Scleromystax prionotos

13. April 2026

Es erstaunt ein wenig, wenn man bedenkt, wie lange sich die Wissenschaft schwer damit getan hat, zwei farblich ähnliche, aber aus heutiger Sicht doch deutlich unterschiedliche Panzerwels-Arten zu unterscheiden. Die Rede ist von Hoplisoma nattereri und Scleromystax prionotos, die beide bis vor relativ kurzer Zeit noch in der gemeinsamen Gattung Corydoras untergebracht waren.

Während Hoplisoma nattereri schon sehr früh, nämlich 1876, aus Küstenflüssen des östlichen Brasiliens (Bundesstaat Rio de Janeiro, dort im Einzug des Rio Paraiba do Sul und Sao Paulo, dort vor allem im Einzug des Rio Juquia) beschrieben wurde, dauerte es bis zur Erstbeschreibung des in dem gleichen Gebiet und oft gemeinsam mit H. nattereri lebenden Scleromystax prionotos über 100 Jahre länger. Selbst dann tat man sich schwer, die beiden Arten zu trennen. Als einziges sicheres Merkmal galt, dass die Innenseite des Brustflossenstachels von S. prionotos sehr stark und grob gezähnelt ist. Die Innseite des Brustflossenstachels bei H. nattereri ist hingegen nur ganz fein gezähnelt. Dieser Unterschied war zwar bereits frühen Bearbeitern (ab 1913) aufgefallen, aber man sah darin eher eine Form von innerartlicher Variation als einen Artunterschied.

Heutzutage sieht jeder Panzerwels-Aquarianer mit geschultem Blick, dass Scleromystax prionotos eine langschnäuzige Art ist, H. nattereri aber eine rundschnäuzige (weiteres zu H. nattereri siehe hier: https://www.aquariumglaser.de/xxxxxx). Dieser am lebenden Tier so augenfällige Unterschied ist allerdings mit traditionellen Messmethoden an konservierten Exemplaren nur schwer darstellbar. Die unterschiedliche Kopfform ermöglicht es, zwei (oder ggf. auch mehreren) Panzerwels-Arten sich den gleichen Lebensraum zu teilen, ohne in direkte Konkurrenz zueinander zu treten, da sie unterschiedliche Methoden des Nahrungserwerbs haben. Die farbliche Ähnlichkeit zwischen S. prionotos und H. nattereri deutet nicht auf eine nähere Verwandtschaft der beiden Arten zueinander hin. Dabei handelt es sich um Mimikry, die an anderer Stelle schon erläutert wurde (z.B. https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/otocinclus-mimulus/). Hingegen verhindert die unterschiedliche Zähnelung des Innenseite des Brustflossenstachels zumindest in der Natur, dass die beiden Arten sich kreuzen. Zur Paarung klemmen bekanntlich männliche Panzerwelse die Barteln des Weibchens in einer so genannten T-Stellung ein. Die Zähnelung des Brustflossenstachels wirkt dabei wie der Bart eines Schlüssels. Der falsche Schlüssel passt nicht ins Schloss…

Scleromystax prionotos ist eine gut zu pflegende und auch ganz gut züchtbare Art. Insgesamt gilt sie als relativ anspruchslos und anpassungsfähig. Am günstigsten sind wohl Temperaturen zwischen 18 und 22°C, ein neutraler pH-Wert und eine Gesamthärte um 6° dH. Gefressen wird jegliches übliche Zierfischfutter, der Bodengrund sollte zumindest stellenweise aus feinem Sand bestehen. Pflanzen und tierische Mitbewohner bleiben gewöhnlich unbeachtet. Mit gut und gerne 6,5 cm Totallänge (also inklusive Schwanzflosse) gehört S. prionotos im weiblichen Geschlecht zu den etwas größeren Panzerwels-Arten. Männchen bleiben immer kleiner.

Für unsere Kunden: diese Panzerwelse haben – je nach Größe – Code 241503 (lg) bis 241505 (sh) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer