Die Roten Cichliden nannte man bis in die frühen 1980er Jahre allesamt „Hemichromis bimaculatus“. Dann schaute man genauer hin, überprüfte alte, für Synonyme gehaltene Arten genauer und 1979 kam Loiselle in einer umfassenden Revision zu dem Schluss, dass es mindestens 8 Arten Roter Cichliden gibt. Die Identifizierung blieb aber schwierig und es gab immer wieder viele Verwechslungen.

2022 wurde die Gattung Rubricatochromis für die Roten Cichliden aufgestellt (https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/rubricatochromis-ein-neuer-gattungsname-fuer-die-roten-cichliden/). In Hemichromis blieben nur die deutlich größer werdenden Fünffleck-Buntbarsche. Ganz aktuell (September 2026) haben die gleichen Autoren die Gattung Rubricatochromis auch auf Artlevel untersucht. Sie beschreiben vier neue Arten, die aquaristisch alle schon lange bekannt sind: R. gabonensis (früher: „Red Gabun“: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemichromis-sp-red-gabun-3/), R. jebeli (früher: „Guinea 2“), R. stephenthorntoni (früher: „Guinea1“) und R. vanheusdeni (früher: „Ankasa“: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/hemichromis-sp-ankasa/). Damit hat wohl niemand wirklich Probleme.
Für viel Diskussionsstoff wird hingegen sorgen, dass etliche altbekannte Arten eingezogen wurde. Die bisher als gültig angesehenen Arten R. letourneauxi, R. exsul und R. paynei gelten jetzt als Synonyme zu R. guttatus und R. lifalili wird zum Synonym von R. stellifer (wobei – das ist eine Anmerkung von uns und kein Zitat aus der wissenschaftlichen Arbeit – der im Hobby als lifalili bezeichnete Fisch schon immer eine Farbvariante von R. guttatus war: https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/rubricatochromis-lifalili-frueher-hemichromis/).
Die Artabgrenzungen und Synonymisierungen erfolgten (nicht nur, aber in der finalen Bewertung) aufgrund molekularer Befunde (DNS-Analysen).
Neu ist außerdem, dass R. fugax aus Sierra Leone, der 1976 wissenschaftlich benannt, aber sehr schnell in die Synonymie von R. bimaculatus überführt wurde, nach Ansicht der Autoren eine gültige Art darstellt. Er unterscheidet sich äußerlich durch den am Rand „ausgefransten“ seitlichen Körperfleck (ein solider runder Punkt bei R. bimaculatus) von R. bimaculatus.
Literatur:
Lamboj, A. & S. Koblmüller (2022): Molecular phylogeny and taxonomic revision of the cichlid genus Hemichromis (Teleostei, Cichliformes, Cichlidae), with description of a new genus and revalidation of H. angolensis. Hydrobiologia v. 850 (no. 10-11): [1-22] 2177-2198.
Lamboj, A., & Koblmüller, S. (2026): Who Is Who in Rubricatochromis Lamboj & Koblmüller, 2022 (Cichliformes, Cichlidae): Taxonomic Revision with Description of Four New Species and Revalidation of R. fugax. Fishes, 11(9), 531. https://doi.org/10.3390/fishes11090531
Loiselle, P. V. (1979): A revision of the genus Hemichromis Peters 1858 (Teleostei: Cichlidae). 1. – The Hemichromis fasciatus species group. 2. – The Hemichromis bimaculatus species group. 3. – The Hemichromis guttatus species group. 4 – The Hemichromis letournauxi species group. Annales, Musée Royal de l’Afrique Centrale, Tervuren, Série in 8o, Sciences Zoologiques No. 228: 1-124.
Text & Photos: Frank Schäfer & Erwin Schraml


