Wir haben es schon verschiedentlich erwähnt: ob die kurzflossigen Molly-Zuchtformen tatsächlich der Art Poecilia sphenops zuzuordnen sind, ist von wissenschaftlicher Seite noch nie untersucht worden. Im Hobby sind mindestens vier verschiedene Arten (P. butleri, P. mexicana, P. salvatoris und P. sphenops) mehr oder weniger regelmäßig vertreten, die sich mit normalen aquaristischen Methoden kaum unterscheiden lassen. Alle vier Arten wurden zeitweise – auch von wissenschaftlicher Seite – in der einen Art P. sphenops zusammengezogen. Aus dieser Zeit stammt die Klassifizierung, nach der die kurzflossigen Molly-Zuchtformen gewöhnlich als P. sphenops bezeichnet werden. In den über 100 Jahren, die diese Fische nun schon im Aquarium gezüchtet werden, kam es – bewusst oder unbewusst – immer wieder zu Kreuzungen. Viele dieser Kreuzungen führten zu abweichend aussehenden Exemplaren, deren Eigenschaften von den Züchtern durch geeignete Maßnahmen stabilisiert wurden. So kam es zu den vielen bunten Molly-Zuchtformen, die wir heute kennen.

Der neueste Stern am Molly-Himmel ist die sehr, sehr hübsche kurzflossige Molly-Zuchtform „Black Orange Tail“. Einen breiten orangefarbenen Schwanzflossensaum zeigen bereits viele wilde Molly-Arten und -Populationen, allerdings sind es hier im Wesentlichen ranghohe einzelne Männchen. In Südostasien ist es nun gelungen, dieses Merkmal stabil zu erzüchten, es wird unabhängig von der Rangordnung dauerhaft gezeigt. Allerdings wird man in den Becken mit diesen attraktiven Tieren vergeblich nach Weibchen Ausschau halten. Es sind ausschließlich Männchen. Wer mit diesen Tieren züchten möchte, muss also auf „normale“ Black-Molly-Weibchen zurückgreifen. Mollies der Form Black Orange Tail haben übrigens winzige, blaugrün schimmernde Glanzpunkte am Körper; das ist völlig normal und gehört so. Unsere Pfleger macht das allerdings nervös, denn auf den ersten Blick sehen diese Glanzpunkte einem Ichthyophthirius nicht unähnlich.
Pflege und Zucht von Mollies sind nicht ganz unproblematisch. Die Fische sind empfindlich gegen chemische und organische Belastungen des Wassers. Etwas Salzzugabe (1 kleiner Löffel auf 10 Liter Wasser) kann oft helfen, aber grundsätzlich sollte man auf hartes Wasser, stabilen pH-Wert über 7,5 und keimarme Bedingungen achten, um dauerhaft Freude an den Fischen zu haben. Sehr wichtig ist auch die richtige Fütterung. Mollies fressen in der Natur sehr viel pflanzliches Material in Form von Algen. Zu stark protein- und fetthaltiges Futter führt darum zu Darmerkrankungen. Das alles klingt komplizierter, als es ist. Nicht grundlos erfreuen seit dem Jahr 1909 Mollies die Aquarianer auf der ganzen Welt.
Für unsere Kunden: Poecilia sphenops Black Orange Tail hat Code 432173 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Text & Photos: Frank Schäfer


