Geophagus cf. camopiensis „Araguari“

30. Januar 2026

Der brasilianische Bundesstaat Amapá liegt im äußersten Nordosten Brasiliens am Atlantik. Zoogeografisch ist er deshalb besonders interessant, weil in seinen Flüssen – etwa dem großen Fluss-System des Rio Araguari – teils Fischarten vorkommen, die ansonsten nur im angrenzenden Französisch Guyana im Rio Oyapock vorkommen; wegen des hohen Preisniveaus in Französisch Guyana sind Zierfischexporte von dort kaum möglich: die Tiere sind einfach zu teuer.

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Darum freuen wir uns sehr, zumindest zwei der begehrten Oyapock-Fischarten aus brasilianischen Amapá-Populationen (Rio Araguari-Einzug) anbieten zu können: Retroculus septentrionalis (dazu vielleicht später ein Post, wenn die Tiere besser eingewöhnt und entsprechend attraktiver gefärbt sind) und Geophagus cf. camopiensis. 

Geophagus-Experten, mit denen wir stets in Korrespondenz stehen, sind sich ziemlich sicher, dass es sich dabei um Geophagus camopiensis handelt, eine Art, die bereits 1903 von Pellegrin aus dem Rio Camopi, einem nördlichen Zufluss der Rio Oyapock in Fr. Guyana beschrieben worden war. Aufsammlungen von Aquarianern in Französisch Guyana machten es möglich, dass wir wissen, wie diese Art aussieht. Auffällig ist vor allem ein sehr großer Flankenfleck. Die Amapá-Geophagus, die wir jetzt importieren konnten, wurden unter der irrigen Bestimmung „Geophagus proximus“ geschickt. Der Exporteur ließ sich offenbar durch den großen Flankenfleck erwachsener Tiere täuschen. G. proximus ist bekanntlich die Geophagus-Art mit dem größten Flankenfleck von allen. Bei der Amapá-Population von G. cf. camopiensis ist der Flankenfleck etwas kleiner und oft (nicht immer!) sehr rechteckig. Da es sich nicht völlig ausschließen lässt, dass es sich bei unseren Tieren um eine extrem ähnliche, aber eben doch andere Art handelt, schreiben wir den Artnamen mit cf. ( das bedeutet „vergleiche mit“). Wir nehmen an, dass Geophagus cf. camopiensis „Araguari“ mit dem 1988 erstmals importierten G. sp. „Araguari“ identisch ist.

Es gibt übrigens in Amapá noch mindestens eine weitere Geopagus-Art, die wir erstmals 2013 importieren konnten. Dabei handelte es sich zweifellos um eine Form aus dem G.-altifrons-Formenkreis mit sehr kleinem Flankenfleck. 

Geophagus cf. camopiensis „Araguari“ ist ein farbenfroher, gut haltbarer Erdfresser. Man sollte die Wassertemperaturen eher im oberen Bereich halten (26-28°C, zur Zucht 30-32°C), ansonsten sind die Fische gut anpassungsfähig. Es wird nach Art der Offenbrüter abgelaicht, die Jungen nach dem Schlupf aber im Maul weiter bebrütet. Beide Elterntiere beteiligen sich an der Maulbrutpflege. Es handelt sich also – auf fachchinesisch gesagt – um biparentale, larvophile Maulbrüter. Die Maximallänge dieser Tiere beträgt 18-20 cm. In der Natur sind sie – ähnlich wie andere Geophagus – oft in Gruppen anzutreffen. Es sind also vergleichsweise friedfertige Großcichliden, wobei man stets bedenken muss, dass das Verhalten von Buntbarschen stark von der Beckengröße und -einrichtung beeinflusst wird. Wie bei allen Geophagus-Arten ist eine große Fläche mit Sand zum Durchkauen auf Dauer lebensnotwendig, Zum Ablaichen sind einige größere, flache Steine vorzusehen.

Herzlichen Dank an Andreas Jekel für die Diskussion und die Bilder erwachsener Tiere!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 675322 (6-8 cm) und 675323 (8-10 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text: Frank Schäfer, Fotos: Frank Schäfer & Andreas Jekel