Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“

6. März 2026

Die Gattungseinteilung bei den alestiden Salmlern Afrikas ist Gegenstand unaufhörlicher Debatten und ein Ende ist nicht abzusehen. Speziell bei den aquaristisch bedeutsamen Kongosalmlern geht es ständig hin und her. Erst kürzlich wurde in der aktuellsten Checkliste der Salmlerartigen Fische (Toledo-Piza et al, 2024) der dem „normalen“ Kongosalmler (Phenacogrammus interruptus) auf den ersten Blick sehr ähnliche P. bleheri in der Gattung Alestopetersius geführt. In Alestopetersius gibt es aktuell 12 akzeptierte Arten. Viele sind einander sehr ähnlich und schwer zu identifizieren. Gut erkennbar ist A. smykalai aus dem Niger, aber die Arten aus dem Kongo – der ganze Rest – ist arg kniffelig. Männchen in Balzfärbung sind zwar artcharakteristisch gefärbt, aber bis sie in Balzstimmung kommen, kann dauern – etliche Wochen bis Monate. So lange können wir im Handel aus verständlichen Gründen nicht warten.

Kürzlich erhielten wir aus dem Kongo eine Sendung Kongosalmler unter der Bezeichnung „Alestopetersius brichardi“. Diese Art gibt es und eine rasche Google-Bildersuche mit diesem Namen ergab in der Trefferliste u.a. unseren Fisch. Inzwischen (nach 10 Tagen) haben sich einige Männchen ausgefärbt und uns kamen große Zweifel. Die letzte Revision aller Alestopetersius-Arten ist glücklicherweise noch nicht lange her, sie erfolgte 2012 durch Mbimbi Mayi Munene & Stiassny anlässlich der Beschreibung einer neuen Art. Demnach ist A. brichardi ein schlanker Fisch mit einem breiten schwarzen Längsband, das sich bis ans Ende der Schwanzflosse durchzieht. Sehr ähnlich ist A. leopoldianus (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/alestopetersius-leopoldianus/). Unser Fisch hingegen ist deutlich hochrückiger, das Längsband (das nur in bestimmten Beleuchtungssituationen überhaupt sichtbar ist) ist wesentlich schmaler und auf der Schulter befindet sich ein senkrechter Humeralfleck, der bei A. brichardi fehlt.

Wir haben uns entschlossen, unseren Neuimport lieber ohne „richtigen“ Namen zu lassen und benennen ihn statt dessen nach dem Fundort. Nach Auskunft des Lieferanten wurden diese Tiere im Kwilu River, einem der größeren Zuflüsse des Kasai River, unweit der Stadt Bandundu in der gleichnamigen Provinz der DR Kongo gefangen. In einer wissenschaftlichen Aufsammlung, über die 2011 publiziert wurde (Mbimbi Mayi Munene & Stiassny, 2011), werden zwei Alestopetersius-Arten aus dem Kwilu gemeldet: der neu beschriebene A. conspectus (diese Art unterscheidet sich von allen anderen A.-Arten u.a. durch eine auffällige Flaggenzeichnung der Schwanzflosse) und A. sp. “mbuji” ; letztere Art lag leider nur in einem nicht näher beschriebenen Exemplar vor, dessen DNS-Analyse aber zeigte, dass es sich um eine neue, wissenschaftlich noch nicht erfasste Art handelt. Von den beschriebenen Arten erscheint uns die Ähnlichkeit zu A. bifasciatus wegen des hohen Anteils an Schwarzfärbung in der Schwanzflosse am größten.

Solche Neuheiten sind aus mehreren Gründen verhältnismäßig teuer und Debatten darüber, wer bei der Bestimmung und Namensfindung recht hat, sind kontraproduktiv für die Verbreitung der Tiere im Hobby, da dabei immer unterschwellig der Verdacht mitläuft, irgend jemand in der Handelskette Fänger-Aufkäufer-Exporteur-Importeur-Großhandel-Einzelhandel hätte betrügerische Absichten. Ohne jeden Zweifel sind die neu importierten Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ wunderschöne Fische. Man kann nur jedem an afrikanischen Salmlern Interessierten raten, zuzugreifen, denn wann und ob ein neuerlicher Import dieser Fische gelingt, ist höchst ungewiss.

Unsere Exemplare haben sich bislang als robust und gesund erwiesen. Das fotografierte alpha-Männchen (erkennbar an den weißen Flossensäumen) ist ca. 5,5 cm lang (inklusive Schwanzflosse), Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ scheint also verhältnismäßig klein zu bleiben (ein bis zwei Zentimeter werden die Tiere aber wohl noch zulegen). Die Anpassung an das Aquarienleben ist gut. Aus Erfahrung mit anderen Kongosalmlern wissen wir, dass lediglich zur Zucht auf weiches, leicht saures Wasser geachtet werden muss. Der einzige fest im Hobby etablierte Alestopetersius ist der Gelbe Kongosalmler (A. caudalis), der inzwischen fast ausschließlich als Nachzucht angeboten wird. Zu dieser Art siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/alestopetersius-caudalis-3/ .

Der neue Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ ist völlig friedlich. Man sollte ihn in möglichst großem Trupp von Artgenossen in einem dicht bepflanzten Aquarium, das aber auch genug Schwimmraum lässt, bei nicht zu grellem Licht pflegen. Jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die schönste Flossenentwicklung zeigen Alestopetersius allerdings erfahrungsgemäß in weichem, leicht sauren Wasser (pH um 6). Die Temperatur sollte zwischen 22 und 28°C liegen. Gefressen wird alles Futter tierischen Ursprungs, egal ob Trocken-, Frost- oder Lebendfutter. Eine besondere Freude macht man den Tieren durch die Verfütterung von kleinen Fruchtfliegen (Drosophila), ein Trick, den Züchter anwenden, um einen möglichst üppigen Laichansatz beim Weibchen von A. caudalis zu erzielen.

Für unsere Kunden: Alestopetersius sp. „Kwilu-Bandundu“ hat Code 100193 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Boden. G. in Toledo-Piza, M., E. G. Baena, F. C. P. Dagosta, N. A. Menezes, M. Ândrade, R. C. Benine, V. A. Bertaco, J. L. Birindelli, G. Boden, P. A. Buckup, P. Camelier, F. R. Carvalho, R. M. C. Castro, J. Chuctaya, E. Decru, E. Derijst et al. (2024): Checklist of the species of the Order Characiformes (Teleostei: Ostariophysi). Neotropical Ichthyology v. 22 (no. 1): e230086: 1-548.

Mbimbi Mayi Munene, J. J. & M. L. J. Stiassny (2011): Fishes of the Kwilu River (Kasai basin, central Africa): A list of species collected in the vicinity of Kikwit, Bandundu Province, Democratic Republic of Congo. Check List 7 (5): 691-699

Mbimbi Mayi Munene, J. J. & M. L. J. Stiassny (2012): A new Alestopetersius (Characiformes: Alestidae) from the Kwilu River (Kasai basin) of central Africa; with a phylogeny for the genus and synonymy of Duboisialestes. Zootaxa No. 3166: 59-68.

Poll, M. (1967): Révision des Characidae nains Africans. Annales, Musée Royal de l’Afrique Centrale, Tervuren, Série in 8o, Sciences Zoologiques No. 162: 1-158.

Text & Photos: Frank Schäfer