Malapterurus beninensis – Friedlicher Zitterwels

10. April 2026

Lange Zeit glaubte man, dass es nur zwei Arten Zitterwelse gäbe, nämlich den weit verbreiteten Malapterurus electricus und den kongolesischen M. microstoma. Dann erschienen praktisch zeitgleich zwei unabhängige Revisionen der Gattung, eine von Roberts (2000) und eine von Norris (2002), die die Artenzahl drastisch erhöhten, allerdings war es lange Zeit kniffelig zu klären, welche der doppelt beschriebenen Arten genau gemeint waren. Aktuell gelten 16 Arten als wahrscheinlich gültig, bei zwei weiteren herrscht Unsicherheit; die Artunterscheidung ist ohne Röntgenaufnahmen und konservierte Exemplare allerdings kaum möglich, denn die Artunterschiede liegen in allererster Linie in der Anzahl der Wirbel und der Anordnung der Zähne. Somit bleibt stets ein gewisses Risiko, eine andere als die gewünschte Art zu erhalten. Die Herkunft ist allerdings ein guter Anhaltspunkt. In den küstennahen Tiefländern von Nigeria, von wo praktisch alle exportierten Zierfische dieses Staates kommen, gibt es nur M. beninensis. Zwei weitere, großwüchsige Arten (um 60 cm und größer) gibt es in Nigeria, nämlich M. electricus und M. minjiriya. Sie scheinen aber mehr in Inland-Gewässern vorzukommen und werden, so weit wir das beurteilen können, nie als Zierfische exportiert. Rein optisch gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen den drei Arten, so weit man das aufgrund der wirren Literaturlage und der Tatsache, dass die meisten Informationen auf konservierten Exemplaren beruhen, überhaupt sagen kann. Es ist allerdings zu erwarten, dass die beiden großwüchsigen Arten bereits als Jungtiere durch extreme Unverträglichkeit gegen Artgenossen auffallen würden, wie sie seit Beginn der modernen Aquarienkunde (ab ca. 1890) immer wieder berichtet wurde; damals kamen relativ viele Zier- und Zoofische aus dem Nil in Ägypten, wo M. electricus die einzige Zitterwels-Art ist.

Die regelmäßig importierte Zitterwels-Art aus Nigeria wird im Handel immer noch meist als M. electricus bezeichnet, auch bei uns. In Wirklichkeit handelt es sich aber um M. beninensis, eine Art, die bereits 1855 von Murray aus dem Old Calabar River in Nigeria beschrieben wurde. Der Grund für die beständige Weiterverwendung des falschen Namens liegt in der internationalen Handelsbürokratie, die Namensänderungen oder -korrekturen nur unter hohem Aufwand möglich macht; für Arten mit nur unbedeutendem Marktanteil, wie den Zitterwelsen, lohnt solch ein Aufwand nicht. Für Zitterwels-Verhältnisse bleibt M. beninensis mit etwa 25 cm maximaler Endgröße (meist deutlich kleiner) verhältnismäßig klein und hat zudem den Vorteil, auch innerartlich nicht so unverträglich zu sein, wie man das von anderen Zitterwelsen leider immer wieder feststellen muss. Im Gegenteil: die Tiere suchen aktiv die Gesellschaft von Artgenossen. In einem bevorzugten Tagesversteck oder Liegeplatz sind immer mehrere Tiere eng aneinandergekuschelt anzutreffen. Untereinander setzen diese Zitterwelse ihr elektrisches Organ übrigens nicht ein. Farblich ist die Art sehr variabel, besonders, was das Fleckenmuster angeht. Manche Exemplare sind sehr stark gefleckt, andere kaum. Zudem gibt es zwei Körpergrundfärbungen, eine mehr rosa, eine etwas gelblich. Im Verhalten und sonstigem Aussehen sind aber alle Farbvarianten gleich.

In der Literatur wird grundsätzlich zur Einzelhaltung von Zitterwelsen geraten. Ausreichend Platz, gute Fütterung und reichlich Versteckplätze machen das bei M. beninensis aber nicht nötig – im Gegenteil! Und so könnte M. beninensis ein geeigneter Kandidat sein, um das nach wie vor völlig unbekannte Fortpflanzungsverhalten von Zitterwelsen zu erforschen. Kurz vor seinem Tod war der exzellente Aquarianer und bedeutende Ichthyologe Joachim Knaack offenbar kurz davor, es zu schaffen, jedenfalls stellte er in einem Telefonat in Bälde einen Zuchtbericht in Aussicht. Es kam dann anders, doch sollte dies für andere als Ansporn dienen, es zu versuchen. 

Die Pflege von M. beninensis ist einfach, jedes Frost- und Lebendfutter passender Größe wird willig angenommen, die meisten Exemplare fressen früher oder später auch Granulate. An die Wasserzusammensetzung stellen die Welse keine besonderen Anforderungen. Gegen artfremde Fische, die als Futter nicht in Frage kommen, verhalten sich M. beninensis in aller Regel indifferent. Man hüte sich davor, diese Fische anzufassen. Sogar die elektrischen Schläge, die lediglich 4-5 cm lange Exemplare austeilen, sind sehr schmerzhaft, wenn auch für gesunde Menschen ungefährlich. Man sagt, dass die Stromstöße von Zitterwelsen 350-450 Volt erreichen können.

Für unsere Kunden: die Zitterwelse haben – je nach Größe – Code 146000 (3-5 cm) bis 146006 (18-20 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer