In einem 1957 erschienenen Buch über Guramis schreibt der Autor, Sol Kessler, dass etwa 15 Jahre zuvor (also 1942, mitten im 2. Weltkrieg!) in Europa verschiedene, auf Mutation des Punktierten Fadenfisches (Trichogaster trichopterus oder Trichopodus trichopterus) beruhende Varianten der Art erzüchtet worden seien. Mit diesen, offensichtlich in Deutschland nicht weiter gezüchteten Tieren soll ein Züchter namens Cosby in Texas – er hat nach Kessler eine eher kleine Zierfischzüchterei betrieben – einen erbfesten Stamm, den Marmor- oder Cosby-Gurami erzüchtet haben. Aufgrund dieser Geschichte wird dieser weltweit mit am häufigsten gehandelte Fadenfisch auch als „Trichogaster cosby“ bezeichnet, was aber kein wissenschaftlicher, sondern ein erfundener Name ist. Als Zuchtform steht dem Marmor-Gurami kein eigener wissenschaftlicher Name zu. Zuchtformen werden in der Wissenschaft als artgleich mit der Ausgangsform gesehen, tragen also auch den gleichen wissenschaftlichen Namen, in diesen Fall Trichogaster oder Trichopodus trichopterus.

Marmor-Guramis müssen übrigens nicht zwingend auf blauer Grundfarbe gezüchtet werden. Man kann dieses Muster, das im Grunde eine Verstärkung der Balzfarben des Punktierten Fadenfisches auch außerhalb der Fortpflanzungszeit darstellt, auf allen bekannten Grundfarben (braun, blau, gold, silber) des Punktierten Fadenfisches züchten. Aber man wird kaum jemals im Zoohandel auf andere als blaue Marmorguramis antreffen.
Es handelt sich um sehr schöne, friedliche Fadenfische, die sich ausgezeichnet für das Gesellschaftsaquarium eignen. Die Anpassung an unterschiedlichste Wasserverhältnisse ist ausgezeichnet, jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege und Zucht. Bei Temperaturen über 26°C kommen die Männchen – erkennbar an der spitz und lang ausgezogenen Rückenflosse – in Fortpflanzungsstimmung und bauen ein Schaumnest. In dieser Zeit werden sie sehr territorial und aggressiv. In Brutstimmung werden Cosby-Guramis fast schwarz.
Das Aquarium für Fadenfische sollte möglichst strukturreich eingerichtet sein, mit weichem Boden, üppiger Bepflanzung und durch Schwimmpflanzen stellenweise beschatteten Bereichen. Man kann beliebig viele Exemplare beiderlei Geschlechtes pflegen, allerdings ist dann darauf zu achten, dass die Wassertemperatur so niedrig ist, dass die Männchen nicht in Fortpflanzungsstimmung kommen, sonst gibt es Mord und Totschlag. Als Futter eignet sich jedes handelsübliche Zierfischfutter (Trocken-, Frost und Lebendfutter), es ist aber darauf zu achten, dass Fadenfische ein eher kleines Maul haben.
Man darf Fadenfische niemals mit flossenzupfenden Fischarten (z.B. Sumatrabarben, Rote von Rio, Hochlandkärpflinge) zusammen halten, da diese die hochempfindlichen Bauchflossen der Fadenfische, die als Tastorgane eine wichtige Rolle spielen, abbeissen.
Maximalgröße: ca. 12-15 cm; Temperatur: 20-30°C; pH und Härte: für die Pflege und Zucht unwesentlich (Trinkwasser); Ernährung: Allesfresser; Sozialverhalten: außerhalb der Fortpflanzungszeit friedlicher Fisch mit sozialer Rangordnung.
Für unsere Kunden: die Tiere haben – je nach Größe – Code 468900 bis 468914 auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Text & Photos: Frank Schäfer


