Ein Import aus Südost-Brasilien bescherte uns u.a. einige Exemplare eines aquaristisch bislang noch kaum in Erscheinung getretenen Piranhas, nämlich Serrasalmus marginatus. Es erscheint uns jedenfalls wahrscheinlich, dass es sich um diese Art handelt, die in den Fluss-Systemen des Parana-Paraguay und des Uruguay verbreitet ist. Sehr ähnlich sind u.a. S. irritans aus dem Orinoko (Kolumbien und Venezuela), siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/serrasalmus-irritans/ und der erst kürzlich beschriebene S. magallensi aus Bolivien. Auch der gerade erst beschriebene S. castellonae – wiederum aus Bolivien – sieht ähnlich aus. Wenn man bedenkt, dass die wissenschaftliche Arbeit, in der S. castellonae beschrieben wird, 19 Seiten umfasst, die Beschreibung von S. magallensi 24 Seiten, und das bei einer wissenschaftlichen Ausdrucksweise, kann man ermessen: viele Piranha-Arten sind einander wahnsinnig ähnlich und selbst für Wissenschaftler bedarf es extrem ausführlicher Ausführungen, um die Unterschiede halbwegs plausibel zu machen.

Für uns ist es die Kombination aus Herkunft, Körperform und Afterflossenfärbung, die uns zu dem Schluss bringt, dass es sich bei unseren aktuellen Importen um S. marginatus handelt. Bei der Beschreibung von S. castellonae zeigen die Bearbeiter einmal mehr auf, wie wichtig die Schwanzflossenfärbung ist, um Verwechslungen zwischen nahe verwandten Arten zu vermeiden. Ausgerechnet dieses Merkmal ist aber bei S. marginatus bislang nur unzureichend untersucht. Die Art wurde bereits 1837 wissenschaftlich benannt und es gibt auch eine sehr schöne, farbige Abbildung des vermutlichen Typusexemplares. Auch die drei Orginalexemplare aus dem Rio de la Plata in Argentinien, die von d´Orbignyi 1826-1833 gesammelt und zur Beschreibung von S. marginatus benutzt wurden, existieren noch im Pariser Museum. Aber das wichtige Detail, ob der hintere Schwanzflossenrand farblos oder schwarz ist, lässt sich daran nicht zweifelsfrei erkennen. Darum ist es durchaus möglich, dass die Tiere, die wir aktuell S. marginatus zuordnen, in Zukunft einmal anders bestimmt werden.
Ungeachtet dessen: unsere Exemplare sind gegenwärtig 12-15 cm lang. Wir halten sie einzeln, denn Piranhas dieser Verwandtschaftsgruppe gelten als Einzelgänger und Flossenfresser. Die Maximallänge für S. marginatus wird in der Literatur mit 30 cm angegeben.
Wir freuen uns, dass wir diesen so selten angebotenen Piranha in schönen Exemplaren importieren konnten. Es sind selbstverständlich Fische für Spezialisten, die niemals eine nennenswerte aquaristische Bedeutung erlangen werden. Aber trotzdem: sie stellen ein Puzzleteil dar, der helfen kann, das nach wie vor nur unbefriedigende Wissen um Piranhas zu erweitern.
Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 292305 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Literatur:
Gallo-Cardozo, F., M. Maldonado, M. Careaga & F. M. Carvajal-Vallejos (2024): A new species of Piranha (Serrasalmus, Serrasalmidae) from the upper Madeira River system, Amazon basin, Bolivia. Journal of Ichthyology v. 64 (no. 3): 386-409.
Gallo-Cardozo, F., M. Careaga & F. M. Carvajal-Vallejos (2025): A new cryptic species of Piranha Serrasalmus (Serrasalmidae) from the Bolivian Amazon, upper Madeira River system. Journal of Ichthyology v. 65 (no. 4): 574-592.
Text & Photos: Frank Schäfer


