Bei kaum anderen Gattung südamerikanischer Großbuntbarsche herrscht bezüglich der Artabgrenzung derartige Verwirrung, wie bei den Oskars (Astronotus). Lange Zeit wurden nur zwei Arten allgemein anerkannt, nämlich A. ocellatus und A. crassipinnis. Es gibt aber augenscheinlich erheblich mehr Arten; gegenwärtig (2026) sind A. crassipinnis, A. mikoljii und A. ocellatus allgemein akzeptiert, A. rubroocellatus und A. zebra nur mit Fragezeichen. Genetisch kann man mindestens 6 verschiedene Arten unterscheiden, aber es bleibt unklar, wie sie benannt werden müssen.

Die Unterscheidung der Oskar-Arten ist also ausgesprochen kniffelig und gelingt mit Sicherheit nur mit molekularbiologischen Methoden (DNS-Analyse). Allerdings ist die Jungfischfärbung von drei der als gültig angesehenen Arten sehr verschieden. Den „gewöhnlichen“ Oskar, A. ocellatus, kennt man ja hinlänglich aus dem Zoofachhandel, A. rubroocellatus sieht als Baby genauso aus (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus-rubroocellatus-rio-negro/). A. crassipinnis-Jungtiere sind sehr auffällig gelb-schwarz-gefärbt („Bumble-Bee-Oskars“) – sie zeigen wir in diesem Beitrag – und A. mikoljii-Kinder sind sehr bunt (siehe https://www.aquariumglaser.de/fischarchiv/astronotus-mikoljii-3/)
Ab und zu importieren wir sehr hübsche, junge Oskars aus Brasilien, die unter dem Namen „Astronotus crassipinnis“ angeboten werden. Die Art A. crassipinnis gibt es in Brasilien, aber es gibt keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob die Artzuordnung stimmt. Wir vermuten, es handelt sich bei den Tieren um Nachzuchten, höchstwahrscheinlich aus der Aquakultuur für Speisefische. Wegen der oben geschilderten Unsicherheiten bezeichnen wir diese Tiere als Astronotus cf. crassipinnis „Bumble Bee“.
Die bildschönen Fische zeigen das typische Verhalten aller Astronotus-Kinder: sie haben ein starkes Bedürfnis, mit Artgenossen zusammen zu sein. Die auffällige Färbung aller jungen Oskars ist in Wirklichkeit eine Tarnfärbung. Die Tiere schließen sich nämlich in größeren Verbänden zusammen und schwimmen so eng beieinander, dass sie für einen potentiellen Angreifer wie ein einziger, großer Fisch aussehen.
Der Verlust der Kinderzeichnung deutet sich dadurch an, dass die Tiere ihren typischen Augenfleck auf der Schwanzwurzel entwickeln. Von da an fangen die jungen Oskars an, eher einzeln (bzw. in Kleinverbänden) zu leben. Der Augenfleck dient wiederum dazu, Angreifer (die sich beim Beutemachen nach dem Auge des Opfers orientieren) in die Irre zu führen. Oskars fressen ab dieser Größe selbst am liebsten kleine Fische, nehmen aber im Aquarium auch jede andere Sorte kräftigen Futters fleischlicher Natur.
Wie diese Bumble Bee Oskars aus Brasilien als voll erwachsene Fische aussehen, wissen wir nicht. Man kann aber mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass auch diese Astronotus-Art etwa 25-30 cm lang wird. Allerdings können wir gelegentlich größere Wildfang-Oskars (15-18 cm) aus Paraguay importieren, die wir für A. crassipinnis halten und die ebenfalls eine sehr markante und von den allgemein bekannten Oskars abweichende Zeichnung haben, die aus einer senkrechten Gelb-Schwarz-Färbung besteht.
Für unsere Kunden: die Tiere haben Code 632302 (4-6 cm) bis 632307 (15-18 cm) auf unserer Stockliste. Bitte beachten Sie, dass wir ausschließlich den Großhandel beliefern.
Text & Photos: Frank Schäfer


