Ataeniobius toweri Lago de Creda

29. April 2026

Die Hochlandkärpflinge (Goodeidae) sind eine relativ artenarme Gruppe von vorwiegend lebendgebärenden Kleinfischen. Die lebendgebärenden Arten sind in der Unterfamilie Goodeinae zusammengefasst, die nach gegenwärtigem Wissensstand 16 Gattungen mit 42 Arten enthält. Alle lebendgebärenden Arten stammen aus Mexiko. Viele von ihnen gibt es nur in winzigen Verbreitungsgebieten. Wassernutzung für die Landwirtschaft, Wasserverschmutzung, Einbringung gebietsfremder Arten und andere menschliche Aktivitäten haben viele Arten an den Rand der Ausrottung gebracht, manche gibt es bereits nur noch in menschlicher Obhut.

Zu letzteren gehört teilweise Ataeniobius toweri. Die Art kommt ausschließlich im Quellbereichen von thermalen Bächen vor. Ihre Heimat ist der Bundesstaat San Luis Potosí, das hydrologische System ist das des Rio Verde. Es gibt nur die eine Ataeniobius-Art; in den Zuchtprogrammen der „Goodeid Working Group“, die sich der Erhaltungszucht der Hochlandkärpflinge widmet (siehe https://goodeidworkinggroup.com) werden derzeit 5 Standortformen erbrein gezüchtet, eine davon ist Lago de Creda (das Züchterkürzel für diese Population lautet Atato1-VER-LCred), die wir jetzt in kleiner Stückzahl anbieten können. Es ist unter dem Aspekt des Artenschutzes wichtig, diese genetisch besonderen Populationen getrennt voneinander zu pflegen und zu züchten, sie sollten daher, wenn irgend möglich, stets mit Populationsbezeichnung weitergegeben werden. Äußerlich unterscheiden sich die 5 in der Zucht befindlichen Standortformen nicht.

Ataeniobius toweri unterscheidet sich von allen anderen Goodeinae dadurch, dass die bei der Geburt bereits recht großen Jungtiere keine Nährschnüre (Trophotaenien) am Bauch haben. Alle andere Goodeinen haben das. Die Trophotaenien dienen der Ernährung der Jungfische im Mutterleib während der Trächtigkeit. Anders als die Lebendgebärenden Zahnkarpfen (z.B. Guppy, Platy, Molly etc.) sind nämlich die Goodeinae „richtig lebendgebärend“, d.h., die Jungtiere schlüpfen im Mutterleib aus den Eiern und werden vom Muttertier bis zur Geburt mit Nährstoffen versorgt. Bei den Zahnkarpfen entwickeln sich hingegen die Eier bis zum Ablaichen im Mutterbauch so weit, dass die Jungtiere im Moment des Ablaichens schlüpfen. Man spricht darum von „eilebendgebärenden Fischen“.

Die meisten Goodeinen gedeihen am besten, wenn sie in der warmen Jahreszeit (in Mitteleuropa ca. Mai bis Oktober) im Freiland bei wetterbedingt schwankenden Bedingungen gepflegt werden. Das gilt auch für Ataeniobius toweri. Aber gerade diese Art scheint durch das Leben in thermalen Quellen etwas weniger problematisch in der längerfristigen Zimmerhaltung zu sein.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei A. toweri, die übrigens etwa 8 cm Standardlänge (also ohne Schwanzflosse) erreichen können, nur wenig. Balzaktive Männchen bekommen eine bläuliche Schwanzflosse, in der Hochbalz zieht sich der blaue Glanz über den ganzen Körper und überdeckt die ansonsten so typischen zwei Längsstreifen. Ansonsten ist man auf die unterschiedlich geformte Afterflosse zur Geschlechtsunterscheidung angewiesen (funktioniert bei allen Goodeinen). Zusätzlich haben männliche A. toweri insgesamt etwas größere Flossen. In der Natur frisst A. toweri wohl hauptsächlich Algen, im Aquarium werden sehr gerne Flockenfutter und Artemia-Nauplien gefressen. Das Wasser sollte eher hart, der pH neutral bis schwach alkalisch sein. Das Temperaturminimum für mehrere Monate liegt bei ca. 18°C, sehr günstig sind 23-24°C zur Zucht. Bei ca. 28°C stellen die Tiere das Fortpflanzungsverhalten ein. Man kann und sollte A. toweri auch bei Zimmerhaltung alljährlich einige Wochen Ruhepause bei ca. 18°C gönnen. Das macht die Fische vital und robust.

Für unsere Kunden: A. toweri Lago de Creda hat Code 360703 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer