Archiv für den Autor: Frank Schäfer

Bunocephalus coracoideus

16. Oktober 2025

Bratpfannenwelse (Bunocephalus) sind in der Natur ungemein häufig. Darum haben wir sie stets im Angebot. Meist bezeichnen wir die Tiere als Bunocephalus coracoideus, was in vielen Fällen auch richtig sein mag. Aber wenn man in so ein Gewimmel von Bratpfannenwelsen blickt, fällt doch auf, dass immer wieder andere Arten dazwischen sind. In aller Regel lassen die sich zwar nicht mit vertretbarem Aufwand bestimmen und schon gleich gar nicht sortieren, aber es ist ausgesprochen spannend, einen Trupp von vielleicht 20 dieser Tiere im Aquarium aufzuziehen und zu beobachten. Dann fällt auf, wie variabel in der Färbung diese Tiere sind, dass es deutliche Unterschiede in der Anatomie gibt (vor allem der Knochenleisten entlang der Rückenmitte vor der Rückenflosse) und auch, dass es Arten gibt, die sich lieber eingraben als andere.

Wie gesagt, in aller Regel werden Bunocephalus im Handel meist nicht näher bestimmt und unter der Bezeichnung B. coracoideus vermarktet. Kniffelig wird es dann, wenn optisch eindeutig vom „mainstream“ unterscheidbare Bunocephalus importiert werden; diese versuchen wir natürlich schon möglichst exakt zu bestimmen. Darum erfolgt an dieser Stelle kurz eine Beschreibung dessen, was wir derzeit unter dem „echten“ B. coracoideus verstehen.

Der Artname „coracoideus“ bezieht sich auf ein ganz charakteristisches Merkmal dieser Art, die Coracoide oder Rabenbeine. Das sind Knochenspangen, die in diesem Fall die Brustflossen stützen. Da diese Knochenspangen unmittelbar unter der Haut liegen, sind sie auch beim lebenden Tier sehr gut sichtbar. Die ausgeprägtesten Coracoide in der aktuell 14 Arten umfassenden Gattung Bunocephalus hat nach gegenwärtigem Wissensstand B. coracoideus. Die bäuchlings platzierten Teile der Spangen reichen fast bis zum Ansatz der Bauchflossen. Ein zweites Merkmal, das die Art B. coracoideus sehr gut charakterisiert, sind die Knochenauswüchse entlang der Kopfmitte. Hier sind drei deutliche größere Erhebungen zu erkennen und unmittelbar vor der Rückenflosse noch eine kleine. Diese Merkmalskombination erlaubt in den meisten Fällen eine ziemlich sichere Bestimmung. Die Färbung ist kein so gutes Merkmal, denn sie ist sehr variabel. Fast immer besteht sie allerdings aus einem den Kopf bedeckenden vorderen Teil, der sich vom der Färbung des Schwanzes unterscheidet. Ein bekanntes Synonym zu B. coracoideus ist B. bicolor; „bicolor“ bedeutet „der farblich zweigeteilte“.

Verbreitet ist B. coracoideus im gesamten Amazonasgebiet und kann darum auch praktisch aus allen zierfischexportierenden Ländern, die Zugang zum Amazonas haben, zu uns kommen. Aktuell haben wir z.B. sehr schöne Tiere aus Kolumbien im Stock. Genetische Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass sich verschiedene, optisch nicht voneinander unterscheidbare Populationen von B. coracoideus in Bezug auf ihre Erbmasse so deutlich unterscheiden, dass man eigentlich von verschiedenen Arten sprechen müsste. Das zu wissen ist in der Praxis vor allem bei Zuchtversuchen wichtig. Wenn man Bunocephalus züchten möchte, was durchaus möglich ist, wenn auch nicht häufig praktiziert wird, sollte man sich seinen Zuchtstamm immer aus Tieren des gleichen Importes zusammenstellen, um keine unnützen Hybriden zu produzieren.

Für unsere Kunden: B. coracoideus hat – je nach Größe – Code 212901 (2-3 cm) bis 212907 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Garra qiaojiensis

10. Oktober 2025

Aus der überaus artenreichen Gattung Garra sind ja schon manche guten Aquarienfische zu uns gekommen. Berühmt ist der „Knabberfisch“ Garra rufa (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/garra-rufa/), sehr hübsch ist Garra flavatra (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/garra_flavatra_de-2/), bizarr und schön Garra panitvongi (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/garra-panitvongi-sp-red-tail/).

Nun erhielten wir zwei Exemplare eine Garra-Art als Muster, deren Schönheit uns etwas den Atem verschlug. Es handelt sich um die nur sehr lokal im Irrawaddy-System von China und Burma vorkommende Garra qiaojiensis. Unsere Tiere stammen aus der Putao-Region in Burma. Ihre Länge liegt bei ca. 9 cm. Aufgrund einiger Merkmale (ein Exemplar hat einen roten Punkt in der Schulterregion, der dem anderen Tier fehlt, es bestehen außerdem Färbungsunterschiede in den Bauchflossen, ein  Tier erscheint uns zudem schlanker als das andere) denken wir, dass es sich um ein Paar handelt.

Was uns als nächstes den Atem verschlug, war allerdings der Preis. Unser Lieferant hatte nur eine kleine Zahl von Tieren im Stock, die wir inzwischen alle importiert haben.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 416383 (8-10 cm) und 416384 (10-12 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Spinipterus moijiri

10. Oktober 2025

Die Entdeckung einer neuen Gattung der Trugdornwelse – Spinipterus – ist ziemlich sensationell. 2011 wurde die erste Art der zeitgleich beschriebenen neuen Gattung beschrieben (S. acsi) und die neue Gattung für sie aufgestellt. 2019 kam die zweite Art (S. moijiri) hinzu, die deutlich attraktiver gezeichnet ist und voll erwachsen ein schönes Jaguar-Muster aufweist. Bei jüngeren Tieren sind die Punkte noch flächig, später werden sie eher ringförmig. S. acsi wird etwa 8 cm, S. moijiri rund 10 cm lang. S. acsi kommt im oberen Amazonas-Becken (Peru, Brasilien), S. moijiri in Peru (Rio Nanay) und Brasilien (Rio Purus und Rio Japura) vor. Wir haben unsere Tiere aus Peru erhalten.

Es sind sehr friedliche, streng nachtaktive Welse, die unter aquaristischen Gesichtspunkten gut mit Tatia verglichen werden können. Bei beiden Spinipterus-Arten gelang bereits verschiedentlich die Nachzucht. Es zeigte sich, dass man diese Fische am besten in Gruppen pflegt. Im Gegensatz zu den meisten Tatia-Arten wird meist keine Brutpflege ausgeübt, sondern die Eier einfach frei im Becken verstreut. Es gibt allerdings auch vereinzelte Beobachtungen, dass die Weibchen die Eier in einer Röhre bewacht haben sollen.

Wie bei allen Trugdornwelsen kann man die Geschlechter ab dem Eintritt der Geschlechtsreife gut anhand der unterschiedlich geformten Afterflossen unterscheiden. Die wichtigste Pflegemaßnahme ist bei Spinipterus sicherlich die Fütterung. Es muss einerseits darauf geachtet werden, dass die Tiere auch etwas abbekommen; das bedeutet, dass zumindest in der Anfangszeit eventuell auch nach dem Ausschalten der Beleuchtung noch gefüttert werden muss. Umgekehrt muss man bei eingewöhnten Tieren, die dann ja auch tagsüber zur Fütterung erscheinen, aufpassen, dass sie nicht verfetten. Sie sind gute und tüchtige Fresser! Jedes handelsübliche Zierfischfutter wird gerne gefressen. In der Natur bilden wohl Insekten und deren Larven die hauptsächliche Nahrung. Wasserhärte und pH sind nebensächlich, die Wassertemperatur kann im üblichen Bereich (24 bis 28°C) liegen, zeitweise etwas höher oder niedriger schadet auch nicht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 295232 auf unserer Stockliste. bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nannostomus erythrurus

10. Oktober 2025

Der Dreiband-Ziersalmler, Nannostomus trifasciatus, gehört zu den außerordentlich beliebten Zierfischen. Er vereinigt zahlreiche Eigenschaften in sich, die ihn begehrenswert machen: wunderschöne Färbung, friedliches Wesen, geringe Größe, problemlose Ernährung. Allerdings wissen nur wenige Menschen, dass sich unter dem Namen „Nannostomus trifasciatus“ tatsächlich mehrere Arten verbergen. Der „echte“ N. trifasciatus ist relativ selten im Handel. Er kommt aus der Umgebung von Manaus in Brasilien und Tabatinga/Leticia im Dreiländereck von Peru, Kolumbien und Brasilien. Sein Erkennungsmerkmal: oberhalb der breiten, dunklen Längsbinde befindet sich noch ein zusätzlicher, schmaler roter Streifen. Dieser Streifen wird leider leicht überblitzt und ist darum auf Photographien oft nur schlecht erkennbar.

Eine sehr weite Verbreitung hat die Zwillingsart, N. erythrurus. Beschrieben wurde sie aus Guyana, es gibt sie aber weitverbreitet auch in Peru und auch im Unterlauf des Amazonas in Brasilien. Der erwähnte rote Streifen fehlt hier immer; nur einen roten Schulterfleck findet man oft. Die Ähnlichkeit zwischen N. erythrurus und N. trifasciatus ist so groß, dass N. erythrurus bis 2013 gewöhnlich als Synonym zu N. trifasciatus gesehen wurde; beschrieben wurde  N. erythrurus bereits im Jahr 1909.

Ab und zu erhalten wir aus Peru und Brasilien so hübsche N. erythrurus, dass wir sie auch als besondere Art auszeichnen. Im Handel wird sonst meist nicht zwischen den beiden Arten unterschieden.

Bezüglich der oben aufgezählten positiven Eigenschaften unterscheiden sich N. erythrurus und N. trifasciatus nicht. Beide sind ideale Aquarienfische.

Für unsere Kunden: N. erythrurus hat Code 272013, N. trifasciatus Code 272301-272306 (je nach Größe). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sicyopterus microcephalus (falsch als S. longifilis importiert)

10. Oktober 2025

Die Gattung Sicyopterus stellt die größten Arten der immer beliebter werdenden sicydiinen Grundeln, zu denen z.B. Stiphodon, Sicyopus, Sicydium, Lentipes und andere zählen. Alle diese Grundeln machen ihre Larvalentwicklung im Meer durch, während die Erwachsenen in reinem Süßwasser leben und dort auch ihre Eier legen. Da die Larven kaum Dottervorräte besitzen, müssen sie relativ schnell mit der Strömung ins Meer verdriftet werden. Darum findet man sicydiinen Grundeln nur in Fließgewässern und nicht sehr weit vom Meer entfernt. Je nachdem, in welche Meeresströmung die Larven geraten, gehen sie unter Umständen in weit vom Geburtsort entfernt ins Süßwasser. So erklären sich die teilweise riesigen Verbreitungsgebiete etlicher Arten.

 

Leider ist die Feinsystematik der Gattung Sicyopterus nur schlecht verstanden. Die etwa 27 bis 33 derzeit anerkannten Arten (je nach Autor)  sehen sich alle ziemlich ähnlich und sind allesamt farblich sehr variabel. Stimmungs-, alters- und geschlechtsabhängig können sie ein sehr unterschiedliches Farbkleid tragen. Das macht ihre Bestimmung schwierig. Erst 2018 konnte z.B. für das ichthyologisch sehr gut untersuchte Japan erstmals Sicyopterus longifilis nachgewiesen werden. Bis dahin waren nur zwei andere Arten der Gattung von dort bekannt, nämlich S. lagocephalus und S. japonicus. Bei der Aufklärung der Identität der für Japan neuen Art fanden die Bearbeiter (Maeda & Saeki, 2018) heraus, dass die 1912 zeitgleich mit S. longifilis von Ceram beschriebene S. brevis tatsächlich nur das Weibchen zur S. longifilis (Männchen) ist.

Das wichtigste Bestimmungsmerkmal für S. longifilis für uns Aquarianer ist die Kombination aus sehr langen, freien Rückenflossenstrahlen (zumindest bei den Männchen, die Rückenflossenstrahlen der Weibchen sind zwar auch frei und ausgezogen, aber nicht ganz so lang) und das Fehlen einer Kerbe in der Mitte der Oberlippe; letzteres sieht man am besten, wenn das Tier an der Frontscheibe angesaugt sitzt. Unsere unter der Bezeichnung S. longifilis importierten Tiere haben die lang ausgezogenen Rückenflossenstrahlen, zeigen aber ein weiteres Lippenmerkmal: Papillen an der Oberlippe. Diese sind typisch für S. microcephalus, fehlen aber bei S. longifilis. Somit handelt es sich bei den hier gezeigten Bildern höchtwahrscheinlich um S. microcephalus und nicht um S. longifilis.

Die Pflege von Sicyopterus sollte in Aquarien erfolgen, deren Einrichtung einem Bach nachempfunden ist, also mit Sand- Kies- und Geröllpartien. Ein paar Wurzeln schaden auch nicht, die Bepflanzung sollte dagegen eher sparsam sein. Eine kräftige Strömung schätzen die Tiere sehr. Häufig wühlen sie sich in den Boden, besonders gern unter flache Steine, an deren Unterseite auch abgelaicht wird. Bezüglich der Nahrungsaufnahme sind Sicyopterus unproblematisch. Von  Natur aus Aufwuchsfresser, nehmen sie gerne Trocken- und Frostfutter aller Art, nur zu grob darf es nicht sein. Härte und pH-Wert sind unwesentlich, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser ist auch zur Pflege und Zucht von Sicyopterus geeignet. Die Wassertemperatur kann zwischen 20 und 28°C liegen. Sicyopterus sind grundsätzlich friedliche Fische, innerartliche Rangeleien sind – zumindest bei uns – stets harmloser Natur. Die Art wird ca. 10 cm lang (inklusive Schwanzflosse).

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 455163 (5-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Maeda, K. & T. Saeki (2018): Revision of species in Sicyopterus (Gobiidae: Sicydiinae) described by de Beaufort (1912), with a first record of Sicyopterus longifilis from Japan. Species Diversity v. 23: 253-262.

Text & Photos: Frank Schäfer

Aspidoras raimundi C125 Red

12. September 2025

Die Gattung Aspidoras wurde kürzlich einer Revision unterzogen und es gab dabei mehrere Umgruppierungen. Unter anderem wurde die dem Namen nach aquaristisch bekannten Arten A. menezesi und A. spilotus mit A. raimundi synonymisiert. Die Panzerwelsfreunde sind sich einig, dass auch C125 und CW119 hierher gehören. Mehr Informationen zum Wildtyp von A. raimundi finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/aspidoras-raimundi-ceara/

Die rote Form mit roten Augen trat nach Aussage unseres Züchters, der uns bereits vor 11 Jahren erstmals mit diesen Tieren belieferte, spontan unter seinen Nachzuchten von wildfarbenen C125 auf. Deren genaue Herkunft war/ist bis heute u.W. ungeklärt, man weiß nur, dass sie aus Brasilien kamen. Der rote Stamm konnte, wie man sieht, gut stabilisiert werden. Die Endgröße dieser schönen und friedlichen Schmerlenpanzerwelse liegt bei 4 – 4,5 cm. Es gelten die üblichen Pflegeempfehlungen für Panzerwelse.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 208582 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Tencatt, LFC, Britto, MR, Isbrücker, IJH & CS Pavanelli (2022): Taxonomy of the armored catfish genus Aspidoras (Siluriformes: Callichthyidae) revisited, with the description of a new species. Neotrop Ichthyol. 2022; 20(3):e220040. https://doi.org/10.1590/1982-0224-2022-0040 

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma sp. CW127 Nachzuchten

12. September 2025

Zu den prächtigsten in den letzten Jahtren verfügbar gewordenen Panzerwelsen gehört zweifellos der CW127 aus dem Rio Jamanxim. Für mehr Informationen siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sp-aff-parallelus-cw127-3/

Wir haben jetzt erstmals deutsche Nachzuchten dieser herrlichen Tiere im Stock.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 240262 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma eunotus „Orangeschwanz“

12. September 2025

Man muss sich in unserer Zeit, in der absurde Debatten darüber geführt werden, die private Tierhaltung weitestgehend zu verbieten („Positivliste“), immer wieder einmal vor Augen halten, welch großartige Erfolge bei vielen Fischgruppen dank der Aquaristik erzielt wurden. Dafür ist die Gattung Apistogramma ein Paradebeispiel. Bis 1977 kannte man 31 beschriebene Arten, von denen aber nur 20 gültig waren. Heute kennt man nahezu 100 gültig beschriebene Arten (94, um präzise zu sein) und noch immer ein paar, die im Hobby bereits bekannt, aber noch nicht wissenschaftlich beschrieben sind. Dieser enorme Kenntniszuwachs wäre ohne das Interesse der Aquarianer an diesen Fischen gar nicht denkbar gewesen. Wenn man nun noch bedenkt, dass Artenkenntnis die absolute Basisvoraussetzung für jede nur denkbare Form von Artenschutz ist, so zeigt das Beispiel Apistogramma überdeutlich, dass auch der Wildfangimport keine Arten bedroht, sondern im Gegenteil die Grundlage für ihren Schutz darstellt.

In der „erste Welle“ der Apistogramma-Neubeschreibungen in den frühen 1980er Jahren war auch eine Art aus Peru, die als „Orangeschwanz-Apistogramma“ im Hobby bekannt wurde: A. eunotus. Diese für Apistogramma-Verhältnisse recht großwüchsige Art – Männchen werden gut und gerne 8,5 cm lang – stammt aus Tieflandflüssen Perus und angrenzender Gebiete Kolumbiens. Wie fast alle Apistogramma sind die Männchen polychromatisch, d.h. an ein und demselben Fundort kann man verschieden gefärbte Männchen finden. Die im Hobby besonders hübsch empfundene Orangeschwanz-Farbmorphe ist aber relativ selten. Sehr oft enthalten ganze Importe von A. eunotus gar keine Männchen mit farbigen Schwanzflossen. Gerade haben wir aber einen Import mit einem hohen Anteil solcher Tiere aus Peru erhalten.

Apistogramma eunotus ist insofern besonders, als dass er die bei vielen Arten der Gattung zur Zucht erforderlichen stark sauren Wasserwerte (pH unter 5,5) nicht nur nicht mag, sondern geradezu meidet. Auch starke Anreicherung von Huminstoffen, wie sie für etliche Apistogramma fast lebensnotwendig sind, schätzt A. eunotus nicht. Die Zucht des typischen Höhlenbrüters mit Mutter-Vater-Familie gelingt auch noch gut bei leicht alkalischem Wasser und mittlerer Härte. In der Natur wurden in A.-eunotus-Biotopen schon sehr unterschiedliche Werte vorgefunden, aber nie sehr saures Wasser. Die Wassertemperatur sollte sich im Aquarium zwischen 23 und 27°C bewegen, im Freiland wurden Werte zwischen 18 und 31°C  gemessen. Wie alle Apistogramma-Arten braucht auch diese Stellen mit feinsandigem Boden zum Durchkauen. Die Fütterung ist unproblematisch, jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe wird willig angenommen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 619002 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hemiodus semitaeniatus

12. September 2025

Mit 23 Arten ist die Gattung Hemiodus (Feder- oder Keulensalmler) ziemlich artenreich. Die Mehrzahl der Arten wird 15-20 cm lang, die größten um 30 cm. Früher unterschied man drei Gattungen (Hemiodus, Hemiodopsis und Pterohemiodus). Die als Gattungsunterschiede aufgefassten Merkmale erwiesen sich jedoch als nicht ausreichend relevant. Darum wurden alle drei wieder zu einer Gattung – Hemiodus – zusammengezogen. 

Hemiodus sind stressempfindlich. Ihr Fang, Eingewöhnung und Transport gelingen darum nur mit größter Sorgfalt. Das ist der Grund, weshalb diese Fische nur vergleichsweise selten in den Handel gelangen. Alle bisher im Aquarium beobachteten Arten zeigen ein Schrägsteher-Schwimmverhalten. Man pflegt diese eleganten Tiere grundsätzlich im Schwarm ab acht Exemplaren, da Einzeltiere sehr nervös sein können. Ein möglichst großes Aquarium mit viel freiem Schwimmraum ist eine weitere Grundvoraussetzung. Untereinander und gegen artfremde Fische sind Federsalmler friedlich. Über ein Zucht im Aquarium wurde noch nicht berichtet. Bezüglich der Wasserwerte (pH und Härte) und des Futters (jedes übliche Zierfischfutter passender Größe wird gerne angenommen) können Hemiodus als anspruchslos bezeichnet werden, allerdings soll das Wasser klar und sauerstoffreich sein. Eine Temperatur zwischen 24 und 28°C ist wohl für alle Arten optimal.

Die einzige Art der Gattung, die relativ regelmäßig angeboten wird, ist Hemiodus gracilis. Sie besitzt eine charakteristische Zeichnung. Etwa in der Mitte des Körpers beginnt ein kräftiges schwarzes Längsband, das sich in die untere Schwanzflossenhälfte fortsetzt. Unterhalb dieses schwarzen Bandes ist die Kante der Schwanzflosse bei H. gracilis tiefrot – sehr attraktiv! Nahezu identisch gefärbt sind H. semitaeniatus und H. goeldii, allerdings ist bei beiden die Unterkante der Schwanzflosse nicht rot sondern weiß. H. semitaeniatus hat deutlich mehr Schuppen in der Längsreihe als H. gracilis und H. goeldii (diese haben nur ca. 50 ziemlich große Schuppen in der Längsreihe, H. semitaeniatus über 50, wodurch die Schuppen deutlich kleiner in Relation zum Körper sind). Man kann die Schuppenzählerei gut abkürzen, indem man nur die Schuppen entlang der Rückenkante vor der dem Ansatz der Rückenflosse zählt, hier hat H. semitaeniatus deutlich über 20, H. goeldii nur 12 Schuppen.

Wir haben kürzlich aus Kolumbien „H. gracilis“ erhalten, bei denen leider so gar kein Rot in der Schwanzflosse erkennbar ist. Die genauere Recherche ergab, dass es sich um H. semitaeniatus handelt. Die Art ist weit in Südamerika verbreitet: gemeldet wurde sie schon aus Brasilien, Bolivien, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru und Venezuela. Genetische Untersuchen an Hemiodus, die kürzlich durchgeführt wurden (Nogueira et al., 2020), legen allerdings den Verdacht nahe, dass man es hier eher mit einem Artenkomplex statt nur mit einer einzigen Art zu tun hat. Das größte bislang vermessene Exemplar von H. semitaeniatus war 20 cm lang.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 258282 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Nogueira, A. F., C. Oliveira, F. Langeani & A. L. Netto-Ferreira (2020): Overlooked biodiversity of mitochondrial lineages in Hemiodus (Ostariophysi, Characiformes). Zoologica Scripta v. 50 (no. 3): 337-351.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pimelodus tetramerus

12. September 2025

Die Gattung Pimelodus ist mit derzeit 35 anerkannten Arten ziemlich artenreich und aufgrund einer fehlenden, neueren Revision auch sehr unübersichtlich. Aquaristisch spielen diese südamerikanischen Welse nur eine geringe Rolle. Die einzige regelmäßig im Handel verfügbare Art ist Pimelodus pictus, der Engelswels, und P. ornatus ist eine teure, von Spezialisten begehrte Rarität. Andere Arten tauchen dann und wann zwar in kleinen Stückzahlen im Handel auf, sind aber grundsätzlich ohne Bedeutung. Mit der hier vorgestellten Art, die wir gelegentlich aus Venezuela oder – wie gerade aktuell – aus Peru importieren konnten, könnte sich das Spektrum um eine weitere Art vermehren, denn die Tiere sind sehr attraktiv: Pimelodus tetramerus.

Die Art wurde 2006 aus den Flüssen Tocantins und Tapajos Brasilien beschrieben. Importe erfolgten zwischen zeitlich aus dem Rio Xingu, aus Venezuela, Kolumbien und Peru. Grant (2021) vermutet einen Artenkomplex hinter den diversen Importen; eine Auffassung, die wir zwar nicht ausschließen, jedoch sind die äußerlich erkennbaren Unterschiede zwischen Tierren aus den verschiedenen Exportgebieten so geringfügig, dass wir sie nicht unterscheiden.  Die Größe der Importtiere liegt meist bei ca. 6-9 cm; P. tetramerus wird etwa 20 cm lang.

Pimelodus-Arten sind im Gegensatz zu vielen anderen Welsen auch tagsüber aktiv. Zumindest als Jungfische sind es ausgesprochene Schwarmfische, man sollte darum immer gleich 5-10 Exemplare erwerben. Gegenüber anderen Fischen sind sie völlig friedlich, zu kleine Mitbewohner werden aber selbstverständlich als Nahrung angesehen. Bezüglich der Ernährung sind Pimelodus ebenso anspruchslos wie bezüglich der Wasserwerte, weshalb auch Anfänger ihre Freude an diesen schönen Fischen haben können. Aufpassen muss man nur mit den extrem spitzen Flossenstacheln. Sowohl die Brustflossen wie auch die Rückenflosse verfügen über derart spitze Flossenstacheln, wie wir das bisher bei kaum einer anderen Fischart erlebt haben. Grundsätzlich ist es darum besser, diese Welse mit einem Becher oder dergleichen zu fangen, denn in jedem Netz ist die Gefahr, dass sie sich furchtbar verheddern, sehr groß.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 280113 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Literatur: 

Grant, S. (2021): Pims; Pimelodidae, Heptapteridae and Pseudopimelodidae Catfishes. Neuenstadt am Rübenberge, 220 pp.

Ribeiro, F. R. V. & C. A. S. de Lucena (2006): Nova espécie de Pimelodus (Siluriformes, Pimelodidae) dos rios Tapajós e Tocantins, Brasil. Iheringia, Série Zoologia (Porto Alegre) v. 96 (no. 3): 321-327.

Harttia punctata

5. September 2025

Aus der artenreichen Gattung Harttia – aktuell werden 28 Arten unterschieden – kommt kaum jemals eine in unsere Aquarien. Die Fische sind relativ enge Verwandte der beliebten Störwelse (Sturisoma und Sturisomatichthys) und ähneln ihnen in vielen Verhaltensweisen, sind jedoch erheblich anspruchsvoller. Harttia benötigen zum Gedeihen sehr sauberes, sauerstoffreiches und warmes Wasser; zudem sollte feines Futter, wie es der natürlichen Nahrung der Fische (Aufwuchs, also Algen und die darin lebenden Kleinstorganismen) entspricht, den Hauptanteil in der Ernährung darstellen. Bereits geringfügige Pflegefehler sind für solche Fische fatal. Es liegt auf der Hand, dass bereits Fang und Transport besondere Herausforderungen mit sich bringen. Gesunde Tiere sind andererseits im Aquarium sogar schon zur Zucht gebracht worden.

Harttia punctata ist eine von zwei gemeinsam im Rio Tocantins in Brasilien vorkommenden Arten. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Spezies – die andere ist H. duriventris – liegt in der Beschilderung des Bauches. Bei H. duriventris ist die gesamte Bauchseite mit Knochenplatten bedeckt, bei H. punctata sind große Partien des Bauches nackt. Insgesamt hat sich allerdings herausgestellt, dass das Merkmal der Bauchbeschilderung innerhalb der Arten ziemlich variabel ist. Farblich unterscheiden sich H. punctata und H. duriventris kaum, H. punctata hat zahlreichere, kontrastreichere Punkte. Bei zwei zufällig ausgewählten Tieren unseres aktuellen Importes entspricht die Bauchbeschilderung H. punctata. Da alle Fische sehr ähnlich zueinander gefärbt sind, denken wir, dass auch alle zur gleichen Art gehören. Wir können aber nicht ausschließen, dass auch der eine oder andere H. duriventris sich dazwischen verbirgt.

Genau wie die Sturisoma und Sturisomatichthys sind Harttia keine Höhlen-, sondern Offenbrüter. Die Eier werden bevorzugt an stark überströmten Steinen abgelegt und vom Männchen bis zum Schlupf bewacht. Geschlechtsunterschiede scheinen sich darauf zu beschränken, dass die Männchen einen etwas breiteren Kopf und einen breiteren, bestachelten ersten Brustflossenstrahl besitzen. Die Aufzucht entspricht in groben Zügen der der Störwelse.

Alles in allem sind Harttia punctata Fische für wirklich erfahrene Aquarianer, die eine Herausforderung suchen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255384 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Seidel, I. (2010): Ingos Harnischwelszucht. Tetra Verlag, Berlin-Velten, 272 pp

Text & Photos: Frank Schäfer

Pseudocrenilabrus multicolor

5. September 2025

Der dienstälteste maulbrütende Buntbarsch in unseren Aquarien ist Pseudocrenilabrus multicolor. Er wurde bereits 1902 aus Ägypten nach Deutschland eingeführt. Die gewöhnlich 4-5 cm langen Tiere – als Maximallänge werden in der Literatur 8 cm angegeben – sind seither nie mehr im Hobby ausgestorben. Es ist sogar anzunehmen, dass diese Fische über 100 Jahre ohne „Blutauffrischung“, d.h., ohne dass erneute Importe erfolgten, in Erhaltungszucht gepflegt und gezüchtet wurden. Erst in jüngster Zeit ist es etwas still um ihn geworden. Wir freuen uns daher sehr, ihn wieder einmal anbieten zu können.

Mit der Farbenpracht der maulbrütenden Buntbarsche aus dem Malawisee kann P. multicolor nicht mithalten, obwohl er sehr bunt ist. Aber seine Farben sind Schillerfarben und kleinflächig, während seine großen Vettern plakativ bunt sind. Dafür macht es aber immer wieder große Freude, die Brutpflege dieses lebhaften kleinen Tieres zu beobachten. Im Gegensatz zu den meisten Malawi-Buntbarschen nimmt nämlich bei P. multicolor das Muttertier die Jungfische auch nach deren ersten Entlassung noch viele Tage lang (etwa eine Woche) bei vermeintlichen Gefahren und nachts ins Maul.

Man pflegt P. multicolor bei Temperaturen zwischen 20 und 28°C in gut bepflanzten Becken, bei denen man jedoch stellenweise freie Sandflächen einplanen muss. Dort baut das Männchen zur Laichzeit eine flache Grube und lockt die holde Weiblichkeit zu sich, indem es in den herrlichsten Farben schillert und mit der Schwanzflosse über den Boden surfend den Weg zum Liebesnest weist. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe, egal ob Trocken-, Frost- oder Lebendfutter. Aufgrund seiner relativ geringen Größe braucht P. multicolor keine großen Aquarien, allerdings sollte man die Männchen zur Laichzeit nicht unterschätzen. Vollgestopft mit Hormonen nehmen sie es auch erfolgreich mit deutlich größeren Gegnern auf und harmlose Friedfische haben dann ebenfalls nichts lachen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 566303 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sternarchorhynchus mendesi

5. September 2025

Die Artenzahl in der Gattung Sternarchorhynchus ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. 1994 waren gerade einmal 4 Arten bekannt, 2006 erhöhte sich die Artenzahl auf 10 und heute (2025) sind 32 Arten anerkannt! Damit ist Sternarchorhynchus die artenreichste Gattung innerhalb der Apteronotidae. 

Mit einer Sendung Apteronotus macrostomus (im Handel als A. leptorhynchus bezeichnet, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apteronotus-leptorhynchus-a-macrostomus/) aus Kolumbien erhielten wir auch ein einzelnes Exemplar einer Sternarchorhynchus-Art. In Kolumbien gibt es nach der letzten Revision der Gattung durch de Santana & Vari (2010) sieben Arten der Gattung: S. gnomus, S. marreroi, S. mendesi, S. mormyrus, S. oxyrhynchus, S. roseni und S. yepezi. Farbliche Unterschiede gibt es kaum zwischen den Arten. Fast alle sind einfarbig dunkelbraun mit einem hellen Aalstrich; nur bei S. gnomus fehlt der helle Rückenstreifen oder ist nur angedeutet vorhanden. Folgt man dem Bestimmungsschlüssel für die Arten aus dem Orinoko in der genannten Arbeit, so führt die Maulform zunächst zu S. oxyrhynchus; dieses Merkmal ist aber für uns als nicht tief in die Materie eingearbeitete Menschen etwas trügerisch, weil wir keine guten Vergleichsmöglichkeiten haben. 

Der restliche Schlüssel führt zu S. mendesi (Rückenstreifen deutlich ausgeprägt, keine Beschuppung im Rückenbereich). S. oxyrhynchus hat 212-242 Flossenstrahlen in der Afterflosse, ist also ein sehr langgestreckter Fisch, S. mendesi 174–182. Das fotografierte Tier hat ca. 177 Afterflossenstrahlen (ohne Röntgenaufnahme sind ganz vorn und ganz hinten leichte Ungenauigkeiten beim Auszählen möglich, die aber nicht artkritisch sind). Somit ist es wohl amtlich: uns ist der Erstimport von Sternarchorhynchus mendesi geglückt!

Das ist insofern bemerkenswert, als dass S. mendesi bislang nur von 8 Exemplaren bekannt ist, die allesamt in den Einzügen der Flüsse Río San Juan und Río Guanipa in Nord-Ost Venezuela gefunden wurden. Apteronotus macrostomus wird dagegen im Einzug des Rio Meta in Kolumbien für den Export als Zierfisch gefangen.

Das größte bislang bekannt gewordene Exemplar von S. mendesi war etwas über 20 cm lang. Der importierte Fisch erwies sich bei uns bisher als problemlos in der Pflege; seine aktuelle Länge liegt bei etwa 15 cm. Am Ende des Körpers zeigt er ein kleines Regenerations-Schwänzchen; bekanntlich haben die Messeraale ja die sehr ungewöhnliche Fähigkeit, verlorene Teile der Wirbelsäule am Körperende zu regenerieren, sofern keine lebenswichtigen inneren Organe betroffen sind. Gegenüber auch kleinen Mitbewohnern (dreiviertelwüchsige Guppys) erwies sich das Tier als vollkommen friedlich. Die Ernährung von Sternarchorhynchus ist im Aquarium problemlos mit Frost- und Lebendfutter möglich, besonders beliebt sind Tubifex und Rote Mückenlarven.

Südamerikanische Messerfische haben sich ganz allgemein als sehr anpassungsfähig bezüglich der Wasserparameter Härte und pH-Wert gezeigt. Die Tiere sind hauptsächlich dämmerungsaktiv, kommen tagsüber bei Fütterungen aber aus dem Versteck. Mit Artgenossen vertragen sich die Tiere nur mäßig, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/sternarchorhynchus-aus-peru/. Da Sternarchorhynchus spitze Zähne im Maul haben, können sie sich theoretisch verletzen. Bei der gemeinsamen Pflege mehrerer Tiere muss man darum gut aufpassen um ggf. rechtzeitig eingreifen zu können.

Für unsere Kunden: das Tier hat Code 293984 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

de Santana, C. D. & R. P. Vari (2010): Electric fishes of the genus Sternarchorhynchus (Teleostei, Ostariophysi, Gymnotiformes); phylogenetic and revisionary studies. Zoological Journal of the Linnean Society v. 159 (no. 1): 223-371.

Text & Photos: Frank Schäfer

Otocinclus cf. macrospilus = O. mangaba?

5. September 2025

Die kleinen Ohrgitterharnischwelse der Gattung Otocinclus gehören zu den beliebtesten „Saubermännern“ im Aquarium. Unermüdlich putzen sie alle Oberflächen, an die sie herankommen. Da sie gewöhnlich nur 3-4 cm, selten bis 5 cm lang werden und ihre Putzertätigkeit sehr gefühlvoll ausüben, beschädigen sie auch relativ zarte Pflanzen dabei nicht, sondern sorgen für sauber und frisch aussehende Gewächse.

Leider sehen sich die meisten der 20 gegenwärtig akzeptierten Arten einander sehr ähnlich. 1997 erschien eine große Revision der Gattung von Scott A. Schaefer, in der 15 Arten unterschieden wurden. Diese Revision wurde in aquaristischen Kreisen intensiv diskutiert und man versuchte auf ihrer Basis, die im Hobby verfügbaren Arten nun endlich mit richtigen Namen zu belegen. Der Erfolg war eher bescheiden. Nach wie vor segelt die Mehrzahl der gehandelten Otocinclus unter dem Namen „Otocinclus affinis“, obwohl ausgerechnet diese unscheinbare Art aus dem Süden Südamerikas so gut wie nie im Handel ist. Die meisten so bezeichneten Tiere gehören zur Spezies O. vestitus.

Eine hübsche und sehr gut haltbare Art wird seit Jahrzehnten aus Brasilien importiert. Sie bezeichnet man wegen des sehr großen Schwanzwurzelflecks als „Otocinclus cf. macrospilus“. Das Wort „macrospilus“ bedeutet „mit großem Fleck“. Die Art Otocinclus macrospilus wurde bereits 1942 wissenschaftlich beschrieben und in einer sehr guten Abbildung auch illustriert. Der Fundort der der Beschreibung zugrunde liegenden Exemplare war der Rio Morona, oberes Amazonasbecken, Departement Loreto in Peru. Obwohl die aus Brasilien importierten Tiere rein optisch gut zu O. macrospilus passen waren die Fundorte doch sehr weit voneinander entfernt. Recherchen ergaben, dass die Brasilianer im Rio Purus gefangen werden; zumindest zeitweise kommen sie von dort aus der an dem Rio Purus gelegenen politischen Gemeinde Lábrea. Das veranlasste zu dem Zusatz „cf.“ (steht für „confer“ und bedeutet „vergleiche mit“), um einen gewissen Vorbehalt bei der Determination auszudrücken. Zu Recht, wie sich nun herausstellt. Eine der erst vor kurzer Zeit neu beschriebenen Arten – Otocinclus mangaba aus dem Einzug des Rio Madeira – passt viel besser zu dem Otocinclus aus dem Rio Purus. Der Rio Purus und der Rio Madeira fließen über weite Strecken parallel in Richtung Amazonas und sind durchschnittlich nur etwa 200 km voneinander entfernt. 

Ein bei Otocinclus nur selten auftretendes Merkmal ist typisch für O. mangaba: die Bauchregion zwischen den seitlich am Körper ansetzenden großen Brustknochenplatten ist nackt – genau wie bei den Otocinclus aus dem Rio Purus! Auch die Färbung von O. mangaba entspricht sehr gut der der Tiere aus dem Rio Purus. Manche Detail-Unterschiede fallen in die individuelle Farbvarianz, andere sind stimmungsbedingt. Bei dem konservierten Holotypen von O. mangaba erscheint der große Schwanzwurzelfleck zweigeteilt, in eine vordere und eine hintere Hälfte. Bei frisch importierten Tieren sieht das auch so aus, bei gut eingewöhnten verschwindet dieses Farbmerkmal aber weitgehend.

Im Grunde ist es egal, welche Otocinclus-Art man erwirbt, alle sind ausgezeichnete Aquarienfische und hervorragende Putzer. Man pflegt sie in möglichst großen Trupps, es sind soziale Tiere. Und man sollte unbedingt darauf achten, dass sie ausreichend Futter bekommen. Scheiben von Gemüse (Zucchini, Kartoffel, Karotte etc.) sollten stets zur Verfügung stehen (täglich austauschen, sonst belastet das das Wasser), dazu feines Frostfutter (Cyclops, Artemia, Wasserflöhe) und Futtertabletten sind das Rezept für runde und glückliche Otos. Härte und pH-Wert sind für diese Fische unbedeutend, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich zur Pflege. Männchen sind kleiner und schlanker, andere Geschlechtsunterschiede gibt es nicht. Die Zucht verläuft ähnlich wie bei Panzerwelsen, d.h. die Tiere laichen im Trupp. Brutpflege üben Otocinclus nicht aus.

Für unsere Kunden: Otocinclus cf. macrospilus/O. mangaba haben – je nach Größe – Code 274113-274116 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ivanacara bimaculata

29. August 2025

Diese Buntbarsch wurde bereits 1912 unter der Bezeichnung Nannacara bimaculata wissenschaftlich benannt und abgebildet. Im Hobby blieb er jedoch ein Phantom. Das Verbreitungsgebiet in Guyana (Potaro-River) gilt als eines der am schwierigsten zu bereisenden Gebiete Südamerikas. Erst 1997 konnte Frans Vermeulen zusammen mit Wim Suikers einige Exemplare sammeln und in die Niederlande mitbringen. Dabei zeigte sich, dass die Art im Verhalten und Aussehen große Ähnlichkeit zu dem damals noch in der Gattung Nannacara geführten I. adoketa hat. Konsequenterweise erfolgte dann auch die Eingliederung der Art zur 2006 beschriebenen Gattung Ivanacara.

Bis zum heutigen Tag ist dieser Fisch eine Top-Rarität geblieben, denn die Nachzucht ist ähnlich anspruchsvoll wie bei I. adoketa (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/ivanacara-adoketa-nannacara-a/). Alles, was zu I. adoketa gesagt wurde, gilt im Großen und Ganzen auch für I. bimaculata, weshalb wir an dieser Stelle auf den entsprechenden Eintrag verweisen.

Wir freuen uns sehr, dass wir diesen wunderschönen Buntbarsch jetzt als 3-4 cm lange Nachzuchten anbieten können. Die Jungtiere, die wir zur Zeit im Stock haben, lassen bereits erahnen, wie schön diese Fische einmal werden. Bereits in dieser Größe sind Männchen und Weibchen farblich recht gut zu unterscheiden. Übrigens: Männchen von I. bimaculata können laut Literatur maximal 13 cm lang werden und erfüllen damit die Definition von „Zwergbuntbarsch“ nicht mehr ganz – dieser Titel ist per Definition Arten mit maximal 10 cm Gesamtlänge vorbehalten. Weibchen bleiben allerdings kleiner. Nach Aussage unserer Züchter bleibt I. bimaculata sehr viel kleiner, als in der Literatur angegeben – zumindest dieser Stamm. Männchen sollen mit etwa 6 cm Totallänge ausgewachsen sein; sehr alte Tiere mögen auch noch 1-2 cm zulegen können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 684062 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Synodontis sp. aff. nigriventris ZEBRA

29. August 2025

Der Rückenschwimmende Kongowels Synodontis nigriventris ist die beliebteste Spezies aus der artenreichen Gattung Synodontis. Das drollige Verhalten dieser vorzugsweise mit dem Bauch nach oben schwimmenden Tiere ist sicherlich der Hauptgrund dafür. Zusätzlich bleibt die Art klein, deutlich unter 10 cm. Tatsächlich haben wir noch nie Tiere gesehen, die größer als ca. 7 cm (inklusive Schwanzflosse) gewesen sind. Mehr Informationen zu der Art finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/synodontis-nigriventris-3/

Außer dieser Art haben wir auch hin und wieder den „Zebra“ im Stock. Diese Art kommt, soweit man weiß, ausschließlich aus dem Bereich des Lac Mai Ndombe, einem riesigen Schwarzwasser-See im Zentral-Kongo. Vom „gewöhnlichen“ Rückenschwimmenden Kongowels unterscheidet er sich durch die extrem kontrastreiche Färbung, vor allem auch der Bauchseite. Der  Artname „nigriventris“ bedeutet „mit schwarzem Bauch“. Beim gewöhnlichen Rückenschwimmenden Kongowels ist die Bauchseite nämlich dunkel gefärbt. Wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man dort schwarze Punkte auf dunklem Grund. Beim „Zebra“ besteht die Bauchfärbung aber aus einem komplexen Marmormuster, das bei jedem Tier individuell unterschiedlich ist. Insgesamt erinnert die Zeichnung des „Zebra“ an die Jugendfärbung mehrerer Synodontis-Arten. 

Bezüglich aller Pflegeaspekte und der Endgröße unterscheidet sich der „Zebra“ nicht vom gewöhnlichen Rückenschwimmenden Kongowels, außer, dass er vielleicht noch etwas sozialer ist. Es gelingt kaum einmal, nur ein einzelnes Exemplar zu fotografieren, wenn mehrere im Aquarium sind.

Für unsere Kunden: Die Tiere haben Code 183413 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tatia perugiae und Tatia cf. altae

29. August 2025

Der Trugdornwels Tatia perugiae hat sich fest im Hobby etabliert. Die Art ist klein (4-6 cm), sehr hübsch gefärbt und lässt sich leicht im Aquarium nachzüchten. Außerdem sind die Tiere sehr friedlich und anspruchslos bezüglich der Wasserzusammensetzung und des Futters. Da sieht man es ihnen nach, dass sie meist nur zur Fütterung das Versteck verlassen und dann bieneneifrig umherschwimmen. Wir beziehen die Art als Nachzucht oder aus Peru. Es gibt mindestens zwei Farbformen, eine mit relativ kleinen und eine mit großen dunklen Flecken (siehe Collage die beiden Bilder rechts, auf dieser Collage sind alle Fische geschlechtsreife Männchen). Aber insgesamt ist die Art hochvariabel gefärbt, man kann jedes Individuum an seinem persönlichen Punktmuster erkennen, das so spezifisch ist wie ein Fingerabdruck.

Leider musste diese Art schon einige Gattungsänderungen über sich ergehen lassen. Zunächst platzierte man sie in Tatia, dann in Centromochlus, dann in Duringlanis und jetzt, in der aktuellsten Übersichtsarbeit von Luisa Maria Sarmento-Soares & Ronaldo Fernando Martins-Pinheiro (2020) wieder in Tatia. In der nur ein Jahr älteren Arbeit von Calegari et al. (2019) wurde Duringlanis noch als gütige Gattung identifiziert – kurz, man sollte nach beiden Gattungsnamen recherchieren, wenn man Informationen zu den Fischen zusammenträgt.

In der gleichen Zeitschrift wie zuletzt Sarmento-Soares & Martins-Pinheiro beschrieb 75 Jahre zuvor Henry W. Fowler eine sehr ähnliche Art aus Kolumbien (Morelia, Einzug des Rio Caqueta) als Centromochlus altae. Er schrieb schon damals, dass diese Art sehr ähnlich zu Steindachners Centromochlus perugiae aus dem Jahr 1882 (sie stammt aus dem östlichen Ecuador) sei, aber eine andere Fleckenanordnung habe.

Wir haben schon gelegentlich Tatia aus Kolumbien importieren können, bei denen es sich wohl um T. altae handelt. Abgesehen von der Form der Flecken fällt die sehr hübsche gelbliche Grundfärbung der kolumbianischen Tiere – besonders deutlich im Kopfbereich – auf. Alle übrigen Merkmale und Eigenschaften entsprechen T. perugiae. Die Färbungs-Unterschiede zwischen den beiden Arten (wenn es denn Arten sind und nicht nur Standortvarianten) kann man auf der diesem Post beigefügten Collage am einfachsten erkennen. Bei Tatia altae liegt auf dunkler Grundfärbung sozusagen ein helles Netzmuster aus feinen Linien, bei T. perugiae sind auf hellem Untergrund runde dunkle Tupfen verteilt. 

Alle Trugdornwelse – also auch Tatia perugiae und T. altae – praktizieren eine innere Befruchtung. Dazu dient die speziell umgeformte Afterflosse. Ein befruchtetes Weibchen kann darum später in Abwesenheit von Männchen entwicklungsfähige Eier legen, was sie am liebsten in runden Höhlen tun. Es hat sich gezeigt, dass diese kleinen Tatia-Arten es warm mögen, 26-28°C sind wohl am günstigsten.

Für unsere Kunden: Tatia perugiae haben Code 295811 (Nachzucht) und (je nach Größe) 295820-295822 (wild) auf unserer Stockliste. Tatia altae hat Code 295401 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Calegari, B. B., R. P. Vari & R. E. Reis (2019): Phylogenetic systematics of the driftwood catfishes (Siluriformes: Auchenipteridae): a combined morphological and molecular analysis. Zoological Journal of the Linnean Society v. 187 (3): 661-773

Sarmento-Soares, L. M. & R. F. Martins-Pinheiro (2020): A reappraisal of phylogenetic relationships among auchenipterid catfishes of the subfamily Centromochlinae and diagnosis of its genera (Teleostei: Siluriformes). Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, 167 (1): 85-146) 

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypoptopoma psilogaster

29. August 2025

Die Gattung Hypoptopoma umfasst kleine bis mittelgroße (die größte Art wird etwas über 10 cm lang) Harnischwelse, die auf den ersten Blick wie eine vergrößerte Ausgabe von Otocinclus aussehen. Gattungscharakteristisch sind die derart seitlich am Kopf liegenden Augen, dass ein an einem Pflanzenstängel sitzender Hypoptopoma eine Rundumsicht von nahezu 360° hat. Dieses Merkmal findet man noch in der Gattung Oxyropsis, die jedoch einen zusammengedrückten, abgeplatteten Schwanzstiel besitzt, während der Schwanzstiel von allen Vertretern der Gattung Hypoptopoma im Querschnitt hoch-oval ist. Des weiteren haben die Vertreter der Gattung Nannoptopoma eine solche Augenstellung. Sie bleiben mit maximal 3-4 cm Länge deutlich kleiner als Hypoptopoma. 

Leider ist die Bestimmung der Arten eine kniffelige Angelegenheit, obwohl im Jahr 2010 eine umfassende Revision der Gattung erschienen ist. Wir erhielten wieder einmal eine schöne Hypoptopoma-Art aus Peru. Sehr auffällig ist die Schwanzflossenzeichnung, die zur Bestimmung als Hypoptopoma psilogaster führte. Zusätzlich passt das für H. psilogaster in der genannten Revision angegebene Verbreitungsgebiet: die Flüsse Ampiyacu, Itaya, Nanay, Napo und Yaguas im westlichen Amazonaseinzug. Möglicherweise erhalten wir auch einen Mix einander sehr ähnlicher Arten, das können wir nie ganz ausschließen. 

Die maximale Endgröße von H. psilogaster wird mit 7 cm Standardlänge angegeben, also ohne Schwanzflosse. Die Tiere sind sowohl untereinander wie auch gegen artfremde Fische friedlich. Die Wassertemperaturen können sich im Bereich von 22 bis 28°C bewegen, mittlere Werte sind wohl am günstigsten. Die Härte und der pH-Wert sind für die Pflege kaum bedeutungsvoll, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich auch zur Pflege dieser Fische. Außer Algen und anderem Aufwuchs sollte man für solche Fische immer etwas Gemüse (Kartoffel, Zucchini, Karotte etc.) als Futter anbieten. Nur mit dem Algenwuchs im Aquarium wird man sie kaum ernähren können. Außerdem naschen diese Welse gerne an jedem üblichen Zierfischfutter, besonders beliebt sind Futtertabletten.

Es sind jedenfalls hübsche Tiere, einmal ein anderer Algenfresser als gewöhnlich!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 262262 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Poecilia reticulata Guppy Tricolor Cobra

22. August 2025

Über Sinn und Unsinn der Handelsnamen von Guppys kann man trefflich streiten. Aber völlig unstrittig ist, dass der so genannte Guppy Tricolor Cobra ein richtig bunter Guppy ist. So manch einem deucht der Begriff „bunter Guppy“ vielleicht ein Pleonasmus, so wie „weißer Schimmel“ oder „kaltes Eis“. Natürlich sind Guppys fast immer sehr bunt. Aber das bezieht sich auf den Gesamteindruck des Fisches. 

Beim Guppy Tricolor Cobra ist die uneinheitliche Färbung das eigentliche Zuchtziel. Wirklich jedes der Männchen sieht aus, als hätte ein experimentierfreudiges Kind seinen neuen Malkasten ausprobiert, kaum ein Exemplar gleicht völlig dem anderen. Besonders hübsch: die vielfältigen Körperfarben. Bunte Körperfarben sind beim Guppy gar nicht so häufig oder auch gar nicht gewollt. Etliche Zuchtformen werden z.B. bewusst mit schwarzem Körper gezüchtet, um so die Leuchtkraft der Schwanzflosse besonders gut zum Tragen zu bringen.

Für unsere Kunden: Guppy Tricolor Cobra hat Code 418404 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Andinoacara pulcher (früher: Aequidens pulcher)

22. August 2025

Es gibt nur verhältnismäßig wenige Aquarienfische, bei denen sich ein wirklich gebräuchlicher Populärname herausgebildet hat. zu ihnen gehört Andinoacara pulcher (früher: Aequidens pulcher). Man findet ihn in Aquarienbüchern regelmäßig unter dem Namen „Blaupunktbuntbarsch“. Als Jahr der Ersteinfuhr wird 1906 angegeben.

Wie bei den meisten altbekannten Aquarienfischen ist es heute nicht mehr so einfach, eine Artbestimmung vorzunehmen, wie noch vor nahezu 120 Jahren. Reisen in die Vorkommensgebiete (in diesem Fall: Trinidad und Venezuela) brachten neue Erkenntnisse. Viele einander sehr ähnliche, im direkten Vergleich jedoch sicher unterschiedliche Formen wurden entdeckt. Und so können wir auch nicht hundertprozentig sicher sein, dass die Blaupunktbuntbarsche, die wir seit langer Zeit in der Naturform wieder einmal anbieten können (meist wird heutzutage die Zuchtform „Neon Blue“ gepflegt, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/andinoacara-pulcher-neon-blue/) wirklich Andinoacara pulcher sind oder vielleicht doch einer nah verwandten anderen Art angehören. Es handelt sich um deutsche Nachzuchten, die Herkunft der wahrscheinlich vor Jahrzehnten einmal importierten Urahnen lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Egal: wer schön gefärbte, größer werdende Buntbarsche sucht, die weder das gesamte Aquarium nach ihrem Geschmack umgestalten noch jeden Aquarienmitbewohner als Freiwild zur persönlichen Belustigung ansehen, ist mit Blaupunktbuntbarschen gut bedient. Geschlechtsreif werden die Tiere mit 6-8 cm Länge. Die Geschlechter sind äußerlich kaum unterscheidbar, weshalb man am besten eine Gruppe von 6-10 Tieren erwirbt und überzählige Tierre wieder abgibt, wenn sich ein Pärchen gefunden hat. Die Maximallänge wird in der Literatur mit bis zu 18 cm angegeben. Wieviel Aquarianerlatein sich hier verbirgt, weiß natürlich niemand. Mit 15 cm sollte man aber rechnen.

Andinoacara pulcher ist ein Offenbrüter mit Elternfamilie, d.h. beide Partner kümmern sich um Laich und Brut. Wenn es ihnen möglich ist, ziehen sie ein transportables Brutsubstrat (also etwa ein derbes totes Blatt oder ähnliches) einem anderen festen Untergrund zur Laichabgabe vor, doch sind sie flexibel. Jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Die Wassertemperatur kann für diesen Fisch im Bereich von 22-28°C liegen, es werden auch zeitweise leicht höhere oder tiefere Temperaturen vertragen, ein Dauerzustand sollte das aber nicht werden. Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 609501 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nomorhamphus celebensis und N. towoetii

22. August 2025

Die meisten Arten der Nomorhamphus-Halbschnäbler kommen von der Insel Sulawesi (früher: Celebes). Einige, wie N. ebrardtii oder N. rex, werden hauptsächlich als Wildfang gehandelt, andere, darunter N. liemi, auch als Nachzucht. Überhaupt nur sehr selten im Handel ist sind Schwarze Celebes-Halbschnäbler. Wir können manchmal Nachzucht-Tiere von Nomorhamphus celebensis von 4-6 cm Länge anbieten, manchmal auch Wildfänge. Dann wird es kniffelig, da wir die genauen Fundorte nicht kennen und ohne sie eine exakte Artenzuordnung kaum möglich ist. Es gibt drei wissenschaftlich beschriebene Arten der Schwarzen Celebes-Halbschnäbler: den schon erwähnten N. celebensis, dazu N. towoetii und N. aenigma. Eine weitere, im Hobby verbreitete Art, die sich durch eine orangefarbene Zone im Bereich der Rückenflosse auzeichnet, ist noch Gegenstand von Debatten. Gegenwärtig halten die meisten Autoren sie für eine Farbform von N. towoetii. Im Grunde wäre das ja egal, aber es gibt Verhaltensunterschiede. N. celebensis ist der friedlichste aller Halbschnäbler, N. towoetii gilt hingegen als sehr zänkisch. Zu N. aenigma gibt es diesbezüglich noch keine Beurteilungen, die uns bekannt wären.  

Beginnen wir mit N. celebensis: Diese Art ist zwar nicht so farbenprächtig, aber dafür friedlich. Man kann sie sowohl untereinander wie auch mit artfremden Fischen gut vergesellschaften. Während der Balz werde die Männchen Tiere tiefschwarz mit hellen senkrechten Binden. In früheren Berichten (vor ca. 1980) wurde vor allem der damals wissenschaftlich noch nicht beschriebene N. liemi als N. celebensis bezeichnet. Diese Pflege und Zuchtberichte, in denen die Männchen als sehr territorial bezeichnet werden, beziehen daher nicht auf den „echten“ N. celebensis. Während die Männchen dieser lebendgebärenden Art mit rund 6 cm Länge ihr Wachstum einstellen, können die Weibchen mit ca. 10 cm erheblich größer werden. Bei der Zucht ist es entscheidend, die Jungtiere vor den Eltern zu retten, denn die sind sehr kannibalisch. Trächtige Weibchen darf man nicht zu spät in das Wurfaquarium umsetzen, sonst kommt es eventuell zu Totgeburten, aber auch nicht zu früh, denn die lebhaften Tiere mögen freien Schwimmraum. Man sieht: auch die Zucht der vermeintlich „einfachen“ Lebendgebärenden hat ihre Tücken.

Nun zu N. towoetii: wie schon erwähnt, gilt diese Art als zänkisch. Sie bleibt kleiner als N. celebensis, die Weibchen erreichen höchstens 8 cm Länge, Männchen 5-6 cm. Der sicherste Unterschied zwischen den beiden Arten N. celebensis und N. towoetii ist, dass bei N. celebensis die Weibchen immer grau bleiben, während sich die Weibchen von N. towoetii fast so schwarz wie die Männchen färben können. Aktuell (Juli 2025) haben wir Wildfänge importieren können, bei denen es sich aufgrund der Färbung der Weibchen um N. towoetii handeln müsste, die allerdings untereinander ausgesprochen friedlich sind und sogar gerne in Schulen schwimmen.

Die seltsame Maulform lässt vermuten, dass diese Fische vor allem Insekten fressen, die auf die Wasseroberfläche fallen. Im Aquarium nehmen sie aber sehr gerne Flockenfutter. Diesbezüglich ist die Pflege leicht. Nomorhamphus findet man in kühlen Fließgewässern. Sie brauchen nicht unbedingt starke Strömung, aber sauberes Wasser. Gute Filterung und regelmäßige Wasserwechsel sind daher oberste Pflicht. Leider bestehen vor allem in der wissenschaftlichen Literatur gravierende Fehlinformationen über das Vorkommen der Fische, die zu schweren Fehlern in der Pflege führen können. So ist laut Literatur N. celebensis im Poso-See heimisch, N. towoetii im Towuti-See. Sie kommen und kamen dort aber nicht vor, sondern in den kühlen Zuflüssen des Berglandes, manchmal auch in Abflüssen. Im Poso-See liegt die Wassertemperatur gewöhnlich zwischen 27 und 28°C, das Wasser ist leicht alkalisch (pH um 8) und das Wasser ist relativ weich (Gesamthärte um 5° dH, davon 4° KH). In den Bächen, in denen Nomorhamphus leben, steigt die Temperatur aber kaum einmal über 22°C!

Leider gehört Nomorhamphus celebensis (zumindest auf dem Papier) zu den stark bedrohten Tierarten. Als Hauptursache dafür werden die invasiven Fischarten, die in den Poso-See eingesetzt wurden, Wasserverschutzung aus unterschiedlichen Quellen und die intensive Speisefischerei angegeben. Wenn man aber bedenkt, dass im See selbst höchstens verirrte Nomorhamphus existieren, relativiert sich diese Einschätzung. Über negative Folgen von Fang und Export als Aquarienfisch gibt es keine Hinweise, es ist sehr unwahrscheinlich, dass es sie gibt. Dennoch wäre es schön, wenn eine stabile ex-situ-Population dieser Halbschnäbler aufgebaut werden könnte; aus bitterer Erfahrung mussten wir in der Vergangenheit lernen, wie schnell kommerziell unwichtige Fischarten wie N. celebensis und N. towoetii wegen als übergeordnet angesehenen wirtschaftlichen Interessen aussterben können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 438802 (als N. celebensis) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Papyrocranus afer

22. August 2025

Die Messerfische sind mit drei Arten im tropischen Afrika sehr weit verbreitet. Mit etwa 60 cm Gesamtlänge gehört Papyrocranus afer zu den großen Messerfischen, während eine zweite afrikanische Art, die ebenfalls in Nigeria vorkommt, Xenomystus nigri, mit 15-20 cm Endlänge zu den kleinsten (Altwelt-)Messerfischen zählt. Die dritte, allgemein akzeptierte Art ist Papyrocranus congoensis aus dem Kongo, der aquaristisch so gut wie nie zur Verfügung steht; er wird wohl nur wenig größer als 20 cm.

Aquaristische Erfahrungsberichte zu P. afer liegen seltsamerweise kaum vor, obwohl zumindest einige lokale Farbformen von P. afer sehr attraktiv gezeichnet sind. Allerdings gibt es einen Zuchtbericht von Ong Kay Yong, der in der TFH 1965 erschien. Demnach handelt es sich bei P. afer um einen paternalen Brutpfleger. 

Untereinander sollen die Tiere bissig sein. Wir können eine erhöhte Unverträglichkeit bei P. afer nicht beobachten, 15 – 20 cm lange P. afer leben bei uns friedlich in größerer Zahl (etwa 50 Exemplare) zusammen. Längerfristig haben wir die Art aber noch nicht gepflegt, man sollte darum die Warnungen ernst nehmen und die Fische gut beobachten, wenn man mehrere Exemplare pflegt, um bei eventuell auftretenden Streitigkeiten schnell eingreifen zu können. 

Grundsätzlich handelt es sich bei Papyrocranus um dämmerungs- und nachtaktive Raubfische, die ähnlich wie ihre aquaristisch besser bekannten asiatischen Verwandten der Gattung Chitala zu pflegen sind. Obwohl sich bei P. afer mehrere geografisch zuordenbare Farbformen finden, wurden diese bisher nicht als eigenständige Arten oder Unterarten beschrieben. Die von uns üblicherweise aus Nigeria importierten Tiere sind meist hellgefleckte Formen.

Papyrocranus sind obligatorische Luft­atmer, die regelmäßig an die Wasseroberfläche schwimmen und dort Luft holen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 155305 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Protocheirodon pi

22. August 2025

1977 erschien die „Bibel der Salmlerfreunde“, Jaques Gérys Buch „Characoids of the world“. Ganz am Ende des Buches, auf Seite 608, findet sich eine Abbildung eines zu der Zeit noch namenlosen Glassalmlers mit einer ganz auffällig gekammerter Schwimmblase. Dieses Tier wurde ein Jahr später – 1979 – von Richard P. Vari als neue Art Leptagoniates pi beschrieben. Der ungewöhnliche Artname „pi“ bezieht sich auf die für Salmlerverhältnisse einzigartig geformte Schwimmblase, die wie das altgriechische Schriftzeichen Pi (π) aussieht. Da Leptagoniates pi vollkommen transparent ist, kann man die Schwimmblase auch beim intakten Tier gut sehen. Die Gattungszuordnung des Tieres fiel Vari nicht leicht, er stellte es schließlich zu Leptagoniates.

Die neue Technik der molekularen Analyse in Verbindung mit morphologischen Untersuchungen erlaubte neue Einblicke in die Verwandtschaftsbeziehungen unter anderem auch der Salmler. Zwei molekulare Analysen kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die beiden bislang Leptagoniates zugeordneten Arten nicht einer gemeinsamen Entwicklungslinie entstammen, also nicht monophyletisch sind, dass sogar Leptagoniates steindachneri und L. pi unterschiedlichen Unterfamilien angehören: L. steindachneri zu den Aphyocharacinae, L. pi zu den Cheirodontinae! Leptagoniates pi steht entwicklungsgeschichtlich ganz am Anfang der Cheirodoninae. So stellten nun Vari, Bruno F. Melo und Claudio Oliviera konsequenterweise eine neue Gattung auf, Protocheirodon, der sie die einzige Art P. pi zuordneten. Eine traurige Notiz am Rande: die Beschreibung von Leptagoniates pi war eine der ersten Publikationen von Vari, die Beschreibung von Protocheirodon einer seiner letzten, sie erschien bereits postum. Richard P. Vari starb am 15. Januar 2016 im Alter von 66 Jahren an Krebs.

Während Leptagoniates steindachneri u.W. aquaristisch noch nicht in Erscheinung getreten ist, wird Protocheirodon pi ab und zu als Aquarienfisch aus Peru importiert. Wie wir heute wissen ist die Art sehr weit in Südamerika verbreitet und besiedelt nahezu alle bedeutenden Fluss-Systeme im zentralen und westlichen Amazonien, inklusive des Solimoes, Purus, Madeira und Ucayali. Man findet die Art oft über sandigen Böden im Randbereich von Fließgewässern und in stillen Totarmen. Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus liegt nicht vor, uns erscheint es, als seien die Weibchen etwas größer, aber wir haben das nicht anatomisch untersucht.

Die Pflege von Protocheirodon pi, für den wir den deutschen Gebrauchsnamen Kristallsalmler vorschlagen, ist nicht schwer. Die Gesellschaft anderer Fische gibt P. pi ein Gefühl von Sicherheit. Das müssen durchaus keine Artgenossen sein. Ein Schwarmfisch im eigentliche Sinne ist der Kristallsalmler nicht. Nur ausnahmsweise und wenn sie beunruhigt sind, ziehen sie im Trupp umher. Sobald sich die Fische eingeschwommen haben besetzen sie Miniaturreviere, die sie gegen Artgenossen in harmlosen Schaugefechten verteidigen. Man kan P. pi als absolut friedlichen Fisch bezeichnen. Gefressen wird jegliches übliche Fischfutter passender Größe, Pflanzen beschädigen die Tiere nicht. P. pi wird etwa 5 cm lang.

Für unsere Kunden: die Art hat Code 266003 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma concolor

15. August 2025

Bei Hoplisoma concolor (früher: Corydoras concolor) haben wir es mit einer unverwechselbaren Art aus dem Orinoko-Einzug von Kolumbien und Venezuela zu tun. Lediglich die Synonymisierung mit Corydoras esperanzae wurde lange Zeit verkannt, ist aber völlig unzweifelhaft. Der Erstbeschreiber Castro hat H. concolor in seiner Arbeit über die Panzerwelse Kolumbiens 1987 schlicht übersehen (die Art wurde bereits 1961 von Weitzman beschrieben) und die Abbildungen von C. esperanzae in dieser Studie zeigen eindeutig H. concolor.

Typisch für diese Art ist die extrem steile Stirnpartie. Der Artname „concolor“ ( = der Einfarbige) besagt im Wesentlichen, dass der Art ein auffälliges Melanophorenmuster fehlt. Es ist dennoch eine (stimmungsabhängig manchmal schwer erkennbare) Augenbinde vorhanden. Kleine Jungtiere haben ein feines Punktmuster und können u.U. mit H. polystictus verwechselt werden, der jedoch keine Augenbinde hat. H. polystictus ist mit einiger Sicherheit sehr eng mit H. concolor verwandt, stammt jedoch aus dem südlichen Südamerika (Rio Paraguay-Einzug). Erwachsene Tiere kann man nicht verwechseln.

Die Zucht von H. concolor gelingt – abgesehen von größeren Wasserwechseln – ohne besonderen Trigger, ähnlich wie man es von H. axelrodi kennt, wird aber nicht oft praktiziert, denn obwohl erwachsene H. concolor von großer Schönheit sind, präsentieren sich Jungtiere als echte graue Mäuse und sind infolge dessen nur an Kenner absetzbar.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 226004 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Castro, D. M. (1987): The fresh-water fishes of the genus Corydoras from Colombia, including two new species (Pisces, Siluriformes, Callichthyidae). Boletin Ecotrópica. No. 16: 23-57, Pls. 1-11

Text & Photos: Frank schäfer

Jordanella floridae

15. August 2025

Dieser Killifisch aus Nordamerika gehört zu den Evergreens in der Aquaristik und hat schon etliche Generationen von Aquarianern erfreut. Leider ist es in den letzten Jahren still um das attraktive Tier geworden. Doch jetzt sind wieder schöne Floridakärpflinge aus südostasiatischen Züchtereien zu bekommen. 

Jordanella floridae wird 4-6 cm lang und ist sehr temperaturtolerant, weshalb er in der warmen Jahreszeit auch gut zum Besatz von Mini-Teichen geeignet ist, wo er das aufkommen von Stechmückenlarven zuverlässig verhindert. Ferner zählen Fadenalgen zum Nahrungsspektrum, was den Teichbesitzer sicher auch nicht ärgert. In Algenpolster werden auch die Eier abgelegt, das Männchen verteidigt den Laichplatz gegen mögliche Laichräuber. In sehr kleinen Aquarien oder Mini-Mini-Teichen pflegt man den Floridakärpfling paarweise, sonst ist auch eine Gruppenhaltung problemlos möglich.

Männchen und Weibchen sind leicht am schwarzen Fleck in der Rückenflosse zu unterscheiden, den nur die Weibchen zeigen.

Sobald die Wassertemperatur dauerhaft unter 15°C sinkt, muss man den Floridakärpfling ins Haus holen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 327503 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Betta splendens Crowntail Black Orchid

15. August 2025

Crowntail-Bettas erfreuen sich großer Beliebtheit. Obwohl die Zuchtform vermutlich bereits in den 1960er Jahren bekannt war und das Gen für den Faktor Crowntail dominant vererbt wird, erlebten die Fische ihren Durchbruch in Mitteleuropa und Amerika aber erst Anfang dieses Jahrtausends. Ihre exakte Entstehungsgeschichte ist nicht dokumentiert, die erste uns bekannte belegbare Erwähnung war im Labyrinthfischbuch von Jörg Vierke aus dem Jahr 1978, da existierten Crowntails aber schon längst. Freaks unterscheiden Crowntails nach der Anzahl der Aufspaltungen der freien Flossenstrahlen-Enden und etlichen weiteren Kriterien. Aber das sind Fälle für Spezialisten, im Handel sind derart feine Unterscheidungen nicht praktikabel.

Wir haben gelegentlich ganz wunderbare schwarze Crowntails unter dem Namen „Black Orchid“ von einem thailändischen Zuchtbetrieb im Stock. Schwarze Kampffische waren und sind schon immer eine Besonderheit, denn die Farbe wird doppelt rezessiv (also „verdeckt“) vererbt und ihre Erzüchtung erfordert viel Geschick und züchterisches Wissen. Der „Black Orchid“ hat zudem noch Glanz-Deckfarben, was ihn nochmal attraktiver macht.

Die schwarzen Crowntails sind genau wie alle anderen Siamesischen Kampffische zu pflegen, es darf also unter normalen Umständen nur ein Männchen pro Aquarium gepflegt werden und bei Vergesellschaftung muss darauf geachtet werden, dass die anderen Fische nicht an den Flossen herum zupfen. Allzu lebhafte Fischarten scheiden als Gesellschafter für Bettas ebenso aus, wie Schleierguppys, die sehr oft von den Bettas angegriffen werden.

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Text & Photos: Frank Schäfer

Girardinus metallicus „Schwarzbauch“

15. August 2025

Der Metall-Kärpfling, Girardinus metallicus, stammt, wie alle Girardinus-Arten (derzeit sind 7 Arten anerkannt), von Kuba. Er ist die einzige Art, die sich aquaristisch etablieren konnte. In der Natur kommen schwarzbäuchige Männchen nicht vor, jedenfalls hat dort nie jemand welche nachgewiesen; im Hobby findet man hingegen fast nur diese hübschen Tiere. 

Während man allgemein davon ausgeht, dass die schwarzbäuchigen (dieses Merkmal haben nur die Männchen) Girardinus metallicus eine Zuchtform darstellen, gibt es auch anderslautende Stimmen, die darauf hinweisen, dass sich das Balzverhalten der Schwarzbäuche deutlich von dem Balzverhalten der normal gefärbten Tiere unterscheidet und dass es sich daher vielleicht doch um eine unbeschriebene Art handelt.

Wie dem auch sei: der im männlichen Geschlecht gewöhnlich 3-4 cm (max. 5 cm), im weiblichen 5 cm (max. 9 cm) lange Metallkärpfling ist ein sehr lebhafter und hübscher Lebendgebärer, dessen Pflege man uneingeschränkt empfehlen kann.

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Text & Photos: Frank Schäfer

Nannoptopoma sp. Zebra Rio Tigre (LDA110)

8. August 2025

Harnischwelse sind bekanntlich eine sehr artenreiche und formenreiche Fischgruppe. Die größten Arten können gut einen Meter lang werden; Nannoptopoma gehören zu den allerkleinsten bekannten Arten, sie erreichen nur ca. 3-4 cm Totallänge.

Die Gattung Nannoptopoma ist gut erkennbar anhand der sehr weit seitlich am Kopf sitzenden Augen, die eine Sicht nach oben wie nach unten erlauben. Eine derartige Augenstellung findet man sonst nur noch bei den erheblich größer werdenden Hypoptopoma und Oxyropsis. Zeitweise wurde Nannoptopoma sogar als Synonym zu Hypoptopoma gesehen, doch aktuellste wissenschaftliche Untersuchungen haben die Abspaltung und Eigenständigkeit von Nannoptopoma wieder bestätigt (Delapieve et al, 2018).

Bisher sind nur zwei Arten der Zwergsaugwelse der Gattung Nannoptopoma wissenschaftlich beschrieben, nämlich N. spectabile und N. sternoptychum; im Hobby kennen wir zudem zwei unbeschriebene Arten aus Peru, die im Aqualog Bookazine #9 als LDA109 und 110 vorgestellt wurden. Während N. spectabile und N. sternoptychum farblich wenig auffällig sind und sich vor allem anatomisch unterscheiden (die Brustflossen sind bei N. sternoptychum erheblich länger, zudem hat die Art eine Reihe auffälliger Knochenplättchen im Bereich des Brustgürtels), sind LDA 109 und 110 sehr attraktiv kontrastreich gefärbt und unterscheiden sich farblich deutlich voneinander.

Frisch importierte Nannoptopoma sind ziemlich empfindlich, was vermutlich mit der Qualität der Hälterung im Ursprungsland zu tun hat. Einmal erfolgreich eingewöhnt (wobei sich stichfester Joghurt als Futtermittel zum Wiederaufbau einer gestörten Darmflora sehr bewährt hat, Mike Meuschke, mündl. Mitt.) sind sie aber keineswegs extrem an­spruchs­voll. Genügend Totlaub als Basisnahrung sollte stets im Aquarium vorhanden sein (Buche, Eiche, Seemandel, kleine Mengen Walnuss). Manche Pfleger empfehlen größere Aquarien, die die Tiere zum großen Teil von allein ernähren und stabilere Wasserbedingungen bieten. In jedem Fall sind Nannoptopoma-Arten nur Pflegeobjekte für erfahrene Aquarianer, zumal sie sich oft recht scheu zeigen.

Nannoptopoma sp. Zebra / LDA110 aus Peru (Rio Tigre-Einzug) steht in anatomischer Hinsicht N. spectabile näher als N. sternoptychum und wird auch häufig im Handel als N. spectabile bezeichnet. Wie bei N. spectabile reichen die Spitzen der angelegten Brustflossen nicht bis zum Ansatz der Afterflosse und Knochenschilder auf der Bauchseite oberhalb des Schultergürtels fehlen. Es gibt jedoch keinen Zweifel daran, dass es sich bei LDA110 um wissenschaftlich neue, unbeschriebene Spezies handelt, denn N. spectabile ist mehr der weniger einfarbig braun gefärbt. Nannoptopoma sp. Zebra Rio Tigre (LDA110) wurde und wird auch als N. sp. „Peru“ bezeichnet, was aber insofern unglücklich ist, da drei der vier hier genannten Arten in Peru vorkommen.

Über die Zucht wurde unseres Wissens noch nicht berichtet, aber die nah verwandte N. spectabile konnte bereits erfolgreich im Aquarium vermehrt werden (Weidner & Dotzer, 2004). Das Fortpflanzungsverhalten erinnert an Hypoptopoma, d.h. die Tiere sind keine Höhlenlaicher, sondern die Gelege werden offen (z.B. an einer der Aquarienscheiben) abgesetzt, aber die Männchen betreiben Brutpflege bis zum Freischwimmen der Jungtiere. Männchen und Weibchen scheinen sich bei LDA110 durch die Bestachelung der Bauchflossen zu unterscheiden (mit Dornen bei den vermutlichen Männchen). Außerdem ist die Kopffärbung bei manchen Tieren eher rötlich (vermutliche Männchen), bei anderen eher blass (vermutliche Weibchen).

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Literatur:

Delapieve, M. L. S., P. Lehmann A and R. E. Reis (2018): An appraisal of the phylogenetic relationships of Hypoptopomatini cascudinhos with description of two new genera and three new species (Siluriformes: Loricariidae). Neotropical Ichthyology v. 15 (no. 4) e170079 (für den 18 Dez. 2017): 1-37

Weidner,T. & Dotzer,P.(2004): Klein, aber oho! Nannoptopoma cf. spectabilis. (Das Aquarium, 415,1:21-24): 2004/01:21-24

Text & Photos: Frank Schäfer

Nomorhamphus cf. kolonodalensis

8. August 2025

Erstmals gelang uns der Import einer hochinteressanten, offenbar kleinbleibenden Halbschnäbler-Art aus Sulawesi (früher Celebes), bei der es sich höchstwahrscheinlich um N. kolonodalensis handelt. Diese Art wurde im Jahr 2000 wissenschaftlich beschrieben. Ihre Artbezeichnung hat sie nach der Kolonodale-Region. Von dort kommen auch die Schwarzen Sulawesi-Halbschnäbler Nomorhamphus celebensis und N. towoetii, die gemeinsam mit dieser Spezies importiert wurden. 

Soweit wir wissen sind bislang nur Weibchen-Bilder von lebenden Tieren von N. kolonodalensis publiziert worden. Diese stimmen sehr gut mit unseren Tieren überein. Die Männchen sind polychromatisch; einige stimmen gut mit der Farbbeschreibung in der wissenschaftlichen Erstbeschreibung überein, andere nicht. Da also gewisse Zweifel bleiben, haben wir uns entschlossen, ein „cf.“ zwischen Gattungs- und Artnamen einzufügen, um klar zu machen, dass die Bestimmung von uns nicht als ganz gesichert angesehen wird.

Unsere Exemplare sind in beiden Geschlechtern 4-5 cm lang (Gesamtlänge mit Schwanzflosse). Das größte Exemplar, das in der Erstbeschreibung erwähnt wird, war 67,9 mm lang (ohne Schwanzflosse). Vermutlich werden die Fische also noch etwas wachsen. Aber sie sind bereits sexuell hochaktiv. Besonders auffallend ist das häufige Schnabelaufreißen, das die Männchen als Imponier- und Balzgehabe zeigen. Es wird also sowohl gegen Männchen wie auch gegen Weibchen gezeigt. Wir konnten keinen Zusammenhang zwischen Färbung und Schnabelaufreiß-Aktivität feststellen. Ein Männchen mit völlig farblosen Flossen war ebenso aktiv wie eines mit orangefarbenen Flossenanteilen. Nur die farblich besonders auffallenden Männchen mit rot-orangefarbenen Flossen und kräftig schwarzen Markierungen in Rücken- und Afterflosse zeigten sich zurückhaltend.

Wegen dieses stark ausgeprägten Imponierverhaltens sollte man die kleinen Fische in großen Aquarien mit viel Strömung und Deckung im Oberflächenbereich (hochgewachsene Pflanzen wie Vallisnerien, deren Blätter an der Wasseroberfläche fluten.) pflegen. Unterdrückte Exemplare könnten sonst durch Distress Schaden nehmen. Körperliche Verletzungen durch Bisse haben wir allerdings nicht festgestellt. Nomorhamphus-Arten verlangen kühles Wasser zwischen 18 und 23°C. Ansonsten ist die Pflege nicht schwer. Das Wasser solle leicht alkalisch sein. Flockenfutter wird gerne genommen, das Verfüttern von Fruchtfliegen (Drosophila) und lebenden Mückenlarven wird sich aber sicher positiv auf das Wohlbefinden und die Anzahl der Jungtiere auswirken. Alle Nomorhamphus-Arten sind lebendgebärend.

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Text & Photos: Frank Schäfer

Trichopsis schalleri

8. August 2025

Schallers Knurrender Gurami gehört zu den leider nur selten erhältlichen Labyrinthfischen. Die hübschen Tiere stammen meist aus Zentral-Thailand (sie kommen bis recht weit in den Norden des Landes und auch in Vietnam vor) und werden etwa 4 cm lang. Damit werden sie etwas größer als der Knurrende Zwerggurami (Trichopsis pumila 2,5-3 cm) und bleiben etwas kleiner als der Große Knurrende Gurami (T. vittata bis 6 cm).

Es handelt sich um sehr anspruchslose Fische, die sich ideal für ein Gesellschaftsaquarium mit kleinen, friedlichen Fischen aus Südostasien – z.B. Rasbora-Arten – eignen. Im Gegensatz zu vielen anderen Labyrinthfischen bauen die Männchen ihr Schaumnest gerne unter ein breites Pflanzenblatt oder in Höhlen, nur selten wird es an der Wasseroberfläche angelegt.

Knurrende Gurami heißen so, weil sie gut hörbare Knarr-Laute produzieren können. Diese Laute entstehen, indem der Fisch mit einem Knochen über Sehnen streicht, die über die luftgefüllte Schwimmblase laufen. Knurrende Guramis spielen also sozusagen Gitarre. Das Knurren selbst ist Kraftmeierei. Die Fische knurren und wer am lautesten knurrt, gewinnt. Bei der Paarung zeigen die Männchen durch knurren auch an, dass sie ganz toll und stark sind. Aber auch die Weibchen knurren bei dieser Art und sind sehr emanzipiert.

Die Geschlechter sind bei Trichopsis nur schwer und nur bei laichreifen Tieren zu unterscheiden. Dann sieht man im Gegenlicht, dass die Eierstöcke der Weibchen schräg nach hinten zur Körpermitte aufsteigen, die Eingeweidepartie erscheint also wie ein Dreieck. Die Hoden der Männchen sind dünne Stränge entlang der Wirbelsäule und kaum sichtbar. Dadurch erscheinen die Eingeweide im Gegenlicht am zum Schwanz hin abgerundet.

Ganz selten finden sich unter unseren Schallers Knurrenden Gurami auch senkrecht gestreifte Tiere. Das Phänomen tritt in beiden Geschlechtern auf. Es ist noch nicht geklärt, ob es sich dabei um eine Mutation oder um eine weitere Spezies handelt.

Die Wasserwerte spielen für die Pflege keine Rolle, jedes Trinkwasser eignet sich. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 24-28°C liegen, zur Zucht auch etwas höher. Gefressen wird jedes Zierfischfutter passender Größe. Pflanzen bleiben von Knurrenden Guramis unbehelligt.

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Text & Photos: Frank Schäfer

Synodontis petricola ( = S. lucipinnis)

8. August 2025

Die Fiederbartwelse (Synodontis) des Tanganjikasees wurden weltberühmt, als man bei einer ihrer Arten ein Kuckucksbrutverhalten feststellte. Dabei jubeln die Welse ihren Laich maulbrütenden Buntbarschen unter. Die Welse werden von den Buntbarschen nicht nur ausgebrütet, sondern die Brutschmarotzer ernähren sich sogar von den jungen Buntbarsch-Stiefgeschwistern im Muttermaul. Dieses faszinierende und einmalige Verhalten wollten viele Aquarianer beobachten und so stieg die Nachfrage nach Synodontis aus dem Tanganjikasee gewaltig an. Es stellte sich schnell heraus, dass da mehrere, teils sehr ähnlich aussehende Welsarten vorkommen. Die Bestimmung dieser Welse machten Wissenschaft und Aquarianern das Leben schwer. Es zeigte sich jedoch bald, dass viele Synodontis des Sees kein Kuckucksverhalten zeigen, sondern Spaltenlaicher sind, ihre Eier also in Felsspalten etc. deponieren und sich anschließend selbst überlassen.

Unter den nicht-schmarotzenden Welsen ist Synodontis petricola die am häufigsten importierte und nachgezüchtete Art. Ähnlich wie bei den Tropheus-Buntbarschen des Sees gibt es viele unterschiedlich aussehende Synodontis petricola („Phänotypen“). Es war lange umstritten, ob das nun auch andere Arten sind. Von den anderen ähnlich aussehenden Fiederbartwelsen des Sees unterscheiden sich die Synodontis petricola-artigen durch einen schneeweißen Rückenflossenstachel; daran kann man sie gut erkennen. Ein relativ kleinbleibender Phänotyp dieser Synodontis petricola-Gruppe wurde 2006 als Synodontis lucipinnis wissenschaftlich beschrieben. Ihn und eine sehr ähnliche, noch kleinere Form nannte man im Hobby „Dwarf-Petricola“.

Ganz aktuell (September 2024) wurde eine neue große Studie über die Synodontis des Tanganjikasees und seiner Zu- und Abflüsse veröffentlicht (Englmaier et al.). Mit frisch gesammeltem, umfangreichen Material und einer Nachuntersuchung des Museumsmaterials wurden sowohl morphologische ( = körperliche) wie auch genetische Merkmale erneut kritisch untersucht und auf den Prüfstand gestellt. Dabei kam u.a. heraus, dass S. lucipinnis in die Varianz von  S. petricola fällt und als eigenständige Art keinen Bestand hat. Die Autoren bestätigen die Vielzahl von Phänotypen bei S. petricola, es gibt auch (wie zu erwarten war) genetische Unterschiede zwischen ihnen, doch sind diese Unterschiede zu geringfügig, um die Aufstellung separater Arten zu rechtfertigen. In der gleichen Arbeit – das soll hier nur am Rande erwähnt werden – wird der Kuckuckswels S. grandiops mit dem Kuckuckswels S. multipunctatus gleichgestellt, der gültige Name für den Kuckuckswels ist also wieder S. multipunctatus. Und S. ilebrevis wird mit S. polli synonymisiert, letzterer ist der gültige Name.

Synodontis petricola ist ein wunderschöner Fiederbartwels, der mit gewöhnlich 8-10 cm Länge (ganz alte Tiere mögen in riesigen Aquarien auch einmal 15 cm erreichen) zu den kleineren Arten in der Gattung Synodontis gehört. Ihre attraktive Färbung, ihr munteres Wesen und ihr interessantes Verhalten sind die Gründe für ihre große Beliebtheit. S. petricola wird gegenwärtig fast ausschließlich als Nachzucht angeboten und ist eine perfekte Welsgesellschaft für Tanganjika-Buntbarschaquarien, passt aber auch gut in andere Gesellschaften. Das Wasser sollte einen pH-Wert über 7,5 haben und 25°C oder wärmer sein, ansonsten stellen die Fische keine besonderen Ansprüche. Untereinander und gegen artfremde Fische sind sie gewöhnlich friedlich. Vereinzelte Ausnahmen bestätigen die Regel. Gefressen wird alles übliche Zierfischfutter. Diese Welse leben in der Natur im flachen Wasser; im Freileben sind sie nur nachts und in der Dämmerung wirklich aktiv. Tagsüber suchen sie dämmerige Verstecke auf, was man ihnen auch im Aquarium bieten sollte. Nach der Eingewöhnung sind S. petricola aber im Aquarium auch tagsüber oft unterwegs, besonders zu Fütterungszeiten.

Für unsere Kunden: diese Welse haben Code 185400 (2-3 cm) bis 185406 (12-14 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Englmaier, G. K., R. Blažek, R. Zimmermann, V. Bartáková, M. Polačik, J. Žák, D. P. Mulokozi, C. Katongo, H. H. Büscher, L. Mabo, S. Koblmüller, A. Palandačić & M. Reichard (2024): Revised taxonomy of Synodontis catfishes (Siluriformes: Mochokidae) from the Lake Tanganyika basin reveals lower species diversity than expected. Zoological Journal of the Linnean Society v. 202 (art. zlae130): 1-38.

Text & Photos: Frank Schäfer

Trochilocharax ornatus

31. Juli 2025

Erstmals konnten wir  im April 2003 diesen niedlichen Zwergsalmler aus Peru importierten. Seither gelingt uns immer wieder einmal der Import. Der Fisch wurde zunächst provisorisch „Heterocharax sp. – Orangeflossen-Glassalmler“ oder auch „Kolibrisalmler“ genannt, manchmal auch als „Tyttocharax sp.“ bezeichnet. A. Zarske hat die Art im Jahr 2010 wissenschaftlich als Trochilocharax ornatus beschrieben und dafür auch eine neue Gattung aufgestellt. Je nach Beleuchtung schimmern die kaum 2 cm langen Juwelen blau oder sind durchsichtig. Dieser Zwergsalmler ist äußerst lebhaft und erwies sich bislang als gut haltbar.

Männchen und Weibchen lassen sich sehr leicht unterscheiden, denn die Männchen haben eine verlängerte Rückenflosse und farbige Bauchflossen. Die Maximallänge dieser Tierchen liegt bei unter 2 cm (ohne Schwanzflosse), Männchen werden deutlich größer als die Weibchen. Bezüglich der Nahungsaufnahme und chemischen Wasserbeschaffenheit sind die Kolibrisalmler anpassungsfähig. Jedes übliche Zierfischfutter passender Größe wird willig akzeptiert. Andere Fische und Pflanzen ignorieren die Tierchen. 

Interessanterweise haben diese Salmler eine innere Befruchtung. Es ist noch nicht geklärt, wie sie es machen, aber die Weibchen legen ohne die Anwesenheit von Männchen befruchtete Eier an Pflanzenblättern und Wurzeln ab; selbstverständlich müssen sie aber vorher mit Männchen zusammen gepflegt werden. Abgesehen von der Winzigkeit der Jungtiere bereitet die Aufzucht keine besonderen Schwierigkeiten. Einen Zuchtbericht finden Sie kostenlos online hier: https://www.datz.de/suesswasser/243-der-kolibrisalmler-ein-zwerg-mit-innerer-befruchtung

Für unsere Kunden: Die Fischchen haben Code 258332 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Lexikon: Heterocharax: bedeutet „abweichender Charax“. Charax ist eine andere Salmlergattung. Trochilocharax: nach dem wissenschaftlichen Wort für „Kolibris“, Trochilidae, das sich wiederum ableitet von dem altgriechischen Wort „trochilos“, das von Aristoteles für einen kleinen Vogel verwendet wurde. Charax ist eine andere Salmlergattung. ornatus: latein, bedeutet „geschmückt“. Tyttocharax: altgriechisch, bedeutet „winziger Charax“. Charax ist eine andere Salmlergattung.

Text & Photos: Frank Schäfer

Clibanarius africanus

31. Juli 2025

Der niedliche Einsiedlerkrebs Clibanarius africanus gehört zwischenzeitlich zu den beliebten Wirbellosen. Er ist ein euryhaliner Krebs, d.h., dass er sowohl in reinem Süß- wie auch in reinem Meerwasser leben kann. Allerdings scheint die Lebenserwartung in reinem Süßwasser auf wenige Monate begrenzt zu sein, weshalb man das Tier besser in Brackwasser pflegt. Wir pflegen unsere Tiere mit gutem Erfolg in schwachem Brackwasser. Auf 100 Liter Aquarienwasser geben wir 150 g Meersalz (für Riff-Aquarien). Bei dieser geringen Salzdichte gedeihen die Tiere sehr gut. Die der Erstbeschreibung zugrunde liegenden Tiere wurden übrigens  in dem Zeitraum 1890-1892 in dem Fluss bei Bibundi in Kamerun, also küstennah im Süß- oder Brackwasser gesammelt. Arttypisches Merkmal ist das sehr lange letzte Beinglied, der Tarsus, das es in dieser Form innerhalb der artenreichen Gattung Clibanarius nur selten gibt.

Clibanarius sind reine Detritusfresser, nehmen also abgestorbene pflanzliche und tierische Stoffe auf, im Aquarium auch jedes übliche Fischfutter. Normalerweise erhalten wir die Tiere mit braunen Schneckengehäusen, die von der Art Tympanotonus fuscatus stammen, manchmal tragen sie jedoch auch weiße Häuschen der Schneckenart Pachymelania aurita.

Die Verbreitung von C. africanus erstreckt sich entlang der atlantischen Küste Afrikas, die von uns importierten Exemplare stammen aus Nigeria, wo sie nach Aussage des Exporteurs im Majidun River nahe bei Ikorodu gesammelt werden. Normalerweise sind diese Krebse braun gefärbt. Gerade haben wir aber noch einige wenige Exemplare im Stock, die ein schönes Blau aufweisen. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 483123 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Lexikon: Clibanarius: lateinische Bezeichnung für einen schwer gepanzerten Reiterkrieger. africanus: bedeutet „aus Afrika stammend“. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii „Berlin“

31. Juli 2025

Die berühmte Berliner Kreuzung des Schwertträgers ist das Ergebnis eines Gentransfers durch Hybridbildung. Klingt kompliziert? Beim Berliner Schwertträger handelt es sich um eine ursprünglich durch Artkreuzung hervorgebrachte Zuchtform, die später durch Verdrängungszucht dem Aussehen von Schwertträgern angeglichen wurde. Bei roten und gelben Zuchtstämmen des Platys (Xiphophorus maculatus) treten gelegentlich als Folge einer spontanen Mutation schwarzgefleckte Tiere auf. Diese Farbmutation ist geschlechtsgebunden und kommt nur bei weiblichen Platys vor. Durch Kreuzung solcher schwarzgefleckter Platyweibchen mit roten Männchen des Schwertträgers erhält man Hybriden, bei denen auch die Männchen die schwarze Fleckung tragen können. Diese Hybriden stehen, wie alle bislang bekannt gewordenen Kreuzungen verschiedener Xiphophorus-Arten, intermediär zwischen den Elternarten. D.h., sie haben bezüglich des Aussehens etwas von beiden Elternteilen abbekommen. Die Hybridmännchen sind größer als normale Platys, doch so hochrückig und gedrungen wie diese. Von dem Schwert des hellerii-Vaters ist meist kaum etwas zu erkennen. Erst durch konsequente Weiterkreuzung der schwarz­gefleckten Hybridmännchen auf rote Schwertträgerweibchen erhielt man schließlich Berliner Schwertträger.

Wir haben fast immer Berliner Schwertträger im Stock, denn diese hübsche, sehr abwechslungsreich gefleckte Zuchtform erfreut sich seit 1916 großer Beliebtheit, obwohl ihre Zucht nicht ganz einfach ist und große Kenntnisse in Genetik voraussetzt. Wir beziehen unsere Berliner von verschiedenen Züchtereien in Süd- und Südost-Asien, manchmal auch aus Europa oder Israel.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 420913 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos. Frank Schäfer

Guppy Endler Lime Green

31. Juli 2025

Wir haben ständig eine gute Auswahl verschiedener Endler-Typen im Stock, darunter sowohl Naturformen wie auch Zuchtformen. Gerade beim Endler-Guppy verschwimmen da die Grenzen allerdings sehr rasch, da man durch Selektion bestimmte Farbmerkmale gut stabilisieren kann. Der „Lime Green“  ist eine Selektion des „Green“ (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/neue_endler_zuchtformen_de/,  jedoch immer noch sehr variabel. 

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 419113 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplarchus psittacus

25. Juli 2025

Zu den nur sehr selten im Angebot zu findenden Großbuntbarschen aus Südamerika gehört Hoplarchus psittacus, der wegen der roten Brust, die an die Farben mancher Papageien des Amazonas-Gebietes erinnert, von der indigenen Bevölkerung „Acara paragua“ – Papageienbuntbarsch – genannt wird. Hoplarchus psittacus ist die einzige Art der Gattung. Er kommt aus dem Rio Negro und dem oberen Einzug des Orinoko (Brasilien, Kolumbien und Venezuela) und kann eine Länge von bis zu 40 cm erreichen. Unsere Importe stammen meist aus Kolumbien.

Untereinander sind die Tiere sehr zänkisch, wenn es nicht gelingt, ihnen ausreichend Individualabstand zu bieten. Haben sie diesen, sind sie eher als friedfertig einzustufen, jedenfalls, wenn die Rangordnung erst einmal feststeht. Dieses Verhalten kennt man von sehr vielen Großcichliden. Der Papageienbuntbarsch ist ein Allesfresser und deswegen sollte auch vegetarische Kost nicht im Speiseplan fehlen.

Leider sind die Geschlechter nur schwer zu unterscheiden: Weibchen bleiben kleiner, haben eine flachere Stirnpartie und kürzere Bauchflossen. Aber während man dominante Männchen immer leicht erkennt, kann man bei Tieren, die äußerlich wie Weibchen aussehen, leider erst sicher sein, wenn abgelaicht wird. Schwächere Männchen tarnen sich nämlich als Weibchen, wodurch sie Aggressionen durch den Chef entgehen. 

Über die Zucht wurde bislang nur selten berichtet, was mit den seltenen Importen und der geschilderten Schwierigkeit, die Geschlechter zu unterscheiden, zusammenhängen dürfte. Während die Wasserwerte zur Pflege von untergeordneter Bedeutung sind, muss das Wasser zur Zucht weich und sauer sein. Die Tiere bilden eine Elternfamilie. Das Paar hebt eine große und tiefe Grube im Boden an, auf deren festem Grund abgelaicht wird. Andere Züchter berichten vom Ablaichen auf flachen Steinplatten. Offenbar ist die Art also diesbezüglich flexibel oder es existieren populationsabhängig unterschiedliche Ablaichmuster. Die Wassertemperatur zur Pflege sollte zwischen 24 und 28°C liegen, zur Zucht 2-3°C mehr.

Diese Art ist relativ empfindlich für die Lochkrankheit und daher sollte Hygiene im Aquarium höchste Priorität haben.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 683023 (6-8 cm) bis 683028 (18-22 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos. Frank Schäfer

Danio kyathit und D. quagga

25. Juli 2025

Von Zeit zu Zeit haben wir wunderschöne Wildfänge dieser beiden Danio-Arten aus Burma im Stock, die sich oft durch besonders intensive Rottöne in den Flossen auszeichnen. D. kyathit und D. quagga ersetzen D. rerio, den Zebrabärbling aus Indien, in Burma. Bis auf die Färbung sind die drei Arten absolut identisch, auch, was Pflege und Zucht im Aquarium betrifft. 

Als man die Eigenständigkeit der Burmesen gegen D. rerio entdeckte, glaubte man zunächst, die gepunkteten und die gestreiften Tiere aus Burma seien artgleich und lediglich Farbvarianten, die man unter der Art D. kyathit zusammenfasste. Später entschloss man sich, die gestreiften Burmesen doch als eigene Art, D. quagga, zu beschreiben. Allerdings gibt es unter den Wildfängen immer wieder einmal einzelne Tiere, die Zwischenformen – so genannte Intergrades – darstellen, die also weder eindeutig D. kyathit noch eindeutig D. quagga sind. Die Natur ist eben etwas komplexer als wir es mit unserem Schubladendenken gerne hätten.

Die Burmesischen Zebrabärblinge sind in jedem Fall wunderschöne, problemlose Aquarienfische, die sich hervorragend für das ungeheizte Zimmeraquarium eignen. Die Temperaturansprüchen liegen bei 14-28°C, je nach Jahreszeit, zur Zucht darf es sogar noch etwas wärmer sein, aber wenn man die Tiere dauerhaft zu warm hält, verlieren sie Farbe und werden krankheitsanfällig. Die chemische Wasserzusammnensetzung ist egal, jedes Trinkwasser ist zur Pflege geeignet. Gefressen wird jedes handelsübliche Fischfutter, Pflanzen werden nicht beachtet und anderen Fischen gegenüber sind Zebrabärblinge, die übrigens eine Größe von 4-5 cm erreichen, vollkommen friedlich.

Für unsere Kunden: der gepunktete Danio kyathit hat Code 413613, der gestreifte D. quagga Code 413603 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tetraodon schoutedeni

25. Juli 2025

In den 1960er Jahren war Tetraodon schoutedeni eine der häufigsten Süßwasserkugelfische im Handel. Auch die Zucht der Tiere gelang regelmäßig. Die Fische sind Freilaicher ohne Brutpflege. Doch der Bürgerkrieg im Kongo änderte die Situation drastisch und auch heutzutage mögen die Fänger nur ungern in die Vorkommensgebiete der Art gehen.

Wir freuen uns, dass uns jetzt wieder einmal der Import einiger Tiere geglückt ist. Die Fische sind ca. 4-6 cm lang, voll ausgewachsen sind sie 7-10 cm. Männchen bleiben oft kleiner, scheinen kontrastreicher gefärbt zu sein und besitzen längere Schnauzen, aber insgesamt sind die Geschlechtsunterschiede nicht sonderlich deutlich ausgeprägt. Tetraodon schoutedeni, auch als Leopard-Kugelfisch bezeichnet, gilt als einer der friedlichsten Kugelfische, aber man muss bei Kugelfischen immer auf der Rechnung haben, dass es sich um Individualisten handelt. Leopard-Kugelfische sind reine Süßwasserbewohner.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 191603 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

L200 Hemiancistrus subviridis und Baryancistrus demantoides

25. Juli 2025

L-Nummern waren nie als Ersatz für wissenschaftliche Artbezeichnungen gedacht, sondern sollten die Vielfalt der importierten Harnischwelse verdeutlichen und die Kommunikation vereinfachen. Darum geschah es häufiger, dass die gleiche zoologische Art mehrere L-Nummern bekam, z.B. L18, L81 und L177. Sie sehen unterschiedlich aus, gehören jedoch zur gleichen Spezies, nämlich Baryancistrus xanthellus. Der umgekehrte Fall – also dass zwei verschiedene Arten die gleiche L-Nummer bekamen – ist kaum vorgekommen. Eine Ausnahme ist L200. Hinter der L-Nummer 200 verbergen sich zwei Arten, die einander imitieren und sogar in verschiedene Gattungen gehören. Der eine L200 ist als Hemiancistrus subviridis beschrieben worden. Bei ihm liegt zwischen dem Ende Rücken- und dem Anfang der Fettflosse eine deutliche Lücke. Die zweite Art hingegen, im Handel „L200 Highfin“ oder „L200a“ genannt, wurde als Baryancistrus demantoides beschrieben. Hier ist die Rücken- mit der Fettflosse verbunden. Die Höhe der Rückenflosse ist bei beiden Arten variabel und kein Artkriterium. Die beiden L200 werden häufiger gemischt importiert, da sie zumindest stellenweise im gleichen Biotop vorkommen und auch zusammen gefangen werden. Exportländer sind für beide L200 sind Kolumbien und Venezuela, wo sie im Orinoko, Ventuari und Casiquiare vorkommen. Zumindest im Aquarium können sich beide Arten kreuzen und auch bei so manchem Wildfang fällt die Zuordnung nicht leicht, zumal es viele individuelle und scheinbar auch lokale Farbvariationen gibt.

Im Einzelfall ist daher die Entscheidung, welcher der beiden Welse vorliegt, nicht einfach. Es gibt viele L200 Hemiancistrus subviridis mit hoher und langer Rückenflosse; da liegt man schnell einmal daneben. Wer es ganz genau wissen will, muss sich das Maul anschauen. Bei L200 Hemiancistrus subviridis wirkt das Mundfeld horizontal-oval, die Zahnzahl ist reduziert, die Zahnspitzen verbreitert. Letzteres lässt die Zahnspitzen bei geblitzten Aufnahmen wie helle Punkte aussehen. Das Mundfeld von L200a Baryancistrus demantoides ist hochoval, die Zähne klein und zahlreich, ohne verbreiterte Spitzen. Einen Hinweis gibt auch oft die Färbung der Rückenflosse, die bei L200 Hemiancistrus subviridis meist (!) zeichnungslos ist, bei L200a Baryancistrus demantoides hingegen meist (!) helle Punkte zeigt. Es gibt aber auch L200 mit Punkten und L200a ohne Punkte in der Rückenflosse. Es wird sich wohl nie ganz vermeiden lassen, dass sich zwischen L200 einige L200a befinden und umgekehrt.

Außer für Zuchtversuche (es handelt sich um typische Höhlenbrüter mit Vaterfamilie) ist es eigentlich nicht wichtig, welchen der beiden L200 man besitzt. Beides sind sehr schöne Fische und gute Algenvertilger, beide haben die gleichen Lebensansprüche und werden ähnlich groß (20-25 cm). Die Härte und der pH-Wert sind für die Haltung nebensächlich, wenngleich weiches und leicht saures Wasser gewöhnlich bakteriell weniger belastet ist, was den Welsen angenehm ist. Die Temperatur sollte im Bereich von 26-30°C liegen, es sind also Warmwasserfische. Beide haben eine hohen Futterbedarf, dem unbedingt Rechnung zu tragen ist, das Futter sollte in der Hauptsache vegetarisch sein. Es scheint, dass L200a Baryancistrus demantoides etwas territorialer gegen Artgenossen ist als L200 Hemiancistrus subviridis, das ist aber auch schon der ganze Unterschied aus pflegerischer Sicht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 26480-L 200 (Hemiancistrus subviridis) und 26480-L 200A (Baryancistrus demantoides) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Chrosomus erythrogaster

18. Juli 2025

Leider sind nur sehr wenige Kleinfischarten aus den USA im Hobby vertreten. Zu den ab und zu einmal angebotenen Arten zählt die sehr hübsche Elritzenart Chrosomus erythrogaster. In der Natur ist diese Art weit verbnreitet und in geeigneten Lebensräumen auch häufig. Gewöhnlich findet man sie in kleinen Bergbächen von Minnesota und West-Pennsylvania, südlich bis Arkansas und Alabama; hinzu kommen mehrere isolierte Vorkommen. Wir haben aktuell deutsche Nachzuchten dieses friedlichen Schwarmfisches im Angebot.

Die Art erreicht eine Maximalgröße von 10-12 cm, gewöhnlich werden sie 5-7 cm lang. Die Fische benötigen keine Heizung, fühlen sich aber auch bei Temperaturen über 24°C noch sehr wohl. Die chemische Wasserzusammensetzung (Härte, pH) sind für die Pflege unwesentlich, jedes Trinkwasser ist geeignet. Jedes übliche Zierfischfutter wird willig akzeptiert, Pflanzen werden nicht behelligt. 

Es handelt sich um Kieslaicher. Meist bemühen sich mehrere Männchen um ein Weibchen. Brutpflege üben diese Fische nicht aus. 

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 411043 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Cichla sp. Royal Silk

18. Juli 2025

Wer große Aquarien hat wünscht sich oft auch große Fische. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen mit großen oder auch sehr großen Aquarien es heutzutage gibt; anders ist es kaum erklärbar, dass die früher als ausgesprochenen Spezialisten-Fische geltenden Tucunaré-Buntbarsche der Gattung Cichla, die erst ab etwa 30 cm Länge ihr schönstes Farbkleid entwickeln und bis an die Meter-Marke heranwachsen können, nun nicht mehr nur bei Gourmets und Anglern, sondern sich auch bei Zierfischfreunden einer wachsenden Beliebtheit erfreuen. Die 16 aktuell anerkannten Arten haben eines gemeinsam: als Jungfische sind sie ziemlich farblos und lassen kaum ahnen, was einmal aus ihnen wird.

Inzwischen gibt es aufgrund der Tatsache, dass die aquaristische Nachfrage nach Cichla so gestiegen ist, auch etliche Züchtereien, die sich mit der Nachzucht vor allem der aus abgelegenen Gegenden stammenden Arten befassen. Dabei fallen nahezu zwangsläufig auch Farbvarianten und Mutanten an. Schließlich umfassen Cichla-Gelege tausende von Eiern (bei Cichla ocellaris wurden 9.000 bis 15.000 Eier gezählt!), von denen in der Natur zwar nur einige wenige Tiere überleben, unter Aquarienbedingungen aber der größte Teil. So entstand z.B. bei Cichla kelberi die Zuchtform „Spider“ (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/cichla-kelberi-spider/). 

Ganz aktuell und noch als Top-Rarität gehandelt ist die Zuchtform „Royal Silk“ auf dem Zierfischmarkt erschienen. Das fotografierte Tier ist erst 8-10 cm lang und sieht schon ganz fantastisch aus! Abgesehen von der gattungstypischen Schreckhaftigkeit können wir sonst noch nichts spezifisches über die Fische sagen, es gelten die üblichen Regeln für die Pflege von Cichla-Arten im Aquarium.

Für unsere Kunden: Cichla sp. Royal Silk hat Code 637053 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Caridina mariae Deep Blue Tiger Yellow Eyes ( = Neocaridina sp. Tiger)

18. Juli 2025

Zu den ersten Zwerggarnelen-Arten, die vor etwa 30 Jahren in das Hobby kamen, gehörten auch die Tiger Shrimps. Damals nummerierte man sie noch einfach durch, die „Tiger“ war Caridina oder Neocaridina sp. V. Die Gattungszugehörigkeit können bei Zwerggarnelen nur Spezialisten klären, am lebenden Tier erkennbare Merkmale gibt es nicht. Im Jahr 2015 erhielt die Tiger Shrimp schließlich durch Klotz & von Rintelen ihren heute gültigen wissenschaftlichen Namen, also Caridina mariae. Die ursprüngliche Heimat der höchsten 3 cm langen Tierchen (Männchen bleiben kleiner) ist die Provinz Guangdong in China.

Die Wildform ist graubraun transparent mit den bezeichnenden schwarzen Tigerstreifen. Schon bald entstanden im Aquarium die ersten Mutanten, heute gibt es die Wildform kaum noch im Hobby. Farbenprächtige Zuchtformen haben sie verdrängt. Zu ihnen gehört eine blau gefärbte Mutante mit gelben Augen. Unter Aquarienbedingungen kreuzen sich viele Arten der Zwerggarnelen, wodurch immer wieder neue Farbspielarten entstehen. Legt man Wert auf sortenreine Zucht, sollte man also immer nur eine Garnelenart pro Aquarium pflegen.

In der Natur ist das Wasser extrem weich, unter Aquarienbedingungen ist eine gewisse Härte (3-4° KH) jedoch günstiger, da andernfalls der pH-Wert instabil wird. Außerdem sollte die Wassertemperatur möglichst nicht über 25°C steigen, jedenfalls nicht dauerhaft. Bei Raumtemperatur (18-22°C) sind die Tierchen munter und vermehren sich reichlich. 20-40 Eier pro Wurf sind normal, die daraus schlüpfenden Jungtiere werden von den Eltern nicht behelligt und leben sofort als Miniaturausgaben von Mama und Papa. Tiger-Garnelen sind Aufwuchsfresser, nehmen aber so ziemlich alles übliche Zierfischfutter gerne an. Man sollte aber darauf achten, dass der Proteingehalt nicht zu hoch ist. Totlaub (Rotbuche, Eiche, Cattapa  etc.) sollte in jedem Aquarium für Zwerggarnelen stets als Nahrungsgrundlage vorhanden sein.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 485442 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Klotz, W.; von Rintelen, T. (2014). To “bee” or not to be—on some ornamental shrimp from Guangdong Province, Southern China and Hong Kong SAR, with descriptions of three new species. Zootaxa. 3889(2): 151-184

Text & Photos: Frank Schäfer

Brycon cf. pesu1

18. Juli 2025

Die Gattung Brycon umfasst etwa 45 Arten, die über weite Teile Süd- und Mittelamerikas verbreitet sind. In der Aquaristik spielen sie kaum eine Rolle, als Speisefische sind sie hingegen von sehr großer Bedeutung. Es handelt sich um mittelgroße bis große Fische. Die kleinsten Arten gehören zum Komplex um B. pesu (ca. 16 cm Standardlänge, also ohne Schwanzflosse), die größten – deren eindrucksvolles Aussehen auf Unterwasser-Aufnahmen den Blick in Bann zieht und unsere Vorstellung von Brycon-Arten ganz allgemein prägt – können bis über 70 cm Standardlänge erreichen.

Die Art Brycon pesu wurde bereits 1845 wissenschaftlich beschrieben. Seither nennt man alle kleineren Brycon-Arten mit schwarzem Schwanzflossenband und/oder schwarzer Fettflosse aus Brasilien, Bolivien, Ecuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Peru, Surinam und Venezuela „Brycon pesu“. Es wird bereits seit Jahrzehnten fest davon ausgegangen, dass es sich dabei nicht um eine einzelne Art, sondern um einen Artenkomplex handelt. Der eigentliche Brycon pesu käme dann wohl nur im Guyana-Schild vor. Wir haben jetzt erstmals Brycon aus dem Komplex um B. pesu aus dem Araguaia/Tocantins-Becken in Brasilien erhalten. Die dort vorkommenden B. cf. pesu wurden erst kürzlich in einer wissenschaftlichen Arbeit untersucht (Panarari-Antunes  et al, 2008). Dabei stellte man fest, dass die zwei farblich unterschiedlichen Typen von „Brycon pesu“ aus diesem Gewässersystem tatsächlich zwei verschiedene, genetisch klar darstellbare Arten sind. Die eine Art hat als eindeutiges äußeres Erkennungszeichen einen roten Streifen in der Afterflosse, die andere nicht. 

Leider haben wir die Art ohne roten Streifen erhalten (die andere wäre sicherlich noch attraktiver). Wir benennen sie nach dem Vorschlag in Panarari-Antunes  et al. Brycon cf. pesu1. Dieser Brycon hat zwar keine besonders auffälligen Farben, aber dennoch ist er unserer Meinung nach eine Bereicherung für das Hobby. Salmler dieser mittleren Größenklasse, die ein Aquarium mit mittelgroßen Buntbarschen und Welsen beleben, sind nämlich eher rar. Zu den Pflegeansprüchen von Brycon cf. pesu1 ist nicht allzuviel zu sagen. Es sind lebhafte Schwarmfische, verspielt und friedlich. Da es sich um einen Erstimport handelt, können wir noch keine Langzeiterfahrungen mitteilen. Unsere Tiere akzeptieren willig jedes gängige Zierfischfutter, die Wassertemperatur kann zwischen 22  und 25°C betragen, wahrscheinlich auch etwas mehr. Andere Fischarten aus dem Araguaia/Tocantins haben eine gute Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wasserparameter (pH und Härte) bewiesen. In der Natur ist das Wasser dort weich und leicht sauer. Das Aquarium für Brycon-Arten muss gut abgedeckt sein, denn es sind exzellente Springer.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 212713 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Panarari-Antunes, R. S., Prioli, A. J., Prioli, S. M. A. P., Júlio Jr, H. F., Agostinho, C. S., & L. M. Prioli (2008): Molecular variability in Brycon cf. pesu Müller and Troschel, 1845 (Characiformes: Characidae) from the Araguaia-Tocantins basin. Genetics and Molecular Research, 7(1), 95-106.

Text & Photos: Frank Schäfer

Panaqolus sp. L374

11. Juli 2025

Es gibt mehrere Tigerharnischwelse der Gattung Panaqolus. Zuerst wurde L2 aus dem Rio Tocantins importiert und 1988 im allerersten „L-Welse-Artikel“ der Datz vorgestellt. 1992 kam LDA1 aus dem Rio Negro hinzu, der 1994 zusätzlich die L-Nummer 169 bekam. Der 2001 als LDA64 und etwas später (2002) noch einmal als L306 vorgestellte Tigerharnischwels kommt aus dem Takutu River im Grenzgebiet von Guyana und Brasilien; diese Art ist die bislang einzige, die wissenschaftlich bearbeitet ist. Sie heißt seit 2016 Panaqolus claustellifer. Zwei L-Nummern erhielten Tigerharnischwelse aus dem Rio Anapu in Brasilien. Aus seinem Oberlauf stammt L374, aus seinem Unterlauf L403. Sie erhielten ihre L-Nummern 2004 und 2006. Wir erhielten optisch nicht von L374 unterscheidbare Tiere im Jahr 2014 mit der Fundortbezeichnung „Alto Nhamunda“ (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/panaqolus_sp_alto_nhamunda_de/). Der Rio Nhamunda bildet die Grenze zwischen den Staaten Amazonas und Pará. Fast alle bekannten Fundorte von Tigerharnischwelsen liegen also im Bundesstaat Pará in Brasilien, die einzige Ausnahme ist P. claustellifer. 

Es gibt von L374 zwei etablierte Aquarienstämme; als Wildfang importiert wird die Art so gut wie nicht. Der erste Aquarienstamm geht auf Tiere zurück, die Jens Gottwald 2003 importierte, der zweite auf einen Ende 2003 von Transfish importierten Stamm. Die beiden Stämme unterscheiden sich farblich etwas dadurch, dass der so genannte Gottwald-Stamm mehr Orange in der Färbung hat, während der Transfish-Stamm etwas gräulicher ist. Beide behalten auch im Alter ihre kontrastreiche Färbung. Die Tiere erreichen eine Länge von 13-15 cm. 

Wir können zur Zeit sehr schöne Nachzucht-Tiere von L374 des „Gottwald-Stammes“ anbieten. Die Pflege aller Tigerharnischwelse ist einfach. Sie benötigen sauberes, keimarmes Wasser, das nicht zu hart und leicht sauer sein sollte. Die Wassertemperatur kann sich im Bereich von 25-29°C bewegen. Alle Panaqolus brauchen als Nahrungsgrundlage weiches Holz, dazu kann man alles mögliche Gemüse füttern. Jedes übliche Zierfischfutter wird auch angenommen, aber man muss nur aufpassen, dass die spezialisierten Holzfresser mit ihrem sehr langen Darm nicht zuviel davon bekommen, sonst gibt es möglicherweise schwere Verdauungsstörungen. Man sollte nur eine Art der Tigerharnischwelse pro Aquarium pflegen, es ist nicht ausgeschlossen, dass sie sich sonst kreuzen. Es sind typische Höhlenbrüter mit Vaterfamilie.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 26480-L 374X-2 (5-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Sewellia sp. Spotted (SEW01)

11. Juli 2025

Die Gattung Sewellia stellt den populärsten und wohl auch schönsten aller Flossensauger: Sewellia lineolata (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/sewellia-lineolata/). Die Begeisterung für diesen Fisch hält bis heute an und führte zu der populären Bezeichnung „Prachtflossensauger“ für die gesamte Gattung. Wissenschaftlich sind deutlich mehr Arten bekannt; insgesamt wurden bisher 18 Arten beschrieben, aber der Status einiger Arten aus Vietnam, die 2006 in einem Buch über die Fische Vietnams benannt wurden, ist unklar, da die Beschreibungen wenig aussagekräftig und von sehr schlechten Bildern begleitet sind.

So ist noch nicht klar, ob der im Hobby beliebte Sewellia sp. Spotted aus der Quang Nam Provinz in Zentral-Vietnam einer wissenschaftlich noch neuen Art angehört oder ob er eventuell mit einer der drei in den oben genannten Buch benannten Arten S. monolobata, S. polylobata oder S. tetralobata identisch ist. Der wohl beste Schmerlenkenner unserer Zeit, Maurice Kottelat, nimmt an, dass S. monolobata und S. polylobata die gleiche Art sind. Als „first reviser“ wählt er für diesen Fall als gültigen Namen S. monolobata aus. S. tetralobata hält Kottelat für ein Synonym (eine jüngere Zweitbeschreibung) von Sewellia albisuera. 

Wir können diese Dinge hier nicht entscheiden oder klären; interessant ist, dass unter unseren aktuell importierten S. sp. Spotted ein Exemplar ist, das sehr gut mit S. albisuera übereinstimmt. Dazu sollte man außerdem wissen, dass S. albisuera im gleichen Fluss wie der gut bekannte S. lineolata lebt. Allerdings trennen sich diese beiden Arten ökologisch. S. albisuera ist an sehr starke Strömung angepasst, S.lineolata nicht. 

Bleiben wir also einfach bei der Bezeichnung Sewellia sp. Spotted oder auch Sewellia sp. SEW01, wie die Art unter Schmerlenfreunden auch genannt wird. Diese bis zu etwa 6-8 cm lange Art ist im Aquarium genauso leicht zu pflegen und vermehrungsfreudig wie S. lineolata. Was die Tiere brauchen sind sauerstoffreiches, klares und keimarmes Wasser, ordentliche Strömung, einen regelmäßigen Teilwasserwechsel, Wassertemperaturen im Bereich von 22-26°C und ein mit Steinen reich dekoriertes Aquarium. Die Wasserhärte und der pH-Wert sind nebensächlich, Extremwerte sind zu vermeiden. Die Tiere sind unkomplizierte Allesfresser, neben Aufwuchs werden alle üblichen Lebend- Frost und Granulatfutter passender Größe akzeptiert. Abgelaicht wird vorzugsweise in grobem Kies, aber bei uns in der Anlage nahmen sie auch mit dem grobporigen Filterschwamm vorlieb. Und so tauchten eines Tages die netten, schwarz-weiß geringelten Jungtiere dieser Art zwischen ihren Eltern, Onkeln und Tanten auf, die diese hübschen kleinen Tierchen vollkommen ignorieren. 

Für unsere Kunden: Sewellia sp. Spotted hat Code 455072 (md) bis 455075 (xlg-sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii Schwarz/Black

11. Juli 2025

Die schwarze Zuchtform des Schwertträger Xiphophorus hellerii wird auch als Hamburger Zuchtform bezeichnet, weil die immer wieder zitierte aquaristische Tradition besagt, dass sie erstmals im Jahr 1912 in Hamburg von einem Züchter namens W. Hoffmann erzüchtet wurde. Unbestritten ist allerdings auch, dass etwas später unabhängig davon noch weitere schwarze Stämme entstanden. Schwarze Schwertträger gibt es in der Natur nicht. Es handelt sich auch nicht um eine Kreuzung von Black Molly und Schwertträger. Die schwarze Färbung entstand vielmehr bei der Kreuzung wilder Platys (Xiphophorus maculatus) mit Grünen Schwertträgern (X. hellerii).

Hamburger sind schwarze Schwert­träger, deren Schuppen meist einen grünen oder blauen Glanz („Spiegel“) aufweisen. Die schwarze Färbung kann sich bis auf die Flossen ausdehnen, die meisten Exemplare haben aber rote, gelbe oder durchsichtige Flossen. Schwarze Schwertträger sind nicht reinerbig, zumindest wurde über reinerbige schwarze Schwertträger unseres Wissens noch nie berichtet. Unter den Jungtieren eines schwarzen Pärchens befinden sich auch nach 18 Generationen strenger Inzucht, bei der ausschließlich schwarze Tiere verpaart wurden, noch rote und grüne Fische (D. Gentzsch in Das Aquarium, 1995, Heft 309: 13-16). 

Weil man früher glaubte, dass die Inzucht generell und beim schwarzen Schwertträger speziell schädlich sei, galt bis zum Ende des letzten Jahrtausends die Doktrin, man müsse Hamburger stets durch die Kreuzung eines schwarzen Tieres mit anderen Farbformen züchten. Entsprechend uneinheitlich in puncto Färbung stellen sich die heutigen schwarzen Schwertträger dar. Heute gilt es allerdings als erwiesen, dass Inzucht bei Fischen im allgemeinen unschädlich ist. Es gibt natürlich auch bei Fischen Erbkrankheiten, die durch Inzucht verstärkt zum Tragen kommen können, aber ein guter Züchter kann durch entsprechende Zuchtwahl solche Klippen umschiffen.

Aquaristisch gesehen sind schwarze Schwertträger nicht nur farblich besonders. Es sind relativ große Schwertträger, denen man möglichst große Aquarien zur Verfügung stellen sollte, um Prachttiere heranzuziehen. Ihre Vorzugstemperatur liegt etwas niedriger als bei vielen anderen X. hellerii, erfahrene Züchter empfehlen 18-22°C. Außerdem werden die Spätmännchen der schwarzen Schwertträger erst wirklich spät (oft erst mit ca. einem Jahr) geschlechtsreif (Frühmännchen mit etwa 3-4 Monaten). Zuvor sehen sie weitgehend wie Weibchen aus, was zu der Mär von der Geschlechtsumwandlung bei Schwertträgern führte. Das Geschlechterverhältnis beträgt in den Würfen ca 50:50. Schwarze Schwertträger sind nicht so fruchtbar wie viele andere X. hellerii, bei denen Würfe großer Weibchen leicht 150 Jungtiere und mehr bringen können. Weibchen schwarzer Schwertträger werfen nur ein Drittel dieser Zahl oder weniger und werden auch nicht so unförmig dick, wenn sie kurz vor dem Laichen stehen.

Für unsere Kunden: schwarze Schwertträger haben Code 420401 (small) bis 420405 (show size) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypostomus boulengeri

11. Juli 2025

Dem Namen nach kennt wohl jeder Aquarianer die Gattung Hypostomus, der aktuell (inklusive Cochliodon, der manchmal als eigenständige Gattung und manchmal als Synonym zu Hypostomus gesehen wird) 154 Arten zugeordnet werden. Von dieser riesigen Vielfalt ist aber nur eine Art regelmäßig im Handel, nämlich Cochliodon basilisko, auch Red Bruno genannt. Ein bei Spezialisten beliebter Aquarienfisch ist Hypostomus luteus. Eine weitere Art wird immer wieder erwähnt, ist aber praktisch nie im Handel: H. plecostomus. Die im Handel so bezeichneten Tiere sind in Wirklichkeit Glyptoperichthys (früher: Liposarcus) pardalis.

Auch Hypostomus boulengeri ist eine ausgesprochene Rarität im Hobby. In der Natur ist er allerdings häufig anzutreffen. So erklärt es sich, dass er immer wieder als Beifang zwischen Zierfischen aus Paraguay auftaucht. Diesmal war eine größere Anzahl dieser Saugwelse zwischen „Red Bruno“, so dass wir sie aussortierten. Da wir Bilder von verschiedenen Größen zwischen 3 und etwa 20 cm Länge haben – die maximal erreichbare Größe wird mit 24,5 cm Standardlänge, also ohne Schwanzflosse, angegeben, was ca. 30 cm Totallänge entspricht – nutzen wir die Gelegenheit, die Umfärbung vom kleinen Jungfisch zum erwachsenen Tier und auch die verschiedenen individuellen und stimmungsabhängigen Färbungen zu dokumentieren.

Die Pflege dieser Tiere ist denkbar einfach. Untereinander und gegen artfremde Fische sind H. boulengeri grundsätzlich friedlich, Rangeleien zwischen Artgenossen verlaufen stets harmlos. Natürlich darf das Aquarium angesichts der zu erwartenden Endgröße nicht zu klein sein. H. boulengeri sind gute Algenfresser, nehmen aber im Aquarium jedes Futter gern an. Die Wassertemperatur sollte saisonal etwas schwanken und einige Monate kühler (18-20°C) und die übrige Zeit wärmer (24-28°C) sein. Über eine Zucht im Aquarium liegen uns keine Informationen vor, sie ist wohl noch nie versucht worden. 

Es gibt übrigens im Rio Paraguay eine zweite, sehr ähnliche Doppelgängerart, nämlich Hypostomus formosae. Äußerlich unterscheiden sich H. boulengeri und H. formosae hauptsächlich durch die Schnauzenspitze, die bei H. boulengeri nackt und bei H. formosae ganz normal beschildert ist. Alle Tiere, die wir daraufhin genauer anschauten, hatten eine nackte Schnauzenspitze, sind also H. boulengeri.

Für unsere Kunden: H. boulengeri hat Code 262483 (4-7 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Brochis bifasciata ( = Corydoras bifasciatus)

4. Juli 2025

Man sollte doch meinen, dass angesichts von aktuell (Juni 2025) 159 C-Nummern und 216 CW-Nummern allmählich auch sämtliche 203 wissenschaftlich akzeptierten Arten der Unterfamilie Corydoradinae (also Aspidoras, Brochis, Corydoras, Gastrodermus, Hoplisoma, Osteogaster und Scleromystax) im Hobby mehr oder weniger regelmäßig auftauchen. Doch das ist nicht der Fall. Zwei aus dem Einzug des Rio Tapajós stammende, bereits 1972 und 1976 wissenschaftlich beschriebene Langschnäuzer sind immer noch ein Mysterium: Brochis bifasciata und B. ornata (beide ursprünglich als Corydoras-Arten beschrieben). Während von Brochis ornata bis heute keine exakt der Erstbeschreibung entsprechende Tiere importiert werden konnten (es gibt freilich allerlei sehr, sehr ähnlich aussehende Spezies), gelang in jüngster Zeit dann doch endlich der Import von B. bifasciata. 

Warum der schöne Langschnäuzer sich so rar macht? Das weiß niemand; die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte, wie gesagt, bereits 1972. Die Typuslokalität ist wie folgt angegeben: Bach am linken Ufer des Rio Cururu, Nebenfluss des oberen Tapajós bei Maloca do Conzale, etwa 7°45’S, 58°00’W, Bundesstaat Pará, Brasilien. 

Es handelt sich bei Brochis bifasciata um den Langschnäuzer zu den ebenfalls nur sehr schwer erhältlichen, gleichfalls sehr, sehr schönen Hoplisoma sp. CW127 (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sp-aff-parallelus-cw127-3/). Beide Arten kommen nach Angaben des Exporteurs aus dem Rio Jamanxim, einem Zufluss des Tapajós. Ebenfalls mit der Herkunftsangabe „Tapajós“ wurde gelegentlich der zu CW127 sehr ähnliche Hoplisoma sp. C133 importiert (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras_aus_dem_rio_jamanxim_c_bifasciatus__de/), dem die schwarze Zone in der Rückenflosse, die in eine Richtung Bauch verlaufende Schulterbinde  übergeht, fehlt. Diese Zeichnung ist für Hoplisoma sp. CW127 sehr typisch und findet sich auch bei B. bifasciata. Zu Hoplisoma sp. C133 gibt es eine identisch gezeichnete Brochis-Art, also einen Langschnäuzer, der unseres Wissens noch keine C- oder CW-Nummer bekommen hat. Dafür gibt es eine weitere CW-Nummer für einen Fisch, der B. bifasciata sehr ähnlich ist und auch gemeinsam mit ihm importiert wird: Brochis sp. CW135. Diese Tiere haben eine leicht abweichende Rückenzeichnung. Unserer Ansicht nach fällt das zwar in die Varianz von B. bifasciata, aber wer weiß? Da der Phänotyp CW135 bei uns bisher nur in Einzelexemplaren auftauchte, bieten wir ihn nicht getrennt von B. bifasciata an. Es sollte noch erwähnt werden, dass beim Typusexemplar von B. bifasciata die untere der beiden Längsbinden entlang der Mittellinie verläuft, also dort, wo die beiden Reihen seitlicher Knochenplatten zusammenstoßen. Bei unserem aktuellen Import gibt es auch Exemplare, bei denen die zweite Längsbinde deutlich unterhalb der Mittellinie verläuft. Alles in allem gesehen scheint B. bifasciata also ähnlich variabel zu sein wie z.B. B. pulcher.

Eines ist jedenfalls sicher: die Corydoras-artigen Panzerwelse bieten noch genug spannende Fragestellungen, um Generationen von Wissenschaftlern und Aquarianern zu beschäftigen!

Für unsere Kunden: Brochis bifasciata haben Code 224204 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Garra panitvongi ( = sp. Red Tail)

4. Juli 2025

Diese schöne Saugbarbe wurde im Jahr 2023 zu Ehren des verdienstvollen Naturforschers Nonn Panitvong wissenschaftlich beschrieben. Nonn fand die Tiere gemeinsam mit anderen Mitgliedern von siamensis.org im Jahr 2006. Der Fundort (der Kasat-Fluss im Westen Thailands) ist daher gut dokumentiert. Zur Entdeckungsgeschichte dieser Art siehe bitte https://www.aqualog.de/blog/garra-sp-rotschwanz-godzilla-kommt-vom-kasat-river/

In dem Artikel ist auch das eindrucksvolle Kampfverhalten dieser Art dokumentiert, bei dem die Männchen ihre Stirnfortsätze (wissenschaftlich: Proboscis) wie Hörner aufklappen und anschließend wie die Stiere miteinander ringen.

Die nächst verwandte Art in Thailand ist sicher Garra fuliginosa Fowler, 1934, von der sich Garra panitvongi allerdings farblich deutlich unterscheidet.

Selbstverständlich ist auch diese Garra-Art ein guter Algenvertilger, aber man wird sie sicher eher um ihrer selbst willen pflegen und das Algenwachstum zum Wohl der Fische fördern, als sie zum Steineputzer zu degradieren.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 416481 (3-4 cm) bis  416484 (7-9 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Brachygobius mekongensis

4. Juli 2025

In der Gattung Brachygobius finden wir einige der kleinsten Grundelarten des Süßwassers. Einer dieser Zwerge ist B. mekongensis, eine erst im Jahr 2000 wissenschaftlich beschriebene Art. Die späte wissenschaftliche Erfassung dieser weit im Einzug des Mekong-Flusses in Laos, Kambodscha und Thailand verbreiteten Spezies liegt daran, dass sie früher entweder als Jungfisch einer anderen Art oder als östliche Population der indischen Zwergart B. nunus angesehen wurde.

Mit weniger als 2 cm Länge ist B. mekongensis ausgewachsen. Die Weibchen sind etwas größer und fülliger als die Männchen. Es existiert sogar ein Zuchtbericht zu den Tierchen aus dem Jahr 1990. H. Horsthemke identifizierte sie allerdings damals fälschlich als B. aggregatus – verzeihlich, denn die Art B. mekongensis war damals ja noch nicht beschrieben. Ihm zufolge laicht B. mekongensis auf hartem Untergrund (also nicht in Höhlen, wie viele andere Brachygobius-Arten). Die ca. 30 Eier werden vom Männchen bis zum Schlupf bewacht.

B. mekongensis ist eine reine Süßwasserart, Meldungen aus Brackwasser liegen nicht vor. In der Natur bevorzugt sie Gewässer mit reichlich Unterwasser-Vegetation, z.B. Vallisneria. Die Wassertiefe beträgt gewöhnlich 0,3-1,5 m. Gemeinsam mit ihr leben u.a. die auch im Hobby gelegentlich anzutreffenden Zwergfisch-Arten Boraras micros und Indostomus spinosus.

Im Aquarium ernährt man die zwergigen Grundeln am besten mit kleinem Lebendfutter. Wenn Regentonne oder Tümpel einmal nichts hergeben, sind Grindalwürmchen, gehackte Tubifex und Artemia-Nauplien ein guter Ersatz. Bezüglich der Härte und des pH-Wertes sind B. mekongensis nicht anspruchsvoll, jedes Trinkwasser eignet sich zu Pflege und Zucht. Die Temperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 407152 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hypancistrus sp. L260 Queen Arabesque

4. Juli 2025

Es ist schon erstaunlich, dass dieser auffällig gefärbte Wels aus dem Einzug des Rio Tapajós in Brasilien (Bundesstaat Para) wissenschaftlich noch nicht erfasst ist. Seit 1998 trägt er die L-Nummer 260 und gehört seither auch zu den regelmäßig importierten und auch nachgezüchteten L-Welsen.

Es bestehen große Ähnlichkeiten zu L411 aus dem Rio Jari. Leider kreuzen sich unter Aquarienbedingungen so ziemlich alle L-Welse (sogar über Hybriden zwischen H. zebra L46 und L260 ist schon berichtet worden). Man sollte daher bei der Zusammenstellung von Zuchtgruppen auf Artreinheit achten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Aquarienstämme – also Zuchtformen – entstehen und die ursprünglichen Arten im Hobby aussterben. Angesichs des dramatischen weltweiten Artensterbens (die private Tierhaltung ist dafür nicht mitverantwortlich, das sei nur am Rande bemerkt) sollten wir doch versuchen, dergleichen zu vermeiden.

Die Haltung von L260 ist einfach. Der Allesfresser wird bis ca. 12 cm lang und gilt als relativ verträglich, sowohl untereinander wie auch gegen fremde Arten. Im Großen und Ganzen kann man die Pflege dieser Art mit der des altbekannten Aquarien-Ancistrus gleichsetzen, wenngleich L260 weniger tolerant gegen schlechte Wasserverhältnisse ist. Es gibt aber mit zwei wichtige Unterschiede: L260 will es wärmer haben (26-30°C) und L260 frisst kaum Algen oder anderes pflanzliches Material. Erfahrene Pfleger schwören allerdings auf rohe Kartoffel-Stücke als Zusatzfutter. Dieses Futter kann den ganzen Tag im Aquarium verbleiben und wird gerne gefressen. Besonders bei etwas mageren Wildfängen hat sich diese Nahrung sehr bewährt, um sie rasch wieder aufzufüttern.

Für unsere Kunden: die Tiere haben 26480-L 260-2 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Rasbora daniconius

2. Juli 2025

Aus Indien konnten wir Rasbora daniconius importieren, Dieser Bärbling wird gewöhnlich 6-8 cm lang, das größte je gemessene Exemplar maß angeblich 15 cm. Die Art kommt in Bengalen gemeinsam mit so bekannten und beliebten Zierfischen wie Zebrabärbling (Danio rerio), Prachtbarbe (Pethia conchonius), Zwergfadenfisch (Colisa lalius) und Blaubarsch (Badis badis) vor. Rasbora daniconius ist ein wunderbarer Kontrastfisch zu den genannten Arten im Gesellschaftsaquarium.

Die Tiere sind vollkommen friedliche Allesfresser, Pflanzen werden ignoriert. Wie die Mehrzahl der Bärblinge schätzt auch diese Art die Gesellschaft ihresgleichen und sollte im Trupp von mindestens fünf, besser 10-15 Artgenossen gepflegt werden. Die Wassertemperatur kann zwischen 18 und 28°C liegen, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich zur Pflege. R. daniconius sind Freilaicher ohne Brutpflege.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 451703 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Melanotaenia sp. „Kali Tawa“

27. Juni 2025

Erst 2019 gelangte dieser neue Zwergregenbogenfisch, der offenkundig wissenschaftlich noch nicht beschrieben ist, in die Aquaristik. Er wurde, wie so oft bei Regenbogenfischen, während einer privat finanzierten und durchgeführten Forschungsreise gefunden. Sein provisorischer Name Melanotaenia sp. „Kali Tawa“ bezieht sich auf den Fundort auf Papua-Neuguinea.

Mit normalerweise 7 cm Gesamtlänge (mehrere Jahre alte Exemplare sollen angeblich an die 10 cm erreichen können) gehört diese Art zu den kleinen Vertretern der Gattung. Die Kombination aus schneeweißer Rücken- und Afterflosse und roter Schwanzflosse, dazu ein orangefarbener Vorderrücken und Blautönen auf der Flanke, macht sie farblich hoch attraktiv. Im Handel haben wir jugendliche Nachzucht-Tiere von etwa 4 cm Lange, die selbstverständlich noch nicht voll ausgefärbt sind, aber auch die sind schon ziemlich hübsch!

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 428803 auf unserer stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Trigonostigma espei

27. Juni 2025

Von den fünf Arten, die aktuell der Gattung Trigonostigma (Keilfleckbärblinge) zugeordnet werden – dem altbekannten Gewöhnlichen Keilfleckbärbling T. heteromorpha, der zuletzt beschriebenen T. truncatus, der zwergigen T. somphongsi, T. hengeli und T. espei – werden die beiden zuletzt genannten immer wieder verwechselt; leider passiert das auch bei uns ab und zu, wenn wir nicht sehr aufpassen. 

Der Grund hierfür ist, dass sich beide Arten im Jugendstadium, also bei 1-2 cm Länge, wirklich verflixt ähnlich sehen. Voll erwachsen wird man sie kaum verwechseln; beide Arten bleiben mit 3- 3,5 cm Totallänge etwa einen Zentimeter kleiner als der Gewöhnliche Keilfleckbärbling. Erwachsene T. hengeli haben zwischen Kiemendeckelrand und dem farbigen, orangerosa Band, das den Keilfleck begleitet, eine Zone, die wie der Rücken hellbraun-graubeige gefärbt ist, während bei T. espei der gesamte Körper, auch der Vorderkörper, lückenlos kräftig orange (Weibchen) bis purpur (dominante Männchen) gefärbt ist. Nur der Keilfleck ist selbstverständlich schwarz. Bilder von T. hengeli finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/trigonostigma-hengeli-3/

Kennt man die Herkunft, so ist die Bestimmung ebenfalls leicht. T. hengeli kommt nur auf den großen Sundainseln Sumatra und Borneo vor, T. espei nur im südlichen Thailand, in Kambodscha und Vietnam. Aber wie gesagt, Jungtiere sind ohne Kenntnis der Herkunft nicht bestimmbar. Und zu Beginn der Saison (Mai/Juni) sind nun einmal vorwiegend Jungtiere auf dem Markt. Aus Indonesien werden T. hengeli mit einer gewissen Hartnäckigkeit stets als T. espei geschickt. Und so erklärt es sich leicht, wie die falsche Bezeichnung manchmal bis zum Privataquarianer durchschlägt und für anhaltende Verwirrung sorgt.

Alle Keilfleckbärblinge sind wunderschöne Fische und sehr empfehlenswert. Zur Zucht benötigt man bei T. espei weiches und saures Wasser. Sie laicht, genau wie ihr gut bekannter Vetter, gewöhnlich mit dem Bauch nach oben an der Unterseite breiter Blätter von Wasserpflanzen (z.B. Cryptocorynen), jedoch ist sie dabei nicht ganz so strikt. Es kommt vereinzelt auch vor, dass in normaler Körperhaltung auf der Oberseite der Blätter der Laich abgesetzt wird. Gefressen wird sämtliches Zierfischfutter passender Größe. Die vollkommen friedlichen Tiere beschädigen keine Pflanzen. Die Wassertemperatur sollte sich im Bereich von 24-28°C bewegen.

Für unsere Kunden: T. espei hat Code 451951 (sm) bis 451954 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Glyptothorax buchanani

27. Juni 2025

Die Bauchsaugerwelse (Glyptothorax) sind aquaristisch nahezu unbekannt. Es handelt sich um eine sehr artenreiche Gruppe (fast 120 akzeptierte plus vermutlich noch zahlreiche unbeschriebene Arten) meist kleiner, strömungsliebender Welse. Die äußerst spärlichen Pflegeerfahrungen mit diesen Welsen zeigen, dass es sich (wie bei vielen Bachfischen) um empfindliche Tiere handelt, die weder stärkere organische Verschmutzung noch die damit einhergehenden bakteriele Belastung tolerieren. Mit anderen Worten: möglichst große, gut eingefahrene, kräftig gefilterte und spärlich besetzte Aquarien sind die Grundvoraussetzung für eine dauerhafte erfolgreiche Pflege dieser Fische.

Bezüglich der Verträglichkeit ist zu sagen, dass die meisten Arten wohl friedlich gegenüber artfremden Fischen wie auch Artgenossen sind. Insbesondere letzteres ist jedoch noch zu erforschen. Es scheint, als würden sich Glyptothorax buchanani gegenseitig stressen. Jedenfalls reduzierte sich die Atemfrequenz bei zwei Tieren, die zunächst zusammen gepflegt und dann vereinzelt wurden, erheblich, als nur noch ein Exemplar pro Aquarium gepflegt wurde. 

Als Fließwasserbewohner sind Glyptothorax an sandigen Bodengrund (in den sie sich auch manchmal eingraben) mit größeren Steinen angepasst. Die chemische Wasserzusammensetzung ist nebensächlich, aber man bedenke, dass hartes, alkalisches Wasser vielen Bakterien günstigere Lebensbedingungen bietet als weiches, saures Wasser. Wegen der Empfindlichkeit gegen bakterielle Erkrankungen empfehlen wir daher weiches bis mittelhartes Wasser und einen pH zwischen 6 und 7. Auch bezüglich der Ernährung sind diese Fische anspruchsvoll. Trockenfutter und Granulate werden kaum akzeptiert, jedenfalls nicht während der Eingewöhnung. Vorzugsweise reicht man Lebendfutter (weiße Mückenlarven und erwachsene Artemia sind aus hygienischen Überlegungen ideal, die Tiere fressen aber auch gerne Tubifex und rote Mückenlarven, dazu Eintagsfliegenlarven und verschiedene Kleinkrebschen), später nehmen die Tiere auch Frostfutter.

Aus Thailand haben wir Glyptothorax buchanani erhalten. Diese im Jahr 1945 beschriebene Art ist in Thailand endemisch, kommt also nur dort vor. Sie besiedelt die Fluss-Systeme des Mae Klong und Chao Phraya. Sie wird etwa 6 cm lang (ohne Schwanzflosse). Über das Fortpflanzungsverhalten von Glyptothorax-Arten ist fast nichts bekannt, außer, dass sie Laichwanderungen unternehmen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 417792 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Piaractus brachypomus

27. Juni 2025

International werden die größten Sägesalmler-Arten „Pacu“ genannt: der Rote Pacu (Piaractus brachypomus, früher Colossoma brachypomus oder C. bidens) aus dem Amazonas-System, seine erst seit 2019 von ihm unterschiedene Zwillingsart P. orinoquensis aus dem Orinoko (Kolumbien, Venezuela, Guyana), der Gelbe Pacu (P. mesopotamicus) aus dem Parana-Paraguay-System und der Schwarze Pacu (Colossoma macropomum) aus dem Amazonas. Sie werden alle um die 80 cm lang und über 20 kg schwer. Als exzellente Speisefische werden sie in Aquakultur gehalten und eine Art – der Rote Pacu – ist wohl inzwischen weltweit in den Tropen verbreitet. In ihrer Heimat nennt man diese Pacus allerdings Pirapitinga und bezeichnet die Scheibensalmler der Gattung Myletes & Co als Pacus.

Wie auch immer: Rote Pacus fehlen in kaum einem Schau-Aquarium, denn sie sind eindrucksvolle Gestalten. Wir importieren sie allerdings nicht als große, sondern als kleine Fische von wenigen Zentimetern Länge. Es sind gewöhnlich Nachzuchten aus Südostasien. Als jugendliche Tiere imitieren Rote Pacus einen berüchtigten Vetter, den Roten Piranha (Pygocentrus nattereri). Sie sind farblich tatsächlich kaum voneinander zu unterscheiden. Man nennt es Batesische Mimikry, wenn eine harmlose Art eine wehrhafte Art imitiert und somit davon profitiert, dass potentielle Fressfeinde eher zurückhaltend sind.

Aquaristisch ist natürlich bekannt, dass die Piranhas den fleischfressenden Zweig der Sägesalmler repräsentieren, während Pacus hauptsächlich vegetarisch leben. Große Tiere fressen sehr gern Früchte und Nüsse, die von Bäumen ins Wasser fallen. Da diese Nahrung sehr nährstoffreich ist, ist das Wasser unter solchen Bäumen oft stark mit Fäulnisstoffen belastet und sehr sauerstoffarm. Pacus können das aushalten und manche Arten entwickelt zu bestimmten Zeiten sogar ein Hilfsatmungsorgan in Form einer stark vergrößerten, sehr gut durchbluteten Lippe, durch die, wenn der Fisch an der Wasseroberfläche schwimmt, zusätzlich Sauerstoff in den Organismus gelangt.

Freilich ist Piaractus brachypomus relativ wenig spezialisiert. Er kommt auch in sauberen Gewässern vor und als Opportunist frisst er dort auch kleine Fische, Garnelen etc., ist also kein reiner Vegetarier.

Die Haltung von Pacus ist einfach, allerdings nur solchen Menschen zu empfehlen, die über riesenhafte Aquarien verfügen. Untereinander sind Piaractus brachypomus gut verträglich, kleine Fische werden allerdings als Nahrungsergänzung angesehen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 218501 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pygocentrus cariba ( = P. notatus)

25. Juni 2025

Pygocentrus sind die berühmtesten und auch aquaristisch bedeutendsten Piranhas. Im Gegensatz zu allen anderen Piranhas sind Pygocentrus immer Schwarmfische. Sie sind weniger auf Flossenstücke anderer Fische als Serrasalmus– und Pristorycon-Arten erpicht und mit ihren besonders scharf schneidenden Zähnen können sie ganze Stücke aus einem Körper beißen. Aber auch die Pygocentrus-Arten sind keineswegs blutdurstige Monster, sondern Opportunisten, die jegliche Nahrung – oft auch pflanzlichen Ursprungs – nutzen, die zur Verfügung steht.

Pygocentrus cariba ist eine wunderschöne, regelmäßig im Handel zu findende Art, die im Orinoko die Schwarm-Piranhas repräsentiert. Arttypisch ist der große Humeralfleck ( = Schulterfleck), der bei halbwüchsigen und jung erwachsenen Fischen am deutlichsten ausgeprägt ist. Sehr kleine Tiere (unter ca. 4 cm Länge) zeigen den Humeralfleck noch nicht. Sehr alte Tiere neigen, wie alle Pygocentrus-Arten dazu, stark dunkel gefärbt zu sein, dann kann man die Arten kaum noch unterscheiden. Der Artname cariba ist nur verfügbar über eine Bildunterschrift (was Autoren vor 1993 meist als nicht ausreichend ansahen); Fink (1993) revidierte die Gattung Pygocentrus und legte cariba als den zutreffenden Artnamen für den Schwarm-Piranha mit Schulterfleck fest (Prinzip des „first reviser“), womit der früher als gültig angesehene Name P. notatus zum Synonym wurde.

Dieser Piranha wird gewöhnlich maximal ca. 25 cm lang, die größte in der wissenschaftlichen Literatur angebene Länge ist 27,9 cm Totallänge (inklusive Schwanzflosse).

Für unsere Kunden: P. cariba hat die Codenummern 292600 (2-4 cm) bis 292607 (18-22 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den großhandel beliefern. 

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon peugeotorum ( = H. peugeoti)

20. Juni 2025

Es ist schon erstaunlich, wieviele neue, attraktive Salmlerarten in jüngster Zeit neu entdeckt wurden! Unter ihnen ist Hyphessobrycon peugeotorum, der erst 2013 unter dem Namen H. peugeoti wissenschaftlich beschrieben wurde. Er stammt aus dem brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso (mittlerer Einzug des Rio Juruena, oberes Becken des Rio Tapajós). Der ungewöhnliche Artname bezieht sich nicht auf die französischen Autobauer, sondern (Zitat, übersetzt aus dem Englischen): „Hyphessobrycon peugeoti ist das Patronym der Familie Peugeot, die 1842 den Peugeot-Pfeffermühlenmechanismus erfand und deren Produktionsbetrieb zur Einrichtung eines Aufforstungsprojekts in der Fazenda São Nicolau in Zentralbrasilien und schließlich zur Entdeckung dieser neuen Art führte.“ Nach denn Regeln der zoologischen Namensgebung muss in diesem Fall (Benennung nach mehreren Personen, nicht nach einer einzelnen Person) der lateinische Genetiv plural für den Artnamen gewählt werden – also die Wortendung -orum – und nicht, wie geschehen, der lateinische Genetiv singular, der auf -i endet.

Abgesehen davon ist Hyphessobrycon peugeotorum ein wunderschöner Fisch, den wir als Nachzucht anbieten können. Die Art wird 4-5 cm lang und ist vollkommen friedlich. Ein Erlebnis im Fotobecken deutet darauf hin, wie das Tier gepflegt werden sollte, damit es sich optimal ausfärbt. In unserer Verkaufsanlage zeigte ein Männchen Balzfärbung und entwickelte eine schwarze Schwanzflosse (in Normalfärbung ist die Schwanzflosse transparent farblos). Wir fingen das Tier und einige Artgenossen, brachten sie in das Fotobecken und warteten. Es sollte normalerweise ja nicht lange dauern, bis das inzwischen entfärbte Tier wieder Balzfarben zeigen würde. Von wegen! Es vergingen 9 Tage, nichts geschah. Wir erwärmten das Wasser, setzten Huminstoffe zu, fütterten Lebendfutter, machten Wasserwechsel – alles was man halt so tut, um Salmler in Wallung zu bringen. Nichts. Dann dunkelten wir das Becken stark ab! Und nun klappte es. Offenbar mag es Hyphessobrycon peugeotorum etwas schummrig. Jedem das seine!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 261499 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

PS: Wie wir erfahren haben, wurde gegen die Umänderung des Artnamens peugeoti in peugeotorum Einspruch erhoben, so dass die Art zur Zeit wieder häufiger als H. peugeoti bezeichnet wird.

Nematobrycon lacortei

20. Juni 2025

Der Regenbogen-Kaisersalmler (Nematobrycon lacortei) zählt mit Sicherheit zu den attraktivsten Salmlern Südamerikas. Seine Heimat liegt im westlichen Kolumbien wo er im Einzugsgebiet des Rio San Juan gefangen wird. Männchen und Weibchen kann man leicht an der Farbe der Iris unterscheiden. Schon bei kleinen Jungtieren haben die Männchen eine rote, die Weibchen eine blaue Iris.

Zur gleichen Gattung gehört der meist besser bekannte Kaisertetra Nematobrycon palmeri. Nematobrycon sind nur eingeschränkt als Schwarmfische zu bezeichnen, da die Männchen zumindest zeitweise Reviere gegenüber Artgenossen verteidigen – und das kann recht heftig geschehen. Ihr Aquarium sollte daher strukturbildende Elemente wie Wurzeln und große Pflanzen enthalten.

Kaisersalmler lassen sich in mittelhartem Wasser halten, zur Zucht sollte es allerdings weich und sauer sein. Es werden fast alle angebotenen Futtersorten gefressen, für einen guten Laichansatz empfiehlt es sich regelmäßig schwarze Mückenlarven (Culex) zu verfüttern.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 272504 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Photos F. Schäfer, Text K. Diehl

Tocantinsia piresi

20. Juni 2025

Uns ist einer der sehr seltenen Importe eines ganz eigenartigen Vertreters der Auchenipteridae (Trugdornwelse) gelungen: Tocantinsia piresi. Erst im Jahr 1974 wurden diese Welse im Rio Tocantins nahe bei Porto National, Bundesstaat Goiás in Brasilien, entdeckt. Weil sie zu keiner bekannten Gattung passten, beschrieb Mees sie als neue Gattung – Tocantinsia – und die Art als neue Spezies T. depressa. 10 Jahre später fand Mees heraus, dass er eine Doppelbeschreibung produziert hatte. Bereits 1920 hatte nämlich Miranda Ribeiro einen Wels aus dem Rio São Manoel (heute besser bekannt als Rio Teles Pires, einer der beiden Quellflüsse des Rio Tapajós), Mato Grosso (ebenfalls Brasilien) als Glanidium piresi beschrieben und abgebildet, der mit T. depressa in allen erkennbaren Details übereinstimmt. Inzwischen weiß man, dass die Art relativ weit verbreitet ist. Neben den bereits genannten Fluss-Systemen findet sich der Wels z.B. auch im Rio Xingu, wo sogar ökologische Studien zur Fortpflanzungsbiologie gemacht wurden.

Tocantinsia piresi gehört mit rund 50 cm Länge zu den großen Trugdornwelsen. Im Rio Xingu werden Weibchen bei einer etwas geringeren Körpergröße (33,76 cm) sexuell reif als die Männchen mit 34,84 cm. Die Reife der Gonaden (Hoden und Eierstöcke) lag in der Zeit des niedrigsten Wassers in der Trockenzeit. Magenuntersuchungen von Tieren aus dem Rio Tocantins ergaben, dass die Fische Allesfresser sind, die sowohl pflanzliches Material (Früchte, Samen, Blüten) wie auch tierisches (Frösche, Insekten, Spinnen, Tausendfüsser) fressen. Nahezu sämtliche Nahrung war allerdings terrestrischen Ursprungs, ist also vom Land ins Wasser gelangt.

Im Aquarium sind T. piresi vor allem sehr versteckliebend. Dem muss bei der Pflege unbedingt Rechnung getragen werden. Am besten pflegt man die Tiere in einem dämmrigen Aquarium mit vielen größeren Steinen, zwischen denen sie Schutz suchen. Die steifen Brustflossen mit dem dicken Stachel machen die Tiere relativ unbeweglich, dichtes Pflanzengewirr, in dem sie sich verheddern, ist das letzte, was sie brauchen. Untereinander sind unsere Tiere friedlich. Die Färbung ist ziemlich variabel, wir haben für die Photosession das dunkelste und das hellste Individuum unseres Importes ausgewählt. Da die Fische mit ihren aktuell ca. 10 -12 cm noch nicht geschlechtsreif sind, ist der für Trugdornwelse übliche Geschlechtsunterschied – eine beim Männchen zum Begattungsorgan umgebildete Afterflosse – noch nicht erkennbar. Wir wissen darum nicht, ob die Färbung im Zusammenhang mit dem Geschlecht steht.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 297233 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ancistrus sp. „Gold Albino“

20. Juni 2025

Albinismus ist eine Mutation, die bei nahezu jeder Tierart auftreten kann, auch beim Menschen. Das Wort leitet sich vom lateinischen „albus“ = weiß ab. Die Ausprägung der Mutation ist freilich unterschiedlich. Bei manchen Formen des Albinismus wird noch etwas Melanin (das ist der schwarze Zellfarbstoff) gebildet, bei anderem Formen kaum noch oder gar nicht mehr. Ein auffälliges Merkmal von Albinos sind die roten Augen, die daher kommen, dass die Blutgefäße im Augenhintergrund durchschimmern. Zusätzlich sind Albinos am Körper heller gefärbt bis hin zu eine vollständigen weißen Tieren. Es gibt aber auch den paradoxen Fall von schwarz gefärbten Albinos mit roten Augen. Das kann dann geschehen, wenn die Gene zur Melaninbildung in verschieden Körperteilen in unterschiedlichen Regionen sitzen und nur zum Teil von der Mutation betroffen sind.

Der Ancistrus Gold Albino ist eine Albino-Zuchtform, bei der jegliches Schwarz fehlt, aber die roten Farbzellen im Körper kräftig ausgebildet sind. So kommt es zu der kräftig gold-orangen Färbung. Die Augen sind bei dieser Zuchtform immer rot. Die Fische erfreuen sich wegen ihrer hübschen Farbe einer großen Beliebtheit. Normalerweise werden solche Fische nur in relativ kleinen Exemplaren gehandelt, am häufigsten in Größen von 3-6 cm. Diese Größe erreichen sie relativ rasch. Voll ausgewachsene Tiere werden aber ca. 15-16 cm lang. Dann sind sie oft schon viele Jahre alt, also eigentlich unbezahlbar, wenn man Pflegekosten und Arbeitsaufwand rechnet. Aber manchmal – wenn auch sehr selten – kommen auch solche Brocken zu uns!

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 204061 (2-3 cm) bis 204068 (12-15 cm)  auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Tetraodon lineatus „Nachzucht“

13. Juni 2025

Der bis zu 40 cm lange Nilkugelfisch (Tetraodon lineatus) ist eine prachtvolle Süßwasserart aus Afrika. Wir haben sie ausführlich hier vorgestellt: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/tetraodon-lineatus-15-20-cm/

Seit einiger Zeit haben wir diese Art auch als Nachzucht aus Indonesien im Programm. In Nigeria – der Heimat dieser Fische – wollen immer weniger Menschen ihren Lebensunterhalt als Fischer verdienen. Auch dort spielt die so genannte work-life-balance eine große Rolle und ein klimatisiertes Büro erscheint wohl vielen attraktiver als ein Job in der Natur. Zwar verdienen Zierfischfänger deutlich mehr als ihre Kollegen vom Speisefischfang, dennoch kommt es aus genannten Gründen inzwischen bei manchen Arten zu Lieferengpässen, die dann durch Nachzuchttiere gefüllt werden.

Uns ist aufgefallen, dass die Nachzuchttiere erheblich toleranter gegenüber Artgenossen sind als Individuen aus Wildgewässern. Wir können diese Fische, die wir in Größen um 2 cm erhalten, völlig problemlos gemeinsam pflegen. Sie vertragen sich auch noch wunderbar, wenn sie auf 6 cm herangewachsen sind. Länger haben wir sie noch nicht hier gehabt. 

Möglicherweise sind das schon erste Domestikationsspuren. Denn Verhalten ist genau so erblich wie äußere Merkmale. Schon beim Aufbau eines Zuchtstammes wird man immer solche Individuen auswählen, die sich besonders gut vertragen. Später wird man mit Tieren weiterzüchten, die sich während der Aufzucht friedlich gezeigt haben, denn nur dann ist eine stressfreie Aufzucht in größerem Maßstab möglich.

Für unsere Kunden: die Nachzuchten haben Code 190310 (2 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Oxyeleotris marmorata

13. Juni 2025

Die meisten Grundeln leben im Meer und die meisten Grundeln bleiben klein, gewöhnlich deutlich unter 10 cm. Ein Ausnahme in vielerlei Hinsicht ist darum Oxyeleotris marmorata, die Marmor-Schläfergrundel. Sie ist ein Riese unter den Grundeln und erreicht bis zu 50 cm Gesamtlänge. Außerdem lebt sie normalerweise in reinem Süßwasser, nur manchmal dringt sie in Brackwasser vor. 

Oxyeleotris marmorata ist ein Raubfisch, wie ein Blick in das Maul sofort offenbart. Sie kann Fische von bis zur halben Länge ihrer eigenen Körpergröße verschlingen. Im Aquarium wird sie schnell zahm und gewöhnt sie sich auch schnell an eine Fütterung von der Pinzette. Jungtiere kann man auch mit Regenwürmern und Frostfutter ernähren.

Die Marmor-Schläfergrundel ist ein ruhiger Fisch, der nicht schwimmt, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Darum braucht sie – natürlich nur im Verhältnis zur Körpergröße gesehen – keine riesigen Aquarien. Allerdings hält man sie besser einzeln, da Artgenossen sehr unangenehm zueinander sein können. 

Oxyeleotris marmorata ist ein Höhlenlaicher, die Eizahl geht in die zehntausende, da die Eier nur winzig sind. Über eine erfolgreiche Zucht im Aquarium ist noch nicht berichtet worden, sie wurde aber wohl auch noch nicht versucht, denn die Tiere sind in ganz Südostasien weit verbreitet und ausgesprochen häufig.

Wir haben jetzt wieder einmal die ansprechend gezeichneten Jungtiere aus Thailand erhalten, so dass sich Raubfischfans unter den Aquarianern an dieser ungewöhnlichen Grundel probieren können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 440972 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nomorhamphus ebrardtii

13. Juni 2025

Wir haben sehr schöne Halbschnabelhechte der Art Nomorhamphus ebrardtii importieren können. Dieser lebendgebärende Fisch kommt endemisch, also nur dort, auf der Insel Sulawesi, dem früheren Celebes vor, wo er vor allem kleinere Fließgewässer bewohnt. Die Maximallänge von N. ebrardtii beträgt 6-7 cm.

Besonders auffallend sind natürlich die strahlend orange-roten Flossen dieser schönen Oberflächenfische und ihre ebenfalls orangefarbene Bauchkante. Die Intensität dieser Färbung hängt stark von der sozialen Stellung des jeweiligen Tieres ab. Diese Fische machen nämlich untereinander eine strikte Rangordnung aus. Das gilt sowohl für die Männchen, wie auch für die Weibchen. Nur die dominanten Exemplare erstrahlen in voller Farbenpracht. Man pflegt Nomorhamphus darum entweder paarig oder in größeren Gruppen von etwa 10 Exemplaren aufwärts.

Die Fische verlangen sauberes, sauerstoffreiches Wasser, dessen pH-Wert sich um den Neutralpunkt (pH 7) bewegen sollte. Sie fressen nahezu ausschließlich von der Wasseroberfläche. In der Natur ernähren sie sich von Insekten und wohl auch Blütenpollen, im Aquarium fressen sie sehr gern Flockenfutter (das man etwas zerreiben sollte) und gefriergetrocknete Futtermittel.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 438822 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Ancistrus sp. „Snow White Longfin“

12. Juni 2025

Auf die Frage: „Darf es etwas mehr sein?“ antworten viele Liebhaber von Ancistrus mit: „Ja, sehr gerne!“. Die Folge sind Schleierancistrus, die es inzwischen von so ziemlich allen Farbschlägen des beliebten Aquarien-Ancistrus gibt. Freilich sind die „Snow White Longfin“ noch ziemlich exklusiv und nur von Zeit zu Zeit lieferbar. Es gibt vom Ancistrus sp. „Snow White Longfin“ sowohl rotäugige wie auch schwarzäugige Tiere. Nicht immer ist das einwandfrei zu erkennen und im Handel wird darum meist nicht zwischen den beiden Varianten unterschieden.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 204078 (4-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon montagi

6. Juni 2025

Mit über 130 Arten ist die Gattung Hyphessobrycon sehr unübersichtlich geworden. Es werden immer noch neue Arten entdeckt. Es ist schon lange bekannt ist, dass Hyphessobrycon eine künstliche Sammelgattung darstellt und die in ihr vereinigten Arten nicht unbedingt eng miteinander verwandt sind. Darum werden seit den 1970er Jahren immer wieder einmal „Gruppen“ innerhalb von Hyphessobrycon definiert, um sie besser zu strukturieren.  Eine dieser Gruppen ist die der Dreibandsalmler, die so genannte Hyphessobrycon-heterorhabdus-Gruppe. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass im Leben drei farblich unterschiedliche Längsbinden zu sehen sind, nämlich eine rote, eine schwarze und eine weiße. Je nach Einschätzung der jeweiligen Bearbeiter werden aber zur Gruppenunterscheidung auch andere Merkmale herangezogen, wie z.B. das Vorhandensein oder Fehlen von Flecken im Schulterbereich ( = Humeralflecken) oder auf der Schwanzwurzel.

Hyphessobrycon montagi gehört farblich eindeutig in die Hyphessobrycon-heterorhabdus-Gruppe, wenngleich sich das rote Längsband auf ein kurzes Stückchen auf dem Schwanzstiel beschränkt. Die erst 2014 wissenschaftlich beschriebene Art hat aber als Alleinstellungsmerkmal zwei Humeralflecken in artspezifischer Ausprägung und zusätzlich einen Schwanzwurzelfleck. In der gegenwärtig aktuellsten, DNS-gestützten Übersichtsarbeit zu allen Salmlern (Melo et al. 2024), wird H. montagi dennoch in die Hyphessobrycon-heterorhabdus-Gruppe gestellt. Sie umfasst nach aktuellster Auffassung H. amapaensis, H. cantoi, H. heterorhabdus, H. ericae, H. montagi, H. sateremawe und H. wosiackii. Äußerlich sehr ähnlich ist die Hyphessobrycon agulha-Gruppe mit Hyphessobrycon agulha, H. clavatus, H. eschwartzae, H. herbertaxelrodi, H. klausanni, H. loretoensis, H. lucenorum, H. margitae, H. metae, H. mutabilis, H. peruvianus, H. wadai und H. zoe. Beide Gruppen scheinen jedoch nicht monophyletisch zu sein, d.h. ihre Mitglieder müssen langfristig trotz äußerlicher Ähnlichkeit in verschiedenen Gattungen untergebracht werden.

Manche der Salmler der beiden genannten Gruppen sind aquaristisches Urgestein, andere wurden noch nie lebend im Aquarium gepflegt und gezüchtet. Wir haben jetzt erstmals H. montagi – urprüngliche Herkunft Brasilien: Quellgebiete des Rio Arapiuns (Rio Branco und Rio Aruã), des unteren Rio Tapajós-Beckens und kleine, direkte Nebenflüsse des Rio Amazonas (Igarapé da Ponte) im Bundesstaat Pará – als deutsche Nachzucht im Angebot. Die Tiere unterscheiden sich in sehr auffälliger Weise im Verhalten von den gut bekannten H. heterorhabdus und H. amapaensis. Zumindest unsere Nachzuchttiere von H. montagi sind nämlich viel stärker in ein Schwarmverhalten eingebunden. Man nennt zwar Salmler ganz allgemein gerne „Schwarmfische“, aber das stimmt nur sehr bedingt. In Wirklichkeit ziehen die meisten Salmler-Arten eine gewisse Individualität im Alltag vor. Echtes Schwarmverhalten zeigen sie nur ganz selten, nämlich dann, wenn sie sich bedroht fühlen. Eine der wenigen Ausnahmen sind die Rotkopfsalmler (Petitella bleheri & Co.), die tatsächlich immer im Schwarm unterwegs sind. Und diesen Tieren ähneln Hyphessobrycon montagi im Verhalten ganz auffällig.

Die Aquarienpflege von H. montagi ist einfach und salmlertypisch. Äußere Geschlechtsunterschiede gibt es kaum, die Weibchen sind lediglich etwas kräftiger gebaut. In der Natur findet man laichreife Weibchen von März bis August. Die Tiere leben dort in klaren Bächen von 0,8 bis 20 m Breite, klarem Wasser mit mäßiger Strömung, sandigem Boden mit Laubansammlungen und bei einer relativ hohen Wassertemperatur um 29°C. Die Anpassungsfähigkeit an andere Wasser-Parameter ist aber gut. Lediglich auf sauberes, keimarmes Wasser ist zu achten. Gefressen wird jegliches Zierfischfutter passender Größe.

Für unsere Kunden: H. montagi hat Code 261373 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Literatur:

Melo, B. F., R. P. Ota, R. C. Benine, F. R. Carvalho, F. C. T. Lima, G. M. T. Mattox, C. S. Souza, T. C. Faria, L. Reia, F. F. Roxo, M. Valdez-Moreno, T. J. Near & C. Oliveira (2024): Phylogenomics of Characidae, a hyper-diverse Neotropical freshwater fish lineage, with a phylogenetic classification including four families (Teleostei: Characiformes). Zoological Journal of the Linnean Society v. 202 (no. 1): zlae101: 1-37

Ancistrus „Snow White“

6. Juni 2025

Weiße Tiere – am liebsten als reinweißer Vollalbino mit roten Augen – üben auf viele Menschen eine besondere Anziehungskraft aus. Die weiße Färbung erweckt ihn diesen Menschen wohl den Eindruck besonderer Reinheit und Unschuld. So ist es kein Wunder, dass von nahezu allen sehr häufig gepflegten und gezüchteten Tierarten früher oder später auch Albinos im Handel auftauchen. 

Albinos gibt es auch in der Natur, denn für den Albinismus verantwortlich ist nur ein einzelnes Gen. Wenn dieses Gen mutiert, kommt es zum Albinismus. Auch Menschen können als Albinos geboren werden. Bei wildlebenden Tieren haben Albinos nur eine sehr geringe Überlebenswahrscheinlichkeit, da sie potentiellen Fressfeinden zu sehr ins Auge fallen. In freier Natur sind daher erwachsene Albinos extrem selten und vielleicht trägt auch das zu der Faszination vieler Menschen für diese Farbveränderung bei.

Insgesamt ist Albinismus aber eine relativ häufige Mutation, die immer wieder spontan auftritt. In Fischzuchten, wo ja tausende von Jungtieren aufgezogen werden, ist es darum eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch Albinos auftreten. Beim Gewöhnlichen Antennenwels oder Ancistrus (diese Art ist bislang keiner wildlebenden Art einwandfrei zuzuordnen und wahrscheinlich eine nur in menschlicher Obhut vorkommende Hybride) gibt es im Wesentlichen zwei Albino-Stämme. „Normale“ Albinos haben beim Ancistrus eine gelbe Körpergrundfarbe und rote Augen, während beim „Snow White“ die Körperfarbe wirklich ein reines Weiß ist. Es gibt Snow White mit schwarzen und mit roten Augen; zwischen den beiden wird im Handel aber gewöhnlich nicht unterschieden. Bezüglich Pflege und Zucht unterscheiden sich Snow White-Ancistrus nicht von ihren andersfarbigen Artgenossen, weshalb an dieser Stellen nicht weiter darauf eingegangen wird, mit einer Ausnahme. erfahrene Züchter empfehlen, die Snow White nicht wärmer als 26°C zu pflegen, da sie bei höheren Temperaturen erfahrungsgemäß empfindlicher sein sollen.

Für unsere Kunden: Snow White hat Code 204073 (4-6 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel belefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Pareiodon cf. microps

6. Juni 2025

Die parasitischen Welse der Unterfamilie Stegophilinae innerhalb der Schmerlenwelse (Trichomycteridae) sind als „Candirus“ berühmt und berüchtigt. Sie sind oft auf Blut als Nahrung spezialisiert und schwimmen wie kleine Vampire in die Kiemenhöhle großer Welse ein, wo sie ein Blutgefäß anbeißen und sich mit dem roten Lebenselixier vollpumpen. Offenbar orientieren sie sich bei der Jagd an den Ammonium-Spuren im Atemwasser der Großwelse. Wenn Menschen unter Wasser im Lebensraum von solchen Candirus urinieren, kann es darum vorkommen, dass ein Candiru in die Harnröhre einschwimmt. Wenn das passiert, ist das für einen Menschen ohne Hilfe eines Chirurgen ein Todesurteil, denn Candirus besitzen am Kopf Dornenfelder, mit denen sie sich in der Harnröhre festsetzen, was es unmöglich macht, sie herauszuziehen. Selbstverständlich sterben die verirrten Candirus bald ab. Dann beginnt ein Fäulnisprozess und die befallenen Menschen sterben an einer schweren Harnwegsinfektion.

Die Gattung Pareiodon gehört zu diesen Candirus. Gegenwärtig ist der Gattung Pareiodon nur eine einzige Art zugeordnet, nämlich P. microps, die weit im Amazonasbecken verbreitet ist. Das fotografierte Exemplar stammt aus Peru. Für die Harnröhre eines Menschen ist P. microps zu groß. Erwachsene Tiere erreichen eine Länge von 9 cm (ohne Schwanzflosse) bzw. 11 cm (mit Schwanzflosse). P. microps ist bekannt dafür, bei großen Speisefischen, die in Netzen gefangen wurden, Stücke aus der Haut und aus den Kiemen zu beißen. 

Es versteht sich von selbst, dass solche Tiere nur in die Hände von forschenden Spezialisten gehören, die genau wissen, was sie tun. Wir hatten zuletzt im Jahr 2006 solche Welse im Haus, die unter Aquarienbedingungen auch Tubifex und kleine Futterfische fraßen. Jetzt bieten wir sie wieder einmal an, allerdings – aus genannten Gründen – nur in sehr kleiner Stückzahl. Wir stellen das Tier hier nur wegen seiner extremen Seltenheit im Handel und zur Warnung vor, für den Fall, dass es einmal unbeabsichtigt in eine Fischsendung gerät. 

Für unsere Kunden: P. microps hat Code 276414 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nochmal: Geophagus mirabilis

6. Juni 2025

Durch ein Missverständnis haben wir versehentlich letze Woche teilweise falsche Bilder gepostet. Statt der im Text beschriebenen Geophagus mirabilis waren es Zuchttiere von G. sp. „Jatapu“, einer wissenschaftlich noch unbeschriebenen Art, die wir demnächst anbieten können. Hier nun die richtigen Bilder zu voll erwachsenen Geophagus mirabilis.

Unser allerherzlichster Dank an Uwe Werner, dem der Fehler zuerst auffiel und der uns auch gleich noch die wunderschönen korrekten Bilder schickte und an Andreas Jekel, der ebenfalls half, den Irrtum aufzuklären. Alle Bilder des entsprechenden Homepage-Eintrags zeigen die echten G. mirabilis: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/geophagus-mirabilis-2/

Rubricatochromis guttatus „Yellow Sunshine“

6. Juni 2025

Bei den Roten Cichliden (Rubricatochromis, früher Hemichromis) gibt es das Phänomen, dass sie in Mitteleuropa seit Jahrzehnten in Thermalgewässern auftauchen und sich dort ausgesprochen wohlzufühlen scheinen. Die ersten dokumentierten Fälle stammen aus den 1970er Jahren aus den Warmbächen von Villach (Kärnten, Österreich), in der Zwischenzeit tauchten sie aber fast überall auf, wo die Wassertemperatur auch im Winter nicht wesentlich unter 20°C sinkt. Offensichtlich werden sie dort von Menschen ausgesetzt, die der Tiere im Aquarium überdrüssig wurden. Das ist – zu Recht – streng verboten! Seltsam ist nur, dass es ausgerechnet bei dieser Buntbarsch-Art zu so vielen Aussetzungen kam, denn eine große Anzahl anderer Buntbarsche wird viel häufiger im Aquarium gepflegt. Es gibt eine ganze Reihe von Arten in Rubricatochromis, aber es ist wohl stets R. guttatus, der ursprünglich aus Küstenflüssen des westlichen Afrika von Sierra Leone bis Kamerun verbreitet ist, der sich in den Thermalgewässern etabliert.

Zur Herkunft der „Yellow Sunshine“ schreibt uns der Züchter: „Die Elterntiere kommen aus einem Zulauf des Klinkenbach im Saarland (in Höhe Gemeinde Schiffweiler). Dieser Zulauf wurde bis vor Kurzem durch eine Grubenabwassereinleitung auf dauerhaft gut 30 Grad erwärmt. Die Grubenentwässerung wurde allerdings im Herbste 2024 stillgelegt und alle tropischen Fische, die sich dort im Laufe der Jahre etabliert haben (Molly, Guppy, Amatitlania nigrofasciata und eben die Rubricatochromis) sind vermutlich für immer verschwunden.“

Auffällig an diesen Rubricatochromis „Yellow Sunshine“ ist die zitronengelbe Körpergrundfarbe. Grundsätzlich gehört Rubricatochromis guttatus zu den polychromatischen Fischarten, d.h., innerhalb ein und derselben Population gibt es zahlreiche Farbvarianten. Gewöhnlich findet man bei Wildfängen alle Übergänge von moosgrünen zu tiefroten Tieren und die Anzahl der Glanzpunkte (Iriodophoren) schwankt zwischen kaum vorhanden und sternenhimmelgleich. Aquaristisch werden gewöhnlich möglichst rote und mit mit möglichst vielen Iriodophoren geschmückte Tiere zur Zucht ausgewählt, was zu der als „R. lifalili“ vermarkteten Zuchtform führte. In dem Bach im Saarland ging die ungerichtete Zuchtwahl aber offensichtlich andere Wege in Richtung Gelb!

Da das einzige bekannte Vorkommen dieser Farbvariante ausgestorben ist, liegt es nun in der Hand der Aquarianer, ob die „Yellow Sunshine“ im Hobby erhalten bleibt oder nicht. Im Fotobecken zeigte sich das Pärchen recht willig zum Arterhalt beizutragen und laichte schon bald ein großes Gelege ab.

Für unsere Kunden: Rubricatochromis guttatus „Yellow Sunshine“ hat Code 537552 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos. Frank Schäfer

Geophagus mirabilis

30. Mai 2025

Alle Geophagus-Arten sind schön, aber einige sind schöner als andere. Seit dem Jahr 2009 kennen wir aquaristisch einen bildschönen Erdfresser, der nur im Rio Aripuanã-Einzug in Brasilien vorkommt. Entsprechend wurde die Art zunächst als Geophagus sp. „Aripuana“ bezeichnet. Im Januar 2015 erfolgte die wissenschaftliche Erstbeschreibung der schönen Art. Sie heißt seitdem richtig Geophagus mirabilis. Bei Geophagus mirabilis ist der Artname – mirabilis bedeutet außergewöhnlich, wunderbar, bewundernswert – Programm, denn ausgewachsen gehört diese Art aus dem  zu den schönsten Vertretern seiner Gattung.

    

Die Tiere werden etwas über 16 cm lang (ohne Schwanzflosse, also mit Schwanzflosse etwa 20 cm).  Der Artname bezieht sich auf das Zeichnungsmuster: wissenschaftlich bedeutsam ist die Schwarzzeichnung, bestehend aus einer Reihe von Flecken entlang der Flanken, denn das ist auch bei konservierten Tieren ein eindeutig erkennbares Artmerkmal. Zum anderen nennen die Beschreiber aber auch die schöne Zeichnung des Kopfes bei lebenden Tieren als Grund für die Artbezeichung.

Man könnte aber auch an das Märchen vom häßlichen grauen Entlein von Hans Christian Andersen denken, denn Jungtiere von G. mirabilis sind recht unscheinbar. Erst wenn sie heranwachsen werden sie zu prächtigen Schwanen – Verzeihung – Buntbarschen. Eine wunderbare Verwandlung! Wir danken sehr herzlich unserem Züchter, der die Bilder der prächtigen Zuchttiere zur Verfügung gestellt hat.

Wir können von Zeit zu Zeit einige Nachzucht-Jungtiere des schönen Erdfressers anbieten. Dieser Geophagus ist ein biparentaler, larvophiler Maulbrüter. Das bedeutet, beide Eltern arbeiten zusammen und wechseln sich bei der Brutpflege ab, die Eier werden auf Steinen, Wurzel, etc. abgelegt und die daraus geschlüpften Larven im Maul weiter gepflegt.

Für unsere Kunden. die Tiere haben Code 678752 (4-5 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer & Uwe Werner 

Metynnis „hypsauchen“ ( = M. altidorsalis)

30. Mai 2025

Scheibensalmler sind die pflanzenfressenden Gegenstücke zu den fleischfressenden Piranhas. Unter ihnen ist die Gattung Metynnis – erkennbar an der langen, flachen Fettflosse (= Adipose) – aquaristisch am bedeutsamsten, da ihre Angehörigen mit 15-20 cm Endgröße noch einigermaßen in handelsübliche Aquarien passen. Die Vertreter anderer Gattungen werden teils erheblich größer. Besonders eine Art ist als „silver dollar“ seit Jahrzehnten im Hobby vertreten, allerdings fast immer mit unzutreffendem wissenschaftlichen Namen.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Fisch, der im Handel früher meist als M. schreitmuelleri und M. hypsauchen bezeichnet wurde, um M. altidorsalis. Wegen der teils sehr verworrenen Nomenklatur dieser Scheibensalmler führen wir das an dieser Stelle nicht weiter aus. Tatsache ist, dass der „silver dollar“  M. altidorsalis im Hobby regelmäßig in guter Stückzahl als Nachzucht aus Südostasien zur Verfügung steht und gewöhnlich unter dem Namen M. hypsauchen gehandelt wird. Ein ziemlich gutes Erkennungsmerkmal der Art sind die kleinen schwarzen Punkte in der Rückenflosse. Jungtiere sind am Körper meist einfarbig silberfarben, doch erwachsene Exemplare zeigen oft einen schwarzen Schulterfleck und unregelmäßige dunkle Binden im Rückenbereich. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich in der Form der Afterflosse, die beim Weibchen schmal und am Vorderrand gleichmäßig gerade oder leicht konvex geformt ist, beim Männchen aber im vorderen Bereich breit ausgebuchtet und mit einem breiten schwarzen Saum versehen ist.

Nur der Vollständigkeit halber: die Art Metynnis hypsauchen gibt es wirklich, M. schreitmuelleri (und andere) sind ein Synonym dazu, die Art ist weit in den Systemen von Amazonas, des Rio Paraguay und nördlichen Guyana-Schildes (Bolivien, Brasilien, Guyana, Kolumbien, Peru und Venezuela) verbreitet, jedoch im Hobby kaum anzutreffen. Den „echten“ M. hypsauchen kann man bei erwachsenen Tieren an den schwarzen Bauchflossen (farblos bei M. altidorsalis) erkennen und daran, dass bei geschlechtsreifen Männchen die Vorderseite der Afterflosse in zwei ungleich große Lappen aufgeteilt ist (nur ein einziger Lappen bei M. altidorsalis). Jungtiere vieler Metynnis-Arten sind einander sehr ähnlich. So weit wir das recherchieren konnten, hat Metynnis hypsauchen keine schwarzen Punkte in der Rückenflosse (M. altidorsalis immer). 

Ursprünglich stammt M. altidorsalis aus Flüssen des nördlichen und östlichen Guyana-Schildes, also Guyana, Französisch Guiana und Surinam. Aber da die Zucht dieses maximal 14 cm langen Salmlers seit den 1950er Jahren gut gelingt, wird die Art kaum als Wildfang importiert. 

Metynnis sind Schwarmfische und sollten immer im größeren Trupp (ab 8 Exemplaren aufwärts) gepflegt werden. Es sind Pflanzenfresser und auf die Dauer fallen ihnen auch harte Gewächse wie Anubias zum Opfer. Die Dekoration eines Metynnis-Aquariums erfolgt darum mit Wurzelholz, Steinen, Bambus etc. Auch wenn die Fische grundsätzlich jedes handelsübliche Zierfischfutter fressen, sollte pflanzliches Material (Blattsalate, Löwenzahn etc.) ein fester Bestandteil des Ernährungsplanes darstellen. Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege unerheblich, die Temperatur kann zwischen 22 und 30°C liegen. Scheibensalmler sind Freilaicher an feinen Wurzelbüscheln etc. und betreiben keine Brutpflege.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 267812 (3-4 cm) und 267814 (5-7 cm, Photos) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Micropterus salmoides

30. Mai 2025

Forellenbarsche (Micropterus salmoides) stammen ursprünglich aus dem Osten der Vereinigten Staaten wo sie Gewässer von der kanadischen Grenze bis nach Mexiko bewohnen. Seit den 1880er Jahren wurden sie in Europa (und auch andernorts) als Sport- und Speisefische eingeführt und kommen heute in weiten Gebieten verwildert vor. Sie zählen zu den 100 gefährlichsten invasiven Arten der Welt. Darum an dieser Stelle erneut unser Appell an die Vernunft: setzen Sie bitte niemals irgendwelche Tiere oder Pflanzen aus dem Handel in der Natur aus. Das ist streng verboten und kann, auch wenn es sich dabei um einheimischen Arten handelt, gewaltige Schäden verursachen.

Unsere Forellenbarsche stammen aus einem Zuchtbetrieb und sind für Besitzer großer Gartenteiche oder Schauaquarien gedacht.

Diese Tiere bevorzugen flache, schwach durchströmte, gut durchwärmte Gewässer mit starker Vegetation, die sie als Schutz vor Raubfeinden und Deckung zum Anpirschen benötigen. 

Sie können bis zu 100 cm lang und 15 kg schwer werden. Die normale Länge, die diese Fische erreichen, liegt allerdings zwischen 40 und 60 cm. Als Raubfische ernähren sie sich von Fischen, Krebsen, Wasserinsekten und deren Larven. Die Eiablage findet im Frühjahr in Abhängigkeit von der Wassertemperatur statt. Gelaicht wird in vom Männchen gebauten Bodennestern in Form flacher Gruben, Eier und Larven werden vom Männchen bis etwa einen Monat nach dem Freischwimmen bewacht. Die Geschlechtsunterschiede sind bei diesen zu den Sonnenbarschen (Centrachidae) gehörigen Fischen nur sehr schwach ausgeprägt und kaum erkennbar. Die Weibchen sind oft etwas heller gefärbt.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 853005 (12-20 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Hoplisoma (früher Corydoras) sp. CW49

29. April 2025

Aus Kolumbien erreichen uns seit dem Jahr 2010 zwei wunderschöne neue Panda-Panzerwelse (Hoplisoma). Da es sich um wissenschaftlich noch nicht bearbeitete Spezies handelt, wurden sie mit den Codenummern CW49 und CW51 belegt. Zunächst gab es etwas Konfusion darüber, ob es sich um verschiedene Arten handelt oder ob es lediglich zwei Farbformen der gleichen Art sind. Beide konnten schon im Aquarium nachgezüchtet werden, sie erwiesen sich dabei als erbrein. Das spricht sehr dafür, dass es sich um zwei verschiedene Arten handelt.

Nach Informationen auf Ian Fullers Seite „http://www.corydorasworld.com“, wo auch die CW-Nummern vergeben werden, stammt CW51 aus dem Grenzgebiet zwischen Brasilien und Kolumbien, wo er in einem kleinen Creek nahe der Siedlung Villa Bittencourt gefunden wird. Der Fundort ist nahe bei der Stelle, wo der Apaporis in den Rio Caqueta mündet. Diese Information stammt von Heiko Bleher. CW49 stammt, der gleichen Quelle zufolge, aus Kolumbien, ebenfalls aus einem kleinen Creek, der in den Rio Ica mündet, nahe bei der Indianersiedlung Boa Vista.

Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden in der Form des schwarzen Sattelflecks. Bei CW49 ist er etwa so breit wie die Rückenflosse, bei CW51 ist er deutlich breiter und endet erst am Ansatz der Fettflosse. Wie weit sich dieser Sattelfleck in Richtung Bauch ausdehnt ist individuell etwas unterschiedlich und variiert bei CW49 weniger als bei CW51. Für Bilder von CW51 siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/corydoras-sp-cw-51/

Es gibt von CW49 auch eine etwas langschnäuzigere Form, die wohl eher der Gattung Brochis im derzeit verwendeten Sinne zuzuordnen ist. Soweit wir wissen hat diese Form noch keine eigene CW-Nummer erhalten. Sie scheint nur sehr selten im Handel aufzutauchen.

Von rundschnäuzigen (also normalen) CW49 können wir derzeit Nachzuchten anbieten.

Für unsere Kunden: Wildfänge von CW 49 haben Code 240194, Nachzuchten 240199 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Acipenser gueldenstaedtii

29. April 2025

Störe sind faszinierende, altertümliche Fische, die seit etwa 200 Millionen Jahren auf Erden leben. Leider sind fast alle Arten in der Natur vom Aussterben bedroht; der Hauptgrund ist – wie immer – die Zerstörung des Lebensraumes. Da Störe ein komplexes Wanderverhalten haben und die meisten Arten teils im Meer und teils im Süßwasser leben, sind sie besonders anfällig für Störungen der Umwelt, denn für sie müssen ja viele verschiedene Lebensräume intakt bleiben. Hinzu kommt, dass die Eier der Störe (Kaviar) eine beliebte Delikatesse sind. Da zu seiner Gewinnung erwachsene Weibchen auf der Laichwanderung getötet werden bevor sie sich fortpflanzen konnten, ist diese Art der Fischerei besonders destruktiv. Seit Jahrzehnten werden Störe darum in Aquakultur gehalten, um für die Fleisch- und Kaviarproduktion von den stetig schrumpfenden Wildpopulationen unabhängig zu sein. Als Nebenprodukt dieser Aquakultur gelangen auch stets im Frühjahr, zur Gartenteichsaison, Jungtiere verschiedener Arten in den Zoofachhandel. Ihre haiartige Schwimmweise und teils auch ihr schönes Aussehen sind faszinierend und verleiten so manchen Fischliebhaber zum Kauf. Bedenken sollte man dabei immer, dass Störe durchwegs groß werden. Die kleinste im Handel verfügbare Art ist der Sterlett (Acipenser ruthenus), der immerhin auch rund 60 cm lang wird (siehe: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/acipenser-ruthenus/).

Acipenser gueldenstaedtii gehört mit maximal 2,3 m Länge und über 100 kg Gewicht zu den mittelgroßen Arten. Er stammt ursprünglich aus dem Schwarzen Meer und seinen Zuflüssen und wird populär als Waxdick oder Russischer Stör bezeichnet. Letztere Bezeichnung führt aber oft zu Verwechslungen mit A. baerii (Sibirischer Stör), weshalb Waxdick zu bevorzugen ist. Auch wenn der Waxdick in der Natur meist ein Wanderfisch ist, kann er sein Leben lang im Süßwasser bleiben; es gibt auch in der Natur stationäre Süßwasserpopulationen der Art. Durch seine besonders kontrastreiche Färbung ist der Waxdick einer der schönsten Störe. Aufgrund der zu erwartenden Größe (um 150 cm sind normal) eignet er sich nur für große Teiche. Wer Störe pflegen möchte, sollte sich zuvor unbedingt anhand eines guten Buches (z.B. „Störe“ von Frank Kirschbaum, ISBN 978-3-939759-23-2) über diese sehr speziellen Tiere informieren, die 50 und mehr Jahre alt werden können.

Beachten Sie bitte, dass im Zoofachhandel angebotene Tiere und Pflanzen ausschließlich für den Besatz von Aquarien und Gartenteichen gedacht sind. Auf keinen Fall dürfen sie in die Natur ausgesetzt werden, auch (und erst recht) dann nicht, wenn sie vom Aussterben bedroht sind! Damit richtet man nur großen Schaden an, ein positiver Effekt ist nicht zu erreichen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 800503 (15-20 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Alestopetersius caudalis

29. April 2025

Der Gelbe Kongosalmler (Alestopetersius caudalis) ist ein beliebter und häufig angebotener Zierfisch. Ursprünglich stammt die Art aus dem Kongo, wo sie im unteren Gebiet des afrikanischen Stromes zuhause ist. Freilich sind Wildfänge nur sehr selten im Handel. Die Art wurde um 1950 erstmals importiert und schon bald auch nachgezüchtet. Die im Handel befindlichen Tiere sind heutzutage nahezu ausnahmslos Nachzuchten, meist aus Indonesien, aber auch andere Berufszüchter in Europa und Asien haben die Art im Programm. 

Anlässlich der Vorstellung eines kleinen Videos (https://www.youtube.com/watch?v=7uXLpgRDoME) kam über die Kommentarfunktion die Frage, ob es sich bei den gezeigten Tieren (Nachzuchten aus Indonesien) nicht eher um Alestopetersius tumbensis statt um A. caudalis handele. Tatsächlich sind sich die beiden Arten extrem ähnlich und sie kommen auch – zumindest stellenweise – gemeinsam vor. Der aus wissenschaftlicher Sicht wichtigste Unterschied zwischen den beiden liegt in der Form der Zähne: fünfspitzig bei caudalis, vielspitzig (8-9 Spitzen) bei tumbensis. Die unterschiedliche Zahnform wurde als derart wesentlich angesehen, dass für tumbensis (plus bifasciatus) sogar eine separate Gattung Duboisialestes aufgestellt wurde. Außerdem unterscheiden sich konservierte Exemplare durch die schwarze Zeichnung. Bei A. caudalis zieht sich ein breites dunkles Längsband vom Schulterfleck bis in die Schwanzflosse, bei A. tumbensis ist das Längsband viel schmaler und zwischen Schulterfleck und Längsband ist eine deutliche Lücke. Leider sieht man das bei lebenden Tieren gar nicht oder nur andeutungsweise.

Die Nachfrage kam für uns überraschend, denn obwohl die Art A. tumbensis (die Gattung Duboisialestes wurde von Munene & Stiassny 2012 zum Synonym von Alestopetersius erklärt) 1951 anhand von für den Zierfischhandel in die Niederlande importierten Exemplaren beschrieben wurde, ist sie seither unseres Wissens nach im Hobby nicht mehr erwähnt worden. Wir töten keine Tiere zu Bestimmungszwecken ab; aber wir konnten durch eine Makroaufnahme des Maules eines unserer Fische die Zahnform gut erkennen: eindeutig fünfspitzig, also A. caudalis.

Die exakte Artbestimmung der afrikanischen Kleinsalmler ist und bleibt eine komplexe Sache. Damit tun sich nicht nur Aquarianer schwer, sondern auch professionelle Ichthyologen. Die in den wissenschaftlichen Arbeiten angegebenen Zeichnungsmerkmale (vor allem schwarze Bänder, Streifen etc.) sind, wie gesagt, bei lebenden Tiere oft nur undeutlich oder auch gar nicht erkennbar. Für uns bleibt die Lehre aus dieser Geschichte: beim nächsten Import von Wildfängen des Gelben Kongosalmlers werden wir doppelt genau hinsehen. Vielleicht entdecken wir ja A. tumbensis zwischen ihnen und können dann auch ein Lebendfoto der Art liefern (bisher existiert unseres Wissens keines). Wer weiß, möglicherweise kann man ja auch bei lebenden Tiere Unterschiede zwischen den beiden Arten sehen …

Übrigens: allgemeine Informationen zu Alestopetersius caudalis finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/alestopetersius-caudalis/

Für unsere Kunden: die in diesem Post gezeigten Tiere, Nachzuchten aus Indonesien, haben Code 138004 (xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Boulenger, G. A. (1899): Matériaux pour la faune du Congo. Zoologie.–Série I. Poissons nouveaux du Congo. Quatrième Partie. Polyptères, Clupes, Mormyres, Characins. Annales du Musee du Congo (Ser. Zoologie) v. 1 (fasc. 4): 59-96, Pls. 30-39.

Géry, J. (1995): Description of new or poorly known Alestinae (Teleostei: Characiformes: Alestidae) from Africa, with a note on the generic concept in the Alestinae. aqua, Journal of Ichthyology and Aquatic Biology v. 1 (no. 4): 37-64.

Hoedeman, J. J. (1951): Studies on African characid fishes I. The tribe Alestidi. Beaufortia v. 1 (no. 3): 1-8.

Mbimbi Mayi Munene, J. J. & M. L. J. Stiassny (2012): A new Alestopetersius (Characiformes: Alestidae) from the Kwilu River (Kasai basin) of central Africa; with a phylogeny for the genus and synonymy of Duboisialestes. Zootaxa No. 3166: 59-68.

Poll, M. (1967): Révision des Characidae nains Africans. Annales, Musée Royal de l’Afrique Centrale, Tervuren, Série in 8o, Sciences Zoologiques No. 162: 1-158

Text & Photos: Frank Schäfer

Sarcocheilichthys parvus

29. April 2025

Die Gattung Sarcocheilichthys aus China hat das Potential, ein neuer Stern am Zierfischhimmel werden. Es gibt innerhalb der Gattung in Südchina einen Komplex kleinbleibender (6-7 cm) Arten, die sich durch ein breites Längsband auszeichnen. Die Männchen aller drei Arten entwickeln zur Laichzeit sehr hübsch zinnoberrote Flossen. Die Weibchen hingegen entwickeln eine lange Legeröhre, so wie man das von Bitterlingen kennt. Ob Sarcocheilichthys ebenfalls in Muscheln laicht, ist unbekannt. Die Fische dieser Gattung bewohnen kleinere Flüsse und bedürfen keiner zusätzlichen Heizung, wenn das Aquarium in Wohnräumen steht. 

Eine der drei Arten ist Sarcocheilichtys parvus. Auch wenn gerade keine Laichzeit ist, lassen die Männchen ahnen, wie hübsch sie dann werden. Bilder aller drei Arten finden Sie hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/sarcocheilichthys-parvus/

Im Aquarium sind Sarcocheilichthys parvus eine reine Freude. Es sind friedliche, gesellige Tiere, die sich gut an das Aquarienleben anpassen. Jedes übliche Zierfischfutter wird willig angenommen, jedoch sollte es nicht zu grob sein, denn  das Maul von Sarcocheilichthys parvus ist klein und zum picken gemacht. Wissenschaftlich gesehen gehören Sarcocheilichthys übrigens in die Verwandtschaft der Gründlinge (Gobioninae) und nicht zu den Bitterlingsverwandten (Acheilognathidae).

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 433753 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

An, C.-T., E Zhang & J.-Z. Shen (2020): Sarcocheilichthys vittatus, a new species of gudgeon (Teleostei: Cyprinidae) from the Poyang lake basin in Jiangxi Province, South China. Zootaxa 4768 (no. 2): 201-220.

Text & Photos: Frank Schäfer

Awaous flavus ( = A. strigatus)

25. April 2025

Die Schmetterlingsgrundel (Awaous flavus, früher aquaristisch unter dem Synonym A. strigatus bekannt), hat ein großes Verbreitungsgebiet entlang der Atlantikküste Südamerikas. Man findet sie in den Unterläufen von Flüssen in Brasilien, Guyana, Surinam, Venezuela, Kolumbien und auf der Küste vorgelagerten Inseln. Erwachsene Tiere dieser maximal 10 cm langen Art leben in Süßwasser oder schwachem Brackwasser (ca. 0,4‰), aber die Larven entwickeln sich im Meer. So erklärt es sich auch, weshalb die Art auf Inseln in der Karibik gefunden wird. Die Tiere, die wir aktuell seit langem wieder einmal anbieten können, stammen aus Brasilien.

Im Freileben ernährt sich die Schmetterlingsgrundel von kleinen Partikeln, die sie aus dem sandig-schlammigen Boden herausfiltert. Im Aquarium sind die Tiere problemlose Fresser, nur dürfen die Futterpartikel nicht zu grob sein. Die Männchen – erkennbar an den stark vergrößerten Mündern, der bunten 1. Rückenflosse und breiteren dunklen Säumen in den Flossen, um ganz sicher zu gehen, muss man allerdings die Gentialpapillen betrachten, die bei Männchen und Weibchen unterschiedlich geformt ist – werden territorial, wenn es um die Fortpflanzung geht. Sonst sind diese Grundeln eher gesellig. Aber A. flavus benötigt zum Ablaichen ein festes Substrat, wie z.B. einen flachen Stein, eine Wurzel oder dergleichen. Solche Substrate sind in dem sandig-schlammigen Biotop, den sie bewohnen, eher rar, entsprechend intensiv verteidigen die Männchen einen guten Laichplatz. Der Kampf zweier Männchen ist spektakulär: mit weit aufgerissenen Mäulern schieben sie sich Gesicht-an-Gesicht hin und her, nicht unähnlich einem Hirschkampf.

Die zahlreichen Eier werden an die Decke einer Höhle geheftet und sind winzig; das Männchen bewacht das Gelege. Die Eier schlüpfen oft schon nach 13 Stunden, die Larven werden passiv ins Meer verdriftet, wo sie sich im Plankton entwickeln. Soweit uns bekannt ist die Aufzucht im Aquarium noch nicht gelungen, vermutlich aber auch noch nicht ernsthaft versucht worden.

Das Aquarium für Schmetterlingsgrundeln sollte im Bodenbereich nur sparsam dekoriert werden und eine möglichst große Fläche aufweisen. Die Höhe ist nebensächlich. Der Boden sollte zumindest bereichsweise aus feinem Sand bestehen, in den sich diese Fische gelegentlich eingraben. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 24-28°C liegen.

Wir haben über diese Fische auch einen kleinen Film erstellt, den Sie hier betrachten können: https://www.youtube.com/watch?v=8eiMbj4IoNo

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 209903 (6-8 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Parodon sp. cf. pongoensis

25. April 2025

Die Algensalmler (Parodontidae) sind eine relativ kleine Gruppe von Bodensalmlern. Die Familie besteht aus drei Gattungen mit insgesamt ca. 32 Arten. Die Gattungen werden anhand von zwei Merkmalen voneinander unterschieden: erstens der Anzahl der unverzweigten Strahlen in der Brustflosse: je einer in Parodon und Apareiodon und zwei in Saccodon; und zweitens das Fehlen von Zähnen im Unterkiefer bei Apareiodon und Saccodon, während Parodon dort Zähne besitzt. Leider sind die Bezahnungsmerkmale bei lebenden Tieren nicht erkennbar, weshalb die Artbestimmung und selbst die Gattungszuordnung oft nur sehr vage möglich ist, da alle Arten ein ziemlich generalisiertes Aussehen haben. Die Unterscheidung der Arten in den wissenschaftlichen Beschreibungen werden ebenfalls hauptsächlich anhand der Form der Zähne getroffen. Im Hobby ist die Familie Parodontidae allerdings nur durch eine einzige Art gelegentlich vertreten, nämlich Apareiodon affinis aus Paraguay (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apareiodon-affinis/), weshalb man selten mit ihnen zu tun bekommt.

Wir haben nun aus Peru einen Algensalmler importieren können. Da alle Exemplare lebend ankamen, war/ist eine genaue Bestimmung nicht möglich. Allerdings sind bislang aus Peru lediglich drei Arten von Algensalmlern bekannt: Parodon buckleyi, P. pongoensis und Saccodon wagneri. Also nahmen wir uns zunächst die Beschreibungen dieser drei Arten vor, die glücklicherweise alle illustriert sind. So konnten wir den 1863 beschriebenen Saccodon wagneri schnell ausschließen, da bei dieser Art die Rückenflosse so weit vorne ansetzt, dass ihr Ende noch vor dem Ansatz der Bauchflossen liegt. Bei unseren Fischen sitzt die Rückenflosse in etwa über den Bauchflossen. Bleiben also der 1887 beschriebene Parodon buckleyi und der 1942 beschriebene P. pongoensis. Beide sehen sich sehr ähnlich; jedoch ist P. pongoensis in wissenschaftlichen Sammlungen mit Belegexemplaren aus der Umgebung von Pucallpa (Einzug des Rio Ucayali) bekannt, während P. buckleyi deutlich weiter im Norden gemeldet ist. Da die Region von Pucallpa ein wichtiges Revier für Zierfischfänger ist, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass unsere Tiere von dort kommen und zur Art Parodon pongoensis zu zählen sind. Eine letztendliche Sicherheit haben wir dafür aber nicht, weshalb wir die Art auf unserer Stockliste als Parodon sp. cf. pongoensis (das „sp. cf.“ bedeutet „nicht genau bestimmt, aber sehr ähnlich zu“) bezeichnen.

Abgesehen von dem Vorkommen in Peru, wo auch die Typuslokalität von P. pongoensis ist (Waldbach, Vorgebirge bei Pongo de Manseriche, Einzug des oberen Amazonas ( = Marañón)), ist diese Art weit verbreitet und kommt auch im Einzug des Orinoko in Kolumbien, angrenzend an Peru in Ecuador sowie weiter südlich in Brasilien (Bundesstaat Goiás, Formosa, Fluss Água Quente, Nebenfluss des Paranã, Einzugsgebiet des Tocantins) vor. Die Maximallänge liegt wohl um 12 cm. Bei größeren Tieren färbt sich der untere Schwanzflossenlappen mehr und mehr schwarz ein; davon ist bei unseren Jungtieren, die aktuell 3-4 cm lang sind, noch nichts zu sehen.

Bezüglich der Pflege sind uns bisher keine Besonderheiten aufgefallen. Die lebhaften Tiere sind gerne im Trupp mit ihresgleichen unterwegs. Andere Fische werden kaum beachtet. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 26°C liegen. Die Wasserwerte sind nebensächlich, solange das Wasser sauber ist. Es handelt sich um Aufwuchsfresser, die als „Algenfresser“ eingesetzt werden können. Daneben wird aber so ziemlich jedes übliche Zierfischfutter angenommen, das in das Maul passt. Somit steht in Form der P. pongoensis ein tagaktiver Algenfresser für Südamerikaaquarien zur Verfügung, eine schicke Alternative zu den stets etwas heimlich lebenden Saugwelsen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 275882 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Macrobrachium spinipes

25. April 2025

Die größte und darum häufig in Aquakultur zu Speisezwecken gezüchtete Großarmgarnele (Macrobrachium) ist M. rosenbergii. Wir haben diese imposante Art für Spezialisten und Schauaquarien mehr oder weniger regelmäßig im Programm. Zur Biologie und Bildern dieser Art siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/macrobrachium-rosenbergii-2/

Eng mit M. rosenbergii verwandt, früher oft mit ihr verwechselt (zur komplexen Namensgeschichte der beiden Arten siehe Shy, Wowor & Ng, 2013) ist M. spinipes. Sie wird genau so groß und erreicht ein Gewicht von über einem Kilogramm. Die natürliche Verbreitung reicht von Australien bis zu den Philippinen. Auch diese Art ist z.B. auf Taiwan schon seit den 1980er Jahren in Aquakultur, wurde aber lange Zeit nicht von M. rosenbergii unterschieden, obwohl beide Arten unterschiedliche Populärbezeichnungen bekamen, denn die Züchter, Fischer und Händler kannten sehr wohl Unterschiede. 2013 klärten Shy, Wowor und Ng den Kuddelmuddel auf. 

Größere Exemplare (über 5 cm Carapax-Länge; der Carapax ist das Kopfschild bei Krebsen und Garnelen) von M. rosenbergii und M. spinipes sehen sich sehr ähnlich. Beide sind graublau gefärbt, bei M. spinipes sind feine gelbliche Linien am Carapax zu erkennen, die bei M. rosenbergii fehlen. Am einfachsten unterscheidet man die beiden Arten farblich anhand der Farbe der inneren Antennen, die bei M. spinipes kräftig blau, bei M. rosenbergii rötlich oder weißlich sind. 

Aber die Jungtiere von M. spinipes sind spektakulär anders gefärbt, mit Längsstreifen am ganzen Körper und einem knallroten Rostrum. Solche Exemplare können wir gelegentlich aus Taiwan importieren. Sie sind zweifellos sehr begehrenswert, aber man darf in der ersten Verzückung nicht vergessen, wie groß sie werden. Außerdem sind große Macrobrachium ausgesprochene Räuber, die man kaum mit kleinen Fischen zusammen pflegen kann (es sei denn, die Fische sollen als Futter dienen). Auch untereinander sind M. spinipes sehr zänkisch. Am besten pflegt man sie einzeln, sonst sind Gliedmaßenverluste vorprogrammiert.

Die Larven von M. spinipes entwickeln sich, genau wie die von M. rosenbergii, im Meer, während die erwachsenen Tiere reine Süßwasserbewohner sind. Die Aufzucht der Larven gelingt mit Artemia-Nauplien als Futter. Unter Aquarien-Bedingungen wird man sich aber wohl kaum mit der Zucht und Aufzucht befassen, da sie sehr platzaufwändig sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 485002 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: 

Shy, j.-Y., Wowor, D. & P. K. L. Ng (2013): A new record of the giant freshwater prawn, Macrobrachium spinipes (Schenkel, 1902) (Crustacea: Decapoda: Palaemonidae) from Taiwan, with notes on its taxonomy. Zootaxa 3734 (1): 045-055

Text & Photos: Frank Schäfer

Inlecypris auropurpureus

25. April 2025

Der Inle See in Burma weist einen hohen Anteil an endemischen, also ausschließlich dort vorkommenden Fischarten auf. Eine davon ist Inlecypris auropurpureus, ein Danio mit senkrechten Streifen auf goldenem Band. Die Anzahl und Form der Streifen sind bei jedem Individuum etwas anders. Inlecypris ist eng mit den Malabarbärblingen (Devario) verwandt und wurde zeitweise sogar schon zum Synonym zu Devario erklärt; dem wird aber derzeit von den meisten Wissenschaftlern nicht gefolgt. 

Bezüglich der Aquarienpflege ist Inlecypris auropurpureus sehr anspruchslos. Es handelt sich um einen sehr friedlichen Schwarmfisch, der in nicht zu kleinen Aquarien gepflegt werden sollte, damit seine Schwimmkünste voll zur Geltung kommen. Die Maximallänge der Art beträgt 8-10 cm, allerdings werden in der Natur nur selten Tiere über 5 cm Länge gefunden.

Im Inle-See ist das Wasser hart, der pH-Wert leicht alkalisch (zentraler Teil des Sees: pH 7,6 – 8,8, Zufluss des Sees: pH 7,1 – 7,2). Die Wassertemperatur liegt tagsüber im Bereich von 21,3 – 28,8°C, die Lufttemperatur kann zwischen 5°C (Minimumtemperatur) und 38°C (Maximumtemperatur) schwanken (alle Angaben nach: Khaung et al., 2021). Man kann und sollte also Inlecypris in normalem Leitungswasser pflegen; es hat sich bei vielen Arten aus dem Inle-See zudem bewährt, das Aquarium zeitweise nicht zu beheizen, die Tiere also bei Raumtemperatur (18-22°C) zu pflegen. Das wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus. 

Ein gutes Flockenfutter dient als Basisernährung; ganz wild sind die Tiere auf Anflugnahrung (z.B. Drosophila) und schwarze Mückenlarven. Wann immer das möglich ist, sollte derartiges Futter gereicht werden. Die Tiere danken es mit kräftigen Farben und Lebhaftigkeit. Die Geschlechter bei Inlecypris auropurpureus unterscheiden sich hauptsächlich in Bezug auf die Körperform, Weibchen sind etwas blasser gefärbt und rundlicher im Bauchbereich. Es handelt sich um produktive Freilaicher; abgelaicht wird an oder bei feinen Pflanzen. Brutpflege üben Inlecypris nicht aus.

Für unsere Kunden: die Fische haben Code 421823 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Khaung, T., Iwai, C. B. & T. Chuasavathi (2021): Water Quality Monitoring in Inle Lake, Myanmar from the floating Garden Activity. Malaysian Journal of Fundamental and Applied Sciences, Vol. 17: 593-608

Text & Photos: Frank Schäfer

L66 ist jetzt Hypancistrus seideli

17. April 2025

Die wissenschaftliche Bearbeitung der Harnischwelse mit L-Nummern schreitet fort. Die verwirrende Vielfalt der Formen, die manche Arten ausbilden, ist auch für Ichthyologen, also professionelle Fischkundler, ein kaum auflösbares Problem. In einer aktuellen Arbeit hat sich ein Wissenschaftler-Team zweier Hypancistrus-Arten aus dem Rio Xingu angenommen, nämlich L174, der jetzt Hypancistrus yudja heißt, und von L66, der zu Ehren unseres allseits bekannten und beliebten Ingo Seidel benannt wurde.

Bei der Artdiagnose von H. seideli entschlossen sich die Wissenschaftler, das Zeichnungsmuster als wichtigstes diagnostisches Merkmal heranzuziehen. Nach der Untersuchung einer großen Anzahl von Exemplaren aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Tiere (im gesamten unteren Xingu-Kanal vom äußersten flussabwärts gelegenen Teil des Volta Grande do Xingu bis zur Einmündung in den Rio Amazonas) kamen sie zu dem Schluss, dass alle Variationen (L66, L236, L287, L333, l399, L400, LDA69) dieser einen Art zuzuordnen sind. Das deckt sich weitgehend mit den Beobachtungen züchtender Aquarianer, die bei diesen Hypancistrus-Formen feststellen mussten, dass die Jungtiere eines Pärchens gleichen Aussehens eine gewaltige Vielfalt an Zeichnungsmustern aufweisen können. Die Forscher stellen außerdem fest, dass H. seideli eine große Vielfalt von Habitaten besiedelt und bei weitem nicht so spezialisiert ist, wie viele andere Hypancistrus-Arten. Somit ist wohl die Vielfalt an Zeichnungsmustern und Körperformen ein äußerer Ausdruck von unterschiedlichen Lebensräumen und kein Artmerkmal.

Die gute Nachricht ist: aufgrund der großen Anpassungsfähigkeit und weiten Verbreitung kann Hypancistrus seideli als derzeit „nicht bedroht“ ( = „least concern“) unter Artenschutzaspekten eingestuft werden, ganz im Gegensatz zum hochgradig vom Aussterben bedrohten H. yudja (L174), über den wir gelegentlich noch separat berichten werden.

Für unsere Kunden: H. seideli hat Code 26480-L 066- auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Sousa, L. M. de, E. B. de Sousa, R. R. de Oliveira, M. H. Sabaj Pérez, J. Zuanon & L. Rapp Py-Daniel (2025): Two new species of Hypancistrus (Siluriformes: Loricariidae) from the rio Xingu, Amazon, Brazil. Neotropical Ichthyology v. 23 (no. 1): e240080: 1-25.

Text & Photos: Frank Schäfer

Chanda nama

17. April 2025

Bis in die 1950er Jahre waren alle aquaristisch bekannten Arten von Glasbarschen unter dem Gattungsnamen „Chanda“ bekannt. Eine erste große Umgruppierung erfolgte 1955 durch Fraser-Brunner, der die (alte) Gattung Ambassis (mit 20 Arten) wieder aufleben ließ, die Art nama in die monotypische (das bedeutet, ihr ist nur eine einzige Art zugeordnet) Gattung Hamiltonia stellte, die neue Gattung Gymnochanda aufstellte und in Chanda nur noch 11 Arten stehen ließ. Das war Stand der Dinge bis kurz vor der Jahrtausendwende. Dann folgte man der neueren Revision durch Roberts (1995), der die reinen Süßwasserarten überarbeitete. Es gibt – besonders in Ambassis, aber auch in weiteren, hier nicht erwähnten Gattungen – auch sehr viele Meeresarten, die zwar ins Brackwasser gehen, aber nicht dauerhaft in Süßwasser zu leben vermögen.

Nach Roberts besteht die Familie Ambassidae im Süßwasser aus 5 Gattungen mit insgesamt 15 Arten: Chanda (nur 1 Art mit C. nama); Gymnochanda (2 Arten); Paradoxodacna (1 Art), Parambassis (11 Arten). Dieses Gattungskonzept war bis heute das gewöhnlich verwendete; nun kam ganz aktuell (Januar 2025) wurde eine neue Untersuchung veröffentlicht (Yoshigou, 2025), in der der Autor wieder alle Arten berücksichtigt. Bei den von Yoshigou untersuchten Merkmalen wurden auch erstmals umfassend mögliche äußerlich erkennbare Geschlechtsunterschiede und Jugendmerkmale berücksichtigt. Zuvor hatten sich nämlich manche Gattungskonzepte als überlappend und somit nicht zuverlässig herausgestellt.

Nun gilt nach Yoshigou folgende Einteilung: Ambassis (26 Arten, darunter drei noch unbeschriebene); Tetracentrum (3 Arten); Parambassis (9 Arten, darunter zwei unsicher in der Zuordnung); Chanda (13 Arten); Pseudambassis (1 Art); Gymnochanda (5 Arten); Denariusa (2 Arten); insgesamt also 59 Arten. Die aquaristisch bedeutsamsten Glasbarsche sind jetzt fast alle (wieder) Chanda: C. ranga (Indien); C. siamensis (SO-Asien, https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/parambassis-siamensis/) und C. pulcinella (Burma, https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/parambassis-pulcinella/). Der kleine Indische Glasbarsch heißt jetzt Pseudambassis lala (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/parambassis-lala-3/) und bei den ohnehin unumstrittenen Gymnochanda bleibt alles beim alten.

Glasbarsche sind im Hobby nur durch sehr wenige Arten vertreten. Gerade haben wir eine sehr ungewöhnliche Art aus Indien erhalten, die nur sehr selten importiert wird: Chanda nama. Der Grund für das seltene Angebot liegt darin, dass diese Glasbarsche Nahrungsspezialisten sind. In der Natur sind es nämlich Schuppenfresser. Im Biotop fängt man fast immer drei Arten Glasbarsche zusammen: C. nama, C. ranga und P. lala. Wahrscheinlich nutzen die Räuber den friedlichen Schwarm der anderen beiden Arten aus, um sich unbemerkt potentiellen Opfern nähern zu können.

Im Aquarium nehmen C. nama jedes maulgerechte Frost- und Lebendfutter sofort an. Die Nahrungsspezialisierung ist also in menschlicher Obhut für sie nicht überlebenswichtig. Doch ebensowenig wie eine Katze das mausen lässt, so lässt Chanda nama es, andere kleine Fische zu piesacken. Es handelt sich also um echte Spezialistenfische, sehr spannend für Verhaltensstudien, aber nicht für gewöhnliche Gesellschaftsaquarien geeignet. C. nama soll angeblich 11 cm lang werden können; in der Natur und im Aquarium haben wir aber noch nie Exemplare über 6 cm Länge gesehen, höchstwahrscheinlich liegen hier Verwechslungen mit anderen Arten vor. Die Art ist in ganz Indien und angrenzenden Staaten weit verbreitet und häufig. Unsere Exemplare stammen aus der Umgebung von Kalkutta. Die Wasserwerte sind ohne Bedeutung für die Pflege, jedes als Trinkwasser geeignete Leitungswasser eignet sich. Salz brauchen diese Tiere nicht, es sind reine Süßwasserbewohner. Am besten pflegt man sie im Schwarm mit ihresgleichen oder anderen Glasbarschen, so wie in der Natur. Sichere Geschlechtsunterschiede sind nicht bekannt, es scheint, als würden die Weibchen größer als die Männchen werden. Glasbarsche laichen in Pflanzen und betreiben keine Brutpflege.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 408603 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Fraser-Brunner, A. (1955): A synopsis of the centropomid fishes of the subfamily Chandinae, with descriptions of a new genus and two new species. Bulletin of the Raffles Museum No. 25: 185-213

Roberts, T. R. (1995): Systematic revision of tropical Asian freshwater glassperches (Ambassidae), with descriptions of three new species. Natural History Bulletin of the Siam Society v. 42: 263-290.  

Yoshigou, H. (2025): Morphological comparison within the glass perchlets genus Ambassis (Osteichthyes: Ovalentalia: Ambassidae), with reference to the comparison of some characters shared with other related genera. Miscellaneous reports of the Hiwa Museum for Natural History v. 66: 1-47.

Text & Photos: Frank Schäfer

Chaca chaca NACHZUCHTEN

17. April 2025

Großmaulwelse (Chaca) werden nur selten im Aquarium gepflegt und noch viel seltener gezüchtet. Es gibt vier Arten: Chaca chaca aus Indien, C. burmensis aus Burma, C. bankanensis aus Malaysia und aus Teilen Indonesiens und C. serica aus dem Süden Borneo. Die vier Arten sehen sich sehr ähnlich und wurden lange Zeit auch nicht voneinander unterschieden.

In der Natur leben Chaca-Welse auf schlammig-sandigen Böden, in die sie sich auch gerne eingraben. Das macht sie zu gefürchteten Tretfallen im Wasser, denn wenn ein Mensch barfuß auf sie tritt, so richtet der Wels seine Rückenflosse auf, die mit einem scharfen und spitzen Stachel bewehrt ist. Der Stich tut gemein weh und ist selbstverständlich sehr infektionsgefährdet. Angesichts der üblichen Lebensweise ist es sehr erstaunlich, dass sich Chacas im Aquarium als Höhlenbrüter erwiesen haben!

Wir können jetzt erstmals überhaupt kleine Exemplare aus heimischer Nachzucht anbieten. Die Tierchen sind 3-4 cm lang sehr bereits aus wie Miniaturausgaben der Eltern. Sie verhalten sich auch so. Wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, graben sie sich im Sand ein. Die Sandkörnchen bleiben an der Haut haften und sorgen so für eine perfekte Tarnung!

Allgemeine Angaben zur Pflege von Chaca finden Sie hier https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/chaca-chaca-3/ und hier https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/chaca_bankanensis_de/

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 408311 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Thorichthys affinis

17. April 2025

„Unverhofft kommt oft“ sagt das altbekannte Sprichwort. So ging es uns mit Thorichthys affinis. Vor einiger Zeit erhielten wir von einem deutschen Züchter Jungtiere von – so seine Angaben – Thorichthys meeki, dem Feuermaul-Buntbarsch. Farblich hatten die 3-4 cm langen Jungtiere noch nicht viel zu bieten, aber sie waren außerordentlich harmonisch in Bezug auf die Körperform. Darum besetzten wir ein Aquarium in unserer Schauanlage im Büro mit 10 dieser netten Fische. Schon früher hatten „Meekis“ in der Anlage gewohnt und uns und unseren Kunden immer viel Freude gemacht.

Die Zeit verging, die Fische wuchsen heran, heute sind sie 6-8 cm lang (Gesamtlänge, also inklusive Schwanzflosse). Es haben sich Paare gefunden und die Tiere pflanzen sich auch fort. Thorichthys sind Offenbrüter (das bedeutet, das Gelege wird offen auf einem Stein, einer Wurzel oder dergleichen abgelegt, im Gegensatz zu Verstecktbrütern, die das in einer Höhle tun), allerdings laichten unsere Tiere etwas versteckt in Halbhöhlen in einem Steinaufbau. Die Brutpflege der Eltern ist sehr intensiv, die Mitbewohner (ein Schwarm Poecilia salvatoris und einige Hyphessobrycon bentosi) mussten sich in kleine Bereiche des Aquariums (Maße: 120 x 36 x 48 cm, L x H x T) zurückziehen, in denen sie in Ruhe gelassen werden. Überhaupt sind auch die brutpflegenden Tiere sehr zurückhaltend. Es kommt bei keinem der Beifische zu Verletzungen. Das eindrucksvolle Thorichthys-typische Drohen mit abgesenktem Mundboden genügt offenbar. Auch überzählige, unbeweibte Männchen kämpfen zwar miteinander, doch kommt es dabei nie zu Verletzungen. Eines wunderte uns: T. meeki hat doch immer einen blutroten Mundboden und unsere Tiere zeigen hier „nur“ ein kräftiges gelb-orange. Andererseits sind die Flossen unserer Tiere sehr schön gezeichnet, die des Feuermauls haben viel weniger Glanzpunkte. 

Tatsächlich haben wir gar keine Meekis bekommen, wie eine kurze Recherche ergab, sondern die eng verwandte Art T. affinis. Es gibt von diesem „Zwerg-Meeki“ zwei farblich unterschiedliche Farbrassen. Eine mit orangerotem Mundboden aus dem Bereich des Peten-Sees in Guatemalas (dort liegt auch die Typuslokalität der Art, die bereits 1862 als Heros affinis wissenschaftlich beschrieben wurde) und eine aus Belize, die einen eher gelben Mundboden hat. Offenbar gehören unsere Tiere zur Belize-Population.

Seit 20 Jahren hatten wir keine Thorichthys affinis mehr im Angebot. Man kann diese relativ kleinbleibende Thorichthys-Art (sie wird nur selten über 10 cm lang) mit Fug und Recht als Rarität bezeichnen. Durch die Verträglichkeit und geringe Größe kann man sie auch in normal dimensionierten Aquarien gut in Gruppen pflegen und das ganz Spektrum des faszinierenden Buntbarsch-Verhaltens studieren. Ob nun das klassisch rote Feuermaul oder dieser gelbe Zwerg-Meeki die schönere Art darstellen? Das liegt sicher im Auge des Betrachters. Uns jedenfalls gefallen die T. affinis sehr!

Für unsere Kunden: T. affinis hat Code 637500 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Nothobranchius ruudwildekampi

11. April 2025

Die Gattung Nothobranchius (Prachtgrundkärpflinge) ist ein Paradebeispiel dafür, wie wundervoll sich Aquarienkunde und Wissenschaft ergänzen. Diese Killifische sind typische Saisonfische; die Gattung ist auf Ostafrika und vorgelagerte Inseln beschränkt. In der Natur leben Nothobranchius nur wenige Wochen. Sie produzieren Dauereier, die im Erdboden das Austrocknen der Regenwassertümpel, in denen die erwachsenen Fische leben, überstehen. Erst in der nächsten Regenzeit schlüpfen einige – nicht alle! – der Eier. Die Jungfische wachsen in Rekordzeit heran und pflanzen sich bereits im Alter von wenigen Wochen fort. Da aber nie ganz sicher ist, ob eine Regenperiode ausreichend Niederschlag liefert, um den Fortpflanzungszyklus der Fische vollständig ablaufen zu lassen, schlüpfen nicht alle Eier auf einmal. Manche Eier verharren sogar jahrelang im Ruhezustand! Für Züchter bedeutet das ein echte Herausforderung.

Ruud Wildekamp (eigentlich Rudolph Hans Wildekamp, 1945-2019) gehörte zu den wichtigsten Erforschern der Gattung in der Neuzeit. Er und Lothar Seegers haben den Grundstein zum heutigen Verständnis dieser Tiere gelegt. Obwohl Wildekamp „nur“ Autodidakt war, ist seine ichthyologische Arbeit von wissenschaftlicher Seite voll anerkannt. 24 (von 97 aktuell akzeptierten) Nothobranchius-Arten hat er allein oder in Kooperation mit anderen Ichthyologen zwischen 1977 und 2010 wissenschaftlich beschrieben und benannt. Bis 1977 kannte man gerade einmal 14 Nothobranchius-Arten! Es nur recht und billig, dass im Jahr 2009 eine Nothobranchius-Art aus dem Einzug des Mbezi-Flusses im östlichen Tansania im zu Ehren benannt wurde.

Wir haben in kleiner Stückzahl diesen schönen Prachtgrundkärpfling als deutsche Nachzuchten erhalten. Zu allgemeinen Pflegebedingungen von Nothobranchius siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/nothobranchius_foerschi_de/

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 338223 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Apistogramma bitaeniata Blue wild

11. April 2025

Über Apistogramma bitaeniata haben wir schon öfter berichtet, siehe bitte https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma-bitaeniata-brasilien-2/ oder auch https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/apistogramma-bitaeniata-putumayo-3/. Die Art gehört ohne jeden Zweifel zu den schönsten Zwergbuntbarschen überhaupt. Aktuell haben wir eine Standortvariante aus Brasilien erhalten, die farblich von den Tieren abweicht, die wir sonst von dort beziehen. Im Licht der Taschenlampe fielen uns bei den frisch importierten Exemplaren sehr viele blaue Leuchtpunkte auf, daher bezeichnen wir sie auf der Stockliste als „Blue“. Diese blauen Leuchtfarben sind bei eingewöhnten Tieren aber nur noch angedeutet sichtbar und gelbe Farbelemente treten in den Vordergrund.

Als Fundgebiet gab uns der Lieferant Careiro da Várzea an, das ist eine Gemeinde am Zusammenfluss von Rio Negro und Amazonas, etwa 25 km südöstlich von Manaus. Aus mehreren Gründen, die an dieser Stelle im Detail nicht besprochen werden können, sind solche Angaben stets mit einer gewissen  Skepsis zu betrachten.

Ob blau oder gelb, Careiro da Várzea oder sonstwoher: es sind wunderschöne Fische! A. bitaeniata fordert sauberes, möglichst keimarmes Wasser. Zu reinen Pflege sind Härte und pH-Wert nicht sonderlich wichtig, aber in weichem, sauren Wasser färben sich die Fische am schönsten und nur in solchem Wasser ist der Laich entwicklungsfähig. Ansonsten gelten alle Grundregeln der Apistogramma-Pflege, also sandiger Boden, strukturreiche Einrichtung und möglichst Weibchenüberschuss (3-4 Weibchen pro Männchen). Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter passender Größe, die Wassertemperatur sollte bei dieser Art im Bereich von 24-30°C liegen. A. bitaeniata sind gattungstypische Höhlenbrüter, die Pflege von Laich und Jungfischen übernimmt das zur Laichzeit intensiv gelb gezeichnete Weibchen, während das Männchen das Revier seines Harems verteidigt.

Für unsere Kunden: die fotografierten Tiere haben Code 615084 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Limia islai

11. April 2025

Der Lago Miragoane auf Haiti ist mit seinen 12 km Länge und rund 25 km2 Fläche einer der größten natürlichen Süßwasserseen der Karibik. In Bezug auf seine Fischfauna ist er aquaristisch spannend. Ähnlich wie die Buntbarsche in den großen Afrikanischen Seen haben im Lago Miragoane die Lebendgebärenden Zahnkarpfen der Gattung Limia eine besondere Artenfülle entwickelt. Neun Arten findet man dort, von denen zwei erst im Jahr 2020 wissenschaftlich beschrieben wurden. Zusätzlich gibt es im Lago Miragoane noch eine interessante Gambusia-Art (G. beebei).

Von den Limia-Arten gehören L. nigrofasciata und L. vittata zu den beliebteren Aquarienfischen, den Rest sieht man nur sehr gelegentlich bei Spezialisten. Wir können eine der neu beschriebenen Arten als Nachzucht anbieten: L. islai. Die Art ist sehr ähnlich zu L. nigrofasciata. Die Besonderheit von L. islai ist es, dass jedes Tier unterschiedlich gestreift ist. So gibt es Exemplare mit vielen und solche mit wenig Flankenstreifen; dieses Phänomen tritt unabhängig vom Geschlecht auf.

Wildlebende Exemplare werden 3-4 cm groß, es ist allerdings zu erwarten, dass alte Aquarienexemplare (vor allem Weibchen) diese Größe um 1-2 cm übertreffen können. Die Pflege unterscheidet sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht von der der bekannten Arten. Wie alle Limia (die Gattung galt übrigens lange Zeit als Synonym zu Poecilia, wird aber in den neueren wissenschaftlichen Arbeiten wieder als gültig erachtet) mögen es die Fische warm (24-28°C) und ein gewisser Anteil Pflanzenkost in der Nahrung (z.B. pflanzliches Flockenfutter) sollte nicht fehlen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 424752 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Lota lota

11. April 2025

Kennen Sie den? Kommt ein Biologe in die Fischanlage, sagt der Fischpfleger: sind 50 Jungs und alle heißen Lothar!

Flachwitz beiseite: Lota lota, die Quappe oder Aalrutte, bekommen selbst begeisterte Kaltwasseraquarianer kaum jemals als Jungfisch lebend zu Gesicht. Es handelt sich dabei um einen der ganz wenigen Kabeljau/Dorsch-Verwandten, der dauerhaft – als sein gesamte Leben vom Ei bis zum Tod – im Süßwasser lebt. Und bei der Quappe – unverwechselbar durch die einzelne Kinnbartel – handelt es sich tatsächlich um einen Kaltwasserfisch.

Im aquaristisch-schnodderigen Sprachgebrauch nennt man ja alles Kaltwasserfisch, das keine zusätzliche Heizung in Aquarien braucht, die in Wohnräumen aufgestellt sind. Im wissenschaftlich-korrekten Sprachgebrauch nennt man solche Arten Kaltwasserfisch, die (zumindest in der Natur) Temperaturen über 16°C nicht oder nur sehr kurzzeitig tolerieren. Das sind in der heimischen Fauna erstaunlich wenige Arten, hauptsächlich solche aus der Salmoniden-Verwandtschaft, also Lachse, Saiblinge, Forellen und Renken. Vor allem Tiefwasserformen unter ihnen sind extrem empfindlich gegenüber höheren Wassertemperaturen.

Die Quappe ist aber nicht ganz so superempfindlich, zumindest relativ kleine Jungtiere – unsere Exemplare sind 15-20 cm lang – erweisen sich als anpassungsfähig. Für diesen Post mussten sie an die 20-22°C im Fotoaquarium gewöhnt werden und alle drei dafür ausgesuchten Tiere nahmen das klaglos hin. Wie lange so hohe Temperaturen allerdings gut gehen, wissen wir nicht. Die Erfahrung mit Bachforellen z.B. haben gezeigt, dass bei höheren Temperaturen (22-24°C) gepflegte Tiere langfristig immer magerer werden; ihr Stoffwechsel ist bei so hohen Temperaturen derart hochgefahren, dass sie gar nicht so viel fressen können, wie ihr Körper verbraucht. Darum raten wir grundsätzlich davon ab, solche Experimente durchzuführen und empfehlen 18°C als obere Grenze für die Wassertemperatur von Quappe & Co.

Quappen können maximal 150 cm lang und 34 kg schwer werden. Die Normalgröße liegt allerdings um 40 cm. Sie ist ein obligatorischer Raubfisch. Jungtiere fressen neben Fischen auch Wirbellose, doch geschlechtsreife Quappen fressen nahezu ausnahmslos Fische. Die Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv. Bei der Umgewöhnung auf tote Futtermittel (Fischfleisch, besser aber ganze Fische wie Stinte) sollte man das berücksichtigen und abends füttern. Am Tag hält sich die Quappe versteckt.

Dieser auffällige Fisch ist weit in Europa verbreitet und hat etlich lokale Bezeichnungen. Neben Quappe und Aalrutte sind das auch Trüsche, Tritsche, Aalraupe und andere mehr, im englischen und französischen Sprachgebrauch nennt man sie „burbot“, das altfranzösische „lotte“ für die Art war der Grund für die wissenschaftliche Bennenung als „Lota“. In großen Teilen Europas ist die Quappe ausgestorben oder gefährdet, als Art gilt sie allerdings insgesamt wegen des großen verbreitungsgebietes als „nicht gefährdet ( = least concern)“. Unsere Quappen stammen aus einer Teichwirtschaft.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 852004 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Megalamphodus erythrostigmus = Hyphessobrycon erythrostigma

11. April 2025

Die Neugruppierungen großer Fischgattungen schreitet fort. Nach den Barben, Panzerwelsen und Cichliden sind nun die Salmler dran. Im September 2024 wurde eine große Überarbeitung publiziert, die uns auffordert, einmal mehr umzulernen. Noch sind bei weitem nicht alle Salmler-Arten darin berücksichtigt und es wird daher sicher einige Jahre dauern, bis die neuen Namenskombinationen allgemein verwendet werden. Auch wir sind zunächst einmal konservativ-zurückhaltend und warten ab, was die Zukunft bringt.

Recht gut folgen kann man als Aquarianer der Wiedereinsetzung des Gattungsnamens Megalamphodus für die Phantom- und Schmucksalmler im weitesten Sinne. Im englischen Sprachgebrauch werden sie alle als „rosy tetras“, bezeichnet, angelehnt an die im Hobby am häufigsten vertretene Art, den Schmucksalmler Megalamphodus rosaceus (früher oft als Hyphessobrycon ornatus bezteichnet, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-rosaceus-ornatus/). Innerhalb der rosy tetras sind drei Arten gut abgegrenzt, nämlich die Kirschflecksalmler. Es gibt deren drei: M. erythrostigmus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-erythrostigma/), M. pyrrhonotus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-pyrrhonotus/) und M. socolofi (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hyphessobrycon-socolofi-var-green/). Alle haben einen kräftig roten Schulterfleck, der ihnen die interantionale Bezeichnung bleeding hearts (also blutende Herzen) eingebracht hat.

Aus Peru erhalten wir im Frühjahr häufiger sehr große und ausgewachsene Megalamphodus erythrostigmus ( = Hyphessobrycon erythrostigma), ganz prachtvolle Fische, so auch jetzt. Wir nutzen die Gelegenheit, um auf die Namensänderungen hinzuweisen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 260107 (sh, also show size) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Viviparus viviparus

4. April 2025

Unter den in Mitteleuropa einheimischen Süßwasser-Schnecken nehmen drei Arten wegen ihrer ansehnlichen Größe (4 cm und größer) eine Sonderrolle ein: die Posthorn-, die Spitzschlamm- und die Sumpfdeckelschnecke. Dabei ist zumindest bei der letztgenannten – der Sumpfdeckelschnecke – der bestimmte Artikel „die“ Sumpfdeckelschnecke eigentlich unangebracht, denn die aktuellste Checkliste der Süßwassermollusken Deutschlands (Gloer & Zettler, 2005) führt immerhin vier Arten auf (Viviparus acerosus, V. ater, V. contectus und V. viviparus). Sie sind einander aber so ähnlich, dass nur ausgewiesene Spezialisten sich eine Artbestimmung zutrauen können. In der Liebhaber-Literatur werden sie darum seit jeher allesamt nur als „Viviparus viviparus“ geführt und auch wir im Handel unterscheiden nicht zwischen den Arten. 

Nur zur Info: die hier abgebildeten und von uns zur Zeit angebotenen Tiere gehören zur Art V. acerosus. Die „echte“ V. viviparus erkennt man am leichtesten durch eine Fingerprobe. Ist die Gehäusespitze (der Fachausdruck lautet „Apex“) so spitz, dass es deutlich piekt, wenn man mit der bloßen Fingerbeere daraufdrückt, ist es nicht V. viviparus. Wie uns der Mollusken-Spezialist Dr. Vollrath Wiese (WA/BAV-Artenschutz-Sachverständiger für Weichtiere, Vorsitzender der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft) schrieb: „Die abgebildeten Tiere sind (…) Donau-Flussdeckelschnecken Viviparus acerosus. Sie kommen vermutlich aus Südosteuropa und sind in Deutschland in allen Gewässern außer einem winzigen Gebiet an der Donau invasive Neozoen (…)“.

Sumpfdeckelschnecken sind getrennt geschlechtlich und atmen durch Kiemen. Das unterscheidet sie ziemlich deutlich von den beiden anderen genannten Schnecken, die Lungenatmer und Zwitter sind. Außerdem bringen alle Viviparus-Arten fertig entwickelte, bereits ziemlich große Jungtiere zur Welt, während Posthorn- und Spitzschlammschnecke gallertartige Eipakete absetzen. Die Männchen von Sumpfdeckelschnecken erkennt man daran, dass sie zwei ungleich gestaltete Fühler haben; einer der beiden ist keulenartig verdickt. Bei den Weibchen sind beide Fühler gleich entwickelt.

Viviparus sind keine Algenfresser bzw. Algen stellen nur einen kleinen Bestandteil ihrer Nahrung dar. 80% der Nahrung ist Detritus, also abgestorbene, zerfallende tierische und pflanzliche Reste. Darum sind Viviparus sehr pflanzenfreundliche Tiere, die selbst zarte Gewächse normalerweise nicht antasten.

Wir beziehen unsere Viviparus aus Teichwirtschaften. Sie sind ausschließlich für den Besatz von Gartenteichen und Aquarien gedacht. Bitte setzen Sie niemals irgendwelche Tiere oder Pflanzen aus dem Handel in die freie Natur aus und sorgen Sie dafür, dass Gartenteichtiere nicht abwandern können.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 879603 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur: Gloer, P. & M. L. Zettler (2005): Kommentierte Artenliste der Süßwassermollusken Deutschlands. Malakologische Abhandlungen 23: 3-26

Text & Photos: Frank Schäfer

Hyphessobrycon pulchripinnis

4. April 2025

Der Zitronensalmler, Hyphessobrycon pulchripinnis, gehört zu den beliebtesten Aquarienfischen überhaupt und findet sich überall auf der Welt im Standardangebot des Zoofachhandels. Wie bei so vielen alltäglichen Arten macht man sich wenig Gedanken um sie, dabei birgt der Zitronensalmler viele Geheimnisse!

Bis 1980 kannte man nämlich seine Heimat nicht, obwohl die Art bereits 1937 beschrieben wurde. Die Erstbeschreibung erfolgte anhand von Aquarienfisch-Importen, deren Herkunft unbekannt war und nur vage mit „vermutlich Amazonas“ abgegeben wurde. Obwohl die Zucht des Fisches nicht ganz leicht ist (willkürlich zusammengestellte Paare laichen oft nicht ab, die Weibchen müssen in regelmäßigen Abständen zum Laichen gebracht werden, damit der Laich befruchtungsfähig bleibt etc.) kamen kaum jemals Wildfänge und so fand erst 1980 Gery heraus, dass die Heimat des Zitronensalmlers  im unteren Amazonas-Becken liegt, genauer im Einzug des mittleren und unteren Tapajós zwischen Itaituba und Jacare Acanga, sowie in Bächen, die dem Rio Curua do Sol zufließen. Andere Autoren geben zusätzlich den Xingu und den Tocantins an.

Wir haben aktuell Wildfänge von H. pulchripinnis aus dem Rio Cuiaba im Bundesstaat Mato Grosso (Brasilien) erhalten. Das ist ein äußerst seltenes Ereignis und gab uns Stoff zum Nachdenken. Frisch gefangene Tiere sind – wie man dem Bild unseres Lieferanten entnehmen kann, kristallrot. Aber im Aquarium entfärben die Tiere sich meist. Dieses Phänomen kennt man von vielen Fischarten. Die Ursache liegt höchstwahrscheinlich in unserem sauberen Aquarienwasser. In der Natur ist das Wasser fast immer durch Lehm oder andere Schwebeteile getrübt. Die Färbung eines Fisches kann er nicht willkürlich steuern. Das übernehmen Hormone, deren Produktion durch vom Auge wahrgenommene Reize (Licht, Schatten, Wassertrübung, Farbe des Bodengrundes etc.) ausgelöst werden. Das erklärt zwar sehr gut, warum die meisten Fische in hellen, wenig strukturierten und sparsam eingerichteten Aquarien sehr blass gefärbt sind, nicht aber, warum sie manchmal trotzdem nach einer gewissen Zeit kräftige Farben zeigen.

In einem unserer Becken in der Schauanlage bei Aquarium Glaser schwimmt eine Gruppe des „Muzel Red Cherry“-Salmlers. Es handelt sich um Importe aus Brasilien, allerdings gehen wir davon aus, dass sie dort gezüchtet wurden. Unter den Muzel sind vorwiegend kräftig rot gefärbte Tiere, aber auch einige mit gelber Körperfarbe. Diese gelben Tiere sehen Zitronensalmlern sehr ähnlich. Bei den gelben Muzel-Salmlern ist auch der Schulterfleck ( = Humeralfleck) kräftig ausgepräget, der bei roten Muzel-Salmlern nur sehr schwach angedeutet sichtbar ist. Sämtliche Flossen beider Muzel-Farbschläge sind kräftig rot. Das unterscheidet sie deutlich von „echten“ Zitronensalmlern, die bestenfalls schwach orangefarbene Rücken- und Afterflossen haben. Die Schwanzflosse „echter“ Zitronensalmler ist immer transparent-farblos. Dieses Merkmal haben auch „Bolivia Orange“-Zitronensalmler (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/ein_fantastischer_zitronensalmler_de/). 

Ganz offensichtlich gibt es also einen ganzen Formenkreis um H. pulchripinnis, der folgende Arten/Formen umfasst: 1. der „klassische“ H. pulchripinnis, der seit 1937 in den Aquarien zuhause ist (farblose Schwanzflosse, meist auch Rücken- und Afterflosse, Afterflosse mit gelbem und schwarzem Strich an der Vorderkante, Rückenflosse ebenfalls mit Schwarz in der Vorderkante); 2. der pulchripinnis „Tapajós“, wie er im Aquarien-Atlas Band 1 abgebildet ist (Küvettenfoto vor Ort), bei dem der schwarze Strich am Anfang der After- und Rückenflosse fehlt; diese Art ist unseres Wissens im Hobby nicht vertreten bzw. wird nicht vom „normalen“ Zitronensalmler unterschieden; 3. der „Bolivia Orange“, den es seit ca. 1980 im Hobby gibt (farblose Schwanzflosse, Rücken- und Afterflosse kräftig rot, schwarzer Strich an der Vorderkante der Afterflosse fehlt); 3. der „Muzel Cherry Red“, bei dem alle Flossen und der Körper kräftig rot sind, schwarzer Strich an der Vorderkante der Afterflosse fehlt, seit etwa 2021 im Hobby; 4. der „Muzel Yellow“, der wie der „Muzel Cherry Red“ aussieht, aber mit gelb-orangefarbenem Körper. Ungeklärt bleibt das Rätsel um die manchmal kristallroten „normalen“ Zitronensalmler, von denen uns unser Lieferant schrieb: „In der Tat sehe ich die meisten Salmler aus Cuiaba so (Anmerkung: gemeint ist Rot), ich habe schon einige erhalten, um sie nach China zu schicken, und nach ein paar Wochen verlieren die meisten ihre Farbe, oder einige bekommen eine bessere Farbe… es ist ein Schuss ins Blaue…“

Die Pflege aller Zitronensalmler ist sehr leicht und gelingt auch Anfängern. Man hält die bis zu 4,5 cm langen Tiere im Trupp in gut strukturierten Aquarien, wo bald jeder Fisch ein winziges Revier besetzt. Gefressen wird jedes übliche Fischfutter, die Temperatur kann im Bereich zwischen 22 und 28°C liegen. Das Wasser sollte (muss aber nicht) weich und leicht sauer sein, dann sind die Farben am schönsten.

Für unsere Kunden: der „normale“ Nachzucht-Zitronensalmler hat Code 261603, der Wildfang aus dem Mato Grosso 261642 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Photos: H.-J. Mayland, E. Schraml, F. Schäfer

Apistogramma psammophila

4. April 2025

Der Zweibinden-Zwergbuntbarsch, Apistogramma diplotaenia, gehört zu den Traumfischen vieler Apistogramma-Liebhaber. Die Art stammt aus dem Rio Negro-Einzug in Brasilien. Leider gehört dieser Fisch aber auch zu den anspruchsvollsten Arten der Gattung und bereits geringfügige Nachlässigkeiten in der Pflege – z.B. ein versäumter Wasserwechsel und der damit verbundene Anstieg der bakteriellen Belastung des Wassers – werden sehr übelgenommen. 

Wegen seiner einmaligen Färbung galt A. diplotaenia bisher als unverwechselbar, bis 2019 eine Zwillingsart, A. psammophila aus dem Rio Atabapo in Kolumbien beschrieben wurde. Tatsächlich kann man beide Arten im Jugendstadium ohne Kenntnis der Herkunft nicht auseinanderhalten. Es gibt ein eindeutiges Merkmal, das A. diplotaenia und A. psammophila unterscheidet, und das sind senkrechte schwarze Streifen am Bauch von A. psammophila, die bei A. diplotaenia niemals auftreten. Leider lässt sich diese Streifenfärbung nicht gut provozieren. Sie wird offensichtlich nur stimmungsabhängig gezeigt, doch in welcher Stimmung? Stark gestresste Tiere verblassen völlig und während aggressiver Handlungen sind die Streifen auch nicht oder höchstens angedeutet sichtbar. Offenbar sieht man sie am besten bei entspannten, eher „gelangweilten“ Tieren. Ein zweites Merkmal ist die Schwanzflossenform (rund bei A. diplotaenia, lanzettlich bei A. psammophila), doch ist das nur bei voll ausgewachsenen Männchen klar zu sehen und darum bei Jungfischbestimmungen unerheblich.

Wir sind jedenfalls sehr stolz, diese Kostbarkeit anbieten zu können. Für die Pflege gilt auch hier: sie ist nur wirklich erfahrenen Spezialisten zu empfehlen. Uns scheinen die Fische, obwohl sie mit 2-3 cm noch sehr klein und gerade erst geschlechtsreif sind, untereinander extrem unverträglich zu sein. Es kommt zwar nicht zu Beschädigungskämpfen, aber ständiger Stress scheint bereits zu genügen, um das Immunsystem so zu schädigen, dass es zu schweren Erkrankungen kommt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 626632 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Cyprichromis leptosoma „Mpulungu“

4. April 2025

Kärpflingscichliden (Cyprichromis und Paracyprichromis) sind sehr besondere maulbrütende Buntbarsche aus dem Tanganjikasee. Die Tiere leben in  manchmal riesigen Schwärmen und ernähren sich von Kleintieren, die sie aus der freien Wassersäule picken. Um die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu ziehen können die Männchen sich sehr bunt einfärben. Eigentliche Reviere besetzen sie nicht. Die Weibchen sind hingegen möglichst unauffällig gefärbt und genießen im Schwarm den Schutz der Gemeinschaft vor Fressfeinden.

Wie Ad Konings in der 4. Auflage seines „Tanganjika-Cichliden in ihrem natürlichen Lebensraum“ betont, sollte man das Verhalten von Cyprichromis und Paracyprichromis nicht dahingehend fehlinterpretieren, dass diese Fische weitab vom Ufer im See ein pelagisches Leben führen (pelagisch bedeutet, dass ein Organismus ohne jede Bingung an Strukturen im Freiwasser lebt). Im Gegenteil: sie kommen nur dort vor, wo es felsige Ufer gibt. In die Felsen flüchten sie bei Gefahr und dort werden auch die Jungen groß. So erklärt es sich, dass es von den Kärpflingscichliden – ähnlich wie bei Tropheus und anderen felsgebundenen Buntbarscharten – sehr viele Lokalvarianten gibt. Die kleinen Cyprichromis wandern nämlich nie weit von ihrem Heimat-Riff fort. 

Gegenwärtig sind 5 Arten Cyprichromis bekannt: C. coloratus, C. leptosoma, C. microlepidotus, C. pavo und C. zonatus. Hinzu kommen die wahrscheinlich noch unbeschriebenen Arten C. sp. „Leptosoma Jumbo“, C. sp. „Leptosoma Kigoma“, C. sp. „Leptosoma Kitumba“ und C. sp. „Kibishi“. Die meisten dieser Arten bilden farblich unterschiedliche Standortvarianten aus und etlich sind – um es nicht zu einfach zu machen – im männlichen Geschlecht polychromatisch. Das heißt, dass innerhalb einer Fortpflanzungsgemeinschaft oder Standortvariante unterschiedlich gefärbte Farbmorphen auftreten. Der Sinn des Polychromatismus bei Männchen von Tierarten – das Phänomen tritt bei relativ vielen Buntbarsche (besonders Apistogramma), aber z.B. auch bei Vögeln (z.B. Gouldamadine) auf – ist noch nicht verstanden. Hier bieten sich viele spannende Beobachtungsmöglichkeiten.

Cyprichromis leptosoma unterscheidet sich von den ähnlichen, noch unbeschrieben Arten durch das leuchtendblaue Schädeldach. Die Art hat eine weite Verbreitung im See. Der Fundort Mpulungu liegt in Sambia. Die Rückenflossenfärbung ist charakteristisch für mehrere sambische Populationen. Es gibt blau- und gelbschwänzige Männchen. Die Maximallänge der Art ist unter 10 cm

Bezüglich der Pflege sind Cyprichromis einfach. Man sollte sie im Trupp von 8 oder mehr Tieren pflegen. Das Geschlechterverhältnis ist nicht wichtig. Mehr Männchen bedeutet, dass die Weibchen mehr Ruhe haben und im Aquarium mehr Farbe zu sehen ist, denn die Weibchen sind einfarbig braun. Cyprichromis sp. „Leptosoma Kigoma“ ist ein agamer Maulbrüter im weiblichen Geschlecht; agam bedeutet „ohne feste Paarbindung“. 

Das Wasser sollte leicht alkalisch sein (pH 7,5 – 8,5) und warm (um 28°C). Gefressen wird jedes übliche Zierfischfutter, das in das Maul passt.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 519703 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Carassius auratus – Goldfisch Oranda Tricolor

4. April 2025

Die Zucht von bestimmten Goldfischen gehört – wenn sie bewusst betrieben wird – zu den anspruchsvollsten aller Züchtertätigkeiten. Denn beim Goldfisch werden Eigenschaften wie die Färbung, Beflossung, Veränderung der Augen und der Haut meist nicht von einem einzigen, sondern von mehreren Genen gesteuert. Das betrifft auch die Ausprägung, sprich: größere oder kleinere Flossen und z.B. die Größe und Ausdehnung der Haube. Die Verpaarung zweier optisch ähnlicher Elterntiere ergibt darum oft nur einen kleinen Anteil von Jungtieren, die den Eltern wirklich ähnlich sehen. Es gibt auch stabil vererbende Goldfisch, etwa den Schwarzen Teleskopen, auch Schwarzer Demekin oder Black Moor genannt, aber das ist eher selten. Immerhin erlauben die Merkmale der Goldfische, die sich in den Jahrhunderten seiner Zucht durch spontane Veränderungen des Erbgutes (Mutationen) ergeben haben, theoretisch hunderte verschiedener Rassen zu erzüchten. Meist sind es aber nur Einzeltiere, die deutlich von den altbekannten Formen abweichen.

Dreifarbige Goldfische – es sollten auf jedem Tier rote, schwarze und weiße Farbpartien vorhanden sein – gehören zu den schwierigen Zuchtformen. Nicht wegen der Haltung – diese weicht nicht von der anderer Goldfische ab – sondern weil nur ein relativ kleiner Teil der Fische einer Brut wirklich dreifarbig wird. Das Angebot deckt darum kaum die Nachfrage und das macht sie etwas teurer, als man das gemeinhin gewohnt ist.

Gerade können wir sehr hübsche dreifarbige Goldfische anbieten. Sie sind mit 3-4 cm Länge noch sehr klein. Bitte setzen Sie diese Tiere, die in diesem Fall in Thailand gezüchtet wurden, nicht im zeitigen Frühjahr in den Gartenteich. Diese Fischkinder haben noch nie Temperaturen unter 24°C kennengelernt. Auch wenn Goldfische grundsätzlich physiologisch mit Wassertemperaturen zwischen 4 und 32°C klarkommen, müssen sie langsam daran gewöhnt werden. Darum müssen kleine Goldfische aus ausländischen Zuchtbetrieben zunächst in Aquarien eingewöhnt und akklimatisiert werden. Vor Mitte Mai, manchmal auch erst im Juni, dürfen sie nicht in Außenteiche gebracht werden. Und bitte denken Sie daran: Zierfische gehören in Aquarien und Gartenteiche, aber niemals in die freie Natur. Bitte setzen Sie niemals irgendwelche Tiere oder Pflanzen aus, die Sie gekauft haben.

Wir haben über diese Fische auch einen kleinen Film erstellt, den Sie hier betrachten können: https://www.youtube.com/watch?v=_gnDkdVnIlU

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 815700 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Xiphophorus hellerii, Höhlen-Schwertträger

1. April 2025

Mittelamerika ist berühmt für seine zahlreichen Karsthöhlen. In ihnen hat sich häufig eine besonders interessante Fauna entwickelt. Der vielleicht bekannteste Höhlenfisch Mexikos ist der Blinde Höhlensalmler (Astyanax jordani oder Anoptichthys jordani, siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/blinde-hoehlensalmler/). Bei ihm sind, wie bei vielen Höhlenfischen, die Augen stark verkümmert. Allerdings gibt es in der Heimathöhle des Blinden Höhlensalmlers vier unterirdische Seen. In dem See, der dem Höhleneingang am nächsten ist und in den noch etwas Licht einfällt, haben die Tiere noch Augen. Je tiefer die verschiedenen Seen im Höhleninneren liegen, desto stärker verkümmerter die Augen der Salmler. Die seit 1936 im Aquarium gezüchtete, völlig blinde Form stammt aus der hintersten der vier Höhlenseen.

Unter den Lebendgebärenden Zahnkarpfen war bislang nur vom Atlantischen Molly (Poecilia mexicana) bekannt, dass er Höhlenformen ausbildet. Diese Tiere sind meist blass rosafarben und haben kleine, aber funktionstüchtige Augen. 

Der Umbau einer Karsthöhle im mittelamerikanischen Staat Guatemala zu einer Großraumdisco führte zur Entdeckung einer bislang noch unbekannt gebliebenen Höhlenpopulation des Schwertträgers, Xiphophorus hellerii. Das Interessante dabei ist, dass die Fische aktiv aus kleinen unterirdischen Bächen in den Bereich des Tanzsaales einwanderten, wo sich ein größerer Brunnen mit Wasserspiel befindet, der von eben diesen Bächen gespeist wird. Während die in den Bächen lebenden Höhlenschwertträger schneeweiß sind – auch das Schwert der Männchen – zeigen die in den beleuchteten Teil eingewanderten Tiere schon Andeutungen von Farbe, meist zarten Rottönen und etwas schwarzer Längsbandzeichnung. Alle Höhlenschwertträger, sowohl die in den Bächen lebenden wie auch die im Disco-Teich, haben blaue Augen. Als allerneueste Entwicklung finden sich jetzt vereinzelt Tiere, die auf schneeweißer Grundfärbung an großen Teilen des Körpers knallrot gefärbt sind. Forschende führen das auf die Lichtspektren der Discokugel an der Höhlendecke zurück. Spannend ist auch, wie sich die Disco-Höhlen-Schwertträger ernähren. Während für die Bach-Population Fledermauskot die Nahrungsgrundlage darstellt, haben sich die Disco-Teich-Schwertträger auf Oliven aus Martinis und Erdnussflips, die Disco-Besucher in den Teich werfen, umgestellt.

Wir haben jetzt erstmals Nachzuchten dieser faszinierenden Tiere erhalten.

Für unsere Kunden: Die Fische haben 471105 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Poecilocharax weitzmani

28. März 2025

Selbstverständlich ist dieser Fisch alles andere als eine Neuheit und wird seit vielen Jahren in relativ großen Stückzahlen importiert. Aber ist er nicht wunderschön? Das kleine Tier ist ein idealer Gesellschafter vom Roten Neon (Paracheirodon axelrodi), mit dem er auch in der Natur zusammen vorkommt. Poecilocharax weitzmani wird 3-4 cm groß und ist im Bereich des oberen Amazonas und oberen Orinoko relativ weit verbreitet. Man findet ihn in Kolumbien, Venezuela, Brasilien und Peru. Ungeachtet seines großen Maules ist er ein friedlicher Fisch. 

Allerdings ist P. weitzmani eine wirkliche Salmlerbesonderheit, da er – ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Salmler-Verwandten – ein Höhlenbrüter mit Brutpflege ist. Im Aquarium besetzen die Männchen hohle Bambusstücke als Brutrevier und bewachen dort den Laich bis zum Schlupf der Jungtiere. Allerdings ist die Zucht nicht leicht, denn damit sich der Laich gut entwickeln kann, braucht man Wasserwerte wie in der Natur: Härte praktisch nicht nachweisbar und pH um 4,5-5. Um ein solches Wasser über einen längeren Zeitraum stabil zu halten, braucht man einige Erfahrung. Darum ist es auch nicht ratsam. derartige Wasserwerte für die normale Haltung anzustreben. Genau wie beim Roten Neon ist die Anpassungsfähigkeit an Wasserwerte, wie sie in Mitteleuropa aus der Leitung kommen, sehr gut. Auch in solchem Wasser erreichen die kleinen Fische ein Lebensalter, das um den Faktor 5-10x höher ist als in der Natur.

Wir können gerade P. weitzmani aus Kolumbien und aus Brasilien anbieten. Grundsätzlich können wir bei den beiden Standortformen optisch keine Unterschiede feststellen, aber die brasilianischen Exemplare sind aktuell deutlich größer, nahezu ausgewachsen. Und unter ihnen sind vereinzelt (1-2 Tiere auf 500 Exemplare) männliche Individuen mit einer brillanten Rotfärbung, wie wir sie bislang noch nicht (bewusst) gesehen haben. Bislang wurde P. weitzmani wegen seiner Häufigkeit und des daraus resultierenden geringen Preises nur von Spezialisten gezüchtet, die sich für Verhaltensstudien interessieren; wirtschaftlich lohnend ist die Zucht nicht. Möglicherweise ändert sich das mit dem Bekanntwerden dieser herrlichen Variante.

Es gibt Beobachtungen von Aquarianern, die P. weitzmani als scheu schildern. Das deckt sich nicht mit unseren Beobachtungen. Die photographierten Tiere sind z.B. erst vor wenigen Tagen importiert worden und präsentieren sich in dem nur sehr spärlich mit einigen Holzstücken und Laub eingerichteten Fotobecken bereits, als wären sie dort geboren worden. Bezüglich aller Pflegefaktoren (Futter, Temperatur, Beleuchtung, Einrichtung) sei auf die umfangreiche Literatur zum Roten Neon verwiesen. P. weitzmani stellt keine davon wesentlich abweichenden Forderungen mit Ausnahme der bereits erwähnten Ablaichhöhlen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 281004 (md-lg) und 281005 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Farlowella hahni

28. März 2025

Die Nadelwelse (Farlowella) sind skurrile, an Stöckchen erinnernde Vertreter der Harnischwelse (Loricariidae). Mit ihrem typischen Saugmaul weiden sie feinen Aufwuchs ab. Es sind in der Natur meist häufige Tiere und sie haben darum auch schon früh die Aufmerksamkeit der Wissenschaft erhalten. Die erste Art wurde 1853 beschrieben (F. acus), die vorerst letzte 2023 (F. wuyjugu). Alles in allem werden derzeit 51 beschriebene Arten dieser Gattung zugeordnet. Wieviele davon aber auch gültig sind, ist strittig. Das kommt daher, dass sehr viele Farlowella-Arten recht generalisiert aussehen. Die zur Artunterscheidung herangezogenen Messstrecken – z-B. Länge des Schnauzenfortsatzes (Rostrums) in der Körperlänge und ähnliches – erweisen sich oft als nicht anwendbar. Zu variabel sind diese Dinge, wie wir heute wissen. Darum sind Veröffentlichungen über Farlowella sehr häufig mit Fragezeichen bezüglich der Artbenennung zu versehen. Das gilt sowohl für wissenschaftliche wie auch in noch höherem Maße für populäre Publikationen. Farlowella-Arten werden meist 12-18 cm lang.

Wir erhalten immer wieder einmal aus Paraguay sehr attraktive Farlowella. In der Region (geprägt von den großen Flüssen Paraná und Paraguay) gibt es fünf Arten: F. jauruensis, F. hahni, F. isbruckeri, F. paraguayensis  und F. azpelicuetae. Die erstgenannte Art hat ein von allen anderen Arten deutlich abweichendes Zeichnungsmuster. Von oben betrachtet ist das Rostrum dunkel gefärbt (vs. hell oder mit Netzmuster). Diese Art, bisher nur aus dem Oberlauf des Rio Paraguay bekannt, ist also keinesfalls mit unserer Art identisch. Besonders auffällig und arttypisch ist die Zeichnung der Schwanzflosse bei unseren Importen. Der obere Schwanzflossenlappen ist entweder vollständig dunkel oder zumindest zur Hälfte dunkel gefärbt. Die dunkle Färbung setzt sich in den Ansatz des unteren Schwanzflossenlappen fort. Somit scheiden F. azpelicuetae und F. isbruckeri aus, die lediglich zwei dunkle Streifen in der oberen und unteren Schwanzflossenhälfte haben. Von F. paraguayensis unterscheiden sich unsere Importe durch das deutlich und kräftig ausgeprägte Netzmuster im Kopfbereich (fehlt bei F. paraguayensis). Es bleiben also nur die Möglichkeiten, dass es sich bei unseren Fischen um F. hahni oder um eine noch unbeschriebene Art handelt. 

Die Artbestimmung ist aus zwei Gründen nicht unwichtig: erstens unterscheiden sich die Pflegebedingungen einer südlichen Art aus dem Paraná-Paraguay-Einzug bezüglich der jahreszeitlichen Temperaturentwicklung – hier wird es zeitweise recht kühl. Und zweitens muss man sicher sein, welche Artmerkmale zu berücksichtigen sind, wenn man Zuchtgruppen zusammenstellt.

Ansonsten unterscheiden sich die verschiedenen Farlowella-Arten kaum in ihren Pflegeansprüchen. Sie fordern ein sauberes, möglichst keimarmes Wasser und gute Strömung, die Härte und der pH-Wert sind hingegen unwesentlich für die Pflege. Die größte Schwierigkeit bei der Pflege von Farlowella-Arten liegt darin, sie ausreichend zu füttern. Es sind langsame Fresser, die keinerlei Futterkonkurrenz im Aquarium haben dürfen. Der Aufwuchs – also feine Algen und die darin enthaltenen Kleinlebewesen – reichen zur Ernährung unter Aquarienbedingungen nicht aus. Dennoch sollte man möglichst viel Totholz, Totlaub, Schilf- und Bambusstängel etc. in einem Farlowella-Aquarium einbringen. Unnötig schwimmen werden Farlowella nicht, es ist also nicht wichtig, auf freien Schwimmraum zu achten. Hingegen können sich die etwas steifen und unbeholfenen Tiere unrettbar in Fadenalgen oder dichten Wasserpflanzenbüscheln verheddern. So etwas darf also nicht im Farlowella-Aquarium sein. Als Basisfutter eignen sich Futtertabletten ausgezeichnet, dazu feines Frostfutter (z.B. Cyclops) oder Artemia. Gemüsestücke (gut eignet sich Zucchini, nicht so gut Kartoffeln oder Möhren. Sie sind stark zuckerhaltig und verderben rasch das Wasser) und angequetschte Tiefkühlerbsen ergänzen den Futterplan. Wenn alles gut läuft, ist die Zucht von Farlowella nicht sehr schwer. Sie laichen wie Sturisoma und Sturisomatichthys an offenen Flächen (gerne einer Aquarienscheibe), das Männchen bewacht den Laich bis zum Schlupf der Brut. Die Geschlechter sind bei Farlowella nicht leicht zu unterscheiden. Die Weibchen sind fülliger, alte Männchen entwickeln Borsten (Odontoden) am Rostrum.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 253662 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Gobio gobio, Gründling

28. März 2025

Der Gründling, Gobio gobio, ist einer der kleinsten heimischen Fische. Gewöhnlich wird er 8-12 cm, selten über 15 cm lang. Der Rekord soll bei 21 cm liegen, aber solche Riesen kommen ähnlich selten vor, wie Menschen über 2,20 m Länge. Wegen seiner geringen Größe und hübschen Färbung (im Vergleich zu den meist silbrigen übrigen heimischen Arten) wird er schon seit Anbeginn der Aquarienkunde im Aquarium gepflegt, wo er sehr gut gedeiht. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 15-25°C liegen, was sich auch heutzutage in Wohnräumen gut realisieren lässt, wobei lang anhaltende Temperaturen über 22°C vermieden werden und eine kühle Überwinterung bei rund 8°C und 6-8 Stunden Licht angestrebt werde sollten.

Der Gründling ist ein Bodenfisch, der gerne im Trupp mit seinesgleichen schwimmt und gegen andere Fische vollkommen friedlich ist. Er braucht offene Bodenflächen aus Sand und Kies, wo er seine Nahrung sucht, die aus Kleintieren aller Art (im Aquarium jede übliche Fischfuttersorte soweit auf den Boden sinkt) besteht. Pflanzliche Kost spielt keine große Rolle und wird eher zufällig mit aufgenommen. In der Natur kommen Gründling hauptsächlich in klaren, oft fließendem Wasser vor. Das Aquarium sollte darum gut gepflegt sein und nur wenig Mulm am Boden aufweisen.

Für den Gartenteich ist der Gründling nur geeignet, wenn dieser seine Ansprüche nach klarem, sauberem Wasser und freien Bodenflächen mit Sand- und Kiesboden erfüllt. In vollgewucherten Sumpfteichen kann der Gründling nicht leben.

Gründlinge laichen in Kies ab; sie betreiben keine Brutpflege.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 810503 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer

Cyprinella lutrensis

28. März 2025

Es gibt zahlreiche Arten (ca. 320) von Elritzen-Verwandten in Nordamerika, doch nur sehr wenige Arten sind bisher zu Aquarienfischen geworden. Im Gegensatz zu unserer einheimischen Elritze ist die Feuerelritze  oder Amerikanische Rotflossenorfe (Cyprinella (früher: Notropis) lutrensis) ein ziemlich anspruchsloser Fisch und braucht auch nicht so niedrige Temperaturen. Die Art kann zwar im Gartenteich gepflegt werden, sie gedeiht aber auch ausgezeichnet im Zimmeraquarien, die natürlich nicht beheizt werden müssen. Die Männchen sind herrlich gefärbt, doch auch die Weibchen werden im Laufe der Zeit immer bunter. Heutzutage kommen diese Fische nur als Nachzuchten in den Handel. Die Maximallänge der Art beträgt normalerweise 7 cm, sehr selten werden sie bis 9 cm lang. Mit 4-5 cm Gesamtlänge sind sie schon laichfähig.

Die Rotflossenorfe kommt in Nordamerika ursprünglich vom südlichen Illinois bis nach Süddakota, Kansas und dem Rio Grande (inkl. Mexiko, wo der Fluss Rio Bravo heißt) vor. Dort bildet die Art mehrere Unterarten aus. Da diese Fische von Anglern gerne als Köderfisch benutzt werden und die Unsitte besteht, übrig gebliebene Köderfische einfach dort auszusetzen, wo man gerade ist, ist Cyprinella lutrensis heutzutage sehr weit verschleppt anzutreffen. Als Konsequenz ist übrigens seit längerem in den USA verboten, Köderfische über Staatsgrenzen hinweg zu transportieren. Aber wer kann so etwas schon kontrollieren…

Dieser Karpfenfisch ist ein anspruchsloser und schwimmfreudiger Schwarmfisch, der ein lang gestrecktes Becken mit viel freiem Schwimmraum und klarem Frischwasser braucht. Häufiger Wasserwechsel und optimale Durchlüftung des Beckens sind jedoch eine Voraussetzung für die erfolgreiche Pflege. Die Männchen sind kräftiger gefärbt und entwickeln zur Laichzeit einen pickelartigen Ausschlag auf dem Kopf, wie man das von vielen anderen karpfenartigen Fischen kennt. Letzteres wird oft als Krankheitsanzeichen interpretiert, ist es aber nicht. Die friedlichen Tiere stellen keine besonderen Ansprüche an die Wasserzusammensetzung.  Es handelt sich um freilaichende Fische, deren Zucht auch im Zimmeraquarium relativ leicht möglich ist. Brutpflege wird nicht ausgeübt.

Diese schöne Elritze ist ein Allesfresser und nimmt Lebendfutter jeglicher Art, pflanzliche Beikost und Flocken- und Tablettenfutter. Eine Schwarm dieser Art ist eine richtige Augenweide für jedes Kaltwasserbecken.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 867012 (3-4 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer