Neue Importe stellen bezüglich ihrer Identifikation häufig ein mächtiges Problem dar. Ein gutes Beispiel hierfür ist der hübsche Salmler aus Peru, den wir gerade nach genau 25 Jahren wieder einmal importieren konnten, dessen Identität aber noch äußerst fragwürdig ist. Damals identifizierten wir die Tiere aufgrund der zur Verfügung stehenden Daten als Acrobrycon ipanquianus, eine Idee, die sich aufgrund neuerer Forschungsergebnisse zu A. ipanquianus nicht aufrecht erhalten lässt.

Auf den ersten Blick erinnert der kleine (ca. 3 cm) Fisch stark an den Blauen Perusalmler, Knodus borki. Auf den zweiten unterscheidet er sich deutlich von jener Art durch die kirschrote Fettflosse. Das Merkmal der roten Fettflosse ist bei Salmlern ganz allgemein äußerst ungewöhnlich und wird im Fall der Neuimporte von allen Exemplaren in jeder Stimmungslage gezeigt, ist für lebende Tiere also arttypisch. Leider verschwinden rote und gelbe Farben bei konservierten Fisch sehr schnell. In wissenschaftlichen Artbeschreibungen wird ein solches Merkmal also nur dann erwähnt werden, wenn die Lebendfärbung bekannt ist. Das ist jedoch nur sehr selten der Fall.
Die Gattung Knodus bildet zusammen mit ihrer unmittelbaren Schwestergattung Bryconamericus einen großen Artenkomplex. Der Gattung Bryconamericus werden nach fishbase (Abgerufen am 18. März 2026) aktuell 81 Arten zugeordnet, Knodus 29 Arten. Dabei gibt es eine gewisse Überlappung. Der einzige Unterschied zwischen Bryconamericus und Knodus liegt darin, dass bei Knodus Teile der Schwanzflosse beschuppt sind und bei Bryconamericus nicht. Es gibt aber Bryconamericus-Arten, die wenige große Schuppen am Übergang zwischen Rumpf und Schwanzflosse haben. Es gibt darum Ichthyologen, die in Knodus nur ein Synonym zu Bryconamericus sehen. Das macht die Auswertung der Literatur schwierig. Lebendfotos gibt es von kaum einer der 110 Arten. Unser Neuimport hat – auf manchen unserer Fotos sehr gut erkennbar – eine recht dichte Beschuppung am proximalen Teil des unteren Schwanzflossenlappens. Es handelt sich also höchstwahrscheinlich um einen Knodus, aber es gibt derzeit keine Möglichkeit einer sicheren Bestimmung unserer Neuimporte.
Im Moment deutet alles darauf hin, dass es sich bei Knodus sp. „Red Adipose Fin“ entweder um eine unbeschriebene Art oder aber um das Mitglied einer weiteren Salmlergattung handelt, die wir derzeit nicht auf dem Schirm haben. Auch wenn es angesichts der vielen Arbeit, die wir bereits in den Versuch einer Bestimmung gesteckt haben, etwas unbefriedigend ist, sollte man es darum vorerst bei der provisorischen Bezeichnung Knodus sp. „Red Adipose Fin“ belassen.
Die Beobachtung dieses lebhaften und schönen Fische macht viel Spaß. Er verfügt über ein ausgeprägtes Farbwechselvermögen. Ein Humeralfleck fehlt völlig. Statt dessen gibt es ein schwarzes Längsband, das entlang der Körpermitte läuft und am Kiemendeckelrand beginnt und am Ende der Schwanzflosse endet. Die Farbzellen, die das dunkle Pigment enthalten und das Längsband bilden, können vom lebenden Fisch so stark zusammengezogen werden, dass er von einem Moment zum nächsten völlig transparent erscheint. Farblich fällt der herrlich blau irisierende Rücken und die rote Fettflosse auf. Zusätzlich kann die Afterflosse rot werden und ab und zu erscheint ein roter Fleck an der Basis der Schwanzflosse. Bezüglich der Pflege stellten sich die neuen Knodus sp. „Red Adipose Fin“ als völlig problemlos heraus, sie fressen alles übliche Futter und zeigen in weichem wie mittelhartem Wasser bei 22-26°C offensichtliches Wohlbefinden.
Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 264748 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Text & Photos: Frank Schäfer


