Harttia cf. longipinna

17. Juli 2026

Aus der artenreichen Gattung Harttia – aktuell werden 28 Arten unterschieden – kommt kaum jemals eine in unsere Aquarien. Die Fische sind relativ enge Verwandte der beliebten Störwelse (Sturisoma und Sturisomatichthys) und ähneln ihnen in vielen Verhaltensweisen, sind jedoch erheblich anspruchsvoller. Harttia benötigen zum Gedeihen sehr sauberes, sauerstoffreiches und manchmal warmes, manchmal kühles Wasser; letzteres ist offenbar artspezifisch. Zudem sollte feines Futter, wie es der natürlichen Nahrung der Fische (Aufwuchs, also Algen und die darin lebenden Kleinstorganismen) entspricht, den Hauptanteil in der Ernährung darstellen. Bereits geringfügige Pflegefehler sind für solche Fische fatal. Es liegt auf der Hand, dass bereits Fang und Transport besondere Herausforderungen mit sich bringen. Gesunde Tiere sind andererseits im Aquarium sogar schon zur Zucht gebracht worden.

Kürzlich konnten wir aus Südost-Brasilien einen größeren Import organisieren. Das gab es schon lange nicht mehr und ichthyologisch hat sich in den letzten Jahren viel getan in der Region – entsprechend schwierig gestaltete sich die Bestimmung mancher der Arten. Die aktuellste Arbeit über Harttia (Caldas et al., 2022) bietet dazu für die Harttia-Arten Südost-Brasiliens die aktuellste Bestimmungsorientierung. Man unterscheidet bei Harttia ganz allgemein drei Gruppen, die sich durch die Beschilderung der Bauchregion unterscheiden. Eine Gruppe hat eine völlig unbeschilderte Bauchseite (14 Arten), eine zweite Gruppe eine teilweise beschilderte Bauchseite (7 Arten) und eine dritte Gruppe eine vollständig beschilderte Bauchseite (7 Arten). Einige Spezies der letzten Gruppe wurde wegen dieser Bauchbeschilderung lange Zeit in der Gattung Cteniloricaria geführt. Von Cteniloricaria unterscheidet sich Harttia nach aktueller Auffassung u.a. dadurch, dass die seitlichen Platten am Schwanz keinen scharfen Kiel aufweisen.

Aufgrund der Bauchbeschilderung identifizierten wir unsere Fische als Harttia longipinna. Da uns jedoch der genaue Fundort unbekannt ist und sich etliche Harttia-Arten doch sehr ähneln, haben wir sicherheitshalber ein „cf.“ (latein, bedeutet, „vergleiche mit“) eingefügt, denn absolut sicher können wir uns bei dieser Bestimmung nicht sein. Wichtig erscheint uns allerdings der Hinweis bei Caldas et al., 2022, dass von den Harttia-Arten des südöstlichen Brasiliens die meisten in kühlen (für H. canastra z.B. 12,4-23°C Wassertemperatur), relativ schnellfließenden und relativ kleinen Fließgewässern vorkommen. Nur eine Art – H. longipinna – soll, wie die amazonischen Harttia-Arten in größeren und wärmeren Fließgewässern leben. Da unsere Importfische trotz der aktuell (Juni/Juli 2026) hohen Temperaturen keinerlei Unwohlsein erkennen lassen, spricht auch dies für die Richtigkeit unserer Bestimmung.

Auffällig und in der uns bekannten Literatur bislang nicht erwähnt ist, dass es bei uns dunklere und hellere Exemplare gibt. Die Bauchbeschilderung ist bei beiden gleich. 

Genau wie die Sturisoma und Sturisomatichthys sind Harttia keine Höhlen-, sondern Offenbrüter. Die Eier werden bevorzugt an stark überströmten Steinen abgelegt und vom Männchen bis zum Schlupf bewacht. Geschlechtsunterschiede scheinen sich bei Harttia oft darauf zu beschränken, dass die Männchen einen breiteren Kopf und einen breiteren, bestachelten ersten Brustflossenstrahl besitzen, aber es gibt auch Arten, bei denen die Männchen zumindest zeitweise eine kräftige Bestachelung seitlich am Schwanz entwickeln, so z.B. H. leiopleura. Für H. longipinna beschreiben die Autoren außerdem, dass die Männchen eine längere Afterflosse als die Weibchen haben. Die Aufzucht der Jungen entspricht in groben Zügen der der Störwelse.

Alles in allem sind Harttia Fische für wirklich erfahrene Aquarianer, die eine Herausforderung suchen.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 255392 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Caldas, L., A. M. Cherobim & F. Langeani (2022): A new species of Harttia from the rio São Francisco basin (Siluriformes: Loricariidae). Neotropical Ichthyology v. 20 (no. 4): e220051: 1-19.

Langeani, F., O. T. Oyakawa & J. I. Montoya-Burgos (2001): New species of Harttia (Loricariidae, Loricariinae) from the Rio São Francisco basin. Copeia 2001 (no. 1): 136-142.

Seidel, I. (2010): Ingos Harnischwelszucht. Tetra Verlag, Berlin-Velten, 272 pp 

Text & Photos: Frank Schäfer