Eine buchstäblich kleine Sensation erreichte uns aus Vietnam: ein neuer Miniaturgurami, der zu keiner bislang beschriebenen Gattung oder Art gehört. Und die Zwerge, sie werden nur 1-2 cm lang, sind auch noch außerordentlich hübsch!

Entdeckt wurden die Tierchen von vietnamesischen Naturfreunden, die sie zuerst im September 2025 fanden. Das Vorkommensgebiet liegt in Zentralvietnam, unweit der bekannten Kaiserstadt Hue. Das Biotop ist in der englischen Liebhaberzeitschrift „Labyrinth“, dem Organ der Anabantoid Association of Great Britain (AAGB) abgebildet (Heft 216, Frühjahr 2026: 7-8). Es handelt sich um einen recht offenen Lebensraum am Fuß von einem Gebirgszug. Die chemische Wasserzusammensetzung: 22-26°C, TDS 40 (das sind etwa 2° dGH), pH 5,5.
Die neue Art ist sicherlich am engsten verwandt mit Parosphromenus (Prachtzwergguramis). Wie diese und deren enge Cousins, die Spitzschwanzmakropoden (Pseudosphromenus und Malpulutta) sind die neuen Minis Höhlenbrüter – denn die Zucht ist bereits gelungen! Leider können wir noch nichts sicheres über Geschlechtsunterschiede sagen. In neutraler Färbung haben die neuen Minis zwei Längsbänder auf beigefarbenem Grund. Wenn sie in Stimmung kommen verschwindet das dunkle Rückenband und wird durch ein ziegelrotes Band ersetzt. Entlang des mittleren Längsbandes haben die vermutlichen Männchen blaue Glitzerschuppen, während der Brutpflege wird der Bauch blitzeblau. Aber wir haben noch kein Merkmal gefunden, das es erlauben würde, die Geschlechter sicher zu unterscheiden, vor allem nicht, wenn man sie fangen will, denn dann verlieren sie schlagartig jede Farbe.
Wir schätzen den neuen Zwerg, für den der treffende, aber wissenschaftlich nicht gültige Name „Microsphromenus sp. Vietnam“ (oder auch „M. sp. XD 11“ oder „Pho Xua Gourami“) im Umlauf ist, als Spezialistenfisch ein. Diese Mini-Tiere sind aquaristisch wahrscheinlich am ehesten mit dem gleichfalls winzigen Parosphromenus ornaticauda zu vergleichen. Die Jungfischanzahl pro Gelege ist gering, auf einem Foto konnten wir 12 Larven auszählen. Die gute Nachricht: höchstwahrscheinlich werden die neuen Zwerge dafür ziemlich alt, mehrere Jahre sind zu erwarten, wenn sie ökologisch analog zu den Paros aufgestellt sind.
Als Nahrung bieten sich – wiederum analog zu den Paros – Artemia-Nauplien als Futterbasis an.
Von allem anderen abgesehen: dass so ein Zwerglabyrinther dieses Verwandtschaftskreises, über 1.200 Kilometer weiter östlich vom nächsten Paro-Fundort in Thailand, in einem ichthyologisch doch recht gut untersuchten Gebiet entdeckt wird, ist schlicht und ergreifend sensationell. Bleibt zu hoffen, dass die wenigen Exemplare, die jetzt auf dem Zierfischmarkt verfügbar sind, zu guten Züchtern gelangen, die einen Aquarienstamm des neuen Minigurami aufbauen können.
Für unsere Kunden: die Tierchen haben Code 430203 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Literatur:
Minh Thu, Wentian Shi, Le Duy Thinh & Bui Manh (2026): A new micro-osphromenoid from Vietnam. AAGB Labyrinth #216: 7-8.
Text & Photos: Frank Schäfer


