Als um die Jahrtausendwende herum die ersten Papageien-Apistogramma aus Peru importiert wurden, stießen sie auf begeisterte Aquarianer. Es handelt sich wahrhaftig um herrlich bunte Fische. In den Folgejahren kamen diese und ähnlich Formen unter den verschiedensten Namen in den Handel: Apistogramma sp. Nanay, A. sp. Algodon1, A. sp. Algodon2, A. sp. Pebas, A. sp. Ampyacu, A. sp. Dolly, A. sp. Larinus, A. sp. Morado, A. sp. Noronha usw. und die Bezeichnung „Papagei“ wurde zusätzlich in den Schreibweisen „Papagey“ und „Papagai“ verwendet.

Oft handelte es sich bei den Importen augenscheinlich um Mix-Sendungen, darunter waren auch häufig A. cruzi und A. eunotus, aber es gab auch blitzeblaue Tiere (diese wurden später meist als „Pebas“ bezeichnet). Dieses Situation verleidete den Liebhabern etwas die Freude, denn die Weibchen sahen sich verflixt ähnlich. Wie sollte man mit so etwas züchten, ohne einen Aquarienhybriden zu schaffen?
Des Rätsels Lösung lautet: es handelte sich tatsächlich bei allen Tieren aus dem Rio Ampyacu um die gleiche, extrem polychromatische Art (die A. cruzi und A. eunotus stammten höchstwahrscheinlich aus anderen Sammelgebieten und wurden erst nachträglich den Ampyacu-Fisch beigemischt). Polychromatisch bedeutet „vielfarbig“ und bezeichnet eine Situation, in der die Färbung von Tieren der gleichen Art und Population individuell unterschiedlich ist. Die Fische kamen (und kommen) nicht aus dem Rio Nanay-Einzug (von dort stammten wahrscheinlich die A. cruzi und A. eunotus), sondern aus dem Rio Ampyacu-Einzug in Peru (Department Loreto, Distrikt Pebas). Bereits 2014 wurden sie als A. ortegai wissenschaftlich beschrieben und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „Pebas“ (die blauen) und „Papagei“ (die bunten) zur gleichen Spezies gehören.
Einen konstanten Unterschied gibt es aber doch zwischen den blauen und den Papagei-Formen: in bestimmten Stimmungen, wenn die schwarzen Zeichnungselemente besonders gut sichtbar sind, erkennt man, dass die blauen Tiere einen einfachen, eher waagerechten Schwanzwurzelfleck besitzen und die Papageien-Formen einen hochovalen Doppelfleck auf der Schwanzwurzel. Dieses Merkmal betrifft beide Geschlechter. Leider lässt sich aber die Färbung, in der das gut zu erkennen ist, nicht provozieren. Somit ist es im Handel nicht möglich, die beiden Farbformen blau und Papagei sauber zu sortieren. Zumindest die Weibchen kommen daher bei Wildfängen fast immer gemischt in den Handel.
Die aquaristische Herausforderung besteht nun darin, diese Formvielfalt auch unter Nachzuchttieren zu erhalten, denn es hat sich bei polychromatischen Apistogramma schon oft gezeigt, dass diese Tiere durch selektive Zuchtwahl in den Aquarienstämmen ziemlich schnell ein einheitliches Aussehen bekommen. Meist wird dabei seitens der Züchter besonderer Wert auf bunte Farben gelegt – am liebsten Rot! Folgerichtig werden vorwiegend Papageien-Varianten als Nachzucht angeboten. Übrigens: die auf manchen Bildern sehr prominenten Unterbauchstreifen können stimmungsbedingt jederzeit vollständig ausgeblendet werden.
Für unsere Kunden: wir listen diesen Zwergbuntbarsch nach der in der jeweiligen Lieferung vorherrschenden Männchen-Färbung: Blau hat 618404 als Wildfang und 618412 als Nachzucht, Papagei hat 618304 als Wildfang, 618312 (Nachzucht, md) und 618313 (Nachzucht, md-lg). Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Literatur:
Britzke, R., C. Oliveira & S. O. Kullander (2014): Apistogramma ortegai (Teleostei: Cichlidae), a new species of cichlid fish from the Ampyiacu River in the Peruvian Amazon basin. Zootaxa 3869 (no. 4): 409-419
Text & Photos: Frank Schäfer


