Die Reisfische oder Medakas haben eine lange aquaristische Tradition. Schon im 19ten Jahrhundert wurden so genannte „Goldhaplochilus“ – nichts anderes als eine gelbe Zuchtform des Japanischen Reisfisches, Oryzias latipes – als Zierfische nach Europa exportiert; sie gehören somit zu den allerersten importierten exotischen Zierfischarten. Allerdings führten die hier ein Schattendasein und galten als empfindlich und schwierig. Daher wurden sie hauptsächlich von Spezialisten gepflegt und gezüchtet, bis in den frühen 2000ern, also gut 200 Jahre später, ein Hype auf diese Fische in Japan einsetze und nach Europa herüberschwappte.

Gleichfalls rasant entwickelte sich die wissenschaftliche Erforschung dieser Tiere in der jüngsten Zeit. Nur wenige, „variable“ Arten wurden bis ca. 1980 unterschieden, dann erfolgten wissenschaftliche Untersuchungen in rascher Folge und aktuell sind mehr als 40 Arten allgemein akzeptiert, von denen 25 erst ab 1990 beschrieben wurden. Die Insel Sulawesi ist ein Hotspot der Artenvielfalt bei den Reisfischen. Auf der relativ kleinen Insel lebt gut die Hälfte aller bekannten Reisfisch-Arten.
Zu den Sulawesi-Arten gehört Oryzias eversi, der 2012 wissenschaftlich beschrieben wurde. Es gibt zwei Fortpflanzungstypen bei Reisfischen. Die eine Gruppe streift die Trauben abgelegten Eier an Pflanzen etc. ab und überlässt sie dort sich selbst. Die andere Gruppe wird als „Bauchflossenbrüter“ bezeichnet. Bei ihnen haben die Weibchen verlängerte Bauchflossen und eine spezielle Kerbe am Bauch. Die an Fäden haftenden Eier werden so lange in diesem Bereich vom Weibchen mit sich herumgetragen, bis die Jungen schlüpfen (18-19 Tage bei 24°C). Früher wurden diese Bauchflossenbrüter in eine eigene Gattung, Xenopoecilus, gestellt, gegenwärtig zählt man sie zu Oryzias.
Leider ist O. eversi akut vom Aussterben bedroht, denn die Art ist bislang nur aus einem einzigen Gewässer bekannt. Dabei handelt es sich um einen im Karst befindlichen Teich, der von der lokalen Bevölkerung als natürlicher Swimming Pool genutzt wird. Damit einher gehen natürlich unkalkulierbare Verschmutzungsgefahren. Eine einzige Dosis einer versehentlich oder absichtlich eingebrachten Chemikalie kann den Weltbestand dieser interessanten Fischart in der Natur erlöschen lassen. Glücklicherweise haben sich verschiedene Aquarianer und Institutionen der Erhaltungszucht von Oryzias eversi verschrieben. Damit diese Erhaltungszucht langfristig funktionieren kann, muss der Absatz der Nachzuchten gewährleistet sein. Und so haben wir gerade eine größere Stückzahl aus einem Zoo übernommen. Mit dem Kauf dieser interessanten Fischart leisten Sie, liebe Aquarianer, einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz.
Die Pflege und Zucht der Art sind leicht. Sie möchte eher härteres Wasser mit leicht alkalischem pH-Wert, die Wassertemperaturen können zwischen 20 und 26°C liegen (besser im unteren Bereich der Skala). Es wird jedes handelsübliche Zierfischfutter passender Größe gefressen. Die Geschlechter der maximal 4- 4,5 cm langen Art sind anhand der unterschiedlich geformten Afterflossen schon früh erkennbar. Die Weibchen sind Schwarmfische, die gerne in kleinen Schulen schwimmen, in denen sich auch unreife Männchen befinden können. Geschlechtsreife Männchen färben sich rußig-schwarz ein und sind etwas einzelgängerischer. Insgesamt handelt es sich um eine friedliche Art, deren Pflege und Zucht kaum nennenswerte Probleme bereitet.
Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 339653 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Text & Photos: Frank Schäfer


