Chilodus punctatus

26. Juni 2026

Es gibt vier Arten der kleinen Kopfsteher der Gattung Chilodus. Eigentlich sollte man sie relativ leicht auseinander halten könnten, denn zwei dieser Arten (Chilodus fritillus aus Peru und C. zunevei aus Französisch Guyana, Surinam und dem an Französisch Guyana angrenzenden Gebiet von Brasilien) haben niemals ein Längsband, die zwei anderen (C. gracilis aus Brasilien und Kolumbien und C. punctatus aus weiten Teilen Südamerikas) zeigen ein solches Längsband. Aber es ist in der Praxis, wie so oft, nicht ganz so einfach. Denn Chilodus punctatus kann dieses Längsband, je nach Stimmung, ein- oder ausblenden. Außerdem sieht C. punctatus, so wie er im Moment definiert ist, je nach Herkunft etwas unterschiedlich aus – was wohl niemanden verwundern dürfte. Wahrscheinlich ist es so, dass sich hinter dem Namen „Chilodus punctatus“ in Wirklichkeit nicht eine einzige Art mit nahezu flächendeckender Verbreitung im tropischen Südamerika ist – er ist gemeldet aus Brasilien, Bolivien, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Peru and Surinam – sondern dass es sich hier um einen ganzen Artenkomplex sehr ähnlicher Spezies handelt.

Dem Namen nach ist Chilodus punctatus, der Punktierte Kopfsteher, die häufigste Art im Hobby. Tatsächlich sah man ihn jedoch zumindest früher nur recht selten. Viel häufiger war hingegen Chilodus gracilis im Handel zu finden, und obwohl die Art erst 1988 formell wissenschaftlich beschrieben wurde, zeigen viele Abbildungen in aquaristischen Fachpublikationen vor 1950 diese Art. Chilodus gracilis unterscheidet sich von C. punctatus durch das immer vorhandene schwarze Längsband – er kann es nicht ausblenden. Dieses Längsband ist zudem relativ breit.

Aus den meisten Teilen Südamerikas erfolgen zur Zeit keine Importe von Chilodus, statt dessen sind fast alle Tiere im Handel Nachzuchten aus Indonesien. Da diese Fische ein Längsband haben und es zumindest zeitweise ausblenden können, werden sie als Chilodus punctatus bezeichnet. Wir zeigen in diesem Post auch ein paar Wildfänge aus früheren Jahren, um zu zeigen, wie unterschiedlich Chilodus stimmungsbedingt aussehen können.

Alle Chilodus-Arten werden 8-10 cm groß und sollten im Schwarm ab ca. 10-15 Exemplaren gehalten werden, sonst sind sie oft zänkisch. Pflanzen werden in der Regel angefressen. Man kann dem etwas vorbeugen, indem man nur sehr harte Gewächse (wie Anubias etc.) verwendet und viel Grünzeug füttert. Dazu eignen sich überbrühte Landpflanzen wie Löwenzahn am besten. Das Überbrühen macht die Blätter zarter. Man kann sie auch vor dem Verfüttern einfrieren, das hat einen ähnlichen Effekt. Außerdem sollte man Flockenfutter auf pflanzlicher Basis verwenden und gerne auch für L-Welse hergestellte Chips. Das Maul von Chilodus ist zum Knabbern geschaffen, solche Chips beschäftigen die Tiere und sorgen mit dafür, dass sie nicht auf dumme Gedanken kommen und ihren Trieb zum Knabbern an den Flossen von Mitbewohnern ausleben.

Die chemische Wasserzusammensetzung ist für die Pflege von Chilodus innerhalb der für Zierfische normalen Parameter unwesentlich, in der Natur ist das Wasser in den Lebensräumen weich und sauer. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28°C liegen. Chilodus sind Freilaicher ohne Brutpflege. Männchen sind kleiner und schlanker, sonstige Geschlechtsunterschiede sind nicht bekannt.

Für unsere Kunden: Die Nachzucht-Chilodus haben Code 217611 (2-3 cm) bis 217614 (5-7 cm), wilde haben Code 217601 bis 217605 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer