Epinephelus lanceolatus

20. März 2026

Mit maximal 270 cm Länge und 400 kg Gewicht ist der Riesen-Zackenbarsch Epinephelus lanceolatus einer der größten riffgebunden lebende Knochenfisch der Erde. Leider ist der imposante Riese fürchterlich überfischt. Da dieser Raubfisch ein außerhalb der Fortpflanzungszeit hochgradig unverträglicher Einzelgänger ist, gibt es nicht viele Individuen. Denn dieser Koloss will ja auch ernährt sein. Das Nahrungsspektrum umfasst hauptsächlich Krebstiere (am liebsten Langusten), aber auch Kopffüßer und Fische. Wählerisch ist er also nicht und gerüchteweise sollen sehr große Exemplare auch schon Menschen angegriffen und verschlungen haben. Diese Art hat das größte Verbreitungsgebiet aller Zackenbarsche: man findet ihn  (wenn man ihn findet) im gesamten Indo-Pazifik, also im Indischen Ozean, im Roten Meer, bis nach Südafrika und im Westen bis nach Hawaii, dann noch im im westlichen Pazifik vom südlichen Japan bis nach Australien und den Ozeanischen Inseln. Auch wenn die Internationale Rote Liste der bedrohten Tierarten Epinephelus lanceolatus als „dd“ (das bedeutet data deficient, also mangelhafte Datenlage) listet, so besteht doch kein Zweifel, dass mehr Riesen-Zackenbarsche gegessen werden, als von Natur aus nachwachsen. Der Riesen-Zackenbarsch ist darum Gegenstand von Aquakultur und seine Zucht als Speisefisch wird intensiv betrieben. Aus solcher Aquakultur stammen auch die schönen Jungtiere, die wir ab und zu importieren.

Eine Besonderheit dieser Art ist, dass sie regelmäßig in Flussmündungen angetroffen wird und auch die vorübergehende Pflege in reinem Süßwasser ist möglich. Auf die Dauer geht das allerdings nicht. Ähnlich wie bei Brackwasser-Kugelfischen liegt das Problem dabei wohl weniger darin, ob ausreichend Salz vorhanden ist, als daran, dass diese Zackenbarsche gewaltige Fresser sind. Sie fressen, bis der Bauch zu platzen droht. Entsprechend ist ihre Stoffwechselrate. Während der Eiweiß-Verdauung anfallende Abfallstoffe werden bei allen Fischen in Form von Ammonium über die Kiemen ausgeschieden. Dieses Ammonium verwandelt sich bei höheren pH-Werten über 8 (und solche pH-Werte sollten Brackwasserfische und Meeresfische immer im Aquarium haben) in hochgiftiges Ammoniak, das von den Filterbakterien über immer noch sehr giftiges Nitrit zu harmlosem Nitrat umgewandelt wird. Wenn man jetzt noch weiß, dass Salz die Giftwirkung von Nitrit für Fische deutlich herabsetzt, weiß man, warum die dauerhafte Pflege von Brackwasserfischen in Süßwasser sehr problematisch ist.

Wie viele Zackenbarsche ist Epinephelus lanceolatus ein protogyner Zwitter, d.h., alle Tiere sind zunächst funktionelle Weibchen und nur alte Tiere wandeln sich zu funktionellen Männchen um. Im Laufe des Wachstums verändern diese Fische sich sowohl anatomisch wie auch farblich erheblich, was die stattliche Anzahl von Synonymen erklärt. Nur Jungtiere bis ca. 20 cm Länge sind so schön kontrastreich schwarz-weiß oder schwarz-gelb gefärbt. 20 bis 50 cm lange junge erwachsene Tiere entwickeln mehr und mehr weiße oder gelbe Punkte in den dunklen Zonen des Körpers. Mit 80-150 cm Länge sind Riesen-Zackenbarsche dunkelbraun mit undeutlicher Fleckenzeichnung und zahlreichen schwarzen Punkten in den Flossen. Große erwachsene Tiere (160 bis 230 cm) sind nur noch dunkelbraun mit dunkleren Flossen.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass sich der Riesen-Zackenbarsch nur für wirklich große Meerwasseraquarien eignet, wie sie in erster Linie in Zoos und Schauaquarien anzutreffen sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 415531 (6-8 cm), 415532 (8-10 cm) und 415534 (15 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer