Phenacogrammus sp. „Fantastique“

13. Februar 2026

Seit dem Jahr 2018 macht eine relativ kleine Salmlerart aus dem zentralen Kongobecken von sich reden: Phenacogrammus sp. „Fantastique“. Bislang findet man aber nur sehr wenig Literatur zu diesen Tieren, was angesichts der (für einen afrikanischen Alestiden) geringen Größe und der zumindest zeitweise wunderschönen Färbung der Männchen dann doch etwas erstaunt. Wissenschaftlich untersucht wurden diese Tiere bislang unseres Wissens nicht. Bereits die Zuordnung zur Gattung Phenacogrammus ist somit fragwürdig, denn die Gattungseinteilungen afrikanischer Kleinsalmler sind seit jeher Gegenstand kontroverser Debatten unter den damit befassten Ichthyologen. 

Die äußerlich erkennbaren artspezifischen Merkmale des Phenacogrammus sp. „Fantastique“ sind – abgesehen von der herrlichen Färbung balzaktiver Männchen, die sie jedoch erst nach längerer Eingewöhnungszeit zeigen – ein schlanker Körperbau, ein deutlich ausgeprägter Schulterfleck ( = Humeralfleck), die mittleren Strahlen der Schwanzflosse bei Männchen schwarz gefärbt, bei großen Männchen ragen diese schwarz gefärbten mittleren Schwanzflossenstrahlen in Form einer fädigen Verlängerung über den Hinterrand der Schwanzflosse hinaus und als wichtiges, wenn auch auf den ersten Blick unscheinbares Merkmal, eine deutlich sichtbarer weißer Punkt auf der Fettflosse. Nimmt man alle diese Merkmale und die Herkunft (zentrales Kongobecken) zusammen und geht davon aus, dass es sich um eine bereits wissenschaftlich erfasste Art handelt, so spricht sehr viel für eine Identität des Phenacogrammus sp. „Fantastique“ mit P. deheyni. Erst kürzlich (2021) wurden zwei ähnliche Kongosalmler aus dem zentralen Kongobecken neu beschrieben, nämlich Phenacogrammus flexus und P. concolor. Im Zuge der Abgrenzung dieser beiden neuen Arten mit den bereits bekannten Spezies, wurden auch die vier anderen aus dem zentralen Kongobecken bekannten Arten (P. polli, P. deheyni, P. aurantiacus und P. interruptus) überprüft; eine Identität des Phenacogrammus sp. „Fantastique“ mit allen Arten außer P. deheyni und P. concolor kann aufgrund dieser Arbeit ausgeschlossen werden. Leider ist die Lebendfärbung von P. concolor unbekannt. Darum bleibt man für die Aquarienimporte vorerst besser bei Phenacogrammus sp. „Fantastique“ als Namen.

Wegen der komplexen politischen Situation im Kongo und wegen großer logistischer Probleme dort ist Phenacogrammus sp. „Fantastique“ ein nur sehr selten importierter Fisch, der zudem teuer ist. Wie so viele Alestiden ist die Art außerdem transportempfindlich. Jedes Umsetzen sollte gut überlegt sein. Die Tiere brauchen stets recht lange, bis sie sich gut eingewöhnt haben und sind in dieser Zeit naturgemäß krankheitsanfällig. Der Fundort wird wie folgt geschildert: ein colafarbener, flacher Waldbach, der in den Likouala fließt. Sehr weiches, saures Wasser (pH 4,5, Leitwert 15 µS/cm), Wassertemperatur um 11.30 im Februar (Trockenzeit) 24°C, heller Sandboden, Holzeinlagerungen und Totlaub, keine Unterwasserpflanzen. Die Tiere schwimmen in der Trockenzeit in Schulen von 30-50 Exemplaren (Numrich, 2018).

Die Maximallänge von Phenacogrammus sp. „Fantastique“ soll laut Internet-Angaben, die wir nicht überprüfen können, um 8 cm liegen (damit ist wahrscheinlich die Totallänge, also mit Schwanzflosse, gemeint), Numrich (2018) gibt 6 cm Länge an. Die Maximallänge von P. deheyni wird in der aquaristischen Literatur mit fast 10 cm angegeben, die adulten Beschreibungsexemplare waren aber nur 5-6 cm lang (inkl. Schwanzflosse) und sowohl P. flexus wie auch P. concolor haben eine Standardlänge (ohne Schwanzflosse) von unter 5 cm. Die für diesen Post fotografierten Tiere sind inkl. Schwanzflosse etwa 5 cm lang und gerade geschlechtsreif. Es handelt sich bei „Fantastique“ also um einen kleinen Fisch.

Die knallrote Färbung, die die Männchen wohl zur Balzzeit zeigen, konnten wir leider noch nicht beobachten. Aber das kennt man ja von Salmlern, man denke nur an Hemigrammus coeruleus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemigrammus-coeruleus-3/). In der Normalfärbung wirken Männchen orange-kupferfarben mit rötlichen Flossen und zwei tiefroten Tupfen in der Schwanzflosse; die Weibchen sind schlichter gefärbt. Im Sozialverhalten, der Futterannahme etc. konnten wir noch keine Unterschiede zum altbekannten Kongosalmler (P. interruptus) feststellen. Es sei an dieser Stelle darum auf die reichhaltige Literatur zu diesem Fisch verwiesen.

Alles in allem ist Phenacogrammus sp. „Fantastique“ ein spannender Neuzugang, dem man eine weite Verbreitung wünscht!

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 159102 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Numrich, R. (2018): Kongosalmler aus dem Herzen Afrikas. Amazonas Heft 75 (14) 1: 20-27

Poll, M. (1945): Descriptions de Mormyridae et de Characidae nouveaux du Congo belge avec une étude du genre Stomatorhinus et des genres de Characidae nains africains. Revue de Zoologie et de Botanique Africaines v. 39 (no. 1): 36-77

Stiassny, M. L. J., Alter, S. E., Monsembula Iyaba, R. J. C. and T. L. D. Liyandja (2021): Two new Phenacogrammus (Characoidei; Alestidae) from the Ndzaa River (Mfimi-Lukenie basin) of Central Africa, Democratic Republic of Congo. American Museum Novitates No. 3980: 1-22

Text & Photos: Frank Schäfer