Tateurndina ocellicauda

26. Juni 2026

Neu-Guinea gehört immer noch zu den relativ wenig erforschten Regionen der Erde. Die Süßwasserfische von dort fanden erst spät den Weg in die Aquarien. Unter ihnen ist die Pastell- oder Schwanzfleckschläfergrundel, Tateurndina ocellicauda. Entdeckt wurde die kleine Art, die niemals größer als 5-6 cm wird, erst 1953. Anlässlich der vierten Archbold-Expedition sammelte Hobart M. Van Deusen die ersten Exemplare im Peria Creek, Kwagira River, etwa 10 Meilen von der Küste entfernt, in tümpelartigen Abschnitten. 1955 be­schrieb John T. Nichols vom American Mu­seum of Natural History die Grundel in einer neuen, eigens für sie aufgestellten Gattung, nämlich Tateurndina, als T. ocelli­cauda. Bis heute ist sie die einzige Art dieser Gattung geblieben. 

Für eine Süßwassergrundel ist die Pastell­grundel ganz außergewöhnlich bunt. Und sie hat eine absolut ungewöhnliche Lebens­weise. Meist sind Grundeln nämlich Boden­fische, die Pastellgrundel aber schwimmt frei im Wasser. Von ihrer Farbigkeit ahnte Nichols nicht das geringste, als er die neue Art be­schrieb. Seine in Alkohol konservierten Exemplare waren nämlich nur bräunlich, heller am Bauch. Das einzige, auffallende Farbmerkmal, das sie aufwiesen, war der große, teilweise hell eingefasste Schwanz­wurzelfleck, der dann auch als Inspiration für den Artnamen diente: „ocellicauda“ be­deutet „mit Augenfleck am Schwanz“. Dieser Augenfleck ist beim lebenden Tier aber gar nicht so augenfällig. Dagegen sind die herrlich roten, senkrechten Steifen auf blauem Grund auf den Körperseiten und die rot getupften, leuchtend gelb eingefassten Flossen echte Hingucker und machen die Pastellgrundel zu einem der schönsten Aquarienfische von Papua. Der Kopf ist der Hammer! Die Geschlechter sind bei der Pastellgrundel schon recht früh zu unterscheiden: Männchen haben einen flacheren Bauch als die Weibchen. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Männchen einen immer höheren Kopf, bis sie im Alter schließlich fast etwas grotesk aussehen. Der Kopf erinnert zum Schluss etwas an den der Goldmakrelen oder Dolphins (Coryphaena). Es ist kein besonderer Zweck für diese Kopfform bekannt. Es gibt Buckelköpfe aber auch bei allerlei anderen Fischarten, vor allem Buntbarschen, aber auch Labyrinthfischen. Es sind vermutlich reine Luxusbildungen, ähnlich der prachtvollen Schwanzschleppe des Pfaus und dient in erster Linie dazu, die Frauen anzumachen und die anderen Männer einzuschüchtern.

Aquaristisch wurde die Pastellgrundel erst spät, in den 1980er Jahren, bekannt. Sie eroberte aber die Herzen der Liebhaber im Sturm, denn sie vereint viele positive Eigenschaften in sich: sie ist stets sichtbar und sehr farbig; sie ist völlig anspruchslos in Bezug auf die Wasserzusammensetzung und die Fütterung; sie ist (zumindest meistens) friedlich; und sie ist leicht zu züchten. Und letzteres macht sie wiederum zu einer ungewöhnlichen Grundel. Die allermeisten Grundelarten kommen sehr unterentwickelt zur Welt. Wenn sie schlüpfen, sind es kaum entwickelte Larven, die sich mit den Meeresströmungen treiben lassen und im Plankton heranwachsen. Das tun sogar die meisten Süßwassserarten. Sie laichen zwar im Süßwasser ab, die Larven werden aber mit der Strömung der Bäche und Flüsse ins Meer gespült. Bei Tateurndina ist das anders: Die Larven schlüpfen nach ca. 10 Tagen aus den vergleichsweise riesigen Eiern und obwohl sie frei im Wasser schwimmen und nur wie Glassplitter aussehen, können sie bereits gut genug schwimmen, um in der Nähe des Geburtsortes zu bleiben, wo sie auch heranwachsen.Das Männchen bewacht alleine das Gelege, das Weibchen hat nichts mit der Brutpflege zu tun. Man entfernt das Weibchen darum nach der Eiablage.

Die Pastellgrundel eignet sich grundsätzlich hervorragend für Gesellschaftsbecken. Es ist dabei gleichgültig, wie viele Exemplare wel­chen Geschlechts im Becken schwimmen, untereinander sind sie immer friedlich. Nur gegenüber manchen Fremdfischen mit lang ausgezogenen Flossen können sie oft nicht widerstehen und knabbern die Flossen an. Gerade der geografisch und bezüglich der Größe so gut passende Iriatherina werneri (Fili­gran- oder Prachtregenbogenfisch) sollte darum nicht mit Pastellgrundeln gemeinsam gepflegt werden. Gut geeignete Gesell­schafter sind hingegen Regenbogenfische der Gattung Melanotaenia, Barben, Salmler, Leuchtaugenfische, Welse, Zwergbunt­barsche oder Schmerlen. Man kann Tate­urndina mit Trockenfutter, Frostfutter und Lebendfutter füttern, sie lässt sich alles schmecken, nur für Pflanzen als Nahrung inter­essiert sie sich nicht. Aber dagegen hat schließlich kein Aquarianer etwas ein­zuwenden….

Für unsere Kunden: die Tiere haben, ja nach Größe, Code 461001 (sm) bis 461004 (lg-xlg) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.

Text & Photos: Frank Schäfer