Schizodon scotorhabdotus

6. November 2026

Die Kopfsteher (Anostomidae) ist ausgesprochen artenreich. Aktuell (Oktober 2026) unterscheidet man 153 Arten in 17 Gattungen, die in drei Unterfamilien aufgeteilt sind. Die artenreichste Gruppe stellt die Unterfamilie Leporininae mit 10 Gattungen und 134 Arten. Die wenigsten davon sind je im Hobby aufgetaucht, von den allermeisten gibt es noch nicht einmal brauchbare Lebendfotos. Das macht die Bestimmung lebend importierter Exemplare zu einer komplexen Angelegenheit, zumal bereits die Klassifizierung der Gattungen auf der Bezahnungsstruktur beruht, die man an lebenden Tieren naturgemäß nicht betrachten kann.

Unsere erste Idee zu einem Kopfsteher aus Kolumbien, den wir kürzlich in kleiner Stückzahl importieren konnten, war Laemolyta taeniata, eine weit verbreitete, 1858 ursprünglich als Schizodon taeniatus beschriebene Art. Die Tiere sind 9-10 cm lang. Als die Fische die Eingewöhnungsphase hinter sich hatten, betrachteten wir sie genauer und holten zwei Exemplare ins Photobecken. Hier zeigte sich, dass es sich um eine andere Art handeln musste. Vor allem der extrem breite Kopf mit den weit auseinandersetzenden Augen passte so gar nicht zu L. fasciata. Die weitere Recherche ergab, dass diese Tiere bereits 1977 im Klassiker der Salmlerkunde, Gérys „Characoids of the World“ auf Seite 161 als „nicht identifizierter Anostomide, möglicherweise aus der Gattung Laemolyta“ in Farbe abgebildet ist. Aber die Recherche bei Laemolyta führte ins Leere, nichts passte so richtig. Schließlich fanden wir aber in dem 2007 beschriebenen Schizodon scotorhabdotus aus dem Orinoko einen Fisch, der hervorragend zu unseren Importen passt. Und in der Beschreibung wird auch das Bild im Géry genannt; wir sind uns nun also sicher.

Schizodon scotorhabdotus ist ein größerer Kopfsteher. Was uns ganz besonders auffällt: diese Tiere sind ausgesprochen friedlich untereinander, was man wahrhaftig nicht oft von Kopfstehern behaupten kann. Die kommen zwar gewöhnlich einigermaßen klar untereinander, aber während der anfangs nahezu unausweichlichen Rangordnungsstreitigkeiten kommt es dennoch fast immer zu leichten Flossendefekten. Nichts dergleichen ist bei Schizodon scotorhabdotus zu beobachten. Nur bei der Vergesellschaftung mit Panzerwelsen raten wir zur Vorsicht: die Rückenflossen dieser Bodenfische verlocken die Schizodon ständig zum Hineinbeißen. Hingegen werden selbst kleinste Salmler völlig unbeachtet gelassen. Schizodon gelten als herbivor, also vorwiegend pflanzenfressend. Sie stürzen sich aber wirklich heißhungrig auf Wurmfutter (Tubifex). Man sollte damit aber sparsam umgehen, der Darm von Pflanzenfressern ist an solche Diät nicht angepasst!

Maximalgröße: ca. 30 cm; Temperatur: 22-28°C; pH und Härte: für die Pflege unwesentlich (Trinkwasser), zur Zucht wahrscheinlich weich und sauer; Ernährung: Allesfresser mit pflanzlichem Schwerpunkt; Sozialverhalten: friedlicher Kopfsteher.

Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 293134 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Literatur:

Sidlauskas, B. L., J. C. Garavello & J. Jellen (2007): A new Schizodon (Characiformes: Anostomidae) from the Río Orinoco system, with a redescription of S. isognathus from the Río Paraguay system. Copeia 2007 (no. 3): 711-725

Text & Photos: Frank Schäfer