Sewellia patella

30. Januar 2026

Die Vertreter der Gattung Sewellia werden umgangssprachlich auch als „Prachtflossensauger“ bezeichnet, da ihre Zeichnung häufig sehr kontrastreich ist. Es gibt aber auch schlicht gefärbte Arten, wie die zuletzt wissenschaftliche beschriebene Spezies, S. pudens Kottelat, 2025. Es sind insgesamt 15 Sewellia-Arten benannt worden, doch wie viele davon auch gültig sind, ist wegen teilweise sehr unzureichender Qualität mancher Beschreibungen schwer zu sagen.

Kein Zweifel besteht aber über die Gültigkeit von Sewellia patella. Man kennt die Art bislang aus den Einzügen des Ba (Da Rang) River und des Sesan River, beide in Zentral Vietnam (Provinzen Gia Lia und Kon Tum). Diese Art ist der bekannten S. lineolata (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/sewellia-lineolata/, dort auch alle relevanten Pflege- und Zuchthinweise) auf den ersten Blick recht ähnlich, aber durch die Färbung deutlich unterschieden. S. lineolata, S. marmorata und S. pterolineata, die allesamt beim flüchtigen Hinsehen mit S. patella verwechselt werden könnten, haben ein schwarzes Band entlang der Außenseite der Brustflossen, das bei S. patella vollständig fehlt.

Ganz sicher kann man sein, wenn man die Tiere von unten betrachtet. Als einzige „gesicherte“ Sewellia-Art (S. analis, eine der fragwürdigen Arten, soll dieses Merkmal auch zeigen) hat S. patella zwei halbkreisförmige Fortsätze an der Afterflosse, deren Sinn oder Funktion unbekannt sind. Vermutlich stehen sie aber im Zusammenhang mit der Fortpflanzung bzw. dem Verhalten der Geschlechter zueinander, da diese Fortsätze bei Männchen und Weibchen unterschiedlich geformt sind. Ein weiterer Geschlechtsunterschied besteht in lappenartigen Fortsätzen auf der Oberfläche der Bauchflossen, die allerdings bei lebenden Tieren schwer zu erkennen sind. Diese Fortsätze sind bei den Männchen größer als bei den Weibchen.

In der Erstbeschreibung liefern die Autoren Freyhof und Serov auch wertvolle Hinweise zum natürlichen Lebensraum. Nach ihren Beobachtungen bevorzugt S. patella stärker strömende Gewässerteile als z.B. S. lineolata. Die Strömungsgeschwindigkeit im Habitat von S. patella betrug zwischen 0,6 und mehr als 1 m/s. Das sollte man zumindest bei der Eingewöhnung der Tiere berücksichtigen. Ansonsten gilt nach unseren bisherigen Erfahrungen alles, was man auch bei der Pflege von S. lineolata beachten sollte. Da die Art bisher nur einem kleinen Gebiet bekannt ist und die Bestände dort stark rückläufig sind, gilt sie als gefährdet. Es ist darum wünschenswert, eine stabile Aquarienpopulation aus Nachzuchten aufzubauen. Die bislang dokumentierte Maximallänge von S. patella beträgt 49 mm (Standardlänge ohne Schwanzflosse).

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 455113 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer