Brackwasserfische und Meeresfische immer im Aquarium haben) in hochgiftiges Ammoniak, das von den Filterbakterien über immer noch sehr giftiges Nitrit zu harmlosem Nitrat umgewandelt wird. Wenn man jetzt noch weiß, dass Salz die Giftwirkung von Nitrit für Fische deutlich herabsetzt, weiß man, warum die dauerhafte Pflege von Brackwasserfischen in Süßwasser sehr problematisch ist.

Wie viele Zackenbarsche ist Epinephelus lanceolatus ein protogyner Zwitter, d.h., alle Tiere sind zunächst funktionelle Weibchen und nur alte Tiere wandeln sich zu funktionellen Männchen um. Im Laufe des Wachstums verändern diese Fische sich sowohl anatomisch wie auch farblich erheblich, was die stattliche Anzahl von Synonymen erklärt. Nur Jungtiere bis ca. 20 cm Länge sind so schön kontrastreich schwarz-weiß oder schwarz-gelb gefärbt. 20 bis 50 cm lange junge erwachsene Tiere entwickeln mehr und mehr weiße oder gelbe Punkte in den dunklen Zonen des Körpers. Mit 80-150 cm Länge sind Riesen-Zackenbarsche dunkelbraun mit undeutlicher Fleckenzeichnung und zahlreichen schwarzen Punkten in den Flossen. Große erwachsene Tiere (160 bis 230 cm) sind nur noch dunkelbraun mit dunkleren Flossen.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass sich der Riesen-Zackenbarsch nur für wirklich große Meerwasseraquarien eignet, wie sie in erster Linie in Zoos und Schauaquarien anzutreffen sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 415531 (6-8 cm), 415532 (8-10 cm) und 415534 (15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Otocinclus mimulus

20. März 2026

Von Zeit zu Zeit können wir aus Paraguay einen bildhübschen und äußerst seltenen Otocinclus anbieten, nämlich O. mimulus. Neben allen bekannten guten Eigenschaften, die diese Art mit den anderen Vertretern der Gattung Otocinclus teilt – also geringe Größe, Friedfertigkeit, gutes Algenputzen auf Pflanzenblättern, Tagaktivität – hat diese spezielle Art noch eine Besonderheit. Sie lebt nämlich zusammen mit einer Hoplisoma-Art, der sie farblich gleicht. Dieses Phänomen nennt man Mimikry. Die Panzerwels-Art, es handelt sich um H. diphyes (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_diphyes_und_otocinclus_mimulus_de/) haben wir auch manchmal im Stock. Dann ergibt sich die Gelegenheit, beide Arten zusammen im Aquarium zu beobachten.

Der Panzerwels Hoplisoma (früher: Corydoras) diphyes und der Zwergsaugwels Otocinclus mimulus stammen aus dem Einzug des Rio Monday, einem rechtsseitigen Zufluss des Rio Parana in Paraguay.

In ihrem natürlichen Habitat leben Hoplisoma diphyes und Otocinclus mimulus in großen Schwärmen, wobei die Zeichnung von O. mimulus der von H.diphyes ähnelt. Auf diese Weise versuchen die Otocinclus sich vor ihren Feinden zu schützen, im vorliegenden Fall hauptsächlich vor Saxatilia (früher: Crenicichla) lepidota (Hechtcichlide). Die Hechtcichliden meiden die stacheligen Panzerwelse, die ihnen beim Versuch, sie zu fressen, schmerzhafte Wunden zufügen. Davon profitieren die Otocinclus. Aber auch in der Draufsicht sehen sich Otocinclus mimulus und Hoplisoma diphyes äußerst ähnlich. Fischfressende Vögel, wie Reiher, Störche etc. meiden – genau wie die Hechtcichliden – Panzerwelse, denn auch ihnen tun die Stacheln der Panzerwelse beim Verschlucken sehr weh.

Die Pflege von Otocinclus mimulus ist einfach. Die Wasserwerte sind ohne Bedeutung, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Bei der Temperatur sind die im südlichen Südamerika lebenden Fische etwas speziell, denn dort gibt es Jahreszeiten wie bei uns. Man sollte sie daher nicht jahrein jahraus bei konstanten Temperaturen pflegen, sondern einen Teil des Jahres etwas kühler (18-22°) und einen Teil etwas wärmer (24-28°C). Frisch importierte Tiere sind natürlich noch im umgekehrten Rhythmus unterwegs, wenn bei uns Winter ist, ist in Paraguay Sommer. Darum erfolgt die Eingewöhnung im Winter importierter Exemplare im höheren Temperaturbereich. Die erste Winterperiode mit kühleren Temperaturen gönnt man diesen Tieren ergo erst nach einem Jahr. Das vertragen sie problemlos.

Für unsere Kunden: Otocinclus mimulus hat Code 273994 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank schäfer

Siniperca chuatsi

13. März 2026

Siniperca chuatsi ist ein großwüchsiger Fisch für Schauaquarien. Die bisher gemeldete Maximallänge beträgt 70 cm, dann wiegt das Tier rund 8 kg. Natürlich bleiben die meisten Exemplare deutlich kleiner, aber für Normalaquarien ist Siniperca chuatsi dennoch nur zeitweilig als Jungfisch geeignet. 

Die Siniperca sind obligatorische Raubfische, die sich fast ausschließlich von Fischen ernähren. Dabei können sie erstaunlich große Brocken schlucken. Bei schlanken Beutefischen können diese bis 2/3 der Körperlänge des Siniperca haben – sie werden sehr rasch heruntergeschlungen. S. chuatsi ist ein Anschleicher, der sich in dunklem Teint langsam an die Beute heranbewegt und dann blitzschnell zustößt. Dabei erwischt er das Beutetier durchaus nicht immer mit dem Kopf voran. Unter Umständen muss er stachelige Beute darum wieder ausspucken und es gleich nochmal versuchen.

In seiner Heimat China ist S. chuatsi ein sehr beliebter Speisefisch und wird daher schon seit rund 200 Jahren in Aquakultur gehalten und gezüchtet. Dabei entstehen natürlich auch gelegentlich Farbmutanten, unter ihnen Albinos. Diese Albinos sind bei manchen Raubfischfreaks sehr gesucht und werden (zumindest hier in Europa) teuer bezahlt.

Als Fisch der nördlichen gemäßigten Zone (vom Amur in Russland bis zum Perlfluss in China) braucht S. chuatsi keine Heizung. Er beginnt bei ca. 15°C Wassertemperatur mit der Nahrungsaufnahme, wesentlich über 25°C sollte die Temperatur möglichst nicht steigen. Besonders nach einer üppigen Mahlzeit ist S. chuatsi sehr sauerstoffbedürftig, darauf ist zu achten. Ansonsten sind die Wasserwerte nebensächlich. Im Freileben ist Siniperca ein Flussfisch. Ungeachtet ihres „Barramundi-Aussehens“ sind Siniperca am nächsten mit den Sonnenbarschen Nordamerikas und nicht mit den Barramundis oder Riesenbarschen (Lates & Co.) verwandt.

Für unsere Kunden: normalfarbige Siniperca chuatsi haben Code 455281 (10-12 cm) und Albinos 455284 (18-20 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Labeo longipinnis

13. März 2026

Aquaristisch spielt die Gattung Labeo kaum eine Rolle; die meisten Arten werden groß (30-50 cm), haben farblich wenig zu bieten und gelten zudem als streitsüchtig. Die früher zu Labeo gezählten kleineren und bunten Arten, wie der Feuerschwanz, werden aktuell in der Gattung Epalzeorhynchos klassifiziert. Echte Labeo-Arten gibt es in Asien und Afrika. Nur wenige Menschen sind sich darüber bewusst, dass es die stattliche Anzahl von 108 Labeo-Arten gibt, etwas über 80 davon leben in Afrika. Darum ist es ein schwieriges Unterfangen, die manchmal als Jungtiere mitgeschickten Afrikanischen Labeo richtig zu bestimmen. Aber manchmal ist es auch recht leicht. Die einzige aquaristisch halbwegs relevante Art ist die gescheckte OB-Morphe von Labeo cyclorhynchus, die unter ihrem Synonym L. variegatus ab und zu importiert wird. Ebenfalls relativ unverwechselbar, allerdings viel, viel seltener im Angebot ist Labeo longipinnis.

Die Kombination aus segelförmiger Rückenflosse, dem sehr kurzen , aber dafür ausgesprochen hohen Schwanzstiel, zumindest bei Jungtieren einem großen dunklen Fleck auf der Schwanzwurzel und roten Tupfen auf jeder Schuppe (das kleinste Tier, das wir bislang zu Gesicht bekamen, war etwa 5 cm lang) gibt es kein zweites Mal im Kongo. Es gibt zu L. longipinnis ein unter Fischkundlern recht bekanntes Synonym, nämlich Labeo velifer. Beide Arten wurden von Boulenger aus dem oberen Kongo beschrieben, L. velifer anhand über 40 cm langer (Totallänge, also inklusive Schwanzflosse) Tiere, L. longipinnis anhand eines etwa 17 cm langen Exemplares. Zähl- und Messwerte sind bei beiden Arten gleich, jedoch fand Boulenger in den Mundwinkeln von L. velifer ein Paar kleiner Barteln, bei L. longipinnis nicht. Schon früh zweifelte man daran, dass das ausreicht, um zwei Arten zu rechtfertigen. Bereits 1917 legte man darum L. longipinnis als den zu verwendenden Namen fest, da beide Arten gleichzeitig in der gleichen Arbeit von 1898 beschrieben worden waren, die beiden Namen also gleichwertig sind. Es dauerte aber immerhin bis zum Jahr 1995, bis die Artgleichheit der beiden Labeo durch Tshibwabwa & Teugels letztendlich festgeschrieben wurde. Große Ähnlichkeit besteht mit Labeo coubie aus dem Niger (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/labeo_coubie_de/), der jedoch einen viel längeren und schlankeren Schwanzstiel hat.

Aufgrund der erreichbaren Endgröße von über 40 cm ist Labeo longipinnis ein prächtiges Tier für sehr große Aquarien und Schauanlagen. Interessanterweise sind sie untereinander ziemlich friedlich. Es kommt zwar ständig zu sehr kurzen Verfolgungen (wobei durchaus auch kleine und schmächtige Tiere gut doppelt so große Individuen verfolgen können), aber das Ganze hat eher spielerischen Charakter; wir würden diese Art bezüglich des Verhaltens am ehesten z.B. mit Tropheus-Buntbarschen vergleichen. Ähnlich wie diese brauchen sie offenbar einen sozialen Verband, innerhalb dessen sie jedoch ständig etwas zanken. Interessant ist auch, dass die Wildfänge niemals völlig intakte Flossen haben. Die glatten Ränder der Flossen weisen darauf hin, dass Labeo longipinnis wohl zu den bevorzugten Opfern der auf Flossenfressen spezialisierten Salmler der Phago-Verwandtschaft zählen. Diese Flossenverletzungen heilen schnell und ohne Spuren zu hinterlassen wieder aus und dürften nach wenigen Wochen vollkommen verschwunden sein.  Im Aquarium sind Labeo-Arten wenig wählerisch, was das Futter angeht und fressen fröhlich alles mit, was anderen Fischen auch schmeckt. Jedes als Trinkwasser geeignete Wasser eignet sich auch zur Pflege von Labeo longipinnis. Die Wassertemperatur kann sich im Bereich zwischen 22 und 28°C bewegen.

Für unsere Kunden: Labeo longipinnis hat Code 142603 (6-8 cm) und 142604 (8-10 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Boulenger, G. A. (1898): Matériaux pour la faune du Congo. Poissons nouveaux du Congo. Deuxième Partie. Elopes, Characins, Cyprins. Annales du Musee du Congo (Série Zoologie) v. 1 (fasc. 2): 21-38, Pls. 10-19.

Boulenger, G. A. (1909): Catalogue of the fresh-water fishes of Africa in the British Museum (Natural History). v. 1: i-xi + 1-373

Liyandja, T. L. D. & M. L. J. Stiassny (2023): Description of two new Labeo (Labeoninae; Cyprinidae) endemic to the Lulua River in the Democratic Republic of Congo (Kasai ecoregion); a hotspot of fish diversity in the Congo Basin. American Museum Novitates No. 3999: 1-22.

Tshibwabwa, S. M. & G. G. Teugels (1995): Contribution to the systematic revision of the African cyprinid fish genus Labeo: species from the Lower Zaire river system. Journal of Natural History v. 29 (no. 6): 1543-1579.

Text & Photos: Frank Schäfer

Melanotaenia picta

13. März 2026

Erdgeschichtlich betrachtet befinden wir uns gerade in einer Eiszeit – trotz der Klimaerwärmung und ihren furchtbaren Folgen. Das bedeutet, beide Polkappen sind vereist. Innerhalb der Eiszeit leben wir allerdings in einer warmen Periode, die Warmzeit genannt wird. Sie begann vor etwa 11.700 Jahren. Davor waren auch große Teile von Asien, Europa und Nordamerika vergletschert, also von dicken Eispanzern bedeckt. Diese Zeit, die vor rund 115.000 Jahren begann, bezeichnen wir umgangssprachlich gerne als Eiszeit, also die Zeit, in der Neandertaler und unsere unmittelbaren Vorfahren, die Cro-Magnon-Menschen, Mammuts und andere Großsäuger jagten. In dieser Kaltzeit war so viel Wasser in den Eismassen gebunden, dass die Meeresspiegel auf der ganzen Welt erheblich tiefer lagen als heute. Neuguinea bildete in der Kaltzeit zusammen mit Australien eine zusammenhängende Landmasse, die Sahul genannt wird. Die Fachzeitschrift der Australischen Regenbogenfisch-Gesellschaft ist danach benannt und heißt „Fishes of Sahul“. Zwischen Neu Guinea und Australien liegt heutzutage eine breite Meeresstraße, die Torres-Straße. Sie ist rund 140 km breit und wurde vor ca. 8.000 Jahren geflutet. Ein Rest der ehemaligen Landbrücke zwischen Neu-Guinea und der Cape-York-Halbinsel (Australien) stellt der Aru-Archipel dar, der sich bis heute über das Meer erhebt. Dort gibt es eine kleine Gruppe von Regenbogenfischarten, die eng mit den auf Neu Guinea lebenden Arten der Melanotaenia-goldiei-Gruppe verwandt ist: Melanotaenia kolaensis, M. picta, M. senckenbergianus und M. wokamensis. Sie wurden wissenschaftlich erst 2015 überarbeitet (Allen et al.).

Optisch kann man diese vier Arten als Nicht-Spezialist kaum auseinanderhalten. Es ist darum sehr anzuraten, sie strikt in verschiedenen Aquarien zu pflegen, um unerwünschte Mischformen zu vermeiden. Es sind allesamt sehr schöne Fische, die jedoch aus einer ganzen Reihe von Gründen immer nur von Spezialisten gepflegt und gezüchtet werden. Im Handel tauchen sie dem entsprechend nur äußerst selten auf. Wir freuen uns sehr, ab und zu eine kleine Stückzahl junger, aber schon ausgefärbter Melanotaenia picta als Nachzucht anbieten zu können. Wie für alle Regenbogenfische gilt auch für diese Art: mit zunehmendem Alter werden sie immer farbintensiver. 

M. picta wurde aus dem Einzug des Mareremar River auf der Insel Kobroor beschrieben. Kobroor gehört zu den Aru-Inseln, die politisch übrigens zu Indonesien zählen. Beim Landschaftsbild kamen die Erstbeschreiber ins Schwärmen, es muss dort wunderschön sein. Die Tiere leben in kristallklarem Wasser von kleineren Waldbächen. Es gibt dort kaum Vegetation, aber reichlich Versteckmöglichkeiten. Schon vor seiner wissenschaftlichen Beschreibung war M. picta als M. sp. „Aru II“ im Hobby verbreitet. Bezüglich Pflege und Zucht ist diese bis etwa 11 cm lange Art vergleichbar mit den meisten anderen Regenbogenfischen. Das Wasser sei nicht zu weich, der pH im etwa neutralen Bereich, die Temperatur im Bereich von 22-26°C. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 428553 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Allen, G. R., Hadiaty, R. K., Unmack,P. J. & M. V. Erdmann (2015): Rainbowfishes (Melanotaenia: Melanotaeniidae) of the Aru Islands, Indonesia, with description of five new species and redescription of M. patoti Weber and M senkenbergianus Weber. aqua, International Journal of Ichthyology v. 21 (no. 2): 66-108.

Text & Photos: Frank Schäfer

Barbodes „schuberti“ KOI

13. März 2026

Die Brokatbarbe ist eine Zuchtform, die aus einer Barbe aus dem engeren Verwandtschaftskreis der Messingbarbe (Barbodes semifasciolatus) hervorgegangen ist. So ganz genau weiß das aber niemand; die gesamte Gattung Barbodes ist stark revisionsbedürftig. Entstanden ist die Brokatbarbe in den 1950er Jahren bei einem Aquarianer namens Thomas Schubert aus Camden, New Jersey (USA), weshalb sie auch oft mit dem ungültigen Namen „Barbus (oder Puntius, beides ist falsch) schuberti“ bezeichnet wird. Die Bezeichnung „schuberti“ ist kein wissenschaftlicher Name, sondern eine Phantasiebezeichnung und sollte darum immer in Anführungszeichen gesetzt werden. Da es sich bei der Brokatbarbe um eine Haustierform handelt, die in der Natur nicht existiert, ist die Verwendung eines wissenschaftlichen Artnamens ohnehin nicht sonderlich sinnvoll.

Es handelt sich um einen absolut friedfertigen und pflegeleichten Fisch, der seit seiner Entstehung nie wieder aus den Aquarien der Welt verschwunden ist. In jüngerer Zeit hat man neue Farbvarianten der Brokatbarbe entwickelt, darunter eine zwei- oder dreifarbige Form, die als „Koi-Brokatbarbe“ gehandelt wird. 

Bezüglich Pflege braucht man bei diesem Fisch nicht viele Worte zu verlieren: er gedeiht ebenso gut bei Raumtemperatur wie bei 28°C, Härte und pH-Wert sind ihm ebenfalls völlig egal. Wenn das Wasser als Trinkwasser taugt, so lebt auch die Brokatbarbe darin. Und füttern kann man dem Tier wirklich alles, was als Futtermittel für Zierfische auf dem Markt ist. Brokatbarben werden recht alt, 6 Jahre kommen häufig vor. Dann können sie erstaunlich groß werden. Zuchtfähig sind sie mit 3-4 cm Länge, aber sehr alte Weibchen können 8-10 cm lang werden. Die Männchen bleiben immer etwas kleiner.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 371341 (sm) bis 371344 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: F. Schäfer

Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“

6. März 2026

Die Gattungseinteilung bei den alestiden Salmlern Afrikas ist Gegenstand unaufhörlicher Debatten und ein Ende ist nicht abzusehen. Speziell bei den aquaristisch bedeutsamen Kongosalmlern geht es ständig hin und her. Erst kürzlich wurde in der aktuellsten Checkliste der Salmlerartigen Fische (Toledo-Piza et al, 2024) der dem „normalen“ Kongosalmler (Phenacogrammus interruptus) auf den ersten Blick sehr ähnliche P. bleheri in der Gattung Alestopetersius geführt. In Alestopetersius gibt es aktuell 12 akzeptierte Arten. Viele sind einander sehr ähnlich und schwer zu identifizieren. Gut erkennbar ist A. smykalai aus dem Niger, aber die Arten aus dem Kongo – der ganze Rest – ist arg kniffelig. Männchen in Balzfärbung sind zwar artcharakteristisch gefärbt, aber bis sie in Balzstimmung kommen, kann dauern – etliche Wochen bis Monate. So lange können wir im Handel aus verständlichen Gründen nicht warten.

Kürzlich erhielten wir aus dem Kongo eine Sendung Kongosalmler unter der Bezeichnung „Alestopetersius brichardi“. Diese Art gibt es und eine rasche Google-Bildersuche mit diesem Namen ergab in der Trefferliste u.a. unseren Fisch. Inzwischen (nach 10 Tagen) haben sich einige Männchen ausgefärbt und uns kamen große Zweifel. Die letzte Revision aller Alestopetersius-Arten ist glücklicherweise noch nicht lange her, sie erfolgte 2012 durch Mbimbi Mayi Munene & Stiassny anlässlich der Beschreibung einer neuen Art. Demnach ist A. brichardi ein schlanker Fisch mit einem breiten schwarzen Längsband, das sich bis ans Ende der Schwanzflosse durchzieht. Sehr ähnlich ist A. leopoldianus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/alestopetersius-leopoldianus/). Unser Fisch hingegen ist deutlich hochrückiger, das Längsband (das nur in bestimmten Beleuchtungssituationen überhaupt sichtbar ist) ist wesentlich schmaler und auf der Schulter befindet sich ein senkrechter Humeralfleck, der bei A. brichardi fehlt.

Wir haben uns entschlossen, unseren Neuimport lieber ohne „richtigen“ Namen zu lassen und benennen ihn statt dessen nach dem Fundort. Nach Auskunft des Lieferanten wurden diese Tiere im Kwilu River, einem der größeren Zuflüsse des Kasai River, unweit der Stadt Bandundu in der gleichnamigen Provinz der DR Kongo gefangen. In einer wissenschaftlichen Aufsammlung, über die 2011 publiziert wurde (Mbimbi Mayi Munene & Stiassny, 2011), werden zwei Alestopetersius-Arten aus dem Kwilu gemeldet: der neu beschriebene A. conspectus (diese Art unterscheidet sich von allen anderen A.-Arten u.a. durch eine auffällige Flaggenzeichnung der Schwanzflosse) und A. sp. “mbuji” ; letztere Art lag leider nur in einem nicht näher beschriebenen Exemplar vor, dessen DNS-Analyse aber zeigte, dass es sich um eine neue, wissenschaftlich noch nicht erfasste Art handelt. Von den beschriebenen Arten erscheint uns die Ähnlichkeit zu A. bifasciatus wegen des hohen Anteils an Schwarzfärbung in der Schwanzflosse am größten.

Solche Neuheiten sind aus mehreren Gründen verhältnismäßig teuer und Debatten darüber, wer bei der Bestimmung und Namensfindung recht hat, sind kontraproduktiv für die Verbreitung der Tiere im Hobby, da dabei immer unterschwellig der Verdacht mitläuft, irgend jemand in der Handelskette Fänger-Aufkäufer-Exporteur-Importeur-Großhandel-Einzelhandel hätte betrügerische Absichten. Ohne jeden Zweifel sind die neu importierten Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ wunderschöne Fische. Man kann nur jedem an afrikanischen Salmlern Interessierten raten, zuzugreifen, denn wann und ob ein neuerlicher Import dieser Fische gelingt, ist höchst ungewiss.

Unsere Exemplare haben sich bislang als robust und gesund erwiesen. Das fotografierte alpha-Männchen (erkennbar an den weißen Flossensäumen) ist ca. 5,5 cm lang (inklusive Schwanzflosse), Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ scheint also verhältnismäßig klein zu bleiben (ein bis zwei Zentimeter werden die Tiere aber wohl noch zulegen). Die Anpassung an das Aquarienleben ist gut. Aus Erfahrung mit anderen Kongosalmlern wissen wir, dass lediglich zur Zucht auf weiches, leicht saures Wasser geachtet werden muss. Der einzige fest im Hobby etablierte Alestopetersius ist der Gelbe Kongosalmler (A. caudalis), der inzwischen fast ausschließlich als Nachzucht angeboten wird. Zu dieser Art siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/alestopetersius-caudalis-3/ .

Der neue Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ ist völlig friedlich. Man sollte ihn in möglichst großem Trupp von Artgenossen in einem dicht bepflanzten Aquarium, das aber auch genug Schwimmraum lässt, bei nicht zu grellem Licht pflegen. Jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die schönste Flossenentwicklung zeigen Alestopetersius allerdings erfahrungsgemäß in weichem, leicht sauren Wasser (pH um 6). Die Temperatur sollte zwischen 22 und 28°C liegen. Gefressen wird alles Futter tierischen Ursprungs, egal ob Trocken-, Frost- oder Lebendfutter. Eine besondere Freude macht man den Tieren durch die Verfütterung von kleinen Fruchtfliegen (Drosophila), ein Trick, den Züchter anwenden, um einen möglichst üppigen Laichansatz beim Weibchen von A. caudalis zu erzielen.

Für unsere Kunden: Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ hat Code 100193 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Boden. G. in Toledo-Piza, M., E. G. Baena, F. C. P. Dagosta, N. A. Menezes, M. Ândrade, R. C. Benine, V. A. Bertaco, J. L. Birindelli, G. Boden, P. A. Buckup, P. Camelier, F. R. Carvalho, R. M. C. Castro, J. Chuctaya, E. Decru, E. Derijst et al. (2024): Checklist of the species of the Order Characiformes (Teleostei: Ostariophysi). Neotropical Ichthyology v. 22 (no. 1): e230086: 1-548.

Mbimbi Mayi Munene, J. J. & M. L. J. Stiassny (2011): Fishes of the Kwilu River (Kasai basin, central Africa): A list of species collected in the vicinity of Kikwit, Bandundu Province, Democratic Republic of Congo. Check List 7 (5): 691-699

Mbimbi Mayi Munene, J. J. & M. L. J. Stiassny (2012): A new Alestopetersius (Characiformes: Alestidae) from the Kwilu River (Kasai basin) of central Africa; with a phylogeny for the genus and synonymy of Duboisialestes. Zootaxa No. 3166: 59-68.

Poll, M. (1967): Révision des Characidae nains Africans. Annales, Musée Royal de l’Afrique Centrale, Tervuren, Série in 8o, Sciences Zoologiques No. 162: 1-158.

Text & Photos: Frank Schäfer

Megalechis thoracata „Albino“

6. März 2026

Der Schwielenwels Megalechis thoracata – vielen auch noch unter dem alten Namen Hoplosternum thoracatum bekannt – ist einer der ältesten Aquarienfische. Er hat eigentlich nur einen Nachteil, er wird nämlich mit ca. 15 cm (manchmal auch noch mehr) Länge ziemlich groß. Trotz der Größe hat er aber ein kleines Maul und so werden die „Kampfwürste“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, trotzdem gerne in Gesellschaftsaquarien mit etwas größeren und robusten Fischen gepflegt.

 

Die Zucht ist sehr interessant, denn Megalechis-Männchen bauen ein Schaumnest, ganz ähnlich zu dem der Labyrinthfische, unter einem schwimmenden Gegenstand (Züchter benutzen besonders gerne den Deckel von Kaffeedosen, aber die dürften den Schwielenwelsen in der Natur eher selten zur Verfügung stehen). Das Männchen bewacht das Nest mit den Eiern sehr gut und springt dem neugierigen Aquarianer sogar ins Gesicht, wenn der sich dem Nest zu sehr nähert.

Lange Zeit waren keine Zuchtvarianten des Schwielenwelses bekannt, doch haben wir seit einigen Jahren Albinos als Nachzucht im Sortiment. Die Tiere wirken sehr attraktiv, laichreife Männchen haben – genau wie die Wildform – stark vergrößerte Brustflossenstacheln und die Knochenplatten, die die Brust bedecken, sind viel größer als die entsprechenden Knochenplatten der Weibchen.

Die Wasserwerte spielen für Pflege und Zucht eine absolut untergeordnete Rolle, jedes Trinkwasser eignet sich. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen, etwas mehr oder weniger schadet eine Zeitlang auch nicht, sollte aber nicht die Regel sein. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Pflanzen werden nicht mutwillig beschädigt, können aber durch die Wühltätigkeit und Kraft der Tiere in Mitleidenschaft gezogen werden. Es eignen sich darum nur robuste Gewächse für die Bepflanzung.

Für unsere Kunden: die Albinos haben Code 259322 (3-4 cm) und 259323 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nanochromis transvestitus

6. März 2026

Regelmäßig haben wir bildschöne Nachzuchten dieses niedlichen Zwergbuntbarsches im Stock. Wildfänge gibt es nur sehr selten im Markt. Männchen der Art werden etwa 6 cm lang, Weibchen bleiben kleiner. Damit ist dieser Nanochromis einer der kleinsten Buntbarsche überhaupt.

Ursprünglich stammt der Fisch aus der Region des Lac Mai Ndombe in der D.R. Kongo. Im Gegensatz zu den allermeisten kongolesischen Fischen sind sie darum an sehr weiches und vor allem saures Wasser angepasst (pH 4,5). Die Aquarienstämme sind zwar diesbezüglich recht tolerant geworden, doch sind die Fisch in saurem Milieu deutlich weniger krankheitsanfällig.

Ansonsten sind es leicht zu pflegende und sehr attraktive Fische. Wie alle Nanochromis sind es Höhlenbrüter, wobei das Weibchen das Gelege bewacht und das Männchen das Revier. Männchen und Weibchen kann man bei N. transvestitus sehr leicht an der Flossenfärbung unterscheiden und nur das Weibchen bekommt einen intensiv roten Bauch. Das Balzverhalten ist spektakulär. Beide Geschlechter balzen mit weit aufgerissenen Mäulern und gespreizten Flossen. Das Weibchen nimmt zudem eine ganz merkwürdige S-förmige Körperhaltung ein.

Der Artname transvestitus bedeutet „Transvestit“; er wurde gewählt, weil das Männchen so viel farbloser als das Weibchen ist; gewöhnlich ist im Tierreich das Männchen das farbigere Tier. Allerdings ist dieser so genannte umgekehrte Sexualdichromatismus bei den chromidotilapinen Buntbarschen – hierzu zählen Nanochromis, Pelvicachromis usw. – die Regel und nicht die Ausnahme. Aber davon wussten die Wissenschaftler, die dem Tier 1984 seinen Namen gaben, scheinbar nichts.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 555002 bis 555004 (Nachzuchten) und 555102 bis 555103 (wild) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Celestichthys erythromicron ( = Microrasbora e., Danio e.)

6. März 2026

Der im Inle-See in Burma endemische, also nur dort vorkommende Celestichthys erythromicron ist ein winziger Aquarienfisch. Mit maximal 3 cm Länge ist er ausgewachsen. Kompliziert an der Art ist eigentlich nur die Namensgebung. Ursprünglich beschrieben wurde er als Microrasbora erythromicron. Dann zeigte sich aber, dass er nicht zu den Rasbora-artigen Karpfenfischen (Rasborinen), sondern zu den Danio-artigen Karpfenfischen (Danioninen) gehört. Anatomische Übereinstimmungen führten zwischenzeitlich zu einer Eingliederung in die Gattung Danio. Molekularbiologische Untersuchungen zeigten schließlich, dass er und Celestichthys margaritatus innerhalb der Kleincypriniden eine monophyletische (also auf gemeinsamer Abstammung beruhende) natürliche Einheit bilden. In der aquaristischen und wissenschaftlichen Literatur kann man C. erythromicron entsprechend unter allen drei oben aufgeführten Namenskombinationen finden, es handelt sich immer um die gleiche Art.

Erstmals wurde dieser niedliche Zwergfisch im Jahr 1978 eingeführt, wurde aber erst in den 2000ern von einer größeren Anzahl von Aquarianern wahrgenommen. In einer Beurteilung der IUCN (Internationale Rote Liste der bedrohten Arten) im Jahr 2011 wurde die Art als „gefährdet“ eingestuft. Die Tatsache, dass C. erythromicron ausschließlich im Inle-See vorkommt, macht sie natürlich sehr anfällig für Umwelteinflüsse. Im Inle-See verschlechtert sich die Wasserqualität ständig, zu Speisezwecken eingeführte Fremdfische bedrohen die eigentlich heimischen Arten zusätzlich. Auch vor einer übermäßigen Entnahme von C. erythromicron als Zierfisch wird gewarnt, es gibt aber keine wissenschaftlichen Hinweise, dass so etwas tatsächlich passieren könnte, dazu ist die internationale Nachfrage dann doch viel zu gering. 

Im Inle-See ist das Wasser hart, der pH-Wert leicht alkalisch (zentraler Teil des Sees: pH 7,6 – 8,8, Zufluss des Sees: pH 7,1 – 7,2). Die Wassertemperatur liegt tagsüber im Bereich von 21,3 – 28,8°C, die Lufttemperatur kann zwischen 5°C (Minimumtemperatur) und 38°C (Maximumtemperatur) schwanken (alle Angaben nach: Khaung et al., 2021). Man kann und sollte also C. erythromicron in normalem Leitungswasser pflegen; es hat sich bei vielen Arten aus dem Inle-See zudem bewährt, das Aquarium zeitweise nicht zu beheizen, die Tiere also bei Raumtemperatur (18-22°C) zu pflegen. Das wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus. 

Die Zucht dieser Zwergfische ist leicht. Die Geschlechter unterscheiden sich nur geringfügig: Weibchen sind etwas blasser und kräftiger. Javamoos wird als Laichsubstrat gerne angenommen, Brutpflege üben diese Tiere nicht aus. Die Hauptschwierigkeit liegt in der möglichst optimalen Aufzucht der kleinen Jungfische. Es gibt aber Züchter, die das gut beherrschen und im Handel stehen C. erythromicron daher regelmäßig sowohl als Nachzucht wie auch als Wildfang zur Verfügung. 

Celestichthys erythromicron ist ein völlig friedlicher, etwas scheuer Schwarmfisch, der jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe willig akzeptiert. Pflanzen werden nicht beschädigt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 430902 (md, wild), 430903 (lg, wild) und 430913 (md, Nachzucht) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Khaung, T., Iwai, C. B. & T. Chuasavathi (2021): Water Quality Monitoring in Inle Lake, Myanmar from the floating Garden Activity. Malaysian Journal of Fundamental and Applied Sciences, Vol. 17: 593-608

Text & Photos: Frank Schäfer

Limia nigrofasciata

6. März 2026

Über die systematische Position der auf den karibischen Inseln lebenden Lebendgebärenden Zahnkarpfen herrscht keine Einigkeit. Nach anatomischen Merkmalen galt die Gattung Limia lange Zeit als Synonym zu Poecilia, sie haben aber doch so viele eigenständige Merkmale, dass Limia als Untergattung fast immer mit genannt wurde. Neuere, vor allem DNS-gestützte Untersuchungen sehen Limia allerdings als eigenständige Gattung (Spikes et al, 2021). Sie gilt demnach als Schwestergruppe zu Poecilia.

Der Buckelkärpfling Limia nigrofasciata ist eine der auffälligsten Arten unter den lebendgebärenden Zahnkarpfen. Er stammt ursprünglich aus dem Miragoane-See auf Hispaniola (Haiti). Der Lago Miragoane ist mit seinen 12 km Länge und rund 25 km2 Fläche einer der größten natürlichen Süßwasserseen der Karibik. In Bezug auf seine Fischfauna ist er aquaristisch spannend. Ähnlich wie die Buntbarsche in den großen Afrikanischen Seen haben im Lago Miragoane die Lebendgebärenden Zahnkarpfen der Gattung Limia eine besondere Artenfülle entwickelt. Neun Arten findet man dort, von denen zwei erst im Jahr 2020 wissenschaftlich beschrieben wurden. Zusätzlich gibt es im Lago Miragoane noch eine interessante Gambusia-Art (G. beebei). Limia nigrofasciata wird bereits seit 1912 im Aquarium gepflegt und gezüchtet. Die Beliebtheit der Art zeigt sich auch daran, dass die Liebhaber ihn durch zwei Weltkriege hindurch erhalten haben.

Alle Limia-Arten sind sehr friedliche Fische und eignen sich gut für die Pflege im Gesellschaftsaquarium. Wer auf Nachzucht Wert legt, sollte die Arten getrennt halten, denn sie hybridisieren sehr leicht und die Kreuzungstiere sind nicht schön. Man sollte stets mehrere Männchen im Aquarium haben, denn die Schaukämpfe der Fische, die im übrigen völlig harmlos sind, sind prächtig anzusehen. Die größte Farbenpracht entwickeln die Fische, wenn etwas Algenwuchs an den Seitenscheiben erlaubt wird, denn darin weiden die Fische sehr gerne und ganz offensichtlich sind darin Nährstoffe, die den Tieren sehr gut bekommen.

Hier noch die Eckdaten zur Pflege: das Wasser sollte für diese Fische eher hart sein, der pH-Wert dauerhaft auf jeden Fall über 7 liegen. Günstig sind Werte zwischen pH 7,5 und 8,5. Limia-Arten gelten als wärmebedürftig. Am besten pflegt man sie im Temperaturbereich zwischen 26 und 30°C. Gefressen wird jedes handelsübliche Futter passender Größe. Speziell für Limia-Arten sind Futterflocken auf pflanzlicher Basis günstig.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 424801 (sm) bis 424804 (lg-xlg) auf unserer Stockliste; es sind ausschließlich Nachzuchttiere im Handel. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Spikes, M., Rodríguez‑Silva, R., Bennett, K.-A. Bräger, S., Josaphat, J., Torres‑Pineda, P., Ernst, A., Habenstein, K., Schlupp, I. & R. Tiedemann (2021): A phylogeny of the genus Limia (Teleostei: Poeciliidae) suggests a single‑lake radiation nested in a Caribbean‑wide allopatric speciation scenario. BMC Research Notes v. 14 (art. 425): 1-8.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gymnogeophagus constellatus

27. Februar 2026

Die Gattung Gymnogeophagus umfasst mittelgroße Erdfresser aus dem südlichen Teil Südamerikas. Die meisten Arten werden 10-15, einige bis 20 cm lang. Fast alle sind wunderschöne Tiere. Von den aktuell 20 allgemein akzeptierten Arten wurden nur 8 vor dem Jahr 2000 wissenschaftlich beschrieben – das zeigt deutlich, dass die Abgrenzung der Arten gegeneinander eine recht komplexe Angelegenheit ist. Innerhalb der Gattung kann man zwei Fortpflanzungstypen unterscheiden: Offenbrüter und Maulbrüter. Die Maulbrüter sind so genannte larvophile Maulbrüter, d.h. sie laichen nach Art der Offenbrüter auf einem Stein oder dergleichen ab und erst die schlupfreifen Eier oder Larven werden nach zwei bis mehreren Tagen (die Zeit der Eientwicklung ist temperaturabhängig) ins Maul genommen; hier ist nicht der richtige Ort, um auf die komplexen und subtilen Unterschiede in der Maulbrutpflege der einzelnen Arten einzugehen, wir erwähnen das hier nur, weil das Studium dieser Vorgänge die Pflege und Zucht von Gymnogeophagus so besonders interessant machen.

Die meisten Gymnogeophagus-Arten sind Endemiten in einzelnen Fluss-Systemen, kommen also ausschließlich dort vor. Zu den erst jüngerer Zeit (2015) wissenschaftlich beschriebenen Arten gehört Gymnogeophagus constellatus. Diese Art kommt im rio Ijuí und seinen Zuflüssen im mittleren Einzug des rio Uruguay vor. Das liegt im östlichen Teil des Bundesstaates Rio Grande do Sul, Brasilien. Außerdem wurde sie in Argentinien auf gleicher geografischer Breite in den Flüssen Chimiray-Miní and Itacaruaré nachgewiesen. Die von uns importierten Tiere stammen aus Argentinien, genauere Informationen liegen uns aber nicht vor. Die im Freileben rund 15 cm (Standardlänge ohne Schwanzflosse) lang werdende Art gehört zur Maulbrüter-Gruppe. Artcharakteristisch ist der verhältnismäßig sehr große Seitenfleck. 

Aquaristisch stellen Gymnogeophagus zwar begehrenswerte und teils auch begehrte Pfleglinge dar, doch sind sie nicht ganz einfach, denn als subtropische Fische kann man sie nicht ganzjährig unter den Bedingungen eines Tropenaquariums mit mehr oder weniger gleichbleibenden Bedingungen pflegen und züchten – jedenfalls nicht längerfristig. Diese Tiere benötigen jahreszeitliche Rhythmen, genau wie in der Natur. Wer das nicht beachtet, verliert den Stamm nach anfänglichen einfach zu erzielenden Nachzuchterfolgen gewöhnlich sehr schnell (nach wenigen Jahren) wieder. Zu beachten ist auch, dass Gymnogeophagus-Arten sich grundsätzlich als empfindlich gegen hohe Nitratwerte erwiesen haben. Bereits Werte um 90 mg/l können bei Jungfischen zu körperlichen Schäden führen und ab 110 mg/l können auch erwachsene Exemplare krankheitsanfällig werden. Ansonsten sind die Wasserwerte unerheblich, jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Die Wassertemperatur kann in der kühlen Periode bis unter 14°C sinken, ab 16°C beginnt das Fortpflanzungsverhalten. Hier können sich die Männchen als sehr aggressiv herausstellen, weshalb größere Aquarien benötigt werden; empfohlen wird Haremshaltung (Ein Männchen auf drei oder mehr Weibchen). Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 678023 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & photos: Frank Schäfer

Oryzias eversi

27. Februar 2026

Die Reisfische oder Medakas haben eine lange aquaristische Tradition. Schon im 19ten Jahrhundert wurden so genannte „Goldhaplochilus“ – nichts anderes als eine gelbe Zuchtform des Japanischen Reisfisches, Oryzias latipes – als Zierfische nach Europa exportiert; sie gehören somit zu den allerersten importierten exotischen Zierfischarten. Allerdings führten die hier ein Schattendasein und galten als empfindlich und schwierig. Daher wurden sie hauptsächlich von Spezialisten gepflegt und gezüchtet, bis in den frühen 2000ern, also gut 200 Jahre später, ein Hype auf diese Fische in Japan einsetze und nach Europa herüberschwappte. 

Gleichfalls rasant entwickelte sich die wissenschaftliche Erforschung dieser Tiere in der jüngsten Zeit. Nur wenige, „variable“ Arten wurden bis ca. 1980 unterschieden, dann erfolgten wissenschaftliche Untersuchungen in rascher Folge und aktuell sind mehr als 40 Arten allgemein akzeptiert, von denen 25 erst ab 1990 beschrieben wurden. Die Insel Sulawesi ist ein Hotspot der Artenvielfalt bei den Reisfischen. Auf der relativ kleinen Insel lebt gut die Hälfte aller bekannten Reisfisch-Arten.

Zu den Sulawesi-Arten gehört Oryzias eversi, der 2012 wissenschaftlich beschrieben wurde. Es gibt zwei Fortpflanzungstypen bei Reisfischen. Die eine Gruppe streift die Trauben abgelegten Eier an Pflanzen etc. ab und überlässt sie dort sich selbst. Die andere Gruppe wird als „Bauchflossenbrüter“ bezeichnet. Bei ihnen haben die Weibchen verlängerte Bauchflossen und eine spezielle Kerbe am Bauch. Die an Fäden haftenden Eier werden so lange in diesem Bereich vom Weibchen mit sich herumgetragen, bis die Jungen schlüpfen (18-19 Tage bei 24°C). Früher wurden diese Bauchflossenbrüter in eine eigene Gattung, Xenopoecilus, gestellt, gegenwärtig zählt man sie zu Oryzias.

Leider ist O. eversi akut vom Aussterben bedroht, denn die Art ist bislang nur aus einem einzigen Gewässer bekannt. Dabei handelt es sich um einen im Karst befindlichen Teich, der von der lokalen Bevölkerung als natürlicher Swimming Pool genutzt wird. Damit einher gehen natürlich unkalkulierbare Verschmutzungsgefahren. Eine einzige Dosis einer versehentlich oder absichtlich eingebrachten Chemikalie kann den Weltbestand dieser interessanten Fischart in der Natur erlöschen lassen. Glücklicherweise haben sich verschiedene Aquarianer und Institutionen der Erhaltungszucht von Oryzias eversi verschrieben. Damit diese Erhaltungszucht langfristig funktionieren kann, muss der Absatz der Nachzuchten gewährleistet sein. Und so haben wir gerade eine größere Stückzahl aus einem Zoo übernommen. Mit dem Kauf dieser interessanten Fischart leisten Sie, liebe Aquarianer, einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz.

Die Pflege und Zucht der Art sind leicht. Sie möchte eher härteres Wasser mit leicht alkalischem pH-Wert, die Wassertemperaturen können zwischen 20 und 26°C liegen (besser im unteren Bereich der Skala). Es wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe gefressen. Die Geschlechter der maximal 4- 4,5 cm langen Art sind anhand der unterschiedlich geformten Afterflossen schon früh erkennbar. Die Weibchen sind Schwarmfische, die gerne in kleinen Schulen schwimmen, in denen sich auch unreife Männchen befinden können. Geschlechtsreife Männchen färben sich rußig-schwarz ein und sind etwas einzelgängerischer. Insgesamt handelt es sich um eine friedliche Art, deren Pflege und Zucht kaum nennenswerte Probleme bereitet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 339653 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Haludaria fasciata (früher: Barbus fasciatus, B. melanampyx)

27. Februar 2026

Im Süden Indiens erhebt sich das uralte Hochplateau des Dekkan, das bereits entstand, als Indien noch ein Teil von Afrika war. Von hier fließen zahlreiche kleine Flüsse direkt in den Indischen Ozean ab und in vielen dieser Flüsse haben sich aufgrund der geografischen Isolation eigene Farbvarianten, Unterarten oder Arten von Süßwasserfischen gebildet. Besonders die Barben und Schmerlen finden sich hier in großer Formenvielfalt, die bislang übrigens wissenschaftlich noch nahezu unerforscht ist.

Der Gattung Haludaria, die früher Barbus, Puntius oder Dravidia zugeordnet wurde, umfasst nach aktuellem Forschungsstand sechs beschriebene Arten: H. afasciata, H. fasciata, H. grayi, H. kannikattiensis, H. melanampyx und H. pradhani. Umgangssprachlich werden sie auch als Glühkohlenbarben bezeichnet. Leider gibt es keine Revision, die es erlauben würde, die Gültigkeit dieser Arten zu beurteilen. Deswegen werden die im Hobby vorhandenen Stämme allesamt unter Haludaria fasciata zusammengefasst, auch wenn teils deutliche Farbunterschiede bestehen. Ein oft anzutreffender Name ist H. melanampyx. Die unter diesem Namen beschriebene Barbe hat keinen Schwanzwurzelfleck, im Gegensatz zu den im Hobby gepflegten und gezüchteten Formen. Wenn also H. melanampyx eine gültige Art darstellt, dann ist sie im Hobby nicht vertreten. Man muss dazu aber auch wissen, dass die schwarzen Markierungen bei Haludaria stimmungsbedingt ein- und ausgeschaltet werden können. Gerade innerhalb dieser Gattung sind Zeichnungsunterschiede darum schwer zu bewerten.

Wir haben immer wieder mal ganz herrliche Wildfangexemplare im Stock, die ein fantastisch tiefes Rot als Grundfarbe haben. Die Männchen scheinen förmlich von innen zu glühen. Aktuell haben wir aber auch wundervolle Nachzuchten dieses Fisches erhalten, die sich bereits in geringer Körpergröße (3-4 cm) ausfärben und dem Namen „Glühkohlenbarbe“ alle Ehre machen. Haludaria fasciata wird rund 8 cm lang und ist vollkommen friedlich. Als Barbe nascht sie schon einmal an zarten Pflanzenteilen, wenn sie nicht ausreichend mit pflanzlicher Nahrung versorgt wird. Die Wasserzusammensetzung ist nebensächlich, die Temperatur sollte um 26°C betragen. Eine „Winterruhe“ von 6-8 Wochen bei Temperaturen zwischen 18 und 22°C wirkt sich sehr positiv auf die Fische aus, ist aber nicht zwingend notwendig.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 370002 und 370003 (WF, „melanampyx“), 369512 (NZ, md), 369521 (WF, red, md) und 369523 (WF, red, lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Satanoperca daemon

27. Februar 2026

Wir erhalten gelegentlich den prächtigen Satanoperca daemon, meist aus Kolumbien. Die Art ist gesamten Rio-Negro-Gebiet weit verbreitet und häufig, aber sensibel und daher nur von den erfahrendsten Lieferanten lieferbar. Der „Dreifleck-Daemon“ gehört zu den schönsten Buntbarschen Südamerikas und zu den friedlichsten dazu. Bei den bis zu 30 cm langen Erdfressern gehören Bissverletzungen – sonst bei großen Buntbarschen fast an der Tagesordnung – zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen. Man könnte die Tiere geradezu als schüchtern bezeichnen.

Satanoperca daemon ist grundsätzlich in großen Aquarien mit Sandboden zu pflegen. Lange Zeit galt das Dogma, dass auf sehr weiches Wasser und einen sauren pH-Wert zu achten ist (pH um 6), da die Fische in alkalischem Wasser zur Lochkrankheit neigen würden und auch farblich unschön werden. Das kann aber als überholt gelten. Die gefürchtete Lochkrankheit ist wohl zu einen guten Teil psychosomatisch begründet, auch wenn ihre Ursache oder Ursachen nach wie vor nicht wirklich verstanden sind. Jedenfalls können Pflege und Zucht auch in mittelhartem, leicht alkalischem Wasser gelingen. Entscheidend ist wohl eher sehr gute Wasserpflege (also möglichst geringer Stickstoff- und Phosphatgehalt und niedrige Keimzahl), Pflege in einer Gruppe von Artgenossen zur freien Partnerfindung und scheinbar auch die übrige Gesellschaft. Der Grundstein für eine erfolgreiche Pflege und Zucht ist, wie bei allen Fischen, weniger in irgendwelchem wasserchemischen Voodoo zu suchen, als in einer optimalen Aufzucht. Abwechslungsreiches und vor allem frisches Futter, in dem noch alle Vitamine, Spurenelemente und die so überaus wichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (HUFA) enthalten sind, sind absolut unabdingbar. 

Die Zucht ist schon gelungen, allerdings sehr selten. Anders als viele andere Geophagus-Verwandte sind Satanoperca daemon Grubenbrüter, keine Maulbrüter. Man benötigt relativ große Aquarien, da allein die Laichgrube schon gut 50 cm Durchmesser haben kann. Während für die Alltagspflege feiner Sand (Korngröße 0,2- 1mm) wichtig ist (die Tiere durchkauen ihn ständig) entwickelt sich der Laich in diesem feinen Substrat nicht oder nur schlecht. Das Gelege wird zudem von den Elterntieren mit feinem Kies abgedeckt. Fehlt dieses Substrat im Aquarien, wird die Reaktionskette der zum Fortpflanzungsverhalten gehörenden Instinkthandlungen unterbrochen, die Brutpflege gewöhnlich abgebrochen und der Laich gefressen. Als gute Korngröße für das Nest hat sich feiner Kies von 3-6 mm Korngröße erwiesen. 

Die Wassertemperatur muss – ähnlich wie beim Diskus – im Bereich über 28°C gehalten werden. Der Effekt ist ein doppelter: viele Parasiten und Krankhetserreger mögen diese hohen Temperaturen nicht und entwickeln sich darum nur schlecht. Und die Immunabwehr der Fische funktioniert in diesem Temperaturbereich besonders gut. Satanoperca daemon ist also ein herrlicher Fisch, der jedoch Ansprüche stellt. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – als Wildfänge Code 677500 (2-3 cm) bis 677509 (18-22 cm) und als Nachzuchten 677512 (4-6 cm) bis 677513 (6-9 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nannacara aureocephalus

20. Februar 2026

Die Zwergbuntbarsche der Gattung Nannacara sind entlang der Atlantikküste Südamerikas von Brasilien bis nach Venezuela verbreitet. Die am weitesten östlich verbreitete Art ist N. taenia (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacra-taenia/), zugleich die kleinste Art der Gattung. Daran schließt sich in Richtung Westen Nannacara aureocephalus, die größte Art der Gattung, an. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Nord-Brasilien (Oiapock-System) und große Teile Französisch Guyanas. Dort gibt es Gebiete, wo N. aureocephalus unmittelbar neben, manchmal sogar gemeinsam mit der sehr ähnlichen, aber kleineren Art N. anomala vorkommt. Der Status so mancher Population in Französisch Guyana ist noch ungeklärt (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacara-sp-crique-canceler/ und https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacara_sp_sourourou_de/). Vor allem Jungtiere von N. aureocephalus und N. anomala sehen sich sehr ähnlich und können nicht mit Sicherheit voneinander unterschieden werden. Wir sind diesbezüglich immer auf die Zuverlässigkeit unserer Züchter angewiesen.

Erwachsene Männchen von N. aureocephalus sind aber aufgrund ihrer vergleichsweise bulligen Gestalt, der Größe (bis zu 12 cm Totallänge, N. anomala erreicht nur maximal 10 cm) und des intensiven Goldglanzes des Kopfes (grünblau bei N. anomala) gut zu erkennen. Während die Männchen den Rahmen dessen sprengen, was man gemeinhin als „Zwergcichliden“ bezeichnet (nämlich Arten, die allerhöchstens 10 cm lang werden), bleiben die Weibchen mit ihren höchstens 6 cm innerhalb des Definitionsrahmens. Von N. anomala-Weibchen unterscheiden sich die Weibchen von N. aureocephalus ebenfalls hauptsächlich durch die bulligere, weniger seitlich zusammengedrückte Statur. Wir raten dringend davon ab, Jungfische beider Arten gemeinsam aufzuziehen, die Gefahr, dass es zu unabsichtlichen Vermischungen kommt, ist groß.

Im Aquarium sind N. aureocephalus sehr schöne Tiere, deren Verhalten im großen und ganzen dem von N. anomala entspricht (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nannacara-anomala-3/). Erfahrene Pfleger empfehlen große Aquarien (ab 120 cm Länge). Wichtig ist es, zumindest stellenweise feinen Sand als Bodengrund einzubringen. Totes Laub (Buchen-, Eichen oder Seemandelbaumblätter) geben Huminstoffe ab, die den Fischen sehr gut tun und bilden, wenn sie zerfallen, auch noch eine gute Zusatznahrung. Ansonsten werden alle üblichen Futtersorten akzeptiert. Die Wassertemperatur sollte zwischen 23 und 27°C liegen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 684002 und 684003 für Wildfänge und Code 684051 bis 684055 für Nachzuchten auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer & Uwe Römer

Pareutropius buffei ( = „P. debauwie“, Eutropiellus b.)

20. Februar 2026

Haiwelse (Pangasius spp.) sind riesige Speisefische, die sich zu einem großen Teil vegetarisch ernähren und wenig Ansprüche an die Wasserqualität stellen. Darum eignen sie sich außerordentlich gut für die Aquakultur in tropischen Regionen. Aus diesen Speisefischzuchten stammen die netten Babies, die immer noch regelmäßig auf dem Zierfischmarkt auftauchen. So lange sie klein sind, kann man sie natürlich gut im Aquarium pflegen, aber wohin mit ihnen, wenn sie einfach zu groß geworden sind? Dabei gibt es andere Arten von sehr ähnlichem Aussehen, die zeitlebens klein bleiben (6-8 cm) und genauso tagaktiv und ununterbrochen umherschwimmend sind, wie die Haiwelse: Schwälbchenwelse (Pareutropius) aus Afrika.

Es gibt vier Arten dieser Schwälbchenwelse, alle bleiben klein und sind in der Natur sehr häufig. Sie sehen einander so ähnlich, dass es eigentlich egal ist, welche Art man erwirbt, zumal sie sich in gemischten Schwärmen untereinander verhalten, als seien sie alle vom selben Stamm. Nur wenn man züchten möchte ist die Artfrage relevant. Dazu gilt die einfache Regel: Schwälbchenwelse aus Ostafrika (so gut wie nie im Handel) sind P. longifilis, solche aus dem Kongo (sehr selten im Handel) P. debauwi (am Ende nur mit „i“, nicht mit „ie“!) und die regelmäßig importierten aus dem Niger P. buffei. Die vierte Art, P. mandevillei, stammt ebenfalls aus dem Kongo; sollte sie schon jemals importiert worden sein, so hat sie niemand erkannt. Im Handel nennt man gewöhnlich alle Schwälbchenwelse „Eutropiella debauwie“ (beide Namen also falsch geschrieben, wenn schon, müsste es Eutropiellus debauwi heißen). Die meisten sind aber, wie gesagt, P. buffei. Die Unterschiede kann man den beigefügten Photos entnehmen, hauptsächlich ist es die Schwanzflossenfärbung, die es speziell interessierten Aquarianern ermöglicht, zwischen den Arten zu unterscheiden. Der häufig verwendete Name P. vandeweyeri ist ein Synonym zu P. buffei, Eutropiellus ein Synonym zu Pareutropius.

Vereinzelt enthalten die Schwärme von importierten P. buffei sehr helle Exemplare. Das ist keine eigene Art oder Variante, sondern die Folge einer Hornhauttrübung des Auges. Wir haben das nicht näher untersucht, es liegt aber die Vermutung nahe, dass es sich um ein Phänomen handelt, das dem der Goldsalmler aus Südamerika ähnlich ist. Die helle Färbung bewirkt, das die betroffenen Exemplare leichter zur Beute fischfressender Tiere werden. Wahrscheinlich wird die Hornhauttrübung, die wiederum zur Hellfärbung führt, durch einen Parasiten hervorgerufen, der einen Wirtswechsel durchläuft. Genau wie die Goldtetras sind die hellen Schwälbchenwelse im Aquarium uneingeschränkt lebensfähig und werden auch genau so alt wie ihre normalgefärbten Artgenossen, also mehrere Jahre.

Schwälbchenwelse sind tagaktive, sehr muntere und völlig friedliche Schwarmfische. Man sollte sie niemals in Gruppen von weniger als 6, besser 10-20 Exemplaren pflegen. Äußerlich erkennbare Geschlechtsunterschiede gibt es kaum, Weibchen werden etwas größer und sind fülliger. Wie so viele Welse reduzieren auch die Schwälbchenwelse während der Trockenzeiten zur Energieeinsparung ihre Gonaden (Hoden, Eierstöcke), da dies sehr fettreiches Gewebe ist. Im Aquarium mit seinen ganzjährig ähnlichen Temperaturen und der guten Futterversorgung ist für die Fische immer Trockenzeit, sie stellen darum alle Fortpflanzungsaktivitäten ein und reduzieren die Gonaden. Dieser Prozess lässt sich leicht durch die Imitation einer Regenzeit umkehren. Es genügt dabei, die Wasseroberfläche 6-8 Stunden täglich mit einem Filterrohr über ca. 50 Tage künstlich zu beregnen, um die Gonaden heranreifen zu lassen (Kirschbaum et al., 2008). Die Zucht gelang schon in den 1950er Jahren mit P. longifilis. Die Schwälbchenwelse sind Freilaicher ohne Brutpflege. Die Wasserwerte sind für die Pflege ohne Belang, jedes Trinkwasser ist geeignet. Die Wassertemperatur kann im Bereich zwischen 22 und 28°C liegen. Jedes handelsübliche Zierfischfutter (trocken, lebend, gefroren) passender Größe wird gerne angenommen. Pflanzen werden nicht beschädigt.

Für unsere Kunden: P. buffei hat Code 129000 (baby) bis 129005 (sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Kirschbaum, F., Leyendecker, U., Nyonge, B., Schulz, C., Weitkamp, H., Didhiou, S., Thomas, M. & C. Schugardt (2008): Environmental control of cyclical reproduction of tropical freshwater fish: Evidence from comparative experimental data. Cybium 2008, 32(2) suppl.: 294-296.

Text & Photos: Frank Schäfer