Archiv für den Autor: Frank Schäfer

Apistogramma agassizii „Blue Flame“

23. Oktober 2026

Abwechslung ist das Salz in der Suppe, oder, mit anderen Worten, ohne Abwechslung ist das Leben langweilig. Apistogramma agassizii scheint diese Einstellung zu kennen, denn diese Zwergbuntbarschart bietet nun wahrlich reichlich Abwechslung im Farbkleid. Das betrifft Lokalpopulationen, individuelle Farbabweichungen und Zuchtformen. 

Die neueste Zuchtform bei A. agassizii ist „Blue Flame“. Der Körper der Männchen  ist bei dieser Zuchtform neonblau, die Schwanzflosse leuchtend orangerot. Ansonsten sind die prächtigen Tiere ganz normale Apistogramma agassizii: pflegeleicht, friedfertig und spannend zu beobachten. 

Maximalgröße: Weibchen ca. 4-5 cm, Männchen ca. 8 cm; Temperatur: 20-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: vergleichsweise friedlicher Buntbarsch mit sozialer Rangordnung, Haremsbildung und Mutter-Vater-Familie.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 614122 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Characidium cf. etheostoma

23. Oktober 2026

Wir glauben, dass eine Sendung Bodensalmler (Characidium) aus Kolumbien hauptsächlich (es sind ein paar Beifänge darunter) aus der bereits 1872 beschriebenen Art Characidium etheostoma besteht. Dies ist eine der aktuell 17 aus Kolumbien gemeldeten Characidium-Arten. Die Färbung unserer Fische stimmt sehr gut mit der Originalbeschreibung überein. Weil aber bei Bestimmungsversuchen bei Characidium immer Fragezeichen stehen bleiben nennen wir die Tiere vorsichtshalber Characidium cf. etheostoma (cf steht für confer, as ist Latein und bedeutet „vergleiche mit“).

Es sind sehr interessante, hübsche Tiere, die, wie alle Characidium, vorbehaltlos zur Belebung des Bodenbereiches im Aquarium empfohlen werden können. Die Fische sind völlig friedlich und zeigen ein sehr interessantes Verhalten. Die Art ist aus weiten Teilen des Amazonasbeckens gemeldet: Ecuador, Peru, Brasilien und Kolumbien.

Maximalgröße: ca. 5 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht wahrscheinlich weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Fisch mit sozialer Rangordnung.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 215572 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Osteogaster rabauti und O. zygata

23. Oktober 2026

Die Gattung Osteogaster umfasst die so genannten Metall-Panzerwelse, also Arten aus der Verwandtschaftsgruppe von O. aenea (früher Corydoras aeneus). Man kennt 7 bis 11 Arten (der Status mancher Arten ist umstritten) und 13 CW-Nummern. Erst kürzlich (2025) wurde mit O. oharai eine Art beschrieben, die den beiden schon lange bekannten O. rabauti und O. zygata sehr ähnlich sieht. Die beiden lange bekannten Arten Osteogaster rabauti und O. zygata werden seit Jahrzehnten aus Peru, Venezuela und Kolumbien importiert, der neue O. oharai kommt hingegen aus Brasilien (Aripuanã-Einzug, einem Zufluss des Rio Madeira und Juruena -Einzug, einem Zufluss des Rio Tapajós) und trug zuvor die Codenummer CW68. O. oharai lässt sich am leichtesten in Draufsicht von den beiden anderen unterscheiden. Die Rückenstreifen von Osteogaster rabauti und O. zygata berühren sich vor der Rückenflosse, bilden also ein V in der Draufsicht, was bei O. oharai nicht der Fall ist.

Gegenstand dieses Posts ist aber nicht die neu beschriebene Art, sondern die beiden schon seit 1941 und 1942 bekannten Vettern. Osteogaster rabauti und O. zygata sehen sich dermaßen ähnlich, dass man glauben könnte, es handele sich um die gleiche Art. Tatsächlich unterscheiden sie sich aber frappierend in der Jungfischfärbung bis ca. 2cm Gesamtlänge. Jungtiere von O. rabauti gehören zu den schönsten Panzerwelsen überhaupt, sie haben einen orangeroten Vorderkörper, eine breite, blauschwarz schimmerndes Bauchbinde, die sich über die gesamte Körperhöhe zieht, einen hellen Schwanzstiel und orangefarbene Rücken- und Bauchflossen. O. rabauti wurde anhand eines solchen Jungfisches  beschrieben, O. zygata praktisch zeitgleich anhand eines Tieres in Erwachsenenfärbung. Junge O. zygata sind sandfarben mit einigen schwarzen Sprenkeln und transparenten Flossen. Die Beschreiber der beiden Arten wussten nichts voneinander. 

Im Hobby glaubte man lange, die Körperfärbung wäre ein brauchbares Merkmal, um die beiden Arten zu unterscheiden. Sie sei rötlich-braun bei O. rabauti („Rostpanzerwels“) und viel blasser bei O. zygata („Falscher Rostpanzerwels“). Das ist aber falsch, beide Arten können rötlich-braun oder sehr blass sein. Auch der Grad der metallisch-grünen Färbung ist individuell, nicht artspezifisch. O. zygata wird etwas größer und er ist schlanker, aber solche Unterschiede sieht man nur im Vergleich. Als ziemlich verlässliches Merkmal gilt hingegen die Färbung der unteren Schwanzflossenhälfte. Bei O. zygata sind alle Flossenstrahlen der Schwanzflosse gleichermaßen unauffällig farblos, bei O. rabauti sind die Schwanzflossenstrahlen in der unteren Hälfte schwarz pigmentiert. Aber Vorsicht: gestresste Tiere können die schwarzen Pigmentzellen so stark zusammenziehen, dass man sie nicht mehr erkennt. Dieses Merkmal funktioniert also nur bei gut eingewöhnten Exemplaren und auch dann nur bei vollständig erwachsenen Tieren. Jungtiere beider Arten haben transparente Schwanzflossen. Und ab und zu gibt es Populationen von O. zygata, die ebenfalls dunkles Pigment in der unteren Schwanzflossenhälfte haben.

Sehr hilfreich ist das Unterscheidungsmerkmal, das in der oben genannten Erstbeschreibung von O. oharai aufgeführt ist. Demnach ist O. zygata eine relativ langschnäuzige Art, bei der der vordere untere Augenringknochen die Schnauze nur zur Hälfte bedeckt, während O. rabauti eine relativ kurzschnäuzige Art ist, bei der der vordere untere Augenringknochen die Schnauze fast vollständig bedeckt. Man kann dieses Knochenmerkmal auch bei lebenden Tieren zumindest auf Photos erkennen. Um es nicht allzu einfach zu machen: es gibt auch Zwischenformen. Somit wird im Einzelfall und bei jüngeren Tieren immer ein Restzweifel bestehen bleiben, um welche der beiden Arten es sich handelt. Glücklicherweise sind beide Arten in ihren Ansprüchen identisch, so dass es aus tierpflegerischer Sicht egal ist, welche Art man pflegt.

Maximalgröße: ca. 6,5 cm (rabauti), ca. 8,5 cm (zygata); Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 243001-243007 (rabauti) und 249502-249505 (zygata) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Tencatt, L. F. C., V. de Carvalho, H. P. da Silva & M. R. Brito (2025): A new striped Osteogaster (Siluriformes: Callichthyidae) from the Madeira and Tapajós river basins, Brazil, with a new generic diagnosis and an identification key to the species of Osteogaster. Neotropical Ichthyology v. 23 (no. 2): e240134: 1-36.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pethia canius

23. Oktober 2026

Die Erforschung mancher Fischarten hat eine dermaßen verworrene Historie, dass es wohl niemals ganz und gar gelingen  wird, sie zu entwirren. 1822 beschrieb der schottische Fischkundler Francis Hamilton zwei winzige Barben aus dem Ganges-Einzug in Indien: Puntius gelius und Puntius canius. Die beiden wurden praktisch von Anfang an miteinander verwechselt, weil sie sehr ähnlich gefärbt sind. Heutzutage stehen beide in der Gattung Pethia. Der entscheidende Unterschied liegt in der Schuppengröße. Die Schuppen von P. canius sind fast doppelt so groß wie die von P. gelius.  

P. canius ist eine der kleinsten Barbenarten Indiens. Männchen werden werden nur selten länger als 2,5 cm, Weibchen etwas größer. Die Rekordmarke von 5 cm Gesamtlänge, die immer wieder einmal für sie und P. gelius genannt wird, ist wohl auf Verwechslungen mit anderen Arten zurückzuführen.

Übrigens hat sich in jüngster Zeit herausgestellt, dass P. canius zu einem ganzen Komplex sehr ähnlicher Arten gehört. Die Namen dieser Arten sind die bereits erwähnte Pethia gelius, Pethia canius und neu hinzu kam 2013 noch P. aurea. Diese drei Arten sind mit bloßem Auge zumindest als Jungfisch kaum auseinanderzuhalten, im Handel nennt man darum alle gewöhnlich „P. gelius“. Zu dem Komplex gehört noch die farblich unscheinbare P. guganio. Gemeinsam ist diesen Arten, dass sie – wie die Keilfleckbarben – mit dem Bauch nach oben unter Pflanzenblättern ablaichen.

Egal, welche Art des Komplexes man erwirbt: es sind entzückende, äußerst friedliche Schwarmfische. Mit Huminstoffen im Wasser tut man ihnen einen großen Gefallen (Totlaub, Torf, Erlenzäpfchen) und man sollte etwas Mulm im Aquarium zulassen. Ansonsten sind es völlig anspruchslose Tierchen.

Maximalgröße: ca. 2,5 – 3 cm; Temperatur: 18-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Wir haben über diese Fische auch einen kleinen Film erstellt, den Sie hier betrachten können: https://www.youtube.com/watch?v=agYvTweMZQY

Für unsere Kunden: die Tiere haben – ja nach Größe – Code 399101 bis 399103 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Scatophagus argus „Rotstirn“

23. Oktober 2026

In dem asiatischen Teil des Indischen Ozeans leben mindestens drei verschiedene Arten Argusfische der Gattung Scatophagus: der Grüne Argus, der Rotstirn-Argus und der Hooghly-Argus. Aus wissenschaftlicher Sicht werden derzeit alle noch zu einer einzigen Art gestellt, die Scatophagus argus genannt wird. Das ist zwar falsch, doch ist hier nicht der geeignete Ort, solche Dinge zu diskutieren. Nur soviel: der „echte“ Scatophagus argus ist der Rotstirn-Argus, die anderen müssten eigentlich anders genannt werden.

Alle Argusfische sind so genannte euryhaline Fische, können also jederzeit zwischen dem Meer und dem Süßwasser hin- und herwechseln. In der Natur findet man auch voll erwachsene Argusfische gelegentlich im Süßwasser. Am liebsten leben Argusfische aber in der Mischzone zwischen Meer und Süßwasser, dem so genannten Brackwasser. Im Aquarium ist es sehr wichtig, dass der pH-Wert nicht unter 7 sinkt. Außerdem sind Argusfische im Süßwasser sehr empfindlich gegen Nitrit und Nitrat.

Junge Argusfische leben im Schwarm, geschlechtsreife werden untereinander zänkisch, besonders die Männchen. Ein Schwarm Rotirn-Argus ist immer ein Hingucker; die Tiere, die für diesen Post photographiert wurden, stammen aus Vietnam. Interessanterweise sind Jungtiere bezüglich des Punkt- und Streifenmusters sehr unterschiedlich gezeichnet, während geschlechtsreife Tiere (ab ca. 8 cm Länge) allesamt ein ähnliches Punktmuster zeigen. In einigen Gebieten – z.B. antlang der thailändischen Küste – leben Rotirn-Argus und Grüne Argus zusammen (haben aber in diesen Gebieten unterschiedliche Laichzeiten), während an manchen Orten nur eine einzige Art der Argusfische vorkommt. Aus Indonesien kommen z.B. vorwiegend Rotstirn-Argus.

Maximalgröße: ca. 30 cm; Temperatur: 25-30°C; pH und Härte: am besten Brackwasser (10-20g Meersalz/Liter), pH nicht unter 7, besser über 8! Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: Jungtiere im Schwarm, erwachsene im sozialen Verband, gegen artfremde Fische friedlich.

Für unsere Kunden: Rotstirn-Argus haben – je nach Größe – Code 454800 bis 454804 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma noxium ( = CW004, CW155, CW156, CW167, Corydoras „Ancestor“)

16. Oktober 2026

Aus dem Einzug des Rio Tapajós (Zuflüsse in der Region Jacareacanga, Bundesstaat Pará, Brasilien) kommt ein sehr interessanter Panzerwels, der erst im Jahr 2025 offiziell beschrieben wurde: Hoplisoma noxium. Die große Anzahl von CW-Nummern, die diese Art vor der Beschreibung erhielt, deutet schon darauf hin, dass die Spezies farblich sehr variabel ist.

Die Merkmalskombination aus 1.- dunkler Augenbinde – 2. – helle Punkte im Bereich des Kopfes und des Vorderkörpers und 3.- dunklem Fleckenmuster auf den Flanken, in der Rücken-und Schwanzflosse ist einzigartig innerhalb der Panzerwelse. Alle Exemplare weisen diese Merkmalskombination auf, aber kaum ein Tier gleicht dem anderem.

Interessant und hervorzuheben ist die Tatsache, dass diese Panzerwels-Art (und einige weitere) erst dank einer aus privaten Spendenmitteln von interessierten Hobbyisten finanzierten Expedition durch in Brasilien tätige Ichthyologen wissenschaftlich bearbeitet werden konnte. Wie schon so oft zeigt sich auch hier: die Aquarienkunde ist ein fundamentaler Baustein für die Artenkenntnis bei Kleinfischen. Dies ist eine unverzichtbare Grundlage für den Artenschutz, denn ohne Artenkenntnis gibt es keinen Artenschutz.

Der Artname „noxium“ bedeutet – sehr frei übersetzt – „der mit dem kräftigen Gift“. Unter Stress kann dieses Panzerwels-Art nämlich ein starkes Gift ausscheiden, das sämtliche Fische im Transportbehälter tötet. Darauf muss man beim Transport achten und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.

Maximalgröße: ca. 6-7 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Wir haben über diese Fische auch einen kleinen Film erstellt, den Sie hier betrachten können: https://www.youtube.com/watch?v=AhFgE85ReDA

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 236262 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Tencatt, L. F. C., W. M. Ohara, V. Carvalho, S. Grant and M. Britto (2025): Two exquisite new species of Hoplisoma (Siluriformes: Callichthyidae) from the rio Tapajós basin, Brazil, with a discussion on the morphology of the mesethmoid within Corydoradinae. Neotropical Ichthyology v. 23 (no. 1): e240100: 1-76.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma sp. „Wilhelmi“

16. Oktober 2026

Vor über 20 Jahren (1999) brachte Mario Wilhelm von einer Expedition nach Brasilien erstmals diesen wunderschönen Zwergcichliden vom Rio Abacaxis mit. Ein alternativer Name zu Apistogramma sp. Wilhelmi ist darum auch A. sp. Abacaxis. Dieser Fluss, ein bekanntes Revier für Diskusfische, gehört zum Einzug des Rio Madeira. Wissenschaftlich beschrieben ist A. sp. Wilhelmi noch nicht, es gibt folglich auch keinen wissenschaftlichen Namen für die Art.

Apistogramma sp. Wilhelmi gehört, zusammen mit den zahlreichen Varianten von A. agassizii, A. gephyra und A. pulchra in den engeren Verwandtschaftskreis von A. agassizii. Von den übrigen Arten dieses Komplexes unterscheidet sich A. sp. Wilhelmi u.a. durch das wesentlich breitere Längsband und einen einzigartigen Sexualdichromatismus: die Männchen A. sp. Wilhelmi haben einen violetten Kinnfleck.

Leider ist A. sp.Wilhelmi etwas scheu und braucht darum Zeit, um sich einzugewöhnen und die volle Farbenpracht zu entwickeln. Dann aber entschädigt er die Geduld des Pflegers mehr als reichlich. Für die Pflege der Fische gelten die üblichen Apistogramma-Regeln: keimarmes Wasser, sekundäre Pflanzenstoffe (Totlaub, Torf, Erlenzäpfchen), sandiger Boden, abwechslungsreiche Ernährung. Mit so gepflegten Tieren sind keine nennenswerte Probleme zu erwarten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 630703 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Dieter Bork und Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii Marigold

16. Oktober 2026

Marigold ist der englische Name für die Ringelblume, eine geschätzte Heilpflanze, die mit der Gottesmutter Maria in Verbindung gebracht wird. Die Blütenfarbe der Ringelblume ist ein sattes Orange-Gelb – genau wie bei dem Marigold-Schwertträger. 

Gelbe Platys und bald darauf gelbe Schwertträger gibt es schon lange. Die Farbe trat zuerst beim Platy Xiphophorus maculatus auf und konnte durch Kreuzung auf den Schwertträger übertragen werden. Das alles geschah schon in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Der Marigold ist viel jünger. Diese Färbung wurde zuerst auf dem Papageienplaty, X. variatus, gefunden. Der kam aber viel später ins Hobby, erst um 1931. Die ersten Abbildungen von Marigold-Papageienplatys tauchen um 1963 in der Literatur auf. Man nannte sie zu dieser Zeit noch „neue gelbe Platys“. Wer und wann genau den Namen „Marigold“ erfunden hat, wissen wir nicht. In dem Standardwerk über Lebendgebärende von Kurt Jacobs aus dem Jahr 1969 wird er bereits verwendet, allerdings nur für entsprechend gefärbte X. variatus. Auf den Schwertträger wurde die Farbe also erst später durch Kreuzung übertragen.

Ist das alles wichtig? Nun ja, von Zeit zu Zeit sollte man sich schon bewusst machen, wie viel Zeit, Arbeit und Herzblut in so einem bunten Aquarienfischchen steckt. Dann weiß man sie einfach besser zu schätzen, finden wir. Gegenwärtig wird nur noch selten zwischen gelben Schwertträgern und Marigold-Schwertträgern unterschieden. Fast alle im Handel erhältlichen „Gelben Schwertträger“ oder auch „Gold-Schwertträger“ sind heutzutage Marigold-Stämme. Der Unterschied? Bei „echten“ Gelben Schwertträgern ist die Grundfärbung ein helles Zitronengelb und die Schwanzflosse hellgelb oder fast farblos (nur das Schwert der Männchen ist oft schwarz eingerahmt), bei Marigold ist die Körperfärbung Orange-Gelb (unter manchen Beleuchtungsbedingungen fast rot) und Schwanzflosse mehr oder weniger orangerot. Intensiv gefärbte Marigold werden auch als „Sunset“ (also „Sonnenaufgang“) vermarktet. Viele Namen, alles derselbe Fisch. Man kann auf Marigold sämtliche Flossenformen, also auch Lyra, züchten. Außerdem sind schwarze Zeichnungselemente möglich. Am beliebtesten ist der Komet, dessen Schwanzflosse oben und unten schwarz eingerahmt ist, aber es gibt auch Halfmoon (also mit schwarzem Schwanzwurzelfleck) und schwarz gesprenkelte Stämme.

Maximalgröße: ca. 8-10 cm (ohne Schwanzflosse); Temperatur: 20-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), nicht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: Schwarmfisch mit sozialer Rangordnung.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 420172 (gefleckt), 420173 (Halfmoon), 420183 (Comet), 420812 (Lyratail) und 420202-420204 ohne zusätzliche Zeichnung auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Anadoras grypus

16. Oktober 2026

Die Gattung Anadoras umfasst gegenwärtig vier akzeptierte Arten, die sich jedoch nach äußerlichen Merkmalen kaum unterscheiden lassen. Da eine wissenschaftliche Revision der Gattung nicht existiert, geht man derzeit pragmatisch vor und benennt die Arten nach ihrer Herkunft. Im Hobby ist hauptsächlich A. grypus aus Peru anzutreffen, wobei zu sagen ist, dass keine der Arten wirklich häufig im Handel ist.

Es handelt sich um typische Dornwelse, also Tiere, die sich passiv durch allerlei dornige Hautfortsätze gegen das gefressenwerden schützen. Dornwelse sind ganz allgemein versteckliebende, vorwiegend nachtaktive Tiere. Daher ist es wichtig, zumindest während der Eingewöhnungszeit nach dem Ausschalten der Beleuchtung noch etwas Futter zu reichen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Welse aber an den Fütterungsrhythmus und kommen auch tagsüber aus den Verstecken, wenn gefüttert wird.

Maximalgröße: ca. 12 cm; Temperatur: 20-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlich gegen Artgenossen und artfremde Fische, sehr kleine Fische werden als Futter gesehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 204023 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Mogurnda mogurnda

9. Oktober 2026

Die australische Tüpfelgrundel gehört zu den ganz wenigen Fischen des fünften Kontinents, die bereits vor der Mitte der 1950er Jahre in den Aquarien heimisch wurden. Es handelt sich um sehr schön gefärbte Tiere, die im Gegensatz zu vielen anderen Grundeln zudem relativ leicht zu züchten sind. Es gibt die Art nicht nur im nördlichen Australien, sie kommat auch auf Neu-Guinea und auf den Aru-Inseln vor.

Leider eignen sich die Tiere nur bedingt zur Vergesellschaftung, denn sie können bei falsch gewähltem Beckenbesatz ausgesprochen zänkisch sein. Und so verschwand die Art nach und nach. Darum freuen wir uns, sie wieder einmal im Stock zu haben.

Die Artbezeichnung ist nicht ganz gesichert, denn es gibt einige ähnliche Arten und selbst spezialisierte Wissenschaftler können ohne genetische Untersuchungen oder ohne dass das Herkunftsgebiet bekannt ist die Arten nicht bestimmen.

Mogurnda sind freischwimmende Grundeln und bilden ihr Revier daher nicht – wie viele andere Grundeln – am Boden, sondern in der gesamten Wassersäule. Das Becken muss versteckreich und unübersichtlich eingerichtet sein, damit Artgenossen sich nicht ständig sehen müssen. Zur Vergesellschaftung eignen sich Regenbogenfische, große Danios oder Barben, aber auch robuste Salmler.

Tüpfelgrundeln sind Fleischfresser, pflanzliches Material bleibt unbeachtet. Gelaicht wird nicht in Höhlen, sondern auf Holz, Steinen, breitblättrigen Pflanzen etc., das Männchen bewacht den Laich. Die Geschlechter lassen sich am sichersten anhand der Genitalpapille unterscheiden (Männchen flach und zugespitzt, Weibchen verdickt und am Ende gefranst), doch liefert auch die Kopfform gute Anhaltspunkte. Männchen entwickeln einen deutlichen Buckelkopf.

Das Wasser kann weich oder hart sein, der pH-Wert sollte um den Neutralpunkt liegen, die Temperatur zwischen 22 und 28°C. Die Maximallänge wird mit 17 cm angegeben, gewöhnlich erreichen die Tiere um 10 cm, laichreif sind sie bereits mit 6 cm Länge.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 436402 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Chalceus epakros

9. Oktober 2026

Traditionell wird nur zwischen zwei Chalceus-Arten unterschieden, eine mit Schulterfleck (C. erythrurus) und eine ohne (C. macrolepidotus). Die Art mit Schulterfleck bekommt, wenn geschlechtsreif gelbe Bauchflossen, zumindest die Weibchen. Diese Einteilung führte und führt im Handel oft zu Verwirrung, denn es gibt eindeutig mehr farblich unterscheidbare Chalceus-Typen. Im Jahr 2004 wurde eine wissenschaftliche Revision der Gattung durchgeführt, die zu dem Ergebnis kam, dass es nicht nur zwei, sondern fünf Chalceus-Arten gibt. Die drei dort neu beschriebenen Arten sind C. spilogyros, C. guaporensis und C. epakros; die Gültigkeit von C. erythrurus und C. macrolepidotus blieb bestehen. Leider stand den Wissenschaftlern nahezu ausschließlich konserviertes Material zur Verfügung. Das macht die Identifizierung nach Farbmerkmalen, wie sie in der Aquaristik ja ausschließlich vorgenommen werden kann, nicht ganz einfach, zumal die Tiere ihre Färbung im Laufe des Lebens verändern. Jungtiere sind erheblich unscheinbarer als geschlechtsreife Exemplare.

Der neu beschrieben C. epakros wird 17,5 cm lang und ist im Amazonasbecken, Orinoko-Einzug und Essequibo-Becken in Guyana verbreitet. Die Tiere haben  einen verwaschenen, undeutlich wirkenden Schulterfleck und ein ebenfalls undeutlich wirkendes Längsband vom Kiemendeckel bis zur Schwanzwurzel; beide Merkmale sind bei konservierten Exemplaren viel deutlicher als bei lebenden zu sehen. Die Farbzellen (Chromatophoren), die für Schulterfleck und Längsband verantwortlich sind, liegen bei dieser Art nämlich tief in der Haut.

Wir haben aus Kolumbien gelegentlich C. epakros im Stock. Das sind sehr schöne Fische. Man kann die Vertreter der Gattung Chalceus man ganz gut mit unseren einheimischen Forellen vergleichen. Ähnlich wie diese leben Chalceus am liebsten von Anflugnahrung, also Insekten etc., die auf die Wasseroberfläche fallen. Und die Tiere haben – glaubt man den Angaben in der Literatur, wir pflegen unsere Tiere nicht aufzuessen – das allerköstlichste Fleisch überhaupt, noch leckerer als das der Forellen.

Aquaristisch gesehen muss man diesen prächtigen Geschöpfen große Aquarien zur Verfügung stellen, in denen sie auch auswachsen können. Die Fische stehen gerne in relativ starker Strömung, am liebsten an Stellen, die von oben etwas beschattet sind. Man sollte stets versuchen, 10 oder mehr Exemplare pflegen, sonst können sie ganz schön zänkisch untereinander werden. 

Gegenüber anderen Fischen sind Chalceus in der Regel friedlich, auch Pflanzen werden nicht beachtet. Man sollte bedenken, dass Chalceus exzellente Springer sind; das Aquarium muss darum immer perfekt abgedeckt sein.

Für unsere Kunden: Chalceus epakros hat Code 215104 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Heterochromis multidens

9. Oktober 2026

Die Buntbarsche oder Cichliden (Familie Cichlidae) sind eine artenreiche Gruppe von brutpflegenden Fischen, die in Südamerika, Afrika, Asien und Madagaskar vorkommen. Die heutige Verbreitung der etwa 1787 Arten, die sich auf ca. 256 Gattungen verteilen, zeigt deutlich, dass die Cichliden entstanden, als Südamerika und Afrika (plus weitere Kontinentalplatten) noch in dem Urkontinent Gondwana miteinander verbunden waren. Südamerika trennte sich vor etwa 116 Millionen Jahren von Afrika; erste fossile Belege für Cichliden gibt es aber erst aus dem Eozän, einem Erdzeitalter, das vor etwa 56 Millionen Jahren begann. 

Buntbarsche sind sogenannte sekundäre Süßwasserfische, was bedeutet, dass ihre Vorfahren aus dem Meer kamen. Heute können nur noch wenige (weniger als 10) Arten im Meer leben. Man kann darum davon ausgehen, dass die Spezialisierung auf Süßwasser ein wichtiger evolutionärer Faktor bei der Entstehung der Buntbarsche darstellte. Man darf nie vergessen: das Meerwasser ist auf der ganzen Welt sehr ähnlich zusammengesetzt. Es gibt zwar lokale Unterschiede im Salzgehalt, aber die sind meist vernachlässigbar, hingegen ist der pH-Wert mit 8,3 überall gleich und der Sauerstoffgehalt vergleichsweise hoch. Im Süßwasser sind die Lebensbedingungen hingegen extrem unterschiedlich. Der pH-Wert kann zwischen etwa 4 und über 9 liegen, der Salzgehalt zwischen praktisch Null und deutlich höher als im Meer und der Sauerstoffgehalt ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass diese ökologische Vielfalt zu der enormen Artenvielfalt bei Süßwasserfischen führte. Obwohl nur 3% des Wassers auf der Erde Süßwasser ist, kommen darin etwa 50% der bekannten rund 37.000 Fischarten vor.

Der Buntbarsch Heterochromis multidens stammt aus Zentralafrika (Kongo und Kamerun) und ist in Hinblick auf die oben geschilderten Dinge besonders interessant, denn er gilt als der ursprünglichste aller heute noch lebender Cichliden und ist nach der Auffassung mancher Wissenschaftler enger mit südamerikanischen Buntbarschen verwandt als mit allen afrikanischen; freilich gibt es dazu auch andere Meinungen. Die Tiere werden nur sehr selten im Aquarium gepflegt, denn sie erreichen gut 30 cm Länge (Männchen werden etwa 10 cm größer als die Weibchen) und sind farblich nicht besonders auffällig. Erwachsene Männchen bekommen eine bizarr steile Stirnpartie, ähnlich wie man das bei den südamerikanischen Hypselecara kennt (ohne dass aber hier eine besonders enge Verwandtschaft unterstellt werden soll). Die Besonderheiten bei Heterochromis multidens sind so zahlreich, dass für sie eine eigene Unterfamilie, die Heterochrominae, aufgestellt wurde! Aber auch das ist umstritten. Es gilt, wie immer: frage zwei Experten und du bekommst drei völlig unterschiedliche Meinungen zu hören…

Wie auch immer: es gibt noch viel zu erforschen an Heterochromis multidens und gerade jetzt haben wir eine Anzahl Jungtiere erhalten. Es handelt sich um deutsche Nachzuchten. Michel Keijman hat in der DCG-Info 2020 einen ausführlichen Bericht über die Tiere geschrieben. Ihm zufolge haben die Weibchen eine rote Brust, die Männchen nicht; die Weibchen zeigen ferner einen schwarzen Fleck hinter dem Auge, der den Männchen fehlt. Die Männchen haben einen breiten roten Saum in der Rückenflosse und eine rote Schwanzflosse. Bei unseren noch recht jungen Tieren (4-7 cm) ist aber eine sichere Geschlechtsbestimmung noch nicht möglich. Das Bild eines weitgehend ausgefärbten, aber noch jungen Weibchens entstand 2012, als wir ein Einzeltier aus dem Kongo als Muster erhielten. Diesem Exemplar folgten leider keine weiteren. Diese Buntbarsche brauchen große Aquarien, große Mengen Futter und sind (noch) als recht anspruchsvoll zu charakterisieren. Es sind Offenbrüter mit Elternfamilie. Hoffentlich verschwinden sie nicht so bald wieder, damit viele naturbegeisterte Menschen sie zuhause studieren können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 537603 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Keijman, M. (2020): Heterochromis multidens (PELLEGRIN, 1900) – Der ursprünglichste noch lebende Buntbarsch? DCG-Informationen 51 (1): 20-24 

Text & Photos: Frank Schäfer

Pangio myersi

9. Oktober 2026

Es gibt Fischarten, die nach einzelnen Exemplaren und ohne Kenntnis der Herkunft kaum zu identifizieren sind. Das liegt an einem Phänomen, das man „innerartliche Variation“ nennt. Die gebänderten Dornaugen der Gattung Pangio sind zu wesentlichen Teilen anhand ihrer Färbung voneinander zu unterscheiden, aber gerade bei diesen Arten ist die innerartliche Varination riesig. Bei ganz typischen Pangio myersi sind die schokoladenbraunen Binden sehr breit und ziehen sich ohne seitliche Ausbuchtungen vom Rücken bis zum Bauch. Die dazwischen liegenden gelben bis roten Binden Binden sind sehr schmal. In der Schwanzflosse befindet sich ein großer dunkler Fleck. P. myersi ist die größte Art der gebänderten Dornaugen und kommt nur im Mekong-Einzug (südöstliches Thailand bis westliches Kambodscha) vor.

Jedoch ist die innerartliche Variation ist gewaltig und nur relativ wenige Tiere sehen wie die oben beschriebene „Idealvorstellung“ aus. Aber alle sind wunderschön! Wir haben vor zwei Tagen eine Sendung herrlicher Pangio myersi aus Thailand erhalten und sofort fotografiert. Denn sie sind von prachtvoll roter Grundfärbung. Nach einiger Zeit in unseren sehr sauberen Aquarien mit sehr klarem Wasser verblasst diese intensive Rotfärbung zu Gelb-Orange. Die Pflege in von Huminsäure leicht gelb getöntem Wasser und auf weichem Torfboden zaubert die roten Farben aber wieder hervor.

Maximalgröße: ca. 8 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher, sehr sozialer Fisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 441068 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Megalamphodus eques ( = Hyphessobrycon e.)

9. Oktober 2026

Der Blutsalmler (aktuell Megalamphodus eques, früher Hyphessobrycon eques, noch früher als H. callistus oder H. serpae bekannt) gehört zu den Standard-Fischen im Angebot des Zoofachhandels. Es sind ja auch wunderschöne Fische von kristallroter Farbe. Schon seit den 1930er Jahren gibt es große Verwirrung um die richtige Benennung der verschiedenen Varianten. Bereits wilde Blutsalmler sind ziemlich variabel innerhalb der gleichen Population. Nur realtiv wenige wilde Exemplare zeigen ständig die begehrte blutrote Färbung, viele sind normalerweise bräunlich oder grünlich und werden nur zur Balzzeit rot. Aber durch geschickte Zuchtwahl kann man beim Blutsalmler sehr schnell erbreine, farbstabile Formen erhalten. Diese wurden im Hobby unterschiedlich benannt. Den in Normafärbung bräunlich-grünlichen mit einem relativ kleinen, kommaförmigen Schulterfleck nannte man Hyphessobrycon serpae, den roten mit einem großen, kommaförmigen Schulterfleck H. callistus, eine transparent-rote Form mit kleinem, rundem Schulterfleck, der zudem der schwarze Saum in der Afterflosse fehlt, H. minor; moderne „minor-Stämme haben aber meist sehr wohl einen schwarzen Afterflossensaum. Zusätzlich gibt es seit spätestens den 1980er Jahren auch noch eine Form, die sich „Brillant“ nennt. Sie entspricht farblich dem alten „minor“, hat aber zusätzlich Glitzerschuppen, vor allem im Rückenbereich. Und natürlich gibt es auch noch Schleiertypen… Aus aktueller wissenschaftlicher Sicht ist alles die gleiche Spezies, nämlich M. eques.

Da man alle diese Tiere uneingeschränkt untereinander kreuzen kann, hat so ziemlich jede Züchterei ihren eigenen „Hausstamm“; Wildfänge kommen nur sehr sporadisch und in kleinen Stückzahlen auf den Markt. Auf deutsche Fischnamen gibt es keinen Markenschutz, jeder darf seine Blutsalmler nennen, wie er mag. Das macht es manchmal schwierig, manchmal auch unmöglich, eine spezielle Variante in Verkaufslisten zu finden. 

Sämtliche Blutsalmler sind sehr attraktiv und pflegeleicht, aber sie haben auch eine unangenehme Eigenschaft: bei den ständigen Rivalenkämpfen (die allerdings sehr schön anzusehen sind) zerzauseln sie sich gerne mal die Flossen – Blutsalmler sind nun einmal kleine Verwandte der Piranhas. Es ist daher eher selten, wenn einmal alle Tiere im Aquarium unverletzte Flossen haben. Aber diese Flossenschäden sind harmlos und heilen schnell wieder ab. Blutsalmler sollten immer im möglichst großen Trupp (10 Exemplare oder mehr) gepflegt werden. Beachtet man diese Regel nicht, so fangen sie mit anderen Fischen Streit an und können sogar zu wahren Tyrannen im Aquarium werden.

Maximalgröße: ca. 4-4,5 cm; Temperatur: 18-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: Schwarmfisch mit sozialer Rangordnung.

Für unsere Kunden: der „callistus“-Blutsalmler hat Code 259792-259793, der „minor“-Blutsalmler hat Code 259801-259804, der „serpa“-Blutsalmler hat Code 261901-261905, der „Brillant“-Blutsalmler hat Code 261921-291924, Schleierformen haben Code 261952-261955 und der wilder M. eques hat Code 261932-261933 auf unsere Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Rhinotocinclus longirostris / Peppermint

2. Oktober 2026

Es ist mal wieder Zeit, etwas dazuzulernen. Seit einigen Jahren begeistern Zwergharnischwelse mit grünen Punkten die etwas spezialisierteren Aquarianer. Arttypisch für die Zwerge sind die blaugrünen bis minzgrünen Glanzpunkte auf dem Körper – so dachte man. Man ordnete die Art der 1993 beschriebenen Spezies Parotocinclus eppleyi zu (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/parotocinclus-eppleyi/) und bezeichnete sie populär als Peppermint-Otos.

2022 wurden Zwergśaugwelse überarbeitet und die neue Gattung Rhinotocinclus geschaffen, in die 18 Arten aus den Gattungen Parotocinclus, Hisonotus und Curculionichthys überführt wurden, hinzu kamen 5 neue Arten. Typusart der Gattung ist R. longirostris. Im August 2026 kamen noch einmal eine weitere Art hinzu, nun gibt es also 24 Arten Rhinotocinclus. In Bezug auf die Peppermint-Otos lernen wir, dass es zwei mit bloßem Augen nicht unterscheidbare Arten gibt, R. eppleyi aus dem Orinoko (Kolumbien und Venezuela) und R. longirostris aus dem Amazonas (Brasilien). Nur bei Präparaten kann man den Unterschied sehen. R. longirostris hat mehr Zähne (durchschnittlich 30 im Oberkiefer und im Unterkiefer), R. eppleyi hat durchschnittlich 26 im Oberkiefer und 25 im Unterkiefer. 

Bezüglich der Pflege unterscheiden sich die beiden Arten nicht. Sehr wichtig ist es, viel Totlaub, also vom Baum abgewordenes Laub, kein gepflücktes und getrocknetes grünes Laub (das ist zu zuckerhaltig und kann das Wasser verderben) zuzufüttern. Am besten eignen sich Rotbuche, Eiche und Seemandelbaum. Besonders für Aquarianer, die züchten möchten, ist es sehr wichtig zu wissen, dass es zwei praktisch ununterscheidbare Arten gibt. Bei Zuchtversuchen also immer nur solche Tiere verwenden, deren Herkunft zweifelsfrei bekannt ist. Im Handel werden die Namen R. eppleyi und R. longirostris höchstwahrscheinlich häufig durcheinandergebracht, darauf ist kein Verlass. Die Photos zu diesem Post zeigen brasilianische Tiere, also sicher R. longirostris, die Photos in dem Post zu R. eppleyi zeigen Tiere aus Venezuela, sind also auch korrekt bestimmt.

Maximalgröße: ca. 2,5 -3 cm; Temperatur: 26-30°C; pH und Härte: weich und sauer, vor allem keimarm; Ernährung: Aufwuchsfresser; Sozialverhalten: sehr friedlich

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 276583 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Boraras micros

2. Oktober 2026

Zwergbärblinge (Boraras) sind im Hobby sehr beliebt. Wissenschaftlich unterscheidet man sechs Arten (B. urophthalmoides, B. brigittae. B. merah, B. maculata, B. micros und B. naevus), deren Unterscheidung manchmal kniffelig sein kann. Über die Gültigkeit von B. merah wird z.B. im Hobby kontrovers diskutiert, weil sehr sorgfältige Zuchtversuche ergeben haben, dass es sich dabei um Weibchen von B. brigittae handelt. Die beiden kleinsten Arten, B. micros und B. naevus, kommen weit voneinander entfernt vor, B. micros im Norden Thailands, B. naevus im Süden. Die Farbunterschiede, die in den wissenschaftlichen Arbeiten über diese Arten genannt werden, helfen in  der Praxis leider oft nicht weiter, da es Zwischenformen gibt.

Grundsätzlich gilt: B. naevus aus dem Süden Thailands hat einen ausgeprägen Sexualdichromatismus, d.h. Männchen und Weibchen sind sehr unterschiedlich gefärbt. Der Schulterfleck der Männchen ist sehr groß, oft hochoval und auf jeden Fall sehr viel größer als der Schulterfleck der Weibchen. In der wissenschaftlichen Literatur heißt es, dass der Schulterfleck bei B. micros bei beiden Geschlechtern etwa gleich groß ist. Wir erhalten beide Arten – also eine aus dem Norden und eine aus dem Süden – regelmäßig. Rein optisch sind sie auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten. B. micros färbt erst spät aus, diese Art muss gut eingewöhnt sein, damit die Männchen ihre prachtvolle rote Körperfärbung entwickeln. Es gibt aber einen Unterschied zwischen den beiden Arten, der leicht auf einem scharfen Foto zu erkennen ist: B. micros hat nur 5-6 geteilte Rückenflossenstrahlen, B. naevus 7. 

In Balzfärbung sind B. micros – wie alle Boraras-Männchen – ganz entzückend. Die Rotfärbung ist in der Bauchgegend hinter dem Schulterfleck am intensivsten. Damit unterscheiden sie sich von allen anderen Boraras-Männchen mit roter Balzfarbe, bei denen die Rotfärbung mehr oder weniger gleichmäßig am ganzen Körper verteilt ist.

Maximalgröße: ca. 2 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege im Grunde unwesentlich (Trinkwasser), die Prachtfärbung wird allerdings nur in mit Huminstoffen angereichertem, weichem Wasser gezeigt; zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 452812 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Danio dangila

2. Oktober 2026

Die Typusart der Gattung Danio – also, wenn man so will, der wahre Danio – ist Danio dangila. Lange Zeit galt er als einzigartig, denn seine Färbung weicht doch sehr von den meisten anderen Danio-Arten ab. Im Jahr 2015 widmete sich Kullander diesem Fisch, prägte den Ausdruck „Ketten-Danios“ für die Arten wie Danio dangila mit einem Flankenmuster, das an Ketten erinnert; er beschrieb auch neue Arten aus dieser Verwandtschaftsgruppe. 

Der eigentliche Danio dangila aus Indien, Bangladesh und Nepal kommt in weiten Teilen von Ganges und Brahmaputra vor. Von weiteren, sehr ähnlichen Arten, kann man ihn ganz gut durch den besonders großen Schulterfleck, der hochoval ist (kreisrund oder längsoval bei Verwechslungsarten), unterscheiden. Ziemlich artspezifisch sind zudem die verlängerten ersten Strahlen der Brust- und Bauchflossen; dieses Merkmal zeigt sonst nur noch der eng verwandte D. annulosus aus Bangladesch.

Die Färbung der Tiere ist ganz außergewöhnlich. Zusätzlich zu dem Kettenmuster kommt im Rückenbereich noch ein Band, das an ein fein ziseliertes Damszenermuster erinnert. Danio dangila ist eine wundervolle Bereicherung für Gesellschaftsaquarien mit größeren Fischen; sehr kleine Mitbewohner werden als Futter angesehen. Es muss sich ausschwimmen können, dann hat man viel Freude an dem Tier.

Maximalgröße: 7-8 cm; Temperatur: 18-28°C; pH und Härte: für die Pflege und Zucht unwesentlich (Trinkwasser); Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: sehr lebhafter Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 413403 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachyrhamdia marthae

2. Oktober 2026

Die Gattung Brachyrhamdia umfasst nur sechs beschriebene Arten, eine weitere, die wissenschaftlich noch unbeschrieben ist, wurde vor über 20 Jahren als Beifang importiert, seither hörte man nichts mehr von ihr. Es handelt sich um relativ kleinwüchsige Welse. Brachyrhamdia marthae stammt aus Ecuador, Peru, Bolivien und Brasilien. Wie alle Arten der Gattung schwimmt auch sie als Jungfisch mit verschiedenen Panzerwels-Arten im Schwarm. Bei B. marthae ist ein gemeinsames Vorkommen mit Gastrodermus pgymaeus (in Peru), Hoplisoma caudimaculatum und H. trilineatum (in Brasilien) dokumentiert. Wenngleich die Färbung von B. marthae nicht sonderlich ähnlich zu der der Panzerwelse ist, fällt B. marthae im gemischten Schwarm fast gar nicht auf.  Der Sinn dieser Nachahmung ist noch nicht wirklich erforscht, aber man hält es für wahrscheinlich, dass es sich um eine so genannte Müller´sche Mimikry handelt. Die Ähnlichkeit mit einem der häufigen Panzerwelse schützt demnach die deutlich selteneren Brachyrhamdia, weil jeder Fressfeind, der schon einmal Panzerwels gekostet hat, diese künftig meidet – und mit ihnen auch Arten, die den Panzerwelsen ähnlich sehen oder mit den Panzerwelsen gemeinsam im Schwarm schwimmen. Der Corydoras-Schwarm könnte aber auch zur Tarnung dienen, die es den im Vergleich zu Panzerwelsem räuberischen Brachyrhamdia ermöglicht, näher an kleine Beutetiere heranzukommen. 

Im Aquarium sollte man Brachyrhamdia marthae im Schwarm mit ihresgleichen pflegen und unbedingt auch einen Panzerwels-Schwarm dazusetzen, um das Zusammenleben der beiden Arten beobachten und analysieren zu können. Gegenüber Fischen, die als Nahrung nicht in Frage kommen (also alle Arten, die etwa halb so groß oder größer als die Brachyrhamdia sind), verhalten sich B. marthae vollkommen friedlich. Im Aquarium sind die Welse Allesfresser, die jegliche Trocken-, Frost- und Lebendfutter zu sich nehmen. Pflanzliche Kost spielt keine Rolle, Pflanzen werden von den Fischen auch ansonsten völlig ignoriert.

Das Aquarium für B. marthae sollte einen feinen Sandboden haben, mit zahlreichen Wurzeln dekoriert sein und nicht zu hell beleuchtet werden. Am besten kultiviert man eine Solitärpflanze – etwa eine Amazonas-Schwertpflanze (Echinodorus) – in einem Kulturgefäß und beleuchtet nur diese Pflanze gezielt, während im übrigen Aquarium etwas diffuses Licht herrschen kann. 

Männliche Brachyrhamdia marthae haben offenbar deutlich mehr Schwarz in der Rückenflosse und sind erheblich schlanker.  Die Weibchen setzen leicht Laich an und sind dann sehr dick, doch wurde in der aquaristischen Literatur noch nicht über eine erfolgreiche Zucht berichtet. Vermutlich liegt der Grund dafür an zu geringem Interesse der Aquarianer an diesen hübschen Welsen – schade! Es kann davon ausgegangen werden, dass B. marthae keine Brutpflege ausübt und ähnlich zum Ablaichen zu stimulieren ist, wie die Panzerwels-Arten des zentralen Amazonasbeckens. Es gibt Beobachtungen aus den 1980er Jahren, nach denen die mit B. marthae verwandte Art B. imitator aus Kolumbien durch das Ablaichen von Hoplisoma brevirostre, mit denen sie gemeinsam gepflegt wurden, ebenfalls zum Ablaichen stimuliert wurde.

Maximalgröße: 6-7 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 211703 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Rubricatochromis (früher Hemichromis): neue Namen

25. September 2026

Die Roten Cichliden nannte man bis in die frühen 1980er Jahre allesamt „Hemichromis bimaculatus“. Dann schaute man genauer hin, überprüfte alte, für Synonyme gehaltene Arten genauer und 1979 kam Loiselle in einer umfassenden Revision zu dem Schluss, dass es mindestens 8 Arten Roter Cichliden gibt. Die Identifizierung blieb aber schwierig und es gab immer wieder viele Verwechslungen.

2022 wurde die Gattung Rubricatochromis für die Roten Cichliden aufgestellt (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/rubricatochromis-ein-neuer-gattungsname-fuer-die-roten-cichliden/). In Hemichromis blieben nur die deutlich größer werdenden Fünffleck-Buntbarsche. Ganz aktuell (September 2026) haben die gleichen Autoren die Gattung Rubricatochromis auch auf Artlevel untersucht. Sie beschreiben vier neue Arten, die aquaristisch alle schon lange bekannt sind: R. gabonensis (früher: „Red Gabun“: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemichromis-sp-red-gabun-3/), R. jebeli (früher: „Guinea 2“), R. stephenthorntoni (früher: „Guinea1“) und R. vanheusdeni (früher: „Ankasa“: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemichromis-sp-ankasa/). Damit hat wohl niemand wirklich Probleme. 

Für viel Diskussionsstoff wird hingegen sorgen, dass etliche altbekannte Arten eingezogen wurde. Die bisher als gültig angesehenen Arten R. letourneauxi, R. exsul und R. paynei gelten jetzt als Synonyme zu R. guttatus und R. lifalili wird zum Synonym von R. stellifer (wobei – das ist eine Anmerkung von uns und kein Zitat aus der wissenschaftlichen Arbeit – der im Hobby als lifalili bezeichnete Fisch schon immer eine Farbvariante von R. guttatus war: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/rubricatochromis-lifalili-frueher-hemichromis/). 

Die Artabgrenzungen und Synonymisierungen erfolgten (nicht nur, aber in der finalen Bewertung) aufgrund molekularer Befunde (DNS-Analysen).

Neu ist außerdem, dass R. fugax aus Sierra Leone, der 1976 wissenschaftlich benannt, aber sehr schnell in die Synonymie von R. bimaculatus überführt wurde, nach Ansicht der Autoren eine gültige Art darstellt. Er unterscheidet sich äußerlich durch den am Rand „ausgefransten“ seitlichen Körperfleck (ein solider runder Punkt bei R. bimaculatus) von R. bimaculatus. 

Literatur:

Lamboj, A. & S. Koblmüller (2022): Molecular phylogeny and taxonomic revision of the cichlid genus Hemichromis (Teleostei, Cichliformes, Cichlidae), with description of a new genus and revalidation of H. angolensis. Hydrobiologia v. 850 (no. 10-11): [1-22] 2177-2198.

Lamboj, A., & Koblmüller, S. (2026): Who Is Who in Rubricatochromis Lamboj & Koblmüller, 2022 (Cichliformes, Cichlidae): Taxonomic Revision with Description of Four New Species and Revalidation of R. fugax. Fishes, 11(9), 531. https://doi.org/10.3390/fishes11090531

Loiselle, P. V. (1979): A revision of the genus Hemichromis Peters 1858 (Teleostei: Cichlidae). 1. – The Hemichromis fasciatus species group. 2. – The Hemichromis bimaculatus species group. 3. – The Hemichromis guttatus species group. 4 – The Hemichromis letournauxi species group. Annales, Musée Royal de l’Afrique Centrale, Tervuren, Série in 8o, Sciences Zoologiques No. 228: 1-124. 

Text & Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml

Apistogramma megaptera

25. September 2026

Kürzlich erhielten wir eine Apistogramma-Sendung aus Kolumbien; die Tiere stammen aus dem Rio Inirida. Geschickt wurden sie als „Blutkehl-Apistogramma“. Das ist eine Bezeichnung für eine Farbvariante von Apistogramma uaupesi, einer Art, die im Rio Inirida nicht vorkommt. Bei genauer Betrachtung konnten wir zwei Arten sicher unterscheiden. Eine Art, deren Männchen eine zweizipfelige Schwanzflosse, eine Kakadu-artig ausgezipfelte vordere Rückenflosse und einen ausgeprägten Unteraugen-Streifen zeigt und eine Art, bei der das Männchen eine ganzrandige Schwanz- und Rückenflosse hat und keinerlei Unteraugenstreifen. Die erste Art ist sicher Apistogramma megaptera, der früher wegen des breiten Unteraugenstreifens als „Breitbinden-Apistogramma“ im Hobby bekannt war, die andere Art ist A. iniridae (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma-iniridae/).

Während sich die Männchen der beiden Arten leicht unterscheiden lassen, ist das bei den Weibchen erheblich schwieriger. Glücklicherweise zeigen auch die Weibchen von A. megaptera einen Unteraugenstreifen, wenngleich erheblich schwächer ausgeprägt als bei den Männchen. Sehr auffällig und innerhalb der Gattung Apistogramma selten ist der doppelte Schulterfleck, den A. megaptera zeigen können.

Die wissenschaftliche Beschreibung von A. megaptera erfolgte anhand der Rio-Inirida-Population. Diese Fische haben im männlichen Geschlecht nur im vorderen Teil der Rückenflosse die langen, zipfelartigen Auszüge der Flossenmembranen, während bei männlichen Exemplaren aus anderen Teilen von Kolumbiens alle Flossenmembranen im hartstrahligen Teil der Dorsale lang ausgezogen sind (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma_megaptera_de/).

Maximalgröße: Männchen ca. 6 cm, Weibchen ca. 4 cm; Temperatur: 26-30°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; wichtig: feiner Sand als Bodengrund. Sozialverhalten: relativ friedlicher Buntbarsch mit sozialer Rangordnung, Höhlenbrüter. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 624653 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis virginiae (früher Corydoras v.)

25. September 2026

Regelmäßig haben wir einen der schönsten Panzerwelse aus Peru im Stock, der mit der Nummer „C4“ vor über 30 Jahren dazu beitrug, dass ein wahrer Panzerwels-Boom entstand. Exportiert wurde die Art damals unter der Bezeichnung „Corydoras Miguelito“ oder „Corydoras Sangama“. Die Tiere im Handel stammen meist aus dem Rio Ucayali in der Provinz Loreto, die Art kommt aber auch im Ecuador vor und wird gelegentlich sogar aus Kolumbien angeboten.

Dieser Panzerwels ist einer der ausgesprochenen Schwarmfische innerhalb der Gattung Brochis. Zudem ist B. virginiae eine sehr lebhafte Art, die viel Bewegung in das Aquarium bringt. Am schönsten wirken die Tiere, wenn sie in Schwarzwasser auf hellem, feinem Sandboden gepflegt werden. Insgesamt ist die Art ebenso schön wie pflegeleicht. 

Maximalgröße: ca. 6 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 240602 bis 240605 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Moenkhausia sp. „Mystic Blue“

25. September 2026

Die Serie der Neuheiten im Bereich der Salmler reißt nicht ab. Zum aktuell „hottest shit in town“ zählt dieser etwa 5 cm lang werdende Salmler, der mit der Bezeichnung Moenkhausia sp. „Mystic Blue“ belegt worden ist. Die Herkunft der Tiere, die ursprünglich aus Brasilien importiert wurden, ist noch Gegenstand von Spekulationen. Man liest vom Rio Juruena, einem der beiden Quellflüsse des Rio Tapajós. Von dort kommen auch etliche andere Salmler-Neuheiten. Die Fische, die wir anbieten, sind allerdings deutsche Nachzuchttiere. Die Art hat sich als ganz gut nachzüchtbar erwiesen.

Mystisch ist vor allem die Färbung, denn die Tiere können stimmungsbedingt und auch in Reaktion auf die jeweils herrschenden Lichtbedingungen ziemlich unterschiedlich aussehen. Um das Blau gut im Bild zeigen zu können, mussten wir sie im Hälterungsbecken unserer Anlage fotografieren. Im Fotobecken zeigten sie eher Rottöne. Als relativ sicheres Unterscheidungsmerkmal zu den sehr ähnlich aussehenden Hyphessobrycon cyanotaenia und H. melanostichos kann der orangefarbene Nackenfleck von Moenkhausia sp. „Mystic Blue“ dienen. Den zeigen die beiden genannten Hyphessobrycon-Arten nämlich nie. Zudem ist der „Mystic Blue“, dessen Zugehörigkeit zur Gattung Moenkhausia vom Salmlerspezialisten Martin Hoffmann übrigens angezweifelt wird, als erwachsener Fisch viel kräftiger und hochrückiger und das Blau ist schon ein sehr auffällig helles Blau. 

Von Moenkhausia sp. „Mystic Blue“ gibt es zwei Farbvarianten, eine mit roter und eine mit gelber Schwanzflosse. Die von uns angebotenen Nachzuchten gehören zur rotschwänzigen Farbform.

Maximalgröße: ca. 5 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: grundsätzlich friedlicher Schwarmfisch, braucht aber Platz, sonst werden balzaktive Männchen leicht lästig.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 269492 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Beaufortia polylepis

25. September 2026

Das aquaristische Interesse an Flossensaugern ist seit etwa 15 Jahren stetig gewachsen. Etliche Arten haben sich als äußerst attraktive und außerdem gut pfleg- und nachzüchtbare Fische erwiesen. So kommt es, dass auch immer wieder wissenschaftlich noch unbestimmte Arten von den Zierfischfängern mitgebracht werden, deren korrekte Identifikation allerdings in sehr vielen Fällen kaum möglich ist. Das liegt zum einen an den sehr zahlreichen Arten (Stand 2026: 160 Arten in 22 Gattungen gelten als gültig, insgesamt 184 Arten wurden bislang beschrieben, zusätzlich gilt es unter Experten als gesichert, dass erst ein Bruchteil der tatsächlich existierenden Arten wissenschaftlich erfasst ist), zum anderen an der meist nur sehr ungenau bekannten Herkunft und zum dritten daran, dass viele der in den wissenschaftlichen Arbeiten genannten Artunterschiede an lebenden Tieren nicht erkennbar sind. Die von uns gewählte Bestimmung als Beaufortia polylepis für einen für uns neuen und jetzt erstmals aus Vietnam importierten Flossensauger erfolgte daher nur nach der Bilderbuchmethode und ist insofern ungesichert. 

Offensichtlich ist jedoch, dass dieser Flossensauger eng mit der im Hobby seit Jahrzehnten vertretenen Art Beaufortia kweichowensis (meist falsch als B. leveretti bezeichnet) verwandt ist (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/beaufortia-kweichowensis/). Entsprechend macht man sicher nichts falsch, wenn man die Pflegebedingungen für diese Art auch bei B. polylepis anwendet.

Maximalgröße: ca. 4-5 cm; Temperatur: 18-22°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser); kräftige Strömung! Ernährung: Aufwuchsfresser, Frost- und Trockenfutter passender Größe; Sozialverhalten: friedlich gegen artfremde Fische, untereinander scheinen die Tiere eine Art Rangordnung zu bilden, ohne dass es aber zu Beschädigungskämpfen kommt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 373253 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Retroculus lapidifer

18. September 2026

Retroculus-Arten – es gibt deren vier – waren und sind stets extreme Seltenheiten in der Aquaristik. Ab und zu können wir den schönen Retroculus lapidifer aus Brasilien (Rio Tocantins/Rio Araguaia) anbieten, wenn auch stets nur in sehr begrenzter Stückzahl. Die Bilder, die diesen Post illustrieren, zeigen Tiere der Größe 8-10 cm plus erwachsene Zuchttiere.

Trotz ihrer äußerlichen Ähnlichkeit sind Retroculus nicht näher mit den Geophagus-Arten verwandt, sondern bilden eine eigene Unterfamilie im zoologischen System, die Retroculinae. Sie gelten als die urspünglichsten Buntbarsche unter den Arten der Neuen Welt.

Die Schwimmblase ist bei Retroculus verkümmert, wodurch ihnen ein freies Schweben im Wasser unmöglich wird. In der Natur leben diese Fische in unmittelbarer Nähe von Stromschnellen. Bei Gefahr flüchten sie in die starke Strömung, wohin ihnen nur schwer gefolgt werden kann. Aber wenn die Gefahr vorrüber ist, ruhen sich die Fische sehr gerne in ruhigem oder stehenden Wasser aus. Eine kräftige Filterung und gute Strömung ist daher im Aquarium zwar wichtig – auch weil Retroculus sehr empfindlich auf Verschmutzungen reagieren – aber man sollte unbedingt auch für Ruhezonen sorgen.

Der wissenschaftliche Artname „lapidifer“ bedeutet „Steinträger“, weil man schon 1855 wusste, dass die Tiere in Nestern aus Steinen laichen. Die Tiere tragen dabei Stein für Stein im Maul zum Nest. Im Aquarium haben die Tiere schon verschiedentlich gelaicht und es gelang auch Jungtiere aufzuziehen. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zucht sind Aquarien mit einer Bodenfläche von mindestens 150 x 80 cm (besser größer), da die Nestgrube ca. 60 cm Durchmesser hat.

Man sollte Retroculus immer im Trupp von mindestens vier Exemplaren pflegen, sonst werden sie scheu. Der Bodengrund im Aquarium sollte hauptsächlich aus feinem Sand bestehen, der von den Fischen oft nach Nahrung durchwühlt wird. Bezüglich der Nahrungsaufnahme sind die Tiere nicht wählerisch, sie fressen jedes übliche Fischfutter. Das Wasser sollte weich und leicht sauer (pH 5,5 bis 6,8) sein. Bezüglich der Wassertemperatur sind die Fische anpassungsfähig, in der Natur wurden im Biotop Temperaturen zwischen 21,5 und 35°C gemessen. Im Aquarium sind 22-28°C, zur Zucht etwa 2°C höher, angemessen. Retroculus lapidifer wird etwa 20-25 cm lang. 

Wir haben über diese Fische auch einen kleinen Film erstellt, den Sie hier betrachten können: https://www.youtube.com/watch?v=R3aVJcT3OFU

Maximalgröße: ca. 25 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege und zur Zucht weich und leicht sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: relativ friedlicher Buntbarsch mit ausgeprägter Sozialstruktur.

Für unsere Kunden: die Tiere haben, ja nach Größe, Code 687501 (3-6 cm) bis 687509 (20-25 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer & Thomas Weidner

Serrasalmus maculatus

18. September 2026

Die Bestimmung von Serrasalmus-Arten gehört zu den schwierigsten Kapiteln der Fischkunde. Die Kenntnis der Herkunft ist daher gerade bei Serrasalmus-Arten sehr wichtig, wenn man sich halbwegs sicher benennen will.  Aus Paraguay sind aktuell zwei Piranha-Arten der Gattung Serrasalmus bekannt: S. maculatus und S. marginatus. Sie unterscheiden sich im Körperbau. Während S. maculatus erwachsen ein ziemlich rundrückiger und stumpfschnäuziger Piranha ist, gehört S. marginatus zu einer Artengruppe mit einer fast schon konkav zu bezeichnenden vorderen Rückenpartie und einem hechtartigen Kopf. Bilder zu S. marginatus finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/serrasalmus-marginatus/

Serrasalmus maculatus ernährt sich in der Natur hauptsächlich von Flossenteilen anderer Fische. Im Aquarium nimmer er zwar rasch ein vielfältiges Futterangebot wahr – z.B. gefrostete Fische, Shrimps, lebende Regenwürmer etc. – lässt das Flossenbeißen aber niemals sein. Das betrifft auch Artgenossen. Darum ist es ratsam, diese Fische nur einzeln im Aquarium zu pflegen. Andernfalls wird man kaum jemals ein Exemplar mit intakten Flossen besitzen. Nur zu Zucht setzt man ein Paar zusammen. Die Geschlechter kann man bei erwachsenen S. maculatus (ab ca. 15 cm Totallänge) an der Form der Afterflosse unterscheiden. Abgelaicht wird bei dieser Art mit dem Bauch nach oben in den Wurzeln von Schwimmpflanzen nahe der Wasserberfläche. Brutpflege üben diese Piranhas nicht aus.

Maximalgröße: ca. 20 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Grobes Frost- und Lebendfutter; Sozialverhalten: aggressiver Einzelgänger, am besten Einzelhaltung.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 292263 (6-8 cm) bis 292266 (12-15 cm)  auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Chilatherina bleheri

18. September 2026

Die Regenbogenfische der Gattung Chilatherina kommen ausschließlich auf Neu-Guinea vor. Die Gattung unterscheidet sich von der eng verwandten Gattung Melanotaenia hauptsächlich durch die Kieferstruktur. Bislang wurden 11 Arten Chilatherina zugeordnet. Zu den Besonderheiten mancher Arten dieser Gattung gehört es, dass sie sich im fortgeschrittenen Alter stark umfärben und die Männchen sehr hochrückig werden können. Männchen werden immer größer als die Weibchen. Ansonsten gilt für die Pflege und Zucht von Chilatherina in der Regel alles, was für Melanotaenia auch gilt.

Chilatherina bleheri wurde bereits 1982 erstmals gesammelt, jedoch zunächst für eine Farbvariante von C. fasciata gehalten. Erst 1985 entschloss sich G. Allen dazu, sie als separate Art zu beschreiben. Die Unterschiede zu C. fasciata liegen in der Schuppengröße und der Färbung. C. bleheri kommt nur in einem sehr begrenzten Gebiet in Irian Jaya (das ist der indonesische Teil von Neu-Guinea) vor, nämlich der Umgebung des Holmes-Sees (auf indonesisch Danau Biru genannt). Das macht die Art anfällig für Gefährdungen. Tatsächlich wird sie von der Internationalen Roten Liste der gefährdeten Arten als „Gefährdet“ aufgeführt. Die Ursachen liegen in der Einführung gebietsfremder Fische und dem vermehrten Einsatz von Kiemennetzen zum Speisefischfang. Der Fang für die Aquaristik spielt keine Rolle, zumal alle Tiere im Handel Nachzuchten sind. Mit dem Kauf und der Pflege solcher Fische betreiben Sie darum aktiven Artenschutz.

Maximalgröße: ca. 12 cm (Männchen) und 9-10 cm (Weibchen); Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), aber nicht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 410002 (4-6 cm) und 410003 (5-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypomasticus despaxi ( = Leporinus d.)

18. September 2026

Indonesien entwickelt sich mehr und mehr zu einem Zentrum der Zierfischzucht für größer werdende Arten. Im Bereich der Salmler werden hier schon teils seit Dekaden diverse Scheibensalmler (z.B. Metynnis, Myloplus und Colossoma), Nachtsalmler (Semaprochilodus),  Chalceus-Arten und Kopfsteher (Chilodus, Leporinus, Abramites, Anostomus, Synaptolaemus) gezüchtet. Die meisten dieser Fische erreichen Größen zwischen 15 und 30 cm, werden also deutlich größer als das „klassische“ Zierfischformat. Manche Arten (z.B. Colossoma) werden ganz sicher auch doppelt genutzt. Die hübschen Jungtiere werden für die Aquaristik vermarktet, die großen Exemplare als Speisefisch.

Dank dieser Strategie verfügt man in Indonesien über das sehr spezielle Know-How, das es erlaubt, auch solche Arten nachzuzüchten, die als Wildfang nur selten und in sehr kleinen Stückzahlen zur Verfügung stehen. Der Kopfsteher Hypomasticus despaxi (er wurde bis vor wenigen Jahren in der Gattung Leporinus geführt) gehört zu den kleineren Arten der Gattung. Die Maximallänge wird mit 16 cm angegeben. Er kommt ausschließlich in stark strömenden Abschnitten der Oberläufe von Flüssen in Französisch Guyana (vom Maroni bis zum Oyapock) vor. Das sind sehr schwer zugängliche Gebiete. Wir können nun erstmals Nachzuchtexemplare dieser hübschen Art anbieten. Bei erwachsenen Tiere ist die zweite helle Längsbinde von oben kräftig rosafarben – sehr attraktiv!

Maximalgröße: ca. 16 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser, Pflanzennahrung sehr wichtig; Sozialverhalten: Interagiert intensiv mit Artgenossen, es wird eine Rangordnung ausgefochten, die mit harmlosen Flossenschäden einhergeht (die Flossen wachsen nach); Jungtiere zeigen Schwarmverhalten.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 265737 (3-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pterobunocephalus dolichurus ( = „Pseudobunocephalus cf. bifidus“)

11. September 2026

Es ist lange her, dass wir diesen auffälligen, kleinbleibenden Bratpfannenwels aus Peru importieren konnten. Zuletzt erhielten wir diese Tiere 2010; damals identifizierten wir die Fische anhand der zur Verfügung stehenden Literatur als Pseudobunocephalus cf. bifidus. Das lässt sich nach aktuellem Kenntnisstand nicht mehr aufrecht erhalten. Ohne jeden Zweifel handelt es sich bei den weißen Zwergbratpfannenwelsen um eine Art der Gattung Pterobunocephalus, die sich von allen anderen Bunocephalus-artigen Bratpfannenwelsen durch die lange Afterflosse mit 10-20 Strahlen (5-10 in einer erheblich kürzeren Afterflosse bei den anderen) unterscheidet. Am besten sieht man das, wenn die Tiere schwimmen, was sie allerdings eher selten tun…

Die Gattung Pterobunocephalus enthält nur drei gültige Arten, ist also sehr überschaubar. Zudem wurde die jüngste Art – P. carvalhoi – erst im April 2026 beschrieben. P. carvalhoi kommt im oberen Amazonas-Einzug von Ecuador und Peru vor, die beiden anderen sind weit verbreitet, kommen aber u.a. ebenfalls in Peru vor. Wir konnten P. carvalhoi – wenn auch sehr selten – bereits lebend importieren. Diese Art ist völlig anders gefärbt und hat erheblich weniger Strahlen in der Afterflosse (10-11) als unsere Tiere. Wir gehen aktuell davon aus, dass „unser“ Pterobunocephalus „White“ der Art P. dolichurus angehört; Grant (2021) bezeichnet diese Tiere als P. aff. dolichurus. In der Originalbeschreibung wird P. dolichurus als mehr oder weniger einfarbig beschrieben, mit 16 Strahlen in der Afterflosse, genau wie unser Fisch. Die dritte Art, P. depressus, konnten wir übrigens auch schon importieren: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pterobunocephalus_depressus_de/

Zu den Besonderheiten von P. dolichurus gehört es, bei Beunruhigung am Boden liegend ein Hohlkreuz zu machen. So etwas haben wir bei anderen Bratpfannenwelsen noch nie beobachtet. Alle Bratpfannenwelse sind sowohl untereinander wie auch gegenüber artfremden Fischen vollkommen friedlich. Feiner Sandboden, in den sie sich eingraben können, wird sehr geschätzt, ist aber nicht unbedingt notwendig. Bratpfannenwelse sind nachtaktive Tiere, weshalb man zumindest während der Eingewöhnung auch immer etwas nach dem Ausschalten des Lichtes füttern muss. Es gibt Hinweise darauf, das Pterobunocephalus Brutpflege betreibt und das Weibchen die Eier nach der Ablage an den Bauch geheftet mit sich herumträgt, bis die Jungtiere schlüpfen.

Maximalgröße: ca. 6-7 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht vermutlich weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: absolut friedlich.

Für unsere Kunden: der Fisch hat Code 212952 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Crispim, J. L., P. Argüello, G. S. C. Silva, C. Oliveira, K. R. Luckenbill & M. H. Sabaj Pérez (2026): After eight decades: a new species of Pterobunocephalus (Siluriformes: Aspredinidae) from the upper Putumayo, Napo and Pastaza rivers, Ecuador. Neotropical Ichthyology v. 24 (no. 1): e250162: 1-21

Grant, S. (2021): Banjos, Doradids and Auchenipteridae Catfishes. Neustadt am Rübenberge

Text & Photos: Frank Schäfer

Anostomus anostomus

11. September 2026

Den Prachtkopfsteher (Anostomus anostomus) haben wir erst kürzlich in Erinnerung gerufen und auch erwähnt, dass diese begehrte, aber kaum als Wildfang-Import zur Verfügung stehende Fischart jetzt auch als Nachzucht aus Indonesien bezogen werden kann (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/anostomus-anostomus-3/).

Nun haben wir auch erstmals große Nachzucht-Exemplare (8-12 cm) aus Indonesien erhalten. Das sind ganz wunderschöne Fische! Im Gegensatz zu den Wildfängen, die wir zuletzt aus Guyana bezogen haben, sind die Schwanzflossen bei den Nachzuchttieren ebenso rot wie die Rückenflossen. Leider wissen wir nicht, woher die ursprünglichen Zuchttiere der indonesischen Betriebe stammten. Insgesamt ist A. anostomus in der Natur sehr weit verbreitet, Wissenschaftliche Nachweise liegen vor aus Brasilien, Ecuador, Guyana, Peru, Kolumbien und Surinam. Rotschwänzige Prachtkopfsteher sind z.B. aus Surinam bekannt.

Maximalgröße: ca. 16 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser, pflanzliche Beikost wichtig; Sozialverhalten: Schwarmfisch mit sozialer Rangordnung.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 205514 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Mesonauta mirificus

11. September 2026

Die Flaggenbuntbarsche (Mesonauta) erfreuen seit 1911 die Aquarianer. Damals nannte man sie noch Cichlasoma festivum und dachte, es gäbe nur diese eine, weit verbreitete, variable Art. Nun, die „Varianten“ haben sich sich bei genauem Studium als eigenständige Arten herausgestellt. Heute unterscheidet man 7 wissenschaftlich akzeptierte Arten, der Status einiger weiterer bedarf noch der Klärung. Die Mesonauta-Art aus dem oberen Amazonas ist M. mirificus. Wir beziehen unsere Tiere aus Peru.

Mesonauta sind enge Verwandte der Skalare, mit denen sie in der Natur auch zusammenleben und denen sie im Verhalten sehr ähnlich sind. Genau wie Skalare sind Mesonauta friedliche, etwas scheue Buntbarsche, die nicht wühlen und Pflanzen normalerweise unbeschädigt lassen. Leider sind die Geschlechter – ähnlich wie bei Skalaren – nur schwer zu unterscheiden. Es scheint allerdings, als wären die Tiere mit den sehr langen Bauchflossen die Männchen und die mit kürzeren Bauchflossen die Weibchen. Alle Mesonauta setzen ihre Gelege gerne an Steinen oder auch in größeren Blumentöpfen (das gibt es natürlich nur im Aquarium) ab. Beide Eltern betreuen den Laich und die ausgeschlüpften Jungfische gemeinsam. 

Maximalgröße: ca. 15 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Buntbarsch mit sozialer Rangordnung.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 663382 (4-6 cm, wild), 683384 (5-7 cm, wild) und 683361 (4-6 cm, Nachzucht) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Moenkhausia cf. naponis

11. September 2026

Erstmals konnten wir aus Peru eine uns bislang völlig unbekannte Salmler-Art importieren. Angeboten wurde sie als „Moenkhausia naponis“. Diese Art gibt es und unser Neuimport hat auch eine gewisse Ähnlichkeit mit ihr; vor allem der deutlich ausgeprägte Längsstreifen, der unter der Rückenflosse beginnt in Kombination mit dem (manchmal, das ist stimmungsabhängig) doppelten Schulterfleck weisen in diese Richtung. Wir habe daher die Bezeichnung Moenkhausia cf. naponis auf unserer Stockliste gewählt, denn es gibt auch Unterschiede zur Beschreibung von M. naponis.

Bemerkenswert erscheint uns das Verhalten der maximal etwa 5 cm langen Tiere. Meist geht man ja bei Salmlern von friedfertigen Schwarmfischen aus. Das sind unsere Neuimporte allerdings überhaupt nicht. Ihr  Verhalten erinnert eher an das von Piranhas. Wenn sie sich in Gefahr wähnen, schließen sich die Tiere zwar zum Trupp zusammen, aber zumindest Kleingruppen (5 Tiere) funktionieren gar nicht. Das stärkste Tier wird über Nacht zum Tyrannen, der alle Artgenossen in einer Ecke zusammendrängt. Man sollte diese Fische darum in Gruppen nicht unter 10 Exemplaren in möglichst großen und strukturreichen Aquarien pflegen. 

Das Verhalten und das allgemeine Aussehen erinnern uns stark an den ebenfalls aus Peru stammenden Apricot-Tetra, Dectobrycon armeniacus. Möglicherweise handelt es sich bei unserem Neuimport daher um eine wissenschaftlich noch unbeschriebene Dectobrycon-Art.

Maximalgröße: ca. 5-6 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht vermutlich weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: aggressiver Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 268683 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Corydoras sp. „Llanos-Oran“ Var.2

11. September 2026

Aus Peru erhielten wir zwei neue Panzerwelse vom gleichen Fundort, sortiert in Variante1 und 2. Zu Variante1 siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sp-llanos-oran-var-1/. Dort sind auch alle Details zur Herkunft zu finden. Variante1 hat inzwischen die Nummer CW226 erhalten.

Die zweite Variante hat mehr dunkle Flächen auf der Flanke. Beide Formen gehören, wie bereits bei Var.1 gesagt, zum Artenkreis Corydoras fowleri-coriatae-semiaquilus. Alle diese Arten kommen aus Peru und angrenzenden Gebieten und unterscheiden sich ausschließlich durch die Färbung. Bei C. fowleri läuft eine breite schräge Binde vom Ansatz der Rückenflosse zum unteren Ansatz der Schwanzflosse. Oberhalb des Auges befindet sich ein dunkler, senkrechter Balken, der in das Auge hineinreicht. Zwischen dieser Augenbinde und dem Ansatz der Rückenflosse ist der Rücken bei C. fowleri hell. Bei C. coriatae ist alles sehr ähnlich, nur gabelt sich das Rückenband unterhalb der Rückenflosse in der Körpermitte und bildet eine weitere Binde, die Richtung Kiemendeckel nach vorn läuft. Bei typischen C. semiaquilus schließlich ist das Flankenband zu einem soliden schwarzen Keil geworden. Zusätzlich verläuft bei C. semiaquilus zwischen dem Ansatz der Rückenflosse und der Augenbinde ein weiterer dunkler Streifen. 

Offenbar sind diese drei Grundtypen aber sehr wandelbar und in jedem Bach scheint eine eigene Farbform vorzuherrschen. Dennoch lassen sich gewöhnlich alle diese Varianten nach den oben genannten Kriterien einer der drei wissenschaftlich beschriebenen Arten zuordnen. Das ist Bei C. sp. „Llanos-Oran“/CW226 nicht der Fall. Bei diesen Corydoras sieht es so aus, als wäre es darum gegangen, möglichst viele Merkmale der verschiedenen Arten der Corydoras-fowleri-Gruppe auf einem einzigen Fisch unterzubringen. Das sonst so sichere Bestimmungsmerkmal der dunklen Binde zwischen Augen- und Rückenstreifen hier z.B. untauglich. Es gibt Exemplare, die es haben, andere hingegen nicht.

Maximalgröße: ca. 7,5 cm; Temperatur: 22-25°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 229695 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Chaetostoma sacramento ( = L455, L456, L457)

4. September 2026

Seit 2007 wird sporadisch ein sehr hübscher Gebirgsharnischwels (Chaetostoma) aus Peru importiert. Die Art ist äußerst variabel gemustert, so dass sie sogar drei L-Nummern erhielt. Alleinstellungsmerkmal ist im wesentlichen die mit großen weißen Tupfen gemusterte Kopfpartie. Diese Färbung zeigen alle drei L-Nummern, während die Flankenzeichnung (oft mit breiten, senkrechten Streifen) und die Schwanzflossenfärbung (manchmal tiefrot) sehr unterschiedlich sein kann. Andere Handelsnamen für die Art waren Chaetostoma sp. „Tiger“, C. sp. „Zebra“, C. sp. „Cuzco“ und C. sp. „Pisqui“. Sie stammt aus Zuflüssen des Rio Ucayali. 

Chaetostoma sacramento ist ein guter Algenfresser für etwas kühlere Aquarien mit starker Strömung. Die Farbvariabilität ist zum Teil auch Ausdruck der Geschlechtszugehörigkeit. Die sehr farbigen Tiere sind Männchen, Weibchen sind deutlich schlichter gefärbt. Chaetostoma-Arten sind sehr an das Leben in sauerstoffreichen, fließenden Gewässern angepasst und benötigen eine sehr gute Wasserqualität. Im Gegensatz zu den meisten anderen Harnischwelsen ist bei ihnen die Fähigkeit, atmosphärische Luft zur Hilfsatmung aufzunehmen, so gut wie gar nicht vorhanden. Die Tiere laichen in Höhlen, das Männchen bewacht das Gelege bis zum Schlupf.

Maximalgröße: ca. 8 cm; Temperatur: 18-24°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich, aber nicht sehr sauer; Ernährung: Aufwuchsfresser; Sozialverhalten: friedlicher Saugwels, bildet mit Artgenossen eine Rangordnung aus.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 26480-L 455-4 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Crenicara punctulata

4. September 2026

Der Schachbrettcichlide Crenicara punctulata ist relativ weit im Bereich des oberen Amazonas-Beckens verbreitet. Fundmeldungen gibt es aus Bolivien, Brasilien, Ecuador, Guyana, Kolumbien und Peru. Die Bilder zeigen Tiere aus Peru.

Crenicara punctulata wird im männlichen Geschlecht ca. 12 cm lang, ist also kein eigentlicher Zwergbuntbarsch mehr. Aber da diese Art sehr friedlich ist, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Crenicara punctulata gehört zu den ganz wenigen Arten unter den Süßwasserfischen, bei denen ein echter Geschlechtswechsel stattfinden kann. Soweit bekannt kommen alle C. punctulata als Weibchen zur Welt. Befindet sich kein Männchen im Becken, wandelt sich das kräftigste Weibchen zu von einem funktionsfähigen Weibchen zu einem funktionsfähigen Männchen um. Man nennt dieses Phänomen, das bei Korallenfischen sehr verbreitet ist, protogynen Hermaphrodismus.

Die Pflege von C. punctulata ist leicht. Es ist aber wichtig, den Fischen eine größerer Fläche mit feinem Sand anzubieten, der ständig nach Futter durchsucht wird. C. punctulata ist ein Offenbrüter mit Haremsbildung, ein Männchen verpaart sich also mit mehreren Weibchen und bewacht das Revier, während die Weibchen für die Eier und Jungfische zuständig sind.

Maximalgröße: Männchen ca. 12 cm, Weibchen deutlich kleiner, 6-8 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Buntbarsch, bildet soziale Rangordnung aus.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 669001 (3-4 cm) bis 669005 (8-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Labidochromis sp. „Hongi Red“

4. September 2026

Im Malawisee gibt es immer noch eine recht große Anzahl von wissenschaftlich nicht erfassten Arten, bei denen man sich mit provisorischen Handelsnamen behelfen muss. Zu diesen gehört Labidochromis sp. Hongi. Hongi ist eine kleine Felsen-Insel vor der tansanischen Küste des Malawisees. Die Art gibt es aber nicht ausschließlich dort. Man kennt 5 unterschiedlich gefärbte natürliche Populationen plus eine Zuchtform („Sweden“). Typisch für die Art ist, dass sie in eher seichtem Wasser um 10 m Tiefe vorkommt.

Viele Labidochromis-Arten gelten als besonders friedlich, da sie Plankton und dergleichen fressen und darum keine festen Reviere besetzen. Für L. sp. „Hongi“ gilt das aber nur eingeschränkt. Dominante Männchen dieser recht kleinen Art besetzen sehr wohl Reviere und verteidigen sie sehr aggressiv auch gegenüber deutlich größeren Fischen. Untergeordnete Männchen und Weibchen schwimmen hingegen in Trupps umher und haben kein festes Revier. Männchen erkennt man an den kräftigeren und klareren Farben.

Man pflegt diese Fische am besten im größeren Trupp in einem großen Aquarium. Ein Drittel des Aquariums richtet man als Felsbiotop ein, zwei Drittel lässt man frei als Schwimmraum und platziert hier nur ein paar vereinzelte Steine zur Strukturierung. So können untergeordnete Männchen und Weibchen dem dominanten Chef gut aus dem Weg gehen. Es handelt sich um mütterliche Maulbrüter ohne Paarbindung.

Maximalgröße: ca. 12 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege weitgehend unwesentlich (Trinkwasser), aber keinesfalls weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: Buntbarsch mit Rangordnung

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 256513 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma trilineatum Albino ( = Corydoras julii Albino)

4. September 2026

Zu den beliebtesten aller Panzerwelse gehört Hoplisoma trilineatum. Allerdings wird die Art im Handel fast immer als Corydoras julii bezeichnet. Das ist nicht weiter schlimm, denn beide Arten werden gleich groß und haben die gleichen Ansprüche und sie sehen nahezu identisch aus. Speziell interessierte Aquarianer wissen aber, dass Hoplisoma julii in Details anders gefärbt ist (am Kopf Punkte bei julii, Linienmuster bei trilineatum). Wegen der großen Nachfrage gehört H. trilineatum zu den am häufigsten gezüchteten Panzerwelsen in Südostasien. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Mutationen auftreten.

Die häufigste Farbmutation bei Tieren ist Albinismus. Er tritt bei allen bekannten Tierarten ab und zu auf. Dabei fehlt dem Körper die Fähigkeit, schwarze Farbpigmente zu bilden. Darum haben Albinos rote Augen und meist einen weißen Körper. In solchen Fällen ist das Albino-Gen nur auf einem einzigen Gen lokalisiert. Sehr selten kann es aber auch vorkommen, dass es für verschiedene Körperteile unterschiedliche Albino-Gene gibt. So hat z.B. der Schoko-Molly (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/poecilia-chocolate/) rote Augen und einen dunklen Körper. Beim Albino-Julii sind es aber sogar mindesten drei Gen-Loci, die den Grad des Albinismus bestimmen. Es gibt erstens wildfarbene Tiere mit roten Augen, zweitens goldene Tiere mit roten Augen, bei denen die Körperfärbung – wenn auch abgeschwächt – erhalten ist. Bei manchen dieser Fische ist der arttypische schwarze Rückenflossenfleck, wenn auch blass, so doch deutlich sichtbar vorhanden. Bei einer dritten Variante fehlt dieser Rückenflossenfleck, es sind jedoch noch Reste der Körperzeichnung – vor allem im Kopfbereich – vorhanden. Und schließlich gibt es nahezu komplett weiße Tiere. Alle genannten Varianten haben rote Augen. Unseres Wissens ist ein solcher Fall von multiplem Albinismus bislang noch nie bekannt geworden – das ist sehr interessant!

Maximalgröße: ca. 6 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 232518 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Labidochromis caeruleus Yellow

28. August 2026

Labidochromis caeruleus Yellow gehört zu den beliebtesten aller Malawisee-Buntbarsche. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst sind da natürlich die prachtvollen Farben in der Kombination strahlendes Gelb (das oft in einem Orangeton übergeht) und tiefes Schwarz. Dann die relativ geringe Größe. Die Art wird normalerweise nur ca. 8 cm lang, nur sehr alte Männchen in  sehr großen Aquarien können bis zu 13 cm Länge erreichen. Und schließlich ist L. caeruleus Yellow einer der friedlichsten Malawiseebuntbarsche überhaupt. Das liegt daran, dass diese Art in der Natur Planktonfresser ist. Im Gegensatz zu den Aufwuchsfressern müssen sie kein Nahrungsrevier verteidigen. 

Die Geschlechter kann man bei 4-5 cm langen Tieren am besten unterscheiden, da die Weibchen erst später als die Männchen schwarze Bauchflossen bekommen. Alte Weibchen nehmen aber mehr und mehr Männchenfärbung an. Weibchen bleiben generell kleiner und können etwas blasser in der Farbe sein ansonsten sehen erwachsene Männchen und Weibchen dieses Maulbrüters (das Weibchen übernimmt alleine die Maulbrutpflege) nahezu gleich aus. Auch darum lassen sich diese Buntbarsche gut in Gruppen pflegen, es gibt kaum Platzhirschgebaren der Männchen untereinander. 

Bei der Fütterung sei man eher sparsam, die Nahrung im See ist knapp. Überfütterte L. caeruleus werden fett und sind dann krankheitsanfällig. Es wird jede Art mundgerechten Zierfischfutters angenommen.

Maximalgröße: ca. 13 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege nicht so wichtig (Trinkwasser), nur nicht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: Gruppenfisch mit Rangordnung.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – ja nach Größe – Code 540100 bis 540105 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Corydoras fulleri ( = C115 & C116)

28. August 2026

Nach der großen Überarbeitung der Gattungsnamen sind nur noch die langschnäuzigen Arten in der „Stammgattung“ Corydoras verblieben. Eine sehr bemerkenswerte Art dieser „echten“ Corydoras ist C. fulleri, benannt zu Ehren des Panzerwels-Spezialisten Ian Fuller. Die offizielle Beschreibung erfolgte erst im Jahr 2022, aber im Hobby kennt man die Art schon viel länger, nämlich seit dem Jahr 2003. Damals erhielt die wissenschaftlich noch unbeschriebene Spezies die Nummern C115 und C116.

Die Herkunft dieses Panzerwelses ist Peru, wo sie im Gebiet des Madre de Dios im Grenzbereich zu Bolivien gefunden wird. Absolut einzigartig ist die ungeheure Farbvariabilität dieser Art. Man erkannte anfangs nicht, dass C115 und C116 zur gleichen Art gehören, so unterschiedlich sehen sie aus. Später bekam der Fisch noch weitere Namen von peruanischen Exporteuren: Corydoras sp. „Eder“ und Corydoras sp. „Manu“, letztere sogar noch unterteilt in Manu1, Manu4, Manu7 und Manu8 (die dazwischen liegenden Manu-Nummern waren andere Arten). Spätestens seit 2005 gelang dann die Zucht (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_sp_c_115_116_de/) und spätestens seit dieser Zeit wissen wir auch, dass alle Zeichnungsmuster unter Geschwistertieren auftauchen können. Es handelt sich also tatsächlich bei allen um die gleiche Art.

Importe aus der Madre de Dios-Region sind selten und teuer, darum freuen wir uns, gerade einmal wieder schöne Nachzuchten von Corydoras fulleri anbieten zu können.

Maximalgröße: ca. 7-8 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: in einer Gruppe pflegen, gegen andere Fische friedlich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 229952 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Fundulopanchax gardneri

28. August 2026

Killifische sind die buntesten Fische der Welt. Dass man sie dennoch nur relativ selten in Aquarien antrifft, liegt daran, dass sie als komplizierte, kurzlebige Fische für Spezialisten gelten. Für manche Arten trifft das auch zu, für andere aber überhaupt nicht. Sie sind nicht schwerer zu pflegen und auch genau so langlebig wie z.B. Platies. Zu diesen Arten gehört der Stahlbaue Prachtkärpfling Fundulopanchax gardneri.

Ursprünglich stammt die Art aus dem westlichen Afrika (Kamerun und Nigeria), wird jedoch bereits seit den späten 1950er Jahren kontinuierlich gezüchtet. Am meisten Freude hat man an ihnen in einem „Typenbecken“, in dem man verschiedene Arten von gesellschaftsfähigen Killifischen kombiniert. Gut passen zu F. gardneri z.B. Kap Lopez (Aphyosemion australe), Gestreifte Prachtkärpflinge (A. striatum), Chromaphyosemion-Arten und Querbandhechtlinge (Epiplatys dageti), um nur einige zu nennen. 

Das Aquarium sollte feinen Sand als Bodengrund haben. Dichte Bepflanzung und Schwimmpflanzen bieten den Fischen Deckung und kontrastieren herrlich mit den prächtigen Farben. Auf den Boden gibt man einige Handvoll totes Laub (Buche, Eiche, Seemandelbaum etc.). Die Filterung sollte nur schwach sein. Am besten füttert man mehrmals täglich kleine Mengen (z.B. über Futterautomaten). Gefressen wird von den genannten Arten jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Und energiesparend sind diese Fische auch noch, denn sie gedeihen am besten bei Raumtemperatur (18-22°C). Einen Heizer sollte man dennoch vorsehen, denn gelegentlich – etwa zur Zucht oder wenn man neue Fische bekommt – erhöht man die Temperatur gerne auf 24-26°C.

Maximalgröße: ca. 6 cm; Temperatur: 18-22°C, zur Zucht 24-26°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: Gruppenfisch, Männchen rivalisieren harmlos miteinander.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 308402 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Akysis prashadi

28. August 2026

Das Angebot an kleinbleibenden, friedlichen Welsen aus Asien ist deutlich kleiner als aus Südamerika, aber es gibt sie durchaus. Mottenwelse (Hara, Erethistes) für strömungsarme Aquarien und Wespenwelse (Akysis) für Becken mit mehr Strömung erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Akysis haben ihren Namen „Wespenwelse“ von der berühmtesten Art, Akysis vespa (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/akysis_vespa_de/), deren Stich mit den giftigen Brustflossenstacheln wirklich sehr weh tut. Aber auch die anderen Arten können fies stechen, darum ist beim Herausfangen Vorsicht geboten. Aktiv greifen die kleinen Welse aber nie an! Sie sind im Gegenteil sehr friedlich, sowohl untereinander wie auch gegen artfremde Fische.

Akysis prashadi stammt aus Burma, wo er endemisch (also nur dort vorkommend) in den Zuflüssen des Indawgyi-Sees lebt. Die Pflege ist problemlos, jedes gängige Fischfutter wird bereitwillig akzeptiert. Die Tiere graben sich, wenn die Möglichkeit besteht, gerne mal in feinen Sand ein. Akysis sind Eierleger, sie betreiben keine Brutpflege. Aufgrund der Herkunft kann man die Fische sehr gut bei Zimmertemperatur pflegen, die Temperatur sollte dauerhaft nicht über 25°C liegen.

Maximalgröße: ca. 6 cm; Temperatur: 16-25°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser); Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlich, kann einzeln oder in Gruppen gepflegt werden.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 362352 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii Lyra Wagtail

28. August 2026

Zuchtformen von Lebendgebärenden Zahnkarpfen sind wie Rosen: je edler, desto anspruchsvoller. Genau wie man bei Rosen erheblich höheren Pflegeaufwand hat, je weiter sich die Pflanze von der ursprünglichen Wildform entfernt, genauso erweisen sich die lyraflossigen Schwertträger als deutlich anspruchsvoller als ihre Feld-Wald-und-Wiesen-Vettern. Große Aquarien, optimale Wasserpflege und ausgewogenes, vitaminreiches Futter sind die Grundvoraussetzungen, um diese Zuchtformen nicht nur am Leben zu erhalten, sondern sich optimal entwickeln zu lassen.

Zur Zeit werden verstärkte rote Wagtail-Schwertträger (also rote Tiere mit schwarzen Flossen) in der Lyra-Form gezüchtet. Für alle, die es auch einmal zuhause mit der Zucht versuchen wollen: man benötigt dazu normalflossige Männchen der jeweiligen Zuchtform. Unter den Nachkommen befinden sich – statistisch gesprochen – 50% normalflossige und 50% lyraflossige Exemplare.

Maximalgröße: Männchen ca. 8 cm, Weibchen ca. 12 cm (jeweils ohne Schwert); Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser); Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: vorwiegend friedlicher Schwarmfisch, aber entweder nur 1 Männchen oder mehr als 3 Männchen pro Schwarm.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 420883 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Corydoras sp. „Llanos-Oran“ Var.1 CW226

21. August 2026

Aus Peru haben wir erstmals eine neue Art wunderschöner Panzerwelse erhalten, die laut Auskunft unseres Lieferanten von den Fängern als „Corydoras Llanos“ bezeichnet wird. Sie kommt ausschließlich in einem Nebenfluss des Amazonas vor, der Oran genannt wird. Wir nehmen an, dass es sich dabei um den Oran Creek handelt, nahe bei der Ortschaft Oran am Nordufer des Amazonas, etwa 70 bis 100 km flussabwärts von Iquitos aus gesehen. Oran ist ein beliebtes Ökotouristenziel und Ausgangspunkt für Naturbeobachtungen. Dieser Corydoras hat in der Zwischenzeit die CW-Nummer 226 erhalten.

Zweifellos gehören diese neuen Corydoras in den Artenkomplex coriatae-fowleri-semiaquilus; jedoch sind sie keiner dieser drei Arten zweifelsfrei zuzuordnen. Es sind sehr schöne Fische, die unser Lieferant in zwei Varianten aufgeteilt hat. Dieser Post zeigt Tiere der Variante1, die Exemplare der Variante2 fotografieren wir zeitnah und stellen sie an dieser Stelle vor. 

Da bereits 2007 ein Panzerwels als „Corydoras Llanos“ aus Peru importiert wurde (ein Langschnäuzer mit dem Farbmuster ähnlich zu H. metae, soweit wir wissen, ohne C- oder CW-Nummer) nehmen wir an, die Bezeichnung „Llanos“ bezieht sich auf die Kopfform. Um Verwechslungen zu vermeiden, haben wir für unsere Neuheiten die Listenbezeichnung Corydoras sp. „Llanos-Oran“ gewählt.

Maximalgröße: ca. 7,5 cm; Temperatur: 22-25°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 229686 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hemigrammus sp. Cenepa

21. August 2026

Seit einigen Jahren erleben die Salmler eine aquaristische Renaissance. Daher bemühen sich die Exporteure auch darum, neue, aquaristisch bislang nicht zur Verfügung stehende Arten anzubieten. Die Bestimmung solcher Neuheiten ist manchmal nicht möglich. Das kann daran liegen, dass es sich um eine (im wissenschaftlichen Sinne) alte, aber „vergessene“ Art handelt, aber auch daran, dass es doch deutlich mehr wissenschaftlich noch nicht erfasste Arten gibt, als so mancher sich träumen lässt.

Jedenfalls konnten wir vor kurzem einen „tetra Cenepa“, also einen aus dem Einzug des Rio Cenepa (ein Fluss im Norden Perus, der streckenweise die Grenze zwischen Ecuador und Peru bildet und dem Maranon ( = der Oberlauf des Amazonas) zufließt) stammenden Salmler importieren, der mit keiner der uns bekannten Arten identisch ist. Er hat (so weit man das von Photos beurteilen kann) eine kurze, unvollständige Seitenlinie und eine stark beschuppte Schwanzflosse, passt also in die Definition der Gattung Hemigrammus. 

Sehr ähnlich sind die ebenfalls aus Peru stammenden „Hasemania sp. Yurimaguas“ (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hasemania-sp-yurimaguas-sp-orange/) und der aus Brasilien stammende Hyphessobrycon moniliger (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-moniliger-3/). Hemigrammus sp. Cenepa ist eine Top-Rarität und wird das wohl auch bleiben. Salmlerfreunde sollten darum zuschlagen, wenn sie die Art angeboten bekommen.

Maximalgröße: ca. 4 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 256012 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Danio albolineatus

21. August 2026

Der Schillerbärbling (Danio albolineatus) gehört zum aquaristischen Urgestein. Ursprünglich stammt die Art aus Südostasien (Burma bis zur Malaiischen Halbinsel und weiter östlich), doch wird sie seit über 100 Jahren im Aquarium gezüchtet und Wildfänge sind kaum jemals im Handel. Dieser völlig friedliche Bärbling ist ein perfekter Fisch für Gesellschaftsaquarien. Weder an das Wasser noch an das Futter werden irgendwelche Ansprüche gestellt, die nicht auch ein Einsteiger in das Hobby Aquaristik erfüllen könnte. Man sollte sich und den Fischen lediglich den Gefallen tun, sie im Trupp (ab etwa 10 Exemplaren) zu pflegen. Die Geschlechterzusammensetzung (Weibchen sind fülliger) ist dabei unerheblich, nur sollte man versuchen, wenigstens zwei Männchen im Trupp zu haben. Dann kann man nämlich wunderbar das Balz- und Drohverhalten beobachten. Bei der Planung des Besatzes eines Gesellschaftsaquariums rechnet man Danio albolineatus für das obere Wasserdrittel ein, denn dort schwimmen sie bevorzugt.

Maximalgröße: ca. 5,5 cm; Temperatur: 18-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser); Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 407413 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Amatitlania nanolutea

21. August 2026

Wer einen Zwergbuntbarsch sucht, der nicht die relativ hohen Ansprüche an die Wasserbeschaffenheit bei der Zucht stellt, wie es viele Apistogramma, Dicrossus etc. tun, der ist mit Amatitlania nanolutea bestens beraten. Dieser Zwergbuntbarsch aus Mittelamerika (atlantische Seite von Panama) wird niemals größer als 8 cm und lebt und laicht in praktisch jedem üblichen Leitungswasser. Es sind sehr bunte Fische. Die Weibchen erkennt man an dem großen Fleck in der Rückenflosse. Beide Eltern pflegen den Laich und bewachen die Jungtiere gemeinsam. Es sind eben typische Cichlasoma-Verwandte, nur in klein.

Maximalgröße: ca. 8 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege und Zucht unwesentlich (Trinkwasser); Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: am besten paarweise, das Paar sollte sich aus einer Gruppe jugendlicher Tiere selbst finden können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 631102 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pseudomugil gertrudae Aru II xl

14. August 2026

Die niedlichen Blauaugen-Fische der Art Pseudomugil gertrudae haben wir eigentlich immer im Stock. Wir beziehen die Tiere gewöhnlich als Nachzucht aus Indonesien. Ursprünglich gibt es sie im nördlichen Australien  und dem südlichen Papua Neu-Guinea. Zur Zeit haben wir voll ausgewachsene, also rund 4 cm lange Tiere im Angebot, die wir von einem europäischen Züchter erhalten haben. Die Fundortpopulation Aru II zeichnet sich durch hohen Gelb-Anteil in der Färbung aus. Die Aru-Inseln liegen etwa 150 km in südlicher Richtung vor der Küste Neu-Guineas.

Die Männchen von P. gertrudae sind wunderschön, wenn sie mit weit gespreizten Flossen versuchen, die Aufmerksamkeit der – wohl nur in unseren Augen – unscheinbaren Weibchen auf sich zu lenken.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 446014 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Geophagus iporangensis Showgröße

14. August 2026

Wir haben prachtvolle Geophagus aus dem brasiliensis-Formenkreis erhalten. Die kleinsten Exemplare sind 15-20 cm lang, die größten deutlich über 25 cm. „Echte“ G. brasiliensis dieser Größe entwickeln einen großen Stirnbuckel. Davon ist auch bei den größten Männchen nur ansatzweise etwas zu sehen. Dies ist der Grund, dass wir sie der Art Geophagus iporangensis zuordnen. Aber wir wissen auch, dass die Systematik der Geophagus der brasiliensis-Gruppe nur schlecht untersucht ist. Die Bezeichnung „Geophagus brasiliensis“ wäre darum auch möglich. 

Maximalgröße: ca. 25-30 cm; Temperatur: 16-28°C; pH und Härte: unwesentlich (Trinkwasser); Ernährung: Allesfresser, kräftiges Futter (Frostfutter, Cichlid Sticks etc); Sozialverhalten: durchsetzungsfähiger Großbuntbarsch, starker Wühler, Offenbrüter mit Elternfamilie.

Besuchen Sie für mehr Informationen unsere Webseite: www.aquariumglaser.de

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 67652 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hemigrammus sp. aff. hyanuary

14. August 2026

Aus Kolumbien haben wir herrliche Salmler erhalten, die in neutraler Stimmung und als Jungtier sehr stark an den Neon Costello, Hemigrammus hyanuary, erinnern. Von dieser Art kann man sie aber sicher anhand der roten Iris unterscheiden; bei H. hyanuary ist die Iris (also der Augenrand um die Pupille herum) stets messingfarben, nie rot. Eingewöhnte Exemplare von Hemigrammus sp. aff. hyanuary erinnern an Schwarze Neons (Hyphessobrycon herbertaxelrodi) oder auch Meta-Salmler (Hyphessobrycon metae).

Maximalgröße: ca. 4 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Besuchen Sie für mehr Informationen unsere Webseite: www.aquariumglaser.de

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Potamorrhaphis labiata

14. August 2026

Die schlanken Süßwasser-Nadelhechte Südamerikas sind bei Spezialisten gefragte Fische. Viele Jahre war nur eine einzige Art im Hobby bekannt, die man als Potamorrhaphis guianensis bezeichnete. Diese Art gibt es auch und sie ist weit in Südamerika verbreitet; es scheint jedoch, als seien die Nadelhechte, die wir in jüngerer Zeit aus Peru importieren können, Angehörige einer anderen Art. 

Gegenwärtig werden vier Potamorrhaphis-Arten unterschieden und nach eingehender Überprüfung der Literatur erscheint es uns am wahrscheinlichsten, dass unsere Peruaner zur Art P. labiata zu zählen sind. Der Hauptunterschied zu P. guianensis, die in der wissenschaftlichen Literatur genannt werden, sind am lebenden Fisch nur sehr schwer zu erkennen; es handelt sich dabei um die am unteren Ansatz des Maules befindliche Lippenmembran, die bei P. labiata groß und halbmondförmig ausgebildet ist. Diese Auslappung fehlt bei P. guianensis, bei dieser Art ist die Unterlippenmembran schmal und unauffällig. In der aktuellen Fotosession ist uns ein Schnappschuss gelungen, in der die halbmondförmige Unterlippenmembran gut zu erkennen ist. Wir haben sie auf dem Bild mit einem Pfeil markiert.

Potamorrhaphis labiata wird etwa 18 cm lang. Untereinander sind die Tiere sehr gut verträglich. Während der Eingewöhnung muss man etwas aufpassen, dass sich die Fische nicht erschrecken, sonst verletzen sie sich u. U. schwer die Maulspitze. Leichte Verletzungen dieser Art sind allerdings unvermeidlich und heilen gut ab.

Als reine Fischfresser müssen Potamorrhaphis anfangs mit lebenden Futterfischen versorgt werden, eingewöhnte Exemplare nehmen aber auch gefrostete Fische von der Pinzette. Die Wasserwerte sind für die Pflege unerheblich, jedes als Trinkwasser geeignete Wasser eignet sich. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Und müssen wir extra erwähnen, dass diese spezialisierten Oberflächenfische hervorragend springen können und das Becken daher absolut lückenlos abgedeckt sein muss? Müssen wir nicht…

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 281544 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Sant’Anna, V. B., M. L. S. Delapieve & R. E. Reis (2012): A new species of Potamorrhaphis (Beloniformes: Belonidae) from the Amazon basin. Copeia 2012 (no. 4): 663-669.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pollimyrus adspersus

14. August 2026

Nilhechte (Mormyridae) sind unglaublich interessante Fische. Es gibt rund 230 Arten in 22 Gattungen, alle leben in Afrika. Leider sehen die meisten Arten sehr ähnlich zueinander aus und sind farblich nicht unbedingt attraktiv. Aber für Aquarianer mit Forscherdrang gibt es kaum spannendere Studienobjekte. Die Gattung Pollimyrus umfasst 23 Arten, von denen vier erst 2024 beschrieben wurden. Dabei sind es nicht unbedingt äußerliche Merkmale, die zur Entdeckung neuer Arten führt, sondern die Sprache dieser Fische. Sie haben ein Kommunikations-System entwickelt, das nicht auf akustischen Lauten, sondern auf elektrischen Entladungen beruht. Im Schwanzstiel haben alle Mormyriden ein schwach elektrisches Organ. an dem Entladungsmuster lassen sich die Arten gut erkennen. Mittels dieser EODs (electric organ discharges) kommunizieren die Tiere untereinander und es hat sich gezeigt, dass tatsächlich jede Art ihre eigene Sprache spricht.

Pollimyrus adspersus ist eine schon sehr lange bekannte Art, die aus vielen Teilen des westlichen Afrikas gemeldet wurde. Da ausgerechnet von dieser Art der Fundort der Tiere, auf denen die Beschreibung beruht (der Syntypen) unbekannt ist, ist P. adspersus aus wissenschaftlicher Sicht problematisch und man muss davon ausgehen, dass viele Meldungen von P. adspersus sich in Wirklichkeit auf andere, sehr ähnliche Arten beziehen.

In der (spärlichen) aquaristischen Literatur zu P. adspersus geht es darum auch eher etwas konfus zu. Immerhin ist bekannt, dass diese Art (unter den Bezeichnung Petrocephalus bovei) bereits 1969 zufällig nachgezüchtet wurde. Später züchtete die Arbeitsgruppe um Frank Kirschbaum gezielt mit diesen Fischen (unter der Bezeichnung Pollimyrus isidori) und erforschte die Entwicklung der Tiere. Mit zunehmendem Erkenntnisgewinn konnte schließlich der Unterschied zwischen P. isidori und P. adspersus herausgearbeitet werden und Kirschbaum et. al. stellten fest, dass es sich wohl bei allen bisher im Aquarium gezüchteten Pollimyrus um P. adspersus handelt.

P. adspersus ist eine vergleichsweise kleine Nilhecht-Art, die nur etwa 8-10 cm lang wird. Dabei ist sie jedoch durchsetzungsstark und verjagt selbst deutlich größere Fische aus dem Revier. P. adspersus betreibt Brutpflege und baut ein Nest. Kurz und gut: es sind sehr spannende Fische, über deren Verhalten man ganze Bücher schreiben könnte.

Wir haben nach langer Zeit wieder einmal P. adspersus aus Nigeria importieren können. Die Tiere sind anpassungsfähig in Bezug auf die Wasserzusammensetzung, zur Zucht muss man allerdings eine Regenzeit imitieren. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 26°C liegen. Am liebsten fressen die Tiere Rote Mückenlarven (gefrostet oder lebend), es wird jedoch auch anderes Futter akzeptiert. Untereinander sind die Tiere etwas zänkisch, man muss darum große und mit vielen Verstecken ausgestattete Aquarien verwenden. Es würde an dieser Stelle viel zu weit führen, die Aquarienbiologie dieser Fische ausführlich zu diskutieren, dazu verweisen wir auf die entsprechende Fachliteratur.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 161103 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pethia setnai

7. August 2026

Pethia setnai ist das Pendant von Indischen Festland (Goa, Western Ghats) zu den Purpurkopfbarben (P. nigrofasciatus und P. bandula), die nur auf der Insel Sri Lanka vorkommen. Leider ist sie nur sehr selten im Handel. Es handelt sich um wunderschöne Fische, die, wenn sie vollständig eingewöhnt sind, ein eigenartiges Veilchenblau zeigt, wie es sonst unter den Barben nicht vorkommt. 

Maximalgröße: ca. 6 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht weich und sauer; Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: friedlicher Schwarmfisch.

Besuchen Sie für mehr Informationen unsere Webseite: www.aquariumglaser.de

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 371833 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Geophagus brasiliensis WILD

7. August 2026

Zu den allerersten Buntbarschen, die in der Aquaristik verfügbar wurden, gehört Geophagus brasiliensis. Die Ersteinfuhr nach Deutschland erfolgte bereits um das Jahr 1900. Diese aus dem südlichen Teil Südamerikas stammende Art ist unempfindlich gegenüber niedrigen Wassertemperaturen, wie sie in den ungeheizten Wohnräumen unserer aquaristischen Vorfahren aufgrund der störungsanfälligen Heizmethoden (unter das Aquarium gestellte Spiritusbrenner und dergleichen) im Winter auftreten konnten. Andererseits waren die damaligen Aquarien oft deutlich kleiner als heutzutage. Da G. brasiliensis zwar mit 6-8 cm fortpflanzungsfähig ist, aber immerhin unter günstigen Umständen über 20 cm lang werden kann, galt er bald als Fisch für Spezialisten.

Hinter dem Namen Geophagus brasiliensis verstecken sich nach allgemeiner Auffassung mehrere, einander sehr ähnliche Arten. Sie alle gehören auch nicht in die Gattung Geophagus im eigentlichen Sinne, die die Erdfresser aus der Verwandtschaft von G. altifrons umfasst. Darum wird der Gattungsname bei der brasiliensis-Gruppe oft in Anführungszeichen geschrieben. Eine umfassende Revision existiert allerdings nicht. Es sind offenbrütende Buntbarsche mit Elternfamilie.

Die Wildfänge, die wir zur Zeit anbieten können, stammen aus Brasilien, Bundesstaat Sao Paulo und wurden in der Umgebung der Stadt Botucatu gesammelt. Hydrologisch gehört das Gebiet zum Einzug des Rio Tiete. Es ist wichtig, dass man im Aquarium niemals Geophagus der brasiliensis-Gruppe von verschiedenen Fundorten vermischt. Aus Sao Paulo wurde z.B. 1911 die heutzutage meist als eigenständige Art geführte „Variante“ G. iporangensis beschrieben. Hybriden sind im Hobby unerwünscht.

Bezüglich der Wasserwerte sind G. brasiliensis völlig unempfindlich. In der Natur werden sie sogar gelegentlich im Brackwasser gefunden. Sie fressen jegliches Zierfischfutter passender Größe, es sollte allerdings recht kräftig und nahrhaft sein. Es wurde sogar schon beobachtet, dass diese Fische Turmdeckelschnecken (Melanoides) fressen, die sonst von nahezu allen schneckenfressenden Fisch verschmäht werden. Größere Buntbarsche sollten in größeren Aquarien untergebracht sein. Als Gesellschaft eignen sich robuste und schnelle Fischarten. Je kleiner das Aquarium, desto problematischer ist eine Vergesellschaftung. Zur Pflege reicht Zimmertemperatur, zur Zucht kann man auf 24-26°C erhöhen. Geophagus brasiliensis wühlen leidenschaftlich; das sollte man bei der Einrichtung berücksichtigen. Pflanzen setzt man am besten in Töpfe oder verzichtet ganz auf im Boden wurzelnde Gewächse. Schwimmpflanzen sind eine gute Alternative.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 676503 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pseudotothyris obtusa

7. August 2026

Auf den ersten Blick könnte man meinen, einen „Oto negros“ (Otothyropsis piribebuy) vor sich zu haben, doch ein genaueres Betrachten zeigt: hier sagt ein ganz besonderer Zwergsaugwels „Hallo“: Pseudotothyris obtusa. Die Vertreter der Gattungen Hisonotus, Otothyris, Otothyropsis, Pseudotocinclus, Pseudotothyris und Schizolecis sehen äußerlich ganz ähnlich aus und haben auch ähnliche Absprüche an die Aquarienpflege. 

Pseudotothyris obtusa stammt aus Brasilien, Bundesstaat Sao Paulo. Hier bewohnt die Art offenbar sowohl Schwarzwasserbäche wie auch Fließgewässer mit Klarwasser. Der Bodengrund besteht meist aus feinem, weißen Sand. Unterwasserpflanzen fehlen gewöhnlich, die Welse sitzen in der ins Wasser hängenden Ufervegetation. Die Maximallänge der Tiere  beträgt etwa 3,5 cm. 

Diese Fische sind nie in größeren Stückzahlen im Handel anzutreffen. Das ist auch ganz gut so, denn es sind Fische für ausgesprochene Spezialisten unter den Aquarianern, die in der Lage und Willens sind, ihre besonderen Ansprüche zu erfüllen. Zunächst einmal ist es sehr wichtig, dass für eine möglichst keimarme Umgebung gesorgt wird. Die kleinen Algenfresser sind zudem anfangs nicht ganz einfach zu ernähren. Ideal ist es, wenn man Steine und Wurzeln einige Tage in einer wassergefüllten Wanne oder dergleichen dem Sonnenlicht aussetzt und anschließend in das Aquarium einbringt. Der natürliche Bewuchs aus Mikroalgen und anderen mikroskopisch kleinen Lebewesen sind das optimale Futter für die Welse. Sind die Welse gut eingewöhnt und aufgefüttert, ist das schlimmste geschafft. Nun gilt es noch zu bedenken, dass im südöstlichen Brasilien – jahreszeitlich bedingt – unterschiedliche, teils recht kühle Wassertemperaturen herrschen. Diese müssen zur erfolgreichen Pflege solcher anspruchsvollen Fische nachgeahmt werden. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 285572 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Abramites hypselonotus

7. August 2026

Der Brachsensalmler ist der vielleicht ungewöhnlichste aller Kopfsteher. Der schöne Fisch wird rund 15-20 cm lang und ist wegen seiner hohen Körperform kaum zu verwechseln. Es gibt nur eine zweite Abramites-Art, A. eques, die jedoch noch nie lebend  eingeführt wurde. Sie lebt exklusiv im Rio Magdalena in Kolumbien. Alle uns bekannten Lebend-Fotos, die A. eques zeigen sollen, sind in Wirklichkeit Farbvarianten von A. hypselonotus. Bei A. eques ist am Vorderkörper keine Binde, die erste Binde beginnt erst unter der Rückenflosse und läuft über die Körpermitte.

Beim extrem weit verbreiteten Abramites hypselonotus – es gibt ihn praktisch im gesamten Südamerika östlich der Anden, von Argentinien bis nach Venezuela – beginnt die Streifung hingegen direkt hinter dem Kopf. Dabei ist, zumindest bei Wildfängen, jedes Tier individuell an seinem Streifenmuster zu erkennen. Man muss bezweifeln, dass es sich bei den Brachsensalmlern in diesem riesigen Gebiet wirklich überall um die gleiche Art handelt, aber sie sehen sich sehr, sehr ähnlich. 

Meist haben wir Nachzuchten dieses Fisches aus Indonesien im Stock, doch erhalten wir gelegentlich auch Wildfänge. Die aktuell bei uns schwimmenden Fische stammen aus Peru, die fotografierten Tiere sind Wildfänge aus Peru und haben die mittlere Größenklasse 5-6 cm.

Abramites sind soziale Tiere, die ständig interagieren. Hat man zu wenige Tiere, kann das lästig werden, in größeren Trupps und großen Aquarien fällt das nicht so ins Gewicht. Leider sind diese schönen Fische extreme Pflanzenfresser.

Für unsere Kunden: die Tiere haben, je nach Größe, Code 200501 (3-4 cm) bis Code 200505 (9-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma agassizii „Flamenco“

31. Juli 2026

Apistogramma agassizii ist, wir haben es schon mehrfach erwähnt, eine polychromatische Art. Das Wort „polychromatisch“ bedeutet, wörtlich übersetzt, „vielfarbig“. Gemeint ist damit, dass viele Färbungsmerkmale bei dieser Art sehr variabel und damit nicht diagnostisch zur Bestimmung der Spezies sind. In der Regel ist es so, dass innerhalb einer Population bereits mehrere Farbschläge auftreten. Wenn bei Importen ein anderer Eindruck entsteht, so deshalb, weil die Exporteure vor Ort bereits nach Farbmustern sortieren. So gibt es bei Tefé in Brasilien nicht nur den berühmten „Tefé-Agassizi“ mit seinem Zickzack-Muster auf den Flanken, sondern auch ganz normal gefärbte A. agassizii. In der Zucht hat sich gezeigt, dass manche Merkmale stabil gezüchtet werden können. Bei anderen gelingt das nur bedingt. Diese verschwinden dann meist relativ schnell wieder aus der Zucht, weil es sich kein Züchter leisten kann, nur einen kleinen Prozentsatz Tiere mit der erwünschten Farbkombination in einer Brut zu haben. Als kleine Jungtiere sehen ja alle gleich aus. Erst wenn man die Fische großgezogen hat, erkennt man die Farben zuverlässig.

Der „Flamenco-Agassizii“ kommt aus Peru. Bei früheren Importen sagten uns die Exporteure, dass nur ein kleiner Teil der bei ihnen angelieferten Tiere die begehrte „Flamenco“-Form mit der orangefarbenen Rückenflosse sind. Inzwischen hat sich herauskristallisiert, dass dieser Farbschlag scheinbar vor allem in der Grenz-Region zwischen Ecuador und Peru (Rio Tigre-Einzug, Rio Amaya etc.) vorkommt. Dort leben auch andere begehrte Apistogramma-Arten, so dass wir nun nach 15 Jahren wieder einmal diese sehr schöne Farbform anbieten können.

Bezüglich der Pflegeansprüche unterscheidet sich der „Flamenco“ nicht von den hinlänglich bekannten Apistogramma agassizii. Die wichtigsten Grundforderungen sind: teilweise feinsandiger Bodengrund, den die Tiere durchkauen können, möglichst keimarme Bedingungen, nicht zu warm halten (22-24°C). Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Zur Zucht sollte der pH unter 6 liegen. Es sind Höhlenbrüter mit Mutterfamilie; das Weibchen sorgt für den Laich und die Jungtiere, das Männchen sichert das Revier. Wenn genug Raum vorhanden ist, kann man mehrere Weibchen pro Männchen im Aquarium pflegen.

Für unsere Kunden: „Flamenco“ hat Code 614182 (md) und 614183 (md-lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Melanocharacidium dispilomma

31. Juli 2026

Die Gattung Melanocharacidium (der Name bedeutet in etwa „schwarzer Characidium“) wurde 1993 aufgestellt. Der Autor ordnete der neuen Gattung acht Arten zu, sechs davon beschrieb er als neu. Seither kam nur eine weitere Art hinzu, M. auroradiatum aus dem Rio Araguaia in Brasilien. Wir konnten seit längerer Zeit wieder einmal eine Melanocharacidium-Art aus Peru importieren. Aus diesem Land sind drei der neun Arten gemeldet: M. dispilomma, M. pectorale und M. rex. Von diesen drei Arten wiederum passen unsere Neuimporte sehr gut zu der Beschreibung von M. dispilomma.

Melanocharacidium dispilomma hat eine sehr weite Verbreitung in Südamerika. Meldungen liegen aus Bolivien, Brasilien, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Peru, Surinam und Venezuela vor, also praktisch allen größeren Gewässer-Systemen des nördlichen Teils des Subkontinents. In solchen Fällen ist es naheliegend, dass vermutlich eher ein Komplex einander sehr ähnlicher Arten involviert ist und nicht nur eine einzige Spezies. Aber wer weiß? Wir hatten bereits einmal eine sehr ähnliche Art aus Brasilien importieren können, die wir als „cf. dispilomma“ bezeichneten (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/melanocharacidium-cf-dispilomma/). Diese Tiere waren aber deutlich schlanker gebaut. Eine weitere Art aus Peru konnten wir gar nicht bestimmen: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/melanocharacidium-sp-peru/ : Hier tut sich also für Aquarianer mit Forscherdrang noch ein weites Feld auf.

Aber auch für alle anderen sind M. dispilomma eine echte Bereicherung. Das drollige Verhalten dieser Fische macht einfach nur Spaß! Nach unseren Beobachtungen schätzen diese Melanocharacidium etwas Deckung von oben. Zumindest im Fotobecken bevorzugten sie eindeutig solche Sitzpositionen, wo entweder eine Wurzel sie höhlenartig überwölbte oder eine Pflanze Deckung bot. Untereinander sind sie ständig damit beschäftigt, einander zu necken. Wir konnten aber noch keinerlei Beschädigungen an den Flossen oder dauerhaftes Mobbing beobachten. Artfremden Fischen gegenüber verhalten sich diese Bodensalmler völlig neutral. Gefressen wird jedes angebotene Zierfischfutter passender Größe. Die Art erreicht eine Gesamtlänge von ungefähr fünf Zentimetern.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 267662 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Colomesus asellus ( = Sphoeroides asellus)

31. Juli 2026

Die südamerikanischen Kugelfische Colomesus asellus (eine aktuelle Studie zeigt, dass die Gattung Colomesus aufgrund genetischer Untersuchungen als Synonym zu Sphoeroides zu sehen ist, die Art ist demnach richtig als Sphoeroides asellus zu bezeichnen) sind ideal für die Aquarienpflege geeignet. Sie bleiben klein (gewöhnlich um 6-8 cm, allerhöchstens um 12 cm, andere Größenangaben beruhen auf Verwechslungen), sind reine Süßwasserbewohner, fressen sehr gerne kleine Schnecken und sind absolut friedlich, sowohl gegen Artgenossen wie auch gegen andere Fischarten. Sie haben lediglich eine Eigenschaft, die negativ zu Buche schlägt: sie sind unglaublich bewegungslustig und sausen ununterbrochen durch das Aquarium. Mit Ruhe liebenden Fischarten darf man sie keinesfalls vergesellschaften und auch nervöse Aquarianer sollten die Finger von ihnen lassen.

Aufpassen muss man während der Eingewöhnung: Colomesus sind sehr empfänglich für Piscinoodinum und Ichthyophthirius (Samt- und Pünktchenkrankheit). Die Krankheiten lassen sich gut mit handelsüblichen Medikamenten bekämpfen, zusätzlich hilft Temperaturerhöhung auf 30°C und eine Strömungspumpe. Nach der Eingewöhnung sind die Fische aber robust und langlebig und bereiten durch ihr drolliges Wesen viel Freude.

Wir beziehen diese Tiere aus dem oberen Amazonas, meist aus Peru, manchmal aber auch aus Kolumbien oder Brasilien. Übrigens wurde 2013 eine Doppelgängerart aus dem Einzugebiet des Rio Tocantins in Brasilien beschrieben, die sich farblich praktisch nicht von S. asellus unterscheidet, jedoch in kleinen anatomischen Details und vor allem anhand der DNS: Sphoeroides tocantinensis. Auch diese Art ist ein reiner Süßwasserkugelfisch. Unseres Wissens wird er nicht exportiert und seine Pflege sollte sich auch nicht von S. asellus unterscheiden, aber es ist gut zu wissen, dass es ihn gibt.

Für unsere Kunden: Sphoeroides asellus hat, je nach Größe, Code 218301 (1 cm) bis 218306 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Araujo, G. S., Y. R. Kurtz, I. Sazima, P. H. Carvalho, S. R. Floeter, A. Vilasboa, M. M. Rotundo, C. E. L. Ferreira, J. P. Barreiros, D. E. Pitassy & A. Carvalho-Filho (2023): Evolutionary history, biogeography, and a new species of Sphoeroides (Tetraodontiformes: Tetraodontidae): how the major biogeographic barriers of the Atlantic Ocean shaped the evolution of a pufferfish genus. Zoological Journal of the Linnean Society v. 199 (no. 4): 978-993

Text & Photos: Frank Schäfer

Gymnogeophagus cf. lipokarenos

31. Juli 2026

Die Gattung Gymnogeophagus ist im Süden Südamerikas (Argentinien, südöstliches Brasilien, Paraguay und Uruguay) verbreitet. Dort besiedeln die aktuell 20 wissenschaftlich akzeptierten Arten die Fluss-Systeme von Rio Uruguay, Rio Parana und Rio Paraguay, sowie einige mehr oder weniger isolierte Küstenflüsse. Im Hobby ist nur eine Art wirklich etabliert, nämlich Gymnogeophagus balzanii, der Ballonkopf-Buntbarsch aus Paraguay (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/gymnogeophagus-balzanii/). Alle Arten sind wunderschön, aber anspruchsvoll: wer nicht in der Lage oder bereit ist, den Tieren einen jahreszeitlichen Rhythmus zu bieten, der auch unbedingt eine kühle Phase (14-16°C) über mehrere Wochen beinhalten muss, wird langfristig scheitern.

Innerhalb der Gattung gibt es eine engere Verwandtschaftsgruppe um G. gymnogenys, die sich zum Teil sehr ähnlich sehen, weshalb viele der Arten erst in jüngster Zeit beschrieben wurden. Zu ihnen zählt auch G. lipokarenos aus dem Einzug des oberen Rio Uruguay in Brasilien und der Provinz Misiones in Argentinien (unterer Rio Uruguay), bei dem die voll ausgewachsenen Männchen (ab ca. 10 cm Standardlänge, also ohne Schwanzflosse) einen gewaltigen Stirnbuckel entwickeln können, wie man ihn z.B. von Zitronenbuntbarschen (Amphilophus citrinellum) oder die Buckelkopfcichliden (Steatocranus) kennt. 

Wir konnten jetzt erstmals Gymnogeophagus importieren, die uns der Exporteur unter dem Namen G. lipokarenos anbot. Allerdings haben auch voll ausgewachsene Tiere dieser Art (10-12 cm) bei uns nur einen angedeuteten Stirnbuckel. Dies und die gewisse Unsicherheit bei der Bestimmung von Arten aus einer komplexen Verwandtschaftsgruppe, die bei Erstimporten immer besteht, hat uns veranlasst, die Art zunächst als Gymnogeophagus cf. lipokarenos (cf. steht für „vergleiche mit“) anzubieten. Die Farbmerkmale stimmen allerdings gut mit G. lipokarenos überein.

G. lipokarenos ist ein larvophiler Maulbrüter, d.h. die Tiere laichen als Offenbrüter aus Steinen etc. ab und erst die schlupfreifen Larven werden zur weiteren Bebrütung ins Maul genommen. Die Brutpflege wird vom Weibchen ausgeübt.

Bei uns erwiesen sich die Fische aller Altersstufen untereinander als ziemlich friedfertig. Jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe wird willig angenommen, die Wasserwerte spielen offenbar eine untergeordnete Rolle; wir haben in der Anlage weiches Wasser mit einem pH-Wert um 7. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 678031 (6-8 cm), 678032 (8-10 cm) uns 678033 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Casciotta, J. R., A. E. Almirón, Š. Říčanová, K. Dragová, L. Piálek, F. Alonso & O. Říčan (2017): First record of Gymnogeophagus lipokarenos Malabarba, Malabarba & Reis, 2015 (Teleostei: Cichliformes) from Argentina. Ichthyological Contributions of PecesCriollos No. 54: 1-5.

Malabarba, L. R., M. C. Malabarba & R. E. Reis (2015): Descriptions of five new species of the neotropical cichlid genus Gymnogeophagus Miranda Ribeiro, 1918 (Teleostei: Cichliformes) from the rio Uruguay drainage. Neotropical Ichthyology v. 13 (no. 4): 637-662.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus variatus Hawaii

31. Juli 2026

Der Papageienplaty (Xiphophorus variatus) ist im Hobby erheblich seltener vertreten als der Gewöhnliche Platy (X. maculatus). Es gibt auch viel weniger Zuchtvarianten des Papageienplatys. Eine dieser Zuchtvarianten ist allerdings unter den farblich schönsten Lebendgebärenden überhaupt einzurdnen, nämlich der Hawaii-Platy. Er ist im Prinzip die „Tuxedo“-Form des X. variatus. Gute Hawaii-Platys haben eine tiefrote Schwanzflosse, ein breites, schwarzes „Tuxedo“-Band (der Tuxedo ist ein schwarzer Anzug, den man im deutschen Sprachraum als Smoking bezeichnet) und eine goldgelbe Körpergrundfarbe.

Die hohe Rückenflosse (englisch: Highfin) trat als Mutation erstmals bei Schwertträgern (Xiphophorus hellerii) auf; Thelma Simpson berichtete über ihre Tiere 1961 in dem amerikanischen Magazin TFH. Nach ihr heißt die hohe Rückenflosse auch Simpson-Flosse. Sie wurde über Kreuzung auf die beiden Platyarten (X. maculatus und X. variatus) übertragen. Interessanterweise scheinen weibliche Highfin-Platys von besonders hochflossigen Männchen sehr angetan zu sein, obwohl doch für dieses Merkmal in ihrem natürlichen Instinktrepertoire gar keine Verwendung besteht. Erfahrene Züchter kreuzen aber keine Hochflosser untereinander; das Ergebnis befriedigt nämlich oft nicht. Lieber kreuzt man ein normaflossiges Männchen mit einem Highfin-Weibchen. Dabei erhält man prozentual mehr hochflossige Tiere als bei der Verpaarung Highfin-Männchen mit normalflossigem Weibchen. 

In den Berufszüchtereien in Südostasien, von wo die meisten Zuchtformen der Lebendgebärenden im Handel stammen, geht man ziemlich pragmatisch vor. Die Zuchttiere sind zwar nach strengen Kriterien ausgewählt und sehr oft werden dafür sogar auf Genetik spezialisierte Biologen beschäftigt. Aber die Jungtiere werden meist in großen Teichen oder Tanks aufgezogen und erst bei Eintritt der Verkaufsreife sortiert. So entsteht beim Import der sortierten Fische der Eindruck, sie wären reinerbig, was sie aber sehr oft nicht sind, wie man selbst leicht feststellen kann, wenn man zuhause mit ihnen züchtet.

Für unsere Kunden: Hawaii-Platies haben – je nach Größe – Code 442851 (sm) bis 442855 (sh) und die Highfin Variante des Hawaii-Platies 442843 (md-lg) und 442844 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hemiancistrus meizospilos

24. Juli 2026

Die Gattung Hemiancistrus ist – da sind sich eigentlich alle Experten einig – eine so genannte Sammelgattung. Das bedeutet, die in ihr zusammengefassten Arten sind nicht unbedingt nahe miteinander verwandt, sondern teilen lediglich einige äußere Merkmale. Bei Hemiancistrus kommt noch dazu, dass eine gute Defintion der Gattung nicht existiert. Gegenwärtig werden 15 Arten in Hemiancistrus gruppiert. 2015 stellten Armbruster et al. heraus, dass eigentlich nur die Typusart von Hemiancistrus, nämlich H. medians aus dem Einzug des Maroni in Französisch Guyana und Surinam ein „echter“ Hemiancistrus sei. Der ganze Rest sei in andere Gattungen zu stellen, die aber noch definiert und benannt werden müssen. Eine dieser neuen Gattungen soll dann die „Hemiancistrus chlorostictus-Gruppe“ umfassen, mit den Arten „H.“ cerrado (Tocantins-Einzug),„H.“ chlorostictus, ‘„H.“ fuliginosus, „H.“ megalopteryx, „H.“ meizospilos, „H.“ punctulatus und „H.“ votouro. Alle diese Arten kommen, mit Ausnahme von „H.“ cerrado, aus dem Süden Brasiliens und aus Uruguay. Und alle südlichen „Hemiancistrus“ wurden erst spät wissenschaftlich beschrieben, zwischen 1999 und 2008. Aquaristisch sind diese Arten nahezu unbekannt. Wir konnten jetzt erstmals „H.“ meizospilos aus dem Einzug des oberen Rio Uruguay importieren.

Nach Literaturangaben kann „H.“ meizospilos eine maximale Länge von etwa 20 cm erreichen, gehört also zu den mittelgroßen Harnischwelsen. Unsere Tiere sind aktuell zwischen 6 und 12 cm lang. Es gibt nicht zwei Exemplare unter den 30 Tieren unseres Importes, die eine identische Zeichnung haben. Das ist sehr ungewöhnlich. Die Körpergrundfärbung ist ein dunkles Braun, darauf befinden sich helle, gelbliche bis orangefarbene Punkte oder Flecken; die Flossen sind hübsch orangefarben gebändert oder gepunktet. Männchen entwickeln eine starke Beborstung auf dem Brustflossenstachel. Insgesamt ist die Art am ähnlichsten zu „H.“ chlorostictus, bei dem die Punkte aber sehr viel kleiner sind. Die Eingewöhnung bereitete uns keine nennenswerten Probleme. Wir pflegen die Welse in weichem Wasser bei einem pH-Wert um 7 und etwa 24°C. Der Blick ins Maul verrät, dass es sich um Aufwuchsfresser, wie Ancistrus oder Peckoltia handelt. Entsprechend werden die Tiere bei uns gefüttert. Untereinander sind sie gut verträglich.

„Hemiancistrus“ meizospilos könnte ein attraktiver Algenfresser für größere, kühle Südamerika-Aquarien werden, wenn er regelmäßig importiert werden kann oder die Nachzucht glückt. Wir sind gespannt!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255802 (6-9 cm) und 255803 (9-12 cm). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Armbruster, J.W., Werneke, D.C. & Tan, M. (2015) Three new species of saddled loricariid catfishes, and a review of Hemiancistrus, Peckoltia, and allied genera (Siluriformes). ZooKeys, 480, 97–123. https://doi.org/10.3897/zookeys.480.6540 

Text & Photos: Frank Schäfer

Crenicichla tendybaguassu

24. Juli 2026

Der Rio Uruguay ist mit seinen rund 1.800 km Länge ein großer Strom. Er bildet über weite Strecken die Grenze zwischen den Staaten Brasilien, Argentinien und Uruguay. In seinem Unterlauf vereinigt er sich mit dem Rio Paraná zum Rio de la Plata. Das Einzugsgebiet des Rio Uruguay ist also gewaltig. Der Anteil endemischer, also nur dort vorkommender, Fischarten ist hoch. Speziell die Hechtcichliden haben im Rio Uruguay und seinen Zuflüssen eine hohe Artenvielfalt ausgebildet. Die Arten sind zum Teil sehr jung und können oft mit genetischen Methoden (DNS-Analyse) nicht unterschieden werden, sehen aber deutlich unterschiedlich aus. Man spricht in solchen Fällen von Artenschwärmen. Sie haben alle eine gemeinsame Urform, von der sie sich erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit abgespalten haben. Untereinander können sich viele solcher junger Arten noch fruchtbar kreuzen, zumindest in der ersten Generation. Aus solchen Kreuzungen können unter bestimmten Umständen neue Arten entstehen. Man spricht dann von hybridogenen Arten. Im Rio Uruguay stellt der so genannte Crenicichla missioneira-Artenkomplex einen solchen Artenschwarm dar. Er umfasst acht Arten, die jünger als etwa 2 Millionen Jahre sind. Eine davon ist Crenicichla tendybaguassu, die sofort wegen ihrer Wulstlippen ins Auge sticht. Die Arten des Crenicichla missioneira-Artenkomplexes stehen nach wie vor in der Gattung Crenicichla, allerdings in einer Untergattung: Lacustria.

Die seltsamen Wulstlippen von Crenicichla tendybaguassu werfen natürlich sofort die Frage auf, wozu sie denn gut sind. Das Phänomen der Wulstlippen tritt innerhalb der Buntbarsche (Cichlidae) verschiedentlich auf und zwar bei miteinander nicht näher verwandter Arten. Im Tanganjikasee lebt z.B. Lobochilotes labiatus, im Malawisee gibt es gleich mehrere Arten mit wulstigen Lippen, von denen Cheilochromis euchilus am bekanntesten ist. Im Viktoriasee ist es Haplochromis chilotes und im mittelamerikanischen Nicaragua-See Amphilophus labiatus, die derartige Wulstlippen entwickeln. Eine wirklich überzeugende Erklärung für das Phänomen gibt es nicht, lediglich Spekulationen. Man geht aber davon aus, dass es sich um Anpassungen an die Ernährung handelt. Magenuntersuchungen von Crenicichla tendybaguassu haben gezeigt, dass diese Art in der Natur vor allem Insektenlarven frisst. Im Aquarium wühlt die Art gerne im Boden nach Futter. Es gibt übrigens noch eine zweite Art von Wulstlippen-Hechtbuntbarsch: Crenicichla tuca aus dem Rio Iguazú.

Crenicichla tendybaguassu wird etwa 20 cm lang, gehört also zu den mittelgroßen Hechtbuntbarschen. Im Hobby ist er eine absolute Rarität. Die Geschlechter sind nur geringfügig unterschiedlich; Männchen besitzen eine stärkere Tüpfelung der weichen Teile der Rückenflosse und der Schwanzflosse, jedoch ist das bei den relativ jungen Tieren, die wir importieren konnten (12-14 cm lang) kaum zu erkennen. Bei den fotografierten Tieren erkennt man das Männchen an den Punkten unterhalb des Auges, die beim Weibchen fehlen. Untereinander sind C. tendybaguassu halbwegs verträglich, aber man muss sie gut im Auge behalten. Das Pärchen im Fotoaquarium schwamm zunächst ganz gut miteinander, doch das Männchen bekam immer wieder einmal „Wallungen“ und schob das Weibchen mit weit geöffnetem Maul durch das Becken. Es kam zwar zu keinen Beschädigungen, aber wir trauten uns nicht, die zwei über Nacht ohne Aufsicht zusammen zu lassen…

Für unsere Kunden: Die Art hat Code 673544 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Scleromystax sp. C112 Baianinho II

24. Juli 2026

Die „Baianinho“-Panzerwelse stammen aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia. Frei übersetzt bedeutet „Baianinho“  „der Kleine aus Bahia“. Der erste der importierten Baianinho heißt heutzutage Scleromystax lacerdai, der zweite C113. Es gibt aber weitere Formen, die teils ebenfalls aus Bahia stammen, teils aber auch aus anderen Restgebieten des heutzutage nahezu vernichteten früheren brasilianischen Küstenwaldes. Einst bedeckte diese „Mata Atlantica“ als Regenwald von Bahia im Norden bis nach Paraná im Süden die Küstenregion. Die Gewässer dort waren bzw. sind relativ kühle Schwarzwasser führende  Fließgewässer. Man kann sich leicht vorstellen, dass die darin lebenden Fische verschwinden, wenn der Schatten spendende Wald abgeholzt wird. Das tiefbraune Wasser erwärmt sich unter der Sonne der Tropen rasch und das ertragen an kühles Wasser angepasste Fische nicht. Je südlicher, desto kühler kann es sein – das kann als Faustformel für die Wassertemperaturen in Südamerika dienen. 

C112 stammt aus dem Bundesstaat Sao Paulo. Leider kam es in der DATZ bei der Originalvorstellung von C112 und C113 (Heft 10/2003: 34-35) zu einer Verwechslung der Bildunterschriften, wodurch C112 als C113 bezeichnet wurde und umgekehrt. Auch blieb an dem eigentlich aus Sao Paulo stammenden C112 der Handelsname Baianinho II kleben, obwohl er ja gar nicht aus Bahia kommt.  

Wir konnten jetzt nach vielen Jahren wieder einmal Scleromystax importieren, von denen wir denken, dass sie C112 zuzuordnen sind. Diese Tiere stehen Scleromystax barbatus näher als S. lacerdai. Jüngere Exemplare sehen tatsächlich sehr ähnlich zu S. barbatus aus, die Unterschiede liegen in der Marmor-Zeichnung der Flanken. Eines unserer Exemplare, ein jüngeres Weibchen, hat einen markanten schwarzen Strich in der Rückenflosse. Da es sich aber um das einzige Exemplar mit dieser Markierung handelt und es sich ansonsten nicht von den anderen Tieren unterscheidet, halten wir das für eine individuelle Variation.

Die Geschlechter sind bei jüngeren Tieren bis etwa 6 cm Totallänge nicht leicht zu unterscheiden. Dann entwickeln männliche C112 höhere Rückenflossen als die Weibchen. Ein gut zu erkennendes Geschlechtsmerkmal (wenn auch nicht so deutlich wie bei S. barbatus) ist die helle Stirnblesse, die nur die Männchen haben. Wenn es sich wirklich um C112 handelt und nicht um eine weitere Art dieses komplexen Formenkreises, dann sollten die Männchen in Brutstimmung fast schwarz werden. Neben gerade geschlechtsreifen Tieren (ca. 4-6 cm Totallänge) haben wir auch einige wenige größere Tiere (um 7 cm Totallänge) erhalten. Die Pflege entspricht dem, was allgemein über S. barbatus bekannt ist (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/scleromystax-barbarus/)

Für unsere Kunden: C112 hat Code 224022 (Nachzucht), 224032 (wild, lg) und 224033 (wild, xlg-sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hasemania sp. Yurimaguas ( = sp. Orange)

24. Juli 2026

Dieser hübsche Salmler stammt aus Peru. Es ist bislang nicht gelungen, ihn einer der wissenschaftlich beschriebenen Arten zuzuordnen.  Es ist die Färbung der 2-3 cm lange Jungtiere, deren starker orangefarbener Glanz uns an den bekannten Kupfertetra (Hasemania nana) erinnerte, weshalb wir sie zunächst (unser Erstimport erfolgte im Jahr 2011) „Hasemania sp. Orange“ tauften, wohl wissend, dass es sich wahrscheinlich gar nicht um eine Hasemania-Art handelt. Vermutlich handelt es sich um eine unbeschriebene Hemigrammus-Art. Allerdings ist die Systematik der Kleinsalmler Südamerikas gerade derart im Umbruch begriffen, dass es wenig Sinn macht, über Gattungszugehörigkeiten zu spekulieren. Charakteristisch für die Art ist der rote Doppelfleck auf dem Schwanzstiel, in dessen Mitte sich ein weiterer, schwarzer Fleck befindet. Ein Schulterfleck oder eine Körperlängsbinde, wie sie die meisten Kleinsalmler-Arten zeigen, fehlt.

Größer als 3-4 cm haben wir diese Tiere nie gesehen. Inzwischen wurde bekannt, dass die Fische in der Umgebung der Stadt Yurimaguas am Rio Huallaga (Provinz Alto Amazonas in der Region Loreto, Peru) gefangen werden. Vielleicht nimmt sich ja ein auf Salmler spezialisierter Wissenschaftler der Tiere an und versucht sich in der Bestimmung.

Die Pflege ist völlig unproblematisch und entspricht der anderer Kleinsalmler. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das Wasser im natürlichen Lebensraum der Tiere weich und sauer, jedoch ist die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserzusammensetzungen im Aquarium hoch. Gefressen wird jedes maulgerechte Zierfischfutter. Untereinander und zu artfremden Fischen sind die Tiere völlig friedlich. In ungewohnten Situationen suchen diese Salmler die Gesellschaft von Artgenossen, sie sollten also grundsätzlich in Verbänden von 10 der mehr Exemplaren gepflegt werden. Die Weibchen sind plumper und etwas weniger farbig. Über eine gelungene Zucht ist uns nichts bekannt, es sind hier allerdings keine Überraschungen zu erwarten. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 22-28°C liegen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255452 (2-3 cm) und 255453 (3-4 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Leporinus amae

17. Juli 2026

Es gibt sie immer noch, die mythischen Fische. Das sind Arten, von denen nur ganz wenige Exemplare bekannt sind und über die man entsprechend wenig weiß. Zu diesen mythischen Fischen gehört zweifellos auch Leporinus amae. Die Art wurde 1980 anhand von acht Exemplaren beschrieben, die in Brasilien gefangen wurden. Das Typusexemplar stammt aus dem Rio Apuaê, einem Zufluss des Rio Pelotas, der wiederum zum Einzug des Rio Uruguay gehört. Weitere Exemplare stammen aus dem Rio Canoas und dem Rio Caveiras, die gleichfalls zum Einzug des Rio Uruguay gehören. In der gleichen Arbeit wurde vom gleichen Autor übrigens Hypostomus luteus beschrieben. Der Autor – Manuel Pereira de Godoy – untersuchte die Folgen von Staudammbau auf die Fischfauna.

Lange Zeit hörte man anschließend nichts mehr von Leporinus amae. Dann wurde die Art 2013 in der argentinischen Provinz Misiones (ebenfalls im Einzug des Rio Uruguay) wiederentdeckt und detailliert rückbeschrieben (Almirón et al.). Dieser Arbeit waren auch Farbfotos von lebenden Exemplaren dieser maximal 12-15 cm langen Art beigefügt, die das Herz jedes Fischfreundes höher schlagen ließen. 

Jetzt, weitere 13 Jahre später, gelang uns erstmals der Import von fünf Exemplaren dieser legendären Art. Zwischen dem Wunsch, eine Fischart lebend zu Gesicht zu bekommen und der Erfüllung dieses Wunsches liegt nun einmal viel, viel Arbeit. Manchmal klappt es trotzdem nie, manchmal dauert es, wie in diesem Fall, Jahre. Wir freuen uns jedenfalls sehr über die Fische. 

Über das Sozialverhalten können wir nichts sagen, wie halten diese Kostbarkeiten aus Sicherheitsgründen einzeln. Alle fünf Tiere haben ständig eine rote Kehle und ein rot umrandetes Maul, jedoch werden die roten Flecken am Bauch stimmungsabhängig in stark unterschiedlicher Intensität gezeigt – von fast unsichtbar bis zum tiefen Rot, das unser Fotomodel zeigt. Vier der Tiere sind 12-15 cm lang, eines 14-16 cm. Letzteres Exemplar stellt damit das größte bislang bekannt gewordene Individuum dieser Spezies dar. Wir wünschen uns natürlich, dass alle fünf zusammen bleiben und eventuell die Grundlage eines Zuchtstammes dieser spektakulär schönen Art bilden. Dem steht allerdings der leider sehr hohe Preis entgegen, der für diese Seltenheit gefordert wird.

Für unsere Kunden: die 12-15 cm langen Tiere haben Code 265873, das 14-16 cm lange Tier 265874 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Almirón, A. E., Casciotta, J. R., Bruno, M. C., Piálek, L., Doubnerová, K. & O. Říčan (2013): First record and supplementary description of Leporinus amae Godoy, 1980 (Characiformes: Anostomidae) from freshwaters in Argentina. Check List 9(4): 820–822.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma ehrhardti

17. Juli 2026

Es ist sehr lange her, dass wir Hoplisoma ehrhardti, früher Corydoras ehrhardti, zuletzt importieren konnten. Darum steht aktuell immer wieder mal einer von uns mit nostalgischem Lächeln vor dem Aquarium mit den Tieren. Das ist ein bisschen wie das Treffen eines alten Schulkameraden. Die Gründe, warum Hoplisoma ehrhardti so selten im Handel ist, sind vielfältig. Zum einen kamen viele Jahre generell keine Importe mehr aus Südost-Brasilien mehr, weil zu Zeiten der Positiv-Exportlisten (es durften bis vor wenigen Jahren ausschließlich auf diesen Listen aufgeführte Arten exportiert werden) einige der wichtigsten Wirtschaftsfische der Region schlicht vergessen wurden. In Folge dessen mussten die Exporteure ihre Betriebe aufgeben. Die Zierfischfänger mussten sich andere Jobs suchen. Jetzt, wo mit Negativ-Exportlisten gearbeitet wird (es dürfen also nur solche Arten, deren Export ausdrücklich verboten ist, nicht in den Handel gelangen), muss die Infrastruktur erst mühselig wieder aufgebaut werden. Und auch erfahrene Zierfischfänger, die wissen, wie man schonend kleine Fische fängt und transportiert, wachsen nicht auf Bäumen. Zusätzlich sind viele Fundorte inzwischen in Vergessenheit geraten. Und schließlich gehören die schlichter gefärbten Arten der Region nicht in die oberste Prioritäten-Kategorie.

An und für sich ist Hoplisoma ehrhardti ein alter Bekannter, der bereits um 1970 in unsere Aquarien kam. Er blieb aber immer ein Fisch für Spezialisten. Für ein großes Publikum ist die Ähnlichkeit zu Hoplisoma paleatum, dem Marmorierten Panzerwels, zu hoch. Und jene Art ist ja immer und für deutlich niedrigere Preise im Handel verfügbar. Tatsächlich sind H. ehrhardti und H. paleatum wohl auch eng verwandt und aquaristisch sind sie absolut vergleichbar. Ganz grundsätzlich sollte man H. ehrhardti in Gruppen pflegen. Das Wasser sollte sauber sein und eine gute Strömung aufweisen. Die Art ist recht empfänglich für bakterielle Erkrankungen. Die Wassertemperatur kann sich im Bereich von 16-22°C bewegen. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter.

Hoplisoma ehrhardti wird etwa 6-7 cm lang und stammt aus Küstenflüssen, die hydrologisch zu dem Einzug des Iguaçu (Brasilien: Santa Catarina und Paraná; Argentinien) gehören. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit dem im gleichen Gebiet lebenden H. paleatum, der immer eine deutlich gestreifte Schwanz- und Rückenflosse hat (beide sind bei H. ehrhardti farblos oder höchstens ganz zart gestreift) hat. In Importen von wilden H. paleatum, die als Beifang gelegentlich H. ehrhardti enthalten, sind die H. paleatum gewöhnlich stark „gepfeffert“, haben also zahlreiche kleine Pünktchen. Die Flankenflecken sind bei H. paleatum keilförmig in Richtung Schwanzflosse ausgezogen, bei H. ehrhardti nicht in diesem Maße. Alles in allem ist H. ehrhardti zierlicher und schlanker als H. paleatum. Und schließlich gibt es noch eine dritte Verwechslungsart, H. sp. C114 aus der Umgebung von Curitiba  im Bundesstaat Paraná, bei dem die Schwanzflosse oft deutlich, die Rückenflosse aber immer nur undeutlich gestreift ist. Körperform entspricht der von H. paleatum. Es gibt auch C114 mit völlig farblosen Flossen, was die Bestimmung nicht immer einfach macht. Der besondere Reiz für spezialisierte Panzerwelsfreunde liegt nun darin, die Unterschiede in Verhalten und ökologischen Vorlieben dieser Arten vergleichend zu studieren. 

Für unsere Kunden: Hoplisoma ehrhardti haben Code 228002 (wild, md-lg), 228003 (wild, lg) und 228004 (wild, lg-xlg) und 228023 (Nachzucht, lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Channa asiatica

17. Juli 2026

Channa asiatica ist eine variantenreiche Art oder, wie man es heute eher sieht, ein Artenkomplex von anatomisch nicht voneinander trennbarer Arten, die sich jedoch farblich manchmal recht deutlich unterscheiden. In der Vergangenheit wurden immerhin 12 Arten wissenschaftlich beschrieben, die gegenwärtig allesamt als Synonyme zu Channa asiatica gelten.

Weil von wissenschaftlicher Seite von lediglich einer Art ausgegangen wird, kam es bei der Nachzucht solcher Fische im Aquarium aber auch zu Speisezwecken häufiger zu Vermischung verschiedener Fundortstämme, was wiederum zu Selektionszuchten und Zuchtformen führt oder zumindest führen kann. Channa asiatica ist zwar eine relativ kleine Fischart, aber aufgrund ihrer Fähigkeit, Luft zu atmen, ein sehr zählebiger Speisefisch. Daher wurde dieser Schlangenkopffisch schon seit langer Zeit (wahrscheinlich Jahrhunderte lang) als Speise- und Besatzfisch über weite Regionen verbreitet. Das macht die Beurteilung von Lokalvarianten aus wissenschaftlicher Sicht besonders kompliziert.

Ursprünglich lebte Channa asiatica wohl in Vietnam und im südlichen China (mit vorgelagerten Inseln). Tatsache ist, dass in dem großen Verbreitungsgebiet sehr unterschiedlich aussehende Tiere auftreten. Das betrifft die Färbung, aber auch die Größe. Die Maximallänge von C. asiatica wird manchmal mit 40 cm angegeben, die wissenschaftliche Datenbank „FishBase“ gibt 23,5 cm Totallänge (also mit Schwanzflosse) als Maximalgröße und als Normalgröße zu Speisezwecken gefangener Tiere weniger als 10 cm an. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Man sollte allerdings grundsätzlich davon ausgehen, dass solche Fische im Aquarium, wo sie länger leben und besser versorgt sind als in der Natur, eher in die Richtung „größer“ als „kleiner“ wachsen.

In der westlichen Welt ist Channa asiatica unter Aquarianern für seine Unberechenbarkeit berüchtigt. Selbst Paare, die schon häufiger miteinander Jungtiere hatten (die Art baut kein Nest, die Eier werden an der Wasseroberfläche abgelegt und von beiden Eltern betreut) können sich nach Jahren harmonischen Zusammenlebens plötzlich zerstreiten und dann bis zum Tode bekämpfen. Darum findet man C. asiatica (im weitesten Sinne) nur sehr gelegentlich im Zierfischhandel, obwohl die Tiere sehr schön sein können. 

Die Channa asiatica, deren Bilder diesen Post illustrieren, kamen aus Taiwan zu uns. Es handelt sich um ein Paar von etwa 15 cm Totallänge, das hellere Exemplar ist das Weibchen.

Schlangenkopffische sind Individualisten, man muss, wenn man sich zu ihrer Pflege entschließt, immer mit Überraschungen rechnen. Die chemische Wasserzusammensetzung ist für Pflege und Zucht belanglos. Als subtropischen Fischen muss man C. asiatica ein dem Laufe der Jahreszeiten angepasstes Temperatur- und Lichtregime bieten: im Winter 10-15°C bei Kurztagsbeleuchtung (weniger als 10 Stunden Licht/Tag) und im Sommer 25-30°C bei Langzeitbeleuchtung (mindestens 14 Stunden Licht am Tag). Bei Temperaturen über 22°C sollte über eine Einzelhaltung nachgedacht werden, weil die Tiere dann besonders aggressiv sein können. Gefressen wird jedes kräftige Futter fleischlichen Ursprungs, es kann getrocknet sein (z.B. Cichlid Sticks), gefrostet oder lebend. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 409230 (2-3 cm) bis 409237 (25 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Harttia cf. longipinna

17. Juli 2026

Aus der artenreichen Gattung Harttia – aktuell werden 28 Arten unterschieden – kommt kaum jemals eine in unsere Aquarien. Die Fische sind relativ enge Verwandte der beliebten Störwelse (Sturisoma und Sturisomatichthys) und ähneln ihnen in vielen Verhaltensweisen, sind jedoch erheblich anspruchsvoller. Harttia benötigen zum Gedeihen sehr sauberes, sauerstoffreiches und manchmal warmes, manchmal kühles Wasser; letzteres ist offenbar artspezifisch. Zudem sollte feines Futter, wie es der natürlichen Nahrung der Fische (Aufwuchs, also Algen und die darin lebenden Kleinstorganismen) entspricht, den Hauptanteil in der Ernährung darstellen. Bereits geringfügige Pflegefehler sind für solche Fische fatal. Es liegt auf der Hand, dass bereits Fang und Transport besondere Herausforderungen mit sich bringen. Gesunde Tiere sind andererseits im Aquarium sogar schon zur Zucht gebracht worden.

Kürzlich konnten wir aus Südost-Brasilien einen größeren Import organisieren. Das gab es schon lange nicht mehr und ichthyologisch hat sich in den letzten Jahren viel getan in der Region – entsprechend schwierig gestaltete sich die Bestimmung mancher der Arten. Die aktuellste Arbeit über Harttia (Caldas et al., 2022) bietet dazu für die Harttia-Arten Südost-Brasiliens die aktuellste Bestimmungsorientierung. Man unterscheidet bei Harttia ganz allgemein drei Gruppen, die sich durch die Beschilderung der Bauchregion unterscheiden. Eine Gruppe hat eine völlig unbeschilderte Bauchseite (14 Arten), eine zweite Gruppe eine teilweise beschilderte Bauchseite (7 Arten) und eine dritte Gruppe eine vollständig beschilderte Bauchseite (7 Arten). Einige Spezies der letzten Gruppe wurde wegen dieser Bauchbeschilderung lange Zeit in der Gattung Cteniloricaria geführt. Von Cteniloricaria unterscheidet sich Harttia nach aktueller Auffassung u.a. dadurch, dass die seitlichen Platten am Schwanz keinen scharfen Kiel aufweisen.

Aufgrund der Bauchbeschilderung identifizierten wir unsere Fische als Harttia longipinna. Da uns jedoch der genaue Fundort unbekannt ist und sich etliche Harttia-Arten doch sehr ähneln, haben wir sicherheitshalber ein „cf.“ (latein, bedeutet, „vergleiche mit“) eingefügt, denn absolut sicher können wir uns bei dieser Bestimmung nicht sein. Wichtig erscheint uns allerdings der Hinweis bei Caldas et al., 2022, dass von den Harttia-Arten des südöstlichen Brasiliens die meisten in kühlen (für H. canastra z.B. 12,4-23°C Wassertemperatur), relativ schnellfließenden und relativ kleinen Fließgewässern vorkommen. Nur eine Art – H. longipinna – soll, wie die amazonischen Harttia-Arten in größeren und wärmeren Fließgewässern leben. Da unsere Importfische trotz der aktuell (Juni/Juli 2026) hohen Temperaturen keinerlei Unwohlsein erkennen lassen, spricht auch dies für die Richtigkeit unserer Bestimmung.

Auffällig und in der uns bekannten Literatur bislang nicht erwähnt ist, dass es bei uns dunklere und hellere Exemplare gibt. Die Bauchbeschilderung ist bei beiden gleich. 

Genau wie die Sturisoma und Sturisomatichthys sind Harttia keine Höhlen-, sondern Offenbrüter. Die Eier werden bevorzugt an stark überströmten Steinen abgelegt und vom Männchen bis zum Schlupf bewacht. Geschlechtsunterschiede scheinen sich bei Harttia oft darauf zu beschränken, dass die Männchen einen breiteren Kopf und einen breiteren, bestachelten ersten Brustflossenstrahl besitzen, aber es gibt auch Arten, bei denen die Männchen zumindest zeitweise eine kräftige Bestachelung seitlich am Schwanz entwickeln, so z.B. H. leiopleura. Für H. longipinna beschreiben die Autoren außerdem, dass die Männchen eine längere Afterflosse als die Weibchen haben. Die Aufzucht der Jungen entspricht in groben Zügen der der Störwelse.

Alles in allem sind Harttia Fische für wirklich erfahrene Aquarianer, die eine Herausforderung suchen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255392 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Caldas, L., A. M. Cherobim & F. Langeani (2022): A new species of Harttia from the rio São Francisco basin (Siluriformes: Loricariidae). Neotropical Ichthyology v. 20 (no. 4): e220051: 1-19.

Langeani, F., O. T. Oyakawa & J. I. Montoya-Burgos (2001): New species of Harttia (Loricariidae, Loricariinae) from the Rio São Francisco basin. Copeia 2001 (no. 1): 136-142.

Seidel, I. (2010): Ingos Harnischwelszucht. Tetra Verlag, Berlin-Velten, 272 pp 

Text & Photos: Frank Schäfer

Xenotoca doadrioi

17. Juli 2026

Früher kannte man diesen besonders hübschen Banderolenkärpfling (Xenotoca doadrioi) unter der Bezeichnung „Xentotoca eiseni San Marcos“. Leider ist die Art, die erst im Jahr 2016 „offiziell“ als eigenständige Spezies beschrieben wurde, hochgradig vom Aussterben bedroht. Über 50% der ursprünglich bekannten Populationen sind bereits verschwunden, bei Rest zeigt sich ein steter Abwärtstrend. Die Ursachen sind immer die gleichen: Gewässerverschmutzung durch die Landwirtschaft und hoher Konkurrenzdruck durch gebietsfremde Fische (Pseudoxiphophorus bimaculatus und Tilapia), die mit den veränderten Umweltbedingungen zudem erhablich besser zurecht kommen als X. doadrioi. Der Fang zur Aquarienpflege hat keinerlei Einfluss auf die wildlebenden Bestände. Sämtliche im Hobby vertreten Exemplare sind außerdem Nachzuchten. 

Wir haben immer wieder einmal Xenotoca doadrioi im Stock, so dass sich jeder Aquarianer, der zuhause etwas Artenschutz betreiben will, betätigen kann. Es handelt sich um einen außerordentlich bunten Stamm, sogar die Weibchen haben etwas Rot im Schwanzstiel! Pflege und Zucht sind nicht schwierig. Man achte bei diesen Tieren auf möglich wenig belastetes Wasser bei guter Strömung, mittleren Härtegraden und einem stabilen pH Wert, am besten um 7,5-8. Großzügige (60-70% des Beckeninhalts) Wasserwechsel tun den Tieren sehr gut. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter, dabei sollte Grünfutter einen guten Anteil ausmachen. Man gibt das entweder in Form speziell pflanzlichen Flockenfutters oder auch in Form überbrühter Salatblätter, Löwenzahnblätter, Vogelmiere oder dergleichen. Die Fische sind lebendgebärend. Bei der Geburt haben die Jungtiere noch die merkwürdigen „Nährschnüre“ (Trophotaenien) am Bauch, die im Mutterleib – ähnlich wie die Nabelschnur bei Säugetieren – den Embryo mit Nährstoffen versorgen. Xenotoca sind sehr lebhafte Fische, die am besten in großen Aquarien gedeihen. Die Temperatur sollte im Jahresverlauf schwanken. Wichtig ist eine Art „Winterpause“ bei Wassertemperaturen von 17-20°C. Über 25°C sollte die Temperatur dauerhaft nicht steigen. Eine Freilandhaltung in den warmen Monaten, in denen ein Absinken der Temperatur unter 17°C nicht zu befürchten ist, tut der Gesundheit dieser Fische sehr gut. 

Wir haben einen kleinen Film eingestellt, der unsere Tiere zeigt: https://www.facebook.com/AquariumGlaser/videos/583392523143542

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 476511 (sm) und 476513 (md-lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Scleromystax sp. C113

10. Juli 2026

Die Panzerwelse der Gattung Scleromystax sind speziell. Sie beeindrucken teils durch ihre Größe, manche durch ihre Farbigkeit, wieder andere durch die im männlichen Geschlecht stark vergrößerten Flossen. Gegenwärtig unterscheidet man im Hobby acht wissenschaftlich beschriebene Arten, zwei C-Nummern und sieben CW-Nummern. Alle Arten stammen aus küstennahen Fließgewässern des südöstlichen Brasiliens. Sie wollen es zumindest zeitweise deutlich kühler, als man das gemeinhin gewöhnt ist. Viele Jahre gab es keine Zierfischexporte aus dem Südosten Brasiliens. Seit einiger Zeit versuchen aber engagierte Exporteure, das zu ändern. Darüber freuen wir uns sehr! Aber noch sind viele der Arten, die wir von dort anbieten können, nur sehr unregelmäßig, in kleinen Stückzahlen und hohen Preisen verfügbar, so auch Scleromystax sp. C113, der etwa 200 km südlich von Salvador de Bahia stammt.

Die bekannteste Art der Gattung Scleromystax ist sicher S. barbatus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/scleromystax-barbatus-4/) und das ist auch die einzige Art, die regelmäßig nachgezüchtet wird. Aber auch der hier vorgestellte C113 kam bereist früher ab und zu in die Aquarien der Liebhaber. Der Name „Baianinho“ bedeutet soviel wie „der Kleine aus Bahia“, dem brasilianischen Bundesstaat, aus dem diese Fische stammen. Die Färbung von S. lacerdai, der vor seiner wissenschaftlichen Benennung als „Baianinho I“ bezeichnet wurde, ist ähnlich zu der von C113, aber S. lacerdai bleibt mit maximal 5 cm Länge deutlich kleiner; C113 kann im männlichen Geschlecht bis zu 8 cm Länge erreichen. Zusätzlich bestehen Farbunterschiede. Das Aussehen von C113 ist ziemlich variabel. Sehr ähnlich ist CW38. Man sollte daher keine Exemplare aus unterschiedlichen Importen zur Zucht verwenden, sondern immer nur mit Tieren der gleichen Sendung züchten. Nur so kann halbwegs sicher gestellt werden, dass keine Aquarienstämme aus unerwünschten Hybriden entstehen.

Die Pflege und auch die Zucht dieser Panzerwelse gelingen recht gut, doch sind die Fische definitiv keine Einsteigertiere. Um sie langfristig in guter Kondition zu erhalten ist eine äußerst gute Wasserhygiene nötig. Die Wassertemperatur sollte zudem zumindest einige Monate im Jahr deutlich unter 18°C liegen. 

Die Männchen von C113 entwickeln sehr lang ausgezogene Brustflossen und eine deutlich höhere Rückenflosse als die Weibchen; sie werden auch größer. Es bestehen deutliche farbliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Auf den Fotos ist leider nur ansatzweise zu sehen, dass die helle Rückenpartie  der Tiere herrlich neongrün leuchtet. Das ist eine Frage der Beleuchtung und in geblitzten Fotos nur schwer darstellbar. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 293183 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Serrasalmus marginatus

10. Juli 2026

Ein Import aus Südost-Brasilien bescherte uns u.a. einige Exemplare eines aquaristisch bislang noch kaum in Erscheinung getretenen Piranhas, nämlich Serrasalmus marginatus. Es erscheint uns jedenfalls wahrscheinlich, dass es sich um diese Art handelt, die in den Fluss-Systemen des Parana-Paraguay und des Uruguay verbreitet ist. Sehr ähnlich sind u.a. S. irritans aus dem Orinoko (Kolumbien und Venezuela), siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/serrasalmus-irritans/ und der erst kürzlich beschriebene S. magallensi aus Bolivien. Auch der gerade erst beschriebene S. castellonae – wiederum aus Bolivien – sieht ähnlich aus. Wenn man bedenkt, dass die wissenschaftliche Arbeit, in der S. castellonae beschrieben wird, 19 Seiten umfasst, die Beschreibung von S. magallensi 24 Seiten, und das bei einer wissenschaftlichen Ausdrucksweise, kann man ermessen: viele Piranha-Arten sind einander wahnsinnig ähnlich und selbst für Wissenschaftler bedarf es extrem ausführlicher Ausführungen, um die Unterschiede halbwegs plausibel zu machen.

Für uns ist es die Kombination aus Herkunft, Körperform und Afterflossenfärbung, die uns zu dem Schluss bringt, dass es sich bei unseren aktuellen Importen um S. marginatus handelt. Bei der Beschreibung von S. castellonae zeigen die Bearbeiter einmal mehr auf, wie wichtig die Schwanzflossenfärbung ist, um Verwechslungen zwischen nahe verwandten Arten zu vermeiden. Ausgerechnet dieses Merkmal ist aber bei S. marginatus bislang nur unzureichend untersucht. Die Art wurde bereits 1837 wissenschaftlich benannt und es gibt auch eine sehr schöne, farbige Abbildung des vermutlichen Typusexemplares. Auch die drei Orginalexemplare aus dem Rio de la Plata in Argentinien, die von d´Orbignyi 1826-1833 gesammelt und zur Beschreibung von S. marginatus benutzt wurden, existieren noch im Pariser Museum. Aber das wichtige Detail, ob der hintere Schwanzflossenrand farblos oder schwarz ist, lässt sich daran nicht zweifelsfrei erkennen. Darum ist es durchaus möglich, dass die Tiere, die wir aktuell S. marginatus zuordnen, in Zukunft einmal anders bestimmt werden.

Ungeachtet dessen: unsere Exemplare sind gegenwärtig 12-15 cm lang. Wir halten sie einzeln, denn Piranhas dieser Verwandtschaftsgruppe gelten als Einzelgänger und Flossenfresser. Die Maximallänge für S. marginatus wird in der Literatur mit 30 cm angegeben.

Wir freuen uns, dass wir diesen so selten angebotenen Piranha in schönen Exemplaren importieren konnten. Es sind selbstverständlich Fische für Spezialisten, die niemals eine nennenswerte aquaristische Bedeutung erlangen werden. Aber trotzdem: sie stellen ein Puzzleteil dar, der helfen kann, das nach wie vor nur unbefriedigende Wissen um Piranhas zu erweitern.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 292305 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Gallo-Cardozo, F., M. Maldonado, M. Careaga & F. M. Carvajal-Vallejos (2024): A new species of Piranha (Serrasalmus, Serrasalmidae) from the upper Madeira River system, Amazon basin, Bolivia. Journal of Ichthyology v. 64 (no. 3): 386-409.

Gallo-Cardozo, F., M. Careaga & F. M. Carvajal-Vallejos (2025): A new cryptic species of Piranha Serrasalmus (Serrasalmidae) from the Bolivian Amazon, upper Madeira River system. Journal of Ichthyology v. 65 (no. 4): 574-592.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pethia stoliczkana (früher Barbus stoliczkanus oder Puntius stoliczkanus)

10. Juli 2026

Lange Zeit glaubte man, die Sonnenfleckbarbe, Pethia stoliczkana, stamme nur aus Burma; inzwischen gilt sie aber als relativ weit in Südostasien verbreitet und wissenschaftliche Datenbanken führen sie als in den Einzugsgebieten der Flüsse Chindwin-Irrawaddy, Mae Klong, Chao Phraya und Mekong in den Staaten Indien, Burma ( = Myanmar), Thailand, Laos und China (Yunnan) vorkommend. Sie war bis in die 1960er Jahre ein beliebter Aquarienfisch, da die Tiere sehr temperaturtolerant sind und keine Heizung im Aquarium benötigen. Später wurde sie von bunteren Arten verdrängt und heute ist sie eine aquaristische Seltenheit. Früher wurde sie meist noch als Unterart der Zweipunktbarbe, Pethia ticto, angesehen und viele angebliche Fundortmeldungen von P. ticto außerhalb Indiens beziehen sich in Wirklichkeit auf P. stoliczkana.

Die Bilder in diesem Post zeigen Naturentnahmen aus Burma; Die Weibchen unterscheiden sich von den Männchen durch die farblosen Flossen. Aquaristisch entspricht die Sonnenfleckbarbe vollkommen der bekannten Odessabarbe, Pethia padamya (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/pethia-padamya-wild/), mit der sie offenbar auch gelegentlich gemeinsam vorkommt. Dabei ist aber nicht ganz klar, ob die beiden doch sehr eng verwandten Arten nur im gleichen Verbreitungsgebiet leben, aber sich ökologisch trennen, oder ob sie tatsächlich zusammen im gleichen Biotop angetroffen werden

Die Pflege und auch die Zucht dieser schönen Barbe sind völlig problemlos. Leider zeigen die Jungtiere aber nur silbrige Farbtöne, weshalb sie heutzutage nur schwer zu vermarkten sind. Die Wasserwerte sind belanglos, jedes als Trinkwasser geeignete Wasser eignet sich auch zur Pflege dieser Fische. Die Wassertemperatur kann zwischen 14 und 28°C liegen, etwas mehr oder weniger schaden auch nicht, wenn es nur nicht allzu lange andauert oder abrupt eintritt. Gefressen wird einfach alles, was für Zierfische in Frage kommt. Es besteht auch ein Bedürfnis, pflanzliche Kost zu sich zu nehmen. Dem kann man leicht durch geeignete Flockenfutter etc. entsprechen. Tut man dies allerdings nicht, so werden zarte Wasserpflanzen angeknabbert. Man sollte Barben allgemein nicht zu steril halten. Mulm, also das Gemenge aus abgestorbenen Pflanzenresten, Kot usw. ist ein wichtiger und essentieller Nahrungsbestandteil vieler Barben und zu ihrem gesunden Lebens (Darmbiom) sehr wichtig. Damit sich die Tiere optimal ausfärben und auch ihr ganzes Verhaltensspektrum zeigen, sollten sie niemals in Gruppen von weniger als 10-12 Exemplaren gepflegt werden. Die Größe von Pethia stoliczkanus beträgt ca. 5-6 cm. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 372304 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Panque suttonorum ( = P. suttoni)

10. Juli 2026

In den 1980er Jahren war der Blauaugen-Panaque einer der häufigsten Harnischwelse im Handel. Der korrekte Name lautet übrigens Panaque suttonorum. Aus unbekannten Gründen sind die Tiere heutzutage kaum noch erhältlich. Es gibt eine Menge Gerüchte, die besagen, eine Umweltkatastrophe sei schuld oder dass ein Verrückter den Fluss vergiftet hätte oder dass die kolumbianische Drogenmafia das Fanggebiet kontrolliert. Sei dem, wie es ist, ausgestorben kann die Art glücklicherweise nicht sein, denn wir bekommen gelegentlich einige wenige Exemplare aus Kolumbien. Zuletzt hatten wir übrigens ein sehr großes Tier, 35-40 cm lang, hier, das sehr schnell einen begeisterten Abnehmer fand…

Die unterschiedlichen Schreibweisen des Artnamens (suttoni/suttonorum) beruhen auf der lateinischen Grammatik. Der Beschreiber der Art, Leonard P. Schultz, benannte die Art 1944 zu Ehren von Dr. und Mrs. Frederick A. Sutton, denen Schultz für ihre Gastfreundschaft in der Zeit, in der er im Lager der Lago Petroleum Corporation am Maracibo-See in Venezuela lebte, sehr dankbar war. Die Art wurde also zu Ehren von zwei Personen beschrieben, ergo muss der Genetiv plural angewendet werden, der auf -orum endet, während die Endung -i den Genetiv singular darstellt.

Wie alle großen Panque brauchen auch dieser weiches Holz als Grundnahrungsmittel, dazu gibt es Gemüse aller Art. Frost-, Granulat- und Flockenfutter, auch Futtertabletten, werden gerne angenommen, sollten aber, um Verfettung der Organe zu verhindern, nur als Zusatzfutter, nicht als Hauptnahrung gegeben werden. Eine sehr (!) gute Filterung ist wichtig, die Holznahrung ist sehr nährstoffarm, es entstehen darum große Kotmengen. Erwachsene Panaque können untereinander unverträglich werden. Große Aquarien, in denen die Fische gemeinsam aufwachsen, verhindern gewöhnlich ernsthafte Auseinandersetzungen. Dennoch können laichbereite Männchen die schwächeren Weibchen unter Umständen extrem drangsalieren, was im Extremfall zum Tod des unterdrückten Tieres führen kann. Wer sich zur Pflege einer Gruppe dieser herrlichen Welse entschließt, sollte darum über Ausweichbecken verfügen, falls Unverträglichkeiten beobachtet werden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe –  hat Code 275001 (6-8 cm) bis 275009 (35-40 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Saxatilia britskii

3. Juli 2026

Die Gattung Saxatilia wurde bis vor kurzer Zeit noch der großen Sammelgattung Crenicichla zugeordnet. Saxatilia umfasst die Arten, die im deutschsprachigen Raum als „Felsenkammbarsche“ bezeichnet werden und so bekannte Arten wie S. lepidota oder S. saxatilis  enthält. Die Gattung ist recht artenreich; 38 wissenschaftliche Namen werden mit ihr in Verbindung gebracht, davon werden aktuell aber nur 23 allgemein akzeptiert. Zu den Arten, die in jüngerer Zeit in die Synonymie verbannt wurden, gehören auch aquaristisch bekannte Formen, wie S. cardiostigma (gilt aktuell als Synonym zu S. alta) oder S. edithae (wird gegenwärtig als Synonym zu lepidota gesehen). Viele der Arten sehen sich außerordentlich ähnlich und sind selbst für Spezialisten kaum auseinander zu halten. So etwas steht einer weiten aquaristischen Verbreitung grundsätzlich immer im Wege, zumal Hechtcichliden wegen ihres teils recht ruppigen, immer aber etwas räuberischen Verhaltens ohnehin nur wenige Liebhaber haben.

So kommt es, dass einige der bereits länger beschriebenen Arten aquaristisch praktisch unbekannt geblieben sind. Unter ihnen befindet sich der 1982 aus einem kleineren Fließgewässer, das zum Einzug des Rio Tiete im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo gehört, beschriebene S. britskii. So weit wir das recherchieren konnten gibt es keinen einzigen Pflegebericht zu der Art in der aquaristischen Fachliteratur und auch kein Aquarienfoto von der Spezies. Wir haben nun aus dem Bundesstaat Sao Paulo Saxatilia importieren können, bei denen es sich nach der Aussage des Exporteurs um S. britskii handelt. Wir finden keine Hinweise, die dem widersprechen würden und bieten die Tiere entsprechend unter diesem Namen an.

Saxatilia britskii ist ein sehr typischer Vertreter seiner Gattung. Bezüglich der Färbung entspricht er dem, was man ganz allgemein gewohnt ist: ein großer Schulterfleck, ein Muster aus vertikal verlaufenden hellen Binden, ein dunkler Längsstreifen, ein Schwanzwurzelfleck. Unter dem Auge befindet sich ein kommaförmiger Strich, die Binde hinter dem Auge ist breit und deutlich ausgebildet und endet in einem vertikalen Strich entlang des Kiemendeckels. Kullander betont in der Erstbeschreibung, dass S. britskii sich in allererster Linie durch Farbunterschiede von S. lepidota aus Paraguay unterscheidet. 

Mit maximal 15 cm Länge gehört S. britskii zu den mittelgroßen Vertretern der Hechtcichliden; in der Natur bleiben sie gewöhnlich deutlich kleiner (um 10 cm). Zu Pflege und Zucht können wir nur vermuten, dass sich hier alles nach typischer Saxatilia-Manier abspielt. Die Tiere sind unempfindlich bezüglich der Wasserhärte und des pH-Wertes, jedes Trinkwasser eignet sich, nur allzu sauer (pH unter 6)  sollte es nicht sein. Die Wassertemperatur kann zwischen 18 und 26°C liegen und im jahreszeitlichen Verlauf nicht konstant sein. Saxatilia sind unkomplizierte Fresser, die mit grobem Frost- und Lebendfutter und auch Pellets und Cichlid-Sticks leicht zu ernähren sind. Auch kleine Fische werden als Futter angesehen. In ausreichend großen Aquarien (ab ca. 150 cm) hält sich das Aggressionspotential in Grenzen, darf aber nie unterschätzt werden, zumal es hier offenbar erhebliche individuelle Unterschiede gibt. Paare finden sich am besten aus einer Gruppe gemeinsam aufgezogener Jungtiere. Alle Saxatilia sind – soweit bekannt – Höhlenbrüter mit Elternfamilie.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 669082 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tatia / Centromochlus orca ( = Ninja)

3. Juli 2026

Als vor einigen Jahren die ersten schwarz-weißen „Tatia“ im Zierfischhandel erschienen, wurden sie als Sensation gefeiert. Man identifiszierte diese aus Brasilien stammenden Fische als Tatia musaica. Im Jahr 2017 veröffentlichte ein Wissenschaftler-Team eine Studie über Centromochlus-Arten und beschrieb die bisher als Tatia musaica bekannte Art aus Brasilien (Einzug des Rio Nhamunda) als neue Art Centromochlus orca. Sie bestätigten allerdings Tatia musaica als gültige Art aus dem Rio Orinoko. Der „echte“ Tatia musaica unterscheidet sich farblich durch den höheren Schwarzanteil in der Färbung von C. orca (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/tatia-musaica-centromochlus-musaicus/). Verwunderung rief hervor, dass diese beiden einander so ähnlichen Arten in unterschiedlichen Gattungen untergebracht wurden. 

Leider hatte dieses Wissenschaftler-Team eine Arbeit von Steven Grant aus dem Jahr 2015 übersehen, in der Grant mehrere neue (Unter-)Gattungen aufstellte, darunter Sauronglanis für die damals als T. musaica  identifizierte Art. Jetzt gab es also schon drei Gattungsnamen für die kleinen (5-6 cm langen) schwarz-weißen Tatias!

Ein weiteres Wissenschaftler-Team veröffentlichte 2019 eine Studie über die verwandtschaftlichen Zuordnungen der Trugdornwelse, in der beide Arten (orca und musaica) wieder zu Tatia gestellt wurden, Sauronglanis wurde zum Synonym von Tatia erklärt.

Das blieb nicht unwiedersprochen; in einer 2020 veröffentlichten Studie wurden beide Arten wieder umgruppiert und diesmal in Centromochlus gestellt, sollten jetzt also C. orca und C. musaicus heißen. Und Grant ist noch nicht überzeugt, dass seine Gattung Sauronglanis wirklich ein Synonym ist, wie er in seinem 2021 erschienenen Buch über Bratpfannen-, Dorn- und Trugdornwelse schreibt.

Ungeachtet, wie man sie nun „vorneherum“ nennt: die schönen schwarz-weißen Trugdornwelse sind empfehlenswerte Aquarienfische. Sie mögen entsprechend ihrer Herkunft etwas höhere Temperaturen (26-30°C), das ist vor allem bei der Eingewöhnung wichtig. Kühler gepflegte Tiere neigen stärker zu Ichthyophthirius-Infektionen als wärmer gepflegte. Da Tatia/Centromochlus grundsätzlich nachtaktive Tiere sind, halten sie sich gerade am Anfang viel versteckt, so dass man eine Infektion oft erst bemerkt, wenn der Fisch schon wie Forelle Müllerin aussieht und stark geschwächt ist. 

Tatia/Centromochlus sind von Haus aus Insektenfresser, die in der Natur nachts auf das Wasser gefallene Landinsekten von der Wasseroberfläche holen; im Aquarium sind sie jedoch nicht sehr wählerisch und fressern Frost- und Lebendfutter und auch Granulate. Man sollte nur nicht zu fettreich füttern und Ballaststoffe sind wichtig. Alle Tatia/Centromochlus sind Höhlenbrüter mit innerer Befruchtung, d.h. die Weibchen legen ihre Eier in Abwesenheit des Männchens ab. Tatia/Centromochlus sind friedliche Fische, die sowohl mit Artgenossen wie auch mit artfremden Fischen grundsätzlich gut auskommen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 295851 (3-5 cm) und 295852 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Literatur:

Calegari, B. B., Vari, R. P. & R. E. Reis (2019): Phylogenetic systematics of the driftwood catfishes (Siluriformes: Auchenipteridae): a combined morphological and molecular analysis. Zoological Journal of the Linnean Society v. 187 (no. 3): 661-773.

Grant, S. (2015): Four new subgenera of Centromochlus Kner, 1858 with comments on the boundaries of some related genera (Siluriformes: Auchenipteridae: Centromochlinae). Ichthyofile No. 3: 1-16.

Grant, S. (2021): Banjos, Dorads and Woodcats. Aspredinidae, Doradidae and Auchenipteridae Catfishes. ATS-Aquashop, Neustadt am Rübenberge: 1-300.

Sarmento-Soares, L. M., Lazzarotto, H., Rapp Py-Daniel, L. H. & R. P. Leitão (2017): A new Centromochlus Kner, 1858 (Siluriformes: Auchenipteridae: Centromochlinae) from the transition between Amazon floodplain and Guiana shield, Brazil. Neotropical Ichthyology v. 14 (no. 4): 1-11.

Sarmento-Soares, L. M. & R. F. Martins-Pinheiro (2020): A reappraisal of phylogenetic relationships among auchenipterid catfishes of the subfamily Centromochlinae and diagnosis of its genera (Teleostei: Siluriformes). Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia v. 167: 85-146.

Marosatherina ladigesi

3. Juli 2026

Der Celebes-Sonnenstrahlenfisch, Marosatherina ladigesi, ist manchem Leser vielleicht noch als Telmatherina ladigesi in Erinnerung. Die Art lebt endemisch (also – weltweit gesehen – ausschließlich dort) in kühlen Karstbächen der Gegend um  Bantimurung, Maros-Karst, Sulawesi Selatan; Sulawesi gehört politisch zu Indonesien, zoogeografisch aber zur Australischen Region. Früher war die große Insel als Celebes bekannt.

Marosatherina ladigesi wird etwa 5-6 (selten bis 8) cm lang und ist ein friedlicher, lebhafter Schwarmfisch, der in härterem, gut gepuffertem Wasser gepflegt werden sollte. Ideal ist eine kräftige Strömung. Die Männchen entwickeln lang ausgezogene Flossenstrahlen in Rücken- und Afterflosse. Jedes Tier – Männchen wie Weibchen – hat eine individuell unterschiedlich gefärbte erste Rückenflosse mit unterschiedlich hohem Schwarzanteil. Während der Balz werden die Männchen rauchig-schwarz. Gelaicht wird in feinfiedrigen Pflanzen, Brutpflege üben diese Fische nicht aus.

Ein Schwarm von 10-20 Exemplaren ist ein herrlicher Anblick, den man so schnell nicht mehr vergisst. Die Tiere sind etwas empfindlich gegen Umsetzen, ansonsten aber leicht zu pflegen. Sie akzeptieren jegliches übliche Fischfutter, fressen aber am liebsten von der Oberfläche. Pflanzen werden nicht beschädigt. 

Die diesen Tieren früher nachgesagte besondere Empfindlichkeit besteht heute nicht mehr; das hängt vielleicht mit den stark verbesserten Transportbedingungen zusammen. Wichtig ist vor allem, dass der pH-Wert nicht stark schwankt und der angestrebte Bereich pH 7,5 bis 8,5 möglichst nicht erheblich unterschritten wird.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 461204 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachyplatystoma rousseauxii

3. Juli 2026

Die Welse der Gattung Brachyplatystoma gehören zu den wichtigsten und begehrtesten Speisefischen des Amazonas- und Orinokobeckens sowie der Guyana-Länder. Sie erreichen Längen bis zu 360 cm und werden über 200 kg schwer. Viele tausend Tonnen dieser Welse werden jährlich als Speisefische gelandet, was lokal zu Bestandsrückgängen und der Forderung nach nachhaltigem Management führte. Details zur Biologie vieler der Arten sind nur sehr lückenhaft bekannt.

Erst vor wenigen Jahren wurde eine neue Art dieser Goliath-Welse beschrieben, die zwar schon sehr lange bekannt ist, jedoch immer mit anderen Arten verwechselt wurde: Brachyplatystoma capapretum. In dieser Arbeit werden insgesamt 7 Brachyplatystoma-Arten unterschieden. Für Aquarianer als Bestimmungsmerkmal wichtig: nur die Brachyplatystoma-Arten haben als Jungfische bis zu körperlange, aus einem einzigen Flossenstrahl gebildete Schwanzflossenfilamente. Unter anderem aus diesem Grunde steht heutzutage der Tigerspatelwels in der Gattung Brachyplatystoma (früher hieß er Merodontotus tigrinum, jetzt B. tigrinum) und auch der frühere Goslinea platynemum heißt jetzt Brachyplatystoma platynemum.

Brachyplatystoma

Brachyplatystoma

Brachyplatystoma

Zu den unter Raubwels-Fans begehrtesten Arten gehört Brachyplatystoma rousseauxii, auch wenn diese das oft nicht wissen. Denn nur schleppend setzt sich die Erkenntnis durch, das der über Jahrzehnte benutzte Name B. flavicans falsch ist (es handelt sich dabei um ein Synonym von Zungaro zungaro). Und diese B. flavicans/rousseauxii haben Eigenschaften, die Raubfischfans und natürlich auch das Publikum von Schauaquarien und Zoo, zu denen die meisten dieser Import-Fische gehen, sehr schätzen: sie werden wirklich riesig groß, haben einen echte  Raubtiertcharakter und eine Persönlichkeit!

In der Natur gehört Brachyplatystoma rousseauxii, der in Bolivien, Ecuador, Französisch Guyana, Peru, Kolumbien und Venezuela vorkommt, zu den Arten mit der längsten Laichwanderung überhaupt. Vom Larvenstadium zum laichreifen Fisch (ab ca. 65 cm Länge) und zurück zum Laichplatz legt die Art bis zu 11.600 km zurück! 

Wir haben jetzt wieder einmal einige Jungtiere dieser bis zu 2 m langen Riesenwelse aus Kolumbien importieren können, die sicher bald die Besitzer von Riesenaquarien begeistern werden.

Für unsere Kunden: wir führen die Tiere unter der Codenummer 211100 (4-6 cm) bis 211106 (20-25 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: Lundberg, J. G. & A. Akama (2005): Brachyplatystoma capapretum: a New Species of Goliath Catfish from the Amazon Basin, with a Reclassification of Allied Catfishes (Siluriformes: Pimelodidae). Copeia 2005 (3): 492-516

Text: Frank Schäfer, Photos: Erwin Schraml & Frank Schäfer

Rhinogobius similis (R. giurinus)

3. Juli 2026

Die Bachgrundeln (Rhinogobius) sind als erwachsene Fische reine Süßwasserbewohner, die höchstens einmal im Brackwasser der Unterläufe von Fließgewässern gefunden werden; aber auch das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Mit ca. 170 beschriebenen Arten, wovon 85 allgemein als gültig angesehen werden, tut sich für Aquarianer mit Forscherdrang hier noch ein weites Feld auf; aus verständlichen Gründen ist in vielen Fällen ist die Bestimmung importierter Tiere hochgradig unsicher. Alle Arten lassen sich gut im Aquarium pflegen. Bei der Zucht gilt: gibt es solche Rhinogobius, die winzige Larven haben, die im Meer heranwachsen und solche, die große Larven haben, die im Süßwasser heranwachsen. Alle Arten sind Höhlenlaicher, das Männchen bewacht das Gelege bis zum Schlupf der Larven. Mit dem Freischwimmen der Larven endet die Brutpflege.

Eine Bachgrundel aus Vietnam wurde lange Zeit als Rhinogobius giurinus angesprochen. R. giurinus wurde 1897 von der Südostküste Chinas beschrieben. Kürzlich (2024) wurde eine Revision der Bachgrundeln Vietnams veröffentlicht und darin bestätigt, was bereits 2015 gezeigt werden konnte, nämlich dass R. giurinus ein jüngeres und damit ungültiges Synonym zu der bereits 1859 aus Japan beschriebenen Typusart der Gattung Rhinogobius, R. similis, ist. In der genannten Revision werden isngesamt 5 Arten Rhinogobius aus Zentralvietnam unterschieden; diese Region ist ein wichtiges Sammelgebiet für Zierfischfänger. Die Rhinogobius aus Vietnam, die wir gerade wieder einmal importieren konnten, lassen sich zwanglos der in den 2024er Arbeit illustrierten Art R. similis zuordnen. Auf unserer Stockliste führt die Spezies wegen früherer Importe noch den Namen R. giurinus, das hat technische Gründe. R. similis kommt in Ostasien weit verbreitet vor: Japan, Russland (Region Primorje), Korea, Taiwan, China und Vietnam. Auf den Philippinen und in Singapur gilt sie als eingeschleppt. 

Wie man anhand des weiten Verbreitungsgebietes leicht erkennen kann, ist R. similis eine der Arten, deren Larven sich in Brack- und Meerwasser entwickeln, obwohl erwachsene Tiere ausschließlich in Süßwasser leben. Die Männchen von sollen maximal 10 cm lang werden, die Weibchen mit weniger als 7 cm erheblich kleiner bleiben. Unsere Tiere sind aktuell etwa 5 cm lang. Die Männchen sind leicht erkennbar an den Bändern in Rücken- und Afterflosse, die den Weibchen fehlen. 

Bezüglich der Pflege konnten wir keine spezielllen Besonderheiten feststellen. Die Wasserwerte sind von untergeordneter Bedeutung, empfehlenswert sind pH-Werte zwischen 6,5 und 8,5, die Härte spielt keine Rolle, die Wassertemperatur kann zwischen 15 und 25°C betragen. Gefressen wird bei uns jedes mundgerechte Frost- und Lebendfutter, Granulat wird nur ungern angenommen. Die Tiere sind grundeltypisch etwas zänkisch und verteidigen einen Individualraum um sich herum. Wer darin eindringt, wird verscheucht. Da dieser Individualraum aber nur weniger Zentimeter beträgt, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Zu Verletzungen, Flossenschäden etc. kommt es bei uns nicht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 453467 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Maeda, K., H. Kobayashi, M. Iida & H. D. Tran (2024): Taxonomy of freshwater gobies of the genus Rhinogobius (Oxudercidae, Gobiiformes) from central Vietnam, with descriptions of two new species. Zootaxa 5493 (no. 5): 507-541.

Suzuki, T., K. Shibukawa, H. Senou & I-S. Chen (2015): Redescription of Rhinogobius similis Gill 1859 (Gobiidae: Gobionellinae), the type species of the genus Rhinogobius Gill 1859, with designation of the neotype. Ichthyological Research v. 63 (no. 2): 227-238 [1-12 bei der Online-Version].

Text & Photos: Frank Schäfer

Chilodus punctatus

26. Juni 2026

Es gibt vier Arten der kleinen Kopfsteher der Gattung Chilodus. Eigentlich sollte man sie relativ leicht auseinander halten könnten, denn zwei dieser Arten (Chilodus fritillus aus Peru und C. zunevei aus Französisch Guyana, Surinam und dem an Französisch Guyana angrenzenden Gebiet von Brasilien) haben niemals ein Längsband, die zwei anderen (C. gracilis aus Brasilien und Kolumbien und C. punctatus aus weiten Teilen Südamerikas) zeigen ein solches Längsband. Aber es ist in der Praxis, wie so oft, nicht ganz so einfach. Denn Chilodus punctatus kann dieses Längsband, je nach Stimmung, ein- oder ausblenden. Außerdem sieht C. punctatus, so wie er im Moment definiert ist, je nach Herkunft etwas unterschiedlich aus – was wohl niemanden verwundern dürfte. Wahrscheinlich ist es so, dass sich hinter dem Namen „Chilodus punctatus“ in Wirklichkeit nicht eine einzige Art mit nahezu flächendeckender Verbreitung im tropischen Südamerika ist – er ist gemeldet aus Brasilien, Bolivien, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Peru and Surinam – sondern dass es sich hier um einen ganzen Artenkomplex sehr ähnlicher Spezies handelt.

Dem Namen nach ist Chilodus punctatus, der Punktierte Kopfsteher, die häufigste Art im Hobby. Tatsächlich sah man ihn jedoch zumindest früher nur recht selten. Viel häufiger war hingegen Chilodus gracilis im Handel zu finden, und obwohl die Art erst 1988 formell wissenschaftlich beschrieben wurde, zeigen viele Abbildungen in aquaristischen Fachpublikationen vor 1950 diese Art. Chilodus gracilis unterscheidet sich von C. punctatus durch das immer vorhandene schwarze Längsband – er kann es nicht ausblenden. Dieses Längsband ist zudem relativ breit.

Aus den meisten Teilen Südamerikas erfolgen zur Zeit keine Importe von Chilodus, statt dessen sind fast alle Tiere im Handel Nachzuchten aus Indonesien. Da diese Fische ein Längsband haben und es zumindest zeitweise ausblenden können, werden sie als Chilodus punctatus bezeichnet. Wir zeigen in diesem Post auch ein paar Wildfänge aus früheren Jahren, um zu zeigen, wie unterschiedlich Chilodus stimmungsbedingt aussehen können.

Alle Chilodus-Arten werden 8-10 cm groß und sollten im Schwarm ab ca. 10-15 Exemplaren gehalten werden, sonst sind sie oft zänkisch. Pflanzen werden in der Regel angefressen. Man kann dem etwas vorbeugen, indem man nur sehr harte Gewächse (wie Anubias etc.) verwendet und viel Grünzeug füttert. Dazu eignen sich überbrühte Landpflanzen wie Löwenzahn am besten. Das Überbrühen macht die Blätter zarter. Man kann sie auch vor dem Verfüttern einfrieren, das hat einen ähnlichen Effekt. Außerdem sollte man Flockenfutter auf pflanzlicher Basis verwenden und gerne auch für L-Welse hergestellte Chips. Das Maul von Chilodus ist zum Knabbern geschaffen, solche Chips beschäftigen die Tiere und sorgen mit dafür, dass sie nicht auf dumme Gedanken kommen und ihren Trieb zum Knabbern an den Flossen von Mitbewohnern ausleben.

Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege von Chilodus innerhalb der für Zierfische normalen Parameter unwesentlich, in der Natur ist das Wasser in den Lebensräumen weich und sauer. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Chilodus sind Freilaicher ohne Brutpflege. Männchen sind kleiner und schlanker, sonstige Geschlechtsunterschiede sind nicht bekannt.

Für unsere Kunden: Die Nachzucht-Chilodus haben Code 217611 (2-3 cm) bis 217614 (5-7 cm), wilde haben Code 217601 bis 217605 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tateurndina ocellicauda

26. Juni 2026

Neu-Guinea gehört immer noch zu den relativ wenig erforschten Regionen der Erde. Die Süßwasserfische von dort fanden erst spät den Weg in die Aquarien. Unter ihnen ist die Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel, Tateurndina ocellicauda. Entdeckt wurde die kleine Art, die niemals größer als 5-6 cm wird, erst 1953. Anlässlich der vierten Archbold-Expedition sammelte Hobart M. Van Deusen die ersten Exemplare im Peria Creek, Kwagira River, etwa 10 Meilen von der Küste entfernt, in tümpelartigen Abschnitten. 1955 be­schrieb John T. Nichols vom American Mu­seum of Natural History die Grundel in einer neuen, eigens für sie aufgestellten Gattung, nämlich Tateurndina, als T. ocelli­cauda. Bis heute ist sie die einzige Art dieser Gattung geblieben. 

Für eine Süßwassergrundel ist die Pastell­grundel ganz außergewöhnlich bunt. Und sie hat eine absolut ungewöhnliche Lebens­weise. Meist sind Grundeln nämlich Boden­fische, die Pastellgrundel aber schwimmt frei im Wasser. Von ihrer Farbigkeit ahnte Nichols nicht das geringste, als er die neue Art be­schrieb. Seine in Alkohol konservierten Exemplare waren nämlich nur bräunlich, heller am Bauch. Das einzige, auffallende Farbmerkmal, das sie aufwiesen, war der große, teilweise hell eingefasste Schwanz­wurzelfleck, der dann auch als Inspiration für den Artnamen diente: „ocellicauda“ be­deutet „mit Augenfleck am Schwanz“. Dieser Augenfleck ist beim lebenden Tier aber gar nicht so augenfällig. Dagegen sind die herrlich roten, senkrechten Steifen auf blauem Grund auf den Körperseiten und die rot getupften, leuchtend gelb eingefassten Flossen echte Hingucker und machen die Pastellgrundel zu einem der schönsten Aquarienfische von Papua. Der Kopf ist der Hammer! Die Geschlechter sind bei der Pastellgrundel schon recht früh zu unterscheiden: Männchen haben einen flacheren Bauch als die Weibchen. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Männchen einen immer höheren Kopf, bis sie im Alter schließlich fast etwas grotesk aussehen. Der Kopf erinnert zum Schluss etwas an den der Goldmakrelen oder Dolphins (Coryphaena). Es ist kein besonderer Zweck für diese Kopfform bekannt. Es gibt Buckelköpfe aber auch bei allerlei anderen Fischarten, vor allem Buntbarschen, aber auch Labyrinthfischen. Es sind vermutlich reine Luxusbildungen, ähnlich der prachtvollen Schwanzschleppe des Pfaus und dient in erster Linie dazu, die Frauen anzumachen und die anderen Männer einzuschüchtern.

Aquaristisch wurde die Pastellgrundel erst spät, in den 1980er Jahren, bekannt. Sie eroberte aber die Herzen der Liebhaber im Sturm, denn sie vereint viele positive Eigenschaften in sich: sie ist stets sichtbar und sehr farbig; sie ist völlig anspruchslos in Bezug auf die Wasserzusammensetzung und die Fütterung; sie ist (zumindest meistens) friedlich; und sie ist leicht zu züchten. Und letzteres macht sie wiederum zu einer ungewöhnlichen Grundel. Die allermeisten Grundelarten kommen sehr unterentwickelt zur Welt. Wenn sie schlüpfen, sind es kaum entwickelte Larven, die sich mit den Meeresströmungen treiben lassen und im Plankton heranwachsen. Das tun sogar die meisten Süßwassserarten. Sie laichen zwar im Süßwasser ab, die Larven werden aber mit der Strömung der Bäche und Flüsse ins Meer gespült. Bei Tateurndina ist das anders: Die Larven schlüpfen nach ca. 10 Tagen aus den vergleichsweise riesigen Eiern und obwohl sie frei im Wasser schwimmen und nur wie Glassplitter aussehen, können sie bereits gut genug schwimmen, um in der Nähe des Geburtsortes zu bleiben, wo sie auch heranwachsen.Das Männchen bewacht alleine das Gelege, das Weibchen hat nichts mit der Brutpflege zu tun. Man entfernt das Weibchen darum nach der Eiablage.

Die Pastellgrundel eignet sich grundsätzlich hervorragend für Gesellschaftsbecken. Es ist dabei gleichgültig, wie viele Exemplare wel­chen Geschlechts im Becken schwimmen, untereinander sind sie immer friedlich. Nur gegenüber manchen Fremdfischen mit lang ausgezogenen Flossen können sie oft nicht widerstehen und knabbern die Flossen an. Gerade der geografisch und bezüglich der Größe so gut passende Iriatherina werneri (Fili­gran- oder Prachtregenbogenfisch) sollte darum nicht mit Pastellgrundeln gemeinsam gepflegt werden. Gut geeignete Gesell­schafter sind hingegen Regenbogenfische der Gattung Melanotaenia, Barben, Salmler, Leuchtaugenfische, Welse, Zwergbunt­barsche oder Schmerlen. Man kann Tate­urndina mit Trockenfutter, Frostfutter und Lebendfutter füttern, sie lässt sich alles schmecken, nur für Pflanzen als Nahrung inter­essiert sie sich nicht. Aber dagegen hat schließlich kein Aquarianer etwas ein­zuwenden….

Für unsere Kunden: die Tiere haben, ja nach Größe, Code 461001 (sm) bis 461004 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Spatuloricaria tuira

26. Juni 2026

Die Gattung Spatuloricaria besteht aus 13 wissenschaftlich beschriebenen Arten. Die Gattung hat ein extrem weites Verbreitungsgebiet vom Süden Südamerikas (Argentinien, Paraguay, Uruguay, südliches Brasilien) bis nach Panama im Norden. Es gibt sie zudem auf beiden Abdachungen der Anden. 11 der 13 Arten wurden bis 1945 beschrieben, erst 70 Jahre später kamen zwei neue Arten hinzu: S. tuira aus den Flüssen Xingu und Tapajós in Brasilien (2014) und S. terracanticum aus dem Einzug des Orinoko (2018). Leider sind diese beiden jüngsten Arbeiten, in denen die neu zu beschreibenden Arten notwendigerweise gegen die bestehenden Arten abgegrenzt werden müssen, teils etwas widersprüchlich. Außerdem ist mindestens eine sehr charakteristisch gefärbte Art aus Peru offenbar noch nicht wissenschaftlich erfasst, wird aber ab und zu importiert (siehe:https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/spatuloricaria-sp-black-white-peru/). 

Die Art Spatuloricaria tuira aus Brasilien (Xingu- und Tapajós-Einzug) ist die kleinste Art der Gattung. Geschlechtsreife Männchen haben in der Natur eine Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) zwischen etwa 9 und 15 cm. Hinzu kommt bei allen Spatuloricaria noch das sehr lange Filament an der Oberkante der Schwanzflosse. Im Aquarium werden sie wahrscheinlich etwas größer, bleiben aber trotzdem handlich. Die Art S. tuira ist gut zu bestimmen, denn sie hat eine völlig nackten Bauch. Dieses Merkmal hat innerhalb der Gattung sonst nur S. nudiventris (Einzüge der Flüsse La Plata und Sao Francisco in Argentinien und Brasilien), bei allen anderen Spatuloricaria befinden sich am Bauch Knochenplättchen. Von S. nudiventris unterscheidet sich S. tuira leicht durch die Anzahl der Querbinden am Rücken: fünf bei S. tuira gegenüber vier S. nudiventris. 

Männchen von Spatuloricaria entwickeln zur Brutzeit einen enormen „Backenbart“, der sich nach der Brutperiode wieder zurückbildet. Spatuloricaria sind Höhlenbrüter, die gerne an der Unterseite von flachen Steinplatten laichen. Zuchtberichte finden sich in der Zeitschrift Amazonas, Heft 12 (7/8, 2007) auf den Seiten 47-55.

Spatuloricaria sind Gemischtköstler mit einem Schwerpunkt auf tierischen Futtermitteln. Daneben kann aber gelegentlich auch z.B. Flockenfutter auf Basis pflanzlicher Stoffe gereicht werden. Die langen, gekrümmten Fangzähne im Oberkiefer deuten darauf hin, dass diese Art in der Natur vor allem Schnecken frisst, denn solche Zähne machen nur in diesem Zusammenhang Sinn: zum Herausziehen des Weichkörpers der Schnecke aus dem Gehäuse. Aquarienbeobachtungen zu dem Thema stehen noch aus.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 293794 (8-14 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Fichberg, I., O. T. Oyakawa & M. C. C. de Pinna (2014): The end of an almost 70-year wait: a new species of Spatuloricaria (Siluriformes: Loricariidae) from the Rio Xingu and Rio Tapajós basins. Copeia 2014 (no. 2): 317-324.

Londoño-Burbano, A., A. Urbano-Bonilla, Y. Rojas-Molina, H. Ramírez-Gil & S. Prada-Pedreros (2018): A new species of Spatuloricaria Schultz, 1944 (Siluriformes: Loricariidae), from the Orinoco River basin, Colombia. Copeia v. 106 (no. 4): 611-621.

Text & Photos: Frank Schäfer

Moenkhausia agnesae

26. Juni 2026

Aus Peru erhalten wir immer wieder einmal die fantastische Moenkhausia agnesae. Es handelt sich um eine größere Salmlerart, die aufgrund ihrer Robustheit gut mit Buntbarschen und Welsen gepflegt werden kann. Die erreichbare Maximallänge wird mit etwa 8 cm angegeben.

  

Früher wurde diese Salmlerart häufig mit Moenkhausia simulata (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/moenkhausia-simulata/) verwechselt. Bei M. simulata sind die waagrerechten Streifen am Körper jedoch alle schwärzlich, während sie bei M. agnesae im Rückenbereich rötlich sind. Sehr ähnlich ist auch Hyphessobrycon hexastichos (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-hexastichos/)

Für unsere Kunden: die Fische haben, je nach Größe, Code 268572 (2-3 cm) bis 268575 (5-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Guppy Endler Super Red Yellow Top

19. Juni 2026

Eine ganz bezaubernde neue Zuchtvariante haben wir aus Thailand erhalten: Super Red Yellow Top. Es handelt sich um einen Endler-Typ (Poecilia wingei), also klein und zierlich. Alle Männchen sehen ziemlich einheitlich gefärbt aus, die Varianz ist nur sehr gering und beschränkt sich im Wesentlichen auf den hellen Schulterstreifen. Woher allerdings die im Namen gewählte Zusatzbezeichnung „Yellow Top“ (also gelbe Oberseite) kommt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Der Rücken der Männchen ist wildgrau und dunkelt – das ist typisch für Endler – bei der Balz in ihrer intensivsten Phase nach. Auch die Rückenflosse kann dann schwarz werden. Sehr auffällig ist die Schwanzflossenfärbung. Die Oberkante ist weiß, im transparenten Teil sind orangefarbene Punkte, von denen der unmittelbar am Schwanzflossenansatz gelegene besonders groß und sehr auffällig ist. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 419027 auf unserer Stockliste. Wir erhalten Männchen und Weibchen dieser Variante, die bei uns im Haus getrennt untergebracht sind. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Astronotus cf. crassipinnis „Bumble Bee“

19. Juni 2026

Bei kaum anderen Gattung südamerikanischer Großbuntbarsche herrscht bezüglich der Artabgrenzung derartige Verwirrung, wie bei den Oskars (Astronotus). Lange Zeit wurden nur zwei Arten allgemein anerkannt, nämlich A. ocellatus und A. crassipinnis. Es gibt aber augenscheinlich erheblich mehr Arten; gegenwärtig (2026) sind A. crassipinnis, A. mikoljii und A. ocellatus allgemein akzeptiert, A. rubroocellatus und A. zebra nur mit Fragezeichen. Genetisch kann man mindestens 6 verschiedene Arten unterscheiden, aber es bleibt unklar, wie sie benannt werden müssen.

Die Unterscheidung der Oskar-Arten ist also ausgesprochen kniffelig und gelingt mit Sicherheit nur mit molekularbiologischen Methoden (DNS-Analyse). Allerdings ist die Jungfischfärbung von drei der als gültig angesehenen Arten sehr verschieden. Den „gewöhnlichen“ Oskar, A. ocellatus, kennt man ja hinlänglich aus dem Zoofachhandel, A. rubroocellatus sieht als Baby genauso aus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus-rubroocellatus-rio-negro/). A. crassipinnis-Jungtiere sind sehr auffällig gelb-schwarz-gefärbt („Bumble-Bee-Oskars“) – sie zeigen wir in diesem Beitrag – und A. mikoljii-Kinder sind sehr bunt (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus-mikoljii-3/)

Ab und zu importieren wir sehr hübsche, junge Oskars aus Brasilien, die unter dem Namen „Astronotus crassipinnis“ angeboten werden. Die Art A. crassipinnis gibt es in Brasilien, aber es gibt keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob die Artzuordnung stimmt. Wir vermuten, es handelt sich bei den Tieren um Nachzuchten, höchstwahrscheinlich aus der Aquakultuur für Speisefische. Wegen der oben geschilderten Unsicherheiten bezeichnen wir diese Tiere als Astronotus cf. crassipinnis „Bumble Bee“.

Die bildschönen Fische zeigen das typische Verhalten aller Astronotus-Kinder: sie haben ein starkes Bedürfnis, mit Artgenossen zusammen zu sein. Die auffällige Färbung aller jungen Oskars ist in Wirklichkeit eine Tarnfärbung. Die Tiere schließen sich nämlich in größeren Verbänden zusammen und schwimmen so eng beieinander, dass sie für einen potentiellen Angreifer wie ein einziger, großer Fisch aussehen. 

Der Verlust der Kinderzeichnung deutet sich dadurch an, dass die Tiere ihren typischen Augenfleck auf der Schwanzwurzel entwickeln. Von da an fangen die jungen Oskars an, eher einzeln (bzw. in Kleinverbänden) zu leben. Der Augenfleck dient wiederum dazu, Angreifer (die sich beim Beutemachen nach dem Auge des Opfers orientieren) in die Irre zu führen. Oskars fressen ab dieser Größe selbst am liebsten kleine Fische, nehmen aber im Aquarium auch jede andere Sorte kräftigen Futters fleischlicher Natur.

Wie diese Bumble Bee Oskars aus Brasilien als voll erwachsene Fische aussehen, wissen wir nicht. Man kann aber mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass auch diese Astronotus-Art etwa 25-30 cm lang wird. Allerdings können wir gelegentlich größere Wildfang-Oskars (15-18 cm) aus Paraguay importieren, die wir für A. crassipinnis halten und die ebenfalls eine sehr markante und von den allgemein bekannten Oskars abweichende Zeichnung haben, die aus einer senkrechten Gelb-Schwarz-Färbung besteht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 632302 (4-6 cm) bis 632307 (15-18 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Farlowella amazonum Nachzucht

19. Juni 2026

Der Nadelwels Farlowella amazonum wird deutlich seltener als einige seiner Gattungsgenossen importiert. Wildfänge der Art stellen wir hier vor: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/farlowella-amazonum/, allgemeine Pflegehinweise finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/farlowella_platorhynchus_de/

Die Nachzucht von Farlowella ist an sich nicht schwieriger als die anderer offenbrütender Harnischwelse wie z.B. Sturisoma und Co. Sie wird aber selten praktiziert, weil der allgemeine Bedarf durch Wildfänge gut gedeckt ist. Aber bei selteneren Arten sieht das etwas anders aus, so z.B. bei F. amazonum. Dabei soll „selten“ nicht heißen, sie seien in der Natur selten. Das sind sie nicht. Aber sie werden von den Fängern in Brasilien nur selten mitgebracht. Darum freuen wir uns, nun erstmals Nachzuchten dieser schönen Art anbieten und damit die Bedarfslücke decken zu können.

Für unsere Kunden: die Nachzuchtexemplare von F. amazonum haben Code 253644 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW162 Rena

19. Juni 2026

Als „Kindchenschema“ bezeichnet man in der Verhaltenskunde eine Kombination von körperlichen Merkmalen, die beim Betrachter instinktive Reaktionen hervorrufen, die eigentlich nur durch Junge der eigenen Art ausgelöst werden können: Beschützerinstinkte. Außerdem findet man Babys allgemein niedlich und steht ihnen positiv gegenüber. Zum Kindchenschema gehören u.a. ein pummeliger Körperbau, große Augen und ein verkürzter Gesichtsschädel. Bei Fischen findet man eher selten Arten, die dem Kindchenschema entsprechen. Am häufigsten tritt das Phänomen bei bestimmten Zuchtformen des Goldfisches auf. Aber der rare und neue Panzerwels CW162, den wir Ihnen hier vorstellen, hat auch etwas davon.

CW162 ist zweifellos ein Vertreter der Gattung Hoplisoma. Am ähnlichsten ist er H. eversi und H. multimaculatum, es gibt aber farbliche Unterschiede; zudem ist das Vorkommensgebiet von CW162 weitab von denen der beiden genannten Arten. Genaueres ist noch nicht bekannt, jedoch wird CW162 im oberen Einzug des Rio Tapajós in Brasilien gefunden. Die ersten Tiere wurden von den Exporteuren als „Corydoras Rena“ angeboten; was dieser Name bedeuten soll, wissen wir nicht. Was uns besonders auffällt ist die gedrungene Gestalt dieser Art. Es sind richtig nette Pummelchen! Das ist keine Artefakt, das auf zu üppige Nahrung zurückzuführen ist. Obwohl unsere Tiere deutsche Nachzuchten sind: bereits die Wildfänge hatten diese charakteristische Körperform.

Für unsere Kunden: CW162 hat Code 248802 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Balantiocheilos melanopterus

19. Juni 2026

Zu den beliebtesten Zierfischen Asiens gehört die Haibarbe, Balantiocheilos melanopterus. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst die großen Sundainseln Sumatra und Borneo, sowie die Malaiische Halbinsel. Die Typuslokalität der bereits 1850 als Barbus melanopterus beschriebenen Art ist Bandjarmasin auf Borneo. Aquaristisch bekannt wurde sie allerdings erst über 100 Jahre später. Erste Importe nach Deutschland erfolgten 1959 aus Thailand. Man war so begeistert von den Fischen, dass die DDR-Zeitschrift Aquarien-Terrarien sogar ein Farbfoto spendierte. 

Bis vor relativ kurzer Zeit (2007) glaubte man, es gäbe nur eine Art der Haibarben, nämlich Balantiocheilos melanopterus (oft wird der Gattungsname falsch mit -us am Ende geschrieben). Dann beschrieben die Wissenschaftler Ng und Kottelat eine zweite Art, nämlich B. ambusticauda. Die beiden Arten unterscheiden sich als Jungfische nicht voneinander, nur bei erwachsenen Exemplaren (B. ambusticauda wird 20, B. melanopterus 35 cm lang) gibt es einen deutlichen Unterschied in der Kopfform (speziell Interessierte seien auf die Originalbeschreibung von B. ambusticauda verwiesen: Ng, H.H. & M. Kottelat (2007): Balantiocheilos ambusticauda, a new and possibly extinct species of cyprinid fish from Indochina (Cypriniformes: Cyprinidae). Zootaxa 1463: 13-20, http://www.mapress.com/j/zt/article/view/zootaxa.1463.1.2). In dieser Beschreibung genannte Farbunterschiede zwischen B. ambusticauda und B. melanopterus bezüglich der After- und Bauchflossenfärbung treffen jedoch nur bedingt zu, denn historische Fotos von B. ambusticauda wie das oben zitierte Farbfoto aus der Aquarien-Terrarien lassen sie nicht erkennen.

B. ambusticauda stammte aus der Umgebung des Bung Borapet in Thailand. Man muss das in der Vergangenheitsform schreiben, denn die Art gilt derzeit als ausgestorben. In Thailand werden Haibarben zwar seit den 1980er Jahren gezüchtet, aber der Zuchtstamm geht auf aus Indonesien importierte Exemplare zurück, es handelt sich also um „echte“ B. melanopterus. Auch in Indonesien gilt die Haibarbe als gefährdete Art. Da seit Dekaden keine Wildfänge mehr als Zierfisch gehandelt werden, kann der Fang für diese Zwecke als Gefährdungsursache ausgeschlossen werden.

Haibarben sind verhältnismäßig große Fische. Das Rekordmaß von etwa 35 cm wird natürlich nur alle Jubeljahre mal erreicht, aber auf 15-20 cm wachsen normal gepflegte Tiere regelmäßig heran. Ein großes Aquarium ist also Voraussetzung für die Pflege; es sollte immer ca. 10x so lang wie das größte Tier im Trupp sein, denn Haibarben sind Schwarmfische und sollten stets in Gruppen ab 5 Exemplaren aufwärts gepflegt werden. Dann sind sie wegen ihrer stets straff offen getragenen Flossen herrliche Blickfänge im Aquarium. Es sind friedliche Tiere, die mit jedem Leitungswasser zufrieden sind. Die Temperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen, etwas mehr oder weniger schadet auch nicht, wenn es nicht dauerhaft so ist. Haibarben sind gierige Allesfresser, die auch zarte Pflanzenteile beknabbern. Man sollte ballaststoffreich und proteinarm füttern. Unmäßig dicke Haibarben sieht man leider viel zu oft. Das ist häßlich, ungesund und verkürzt die Lebensdauer erheblich, die im Aquarium bis zu 13 Jahren betragen kann.

Für unsere Kunden: Haibarben haben Code 368601 (3-4 cm) bis 368607 (12-15 cm) für importierte Nachzuchtexemplare und 368612 für EU-Nachzuchten (4-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Minigurami „Vietnam“

12. Juni 2026

Eine buchstäblich kleine Sensation erreichte uns aus Vietnam: ein neuer Miniaturgurami, der zu keiner bislang beschriebenen Gattung oder Art gehört. Und die Zwerge, sie werden nur 1-2 cm lang, sind auch noch außerordentlich hübsch!

Entdeckt wurden die Tierchen von vietnamesischen Naturfreunden, die sie zuerst im September 2025 fanden. Das Vorkommensgebiet liegt in Zentralvietnam, unweit der bekannten Kaiserstadt Hue. Das Biotop ist in der englischen Liebhaberzeitschrift „Labyrinth“, dem Organ der Anabantoid Association of Great Britain (AAGB) abgebildet (Heft 216, Frühjahr 2026: 7-8). Es handelt sich um einen recht offenen Lebensraum am Fuß von einem Gebirgszug. Die chemische Wasserzusammensetzung: 22-26°C, TDS 40 (das sind etwa 2° dGH), pH 5,5.

Die neue Art ist sicherlich am engsten verwandt mit Parosphromenus (Prachtzwergguramis). Wie diese und deren enge Cousins, die Spitzschwanzmakropoden (Pseudosphromenus und Malpulutta) sind die neuen Minis Höhlenbrüter – denn die Zucht ist bereits gelungen! Leider können wir noch nichts sicheres über Geschlechtsunterschiede sagen. In neutraler Färbung haben die neuen Minis zwei Längsbänder auf beigefarbenem Grund. Wenn sie in Stimmung kommen verschwindet das dunkle Rückenband und wird durch ein ziegelrotes Band ersetzt. Entlang des mittleren Längsbandes haben die vermutlichen Männchen blaue Glitzerschuppen, während der Brutpflege wird der Bauch blitzeblau. Aber wir haben noch kein Merkmal gefunden, das es erlauben würde, die Geschlechter sicher zu unterscheiden, vor allem nicht, wenn man sie fangen will, denn dann verlieren sie schlagartig jede Farbe.

Wir schätzen den neuen Zwerg, für den der treffende, aber wissenschaftlich nicht gültige Name „Microsphromenus sp. Vietnam“ (oder auch „M. sp. XD 11“ oder „Pho Xua Gourami“) im Umlauf ist, als Spezialistenfisch ein. Diese Mini-Tiere sind aquaristisch wahrscheinlich am ehesten mit dem gleichfalls winzigen Parosphromenus ornaticauda zu vergleichen. Die Jungfischanzahl pro Gelege ist gering, auf einem Foto konnten wir 12 Larven auszählen. Die gute Nachricht: höchstwahrscheinlich werden die neuen Zwerge dafür ziemlich alt, mehrere Jahre sind zu erwarten, wenn sie ökologisch analog zu den Paros aufgestellt sind.

Als Nahrung bieten sich – wiederum analog zu den Paros – Artemia-Nauplien als Futterbasis an. 

Von allem anderen abgesehen: dass so ein Zwerglabyrinther dieses Verwandtschaftskreises, über 1.200 Kilometer weiter östlich vom nächsten Paro-Fundort in Thailand, in einem ichthyologisch doch recht gut untersuchten Gebiet entdeckt wird, ist schlicht und ergreifend sensationell. Bleibt zu hoffen, dass die wenigen Exemplare, die jetzt auf dem Zierfischmarkt verfügbar sind, zu guten Züchtern gelangen, die einen Aquarienstamm des neuen Minigurami aufbauen können.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 430203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Minh Thu, Wentian Shi, Le Duy Thinh & Bui Manh (2026): A new micro-osphromenoid from Vietnam. AAGB Labyrinth #216: 7-8.

Text & Photos: Frank Schäfer

Limia vittata

12. Juni 2026

Einen ganz entzückenden Lebengebärenden erhalten wir von einem Züchter aus Thailand: Limia vittata. Aquaristisch ist diese Art, die ursprünglich aus Kuba stammt, zwar schon sehr lange bekannt: als Erstimportdatum wird 1913 genannt. Im Hobby sind die Tiere aber nur sporadisch erhältlich.

Das ist kaum zu verstehen, denn jedes Tier hat ein individuell unterschiedliches Tupfenmuster, wodurch sich ein Schwarm sehr ansprechend präsentiert. Mit bis zu 10 cm Länge gehören die Weibchen zu den größten Arten der Lebendgebärenden Zahnkarpfen überhaupt, wenn diese Angabe denn stimmt. Manchmal kann man sich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass auch früher schon manchmal den Autoren „die Gäule durchgingen“ und sie etwas Anglerlatein poduzierten… aber auf jeden Fall sollte man den Tieren möglichst große Aquarien zur Verfügung stellen, damit sie auswachsen können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 424892 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ptychochromis insolitus

12. Juni 2026

Zu den seltensten Tieren der Welt zählt dieser Madagaskar-Cichlide, der erst 2006 wissenschaftlich beschrieben wurde und schon 2013 musste man befürchten, dass er ausgestorben sei. Es gab ihn nur in einem einzigen Fluss auf Madagskar, dem Mangarahara, nach dem der Barsch auch Mangarahara-Buntbarsch genannt wird. Ein Staudammprojekt und übermäßige Wasserentnahme für die Landwirtschaft ließ den Fluss austrocknen. Mit dem Fluss starben alle Fische, die in ihm lebten. Es grenzt an ein Wunder, dass man im Amboaboa-Becken in einem Restwasseergebiet noch einige wenige lebende Exemplare von Ptychochromis insolitus entdeckte und mit ihnen die Zucht gelang. Engagierte Naturschützer, darunter auch viele private Aquarianer, versuchen heute, diesen letzten Rückzugsort auf Madagaskar zu schützen. Gleichzeitig baut man ein Erhaltungszuchtprogramm für die Fischart auf. 

Beide Aktionen sind erfolgreich. Auch wir können gelegentlich einige Nachzuchtexemplare dieses Offenbrüters mit Mutterfamilie anbieten. Wir wünschen uns sehr, dass die Tiere Teil des Erhaltungszuchtprogrammes werden und dass sich die künftigen Besitzer im Citizen Conservation-Projekt beteiligen (https://citizen-conservation.org/arten/mangarahara-buntbarsch/?cookie=ok). Denn die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt zwar einerseits, dass es gut gelingt, ohne Inzuchtschäden Fischarten über Jahrzehnte, ja sogar über ein Jahrhundert hinweg gesund im Aquarium zu züchten, aber bei Arten, wie dem Mangarahara-Buntbarsch, der  nicht unbedingt dem Idealbild eines „Zierfisches“ entspricht, bedarf es doch besonderer Anstrengungen.

Ptychochromis insolitus wird etwa 15 cm lang. Man pflegt ihn am besten in einer Gruppe in relativ großen Aquarien (500l), da diese Art – typisch Buntbarsch – auch mal etwas robust gegen Artgenossen sein kann. Dann ist es gut, wenn sich die Prügel auf mehrere Tiere verteilt und diese auch Platz haben, auszuweichen. Aus dem Trupp findet sich auch am leichtesten ein Paar, das gut miteinander harmoniert und schließlich dafür sorgt, dass der Mangarahara-Buntbarsch nicht endgültig von unserem Planeten verschwindet.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 574152 (4-6 cm), 574153 (6-8 cm) und 574154 (8-10cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer und H. Zell

Hoplisoma rikbaktsa (CW154)

12. Juni 2026

Wir können diesen ungewöhnlichen, erst im Jahr 2020 entdeckten Panzerwels aus Brasilien als deutsche Nachzucht anbieten. Hoplisoma rikbaktsa ist nur aus einem kleinen Verbreitungsgebiet aus dem oberen Einzug des Rio Tapajós bekannt. Benannt wurde die Art nach dem dort ursprünglich einmal lebenden Volk der Rikbaktsa (auch als Rikbakta oder Erikbaktsa bezeichnet), das während der 1960er Jahre durch eingeschleppte Krankheiten nahezu ausgelöscht wurde.

Die dunkle Gesichtsmaske ist ein optisch sehr auffallendes Merkmal der Art. In der wissenschaftlichen Erstbeschreibung wird die Art darum vor allem mit den Arten atropersonatus, griseus und sychri vergleichen, die ebenfalls eine solch prominente Gesichtsmaske aufweisen. Ein erfahrener Aquarianer wird H. rikbaktsa aber kaum mit diesen Arten verwechseln, dazu sehen sie einfach zu unterschiedlich aus.

Erwähnenswert ist, dass H. rikbaktsa einen Geschlechtsunterschied aufweist, den man sonst eher von Langschnäuzern (also „echten“ Corydoras) und der Gattung Scleromystax kennt: die Männchen haben mit ca. 3 – 3,5 cm Standardlänge Odontoden (also Hautdornen, vereinfacht ausgedrückt: einen Bart) auf den Wangen, am Schultergürtel und entlang der Brustflossenstacheln. Die Färbung der Tiere ist etwas variabler, als man anhand der Erstbeschreibung annehmen könnte. Entlang der Körpermitte kann ein dünnes Längsband verlaufen, das aber auch in einzelne Flecken aufgelöst sein kann. Die maximal erreichbare Größe liegt wahrscheinlich bei ca. 5 cm. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 243022 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Lima, F. C. T. & M. R. Britto (2020): A new Corydoras (Ostariophysi: Siluriformes: Callichthyidae) with an unusual sexual dimorphism from the rio Juruena basin, Brazil. Zootaxa 4742 (no. 3): 518-530.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nothobranchius rubripinnis

5. Juni 2026

Nothobranchius rubripinnis ist eine der wunderschönen Arten der Prachtgrundkärpflinge. Sie wurde 1983 von reisenden Aquarianern (Wischmann und Seegers) im Küstenbereich von Tanzania, ca. 40 km südlich von Dar es Salaam, Einzugsgebiet des Mbezi River, entdeckt und auch lebend mit nach Deutschland gebracht. Dieser Stamm ist unter Killifisch-Spezialisten als „TZ 83/5“ bekannt. Einer der beiden Sammler, Lothar Seegers, beschäftigte sich auch wissenschaftlich mit diesen Fischen. Auf einer zweiten aquaristischen Forschungsreise 1985 (Roth, Wildekamp und Seegers) konnte eine weitere Population dieser noch unbeschriebenen Art  am Rand eines Reisfeldes gefunden werden. Hydrologisch gehört das Gebiet des zweiten Fundortes – er wird als „KTZ 85/28“ bezeichnet – zum Einzugsgebiet des Mbemkuru River. Eine dritte Aufsammlung aus dem Jahr 1994 (TZ 94/1), wie die erste aus dem Einzug des Mbezi River, erbrachte eine etwas bulligere Form, die auch farblich etwas abweicht. Bei TZ94/1 ist der Kopf intensiver rot gefärbt, der Körper weniger genetzt und im hinteren Teil des Körpers  erscheinen zwischen Rücken- und Afterflosse senkrechte Streifen. Im Jahr 1986 beschrieb Lothar Seegers die Art wissenschaftlich als Nothobranchius rubripinnis auf Basis der beiden bis dahin bekannten Aufsammlungen.

In der Natur leben diese Fische wohl nie länger als ein etwa halbes Jahr, auch wenn sie im Gewässern vorkommen können, die deutlich länger Wasser führen. Die Lebens- und Laichzeit scheint sich auf die Monate Dezember (Schlupf) bis Anfang Juli (Tod) zu beschränken. Glücklicherweise gilt gerade diese Killifisch-Schönheit als sehr produktiv und die gelegentlich in den Handel gelangenden Nachzuchttiere lassen sich auch heute noch den oben genannten Fundorttypen zuordnen. Die Bilder dieses Posts zeigen jüngere Exemplare von KTZ 85/28, die wir im Jahr 2008 anbieten konnten, und Tiere von TZ 94/1, die wir aktuell im Stock haben. Obwohl wir die Fische vom Züchter ohne Fundortinformation bekommen haben, zeigt sich doch, dass die typischen Merkmale über Jahrzehnte der Aquarienzucht stabil bleiben.

Einen Nachteil von Nothobranchius rubripinnis wollen wir nicht verschweigen, zumal er wahrscheinlich der Grund ist, weshalb diese schöne Art nur so selten im „normalen“ Zierfischhandel auftaucht. Die Männchen sind nämlich nicht nur feurige Liebhaber, sie raufen auch gern miteinander. Darum haben die allermeisten Tiere leichte Defekte an den Flossen, vor allem an der Schwanzflosse. Das ist zwar harmlos und heilt auch problemlos ab, ist aber optisch eine Beeinträchtigung. Glücklicherweise lassen sich echte Aquarianer aber von so etwas nicht abschrecken. Und so kann man hoffen, dass uns Nothobranchius rubripinnis auch weitere 40 Jahre im Aquarium aus Nachzuchten erhalten bleibt, denn Wildfänge aus Tanzania gibt es nicht im Handel.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 338203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apricaphanius saourensis

5. Juni 2026

Aquarien werden mehr und mehr zur letzten Überlebensbastion für kleine Fischarten. Leider nimmt der Verlust an Artenvielfalt ( = Biodiversität) durch Umweltveränderung ja immer dramatischere Ausmaße an und viele Arten müssen bereits auf die Stufe „vom Aussterben bedroht“ oder gar „in der Natur ausgestorben“ kategorisiert werden, kaum, dass man ihre Existenz entdeckt hat.

Der kleine Killifisch Apricaphanius saourensis ist ein gutes Beispiel dafür. Die drei Vertreter der Gattung Apricaphanius kommen am westlichen Mittelmeer vor. Lange Zeit galt A. iberus – der Spanienkärpfling – als einer der wenigen europäischen Vertreter der Killifische. Eine Form des Spanienkärpflings von der atlantischen Seite des Landes, die man zwar schon länger kannte, aber für eine Farbvariante von A. iberus hielt, wurde 2002 mit modernsten Methoden als eigenständige Art erkannt und als A. baeticus beschrieben. Eine weitere „Variante“ von A. iberus, die man nur aus einer einzigen Oase (Igli) in Nordwest-Algerien kannte, wurde 2006 als A. saourensis beschrieben. Über ihre Entdeckung wurde 1982  erstmals berichtet (Villwock & Scholl), wann genau diese Tiere ins Hobby kamen, ist nicht genau bekannt. Im Aqualog Old World Killis II von Lothar Seegers aus dem Jahr 1997 ist sie jedenfalls abgebildet.

Alle drei Apricaphanius gelten durch massive Umweltveränderungen als hochgradig bedroht, an dem einzigen bislang bekannten Fundort von Apricaphanius saourensis wurden schon seit Jahren keine mehr nachgewiesen, man stufte die Art als „in der Natur ausgestorben“ ein. Erst im Juni 2024 fand man in einem sehr isolierten Wadi wieder Apricaphanius, die A. saourensis sehr ähnlich sehen, etwa 150 km vom Originalfundort entfernt. Genetische Untersuchungen haben kürzlich gezeigt, dass es sich dabei tatsächlich um die gleiche Art handelt (Derouiche et al, 2026). Die Aquarienstämme von A. sarouensis gehen aber allesamt auf Aufsammlungen aus der Oase Igli zurück.

Apricaphanius sind keine Fische für Allerweltsaquarien. Sie stellen gewisse Ansprüche, die am besten in Artenbecken zu verwirklichen sind. Dazu gehört, dass sie schwankende Temperaturen brauchen (der Bereich geht von etwa 2°C bis ca. 30°C) und für ihr Wohlbefinden ist Salzzusatz zum Wasser wichtig (1-3g/l). Der pH-Wert sollte im leicht alkalischen Bereich liegen (7,5 -9), was sich in mittelhartem bis hartem Wasser am leichtesten realisieren lässt. 

Mit ihren 3-4,5 cm Gesamtlänge sind Apricaphanius kleine Fische, ausgewachsene Männchen in Balzstimmung sind hübsch, Männchen in Normalfärbung und die Weibchen sind es weniger. Es sind also echte Spezialistenfische, die wohl nie eine größere Anhängerschaft finden werden. Trotzdem ist die erfreuliche Botschaft: es ist nun schon mindestens 30 Jahre lang (eher länger)  gelungen, diese kleine Fischart durch die Zucht im Aquarium vor dem Aussterben zu bewahren. Das ist nur möglich, weil es keine staatlichen/bürokratischen Auflagen für die Pflege und Zucht gibt. Der Fall von Apricaphanius saourensis ist ein Paradebeispiel dafür, dass so genannte „Positiv-Listen“ (nach denen nur noch wenige Tierarten zur Pflege und Zucht erlaubt wären) vor allem eines bewirken würden: das Artensterben auf diesem Planeten würde sich gewaltig beschleunigen.

Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 300862 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur

Blanco, J. L., T. Hrbek & I. Doadrio (2006): A new species of the genus Aphanius (Nardo, 1832) (Actinopterygii, Cyprinodontidae) from Algeria. Zootaxa No. 1158: 39-53.

Derouiche, L., Tahri, R. & C. R. Fernandes (2026): Genetic evidence for the rediscovery in the wild of the critically endangered Sahara killifish Apricaphanius saourensis (Cyprinodontiformes: Aphaniidae). The Science of Nature 113: 21 (9pp).

Seegers, L. (1997): Aqualog: Old World Killis II. Mörfelden-Walldorf.

Villwock, W. & A. Scholl (1982): Ergänzende Mitteilungen über Aphanius aus der Oase Azraq/ Jordanien sowie Betrachtungen zum taxonomischen Status eines neuen A. iberus (Cyprinodontidae: Pisces) aus dem Oued Zousfana, Igli/Nordwest Algerien. Mitteilungen aus dem hamburgischen Zoologischen Museum und Institut, 79, 267–271.

Text & Photos: Frank Schäfer

Characidium cf. ortegai

5. Juni 2026

Wir haben es schon gelegentlich erwähnt: die Bestimmung von Characidium-Arten ist eine unerfreuliche Angelegenheit. Insgesamt werden gegenwärtig (2026) 88 Arten allgemein anerkannt, von denen rund 30 in den letzten 10 Jahren beschrieben wurden. Vor allem mit der Kenntnis der „alten“ Arten ist es nicht weit her. So weiß man bei einem Neuimport nie so recht einzuschätzen, ob es sich bei den Tieren um eine bereits beschriebene oder um eine wissenschaftlich unbekannte Art handelt. Ganz konkret haben wir einen niedlichen neuen Bodensalmler aus Peru importieren können. Über den Fundort ist nichts näheres bekannt. Insgesamt sind aus Peru erstaunlich wenige Characidium-Arten bekannt, nämlich nur 12: Characidium etheostoma, C. geryi, C. jivaro, C. ortegai, C. pellucidum, C. pteroides, C. pumarinri, C. purpuratum, C. roesseli, C. steindachneri, C. sterbai und C. zebra.

Unser Neuimport passt farblich sehr gut zu der erst vor wenigen Wochen publizierten neuen Art Characidium ortegai. Diese kleine Spezies wurde aus dem Ucayali-Einzug in Peru beschrieben; das größte bislang bekannte Exemplar hat eine Totallänge von 43,8 mm (Standardlänge ohne Schwanzflosse 34,8 mm). Doch leider gibt es einen Haken: Arttypisch für C. ortegai ist das Fehlen der Fettflosse, ein innerhalb der Gattung seltenes Merkmal. Bei unseren Tieren ist die Fettflosse dagegen gut ausgeprägt vorhanden. Nun bleiben drei Möglichkeiten: 1. Es handelt sich bei unseren Tieren um eine Population von C. ortegai mit Fettflosse (so etwas ist von anderen Salmlern durchaus bekannt). 2. Es handelt sich um eine andere der oben aufgezählen 12 Characidium-Arten (wobei die meisten nicht in Frage kommen, weil sie eine Zeichnung aus senkrechten Binden am Körper haben) und 3. Es handelt sich bei unseren Tieren um Angehörige einer wissenschaftlich noch nicht erfassten, neuen Art. Wir haben uns für Möglichkeit 1 entschieden, auf die Gefahr hin, uns später einmal korrigieren zu müssen – aber diese Gefahr besteht schließlich bei allen drei genannten Optionen gleichermaßen. Um unsere Unsicherheit auszudrücken, haben wir noch das Kürzel „cf.“ zwischen Art- und Gattungsnamen platziert. Es bedeutet „confer“, also „vergleiche mit“.

Ganz im Gegensatz zu der schwierigen Bestimmung ist die Pflege der neuen kleinen Bodensalmler sehr leicht. Unsere größten Exemplare – vermutlich Weibchen – sind etwa 3 cm lang (Totallänge). Auf den ersten Blick scheint die Zeichnung lediglich aus einem dunklen Längsband auf hellem Grund zu bestehen, am Ansatz der Schwanzflosse befindet sich der gattungstypische schwarze Punkt, alle Flossen sind transparent farblos. Doch schaut man genauer hin, so erkennt man, dass sich innerhalb des Längsbandes Flecken befinden und manchmal in der hinteren Körperhälfte auch dünne senkrechte Streifen. 

Untereinander und gegen artfremde Fische sind C. cf. ortegai völlig friedlich. Sie akzeptieren jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe. Pflanzen werden nicht beschädigt. Besondere Ansprüche an die Wasserzusammensetzung konnten wir nicht feststellen. Wir pflegen sie bei Temperaturen zwischen 22 und 26°C, wobei sie sich offensichtlich wohl fühlen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 215561 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Oliveira-Silva, L., R. Britzke, V. Meza-Vargas, M. H. Hidalgo, D. Faustino-Fuster, C. Oliveira & A. M. Zanata (2025): Morphological and molecular evidence reveals a new species of Characidium from the Ucayali-Urubamba Piedmont, Peru, and novel molecular clades are proposed within the genus. Journal of Fish Biology v. 108 (no. 2): 584-595.

Text & Photos. Frank Schäfer

Apistogramma ortegai

5. Juni 2026

Als um die Jahrtausendwende herum die ersten Papageien-Apistogramma aus Peru importiert wurden, stießen sie auf begeisterte Aquarianer. Es handelt sich wahrhaftig um herrlich bunte Fische. In den Folgejahren kamen diese und ähnlich Formen unter den verschiedensten Namen in den Handel: Apistogramma sp. Nanay, A. sp. Algodon1, A. sp. Algodon2, A. sp. Pebas, A. sp. Ampyacu, A. sp. Dolly, A. sp. Larinus, A. sp. Morado, A. sp. Noronha usw. und die Bezeichnung „Papagei“ wurde zusätzlich in den Schreibweisen „Papagey“ und „Papagai“ verwendet.

Oft handelte es sich bei den Importen augenscheinlich um Mix-Sendungen, darunter waren auch häufig A. cruzi und A. eunotus, aber es gab auch blitzeblaue Tiere (diese wurden später meist als „Pebas“ bezeichnet). Dieses Situation verleidete den Liebhabern etwas die Freude, denn die Weibchen sahen sich verflixt ähnlich. Wie sollte man mit so etwas züchten, ohne einen Aquarienhybriden zu schaffen?

Des Rätsels Lösung lautet: es handelte sich tatsächlich bei allen Tieren aus dem Rio Ampyacu um die gleiche, extrem polychromatische Art (die A. cruzi und A. eunotus stammten höchstwahrscheinlich aus anderen Sammelgebieten und wurden erst nachträglich den Ampyacu-Fisch beigemischt). Polychromatisch bedeutet „vielfarbig“ und bezeichnet eine Situation, in der die Färbung von Tieren der gleichen Art und Population individuell unterschiedlich ist. Die Fische kamen (und kommen) nicht aus dem Rio Nanay-Einzug (von dort stammten wahrscheinlich die A. cruzi und A. eunotus), sondern aus dem Rio Ampyacu-Einzug in Peru (Department Loreto, Distrikt Pebas). Bereits 2014 wurden sie als A. ortegai wissenschaftlich beschrieben und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „Pebas“ (die blauen) und „Papagei“ (die bunten) zur gleichen Spezies gehören.

Einen konstanten Unterschied gibt es aber doch zwischen den blauen und den Papagei-Formen: in bestimmten Stimmungen, wenn die schwarzen Zeichnungselemente besonders gut sichtbar sind, erkennt man, dass die blauen Tiere einen einfachen, eher waagerechten Schwanzwurzelfleck besitzen und die Papageien-Formen einen hochovalen Doppelfleck auf der Schwanzwurzel. Dieses Merkmal betrifft beide Geschlechter. Leider lässt sich aber die Färbung, in der das gut zu erkennen ist, nicht provozieren. Somit ist es im Handel nicht möglich, die beiden Farbformen blau und Papagei sauber zu sortieren. Zumindest die Weibchen kommen daher bei Wildfängen fast immer gemischt in den Handel.

Die aquaristische Herausforderung besteht nun darin, diese Formvielfalt auch unter Nachzuchttieren zu erhalten, denn es hat sich bei polychromatischen Apistogramma schon oft gezeigt, dass diese Tiere durch selektive Zuchtwahl in den Aquarienstämmen ziemlich schnell ein einheitliches Aussehen bekommen. Meist wird dabei seitens der Züchter besonderer Wert auf bunte Farben gelegt – am liebsten Rot! Folgerichtig werden vorwiegend Papageien-Varianten als Nachzucht angeboten. Übrigens: die auf manchen Bildern sehr prominenten Unterbauchstreifen können stimmungsbedingt jederzeit vollständig ausgeblendet werden.

Für unsere Kunden: wir listen diesen Zwergbuntbarsch nach der in der jeweiligen Lieferung vorherrschenden Männchen-Färbung: Blau hat 618404 als Wildfang und 618412 als Nachzucht, Papagei hat 618304 als Wildfang, 618312 (Nachzucht, md) und 618313 (Nachzucht, md-lg). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Britzke, R., C. Oliveira & S. O. Kullander (2014): Apistogramma ortegai (Teleostei: Cichlidae), a new species of cichlid fish from the Ampyiacu River in the Peruvian Amazon basin. Zootaxa 3869 (no. 4): 409-419

Text & Photos: Frank Schäfer

Pao palembangensis (früher Tetraodon palembangensis)

5. Juni 2026

Wir können immer wieder einmal in kleiner Stückzahl diesen unglaublichen Süßwasserkugelfisch importieren. Es handelt sich um eine sehr spezialisierte Art, die in der Natur nur auf Sumatra und Borneo vorkommt, wo sie sehr weiches, saures Wasser besiedelt. Dieser Kugelfisch ist eine reine Süßwasserart, die niemals das Brack- oder Meerwasser aufsucht.

Der merkwürdig gefärbte Bauch dient dem Nahrungserwerb. Pao palembangensis ist ein Raubfisch, der sich zum Jagen totstellt. Er hängt dann in den unmöglichsten Körperstellungen herum, sein marmorierter Bauch sieht aus wie Aas. Kommt ein kleiner Fisch oder eine Garnele, um vom Aas zu fressen, wird das Tier selbst zur Beute.

Unbestätigten Gerüchten zufolge sind die Weibchen weniger bucklig als die Männchen, auf jeden Fall bleiben die Männchen etwas kleiner. Deutliche äußere Geschlechtsunterschiede fehlen. Die Zucht ist bereits gelungen, der etwa 12-15 (selten bis 20) cm lange Fisch ist ein Höhlenbrüter.

In der Literatur wurde Pao palembangensis (früher: Tetraodon palembangensis) unbegreiflicherweise mit dem „Figur-8-Kugelfisch“, Dichotomyctere ocellatus (früher: Tetraodon biocellatus) verwechselt, einem etwa 8 cm lang werdenden Brackwasserkugelfisch, der auch heute noch als „Palembang-Kugelfisch“ bezeichnet wird (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/dichotomyctere-ocellatus-frueher-tetraodon-biocellatus/). Für Pao palembangensis bürgert sich darum mehr und mehr die umgangssprachliche Bezeichnung „Drachen-Kugelfisch“ ein.

Für unsere Kunden: Pao palembangensis hat – je nach Größe – Code 462551 (2-3 cm) bis 462556 (15-20 cm) auf unserer Stockliste, Dichotomyctere ocellatus hat Code 462500 (2 cm) bis 462507 (7-8 cm). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Telmatherina bonti

29. Mai 2026

Aus dem Malili-See-System auf Sulawesi (früher Celebes) kommen vor allem spektakuläre Garnelen, Schnecken und Muscheln zu uns. Fünf Seen, drei große und zwei kleiner, bilden dieses System: Matano, Towuti, Mahalona, Lontoa und Masapi. Jetzt gelang uns wieder einmal der Import einer der dort endemisch lebenden Ährenfischarten, nämlich (höchstwahrscheinlich) Telmatherina bonti. Die Bestimmung von Telmatherina-Arten ist eine hochkomplexe Angelegenheit, weshalb wir nicht so völlig sicher sein können. Aber sehr viel spricht doch dafür, dass wir T. bonti importiert haben. Wie viele Ährenfische der Maliliseen ist auch diese Art polychromatisch, das heißt, Männchen wie Weibchen kommen in verschiedenen Farbspielarten vor. Bei T. bonti gibt es gelbe, weiße und gelb-weiße Individuen. In der Natur kommen sie bunt durcheinander vor und paaren sich auch untereinander. Es handelt sich also auf keinen Fall um Rassen oder Unterarten. Der Sinn dieses Polychromatismus ist unbekannt. Unser aktueller Import enthält nur gelbe Tiere.

Im Aquarium sind T. bonti, die etwa 8 cm lang werden können, sehr friedliche und lebhafte Fische. Die Pflege gelingt leicht, wenn man berücksichtigt, dass das Wasser in den Malili-Seen immer relativ warm (ca. 28°C) ist und sein pH Wert immer über 8 liegt. Beides sollte im Aquarium nachgeahmt werden. Gefressen wird jegliches Trocken- und Frostfutter. Abgelaicht wird in feinfiedrigen Pflanzen. Die Fische sind Dauerlaicher. Telmatherina bonti begeistert durch sein lebhaftes Wesen und die ständige Balz. Es wird nie langweilig, einen Schwarm dieser Fische zu beobachten – und ein Schwarm sollte es bei dieser Fischart immer sein!

Lexikon: Telmatherina: altgriechisch „telma“ bedeutet „Sumpf“, Atherina ist eine andere Ährenfischgattung. bonti: nach der einheimischen Bezeichnung der Art „bonti-bonti“ am Towuti-See.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 461235 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Helostoma temminckii

29. Mai 2026

Der Küssende Gurami (Helostoma temminckii) in seiner rosafarbenen Zuchtform ist einer der bekanntesten Labyrinthfische. Gezüchtet wird er eigentlich nicht als Zierfisch, sondern als Speisefisch. Die Art wird unter geeigneten (Mast-)Bedingungen bis zu 30 cm lang und gilt als delikat. In den nähstoffreichen, trüben Zuchtteichen sind die rosafarbigen Tiere  viel besser zu sehen als die grün-graue Wildform (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/helostoma-temmickii-green/), was die Kontrolle, Pflege und das Abfischen sehr erleichtern.

Im Aquarium erreicht der Fisch gewöhnlich nur 15-20 cm Länge und ist ein ziemlich friedlicher, auf jeden Fall aber interessanter Zierfisch für größere Aquarien. Das eigenartige Maul ist mit zahlreichen Zähnchen besetzt, die zum Abweiden von Aufwuchs (Algen und den darin enthaltenen Kleintieren) dienen. Das berühmte „Küssen“ dieser Fische hat nichts mit Zuneigungsbekundungen zu tun, sondern ist eine Form des im Fischreich weit verbreiteten Maulzerrens, einer ritualisierten Kampfhandlung.

Die Geschlechter sind beim Küssenden Gurami kaum zu unterscheiden. Die Männchen sind etwas weniger hochrückig. Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Labyrinthfischen betreiben Küssende Guramis keinerlei Brutpflege, sondern geben den Laich (viele tausend Eier bei größeren Fischen) während einer Labyrinthfisch-typischen Umschlingung einfach frei ins Wasser ab. Die Eier haben kleine Öltröpfchen und schwimmen darum an der Wasseroberfläche. Hierzulande wird die Zucht so gut wie nicht betrieben, es ist viel einfacher und ökologisch auch sinnvoller, sie aus Südostasien zu importieren, wo die Zucht von Helostoma schon seit Jahrhunderten betrieben wird.

Die Pflege von Küssenden Guramis ist nicht schwer, jedes Wasser wird akzeptiert, jedes übliche Futter gefressen, es darf nur nicht zu grob sein. Die Wassertemperatur kann zwischen 20 und 30°C liegen. Man sollte stets mehrere Exemplare pflegen, auch wenn Helostoma temminckii keine Artgenossen zum Wohlbefinden benötigt. Aber es ist schon interessant, das „Küssen“ dieser Tiere zu beobachten und zum Küssen muss man nunmal mindestens zu zweit sein…

Für unsere Kunden: die Tiere haben – ja nach Größe – Code 421301 (3-4 cm) bis 421307 (12-15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gasteropelecus sternicla

29. Mai 2026

Der so genannte Gemeine Beilbauchsalmler Gasteropelecus sternicla kommt praktisch im gesamten Gebiet der Tropen Südamerikas vor. In diesem riesigen Areal haben sich vermutlich unterschiedliche genetische Linien entwickelt. Es ist jedenfalls extrem unwahrscheinlich, dass dem nicht so ist. Trotzdem sehen sie sich überall äußerst ähnlich: es sind schlicht und ergreifend Erfolgsmodelle der Evolution! Die Maximallänge dieser Art liegt bei etwa 6-7 cm.

Die Bilder zu diesem Post zeigen Tiere aus Kolumbien. Wir haben Gasteropelecus sternicla praktisch immer im Stock, manchmal auch als Nachzucht aus Indonesien. Die kolumbianischen Exemplare sind deshalb interessant, weil diese Tiere aus dem Rio Magdalena stammen. Dieser Fluss, der etwa die Größe des Rheins hat, ist von anderen Fluss-Systemen Südamerikas ziemlich isoliert und darum kommen viele seiner Fischarten ausschließlich dort vor; der Fachausdruck lautet: sie sind dort endemisch. 

Tatsächlich wurde aus dem Rio Magdalena auch 1912 eine Beilbauchfischart wissenschaftlich beschrieben, nämlich Thoracocharax magdalenae. Sie gilt heute als Synonym zu Gasteropelecus maculatus. Wir waren nun natürlich gespannt, ob die G. sternicla aus dem Rio Magdalena anders aussehen würden, als ihre Vettern aus anderen Gegenden. Fehlanzeige! Trotzdem ist es interessant, sie einmal gesehen zu haben…

Die Pflege von Gasteropelecus sternicla ist einfach, wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Die Wasserwerte sind nebensächlich. Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28°C betragen. Das Aquarium muss lückenlos abgedeckt sein, denn Gasteropelecus zählen zu den fliegenden Fischen. In der Natur ernähren sie sich von kleinen Insekten, nach denen sie springen. Eine kleine Mücke, die durch die gute Stube fliegt, kann dazu führen, dass der ganze Beilbauch-Schwarm auf dem Teppich landet! Außerdem muss man bei der Fütterung beachten, dass Beilbauchfische nur Futter von der Wasseroberfläche oder während des Absinkens nehmen. Da diese Fische einen kleinen Magen haben, sollte man mehrmals täglich in kleinen Portionen füttern (so viel, wie binnen 5 Minuten restlos aufgefressen wird). Beim Futter sind die Beilbäuche nicht sehr wählerisch. Insekten (z.B. Drosophila) sind ihr absolutes Lieblingsfutter, aber Trockenfutter oder gefriergetrocknetes Futter wird ebenfalls problemlos akzeptiert. Man sollte Beilbauchfische im Schwarm pflegen. Die Weibchen sind etwas größer und plumper als die Männchen. Die Geschlechterzusammenstellung spielt für die Pflege keine Rolle. Gasteropelecus sternicla sind gegen Artgenossen und artfremde Fische völlig friedlich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – als Wildfang Code 254401 (sm) bis 254407 (xlg) und als Nachzucht 254412 (sm-md)  auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gastrodermus hastatus (früher: Corydoras hastatus)

29. Mai 2026

Zwei Panzerwels-Arten werden umgangssprachlich als Zwergpanzerwelse bezeichnet. Die  nördliche Art ist Gastrodermus pygmaeus (oberer Amazonas in Peru, Ecuador, Brasilien und Kolumbien) siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_pygmaeus_de/. Die südliche ist Gastrodermus hastatus; sie wird in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gefunden. Beide Arten wurden bis vor kurzem noch in der großen Sammelgattung Corydoras geführt, beide werden nur 2-3 cm groß. 

Den südlichen Zwergpanzerwels G. hastatus beziehen wir meist aus Paraguay. Im Gegensatz zu den meisten anderen Panzerwelsen sind die Zwergpanzerwelse weniger bodengebunden. Sie schwimmen genau so gerne im freien Wasser. Oft sind die Schwärme von G. hastatus gemischt mit mehreren Salmlerarten, die exakt die gleiche Färbung haben. Wozu das gut ist, können Sie hier nachlesen: https://www.aqualog.de/blog/die-paraguay-connection/

Man pflegt Zwergpanzerwelse in möglichst großen Schwärmen. Weniger als 6 Tiere sollten es nie sein. Die chemische Wasserzusammensetzung ist nebensächlich, jedes Trinkwasser ist geeignet. Gefressen wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe, allerdings nehmen die Tiere nur ungern Futter von der Wasseroberfläche, es sollte also absinken. Die Wassertemperatur kann und sollte bei der südlichen Art im Verlauf der Jahreszeit unterschiedlich sein. Es sollte eine kühle Periode mit Wassertemperaturen zwischen 16 und 22°C geben und eine warme mit 24-28°C warmem Wasser. Jede Periode kann etwa ein halbes Jahr andauern, wobei man sich bei der Eingewöhnung der Tiere an der jeweilige Jahreszeit im Ursprungsland orientieren sollte. In Paraguay mit seinem subtropischen Klima gibt es zwei zwei Hauptjahreszeiten: einen heißen Sommer (Oktober–März, bis über 40°C) und einem milden bis kühlen Winter (Mai–August). Sind G. hastatus einmal eingewöhnt, kann man den jahreszeitlichen Temperatur-Rhythmus den in unseren Breiten üblichen Temperatur-Perioden anpassen

Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 232001 (sm) bis 232005 (lg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Crenuchus spilurus „Peru Super Orange“

18. Mai 2026

Der Prachtsalmler, Crenuchus spilurus, ist die einzige formell beschriebene Art der Gattung Crenuchus. Es gibt freilich noch mindestens eine weitere in Venezuela (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/eine_neue_crenuchus_art__de/). Ursprünglich wurde C. spilurus aus dem Essequibo River in Guyana beschrieben. Aus Peru haben wir extrem farbenprächtige Exemplare importieren können, die besonders durch die kräftigen Orangetöne und das intensive Rot der Flossen auffallen.

Im Gegensatz zu fast allen anderen Salmlern ist Crenuchus spilurus ein Höhlenbrüter, der zudem Brutpflege betreibt. Leider gelingt die Zucht nur selten. Die Geschlechter unterscheiden sich sehr leicht durch die segelförmig ausgezogene Rücken- und Afterflosse der Männchen. Bei den Weibchen sind diese Flosse normal ausgeprägt. Ungeachtet ihres großen Maules sind Crenuchus friedliche Tiere. Sehr kleine Fische werden zwar als Futter angesehen, aber das gilt ja für fast alle Fischarten.

Prachtsalmler sind ruhige Gesellen, die bodennah leben. Ihr Aquarium sollte nicht allzu stark beleuchtet sein und starke Strömung sollte man ebenfalls vermeiden. Gut bepflanzte, leicht schummrige Becken mit dunklem Bodengrund bringen die Farben von Crenuchus am besten zur Geltung. Ihren Namen „Prachtsalmler“ verdienen die Männchen voll und ganz, wenn sie untereinander mit weit gespreizten Flossen imponieren. Das tun sie aber nicht auf Bestellung – leider!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 250245 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer