Zu den allerersten exotischen Zierfischen überhaupt gehört eine Art, die 1895 unter dem Namen Pimelodus gracilis zu Paul Matte nach Berlin gelangte. Dieser schlanke „Fadenwels“ wurde zwar durchaus positiv besprochen, blieb aber trotzdem auf die Aquarien einiger weniger Liebhaber beschränkt. Ob die damalige Bestimmung korrekt war, sei einmal dahingestellt. Aus heutiger Sicht war es auf jeden Fall ein Vertreter der Gattung Pimelodella. Diese Gattung wurde früher zu den „Antennenwelsen“ (Pimelodidae, nicht zu verwechseln mit den ebenfalls oft als Antennenwelsen bezeichneten Saugwelsen der Gattung Ancistrus) zugerechnet. Heute zählt man sie zu den Heptapteridae, für die es keinen gebräuchlichen deutschen Namen gibt.

Mit aktuell etwa 84 akzeptierten Arten ist Pimelodella eine sehr artenreiche Gattung, die überall in Südamerika vertreten ist. Die letzte Gesamtübersicht stammt aus dem Jahr 1917; dort unterschied Carl Eigenmann 34 Arten, also 50 weniger als heute. Das macht eine Bestimmung der Art innerhalb der Gattung zu einem hochkomplexen Unterfangen, zumal man ja nie sicher sein kann, ob man nicht eventuell eine unbeschriebene Art vorliegen hat.
Im Prinzip sind alle Pimelodella-Arten gut für das Hobby geeignet. Es gibt sehr kleine Arten (um 6-7 cm), aber auch größere. Die größte bekannte wird um die 30 cm lang. Da alle sehr ähnlich aussehen: schlanker Körper, in aller Regel ein dunkler Streifen entlang der Flanke, relativ große, tief eingeschnittene Schwanzflosse, große Fettflosse, das alles auf einem gelblich-ocker-bronzefarbenen Untergrund, der je nach Lichteinfall bläulich, grünlich oder golden reflektieren kann, hat man sich bislang kaum die Mühe gemacht, die selten und meist nur als Beifang importierten Tiere näher zu betrachten. Nun hat aber eine von uns aus Peru importierte Art unsere Neugier und unseren Ehrgeiz geweckt!
Vor ziemlich genau einem Jahr importierten wir 20 junge Exemplare einer Pimelodella-Art aus Peru; aufgrund der Tatsache, dass dieser Import eine für uns neue Art der Algensalmler (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/parodon-sp-cf-pongoensis/) enthielt, die nur in einem bestimmten Gebiet von Peru vorkommt, hielten wir es für wahrscheinlich, dass diese uns zuvor ebenfalls noch nicht angebotene Pimelodella-Art ebenfalls von dort stammte. Und siehe da, in der gleichen Arbeit, in der Parodon pongoensis beschrieben ist, findet sich auch die Erstbeschreibung einer Pimelodella-Art, nämlich P. montana. Die Abbildung in der Beschreibung zeigt ein Tier, das unseren sehr ähnlich sah; darum benannten wir die Art zunächst P. cf. montana.
Die meisten Exemplare verkauften wir unter diesem Namen und bekamen keinen Protest seitens unserer Kunden. Inzwischen sind die vier verbliebenen Tiere aber herangewachsen und geschlechtsreif. Sie messen nun rund 12 cm Totallänge. Ein Männchen hat eine vergrößerte, segelförmige Rückenflosse entwickelt, ein Weibchen kräftigen Laichansatz. Unsere Bilder zu diesem Post zeigen diese beiden Fische. Bisher sind uns keine Meldungen zu einem derartigen Geschlechtsunterschied bei irgendeiner Pimelodella-Art bekannt geworden. Publiziert ist lediglich, dass einzelne Arten fadenartige Verlängerungen in der Rückenflosse der Männchen aufweisen. Den krassen Geschlechtsdimorphismus unserer Spezies fand man u.W. bisher nur bei Brachyrhamdia-Arten.
Aus Peru sind zur Zeit 16 Arten der Gattung Pimelodella gemeldet; 10 davon können wir ausschließen, da sie farblich und/oder anatomisch deutlich von unseren Fischen abweichen, jedoch können wir einige der verbliebenen sechs Arten überhaupt nicht beurteilen, weil es keine Abbildungen dazu gibt und die verbalen Beschreibungen nicht aussagekräftig sind. Sehr ähnlich ist auf jeden Fall Pimelodella hartwelli, aber auch P. ophthalmica ist ein heißer Kandidat. P. montana schließen wir inzwischen aus, da bei dieser Art der dunkle Längsstreifen bereits auf der Schnauze beginnt, bei unseren Tieren erst hinter dem Kiemendeckel.
Auch wenn wir also keine genaue Bestimmung liefern können: Pimelodella-Arten sind es ganz offensichtlich wert, aquaristisch mehr beachtet zu werden. Sie sind friedlich, werden nicht allzu groß und sind somit auf jeden Fall eine Bereicherung für Gesellschaftsaquarien mit etwas größeren Fischen. Und wer weiß? Vielleicht lassen sie sich sogar unter Aquarienbedingungen züchten. Bisher gibt es u.W. keine Zuchtberichte.
Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 279513 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Text & Photos: Frank Schäfer


