Nilhechte (Mormyridae) sind unglaublich interessante Fische. Es gibt rund 230 Arten in 22 Gattungen, alle leben in Afrika. Leider sehen die meisten Arten sehr ähnlich zueinander aus und sind farblich nicht unbedingt attraktiv. Aber für Aquarianer mit Forscherdrang gibt es kaum spannendere Studienobjekte. Die Gattung Pollimyrus umfasst 23 Arten, von denen vier erst 2024 beschrieben wurden. Dabei sind es nicht unbedingt äußerliche Merkmale, die zur Entdeckung neuer Arten führt, sondern die Sprache dieser Fische. Sie haben ein Kommunikations-System entwickelt, das nicht auf akustischen Lauten, sondern auf elektrischen Entladungen beruht. Im Schwanzstiel haben alle Mormyriden ein schwach elektrisches Organ. an dem Entladungsmuster lassen sich die Arten gut erkennen. Mittels dieser EODs (electric organ discharges) kommunizieren die Tiere untereinander und es hat sich gezeigt, dass tatsächlich jede Art ihre eigene Sprache spricht.

Pollimyrus adspersus ist eine schon sehr lange bekannte Art, die aus vielen Teilen des westlichen Afrikas gemeldet wurde. Da ausgerechnet von dieser Art der Fundort der Tiere, auf denen die Beschreibung beruht (der Syntypen) unbekannt ist, ist P. adspersus aus wissenschaftlicher Sicht problematisch und man muss davon ausgehen, dass viele Meldungen von P. adspersus sich in Wirklichkeit auf andere, sehr ähnliche Arten beziehen.
In der (spärlichen) aquaristischen Literatur zu P. adspersus geht es darum auch eher etwas konfus zu. Immerhin ist bekannt, dass diese Art (unter den Bezeichnung Petrocephalus bovei) bereits 1969 zufällig nachgezüchtet wurde. Später züchtete die Arbeitsgruppe um Frank Kirschbaum gezielt mit diesen Fischen (unter der Bezeichnung Pollimyrus isidori) und erforschte die Entwicklung der Tiere. Mit zunehmendem Erkenntnisgewinn konnte schließlich der Unterschied zwischen P. isidori und P. adspersus herausgearbeitet werden und Kirschbaum et. al. stellten fest, dass es sich wohl bei allen bisher im Aquarium gezüchteten Pollimyrus um P. adspersus handelt.
P. adspersus ist eine vergleichsweise kleine Nilhecht-Art, die nur etwa 8-10 cm lang wird. Dabei ist sie jedoch durchsetzungsstark und verjagt selbst deutlich größere Fische aus dem Revier. P. adspersus betreibt Brutpflege und baut ein Nest. Kurz und gut: es sind sehr spannende Fische, über deren Verhalten man ganze Bücher schreiben könnte.
Wir haben nach langer Zeit wieder einmal P. adspersus aus Nigeria importieren können. Die Tiere sind anpassungsfähig in Bezug auf die Wasserzusammensetzung, zur Zucht muss man allerdings eine Regenzeit imitieren. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 26°C liegen. Am liebsten fressen die Tiere Rote Mückenlarven (gefrostet oder lebend), es wird jedoch auch anderes Futter akzeptiert. Untereinander sind die Tiere etwas zänkisch, man muss darum große und mit vielen Verstecken ausgestattete Aquarien verwenden. Es würde an dieser Stelle viel zu weit führen, die Aquarienbiologie dieser Fische ausführlich zu diskutieren, dazu verweisen wir auf die entsprechende Fachliteratur.
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Text & Photos: Frank Schäfer


