Die Buntbarsche oder Cichliden (Familie Cichlidae) sind eine artenreiche Gruppe von brutpflegenden Fischen, die in Südamerika, Afrika, Asien und Madagaskar vorkommen. Die heutige Verbreitung der etwa 1787 Arten, die sich auf ca. 256 Gattungen verteilen, zeigt deutlich, dass die Cichliden entstanden, als Südamerika und Afrika (plus weitere Kontinentalplatten) noch in dem Urkontinent Gondwana miteinander verbunden waren. Südamerika trennte sich vor etwa 116 Millionen Jahren von Afrika; erste fossile Belege für Cichliden gibt es aber erst aus dem Eozän, einem Erdzeitalter, das vor etwa 56 Millionen Jahren begann.

Buntbarsche sind sogenannte sekundäre Süßwasserfische, was bedeutet, dass ihre Vorfahren aus dem Meer kamen. Heute können nur noch wenige (weniger als 10) Arten im Meer leben. Man kann darum davon ausgehen, dass die Spezialisierung auf Süßwasser ein wichtiger evolutionärer Faktor bei der Entstehung der Buntbarsche darstellte. Man darf nie vergessen: das Meerwasser ist auf der ganzen Welt sehr ähnlich zusammengesetzt. Es gibt zwar lokale Unterschiede im Salzgehalt, aber die sind meist vernachlässigbar, hingegen ist der pH-Wert mit 8,3 überall gleich und der Sauerstoffgehalt vergleichsweise hoch. Im Süßwasser sind die Lebensbedingungen hingegen extrem unterschiedlich. Der pH-Wert kann zwischen etwa 4 und über 9 liegen, der Salzgehalt zwischen praktisch Null und deutlich höher als im Meer und der Sauerstoffgehalt ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass diese ökologische Vielfalt zu der enormen Artenvielfalt bei Süßwasserfischen führte. Obwohl nur 3% des Wassers auf der Erde Süßwasser ist, kommen darin etwa 50% der bekannten rund 37.000 Fischarten vor.
Der Buntbarsch Heterochromis multidens stammt aus Zentralafrika (Kongo und Kamerun) und ist in Hinblick auf die oben geschilderten Dinge besonders interessant, denn er gilt als der ursprünglichste aller heute noch lebender Cichliden und ist nach der Auffassung mancher Wissenschaftler enger mit südamerikanischen Buntbarschen verwandt als mit allen afrikanischen; freilich gibt es dazu auch andere Meinungen. Die Tiere werden nur sehr selten im Aquarium gepflegt, denn sie erreichen gut 30 cm Länge (Männchen werden etwa 10 cm größer als die Weibchen) und sind farblich nicht besonders auffällig. Erwachsene Männchen bekommen eine bizarr steile Stirnpartie, ähnlich wie man das bei den südamerikanischen Hypselecara kennt (ohne dass aber hier eine besonders enge Verwandtschaft unterstellt werden soll). Die Besonderheiten bei Heterochromis multidens sind so zahlreich, dass für sie eine eigene Unterfamilie, die Heterochrominae, aufgestellt wurde! Aber auch das ist umstritten. Es gilt, wie immer: frage zwei Experten und du bekommst drei völlig unterschiedliche Meinungen zu hören…
Wie auch immer: es gibt noch viel zu erforschen an Heterochromis multidens und gerade jetzt haben wir eine Anzahl Jungtiere erhalten. Es handelt sich um deutsche Nachzuchten. Michel Keijman hat in der DCG-Info 2020 einen ausführlichen Bericht über die Tiere geschrieben. Ihm zufolge haben die Weibchen eine rote Brust, die Männchen nicht; die Weibchen zeigen ferner einen schwarzen Fleck hinter dem Auge, der den Männchen fehlt. Die Männchen haben einen breiten roten Saum in der Rückenflosse und eine rote Schwanzflosse. Bei unseren noch recht jungen Tieren (4-7 cm) ist aber eine sichere Geschlechtsbestimmung noch nicht möglich. Das Bild eines weitgehend ausgefärbten, aber noch jungen Weibchens entstand 2012, als wir ein Einzeltier aus dem Kongo als Muster erhielten. Diesem Exemplar folgten leider keine weiteren. Diese Buntbarsche brauchen große Aquarien, große Mengen Futter und sind (noch) als recht anspruchsvoll zu charakterisieren. Es sind Offenbrüter mit Elternfamilie. Hoffentlich verschwinden sie nicht so bald wieder, damit viele naturbegeisterte Menschen sie zuhause studieren können.
Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 537603 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Literatur:
Keijman, M. (2020): Heterochromis multidens (PELLEGRIN, 1900) – Der ursprünglichste noch lebende Buntbarsch? DCG-Informationen 51 (1): 20-24
Text & Photos: Frank Schäfer


