Mimagoniates microlepis

17. April 2026

Es gibt nur wenige Salmlerarten, die so oft unter falschem Namen in der Literatur abgebildet wurden, wie die Vertreter der Gattung Mimagoniates. Die hübschen Tiere werden ab und zu aus dem südlichen Brasilien als Zierfisch exportiert. Da sie eine innere Befruchtung haben, das Weibchen also einige Zeit nach erfolgter Befruchtung in Abwesenheit von Männchen befruchtete und entwicklungsfähige Eier legen kann, weckten sie schon früh das Interesse der biologisch interessierten Aquarianer. Vor allem der Befruchtungsvorgang machte und macht neugierig. 

Aber die Verwechslungen! Wir wollen es hier nicht zu kompliziert machen, wer tiefer in die Materie eintauchen will, möge bitte die Revision dieser Gruppe aus dem Jahr 2009 durch Menezes und Weitzman studieren. Jedenfalls wurden die ursprünglich 1877 als Paragoniates microlepis von Steindachner beschriebenen Tiere in der Literatur schon als Coelurichthys iporangae (Gattungsname ursprünglich falsch „Coalurichthys“ geschrieben), C. microlepis, C. tenuis, C. lateralis, Mimagoniates microlepis, M. tenuis, M. inequalis, M. barberi und M. lateralis bezeichnet. Manche dieser Art gibt es wirklich, sie sehen ähnlich aus, sind aber halt andere Arten, andere sind Synonyme. Die Gefahr, dass man beim Literaturstudium und erst recht beim Googlen oder der Nutzung von KI in eine falsche Richtung gelenkt wird, ist also sehr groß. Für uns Aquarianer ist die Kombination aus gut erkennbarem Schulterfleck mit der sehr breiten Körperbinde das beste Bestimmungskriterium.

Mimagoniates microlepis wird im Aquarium etwa 6-7 cm lang (Gesamtlänge, inklusive Schwanzflosse), wilde Exemplare bleiben etwa einen Zentimeter kleiner. Es sind sehr lebhafte Schwarmfische, die in der Natur in bevorzugt in Bächen leben, sich aber als anpassungsfähig erwiesen haben. Meist sind es kühle, beschattete Klarwasserbäche, die als Lebensraum dienen, doch gibt es die Fische auch in Schwarzwasserbächen und sie können sich sogar an stark gestörte Lebensräume anpassen, wo der Mensch die ursprüngliche Flora „Mata Atlântica“ vernichtet hat. Sogar in stehenden Gewässern wurde Mimagoniates microlepis schon nachgewiesen. Die Art ist weit verbreitet: entlang der Küste vom Süden Bahias bis zum Norden von Rio Grande do Sul sowie im Oberlauf der Flüsse Iguaçu und Tibagi und im Einzugsgebiet des Oberlaufs des Paraná in Brasilien

Im Hobby kennt man solche „Schwanzdrüsensalmler“ seit 1907. Die Männchen besitzen auf der Basis der Schwanzflosse einen komplizierten, aus Schuppen konstruierten Drüsenapparat, mit dem offenbar spezifische Sexuallockstoffe (Pheromone) produziert werden. Die Balz ist eine unvergleichliches Schauspiel, bei dem die Männchen aufwändige Schwimm-Manöver („Paarungstänze“) vor den Damen vorführen. Bei der eigentlichen Paarung legt sich das Männchen wie ein Ring um das Weiben. Dabei wird ein Samenpaket ausgestoßen, das das Weibchen aufnimmt. Die Eiablage erfolgt oft erst Tage, angeblich sogar manchmal erst Wochen oder Monate später. Das Weibchen heftet den Laich am liebsten an die Unterseite von Wasserpflanzenblättern.

Mimagoniates microlepis ist ein friedliches Tier, das alle üblichen Futtersorten akzeptiert. Wichtig erscheint, dass die Wassertemperatur nicht dauerhaft zu hoch ist. Werte zwischen 16 und 24°C sind angemessen, wobei die meiste Zeit des Jahres 18-20°C anzustreben sind. Wahrscheinlich würde dieser Art eine zeitweilige Freilandhaltung gut tun, aber unter solchen Bedingungen ist die Beobachtung der Pfleglinge leider nur schwer möglich.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 268563 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Menezes, N. A. & S. H. Weitzman (2009): Systematics of the neotropical fish subfamily Glandulocaudinae (Teleostei: Characiformes: Characidae). Neotropical Ichthyology v. 7 (no. 3): 295-370

Text & Photos. Frank Schäfer