Apricaphanius saourensis

5. Juni 2026

Aquarien werden mehr und mehr zur letzten Überlebensbastion für kleine Fischarten. Leider nimmt der Verlust an Artenvielfalt ( = Biodiversität) durch Umweltveränderung ja immer dramatischere Ausmaße an und viele Arten müssen bereits auf die Stufe „vom Aussterben bedroht“ oder gar „in der Natur ausgestorben“ kategorisiert werden, kaum, dass man ihre Existenz entdeckt hat.

Der kleine Killifisch Apricaphanius saourensis ist ein gutes Beispiel dafür. Die drei Vertreter der Gattung Apricaphanius kommen am westlichen Mittelmeer vor. Lange Zeit galt A. iberus – der Spanienkärpfling – als einer der wenigen europäischen Vertreter der Killifische. Eine Form des Spanienkärpflings von der atlantischen Seite des Landes, die man zwar schon länger kannte, aber für eine Farbvariante von A. iberus hielt, wurde 2002 mit modernsten Methoden als eigenständige Art erkannt und als A. baeticus beschrieben. Eine weitere „Variante“ von A. iberus, die man nur aus einer einzigen Oase (Igli) in Nordwest-Algerien kannte, wurde 2006 als A. saourensis beschrieben. Über ihre Entdeckung wurde 1982  erstmals berichtet (Villwock & Scholl), wann genau diese Tiere ins Hobby kamen, ist nicht genau bekannt. Im Aqualog Old World Killis II von Lothar Seegers aus dem Jahr 1997 ist sie jedenfalls abgebildet.

Alle drei Apricaphanius gelten durch massive Umweltveränderungen als hochgradig bedroht, an dem einzigen bislang bekannten Fundort von Apricaphanius saourensis wurden schon seit Jahren keine mehr nachgewiesen, man stufte die Art als „in der Natur ausgestorben“ ein. Erst im Juni 2024 fand man in einem sehr isolierten Wadi wieder Apricaphanius, die A. saourensis sehr ähnlich sehen, etwa 150 km vom Originalfundort entfernt. Genetische Untersuchungen haben kürzlich gezeigt, dass es sich dabei tatsächlich um die gleiche Art handelt (Derouiche et al, 2026). Die Aquarienstämme von A. sarouensis gehen aber allesamt auf Aufsammlungen aus der Oase Igli zurück.

Apricaphanius sind keine Fische für Allerweltsaquarien. Sie stellen gewisse Ansprüche, die am besten in Artenbecken zu verwirklichen sind. Dazu gehört, dass sie schwankende Temperaturen brauchen (der Bereich geht von etwa 2°C bis ca. 30°C) und für ihr Wohlbefinden ist Salzzusatz zum Wasser wichtig (1-3g/l). Der pH-Wert sollte im leicht alkalischen Bereich liegen (7,5 -9), was sich in mittelhartem bis hartem Wasser am leichtesten realisieren lässt. 

Mit ihren 3-4,5 cm Gesamtlänge sind Apricaphanius kleine Fische, ausgewachsene Männchen in Balzstimmung sind hübsch, Männchen in Normalfärbung und die Weibchen sind es weniger. Es sind also echte Spezialistenfische, die wohl nie eine größere Anhängerschaft finden werden. Trotzdem ist die erfreuliche Botschaft: es ist nun schon mindestens 30 Jahre lang (eher länger)  gelungen, diese kleine Fischart durch die Zucht im Aquarium vor dem Aussterben zu bewahren. Das ist nur möglich, weil es keine staatlichen/bürokratischen Auflagen für die Pflege und Zucht gibt. Der Fall von Apricaphanius saourensis ist ein Paradebeispiel dafür, dass so genannte „Positiv-Listen“ (nach denen nur noch wenige Tierarten zur Pflege und Zucht erlaubt wären) vor allem eines bewirken würden: das Artensterben auf diesem Planeten würde sich gewaltig beschleunigen.

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Literatur

Blanco, J. L., T. Hrbek & I. Doadrio (2006): A new species of the genus Aphanius (Nardo, 1832) (Actinopterygii, Cyprinodontidae) from Algeria. Zootaxa No. 1158: 39-53.

Derouiche, L., Tahri, R. & C. R. Fernandes (2026): Genetic evidence for the rediscovery in the wild of the critically endangered Sahara killifish Apricaphanius saourensis (Cyprinodontiformes: Aphaniidae). The Science of Nature 113: 21 (9pp).

Seegers, L. (1997): Aqualog: Old World Killis II. Mörfelden-Walldorf.

Villwock, W. & A. Scholl (1982): Ergänzende Mitteilungen über Aphanius aus der Oase Azraq/ Jordanien sowie Betrachtungen zum taxonomischen Status eines neuen A. iberus (Cyprinodontidae: Pisces) aus dem Oued Zousfana, Igli/Nordwest Algerien. Mitteilungen aus dem hamburgischen Zoologischen Museum und Institut, 79, 267–271.

Text & Photos: Frank Schäfer