Pristobrycon careospinus ( = Serrasalmus careospinus)

6. Februar 2026

Im Jahr 1992 beschrieben W. L. Fink und A. Machado-Allison zwei Piranha-Arten der Gattung Pristobrycon aus Flüssen des Rio-Atabapo-Einzuges (Venezuela): P. careospinus und P. maculipinnis. Die beiden Arten unterscheiden sich farblich. Während P. maculipinnis kleine Punkte am Körper und Flecken in den senkrechten Flossen zeigt, sind die Flossen bei P. careospinus ohne Zeichnung und die Flecken am Körper groß. Leider lagen den Wissenschaftlern nur wenige Exemplare vor. Von P. maculipinnis hatten sie sechs Exemplare, von P. careospinus sogar nur eines. Das ist angesichts der bekannt großen farblichen Variabilität von Piranhas und der ebenfalls berühmt-berüchtigten Farbwechsel dieser Fische, die sie während ihres Wachstums durchlaufen (wissenschaftlich nennt man das ontogenetische Farbwechsel) natürlich problematisch. 

Im Jahr 2006 tauchten erstmals farblich sehr beeindruckende Piranhas aus Venezuela im Zierfischmarkt auf. Sie wurden damals als Pristobrycon maculipinnis bestimmt, wobei es als wahrscheinlich angesehen wurde, dass P. maculipinnis und P. careospinus die gleiche Spezies darstellen würden.

Nun gelang uns endlich wieder der Import dieser wunderschönen Piranhas, diesmal von vier Exemplaren. Inzwischen halten wir die 2006 importierten und auch die jetzt wieder eingeführten Pristobrycon für Angehörige der Art P. careospinus und denken, dass die frühere Annahme, P. careospinus und P. maculipinnis seien identisch, ein Irrtum war.

Der Unterschied zwischen Pristobrycon und anderen Piranha-Gattungen ist äußerlich nicht erkennbar. Es handelt sich dabei um ein Knochenmerkmal, nämlich das Gaumendach (in wissenschaftlichen Publikationen als Palatin oder Ectopterygoid bezeichnet). Dieses ist bei typischen Serrasalmus-Arten bezahnt, bei Pygocentrus-Arten glatt und unbezahnt und bei Pristobrycon-Arten rau und unbezahnt. Neuere molekularbiologische Untersuchungen sehen P. careospinus nicht mehr in der Gattung Pristobrycon, sondern ordnen sie bei Serrasalmus ein. Dann heißt die Art folglich Serrasalmus careospinus.

Über das Verhalten dieser Art ist so gut wie nichts bekannt. In der Natur tritt sie offenbar meist einzeln auf. Im Aquarium sind Piranhas häufig notorische Flossenbeißer, was eine dauerhafte Einzelhaltung nötig machen kann. Andererseits hat Oliver Lucanus (mündl. Mitt.) zumindest eine zeitlang eine Gruppe der wunderschönen Art, die wir hier vorstellen, unter der Bezeichnung P. maculipinnis gemeinsam gepflegt. Insgesamt werden die Vertreter der Gattung Pristobrycon (im herkömmlichen Sinne) nur äußerst selten im Aquarium gepflegt, was schade ist, denn alle Arten bleiben gewöhnlich unter 20 cm Totallänge und sind teils sehr attraktiv gefärbt. Detaillierte Pflegeberichte fehlen in der aquaristischen Literatur, von Zuchtberichten ganz zu schweigen. 

Die Bilder zeigen Exemplare des Importes von 2006 und eine Collage der vier gerade bei uns angekommenen Tiere, die sich naturgemäß noch von den Strapazen des Transportes erholen müssen, aber offensichtlich kerngesund sind.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 283285 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern. 

Text: Frank Schäfer, Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml